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Full text of "Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur"

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ZEITSCHRIFT 

FÜR 

DEUTSCHES  ALTERTHÜM 

UND 

DEUTSCHE  LinERATÜß 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ELIAS  STEINMEYER 


EINUNDDREISSIGSTER  BAND 

DER  NEUEN  FOLGE  NEUNZEHNTER  BAND 


BERLIN 

WEIDMANNSCHE  BUCHHANDLUNG 

1887 


TF 


INHALT. 


Seite 

Altenglische  glossen  zu  Abbos  Glericorum  decus,  von  Zupitza   ...  1 

Altenglische  glossen  zu  Beda,  von  demselben 28 

Die  ursprüngliche  gestalt  von  Alfrics  Golloquium,  von  demselben  .     .  32 

Ein  Zauberspruch,  von  demselben 45 

Bruchstück  einer  altenglischen  Boetiushs.,  von  Napier 52 

Zur  Spruchdichtung  bei  den  Angelsachsen,  von  Strobl 5-i 

Die  Neidhartlegende,  von  Meyer 64 

Beiträge  zur  geschichte  der   mhd.  litteratur  in  Osterreich,  von  Müller  82 

1.  Zur  Kudrun       82 

2.  Zum  Meier  Helmbrecht 95 

Segen,  von  Zingerle 103 

Quellennachweise  zu  Lessing,  von  Meyer 104 

Die  Berliner  fassung  des  Puppenspiels   vom  doctor  Faust,  von  Lübke  105 
Urkundliches  über  die  spielleute  in  Tirol,    i  Von  der  mitte  des  xm  bis 

zur  mitte  des  xivjhs.,  von  Schönach 171 

Reinmar  von  Hagenau  und  Auboin  de  Sezane,  von  Schultz  ....  185 

Beiträge  zur  SGallischen  litteraturgeschichte,  von  Bächtold    ....  189 

I   Der  sog.  magister  Ruodpert  und  sein  sog.  brief    ....  189 

II   Notkers  Computus 196 

in  Wer  ist  der  Verfasser  der  gereimten  ahd.  psalmenübersetzung 

(MSD  s.  22—24)? 197 

Bruchstücke  eines  gebelbuches,  von  Kochendörffer 198 

Heiland  v.  2,  von  Franck 202 

Ero,  von  Bremer 205 

Nahanarvali,  von  Detter 207 

"Vierzeilige  gliedcrung  in  Otfrids  Evangelienbuch,  von  Olsen       .     .     .  208 

Zu  Otfrid,  von  Stosch 216 

Das  HärbardsljöJ,  von  Niedner 217 

Hildeburg  und  Ortrun,  von  Roediger       282 

Muskatblüt,  von  Schenk  zu  Schweinsberg 287 

Schwazer  Parzivalfragment,  von  Straganz 287 

Zu  Boner,  von  Strauch 291 

Otfrids  vorrede  an  Liutbert,  von  Zwierzina 292 


IV  INHALT 

Seite 

Beiträge  zur  kritik  des  Eraclius,  von  Strauch 297 

Mit  einem  attribut  zusammengesetzte  personennamen,  von  Andresen  .  33S 

Germanisclie  dative  aus  der  Römerzeit,  von  Much 354 

Des  Strickers  Nackter  böte,  von  Singer 358 

Ein  fragment  der  Ciiristherrechronik,  von  Westermayer 360 

Hd.  glossen  des  zwölften  jhs.,  von  Liebermann    . 362 

Zu  Tanniiäuser,  von  Werner 363 


Druck  von  J.  B.  Hirschfeld  in  Leipzig. 


ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  ABBOS 
CLERICORUM  DECUS. 

Abbo ,  mönch  zu  SGermain  (f  zwischen  921  und^Tl),  fügte 
seinen  in  hexametein  geschriebenen  zwei  büchern  De  parisiace  nrbis 
bellis  jiresulisque  Germani  miraculis,  die  er  896  oder  897  abschloss, 
einen  weiteren,  mit  jenen  inhaltlich  nicht  zusammenhängenden  teil 
in  demselben  metrum  hinzu,  qui  supplet  trinitatem,  mit  dem  spe- 
ciallitel  Clericorum  decus  lyruoculorumque  effectiis  (=  utilitas). 
er  hat  hier  eine  anzahl  ungewöhnlicher,  zum  großen  teil  aus  dem 
griechischen  stammender  Wörter  zu  unterrichtszwecken  in  verse  ge- 
zwängt und  selbst  mit  erklärungen  versehen  (propria  manu  linguas 
[=  glosas]  superieci). 

Dieses  dritte  buch  hat  Perlz  zum  ersten  male  im  2  band  der 
Monumenta  Germaniae,  Hannover  1829,  veröffentlicht:  ich  habe 
die  Separatausgabe  Abbonis  De  bello  parisiaco  libri  in.  in  usum 
scholarum  ex  Monument is  Germaniae  recudi  fecit  GHPertz,  Han- 
noverae  1871,  benützt,  aufserdem  aber  auch  den  auf  abermaliger 
vergleichung  der  Pariser  hs.  beruhenden  abdruck  in  Le  siege  de 
Paris  par  les  Normands  en  885  et  886,  poeme  d'Abbon  avec  la 
traduction  en  regard  accompagne  de  notes  explicatives  et  historiqiies 
par  NRTaranne,  Paris  ISd 4.  aus  einer  anderen  hs.,  die  früher  in 
Canterbury  war,  jetzt  aber  in  der  Universitätsbibliothek  zu  Cam- 
bridge sich  befindet,  hat  nach  einer  abschrift  Bradshaws  Cockayne 
die  ersten  55  verse  veröffentlicht  in  Leechdoms,  wortcunning,  and 
starcraft  of  early  England  i  (London  1864)  s.  l\u\  ff.  dass  die- 
selben von  Abbo  herrühren  und  vorher  schon  gedruckt  waren,  ist 
Cockayne  entgangen. 

An  demselben  orte  s.  Lvrii  ff  hat  Cockayne  auch  die  altengli- 
schen glossen  veröffentlicht  nach  der   nur  bis  v.  53  reichenden  hs. 
von   S Johns    College,    Oxford,     die  vollständige  und   auch  sonst 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  1 


2     ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLEBICORUM  DECÜS 

bessere  zweite  hs.  nr  3271  der  Harley sehen  Sammlung  im  British 
mnseum,  auf  die  schon  Pertz  hingewiesen,  war  ihm  nicht  bekannt 
geworden. 

Beide  hss.  enthalten  Älfrics  Grammatik:  in  meiner  ausgäbe 
habe  ich  sie  0  und  h  genannt,  im  folgenden  werde  ich  den  cod. 
harl.  mit  A,  die  Oxforder  hs.  mit  B  bezeichnen. 

In  beiden  hss.  sind  die  glossen  von  einer  anderen  hand  ge- 
schrieben, als  die  Grammatik:  in  A  von  einer  hand  etwa  aus  der 
mitte  des  11  jhs.,  in  B  aus  dem  ende  des  11  oder  aus  dem 
an  fang  des  12.  in  beiden  sind  Abbos  verse  in  prosa  aufgelöst: 
dabei  ist  der  ganze  v.  18  iind  aufserdem  öfter  einzelne  Wörter 
verloren  gegangen,  während  umgekehrt  manches  hinzugefügt  oder 
geändert  worden  ist  und  zicar  gröstenteils  nach  Abbos  glossen. 
nach  diesen  hat  der  englische  glossator  auch  im  wesentlichen  seine 
arbeit  gemacht  und  zwar  nicht  ohne  häufige  misverständnisse. 

In  A  stehen  die  englischen  erklärungen  mit  wenigen  ausnahmen 
hinter  den  entsprechenden  lateinischen  Worten,  in  B  immer  über 
denselben,  die  schrift  in  B  ist  zum  teil  sehr  undeutlich  geworden, 
sodass  nicht  zu  verwundern  ist  dass  Cockayne  sehr  häufig  falsch 
gelesen  hat.  ich  hatte  diese  hs.  in  folge  des  freundlichen  entgegen- 
kommens  des  president  und  der  fellows  von  SJohns  College  und 
durch  die  gütige  vermittelung  des  damaligen  k.  k.  österreichischen 
Unterrichtsministers  excellenz  dr  von  Stremayr  im  icinter  1874 
auf  75  längere  zeit  in  Wien  und  konnte  daher  die  glossen  wider- 
holt und  bei  verschiedener  beleuchtung  zu  entziffern  suchen,  ich 
erkläre  ausdrücklich  dass  ich  alles,  was  ich  als  lesart  von  B  gebe, 
so  gelesen  habe,  ehe  ich  A  zu  gesicht  bekam. 

Die  spräche  in  A  folgt  der  spätwestsächsischen  regel  noch 
ziemlich  getreu,  weit  mehr  abweichung  zeigt  B.  ich  stelle  das 
hauptsächlichste  hier  zusammen:  die  Ziffern  verweisen  auf  die 
einzelnen  glossen:  wo  keine  hs.  genannt  ist,  steht  die  glosse  nur 
in  A. 

Vocale  betont,  a  st.  ea:  warna  160  ß,  forewarna  160.4, 
hakles  1065.  —  a  st.  x:  hvvajjere  496  (doch  vgl.  522  mit  anm.), 
mage  513.  516.  —  te  st.  e:  forbaed  80 B,  feun  245 ß,  waeg 
247 ß.  —  86  s?.  6:  msedgildan  262  5.  —  ce  st.  y  =  friihws.  \e: 
fjeldestol  1955.  —  •'b  st.  o,  a:  dcenne  204  i,  gemcenigfylde  389. 
—  36  st.  ea:  lißhtres  665.  —  fe  st.  6a:  raf  565.  83  5,  heard- 
Isese   1435,   scyldlees  2535,  wol  auch  gemyndlaeste  1115  (oder 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS     3 

hier  je  =  y  =  frühws.  ie?).  —  e  st.  ie:  uedtlre  242 B.  —  e  st. 
a,  o:  menegum  44  ß.  —  e  st.  »  =  got.  a:  cter  310.  —  e  st.  ai 
=  got.  6:  sprece  \18  AB,  spec  158  ß.  —  e  st.  ie  =  got.  ai: 
nenig  297.  —  es?,  ea:  wex4AB.  155ilß,  wexende  488,  orcerd 
220  4.  223  i.  —  e  st.  6a:  deh  496,  \ieh  522,  orcerdleh  220.  — 
Q  St.  y  =  frühws.  ie:  steme  256,  vgl.  131  5.  —  e  st.  y  als  nmlaut 
von  u:  em(b)  127  iß.  135  iß.  153  iß,  vvur(tmeDt444.  —  ea  st.  se: 
reagel  77  ß,  weaferstowa  177ß.  —  ea  st.  ae:  leavvedra  78 ß,  ge- 
leared  102ß.  —  y  st.  e:  cyn(n)acl  181i,  kynnad  181ß,  swylte 
320,  geydlffican  317.  —  y  st.  eo:  gynd  502. — yo  st.  6o:  fyo- 
wer  311. 

Vocale  unbetont,  a  st.  e:  [jearfana  212  i,  purpuran  227  ß.  — 
a  St.  u  (lurchiceg  im  nom.  acc.  pl.  starker  neutra :  wexbreda  4  iß, 
gewrita  54  iß,  gerseda  82  iß  und  85,  ceppelfata  423,  msegna  429, 
deofla  432,  clyslra  439,  lungla  469,  dihla  485,  gemsera  502.  — 
e  St.  a:  gyklenmude  113i,  middengeard  J25ß,  hafe  139ß,  beard- 
Icese  143ß,  leofe  250 ß,  ealdres  296.  —  e  st.  eo:  larevv  138i.  — 
6  s?.  u:  wudefeoh  255  ß.  —  u  s^  a:  gewriduct  183i,  wseflud  434. 

Consonanten.  tenuis  für  media:  kyninc  121  i,  strencd  27 ß, 
forflyctt  418,  strence  332;  winnent  35 ß,  daelent  125  ß,  wlatent 
127  ß.  135ß,  ecelfet  217  ß,  synt  222ß,  wyrdment  444.  u  für 
f:  gedauenad  94 i,  unlyuendlicum  131  i,  wseuerstowa  177 i,  ge- 
dauenlice  224  i,  rumgyiielne  353,  weeuels  393.  421,  sylua  415.  — 
Schwund  von  b:  emwlatend  (-t)  127  iß.  135  i,  ymsniden  319, 
ymhwyrfte  362;  von  d:  scanlufigende  149i;  von  d?:  delf447; 
von  g:  fyli  45i,  scyldi  251  ß,  gecian  416;  von  h:  fetrine  53 ß, 
reagel  77 ß,  laf  136 ß;  von  1:  worudiic  133i,  weoredlic  133 ß; 
von  n:  msegdrymme  522;  von  r:  embspecende  153,  spsec  158i, 
spec  158  ß.     vocalisierung :   saule  378.  465. 

Ferner:  pyie  als  nom.  sg.  20 B,  stafena  gen.  pl.  60  iß; 
healls  106  i,  haldes  106ß,  slidd  30  ß,  oalihtd  246  ß. 

Accente  finden  sich  in  beiden  hss.  nur  sehr  selten  angewendet : 
in  englischen  Wörtern  ondr»d  47ß,  äa  103 i  mid  520,  gäl  105iß; 
in  lat.  läteri  5ß,  sandapila  13ß,  cönuenit  94  ß,  unäque  103  ß, 
cerrilus  152i,  illö  442. 

Für  die  ohne  feste  regel  in  den  hss.  gebrauchten  majuskeln 
habe  ich  durchweg  minuskeln  gesetzt,  ebenso  stets  g,  da  die  hss. 
das  altenglische  und  das  fränkische  zeichen  ohne  unterschied  hauchen 
(Elene^   s.  viii).     die  loenigen  abkürzungen  habe  ich  aufgelöst  und 

1* 


4  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLEBICORUM  DECÜS 

ziDar,  ICO  nur  eine  auflösnng  möglich  ist,  stillschweigend  (vgl.  aber 
zu  gl.  40  nnd  index  unter  aud). 

Am  rande  habe  ich  angegeben,  in  welcher  reihenfolge  die  latei- 
nischen Wörter  in  den  einzelnen  ver^sen  stehen,  sowie  tc eiche  icörter 
etiva  in  AB  weggelassen  sind:  12'  bedeutet  zb.  das  erste  wort  der 
12  glosse;  das  enklitische  que  ist  dabei  immer  als  selbständiges 
wort  gezählt. 

In  den  anmerknngen  brauche  ich  0=  original,  wobei  mitunter 
durch  P,  T,  C  auf  verschiedene  lesarten  bei  Pertz,  Taranne,  Cockayne 
hingewiesen  wird.  G  geht  auf  die  lateinischen  glossen  in  der  Pariser, 
g  auf  solche  in  der  Cambridger  hs.  ich  hielt  es  bei  den  lat.  glossen 
für  überflüssig  zu  bemerken,  wenn  sie  nur  bei  Taranne  stehen, 
nicht  auch  bei  Pertz,  der  nur  solche  alicuius  momenli  geben  wollte. 
INCIPIT  LIBER  ABBONIS      116'-^      ne  letetur  bset  ne  blissige   v.  3 


ANGLICE  INTERPRET ATVS.  221^5 


=  112.  122.  13.  14 


0  clerice  eala  du  cleric  w.  1  =  1 2.      te  fedus  traete 

4.  5.  2.  3  sandapila  bser 

ne  dempseiis  ne  waua  du  tieque  toparcha   ne  helle   ealdor 

umquam  eefre  sit  machias'i  gemn  v.A  =  lb^.^.  15 

dipticas  wexbreda  16.  17 1.  18.  19.  i  20 

5  lat  er  i  fram  sidan  tibi  l)e 

fugeas  forfleoh   w.  2  =  8.  9.  6.      quo  sit  Jiset  sy 

10.  7.  111.121  ierarchia  baiig  ealdor 

fore  wesan  neque  sit  ne  ne  sy 

corcula  ealdor  cloaca  helle  pyt                            20 

labentis  slidendes  tibi  \)e  u.  5  =  22 1.  23.  24.  25 1. 

10  ludi  plegan  26.  29 

Überschrift  aus  A,  fehlt  B  1  0  /".  0;  vgl.  99.  -173.  503.  525  l)u  clerc 
B  2  ^ü  B  4  tabellas  Gg  5  läteri  B  sidan  unzioeifelhaft  auch 
B,  obu'ol  das  a  ziemlich  verblasst  ist;  nicht  sidon,  wie  C  liest  6  fu- 

geas zu  fugias  spätere  hand  A,  fugias  0        fleog  \wB         7  esse  Gg 
8  princeps  ludi  Gg  11  letetur,  nicht  leiere  B        blissie  B  12  te 

noch  zu  WB,  ohne  glosse  AB        fedus  ganz  sicher,  Jiicht  fetlia,  toie  C  liest 
('perJiaps  fetialis  heraldic'J  B         obscenus,  turpis  Gg  13  sandapila  B 

baccaulus  Gg  (vgl.  162)  14  toparcha  (nicht  toparchus)  B,  toparchia 
A  princeps  unius  loci  .i.  diabolus  erebi  (iierebi  g-^  G^  15  s\  f.  A  ge- 
winn B  pugna  Gg  16  jje  f.  A  17  sit  f.O  si  B  18  rchi  sehr 
verblasst  B  sacer  principatus  Gg,  dahinter  s.  sit  tibi  G  (vgl.  17^.  19^.  21). 
die  englische  glosse  setzt  sacer  princeps  voraus;  Jimgekehrt  316 
19  Sit  fO  s\  B  20  pyte5  fossa  (festa  Pj  lartari  Gg  21  I)e  CJ 
te  B,  f  A 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS  5 


non  sü  ne  sy 
enteca  feohgestreon 
nee  alogia  ne  oferfyl 
25  Herum  commoneat  sodes  gemin- 

absida   beorht    ü.  6==25-.   28. 

27.  302-  1-  ä 
acrimonia  strengd 
mentes  mod 
teciim  mid  de 
30  quia  non  mordet  for  dam  J^e  ne 

slit  [33.  32 

fiat   sy  ü.  7  =  35.  34.  31.  36. 
mens  mod 

??<ws  din 
35  agonitheta  winnend 
ambasilla  innod 

ne  legat  ne  geceose  y.  8  =  37i. 
392.  391.38.372.41.401.44 
cromam  bleoh 


preter  uranium  butan  heofenlic 
gu!«  so?ef  for  dam  pe  gewunad  40 
is  se 
esse  wesan  ü.  9  =  42.  43.  402. 

462.  45.  461 
deus  god 
midtis  mauegum 

sectare  fyli  du  45 

gemellam  anodiam  getwinne  Ise- 

cedom 
uerere  ondrsed   v.  10  =  48.  49. 

47.  52.  51.  50 
sistere  gewunian 
sicophanta  teouful 
adsis  set  si  J)u  50 

tatnen  {)eah 
boba   stid   v.  11=54.  53.  55. 

56.  57 
ne  tangat  \^SBt  ne  cethrine 
griffia  gevvrita 
charchesia  melas  55 


22  non  (nicht  neque)  mich  B         sit  f.O       si  B        23  pecunia  Gg 

24  oferfyll  5       conuiuium  G^g-  25  commoueat  ^,  -maneatO       ge- 

myngie  B         26  lucida  Gg        27  strencd  (nicht  strend)  B        uigor  animi 
uel  (f.  g)   corporis  industria   uel  (f.  G)  ferocitas  (f.  am  rande  G)  Gg 
28.  29  glosse   über   der  zeile  A         'read  inodes  mentis'  C         29  ^e  ^ 
30  tan  B        slidd  B  ('read  sli/iä:'  C)         31—34  die  glossen  über  der  zeile  A 

31  si  B        33  tui  (nicht  tua)  auch  B       din  B        35  winnent  B      pre- 
liator  Gg  36  uenter  Gg  37  elegat  (nicht  elegas)  und  geceose  (nicht 

ceose)  B  38  colorem  Gg  39  uranium  auch  in  B  bei  genauem  zu- 

sehen deutlieh,  nicht  maximum       heofonlic  B       celestem  Gg        40  da  AB 

41  is  ganz  deutlich  auch  inB,  nicht  uir         se  über  der  zeile  A,  se 
mann  B  42  gl.  über  der  zeile  A  43  god  f.  A  44  multis  atich 

in  B,  nicht  multum  menenegum  ui'sprünglich  B,  aber  das  erste  en  ge- 
tilgt; um  ist  sehr  verblasst,  aber  doch  bei  gutem  lichte  zu  erkennen.  C 
m[icclum]  45  fylige  J)u  B:  C  las  gefyiige  (ohne  Jiu),  indem  er  das  zur 

vorhergehenden  glosse  gehöretide  gü  als  ge  nahm  46  onodiam  B  \&- 
cedom  A  medicinam  Gg  47  uerere  aus  uerrere  durch  rasur  des  zweiten 
r  A,  uerrere  B  (C  konnte  das  lateinische  in  47 — 50  nicht  erkennen)  on- 
draed  B  Urne  G  49  C  las  nur  teo  calumpniator  Gg  50.  51  die 
glossen  fehlen  A        52  uehemens,  robustus  Gg        53  ne]  te  0        setrine  B 

54  scriptura  Gg  55  7iicht  charcesia  B        uasa  pastoralia  Gg 


6     ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS 


togaque  aod  reaf 

crebro  gelomlice 

sistat    gewunige    v.   12  =  60. 

592. 1.  58.  61.  67 
frequens  smtheca  gelomlic  gese- 

tednes 
60  grammatou  stafena 
tibi  \)e 
absistat  gewite  v.  13  =  62.  63. 

64.  66.  65 
nero  sodlice 
glancoma  dymues 
C5  offa  sDsed 

criminis  leahtres 

longe   feor  v.  14  =  OSK  l  69. 

70.  682 
blataqne  brattea    and   brunbasu 

plalung 
deliinc  syddaa 

56  nicht  coaratur5       rtef  j? 


enclitica 

msegd 
tion    absint    ne 

=   73.     74. 

712 

nllatenus  ateshwon 
militie  cempan 


prosapia      eadmodlic  70 


gewitan    v.  15 
75.    711.    72. 


XPI 

per  te  |)urh  Jje 

existat  gewunige  v.  16  =  77.  78. 

76.  80.  79 
amphitappa  ruh  hrsegl 
laon  Isewedra 
nee  non  eac  swilce 
badanola  forbed 
diamant  \yearlQ  lufiad  v.  17  =  82. 

81.  83.  84 
effipiam  gerteda 
stragulam  brunbasu  reaf 

uestis  poetalis  Gg'  57  gesomüce  ur- 
sprünglich A:  an  dem  s  ist  radiert,  aber  doch  kein  richtiges  1  daraus 
gemacht  5S  sista  (das  auslaiitejide  t  wol  7Uir  vollständig  verblasst)  B, 

nicht  \\s\,^  gewunie^,  72/cAf  gewunu  b9  urspt^iinglich  gesettednes  ^; 
aber  das  erste  t  getilgt       composilio  Gg  60  litterarum  Gg  61  I)e 

f.  A  62  absistad  B  63  sodlice  f.  A  64  glauconia  PT  dimniss 
(nicht  dimnys)  B  caligo  oculorum  Gg  65  snajd   atich    in  B  sicher, 

obwol  etwas  verblasst;  ?iicht  imed         massa  Gg  66  criminis  laehtres  B 

sicher,  nicht  crinem  lajlanes  67  0  i7i  longe  undeutlich  B         68  blata- 

que  auch  B,  Jiicht  bloxaque      bralea  B      platung  auch  B,  nicht  wlatung 
auri  lamina,  purpura  Gg  (die  engl.  gl.  setzt  blattea  7md  purpurea  voraus) 

69  dehing   siddan  B  70  inclinatiua ,    humilis  Gg    (C  gibt   humilis 

als  gl.  Äie;*  prosapia  neften  nobilis,  das  PT  nicht  haben)  71  nullatenus 

st.  non  —  ullatenus  (72)  0  72  nicht  unatenus  B  oteshwon  B  73  der 
engl,  glossator  scheint  militis  gelesen  zu  haben;  der  7imgekehrte  fehler 
scheint  ihm  111  passiert  zu  sein  75  gl.  f.  A  76  existat  auch  in 

B  sicher,  obwol  verblasst;   cxtat  0       gewunie  B         77  ruh  reagel  B 
tapete  undique  uillosum   (-se  P,  -sae  T)  Gg         78  laoon  (nicht  lacon)  B, 
aber  vielleicht  wollte  der  Schreiber  das  zweite  o  tilgefi,  da  an  ihtn  radiert 
zu  sein  scheint       leawedra  B       laicorum  populorumue  g,  populorum  und 
darüber  laicorum  G         80  forbaed  B        lectus  in  itinere  G,  1.  itineralis  g 

81  fi  in  lufiad  sehr  vei'blasst  B      ualde  amant  Gg        82  gerajda  ver- 
blasst in  B,  aber  doch  sicher  (nicht  gena;da)        ornamentuni  decorum  Gg 

83  rsef  B      uestem  pictam  g,  u.  putam  (puram  T)  uel  gumfan  G 


75 


80 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORLM  DECüS  7 


*pariterque  propomam  and   ge- 

drefedne  drenc  *222'\ß 
85  est  effipia  geraeda  v.  19  =  852. 

et.  86.  87.  851.  gS 
**  stragula        brunbasu       reai 

**116''i 
pretexta  and  dyrwurde  reaf 
aulica  cura  hiredes  begymen 
ntüur   brycd  v.  20  =  89.  91. 

90.  92.  93 
90  mnlier  wif 

anabola  healsmene 

sed    abulüur    sc    bid    scamlice 

brocen 
ipsa  heo 
connenit  gedauenad  tj.  21  =  94. 

98.  95.  96.  97 
95  apozima  brod 
nee  non  eac  swilce 
placenta  briw 


inualidis  unhalum 

0  cleronoma  eala  |)U  cleric  v.  22 

=  992.  101.  100.  103.  102 
nianeas  wuna  l)ii  ICO 

codrus  lareow 
dissertns  gelaered 
tmaque  J)aet  an 
haud  sis  ne  sy  du  ü.  23=106'. 

8.  62.  7.  5.  4 
luxorius  to  gal  105 

cum  teneas  l)ODne  j)U  healts 
yppos  hors 

fisco  on  codde  [9.  13.  12 

careas  |iola  du  w.  24=  110.  11. 
nomine  naman  HO 

limphatici  gemindlysle 
nt  sis  l^aet  du  sy 
crisostomus  gyldenmuda 
adsis  set  sy  du  u.  25  =  1 15.  4. 

8.  7.  9.  6 


84  pariterque  awc/i  ß  (q  a?/i  p:  mcAiperturbatamque)  ani  f.  A  cla- 
ram  potionem  per  linteum  (p.  1.  f.  g)  Gg  (darnach  die  engl.  gl.  ver- 
kehrt) es  fehlt  sodann  in  AB  vers  18:  agagulam  [agagula  PT,  lenocina- 
torem  uel  lenonem  g,  lenocinatio  G]  caelcbs  aginat  [fugat  Gg]  pecudes  nee 
ablundani  [paleam  Gg]  85  f.  B         86  die  gl.  f.  B  ST  and  scheint 

dafür  zu  sprechen,  dass  et  tirsprünglich  vor  pretexta  gestanden  hat  deor- 
wurde  B         uestis  G,  genus  uestis  puerorum  (über  effipia  85)  g  88  be- 

gimen  B  palatina  Gg  89  brucd  B  91  ornamentum  muliebre  Gg 

(darnach  wol  healsmene  mir  geraten;  dagegen  Wright -  Jf'ülcker  125,8 
anabola  winpel)  92  ubutitur   (nicht  abutitur)  B       sceamlice  B       male 

über  abutitur  G,  i.  male  i.  a  malo  uiro  g  94  cönuenit  gerisd  B 

95  aqua  cum  uariis  cocta  condimentis  Gg  97  pultis  Gg  99  clero- 

norat  (ohne  0)  0      clerc  5      clerice  Gg-  W)  nicht  w est  B      sis  Gg 

101  nobilis  rhetor  uel  poeta  G,  poeta  nobilis  g:  Codrus  ein  dichterischer 
freund  Virgils:  vgl.  113.  242.  406  102  geleared  if        pereloquens  G: 

peritus,  eloquens  §■  103unaque^      an  ^^      die  engl.  gl.  ist  falsch:  etwa 

eac  swylce  sollte  man  erwarten  104  hau  ^  s\  B  non  g  105  gäl 
AB  luxurius^,  aber  0  über  dem  zweiten  u;  uxorius  0  seruator  (so!) 
uxoris  Gg  106  haldes  (nicht  healdes)  B       habeas  G  107  equos  Gg 

108  Saccus  testiculorum  G^  109  pu  5  111  gemyndlccsteß  de- 
mentis  Gg  (der  engl,  glossator  scheint  dementie  gelesen  zu  haben;  vgl.  73) 

112  si  B  auf  rasur,  aber  nicht  zu  verkennen;  [beo]  C  113  cris- 

sostomus  gyldenmude^     os  aureum  habens  Gg-      114adesö     siB     adestoG 


8  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS 


llbapocrisarus  tlihle  l^en 

seruet  gehealde 

OS  miut 

aforismos  dihle  sprece 

tibi  Jje 
\20  coHstes  gevvuna  \m  ü.  26  =  121. 
120.  2.  3 

basilens  kyninc 

abstemius  sitre 

antigraphusque  and  iüwritere 

esto  beo  pu 
125  cosmographus  middangeard  todie- 
lendü.27  =  125.  solum.  126'-. 
8.  7.  61 

estoqne  and  beo  l^u 

catascopus  emwlatend 

tui  din 

«e   sis  ne   sy  du  y.  28  =  130. 
31.  291.  32.  33 
MOgimnus  nacod 

ab  inlicitis  fram  unlyueodlicum 


sisque  and  beo  du 

biotticus  auctor  worudlic  ealdor 

celebres  gelomleec  v.  29  =  136. 

4.  5.  7.  8 
oroscopns  tid  emwlatend  135 

acrizimum  |)eorrne  hlaf 
esqne  and  beo  jju 
didascalus  lareovv 
habeasque    and    hafa    \n\    v.  30 

=  1411.  392.  412.  40.  391. 

43.42 

amphiballum  ruhne  hwitel  140 

in  thoro  on  bedde 

et  absit  and  fram  gewite 

effebus  se  beardleasa 

sed  Sit  ac  sy   ü.  31  =  145.  4-. 

6.  7.  41.  9.  8 
canterius  hengest  145 

habunde  genihtsumiende 
tibi  |)e 
absit  irewite 


115  appocrisarus  CnicAf-rius)  5,  aposicrarus  Pr  l)egn  5  minister  se- 
cretorum  Gg  HS  breues  sermones  Gg  (dihle  ungenau)  120  erstes  s 
w«rf  ge  «Vier  der  zeile  nachgetragen  A  du  B  sis  G,  ut  sis  g  121  ki- 
ning^  rex  Gg-  122  abstemus  ^/  sobrius  Gg  123  canceliarius, 
scriptor  Gg  124  7t<c/jf    In  0  du  5  125  middengeard    todaelent 

(nicht  middengeard  todelenl)  B  mundi  descriptor  Gg  (der  erigl.  glossator 
dachte  an  eine  hier  nicht  passende  bedeutung  von  descriptor)  127  emwla- 
tent^  explorator  Gg  128  t)in  B  129  sis  in  AB  =  sis  Gg  130,  f.  0 
si  pu  B  130  nudus  s.  sis  (s.  sis  c;-sf  131  G)  Gg  131  unlefediicum  ^ 
132  tu  2/  133  autor^^,  actor  Ö  weoredlic  ^  (das  x  zeigt  eine  un- 
gewöhnliche form ,  Indern  der  erste  stricli  oben  über  die  zeile  geht.  C  las 
feorredlic,  aber  der  erste  buchstabe  ist  sicher  w,  und  r  ist  nicht  verdoppelt) 

secularis,  mundanusGg-         134  frequentesGjg"         135  embwlatent^ 
horarum  inspector  Gg         136  laf  B         panem  leuiter  fermentatum  Gg 
137  esque  auch  B  (nicht  es  tu)         13S  didasclus  (didascus  C)  0         larew  A 
protomagister^",  pro  esto  magister  (praecor  magister  P)  G         139  hafe  ß 
140  amphiballum  und  hwitei  auch  B  (nicht  -ballium  und  hwien) 
birruni  undique  uillosum  Gg         143  effebus  auch  B         -lasse  (nicht  -lese)  B 
imberbis,  sine  barba  (s.  b.  [?]  unlesbar  G)  Gg        144  sit]  sed  0  nach  C 
si  B  145  canterus  PT         equus  s.  sit  g  146  abunde  A,  aber 

ein  buchstabe  vor  a  radiert         147  pe  f.  B 


ALTENGL.  GLOSSEX  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS  9 


amasius  scanlufigende 
ibdcareas   Jiola   ]3U   v.  32  =  152. 
50.  51.  32- J 

fore  wesan 

cerrüus  rede 

atque  perifrasticns  and  embspe- 
cende 

niteat  seine 
\bbabbachus  wexbred  ü.  33=155. 
6.  73-2.  s.  9 

mamä  on  hande 

atque  niteat  and  seine 

theologus  godcund  spfec 

on  müde 
leoMif/eas  forewarna  [ju  ü.  34=  162. 
3.  60.  4.  1.  5 

ferre  heran 

baccauhim  bsere 

fauste  gesjeliglice 

te  \)e 
16bcloace  pylte 


haud  SIS  ue  sy  du  v.  35=  167. 

8.  9.  70.  66 
prodigus  tostencend 
obliquus  gewed 
monotalmus  aneagede 
subdolus  facenful  no 

uites  forbuh  \)U  v.  36  =  172'. 

1.  22.  3.  4 
ludibrhun  baralrum  \)a  bysraer- 

lican  helle 
sectare  i'ylig  \ni 

tropheum  sige  [5.  80.  79 

Stent  wunian  v.  37  =  177.  6.  8. 175 
procul  feorran 
amphiteatra  weeuerstowa 
tibi  \ie 

nee  71071  eac  swylce 
egilopia  eahwunda  iso 

7iam  ge7ierant  sodes  cynnad  ü.  38 

=  181 1.  2.  12.   psiche.    3.4 
sc7'upulum  ancxsumnesse 


149  das  end-s  in  amasius  scheint  aus  etwas  anderem  gemacht  und 
dahinter  rasiir  B  sceandlufiende  5  (nicht  se  eardlufiende)  150  caueas 
AO,  aber  die  engl.glosse  setzt  careas  voraus,  wieB  liest  152  cerritus^ 
furiosus  (fumosus?  G),  iracundus  Gg  153  circumlocutiuus  Gg  154  niteat 
falls  157)  f.  0  155  tabula  pictoria  (putoria  G?  vgl.  83)  Gg  15G  e 
in  hande  sehr  verblasst,  aber  sicher  (C  band)  B  157  niteatque  0 

158  spec  B  diuinus  sermo  Gg  160  e  in  forewarna  über  d.  z.  A, 
Warna  B  pro  prsevideas  T,  propter  P,  propri  (zu  proprium  ergänzt)  C  (dar- 
nach dürfte  pro  p  über  uideas  in  beiden  hss.  stehen)  Gg         162  feretrum  Gg 

163  feliciter  G,  felicior^         165  zweifelhaft,  ob  cloace  oder  cloace  Ä 

pytte  aus  pitte  A  fosse  Gg  166  baud]  hau  A,  bad  B  ('read 
ne?'  C)        si  Jju  B        pro  non  g        167  dissipator  Gg        168  distortus  Gg 

169  molotalmus  ß  luscus  Cg-  170  fraudulentus  Gg-  172  bismer- 
lican  B,  1  über  d.  z.  A  infernum  (dahinter  s.  uites  G)  über  bar.  Gg 
(der  engl,  glossator  übersetzt,  als  wenn  ludibriosum  dastände)  173  imi- 
tare  (dahinter  sequere  G)  Gg        174  laudem  uictorie  Gg  176  feorr  B 

177  ampbitetra  (mit  e  beginnt  eine  neue  zeile)  A  weaferstowa  (nicht 
weafenstowa)  5       loca  spectaculiubi  pugnant  gladiatores  Gg*        179swilce^ 

180  uulnera  oculorum  Gg  181  cynaJ  A,  kynnad  B  s.  egilopia 
über   generant  g  182  ancsumnesse  zuerst  A,   aber   dann  x  über  der 

zeile  nacligetragen;  ancxsumnysse  B         angorem,  anxietatem  Gg 


10     ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICOBÜM  DECUS 


uexantque  and  gewridad 

pupülas  seo  [5.  9.  90 

\8bnüet  seine   v.  39  =  187.  6.  8. 

analoginni  healsmene 

scandüo  beorhte 

obrissis  golde 

ore  müde 
i%(loce7itis  Iserendes 

declnia  forbuh  du  ü.  40  =  191. 
2.  3.  42-  1.  5 

birotum  twyhweolne 

brauium  sige 

ac  capito  onfoh  })u 
195  diothedrum  fyldestol 

habe   hafa  ])u   v.  41  =  197,  6. 
9.8.201.200 

culleum  picen  fset 

scias  vvite  }3u 

diametra  healf  gemet 


wescj  nyte  |)u  200 

ergastula  wrsecstowa 

apponas  foresete  du  v.  42  =  202. 

3.41.5.42 
emistichium  healf  fers 
cum  sculpes    dsenne   |)u    writst 
distica  twa  fers  205 

liba  drinc   v.  43  =  207.  6.  10. 

9.  8 
enoforo  of  winfwete 
suesce  gewuna 
laxare  forlsetan 

lotium  migejjan  [2.  4.  52-  1210 

dilige  tu  lufa  du  v.  44=  211. 
zenodochium  |)earfana  hus 
odique  and  hata  du 
zelotipia  hatunge 
stringat   gevvride   y.  45=216.215 

7.  92-1.  8.  5 


183  nicht  uexantes  B  gewridud  A  allidunt  Gg  184  man  sollte 
seon  erwarten  185  nicht  nileat  (zu  dem  die  engl,  glosse  besser  stimmen 

würde)  B  186  anologium  5;  der  engl,  glossator,  dem  hier  keine  latei- 
nische erklärung  half,  hat  analogium  scandito  'besteig  die  kanzeV  arg 
misverstanden ;  wegen  des  sb.  vgl.  91,  statt  scandito  hat  ihm  wol  candido 
vorgeschwebt?  188  obrissis    auch  B,   wie    es  scheint  (Jedes falls  Jiicht 

obrussis)  =obryzis?,  crisis  0        aurum  Gg         189  mupe  B        191  t)u  B 

192  twihweolne  B  currum  duarum  rotarum  Gg  193  das  erste  u 
in  brauium  nicht  ganz  deutlich  B  coronani  Gg  194  accapito  B,  ac- 
cipito  A,  capito  ac  0        ^u  atich  B  (fehlt  bei  C)  195  nicht  cliotedrum 

(übrigens  e  nicht  ganz  deutlich)  B       fteldestol  B       sellam  plectibilem  Gg 

196  habe]  ha:::abe5  (drei  buchstaben  etioa  radiert),  7i i c ht  haec  habe 

197  uas  pice  oblinitum  Gg        199  niedietatem  spere,  horologium  Gg 
200  nescias  A        201  loca  exilii  Gg        202  nicht  foresette  B        [m  B 
203  diniidium    uersum  Gg  204  e   in   sculpes   anfangs  undeutlich  ge- 
schrieben B,  daher  durch  einen  punct  getilgt  und  nochmals  darüber  ge- 
schrieben        ])onne  t)u  (nicht  \)e)  writest  B         scribes  Gg         205  duos 
uersus  Gg        206  f.A        207  of]  on  A        uase  (uasi  G)  uinario  Gg 
210  urinam  Gg        211  ^u  B        212  zenodochium  auch  B,  [xjenodochum  C, 
xenodocliium  0         [)earfena  B  (r  [nicht  ar]  nachträglich  über  der  zeile) 

hur  C        domus,  qua  (in  quo  ^>  pauperes  colliguntur  G^        213  hodique  ^ 

'jfa  B        214  7Ücht  xelotypia  B,  zelo-tipiam  0  nach  C        odia  Gg 
215  niüht  stringatur  B 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORÜM  DECUS        11 


hinc  heonenne 

acitabula  ecedfet 

seu  congia  odde  gemet 

tmim  doma  sit  Jjin  hus  sy 
220 pomerinm  orcerdleh  v.  46  =  220. 
1.  3.  4.  5 

curti  hirede 

sunt  synd 

pomaria  orcerdas 

congrna  gedauenlice 
22bmalis  fepplum 

fulgeat  seine  v.  47  =  226.  8.  7. 
31.  29.  30 

ostrum  purpuren 

eclesiis  on  cyricum 

Sit  sy 
2^0  oletum  myx 

longe  feor  [4.  5.  2.  6.  7.  8 

statuant  gesettan  v.  48  =  233. 

predia  croftas 


quala  wilian 

tibi  de 

agilent  astyrian 

flabra  windas 

flagia  gyrda 

pota  drinc  v.  49  =  243.  1'.  2. 

12.  39.  40 
diamoron  morod 
nt  fugiat  |)«t  forfleo 
gorgoti  uteddre 
eminxis  feor 
sperne  tu  forhige  du  v.  50  =  244  ^ 


235 


240 


.2.  1 


9.  6' 


olon  piaton  eall  fena  245 

*  quatinus  lustret  panon    onliht 

*117'•4^;.  51=248.  62.  51. 

50.  2.  3 
Of/oH  weg 
te  \)e 
sinposia  gebeorscipe 


216  hing  heonene  B         217  nicht  acetabulo  B         ecetfset  B        uas, 
quo  fertur  acetum  Gg  (daher  mich  der  sg.  in  der  engl,  glosse)        218  men- 
suras  G,  mensura  g         219  sit  nicht  in  0         s'i  B         220  orceard  B 
locus  uacuus  Gg         221  hirede[s]  C  (kein  räum  für  s  i/i  B)         222  sunt 
f.  0,  doch  224  G  synt  B  223  orceardas  5  uiridiaria  Gg 

224  gedafenlic  5   (kein   räum  für  e)         s.  sunt  G  225  pomis  G 

227  purpuran  B         purpura  Gg  (purpuren  adj.  snbstaiitivisch  gebraucht; 
vgl,  ne.  iinen)  228  on   f.  A  cyrcicum  A,    circium   (nicht  circirce, 

das  C  zu  circe  ändert)  B        229  si  B        230  mix  B        slercus  humanuni  Gg 

232  gesettant  B  233  croftas  wahi'scheinlich  auch  B,  nicht  oreftas; 
wenigstens  ist  der  erste  buclistabe  weit  eher  c,  als  o,  und  der  ziveite 
sicher  kein  e  234  corbes  Gg  235  ])e  B  236  styrian  B  mo- 
ueant  Gg  237  uenti  G,  uente  g  238  fehlt  B  flogra  öet  P  wol  nur  ver- 
sehen uirgas,  uiridiaria  (-riig-j  G^  239  bibeG^g"  240  diamaron.^,  dia- 
metron  0  nach  C  mored  B  morittium  G  241  fleo  B  242  neddre  B 
serpentis  proprium  (pr.  est  g)  Gg        243  longe  Gg  244  tu  f.  0        for- 

hyge  (nicht  forbyge)  [)u  B  245  ftenn   mit  rasur  eines  buclistaben  vor 

nn  (nicht  faeiJm)  B         lutum   totum  Gg         246  illustret  B         onlihtd  B 

247  wseg  B  uia  G^  24S  l)e  te  (das  tat.  wort  über  dem  engl.) 
B,  was  C  stillschweigend  berichtigt  hat  249  a  in  sinposia  über  rasur 
von   etwa   2  buchstaben  B  gebeorsecipe  B  conuiuia  Gg   (numerus 

in  der  engl.  gl.  ungenau) 


12    ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORÜM  DECUS 


2b0uigeas  lifa  J)u 

temeson  healfscyklig 

si  non  potes  gyf  du  ne  niiht 

insons  scyldleas 

7iec  absitque  ne  ne  gewite  v.  52 
=  257.  9.  61.  8.62.  5.  43- i- 2 
2bbhicar  wiidufeoh 

quo  ßagret  l^aet  sleme 

lar  spichus 

nectar  svvetnesse 

tibi  \ie 
2G0esto  beo  l)u  «.53  =  2622.  1.  60. 
21.  5.  3.  4 

memor  gemyndig 

tui  gallonis-  jjines  medgyltlan 

tinieto  ondrted  jiu 

cieri  beon  geciged 
26b ambro  gifre 

negwe  sit  ne  ne  sy  ü.  54  =  2672. 
8.  71.  6.  9.70 

tuus  mulio  J)in  mulbyrde 

strabo  scyleage 

neque  agason  ne  ne  sy  |)iu  bors- 
byrde 

250  lufa  J,  leofe  B  (vgl.  318) 
medius  sons  (somisg-^  Gg 
defeoh  B 


inermis  wsepenleas  270 

sitsj  y.55  =275.  4.  1.  22-  1.  3 

frequens  hyrudo   gelomlic  hece 

comitata  mid  sydegod 

quo  fuerit  ]3ser  J)ser  bid 

abbaso  untrum  bivvrteden  275 

ac  disparet   and   tostence  v.  56 

=  2762-  1.  9.  7.  8 
intercapedo  fiec 
citatim  brtedlice 
nalidos  \)a  strangan 
reminiscere    geinune    \m    v.  57  280 

=  288.  901.  89.  80.  902 
tegat  deet  ofervvreo  v.  58  =  282. 

1.  3.  4.  6.  7 
bnle  geheabt 


XPI  meutern  mod 
sibi  bitn 

tegat  and  |jcet  oferwreo  285 

gausape  sceat 
mensam  beod 

si  qua  uirago  gyf  bwilc  fsemne 
penetret  in  fierd 

tuum  doma  [line  {jciecene  290 

251  healfscyldi  (nicht  healfscyld)  B 
252  gif  t)u  i/        253  scyldlces  B        255  wu- 
pecunia  de  (dicitur  e  g?)  lucis  Gg         256  fraglet  0  ?iach  PT 


ledoleat  Gg  257  spicshuspichus  (das  erste  pi  a?/s  elivas  anderem 

gemacht,  das  zweite  s  nachträglich  eingeschoben:   spichus  stillschweigend 

C)  B        penus  Gg  (C.  bemerkt:    'lar  for  lardariuvi  is  unprecedented:    it 

will   however  hold   for  kitchen.'      ich   meine,    dass   an   kilchen    7iicht  zu 

denken  ist:  ein  durch  penus  glossiertes  lar  konnte  leicht  an  lardarium  [l. 

spichus  IFr.-JFü.  184,36]  erinnern)         258  swetnisse  B         259  t)e  f.A 

262  moedgildan  B,  das  damit  endet        mercennarii  Gg        264  uocari  Gg 

265  elluo  (f.  g),  luxuriosus,  dissipator  Gg        267  custos  mulorum  Gg 

268  luscus  (/'.  G),  uueUus  (uuelcus  jfr?j  Gg        269  prouisor  equorum  Gg 

(sy  aus  266)        272  sanguisuga  assidua  Gg         273  'sur  comitata  est  une 

glose  effacee'   T        275  donius   infirma  Gg  (über  v.  55  hinaus  hat  C  nicht 

mehr  Og  viitgeteilt)  276  disiungat  G         277  interuallum  G         278  agi- 


liter  G        282  consilium,  sermo  G 

286  mantile  G         288  ali    über 
289  inirat  G         290  tectum  C 


284  tibi  0        285  tegat  /".  0  (aus  281) 
qua  G        femina    uirilis  animi  G 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS    13 


comat  gevvlitegad  v.  59  =  292. 
3.  1.  4.  que.  5.  6 

entöle  bebod 

te  1)6 

regis  kyninges 
29bbabeti  sweorbeah 

proceresque  and  ealdras 

minime  superet  nenig  ne  ofersvvid 
V.  60  =  298.  7.  9.  300.  1 

abdometi  ffetnes 

corpus  lichaman 
^00  mage  ma 

teche  bebod  [4.  2 

haud  sis  ne  sy  du  v.  61  =  303 -•  ^ 

neotericus  uranii  niwe  heofeulic 

atqne  neopJütus  and  niwe  on  ge- 

leat'an  [9.  7.  5.  6 

305sed  priscus  ac  eald  v.  62  =  308. 

ab  olim  IVam  frymde 

higiter  eallincg 

dogmatis  larum 

ac  fidei  and  geleafan 
310  ?<?  lYer  comitentur  eala  der  mid 
sydegodon  w.  63  =  3 11"-.  12. 
132.  111.  10.  131-3 


hec  quattuor  Jjas  fyower 
immo  gyl  ma 

in  tuum  euum  on  })inre  ylde 
terjie  bebod  «.64  =  314.  5.  6. 

que.  7 
rfe?  godes  315 

ieron  archon  babg  ealdordom 
palinodt'anqne  and  geydkccan 
Mmas  lifa  J>u  ü.  65  =  319.  18. 

201.  21.  202 
ancisns  ymsniden 

q^dn  moriare  J^eh  l^e  ne  swylte320 
cardiacus  heortancnysse 
posce  gewilna  \)W  v.  66  =  325. 

4.  2.  3 
coUmbum  wwscbus 
sj  ^'esfas  gyf  jiu  bere 
ceruleas  uestes  hörige  reaf  325 

ducitur  bid  gelfed  v.  67  =  326. 

8.  7.  31.  30 
limbus  scip 
anquina  mid  rape 
ducitur  bid  gelsed 
»tec  7ion  eac  swylce  330 

arsippio  boga 


291   decoret  G   ^en^/.  falscher  viodus)  292  te  Ca?/*  293)  aus  ver- 

sehe7i  auch  hinter  entöle  J  mandatum  G  294  regesque  0  295  tor- 
ques  aurea  cum  gemmis  G  296  ealdres  ^  297  engl,  falscher  modus: 
nenig  muss  acc.  ntr.  Äem  =  naenige  t)lnga,  ncenige  gemele        298  pinguedo  G 

301  mandatum  G  (vgl.  314)  302  hau  A  303  neoteritus  A 
celestis  nouus  G  304  nouus  in  fide  G  310  iter]  item  0  '\.  (f.  G) 
utinam  über  ut  GA  316  archonque  0  i.  (f  G)  sacer  princeps  GA 
über  ieron  archon  (wegen  des  engl.  vgl.  18)  317  geydicecan  A  laus 
iterata  et  duplex  (der  engl,  glossator  hat  nur  iterare  übersetzt)  G  319  cir- 
cumcisus  G  320  ut  non  G  (der  engl.  gl.  hat  ut  in  concessivem  sifine 
genommen)  321  cardian  i.  e.  pulsum  (compulsum  T)  cordis  patiens  G: 

der  engl. gl.  hat  paliens  nicht  widergegeben;  ifn  übrigen  bin  ich  nicht  sicher 
ob  der  zioeite  teil  ancnysse  =  angnysse  oder  cnysse  (zu  cnyssan)  ist 
323  lauandariam  G         325  nigras  G  327  nauis  G  328  anguina  0 

nach  PT         fune,  corda  G         329  fehlt  0         331  arcippio  0  ?iach  PT 

arcus  G 


14        ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS 


anquina  mid  strence 

equitatur   biet   geriden  v.  68  = 

335.  6.  7.  3 
canterius  hengest 
ZZhantelis  mid  forgyrdum 

postelisque  and  mid  sefterrsepum 
sed  patiaris  ac  Jjola  Jju   y.  69 

=  aporiam.  337  i.  8.  7^.  9 
et  oHtropiam  and  hlcennesse 
nt  acam  svva  swa  wynsumnesse 
MGcongerat  gegrederige  v.  70=343. 
22.  1.  4.  40.  2^ 
?uff  jnens  Jjin  mod 
«JMS  apodtx  bis  gerefan 
aternam  ecelice 
sffti  bim 
Sibanquirunt  l^earle  secad  y.  71  = 
347.  8.  5.  6.  91 
talia  swylce 
algemam  sargunge 
mentis  modes 

uernm   amendant   sodes   afligad 
V.  72  =  350.  492.  532.  2.  31 
SbOaphatiam  unjirowendlicnesse 
edificant  getimbriad  v.  73  =  351. 

8.  4.  5.  6.  7 
quoque  eac  swylce 


largam  *anteceniam  ruragyuelne 

nonmete  *117''i 
suffert  forJ)yldegad 
agape  lufe  355 

nimis  swy|)e 
apta  gecweme 
agapem  selfremede  geswinc 
secteris   fylig  ]3U  u.  74  =  3602. 

1.  2.  59.  601 
acutis  nisihis  mid  scearpum  big-  360 

dum 
egidiam  gat 
in  giro  on  ymbwyrfte 
fcMeas  heald  jju  ü.  75  ==  364.  3. 

7.  6.  8 
agnatos  |)a  siblican 
anheles  gewilna  |3U  v.  76  =  365.365 

72.  69.  70.  71 
quoque  eac  swylce 
aregidiam  ren 
nerbi  wordes 
ne  sis  ne  sy  })U 

atratus  bewependlic  370 

in  aslum  on  herereaf 
hostis  feondum 
ne  angustent   ne  ne   genyrwian 

y.  77  =  374.  3.  8.  7.  5'.  62 


332  f.O  =  strenge  334  canterus  T  equiis  G  337  apo- 
riam  (anxietatem  G)  sed  0         338  atrophiani  0         tenuitatem  corporis  G 

339  amenitatemC  340congregetG  342 Z.  gefera ?  (gerefa  «ra<i  gefera 
sind  oft  gegenseitig  verwechselt  worden:  s.  var.  zu  Alfrics  Gr.  17,  13.  24, 13. 
300,15)        i.  (f.  G)  socia  über  ap.  (appodix  0)  GA        343  ateruam  auch  PT 

perpetuatn  G         345  ualde  quaerunt  urid  am  rande  ante  omnia  G 

347  dolorem  G  349  effuganf,  longe  mittunt  G  350  aphatiam  (=  apa- 
thiam)   auch  PT         inpassibilitatem  G  353  merendam   G  355  di- 

leclio  G         358  alienum  laborem  G         361  i.  (f.  G)  capram  über  eg.  GA 

364  consanguineos,  propinquos  G  365  'anheles,  une  glose  effacee 
qui    semble    etre   sitias'  T  367    pluuiam    G  370    lugubris    G 

371  asium?  A  spolium  G  372  d^monis  G  die  engl,  gl,  als  wenn 
für  -is  -ibus  stünde ;  vgl.  377  373  premant  G  das  doppelte  ne  (=  ne 
ne)  ungenau;  vgl.  441 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS  15 


aidea  wahryfta 
Zlbsed  alluat  ac  geondgeote  v.  78 
=  3752.6».  noxis.  9^. 80.792 

ethereus  aprilax  roderlic  hsete 

sceleris  gyltum 

animam  saule 

ne  fias  Jjset  du  ne  sy 
ZSOapostata  widercora 

geras  ber  ])ü  v.  79  =  383.  2.  1. 
6.  4.    que.    5 

andU  scyld 

leua  mid  wynstran 

agoiiiam  gewia 
SSbfidei  geleafan 

dextra  mid  swydran 

amaneas   utan    vvuna   jiu    v.  80 
=  388.  7.  902.  11.  89.  90 1 

auspido  wiglunge 

ampliet  geniEpnigfylde 
390a//ww  apogeum  deop  sci'cef 

aliquäm  annonam  tollas  afyr  \m 
V.  81=392.  cordi.  P.  4.  3 

armenum  w^euels 

addas   geeacna  j)u 

archisterium  mvnster 


cof^Ybegffid  ü.  82  =  396.  7.  5.  8i395 
archüridinus  beorscipes  ealdor 
amicale  amineum  gecweme  win 
atque  honustat  and  symd  v.  83 

=  huicmalis.  399.401.400. 

3982 
etiam  eac  swylce 

autummis  hserfest  400 

apoforeta  »ppelfeec 
astcolat  and  begfedü.  84  =  4032. 

2».  3'.  4.  22.  51-2 
agamus  antropus  wifleas  man 
celibatum  chenuesse 
et  SIC  cernet  and  swa  he  bevvarad405 

ü.  85  =  4061.  53.  62.  73-M 
argiripam  patriam  J)a  £e|)elican 

burh 
beatosque  eines  and   Jja  eadigan 

ceastergewaran 
hand  est  ne  is  v.  86  ==  408 1.  9. 

82.  10.  11.  12 
hnic  liysum 

apoplexia  lirowendlic  dead         410 
eure  begymen 
sed  et  astu  ac  eac 


374  uela  G  376  calor  G  377  s.  zu  372  379  noxis   (pro 

culpis  G)  ne  0  380  transgressor  C  382scutumC         384  agoniam- 

que  0  confidentiani,  alacritatem  G  386  swrydran  A         387  extra 

maneas  G  3SS  augurio,  oniini  G  389  protrahat,    protelet    G 

390   aedificium   sub  terris,    antrum    G  391   annonam  f.   0,    steht 

erst   G  al.   ann.    o/me    erklävung  A  392   uelum    G  dahinter 

cordi  0  394  monasterium,  id  est  singularitatem  dei  seruitii  G  396  prin- 
ceps   domus  G  397  amicalo  PT  amiciliae  aptum    album  uinum  G 

(der  engl.  gl.   hat  amic.   tmd  album  nicht  beachtet)  399  huic  malis 

etiam  0  401  wol  verschrieben  für  ajppelfcet;  vgl.  423:  übrigens  wäre 

auch  hier  der  pl.  zu  erwarten  uasa  pomis  ferendis  apta  G  402  falscher 
modus  403  sine  coniuge  homo  G  404  castitatem  G  405  cernere, 
das  Jlpric  Gr.  165,  11.  204,  1.  2  mit  geseon  übersetzt,  ist  hier  nicht  rich- 
tig widergegeben  406  urbem  palernam  G  (argiripa  stammt  gewis  aus 
Virgil:  Argyripa  stadt  in  Apulien;  vgl.  oben  101)  410  mors  subita, 
passio  similis  paralisi  G  412  die  engl.  gl.  über  sed  et^  astu  (astutia  G) 
ohne  erklürung  A 


16  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLEBICORÜM  DECUS 


nullos  angustat   penigne  ne  ge- 
nynvd  w.  87  =  4132- 1.  7.  4.  5 

solet  gewunad 
^\hidem  se  sylua 

antiqxiare   gecian   «.58^416. 
8.  9.  21.  20 

amartetes  j)a  earman 

aginat  he  forflycd 

uenerem  galscipe 
420portat  he  byrd 

anaboladia  linenne  wjeuels 

albent  sciuad  v.  89  =  425 1.  2. 
52.  4.  3 

apofoi^eta  reppelfata 

huic  Ijysum 
420  albiirnis  pomis  hwilum  fepplum 

comitantnr  mid  sydegodon  v.  90 
=  4292-1.6.  8.  7. 

illum  hine 

amidter  freondlice 

cuncte  mrtntes  ealle  mtcgna 
430 7ion   allidunt   ue   aslidad    ü.  91 
=  431.  30.  3.  2 

Awnc  Jiysne 

sinistri  deofla 


affurdllando  lo  beswiceone 
e?   blatterat   aod   w^eflad   ü.  93 

=  4342.  5.  6.  71.  8» 
amineo  hwitau  wine  435 

si  constüerint  gyf  geseltad 
et  referens  and  bringende  v.  94 

=  4382,72.  brancho  prorsus- 

que  brutescil 
eidem  indignum  quoru'am  bittunt 

for  dam  J^e  lord  gewitad  v.  92 

=  440.383-4.39 
geniti  bibiones  l)a  acendan  clystra 
e  haclio  wine  440 

haud  bittit    ne    ne   gaed   v.  95 

=  4411.  2.  12.  31.  4.  3-2 
illo  |)ider 

quo  bimetur   \r^v  bid   getwifeld 
quisquis  honore  swa  hwilc  wyrd- 

nient 
fateor  ic  andete  v.  96  =  4481.445 

61.  5.  62.  71.  82.  72 
probum  buteonem  godue  geon- 

gan 
qui  bidenlat  se  l^e  delfd 
hurra  ania  reade  eordan 


413  aenig  ne  genyrwct^  'anguslat,  glose  peu  lisible,  de  deux  mots 
dont  le  second  semble  etre  premiV  T  416  ad  statum  reuocare  G:  der 
eJigl.  glossator   (gecian  =  gecigan)   scheint  mw   uocare  gesehen  zu  habeii 

417  miseros  G         41S  he  über  der  zeile  nachgetragen  A        fugat  G 

421  amictorium  lineum  G        422  splendent  G        423  uasa  pomis  apta 
ferendis  G      425  albuneis  0  nach  PT      albidis  G        426  falsches  tempus 
428  amicaliter  G        430  interficiunt  G  (der  engl,  glossator  scheint  aliidere 
im  sinne  von  'anslofsen^  intr.  genommen  zu  haben)         432  diaboli  G 
433  labefactando,  concutiendo  G  434  et  /.  0  wa?flu(t  A,  vgl.  183 

stulte  loquitur  G        435  uino  albo  G        437  brancho]  gulture  G 
brutescit]  slultus  fit  G       438  proficiscuntur  G       eidem  ind.  nicht  erklärt  A 

439  bibones  A  mustiones,  qui  nascuntur  de  uino  G  (das  engl,  also 
unrichtig)  441  it,  ambulat  G  (wegen  ne  ne  vgl.  373)  442  iüü  A 

ilia  0  nach  PT,  aber  illuc  G  443  duplicetur  G  444  der  engl, 
glossator  scheint  quisquis  honor  gelesen  zu  habeti        446  bonuni  iuuenem  G 

447  delf  A        fodit  G        448  rufa,  nigra  G 


ALTENGL.  GLOSSEN  Zu  ABBOS  CLERICOBUM  DECÜS    17 


sed  retinet  ac  geliylt  v.  97  =450. 

491.  51.  21.  49-i.  522 
AbOhtc  Jjes 

et  ingennns  and  a^])elboreu 
similem  genüiiram  gelice  jpl)el- 

borennysse 
et  opparat  and  getimbratt  ü.  98 

=  454.  32-1.  burgos.  5.  6 
bnggens  belysnad 
Aöbnerum  sodlice 
hüiosus  imrot 
*atque   apparat    and   getimbrad 

*118M  V.  99  =  4572-1.  8. 

9.  60 
hosortaphium  gecweme  byrgenue 
sibi  him 
AßOsed  hiliosum  ac  uurole 

componit   geset  y.  100  =  462. 

5.  4.  6.  1 
sie  swa 

aratrum  bewependlic 
corpus  lichama 
465oMme  saule 
?«7a  lif 
sed  parat  ac  gegearwad  ü.  101 

=  4691.   71.   8.   701.    1.   2. 

672.  92 
omnipotens  celmihtig 


Uta  astra  blijje  luugla 

s«  est  gyt  is  470 

»nens  mod 

felix  gesa^lig 

0  ^M  herilis  miles  eala  |)ii  drih- 

lenlica  cempa  v.  102  =  477. 

6.  5.  4.  32-4-3 
moneas  mynga  l)ii 
cutictos  ealle  475 

hoc  Jiysum 

comiter  wel  wyllendlice 
cespitat  hrystu.  104  =  475.  84i. 

922' 1.  crimina  uiitus 
preterea  for  jjan  y.  103  =  479. 

801.  1.  2.  802.  3 
cum  clandestinat  l^onne  bediglad480 
quis  hvva 
culpam  scyld 
anthro  ou  helle 
af^we  communit  and  geset  w.  105 

=  4842.  92.  8.  90.  891 
clandestina  dihla  y.  106  =  487.485 

6.  5.  92.  3 
/n  jmrtu  on  hyl)e 
pectoris  breostes 
coalescens  wexende 
eins  mentem  bis  mod 
comiter  wel  wyllendlice  490 


449  retinent  0  453  adornat,   consliuit  G  454  spado  G 

455  buigos  (habitacula,  castra  G)  uerum  0        456  tristis  G        457  inslruit  G 

458  boson  0  caro  sepulchruni  G  (hat  dei'  engl,  glossator  viel- 
leicht carum  s.  gelesen?)  460  triste  G  462  datur  über  swa  G 
463  amamm  ö,  doch  ist  aratrum  vielleicht  zumachst  aus  atratum  ejitsteUt : 
vgl.  370  lugubre  G  467  parat]  s.  animae  G  470  est  /".  0,  aber  s. 
zti  A12  472  felix]  s.  est  G  473  0  f.  0  'herilis,  glose  peu  lisible; 
peul  etre,  do7ninicatus'  T  478  'cespitat,  glose  peu  lisible'  T  479  der 
engl,  glossator  hat  wol  propterea  gelesen  480  occultat  G  4SI  ali 
über  quis  G  482  noxam  0,  culpam  erst  G  483  inferno  G  und  am 
rande  pro  in  antrum  484  uallat  G  485  occulta  G  486  ni'spr/ing- 
lich  hyl^e  ^,  </aw;i  aier  noch  ein  y  hinter  y  wie;*  rfer  ie?7e  Jiachgetragen, 
indessen  dieses  loider  ausradiert  488  crescil  G  490  decenter  G 
Z.  F.  D.  A.   XXXI.    N.  F.  XIX.                                         2 


18  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS 


si  coagmentat  gyf  gevvrid 

nam  oluit  soJ3es  bedihlad 

illic  l);cr 

dancule  digellice  v.  107  =  494. 
51.  7.9.  6.  8.  52 
495  noH  ualebit  ne  framad 

tarnen  svva  deh  hwajjere 

constare  gewuniau 

ipsa  heo 

diu  lange 
500  danmla  tonante  teste  hean  selmih- 
tigangevvitaQü.l08=500i-3-2. 

1.   22-1-3 

sw^er  widufan 

per  sacrata  ora  gynd  \ia  gehal- 

gedan  gemsera 
0  tntor  eala  Jm  scyldend  y.  110 

=  507.4.  32.  9».  8 
dientele  hiwrwdene 
505 »laneas  wuna  \)\i 

hie  her   ?;.  111  =506.  5.  152. 

uirtutum.    14 1.  15^ 
immo  gyt  ma 

uelut  heres  svva  swa  yrfweard 
dei  cum  uideas  lionne  J)u  gesyhst 


ü.  109  =  5092-3.  11-2.  10.122. 

111 
pessumdare  for\vur|)aQ  510 

nefaiuhmi  astum   \^a   manfuUaa 

Irafelnesse 
per  seda  geond  worulde 
quatinus   ualeas   Jjset  ]3U    mage 

V.  113  =  5192-1.   211.    122. 

20.  221 
scandere  astigaa  v.  112^514. 

8».    queQHO  lu.   7.  82 
almos  diuos  \^a  mteran  cnollas515 
quatinus  ualeas  and  |)set  Jiu  mage 
dangere  svvegan 
concinnas  laudes  J)a  gesettan  he- 

runga  [man 

sistenti  nomine  wunigendum  na- 
modo  Jj^t  an  520 

tribus  personis  drym  hadum 
soli  tarnen  maiestate  anum  swa 

J)eh     hw«|Dere    mtegdrymme 

V.  114  =  5223-2.  3.  42.3.1 

yiutu  andvvealde 

perhenni  doxaque  and  jja  eceli- 
cau  wuldor 


491  constringit  G    (dahinter   crimina    uirtus  0)  492  cluit  0 

pollet,  uiget  G   (dem  engl,  glossator  schwebte  wot  occulit  [oder  celat?] 
vor)  498  heo  über  ipsa  A         ipsa]  uirtus  G  500  cl.  nicht  erklärt 

A,  occulta  G         502  per  euuangelistas  G  (der  engl,  glossator  scheint  oras 
gelesen    zu    haben;    vgl.    ad    oras    to    I)oem    gemasrum    Wr.-Wil.  357,  10) 

503    o    /'.   0         seruator  G        504  familiaritatis  G        505  sis  G 
506  in  hac   uita  G  509  domini  0,    nicht   erklärt  A  510  aus  for- 

wyr])an  A         damnare  G:  die  engl,  glosse  würde  pessumdari  entsprechen 

511  astutiam,  calliditatem  G  512  per  f.O  scta  A,  saecla  ö 
515  cliuos  uirtutum  0  ascensus,  colles  G  516  urspr.  wot  quatinus- 
que  nach  ausweis  des  engl,  und,  weil  0  que  hat:  übrigens  ist  qu.  ual. 
aus  513  widerholt,  f.  0  517  personare  G  518  concinas  A,  dahinter 
que  &H0  tu  0  breuiter  et  ornate  conipositas  G  519  g  in  wunigen- 
dum über  der  zeile  A  520  an  ^  solummodo  G  521  ternis  (olme 
personis)  0  s.  personis  G  522  hwael)ere  aus  hwajpere  A  =  mx- 
gendrymme  uni  G  523  potestate  G  524  gloria  G  (engl,  in  casus 
und  numerus  ungenau) 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICOBUM  DECÜS  19 


525  0  tu  clerice  eala  [lu  cleric  ü.  115 
=  528.  9.  7.  5-2-3.  6 
poscas  bide  \m 

525  0.  f.  0  527  fruar  G 

wuldor  übersetzt  iväi'e 


teneam  jjiet  ic  healde 
quam  pariter  {)cCt  samod 
tecum  mid  de 

52S  J)ait,   als  ivenn   524  l)aet  ecelice 


INDEX 
ac  sed  92.  144.  305.  375.  412. 

449.  460.  467 
acennan  gignere  439 
»Jielboren  ingenuns  451 
»Jjelborennys  genitura  452 
;ej)elic  patrius  (paternns)  406 
afllgan  amendare  (efjfugare,  longe 

mitter e)  349 
iefre  umquam  3 
ffifterrspe  postela  336 
äfyrran  ?o//ere  391 
a'lfremede  (alienus)  358 
ailmibtig  omnipotens  468;    y^-?. 

500 
an  solus(umis)  522 ;  }jaet  äii  morfo 
.    (solummodo)  520;  /a?sc/t  /«r 

unaque  103 
ancsumnes,    ancxsunines,    -nys 

scntpiilus(angor,  anxietas)  1 82 
and  (immer  abgekürzt)  -que  56. 

68.  84.  123.  126.  132.  137. 

139.  183.213.317.336.407. 

516?;  ef  87?.  142.338.405. 

434.   437.  451.   453;    atque 

153.  157.  304.  398.  457;  ac 

276.  309.  484;  asM02;  vgl 

285 
andetan  fateri  445 
andvveald  mitus  (potestas)  523 
■dü^a§e(\emonotalmns(luscus]l&9 
ienig  ue  malus  413 
jeppel  malum  (pomum)  225,  po- 

mwm  425 
teppelfsec  401;  s.  anm. 
ieppelljet  apoforetum  (uas  pomis 

aptum  ferendis)  423;  vgl.  401 
äslidau  allidere  (iuterficere)  430 ; 

s.  anw. 


ästigan  scandere  514 
aslyrian  agitare  (mouere)  236 
ajt:  a't  si  (sy)  ar/s/s  50.  (adesto) 

114 
äteshwön,  öleshvvön  ullatenus  72 
lelhrinan,  alrinan  längere  53 

bier  sandapila  (baccaulus)  13, 
baccaulus  (feretrum)  162 

beardlöas:  se  beardl^asa  (beard- 
l^ese)  effebns  (imberbis,  sine 
barba)  143 

bebod  enfo/e  (mandatum)  292, 
fecÄe  (mandatum)  301,  fecÄe 
314 

bed  i/jorMs  141 

bediglian  c/aMrfes^marefoccMZ^arej 
480,  bedihlian  fälschlich  für 
olere  und  dies  für  cluere  492 

begän  colere  395.  402 

begimen,  begymen  cura  88.  411 

belysnad  buggeus  (spado)  454 

beod  mensa  287 

beon :  beon  geciged  cieri(uocari) 
264;  bid /■?<enf274,  b.  scam- 
lice  brocen  abutitur  92,  b. 
geked  ducitur  326.  329,  b. 
geiiden  equilatur'^'d'i,  b.  getwi- 
leld  bimetnr  443;  böo  jiü  esto 
124.126.260,  sis  132,  es  137 

beorht  absidus  (lucidns)  26,  m 
folge  von  Verwechslung  von 
scandito  mit  candido?  187 

beorscipe:  beorscipes  ealdor  ar- 
chitriclinus  396 

beian  ferre  161,  gestare  324, 
^erere  381,  portare  420 

beswican  affurcillare  (labefac- 
tare,  concutere)  433 


20  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS 


bewarjan  cernere  405  vgl.  anm. 
bewöpendlic    atratus   (lugubris) 

370,  aratrum  (amarum,  lu- 

gubre^  463   vgl.  anm. 
bid  s.  beon 
biddan  poscere  526 
bismerlic,  bysmerlic  aus  versehen 

für  ludihrinm   172 
bleoh  (bleoh?)  croma  (color)  38 
blil^e  letus  469 
blissian,  blissigaa  letari  11 
boga  arsippto  (arcusl  331 
breost  pectus  487 
bringan  referre  437 
briw  'placenta  [pultis]  97 
brod  apozima  (aqua  cum  uariis 

cocta  condimentis)  95 
brücan  uti  89;  bid  scamlice  bro- 

cen  ahutitur  (male  utitur)  92 
brüiibasu    durch    versehen    für 

Malta  (purpura)  68  s.  awm.; 

brüubasu  rßaf  stragula  (uestis 

picta)  83.  86 
burh  argiripa  (urbs)  406  s.  anm. 
bütan  preter  39 
byrd  s.  beran 

byrgen  taphium  (sepulchrum)  458 
bysmerlic  s.  bismerlic 

ceastergewaran  ciues  407 
cempa  ?n?7es  473 ;   vgl.  73  «nrf 

cirice  s.  cyrice 

cUennes  celibatus  (castitas)  404 

clerc,  cleric  clericus  1.  525,  cle- 

ronoma?  (clericus)  99  u^/.  anm. 
clyster  fälschlich  für  bibio  439, 

s.  anm. 
cnol  c?»<us  (ascensus,  collis)  515 
cod  /?sci<s  (saccus  testiculorum) 

108 
crott  predium  233 
cynnau,  kynuan  generare  181 
cyrice,  cirice  eclesia  228 

dead  (mors)  410 

dellau  bidentare  (f ödere)  447 


d(>ofol  sinister  (diabolus)  432 

deop  fl???<s  390 

döorwurde  s.  dyrwurde 

digellice  clancule  494 

dihla  clandestina  (occulta)  485 

dihle  Ijegn  apocrisarus  (minister 

secretorum!  llö, ungenau  dihle 

sprece  aforismos  (breues  ser- 

inones]  118 
dimuiss,  dymnes  glaucoma  (ca- 

ligo  oculorum)  64 
dreuc  (poi?oj  84  [473 

drihtenlic    herilis   (dominicattis) 
drincau  lihare  206,  polare  239 
dymnes  s.  dimniss 
dyrwurde,  döorwurttereafprefex- 

ta  (genus  uestis  puerorum)  87 

eac  et  412;  t^ac  swylce,  swilce 

etiam  399,  quoque  352.  366, 

nee  non  79.  96.  179.  330 
eadig  beat^is  407 
eadmödlic  enclilicus  (inclinatiuus, 

humilis)  70 
eahwund  egilopium, (uulnus oculi) 

180 
ealä  0  1.  99.  473.  503.  525,  ut 

(utitiam)  310 
eald  piiscus  305 
ealdor  (princeps)    8.   14.   396, 

auctor  133    w^f?.  anm.,  /"a/scÄ 

/'/'»r  principalusj  18;  ealdras 

proceres  296 
ealdordöm     /a/sc/«    /"(ir    archon 

(princeps)  316 
call  cunctus  429.  475,  o/os  ('^io- 

f?<s;  245 
ealliocg  iugiler  307 
earm:  ])ä  earman  amarfe^es  fwn- 

serosj  417 
ecedtiet,  ecet-  acitabulum  (uas, 

quo  fertur  acetumj  217 
ecelic   perhennis    524,    ateruus 

(perpetuus)  343 
embspeceüde  perifrasticus  (cir- 

cumlocutiuus)  153 
embwläteiU,  emwläteud,  emwlä- 


ALTEISGL.  GLOSSEiN  ZU  ABBOS  CLEBICORUM  DECUS    21 


lent    catascopus    (explorator) 
127,  (inspector)  135 
eorde:  eordan  ania  448 

fsec  intercapedo  (interuallum)  211 
fäcenfiil  snbdolus  ( fraiuhiletitns) 

170 
feldestöl  s.  fyldestöl 
f«mne    uirago    (femina    uirilis 

animi)  288 
fieon  s.  fenn 
faran:    in   faran  penetrare   (in- 

trare)  289 
fet  (uas)   197 

f«tnes  abdomen  (pinguedo)  298 
fenn,  fk'on  piaton  (luliim)  245 
feohgestreon  enteca  (pecunia)  23 
feond  Äos?2S  (daemon)  372 
feor  /on^ie  67 .  231,  eminus  { louge) 

243,  feorr  procnl  176  anm. 
feorran  procul  176 
fers  (uersus)  203.  205 
fleogan  fugere  6  öM/n. 
fl6on  fugere  241  anm. 
for:  for  dam  (]»an)  pe  ^Mm  30. 

40,  quoniam  438;  t'or  |)aQ  ?rr- 

tümlich  für  preterea  479 
förbed,  -bred  hadanola  (lectiis  in 

üinere,  itineralis)  80 
forbügan  uitare  171,   declitiare 

191 
foril:  ford  gewitan  bittere  (pro- 

ficisci)  438 
foresetlan  apponere  202     [160 
forewaroian  widere  (praeuidere) 
forfleon  fugere  6.  241 
forflygan  aginare  (fugare)  418 
forgyrd  antela  335 
forhycgan,  -hicgan  spernere  244 
forlBBtan  laxare  209 
forvvurl)an  irrtümlich  fürpessum- 

dare  (damnare)  510 
forjjyldegian  suff'erre  354 
frsefelnes  as^ms  (astutia,  callidi- 

tas)  511 
fram  o6  131.  306;  fram  sidan 

?afen  5;  fram  gewite  absit  142 


framian  ualere  495 

fraite  /ciws  (obscenus,  turpis)  12 

fröondlice   amiciter  (amicaliter) 

428 
frymd :  fram  frymde  ab  olim  306 
fyldestöl,   fieldeslül    cliothedrum 

(sella  plectibilis)  195 
fyligan   sectari  Ab.  359,   sectari 

(imitari,  sequi)  173 
fyower  qualtuor  311 

gäl :  lö  gäl  luxorius  st.  uxorius 
(seruitor  [hs.  seruator]  uxoris) 
105 

gälscipe  uenus  419 

gän  bittere  (ire,  ambulare)  441 

gät  egidia  (capra)  361 

geböorscipe  sinposium  (conui- 
uium)  249 

gecöosan  legere  37 

gecian,  geclgan  ungenau  für  an- 
tiquare  (ad  statum  reuocare) 
416,  beoü  geciged  cieri  (uo- 
cari)  264 

gecw6me  aptus  357,  amicalis 
(amicitiae  aptus)  397 ;  irr- 
tümlich für  bosor  oder  boson 
(caro)  458  s.  anm.  [224 

gedafenlic,  gedaueolic  congruus 

gedauenian  conuenire  94 

gedrßfed  drenc  irrtümlich  für 
propoma  (clara  potio  per  lin- 
teum)  84 

geöacniao  addere  393 

gefera?  apodix  (socia)  342 

gegfederigaa  congerere  (congre- 
gare)  340 

gegearwian  parare  467 

gehälgod  sacratus  502         [449 

gehealdan  seruare  116,  retinere 

gelied:  bid  gelaid  ducitur  326. 
329 

gelijered  (geleared  B)  dissertus 
(pereloquens)  102 

geleafa  fides  309.  385;  niwe  on 
gelöafan  neophitus  (nouus  in 
fide)  304 


22  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS 


gelic  similis  452 

gelömliscan   cehbrare  (frequen- 

tare)  134 
gelömlic   freqnens  59,   frequens 

(assiduus)  272 
gelömlice  crebro  57 
gema'iiigfyldaD    ampliare    (pro- 

trahere,  protelare;  389 
gemtere:  gemicra  irrtümlich  für 

ora  502  s.  anm. 
gemet  congium  ^mensiirai  21 S; 

healf  gemet  diametra  (medte- 

tas  spere,  horologinm    199 
gemindlyst,  gemyiulKTst  irrtüm- 
lich für  limphaticus  ^demens) 

111  s.  anm. 
gemingygan  s.  gemyngian 
gemunaii  reminisci  280 
gemyndig  memor  261 
gemyndliest  s.  gemindlyst 
gemyngian,  gemingygan  commo- 

nere  25  vgl.  anm. 
genihlsumieude  habunde  146 
genyrwan    angnstare    (premere) 

413 
genyrvvian    angnstare  (premere) 

373 
geond  512,  gynd  502  per 
geondg6olan  albiere  375 
geonga  buteo  ^iuuen^s)  446 
gerade:    ger^eda  [efßpia   {orna- 

mentum  decorumi  S'l^efßpia  85 
gerßfa:  gerefau  verschrieben  für 

gefera?  342 
geriden:   bid   geriden   equitatur 

333 
gerisan  connenire  94  anm. 
gesffilig  felix  472 
gesaeiiglice  fauste  (feliciter)  163 
geseon  nidere  509 
geselednes    sintheca     (composi- 

tio)  59 
gesettan  statuere  232,  componere 

AQ\,commnnire  (uallare)  484, 

consistereAdQ ;  part.perf.  pass. 

concinnns  [breuiler  et  ornate 

compositnsj  518 


geswinc :      »Ifremede     geswinc 

agape  (alienus  labor''  358 
getimbrian  edificare  351,  appa- 

rare  453.  457 
getwifeidan    bimare    (dnplicare) 

443 
getwinu  gemellus  46 
gewed  obliquus  (distortus)  168 
gewilnian  poscere  322,  anhelare 

(sitire)  365 
gewin,   gewinn  machia  (pngna) 

15,  agonia  (cotifidentia,   ala- 

critas]  384 
gewita  testis  500 
gewitan  absistere  62,  fl&esse  71. 

148.  254;  fram  gewitan  abesse 

142,  ford  gewitan  bittere  (pro- 

ficisci)  438 
gewliiegian     comere    (decorare) 

291 
gewridan    striyigere  215,    coag- 

mentare    (constringere^    491, 

uexare  (allidere)  183 
gewrit:    gewrita   griffia  (scrip- 

tura)  54 
gewunian,    gewunigan  constare 

(esse)  120,  constare  497,  ea?«- 

s?ere  76,  sistere  48.  58,  so?ere 

40.  414,  suescere  208 
geydhecau  (iterare)  317  s.  aum. 
gejjeabt  6i<7e  (consilinm,  sermo) 

282 
gif,  gvf  se  252.  288.  324.  436. 

470.  491 
gifre  ambro  (elluo,   luxuriosus, 

dissipator)  265 
god  dens  43.  315 
göd  probns  (bonus)  446 
godcund  (diuinus)  158 
gold  obrissa  188  s.  anm. 
gyf  s.  gif 
gyldeumüda,  -müde  crisostomus 

(os  anreum  habens)  113 
gylt  scelns  377 
gynd  s.  geond 
gyrd  ßagrnm  (uirga)  238 
gyt:  gyt  mä  immo  312.  507 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLEBICOBÜM  DECUS  23 


habban  habere  139.  196 

häd  persona  521 

haldan  s.  healdan 

hälig :  haiig  ealdor  irrtümlich  für 

ierarchia   [sacer    principatus] 

18,  wie  umgekehrt  hälig  eal- 

dordöm  für  ieron  archon  (sa~ 

cer  princeps)  316 
band  manns  156 
hserl'est  antumnus  400 
htele  aprilax  (calor)  376 
hatian  odisse  213 
hatuüg  zelotipium  (odium)  214 
he  405.  418.  420;  vgl.  heo,  bis, 

him,  hine 
heab:  beaa  felmihligan  gewitau 

tonante  teste  500 
beaidan,  haldan  teuere  106.  363, 

teuere  (frxii]  ö21 
heall :  bealf  gemet  diametra  (me- 

dietas  spere,  horologium)  199, 

healf  fers  emistichium  (dimi- 

dius  uersiiS'  203 
healtscyldig,  -di  temeson  (medius 

i>ons)  251 
healsmene  anabola  (ornamentum 

muliehre)  91,   irrtümlich  für 

analogiam  186 
hell  baratrum  (infernum)  172, 

anthriim  (infernum)  483 ;  belle 

ealdor  toparcha  ( princeps unius 

loci  A.  diabohis  erebi)  1 4 ;  belle 

pyt  cloaca  ^fossa  tartari)  20 
bengest  canterius   (equus)  145. 

334 
böo  ipsa  93.  498 
heofenlic,  beofon-  uranius  (ce- 

lestis)  39;  vgl.  303 
heonene,  -enne  hinc  216 
beortancnys?  (pulsus  oder  com- 

pulsus  cordisj  321  s.  anm. 
her  hie  506 

berereaf  aslum  (spolium)  371 
heruDg  laus  518 
higd  nisus  360 
him  sibi  284.  314.  459 
hine  illutn  427 


bired  curs  221,   hiredes  begy- 

nien  anlica  (palatina)  cura  88 
bis  eins  342.  489 
biwrieden  clientela  (familiaritas) 

504;    untrum   biwriSden   ab- 

baso  (dotnus  infirma)  275 
blaf,  laf:    j^eorf  bläf  acrizimus 

(panis  leuiter  fermentatus)  136 
hliennes  atrophia  (tenuitas  cor- 
poris) 338 
borig  ceruleus  (niger)  325 
bors  yppus  ( equus j   107 
borshyrde  agason  (prouisor  equo- 

rum)  269 
brsedlice  citatim  (agiliter)  278 
hiiegl,  reagel:  ruh  brregl  amphi- 

tappa   (tapete  undiqiie   uillo- 

sum)  77 
breosan  cespitare  478 
büs  doma  219;  ])earfana  (-ena) 

büs  zenodochium  (domiis,  qua 

])auperes  colliguntur)  212 
bwä  quis  (aliquis)  481 
b\va})ere,    b\v«|iere    496.    522 

s.  swä 
hwilc   quis  (aliquis)   288,    swä 

bwilc  quisquis  444 
hwit    alburmis    (albidus)    425; 

bwit  Win  amineum  (uinum  al- 

bum)  435 
hwitel:    ruh  hwitel  amphiballus 

(birrum  od.  -us  undique  uillo- 

sum  od.  -us)  140 
hy})  portus  486 

ic  445 

in  289 

innod  ambasilla  fuenter)  36 

inwritere  antigraphus  (cancella- 

rius,  Script or)  123 
is  est  408.  470 

kyning,  kining,  kyninc  hasileus 

(rex)  121,  rex'294 
kynnan  s.  cynuan 

l«ce  hyrudo  (sanguisuga)  272 
laecedöm  anodia  (medicina)  46 


24  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS 


laf  s.  hlaf 

Isehter  s.  leahtor 

lange  diu  499 

lAr  dogma  308 

l»ran  docere  190 

läreow,  lärew  codrus  hiohilis  rhe- 

tor  nel  poeta)  101,  didascalus 

(  Magister  )  138 
Iswed:    Itinvedra    (leawedra  B) 

laon  (laicorum,  populoruin)  78 
leahtor,  Icehter  crimen  66 
lichama  corpus  299.  464 
lif  uita  466 

lifian  uige7-e  250,  uiuere  318 
linen  (lineus)  421 
lul'e  a^ape  {dilectio)  355 
lufian  diligere  2li;  |)e'arle  lufian 

diamare  (ualde  amare)  81 

mA   »m^e   300;    gyt   ma   «wwio 

312.  507 
m«d-  s.  med- 
*magan  «la/ere  513.  516,  posse 

252 
ma^gd  prosapia  70 
nicegen  iiirtus  429 
ii)8eg(eii)di7ni  moiestas  522 
man   antropus  (hotno)  403;   se 

mann  «'s  41  fl»m. 
maueg,  meneg  multus  44 
mänl'ul  nefandus  511 
m*re  a??«MS  515 
mßdgylda,  miedgilda  ^'aWo  /'wer- 

cennarius)  262 
mßle    charchesium    (nas   pasto- 

rale)  55 
meueg  s.  maueg 
mid  cum  29.  529,  mit  dat.  für 

lat.  ahl  328.  332.  335.  336. 

360.  383.  386;  mid  svdegian 

comitari  273.  310.  426 
middangeard  lödselend,  midden- 

geard  tödadent  falsch  für  cos- 

mographis  (mundi  descriptor) 

125 
migel)a  lotium  (urina)  210 
uiiht  s.  magan 


mix  s.  myx 

möd    mens  28.   32.   283.    341. 

348.  471.  489 
murod,   möred   diamoron  (mo- 

rittium)  240 
miul  OS  117.  159.  189 
miilhyrde   mulio    (cmtos   mulo- 

rum)  267 
myngian  monere  474 
mynster  archisterinni  (monaste- 

riuni)  394 
myx,    mix    oletnm  (stercus   hn- 

manum)  230 

nacod  gimnus  (nudus)  130 

ua?ddre,  neddre  gorgo  (serpentis 
proprium)  242 

nama  nomen  110.  519 

ue  non  22.  30.  71.  252.  430. 
495,  haud  inon]  166,  haud 
104.  302.  408,  Mß2.  37;  \yxi 
ne  «e  11.  53.  379;  l)6h  ne 
irrtümlich  für  quin  (nt  non) 
320;  ainig  ne  nnllns  41Z;  n6 
ne  neque  19.  266.  269,  nee 
254,  ungenau  ne  373  und  haud 
441;  nönig  ne  mitiime  291 

ne  »e5?/e  14,  nee  24;  nö  ne  s.  ne 

neddre  s.  nieddre 

nenig  minime  297  s.  anm. 

niwe:  nivve  on  geleafen  neophi- 
tus  (tiouus  in  fide)  304,  niwe 
heot'enlic  (oder  niwe-heol'en- 
Jic?)  neotericus  uranii  (nouus 
celestis)  303 

nönmete  antecenia  (mer^enda)  353 

nylan  nescire  200 

odde  seu  218 

of  mit  dat.  für  lat.  ahl.  207 

ofertyl,  -fyll  alogia  (conuiuium) 

24 
ot'erswidan  superare  297 
ot'erwreon  legere  281.  285 
ou  in  141.  313.  362.  371.  486, 
(in)  304;  on  helle  anthro  (in 
antrum)  483,  ähnlich  on  mit 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECUS    25 


dat.  für  lat.  ahl.  oder  dat.  108 

156.  228;  vgl  207  anm. 
ondrffidan    nereri     timere)    47, 

timere  263 
ontön  capere  194 
oulihtan  lustrare  246 
orceard,  orcerd  pomarium  (uiri- 

diartum)  223  [cuus)  220 
orcerdlöh  pomerium  (locus  na- 
öteshwöa  s.  äleshwöu 

picen  f;et  culleus  'uas  pice  ohli- 
tütum]  197 

platung  hrattea  (auri  lamina)  68 

plega  Indus  10 

purpuren,  purpuran  ostrum ;  pur- 
pur  a)  121  vgl.  anm. 

pyt  cloaca  fossa)  1 65  ;  helle  pyt 
(pyte  B)  cloaca  fossa  tartari) 
20 

\'M  s.  reaf 

rap  anquina  (funis,  cor  da)  328 

read  hurrus  {rufus,  niger)  448 

reaf,  rsef  uestis  325,  toga  [uestis 
poetalis)  56;  briinbasu  r6ai' 
stragula  (uestis  picta)  83.  86, 
dyrwurde  reaf  pretexta  (genus 
uestis  puerorum)  87 

rt^de  cerritus  (furiosus,  iracun- 
dtis)  152 

rea  aregidia  (pluuia)  367 

roderlic  ethereus  376 

ruh  (uillosus)  77.  140 

rümgyuel  largns  353 

samod  pariter  528 
särgung  algema  ^  dolor)  347 
säul  anima  378.  465 
scamlice,  sceamhce  (male)  92 
scaulufigende,      sceandlufiende 

amasius  (qui  ob  turpitudinem 

amatur)  149 
scearp  acutus  360 
scßat  gausape  (mantile)  286 
scinan  nitere  154.  157.  185,  /"?<?- 

gere  226,  a?6ere  422 


scip  limbus  (nauis)  327 
scrtef  apogeum  (aedificium   sub 

terris,  antrum)  390 
scyld  ancile  (scutum)  382 
scyld  culpa  482 
scyldend  ?M?or  (seruator)  503 
scyldleas,  -las  insons  253 
scyleage  strabo  (hiscus,  uuekus 

od.  uuelcus)  268 
se    /s  41 ;    s6  l)e   qui  447  ;    se 

sylua  ?V/ew  415;  se  beardleasa 

effebns  143;  yp/.  41  anm.  ^ind 

söcan :  ttearle  secan  anquirere 
lualde,  ante  omnia  quaerere) 
345 

seo  pupilla  184 

si,  SV  s«s  104.  112.  129.  166. 
302.369,  ^rts  379;  s/n 5. 17. 
19.  22.  144.  219.  266.  269. 
271,  fiat'dX;  »t  si  adsis  50. 
114 

siblic  agnatus  (consanguineus, 
propinqnus)  364 

siddau,  syitdan  deliinc  69 

side  latus  5 

sifre  abstemius  (sobrius)  122 

sige  tropheum(lausuictorte)  174, 
brauium  ( Corona)  193 

slidan  /a6«  9 

slitan  mordere  30 

snied  o^a  (massa)  65 

Südes  uerum  25.  349,  nam  181. 
492 

södUce  wero  63,  uerum  455 

sp«c  sp6c,  sprec:  dihle  sprece 
irrtümlich  für  aforismos  (tre- 
ues sermonesj  118,  godcuud 
spjec,  spec  theologus  (diuinus 
sermo)  158 

spichiis  lar(penus)2^1  vgl.anm, 

stsef  gramma  (littera)  60 

sleman  flagrare  (redolere)  256 

stid  boba  (uehemens,  robustus)  52 

Strang  ualidus  279 

Sirene  anquina  332 

strencd,  streugd  acrimonia  (ui- 


26  ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORÜM  DECUS 


gor  animi,  corporis  industria, 

ferocüas)  27 
styrian  agüare(mouere)  236  anm. 
svvä  sie  405.  462;   swä  sv\ä  nt 

339,   nelut  508;    swä  hwilc 

quisquis  444;  swa  (teh  hwa- 

Jjere,  hw^epere  tarnen  496. 522 
swegan  dangere  (liersonare)  517 
sweorhöah  haben  (torques  anrea 

cum  gemmis)  295 
svvetnes,  -nis  nectar  258 
swilce  s.  eac 
s\v\|)e  nimis  356 
swydre  dextra  386 
swylc  ?a??s  346 
swylce  s.  6ac 
svvylian  mon  320 
sy  s.  si 

syddaD  s.  siitdau 
sydegian:  niid  s.  comitari  273. 

310.  426 
sylf:  se  sylua  idem  415 
syman  ho?iustare  398 
syud,  synt  s?oi?  222 

töonful  sicophanta   (calumpnia- 

tor)  49 
tid :  t.  embwlätend  oroscopus  (ho- 

rarum  inspector)   135 
tö  vor  adj.  105,  vor  ß.  in  f.  433 
tüdielend,  -lent  (descriptor)  125 

vgl.  anm. 
töstencan  disparare  (disiungere) 

276,  töstencead  prodigus  (dis- 

sipator)  167 
lungol  astrmn  469 
twä  (duo)  205 
iwihweol,  tvvyhw6ol  birotum  (cur- 

rus  duarum  rotarum)  192 

unhäl  inualidns  98 

uülefedlic,    uolvfendlic  inlicitus 

131 
unröt  biliosns  (tristis)  456.  460 
untruni  (infirmus)  275 
unltröwendlicnes    aphatia    (in- 

passibilitas)  350 


iitan :  iitan  wunian  amanere  (ex- 
tra manere}  387 

w&eflian  blatterare  (stnlte  loquij 

434 
Wceg  s.  weg 

währyft  aulenm  (uelumj  374 
wanian  demere  2 
wffipenleas  inermis  270 
warnian   160  anm. 
wseschüs  colimbiis  (lanandaria) 

323 
wffuels  armenum  ( j/e/M»«;  392 ; 

Jinen     wieuels     anaboladium 

(amictoriiim)  421 
Wopuerstöw,    weafer-    amphitea- 

trnm{  locus  spectaculi,  ubipug- 

nant  gladiatoresj   177 
weg,  wa?g  odos  (iiia)  247 
wel :  wel  wyllendliceco»i?Yer477, 

comiter  (decetiter'  490 
weoredlic  s.  worudlic 
wesaQ    esse    42,    fore  (esse)  7, 

/bre  151 
wexan  coalescere  (crescerej  488 
wexbred  diptica  (tabella)  4,  a6- 

bachus  (tabula  pictoria)   155 
widercora  apostata  { transgressor) 

380 
widufau  s«per  501 
wif  mulier  90 

wiOt^as  agamus(sine  coniuge)  403 
wiglung    auspicinm    (augurium, 

omen)  388 
wilie  qualum  (corbis)  234 
win  bachus  440;  liwit  win  c?m?- 

neM?>«  (uinum  album)  435,  t<n- 

^enoH  ft/o/s  wiQ  397 
wind  flabrum  (uentus)  237 
winliet    enophorum   (uas   uina- 

rium]  207 
winnend,  -ent   agonitheta  (pre- 

liator!  35 
wilan  scire  198 
word  uerbum  368 
worudlic,  weoredlic  biotticus  (se- 

cularis,  mnndanus)  133 


ALTENGL.  GLOSSEN  ZU  ABBOS  CLERICORUM  DECÜS  27 


woruld  sechim  512 

wraecslövv  ergastulum  (locus  ex- 
ilii)  201 

writan  sculpere  (scribere)  204 

wudufeoh,  wudefeoh  lucar  (pe- 
mnia  de  lucis)  255 

wuldor  doxa  (gloria)  524 

wunian  manere  (esse)  100.  505, 
Stare  175,  sistere  519;  ütan 
wunian  amanere  (extra  ma- 
nere) 387 

wyllan  s.  vvel 

wyostre  leua  383 

wynsiimnes  aca  (amenitas)  339 

wyrdment  honor  444 

yld  euiim  313 
ymhwyrft  girus  362 
yinsniden   ancisns  (circunicisus) 

319 
yrfweard  heres  508 

})A  art.  acc.  sg.  fem.  172.  406. 
515,  nom.  acc.  pl.  279.  364. 
407.417.439.502.511.518. 
524 

Jjsecen  doma  (teclum)  290 

dam,  Jjan  30.  40  vgl.  479  und  for 

dsenne  s.  J)onne 

Jianon  quatinus  246 

J)«r  ?7ijc  493,  quo  443;  l^aer 
jjier  5M0  274;  vgl.  der  310 

j)äs  hec  311 

jjset,  dfet  j)ro>i.  (quam)  528 ;  l^cet 
an  modo  (solummodo)  520  wnrf 
/afsc/i  für  una  103;  con/  «? 
112.  241,  quo  17.  256,  qua- 
tinus 513.  516,  l3»t  ne  we  11. 
53.  379;  zur  verdeutlicJmng 
des  conjunctives  281. 285. 527 

Berlin ,  weihlachten. 


].e  rel.  30.  40.  320.  438.  447 
j.e  tibi   16.  21.  61.  119.  147. 

178.  235.  259,  te  164.  248. 

293;   mid  })e,  d6   tecum  29. 

528;  liiirh  \)(t  per  te  75 
l)eah,  }j6Ii,  deh  tarnen  51;  vgl. 

swä;  ])(ih  }je  ne  irrtümlich  für 

quin  [ut  non)  320 
])earf'a:  jieart'aua  (|)earfena)  hüs 

zenodochium  (domiis,  quapau- 

peres  colliguntur)  2\2 
|)earle:    ])eaile    lufian    diamare 

(ualde  amare)  81,  [jearle  se- 

can    anquirere    (ualde,    ante 

omnia  quaerere)  345 
jjegn,  l)en:  dihle  l^egn  apocrisa- 

rus  (minister  secretornm)  115 
|jeoif:  jjeoif  hläf,  !ät'  acrizimus 

(panis  leuiler  fermentatuSj  136 
dör  s.  iDaer 
]jes  hie  450;  vgl.  |)ysum,  Insne, 

l)ider  illo  442 

l)in,  din    tui  33.  128,  tuusM. 

219.    262.    267.    269.    290. 

313.  341 
lioliau  carere  109.  150,  pati  337 
fjonne,    daenne   cum  106.  204. 

480.  509 
Jjröwendlic:    l^r.  dead  apoplexia 

(mors   subita,   passio    similis 

paralisi)  410 
prvm  tribus  521 
tiV,  du  m  211.  244.  473.  525; 

vgl.  1.  2.   45.  50.  99.   106. 

109.  112.  114.  120  «siü.,  vgl. 

1)1  n,  jje 
l)urh  per  75 
|)ysne  hunc  431 
jjysum  /mic  409.  424;  hoc  476 

JULIUS  ZUPITZA. 


28  ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  BEDA 

ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  BEDA. 

Die  jetzt  zum  ersten  male  bei  Sweet,  Tiie  oldest  english 
texts  s.  179  IT  veröffentlichten  glossen  hat  ihr  herausgeber  Bede 
glosses  genannt,  weil  sie  in  eine  Londoner  hs.  der  Historia  eccle- 
siastica  Bedas  auf  ursprünglich  am  Schlüsse  der  einzelnen  bUcher 
leer  gelassene  stellen  eingetragen  worden  sind,  welchem  Schrift- 
werk sie  entstammen,  hat  Sweet  ebenso  wenig  ermittelt,  als  Wan- 
ley,  bei  dem  sie  im  Catalogus  225^  als  noces  aliquot  latince  saxonke 
(in  usum  tironuni)  redditce  [gedruckt  ist  reddita]  erwähnt  werden, 
aber  die  erkenntnis  ihrer  herkunft  macht  eine  änderung  des 
namens  nicht  notwendig:  es  sind  glossen  zur  Historia  eccles.  i 
c.  10  —  22:  nur  nr  10  ist  nicht  mit  völliger  Sicherheit  zu  be- 
stimmen ,  und  bei  nr  79  ist  man  geradezu  aufs  raten  angewiesen, 
im  folgenden  bezeichnen  die  römischen  Ziffern  die  capitel  des 
ersten  buches  und  die  arabischen  dahinter  die  Zeilen  in  Holders 
ausgäbe,  wobei  die  capitelüberschriften  nicht  mitgezählt  sind. 

Nr  1 — 6  =  x  7.  10.  13.  15.  16.  nr  1  lautet  das  englische, 
als  wenn  im  lat.  der  ablativ  st.  des  nominativs  stände,  nr  6 
hat  Sweet  für  ganz  lateinisch  gehalten:  liber  edax  sive  utende 
mit  der  andeutung,  dass  dahinter  drei  buchstaben  unlesbar  seien, 
es  schien  mir  aber  schon,  ehe  ich  die  herkunft  der  glossen 
kannte,  unzweifelhaft  dass  siv  entende  zu  trennen  sei  =  wests. 
seo  elende  =  edax.  das  aus  drei  buchstaben  bestehende  unles- 
bare  wort  war  wol  hk  =  liber,  das  freilich  aus  liuor  entstellt  ist. 

Nr  7  —  9  =  x[  24.  in  nr  9  ist  von  dem  englischen  worte 
nur  st  lesbar  vor  drei  unlesbaren  buchstaben:  es  stand  gewis 
stret  da,  der  nom  sg.  trotz  des  nom.  pl.  im  lateinischen  stratae, 
wie  ja  auch  in  nr  8  brycg  dem  lat.  pontes  gegenüber  steht. 

Nr  10  legatis  erendwrica  ist,  wie  schon  bemerkt,  nicht  mit 
völliger  Sicherheit  zu  bestimmen,  ich  vermute  dass  diese  glosse 
dem  XH  capitel  entstammt ,  das  sonst  gar  nicht  vertreten  wäre : 
auch  hier  finde  ich  allerdings  kein  legatis  oder,  was  man  nach 
dem  englischen  auch  erwarten  könnte,  legatus,  sondern  nur  z.  19 
legatos  und  z.  46  legati  (pl.).  legatis  wird  also  wol  aus  legatos 
oder  legati  entstellt  sein  (die  erstere  annähme  kommt  mir  wahr- 
scheinlicher vor:  -is  für  -os  ist  auch  in  nr  38  verschrieben)  und 
der  nom.  sg.  im  englischen  ähnhch  zu  beurteilen  sein,  wie  bei 
nr  8  und  9. 


ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  BEDA       29 

Nr  11  — 16  =  X  16.  17.  18. 

Nr  17  — 18  ==  XI  8.  9.  in  nr  18  ist  milüiae  ein  fehler  für 
militia,  der  möglicher  weise  durch  den  englischen  geuitiv  nidir- 
lices  compdomes  \eranhssl  ist:  dieser  selbst  dürfte  wol  vom  glos- 
sator  gesetzt  worden  sein,  weil  er  ex  infima  militia  statt  es  von 
eligitiir  abhängig  sein  zu  lassen  mit  Constantimis  verband. 

Nr  19  —  21  =  XV  11.45.  nr  20  annonus  fodradas  ist  von 
Sweet  nicht  richtig  beurteilt  worden,  dass  annonus  in  annonas 
zu  ändern  war,  erschien  mir  unzweifelhaft,  ehe  ich  die  herkunft 
der  glosse  kannte.  Sweet  hat ,  ohne  sich  darüber  zu  äufsern, 
wie  er  annonus  verstand,  das  englische  wort  für  verderbt  ge- 
halten, indem  er  s.  646^  'födrere  sm  forager'  ansetzt,  mir  scheint 
es  nicht  unmöglich  dass  das  in  den  Wörterbüchern  ohne  beleg 
stehende  fodnod  auf  einer  falschen  lesung  dieser  glosse   beruht. 

Nr  22—26  =  xrn  13.  20.  8.  9.  21.  in  nr  25  steht  pauper- 
cula  reliquia  für  pauperculae  reliquiae. 

Nr27— 39  =  xiv  2.  3.  6.  15.  17.  19.  21.  23.  24.  31.  32.  38. 
39.  nun  erklärt  sich  ohne  Schwierigkeit  die  seltsame  nr  31 
retna  aetis  ncenig  celdu.  dass  aetis  für  aetas  verschrieben  war, 
konnte  natürlich  nicht  zweifelhaft  sein :  aber  j-etna  =  ncenig  stand 
ich  völlig  ratlos  gegenüber,  auch  bei  Sweet  findet  sich  weder 
s.  iSü  noch  s.  542^  noch  endlich  597^  ein  wort  der  erklärung. 
retna  ist  zunächst  verschrieben  für  retro,  und  dies  hat  der  glosseu- 
sammler  in  der  eile  erwischt  statt  des  davor  stehenden  nidla,  zu 
dem  die  glosse  ncenig  gehörte  (s.  z.  15  quantas  nulla  retro  aetas 
meminit).  in  nr  32  ist  geratade  gewis  in  geradade  =  wests. 
gehradode  zu  verwandeln,  in  nr  35  steht  litigia  st.  litigio  des 
Originals,  in  nr  36  ist  uaemonihus,  über  welches  sich  Sweet 
weder  s.  180  noch  s.  602''  äufsert,  zweifellos  verderbt  aus  faci- 
noribus  z.  24.  in  nr  38  ist  improbis  st.  improbos  geschrieben, 
wie  nach  meiner  Vermutung  in  nr  10  legatis  st.  legatos.  bei  nr39 
scheint  mir  das  englische  in  sidas  für  exitus  nicht  richtig  über- 
liefert. Sweet  sieht  in  m  die  präposition  (s.  505''  unter  in,  vgl. 
624''  unter  sid),  aber  die  stelle  sicut  euidentius  rerum  exitus  pro- 
hauit  (z.  39)  im  original  bietet  keinen  anhält  zur  erklärung, 
wie  der  glossator  dazu  kommen  konnte,  hier  die  präposition  in 
mit  dem  accusativ  anzuwenden,  ich  möchte  daher  meinen  dass 
zunächst  insidas  zu  verbinden  ist,  welches  der  Schreiber  wol  in 
dem  sinne  von  hinsidas  genommen  hat:  vgl.  nr  81  omme  Ursprung- 


30       ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  BEDA 

lieh  St.  komme  und  Satan  456  gegen  die  allitteration  in  sid  gryre 
st.  hinsidgryre.  weiterhin  aber  halte  ich  es  für  mögHch  dass  m- 
sidas  vom  Sammler  verlesen  sei  st.  ut  sidas  (=  ütsidas).  der 
numerus  bleibt  freilich  auch  so  ungenau. 

Nr40  — 47  =  xv  13.46.  48.  57.62.63.  zu  nr  47  ist  zu 
bemerken  dass  der  glossator  acerbatim  (=  acerualim)  fälschlich 
mit  dem  adj.  acerbus  zusammengebracht  haben  muss,  da  er  es 
mit  scearplice  statt  etwa  mit  heapmelnm  übersetzt  hat.  Sweet  487* 
hat  darüber  nichts  bemerkt. 

Nr  48  =  XVI  12. 

Nr  49  — 62=xvii  1.  3.  10.  21.  22.  23.  24.  35.  37.  45.  47. 
53.  54.  zu  nr  52  ist  zu  bemerken  dass  der  glossator  caedebant 
von  caedo  cecidi  statt  von  caedo  caessi  (vgl.  Älfrics  Grammatik 
171,  13)  genommen  hat.  in  Sweets  glossar  finde  ich  nicht 
das  dunkle  nomementa  aus  nr  53  (1.  röwendra?  vgl.  Zs.  9» 
406*^  nauderi  steormannes,  nowendes,  wofür  Bouterwek  rowendes 
schreibt,  während  Leo  Glossar  601  an  altn.  nanst,  nur  usw. 
erinnert). 

Nr  63— 67  =  xviii  1.  9.  10.  12.  13.  in  nr  63  ist  tribunime 
vielleicht  nur  ein  druckfehler  für  tribuniciae,  wie  s.  490""  ohne 
bemerkung  citiert  wird,  und  nr  66  scheint  das  englische  die 
richtige  lesart  avidsam  st.  evidsam  vorauszusetzen. 

Nr  68 — 72:^  XIX  1.2.  7.  8.  bei  nr  70  ist  palustria  arun- 
dine  wol  nur  ein  versehen  für  palustri  harundine:  oder  ist  etwa 
blofs  dittographie  anzunehmen?  nr  72  lautet  s/a6m  tümrfwm.  auf 
grund  dieser  glosse  und  einer  zweiten  aus  der  Corpushs.  s.  97 
nr  1841  (sdabrum  uuind)  setzt  Sweet  s.  509'  ein  von  'ivind  sni 
loind'  unterschiedenes  'wind  s'  an,  das  er  ohne  bedeutung  lässt. 
meine  Vermutung,  dass  flabris  und  ßabrum  zu  schreiben  sei,  wo- 
für ich  mich  auf  die  glosse  zu  Abbo  237  flabra  (uenti)  windas 
und  Wright-Wülker  239,  39  ßabra  i.  flatus  uentornm  blcedas  und 
583,  34  flabrum  a  blast  berufen  konnte,  fand  dann  durch  die  er- 
mittelung  der  herkunft  der  glossen  ihre  bestätigung  (z.  8  flabris 
stimulantibus). 

Nr  73— 78  =  xx  36.  32.  37.  42.  44.  45.  48.  zu  nr  74  ist 
zu  bemerken  dass  der  glossator  repetitam  fälschlich  als  'aufge- 
sucht' (gesöhte)  genommen  hat  st.  'widerholl'  (geedle'hte). 

Nr  79  lautet  iter  sidfcet.  da  ich  in  der  nachbarschaft  der 
vorher  und  nachher  erklärten  Wörter  iter  nicht  finde,  bin  ich  auf 


ALTENGLISCHE  GLOSSEN  ZU  BEDA       31 

den  gedanken  verfallen,  dass  iter  vielleicht  glosse  zu  reditum  z.  48 
oder  naui'gationem  z.  48.  49  sein  könnte. 

Nr  80  — 83=xxi  5.  18.  30.  33.  auffallend  ist  nr  80  obte- 
nuerad  (=  obtmuerat)  dynnade.  der  glossator  scheint  das  lat. 
verbum  mit  tenuis  zusammengebracht  zu  haben. 

Nr  84  —  89  =  XXII  1.  3.  2.  5.  in  nr  84  parnmper  gewwr 
kann  das  englische  wort  nicht  richtig  sein.  Sweet  nimmt  es 
==  gehiocer,  wogegen  an  sich  nichts  einzuwenden  wäre ,  da  an- 
lautendes h  vor  consonanten  überall  aufser  in  nr  4,  wo  es  nach- 
träglich zugefügt  ist,  fehlt:  aber  wie  hätte  der  glossator  dazu 
kommen  können,  parumper  im  sinne  von  'überall'  zu  nehmen? 
ich  vermute  dass  geicwr  verschrieben  ist  für  gewcBcIe  =  gehwwde. 
nr  86  exterminta  dara  abreotnissa  erweckt  den  schein,  als  ob 
abreotnissa  der  geniliv  pl.  wäre,  während  exterminia  den  nomi- 
nativ  erwarten  lässt.  hat  vielleicht  dara  über  dirutaruni  vor 
gerorenra  gestanden?  es  heifst  im  original  exterminia  ciuitahmi 
ab  hoste  dirutaruni.  in  nr  88  steht  calamitates  für  calamitatis. 
dass  endlich  in  nr  89  on  =  ond  (s.  467')  und  nicht  als  präposi- 
tion  (s.  580''  mit  einem  fragezeichen)  anzusetzen  ist,  wird  durch 
den  Zusammenhang  des  Originals  unzweifelhaft  gemacht. 

Die  frage,  ob  der  glossator  bei  seiner  arbeit  nicht  vielleicht 
Alfreds  Übersetzung  des  Beda  benützt  habe,  ist  zu  verneinen, 
von  den  in  den  glossen  vertretenen  13  capiteln  sind  bei  Alfred 
7  ganz  ausgelassen:  x.  xvii  —  xxn.  aber  auch  innerhalb  der 
übrigen  6  capitel  finden  wir  bei  Alfred  vielfach  nichts,  was  den 
glossen  entspräche,  endlich  bestehen  zwischen  der  Übersetzung 
in  den  glossen  und  bei  Alfred  keine  auffallenden  Übereinstim- 
mungen ,  wol  aber  sehr  häufig  abweichungen.  einige  beispiele 
von  den  letzteren  werden  genügen :  36  godioremissum  ]  mänum 
(bei  Smith  mannum  gedruckt);  37  grimre  synne  ] pces  grimman 
mdnes  (gedruckt  mannes) ;  38  wid  dcem  gemaum  ]  ofer  da  wip- 
corenan;  39  insidas  [i'üv  utsidas?)]  ende;  41  towesnisse  ]  todales ; 
42  genihtsumra  ]  maran  usw.  47  hat  Alfred  richtig  heapmcelum 
gegenüber  dem  falschen  scearplice  in  den  glossen. 

Berlin,  den  15  mai  1886.  JULIUS  ZUPITZA. 


32      DIE  ÜRSPRCNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM 

DIE    URSPRÜNGLICHE   GESTALT 
VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM. 

Nachdem  Wülker  iu  seinem  Grundriss  zur  geschichte  der 
ags.  litteratur  s.  477  io  §  569  die,  abgesehen  von  einem  erst  vor 
kurzem  aufgetauchten  fragment,  einzigen  zwei  handschriften,  die 
das  sg.  Colloquium  Älirici  enthalten,  angeführt  und  eine  Ver- 
mutung über  die  zeit  der  entstehung  des  denkmals  geäufsert, 
fährt  er  fort:  'doch  ist  dies  werk  uns  nicht  in  seiner  ursprüng- 
lichen gestalt  erhalten,  sondern  in  einer  von  Älfrics  schüler, 
Alfric  Bata,  überarbeiteten',  und  einige  Zeilen  w^eiter  fügt  er 
hinzu:  'Älfric  Bata  erweitert  seine  vorläge:  in  welchem  umfange, 
können  wir  nicht  mehr  angeben.'  Wülker  hat  sich  hierin  an 
Thomas  Wright  angeschlossen,  der  in  der  ersten  anmerkung  zu 
seiner  ausgäbe  des  Colloquiums  (Vocabularies  edd.  Wright-Wülker^ 
I  88)  behauptet:  'the  enlarged  edition  of  the  colloquy,  by  Alfric 
Bata,  seems  to  have  so  entirely  superseded  the  original,  that  it 
appears  to  be  the  only  one  now  preserved,'  und  gegen  das  ende 
dieser  anmerkung:  'it  is  impossible  now  to  say  which  were  the 
addilions  made  by  Alfric  Bata  to  the  original  tract.'  Wright  und 
Wülker  stehen  aber  mit  dieser  ansieht  im  schärfsten  gegensatze 
zu  Dietrich  und  ten  Brink,  was  Wülker,  obvvol  er  ausdrücklich 
in  §  568  auf  die  in  betracht  kommende  stelle  in  der  abhandlung 
Dietrichs  hinweist,  nicht  gegenwärtig  gewesen  zu  sein  scheint, 
als  er  §  569  schrieb.  Dietrich  in  Niedners  (ursprünglich  Ilgens) 
Zeitschrift  für  historische  theologie,  Jahrgang  1855,  s.  493  ist 
der  meinung,  dass  wir  in  der  Cottonhs.  (C)  'offenbar  die  grund- 
gestalt'  haben,  'die  Älfric  selbst  dem  gespräch  gegeben  hatte',  in 
der  Oxforder  hs.  (0)  dagegen  Älfric  Batas  erweiterung.  und  so 
bemerkt  auch  ten  Brink  i  135  anm.  3,  indem  er  die  eine  hs. 
der  anderen  gegenüberstellt,  dass  0  'das  Colloquium  in  der  durch 
den  jüngeren  Älfric  erweiterten  gestalt  bietet.' 

Nun  wird  man  vielleicht  fragen,  ob  etwa  die  sache  so  liegt, 
dass  sehr  wol  für  beide  ansichten  gründe  angeführt  werden 
können,  auf  eine  solche  frage  muss  man  aber  nach  meiner 
Überzeugung  mit  einem  entschiedenen  nein  antworten,     alle  tat- 

*  ich  brauche  die  Schreibung  Wüliier  (Anglia  viii  1  Umschlag  s.  2) 
durchweg,  also  auch  bei  diesem  buche,  auf  dessen  titel  noch  Wülcker  steht. 


DIE  URSPRCNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIÜM  33 

Sachen  führen,  wie  ich  meine,  mit  nolvvendigkeit,  ja,  wie  von 
selbst,  zu  der  einen  ansieht:  Dietrich  und  ten  Brink  haben  ohne 
zweifei  recht,  Wright  und  Wülker  ohne  allen  zweifei  unrecht, 
wie  kommen  aber,  wird  man  weiter  wissen  wollen,  die  letzteren 
zu  einer  so  völlig  unbegründeten  ansieht?  auch  hier  bleiben  uns 
die  tatsachen  die  antwort  nicht  schuldig,  ein  von  Thorpe  auf 
Wright  und  von  diesem  auf  Wülker  übergegangenes  versehen  hat 
ihnen  die  äugen  geblendet,  das  versehen  Thorpes  aber  hat 
Wanley  veranlasst. 

In  Wanleys  Catalogus  nämlich  s.  196  wird  nr  xxvii  in  C  be- 
zeichnet als  Colloquiiwi  ad  pueros  Lingnce  Latinae  locutione  exer- 
cendos,  ab  ^Ifrico  primum  compilahim,  et  deinde  ab  j^lfrico 
Bata  eius  discipulo  auctum.  Latine  et  Saxonice.  Thorpe  nun  hat 
in  den  Analecta  anglosaxonica*  101  das  versehen  begangen,  diesen 
von  Wanley  herrührenden  titel  (mit  nur  graphischen  Varianten) 
abzudrucken,  ohne  die  bemerkung  hinzuzufügen,  dass  er  nicht 
in  C  steht,  bei  Wright  und  Wülker  aber  finden  wir  zunächst 
eine  englische  überscbrift  und  dann  erst  Colloquiurn  usw.  — 
Saxonice,  sodass  jeder  glauben  muss,  diese  vvorte  stehen  in  C. 
und  das  haben  offenbar  auch  Wright  und  Wülker  selbst  geglaubt 
und  deshalb  auch  in  dem  text  C  die  Überarbeitung  Älfric  Batas 
gesehen:  eine  vergleichung  mit  0  muss  ihnen  überflüssig  vor- 
gekommen sein,  sonderbar  ist  aber  dabei  dass  ein  von  Wülker 
ohne  bemerkung  gelassener  satz  bei  Wright  auf  eine  benutzung 
von  0  hinzudeuten  scheint. 

Wright  sagt  nämlich  (bei  Wülker  i  87  anm.  sp.  2):  'some 
additional  words  from  the  Oxford  MS.  are  here  printed  within 
brackets.'  es  handelt  sich  um  glossen  :  diese  hat  Wright  indessen 
keineswegs  aus  0  entlehnt,  sondern  aus  Thorpes  abdruck  von 
C,  sich  dabei  aber  eingebildet  dass,  was  Thorpe  in  eckigen  klam- 
mern gab,  aus  0  genommen  sei,  das  nur  s.  106  einmal  herbei- 
gezogen ist  (s.  unten  s.  38).  Wülker  hat  auch  dieses  versehen 
Wrights  nicht  berichtigt,  und  so  kommt  es  dass  Thorpes  eigene 
Übersetzungen  von  lateinischen  Wörtern ,  welche  in  C  ohne  ihr 
alteuglisches  äquivalent  stehen ,  jetzt  im  iudex  der  neuen  aus- 
gäbe figurieren. 

Dass  wir  in  0  Älfric  Batas  bearbeitung  haben,  ist  allgemein 
anerkannt,  sodass  ich  darauf  nicht  weiter  einzugehen  brauche, 
doch  benutze  ich  diese  gelegeuheit,  um  eine  ergänzung  und  be- 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  3 


34  DIE  URSPRtNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM 

richtigung  zu  der  bemerkung  von  Wülker  über  den  sonstigen 
inhalt  von  0  zu  geben,  er  sagt  Gruudriss  s.  477  §  569 :  'in 
der  Oxforder  hs.  geht  ein  ähnliches  gespräch  unserem  stücke 
voran,  ein  anderes  folgt:  das  erste  ist  laut  angäbe  der  hs.  von 
Älfric  Bala;  ob  das  folgende,  ist  nicht  gesagt.'  Wülkers  quelle 
ist  gewis  VVanley,  der  s.  105  unter  ur  vi  sagt:  Sequitur  mmiu  re- 
centiori  Pars  altera  (ut  videtur)  superioris  coUoquii,  vel  saltem 
aliud  eiusdem  farince  Latine,  cum  interlineari  versione  Saxonica. 
dass  aber  dieser  teil  der  hs.  kein  gespräch  enthält,  davon  hätte 
sich  Wülker  überzeugt  durch  einen  blick  in  Cockaynes  Leechdoms  i 
s.  Lvui  ff,  wo  das  stück  (freilich  mit  manchen  bei  dem  zustande 
der  Schrift  in  der  hs.  wolerklärlichen  lesefehlern)  abgedruckt  ist: 
dass  es  aber  vollends  nicht  von  Älfric  Bata  herrühren  kann,  geht 
daraus  hervor,  dass  es,  was  Cockayne  nicht  bemerkt  hat,  eine 
prosaische  auflösung  von  Abbos  Clericorum  decus  ist:  weiteres 
in  meiner  ausgäbe  (s.  oben  s.  Iff). 

Ich  gebe  nun  zur  vergleichung  mit  C  einige  proben  aus  0, 
in  denen  ich  durch  antiqua  alles  bezeichne,  was  0  mehr  hat, 
als  C,  soweit  mir  nicht  etwa  ein  blofses  schreiberversehen  in  C 
anzunehmen  scheint,  die  erste  stelle  findet  sich  fol.  204"^  in  0 
und  s.  90  bei  Wright -Wülker.  Quid^  enim  scnuU  isti  tui  socii? 
Alu,  domine  kare^,  sunt  aratores,  alii  etenim  opiliones,  quidam 
quippe  bubulci ,  quidam  etiam  ueuatores'^,  alii  ergo  piscatores, 
alii  autem  aucipes^,  qiiidam  scilicet  mercatores,  quidam  uidelicet 
sutores,  quidam  uidelicet^  salinatores,  quidam  porro  pistores,  qui- 
dam^ quoque  coci.^ 

Die  folgende  probe  ist  fol.  205"  in  0  und  s.  92  bei  Wright- 
Wülker  entnommen.  Quales  autem  feras  maxime  capis?  Capio 
ulique  ceruos  et  ceruas  et  uulpes  et  uulpiculos"  et  muricipes  et 
lupos  et  ursos  et  simias  et  fibrös  et  lutrios  etferuncos,  taxones^ 

'  die  bezeichnung  der  redenden  durch  M,  D  usw.  ist  von  Tiiorpe, 
Wright  und  Wülker  stillschweigend  zugefügt  worden.  ^  darüber  noch  s. 

[dh.  scilicet]  o,  wodurch  die  worte  als  voc.  gekennzeichnet  werden  0. 
3  a  über  ungetilgtem  e  dieselbe  band  0.  '•  auciipes  C;  vgl.  Alfrics  Gr. 

67,  3  auceps  fugelere,  aucipis  vel  aucupis.  ^  darüber  vielleicht  von  der- 

selben band  -t  nephe  0,  was  wol  nemphe  meint  (nemphe  fast  alle  hss. 
Gr.  227,  2,  nur  zwei  späte  nempe).  ^  quidam  bezeichne  ich  nicht  durch 

antiqua,  obgleich  es  in  G  fehlt:  es  wird  wol  durch  das  versehen  desselben 
Schreibers  fehlen,  der  dann  loci  geschrieben  hat  statt  coci,  dessen  richtig- 
keit  sich  aus  s.  98  ergibt,   wo  der  koch   nach  dem  bäcker  redend  auftritt. 

■^  so  0.  *  darüber  vielos  dieselbe  hd.  0. 


DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM  35 

et  lepores  atque  erinacios  et  aliquando   apros   et  dammas  et  ca- 
preos  et  sepe^  lepores. 

Die  dritte  stelle,  die  ich  hier  auführe,  findet  sich  fol.  206"  in 
0  und  s.  93  bei  Wright-Wülker.  Quid  facis  de  tua  uenatione? 
Ego  do  regi,  quicquid'^  capto,  quia  sum  nenator  eins.  Quid  dat 
ipse  tibi?  uel  ciiiiis  honoris  es  inter  tuos  socios?  Primum  locum 
teneo  in  sua  aula ,  uestitum  autem  et  uictum  satis  mihi  tribuit 
et  aliquando  uero^  anulum  mihi  aureum  reddit  et  ueslit  me  hene 
et  pascit  et^  aliquando  dat  mihi  equum  aut  armillam,  ut  libentius 
artem  meam  exerceam. 

Die  letzte  probe  entnehme  ich  fol.  21  T  0  und  s.  101  bei 
Wright-Wülker.  Tu'^  puer ,  quid  fecisti  hodie?  Maltas  res  et 
diuersas  feci.  hac  nocte,  quando  Signum  audiui  edituo^  sonante, 
surrexi  de  lectulo  meo  et  exiui  ad  latrinam  propter  necessitateni 
meam  et  postea  properando  cum  meis  sociis'  perrexi  ad  eccle- 
siam,  discalciatus  quoque  intraui  et  cantaui  nocturnam  cum  fra~ 
tribus. 

Der  unterschied  zwischen  C  und  0  besteht  also  wesentlich 
darin,  dass  die  letztere  hs.  vieles  hat,  was  der  ersteren  fehlt: 
nur  am  schluss  ist  es  anders,  hier  ist  der  letzte  abschnitt  s.  103, 
den  C  hat:  0  probi  pueri  bis  in  gimnasium,  in  0  fol.  213^  bis 
22 r  durch  gespräche  über  kleidung,  betten,  klostergebäude  und 
-einrichtung,  aufstehen,  viehhüten,  reisen,  ankunft  eines  fremden, 
essen,  trinken,  lernen  usw.  ersetzt,  einige  teile  dieses  Schlusses 
stimmen  wörtlich  mit  solchen  in  dem  Stilus  rite  dinersus  Älfric 
Batas  übereiu,  der  vor  der  Überarbeitung  des  CoUoquiums  steht. 

Nun  hegt  also  die  sache  so.  Älfric  Data  erklärt  fol.  204"^  in 
bezug  auf  das  folgende:  Haue  sententiam  latini  sermonis  olim 
y^lfricus  abbas  composuit,  qui  mens  fuit  magister,  sed  tarnen  ego 
jElfric  Bata  multas  postea  huic  addidi  appendices.  eine  ver- 
gleichung  von  0  mit  C  aber  ergibt  dass,  abgesehen  davon  dass 
der  letzte  abschnitt  von  C  in  0  fehlt,  der  wesentliche  unterschied 
zwischen  den  beiden  hss.  darin  besteht,  dass  0  vielfach  einzelne 

*  dafür  aliquando  C,  das  in  0  schon  vorher  verwendet  ist.  -  c  über 
der  zeile  dieselbe  band  0.  ^  tl  0.  "  et  fehlt  bei  Wright  und  Wülker 
wol  nur  aus  versehen:  es  steht  bei  Thorpe,  und  auch  ich  habe  mir  bei  der 
collation  meiner  abschrift  von  0  mit  C  keine  abweichung  angemerlit.  aufser- 
dem    haben  Wright   und  Wülker  die   glosse  imd.  ^  T  dem  rubricator 

überlassen,  der  es  nicht  gemalt  hat,  0.         ^  edi  tuo  0.         ''  dahinter  ne 
radiert  und  die  drei  nächsten  werter  auf  rasur  0. 

3* 


36  DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQÜIUM 

Wörter,  namentlich  conjunctionen,  adverbien  und  adjectiva,  sowie 
auch  längere  Sätze  zeigt,  die  in  C  fehlen,  die  aber  hier  niemand 
vermisst,  während  man  sich  gelegentlich,  wie  wir  bald  sehen 
werden,  über  ihr  Vorhandensein  in  0  wundert:  die  folgerung 
ist  deshalb  unvermeidlich,  dass  dieses  plus  in  0  eben  die  appen- 
dices  Älfric  Ratas  sind,  während  C  uns  das  Colloquium  in  der 
ursprünglichen  gestalt,  wenn  auch  nicht  ohne  fehler,  über- 
liefert hat. 

Ehe  ich  auf  die  fehler  in  C  eingehe,  will  ich  noch  einen 
augenblick  bei  den  Zusätzen  in  0  verweilen,  manche  von  diesen 
würde  man  ohne  C  nicht  erkennen,  andere  aber  würden  sich 
verraten,  wenn  auch  C  nicht  erhallen  wäre,  ja  sogar,  wenn  wir 
Älfric  Batas  erklärung  nicht  hätten,  das  gilt  namentlich  von  den 
oben  an  zweiter  und  dritter  stelle  herausgehobenen  stücken,  bei 
dem  ersteren  von  diesen  müste  jeden,  der  abt  Älfrics  werke  kennt, 
die  erwähnung  der  äffen  stutzig  macheu,  welche  dieser  schwerlich 
einen  englischen  Jäger  hätte  jagen  lassen:  vollends  aber  würde 
der  umstand  für  eine  interpolation  sprechen,  dass  die  hasen 
doppelt  vorkommen,  allerdings  den  vollen  umfang  des  Zusatzes 
würde  man  ohne  C  schwerlich  bestimmen  können,  eher  wäre 
dies  bei  der  auf  jene  folgenden  probe  möglich,  die  worte  uestitum 
et  nictum  satis  mihi  tribuit  können  nicht  von  demselben  manne 
herrühren,  der  uestit  nie  hene  et  pascit  geschrieben  hat,  und  'der 
goldene  ring'  würde  bei  dem  'armband'  stehen,  wenn  hier  nur 
eine  band  gearbeitet  hätte:  dass  auch  die  frage  unpassend  ist 
und  somit  ebenfalls  der  anfang  der  antwort,  könnte  man  auch 
erkennen,  hier  also  hätte  man  wol  auch  ohne  C  das  von  Älfric 
Rata  zugesetzte  ausscheiden  können. 

Auch  darauf  sei  noch  hingewiesen  dass  wir,  wenn  uns  Älfric 
Rata  nur  als  Verfasser  der  vor  dem  Colloquium  in  0  stehenden 
gespräche  überliefert  wäre,  ihn  doch  als  den  Überarbeiter  erkennen 
müsten,  nicht  sowol  wegen  der  widerholung,  auf  die  ich  schon 
aufmerksam  gemacht  habe  (diese  wäre  auch  einem  andern  zuzu- 
trauen), als  weil  sich  seine  ganze  art  in  den  Zusätzen  verrät, 
während  abt  Älfric  überall  mafs  hält,  kann  Älfric  Bata  nie  der 
vocabeln  genug  anbringen:  ob  sie  auch  in  den  Zusammenhang 
passen,  ist  ihm  dabei  ziemlich  gleichgillig.  bezeichnend  ist  na- 
mentlich auch  sein  verfahren  an  der  s.  35  zuletzt  citierten  stelle: 
nach  der  darstellung  des  abtes  Älfric  stehen  die  schüler  auf  das 


DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQÜIUM     37 

gegebene  zeichen  am  morgen  auf  und  gehen  in  die  kirche;  der 
Überarbeiter  lässt  sie  dazwischen  noch  (ein  Vorläufer  der  modernen 
französischen  reahsten)  ad  latrinam  gehen,  die  er  in  seinen  eigenen 
gesprächen  nicht  müde  wird  anzubringen,  vgl.  fol.  IQO'' Uüic  per- 
gamiis  sie  ad  latrinam  propter  necessitatem  corporis  nostri;  164' 
sine  mora  surreximus  et  i^mus  ad  latrinam  und  ebenda  sie  ordi- 
natim  cum  discipline  grauitate  aecessimns  ad  latrinam  propter 
nostram  necessitatem  (neeissitatem  hs.);  167''  tu  fratercule  mi, 
perge  mecum  ad  latrinam,  ferner  licet  huic  puero  pergere  mecum 
ad  necessitatem  meam?  und  nade  secum  ministrans  ei  in  omnibus 
in  latrina;  170"^  puer  hone,  neni  et  perge  mecum  in  latrinam 
propter  necessitatem  meam  usw.i 

0,  obwol  eine  Überarbeitung,  ist  nun  natürlich  zur  Ver- 
besserung von  fehlem  in  C  zu  gebrauchen,  von  denen  die  heraus- 
geber  bisher  nur  die  augenfälligsten  bemerkt  und  zum  teil  still- 
schweigend gebessert  haben,  an  den  folgenden  stellen,  an  denen 
Wülker  mit  recht  Thorpes  von  diesem  selbst  und  von  Wright 
ohne  bemerkung  in  den  text  gesetzte  conjecturen  angenommen 
hat,  zeigt  0  das  richtige  (die  zweite  Ziffer  bezeichnet  die  an- 
merkung,  nicht  die  zeile):  91,  4.  5.  93,  4.  94,  2.  96,  1.  3.  98,  3. 
99,  5.  100,  1.  2.  5.  101,  3.  dagegen  99,  6  hat  0  weder  saltori, 
wie  C,  noch  das  von  Thorpe  richtig  geschriebene  sartori,  sondern 
satori.  auch  an  den  folgenden  stellen,  an  denen  Wülker  ebenso 
stillschweigend  geändert  hat,  wie  Thorpe  und  Wright,  hat  0  die 
richtige  lesart  (die  zweite  ziffer  bezeichnet  die  zeile  bei  Wr.-W.): 
91,  30  iteru  C,  iterum  0;  95,  14  cecos  C,  coetosO;  9S,  4  arceC, 
arte  0;  99,  2  pbaui  C,  probaui  0;  100,  28  ipsue  (e  auf  rasur)  C, 
ipsum  0;  100,  40  di  (d.i.  dei)  scitis  C,  discitis  0;  101,  38  no- 
uam  C,  nonam  0.2  an  einigen  stellen  habe  ich  mir  keine  Variante 
zu  0  aus  C  angemerkt,  wo  WVight  und  Wülker  eine  andere  les- 
art geben:  sie  haben  97,  18  coligas;  97,  20  ealidilia  (doch  macht 
Wülker  die  bemerkung  dass  es  zweifelhaft  sei,  ob  so  oder  casi- 

*  ich  beabsichtige  Älfric  Balas  eigene  arbeit  nebst  seiner  Überarbeitung 
des  Colloquiums  herauszugeben:  wir  bekommen  durch  dieselbe  eine  deut- 
liche Vorstellung  vom   treiben  im  kloster,   namentlich  in  der  klosterschule. 

'^  am  Schlüsse,  der  in  0  nicht  erhalten  ist,  haben  Wright  und  Wülker 
mit  Thorpe  stillschweigend  geschrieben:  103,16  uester  (uestes  C);  26  sine 
(siue  C);  27  learninge  (leornifige  C).  dagegen  haben  sie  20  inceditis  und 
26  scirilitatem  gelassen,  während  Thorpe  ohne  bemerkung  die  allerdings 
gewis  von  Älfric  geschriebenen  formen  incedite  und  scurrilitate  gibt. 


38  DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQÜIUM 

dilia  in  der  lis.  stehe);  102,  32  possnm.  das  richtige  hat  jedes- 
falls  0  mit  caligas,  casidilia,  fossim:  die  erste  und  letzte  lesart 
hat  auch  Thorpe  ohne  bemerkung. 

Eine  etwas  längere  auseinandefsetzung  verlangen  einige 
andere  stellen,  deren  Verderbnis  Thorpe  nicht  entgangen  ist, 
während  Wright  und  Wiilker  keinen  anstofs  genommen  haben, 
die  erste  befindet  sich  am  anfang  des  gespräches  mit  dem  Jäger 
s.  92.  Sds  tu  aliquid?  Unam  artem  scio.  Quäle  est?  Venator 
sum.  über  qnale  est  steht  die  glosse  hwylcne  ys.  dass  nicht 
alles  in  Ordnung  ist,  hat  Thorpe  gesehen:  er  hat  das  incorrecte 
quäle  stillschweigend  in  qualis  verwandelt  und  in  der  glosse  ys 
gestrichen:  aber  der  acc.  hwylcne  für  qualis  est  wäre  auffallend, 
dagegen  ist  er  vollständig  begreiflich  bei  der  lesart  von  0  qualem 
(ohne  est),  dass  später  zu  hwylcne  ==  qualem  noch  ys  gesetzt 
wurde,  nachdem  qualem  in  quäle  est  verdorben  worden,  ist  nicht 
auffällig. 

Ferner  s.  94  antwortet  der  fischer  auf  die  frage:  Quales 
pisces  capis?  in  C:  Anguülas  et  lucios,  menas  et  capüones,  tructos  et 
murenas  et,  qnalescunque  in  amne  natant  salin,  für  salin,  das  zwi- 
schen puncten  steht  und  über  welchem  sich  die  glosse  sprote  be- 
findet, hat  Thorpe  irrtümlich  salu,  aber  er  schweigt  nicht,  wie 
Wright  und  VYülker,  zu  dieser  stelle,  sondern  bemerkt:  'sprote. 
—  What  is  inteuded  to  be  meant  by  this  word,  as  well  as  by  salu, 
I  am  at  a  loss  to  conjecture.  In  the  St.  John's  MS.  the  sentence 
ends  with  natant.'  ich  bin  der  ansieht  dass  salin  und  sprote 
von  einem  leser  an  den  rand  geschrieben  worden  und  dann  beim 
abschreiben  in  den  text  geraten  sind,  salin  weifs  auch  ich  nicht 
zu  deuten :  es  kann  aus  einem  lateinischen  namen,  der  dem  eng- 
hschen  sprote  entsprach,  entstanden  sein,  ebenso  gut  aber  aus  einem 
andern  lateinischen  oder  englischen  fischnamen:  man  könnte  zb. 
denken  dass  es  aus  salmo  entstellt  sei.  sprote  aber  ist  wol  me. 
Sprotte,  ne.  sprat,  das  die  etymologen  in  ermangelung  eines  alt- 
englischen belegs  bisher  aus  dem  ul.  herleiten  wollten. 

Ähnliche  entstellung  zeigt  C  etwas  weiter,  auf  die  frage: 
Quid  capis  in  mari?  lautet  die  antwort:  Alleces  et  isicios,  delfinos 
et  sturias,  ostreas  et  cancros,  musculas,  torniculi,  neptigalli,  pla- 
tesia  et  platissa  et  polipodes  et  similia.  Wright  und  Wülker  haben 
den  seltsamen  umstand,  dass  zwischen  wortern,  die  accusative 
sind,  und  solchen,  die  es  wenigstens  sein  können,  vier  offenbare 


DIE  ÜRSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIÜM  39 

Dominalive  stehen,  keiner  bemerkuDg  für  wert  gehalten.  Thorpe 
hat  das  auffallende  in  der  Überlieferung  sehr  wol  gesehen,  aber 
nach  seiner  art  sich  damit  in  der  weise  abgefunden,  dass  er  still- 
schweigend die  nominative  in  accusative  und  zwar  die  beiden 
letzten  in  piurale  verwandelt  hat.  in  0  lautet  die  entsprechende 
stelle:  Alleces  et  isicios,  äelfinos  et  sturias,  ostreas  et  cancros, 
mugiles  et  fannos,  roceas,  vinscnlas  et  polipodes  et  simih'a.  Älfric 
Bata  hat  das  durch  anliqua  hervorgehobene  hinzugefügt:  aber  bei 
ihm  folgt  auf  mnsculas  sofort  et  polipedes:  die  vier  nominative 
in  C  sind  ohne  zweifei  die  Interpolation  eines  lesers.  lassen  wir 
sie  weg,  so  bekommen  wir  acht  durch  vier  et  zu  vier  paren  ver- 
bundene fische. 

Einen  dritten  fehler  in  jenem  teil  des  Stückes  hat  Thorpe 
nicht  nur  bemerkt,  sondern  auch  im  ganzen  richtig  gebessert, 
während  Wright  und  Wülker  wider  dazu  schweigen,  auf  die 
frage,  warum  der  tischer  keine  walfische  fangen  wolle,  erwidert 
dieser  s.  95:  qnia  carius  est  mihi  capere  piscem,  quem  possum 
occidere,  qui  non  solnni  me,  sed  etiam  nieos  socios  uno  ictu  potest 
mergere  aut  mortificare.  dass  Älfric  so  nicht  geschrieben  haben 
kann,  liegt  auf  der  band.  Thorpe  hat  zwischen  occidere  und 
qui  in  klammer  ein  quam  eingeschoben  und  so  in  die  stelle  sinn 
gebracht;  aber  wahrscheinlich  hat  Älfric  so  geschrieben,  wie  wir 
in  0  lesen:  occidere,  quam  illum,  qui  non  solum  usw.  Älfric 
Bata  scheint  sich  hier  jedes  Zusatzes  enthalten  zu  haben ,  also 
wird  nicht  blofs  quam,  sondern  auch  ilhim  aus  der  ursprüng- 
lichen fassung  stammen. 

Noch  eine  stelle  dieser  art  will  ich  besprechen,  an  welcher 
wenigstens  Wright  Thorpes  besserung  angenommen  hat.  bei 
der  abwägung  der  Vorzüge  der  einzelnen  stände  sagt  der  consi- 
liarius  s.  99  bei  Wülker  zum  ferrarius:  uerum  qutdem  dicis,  sed 
Omnibus  nohis  carius  est  hospitari  apud  te  aratorem,  quam  apud 
te.  Wülker  bemerkt  nichts  darüber,  wie  er  sich  te  aratorem  er- 
klärt: auch  hat  er  es  für  überflüssig  gehalten,  anzuführen  dass 
das  erste  te  in  C  über  der  zeile  steht,  dass  dieses  te  nicht  von 
Älfric  herrühren  kann,  hat  Thorpe  richtig  gesehen  und  es  daher, 
worin  ihm  Wright  gefolgt  ist,  stillschweigend  weggelassen.  0  zeigt 
es  ebenfalls  nicht. 

Ich  komme  nun  zu  solchen  fehlem  in  C,  die  wir  nach  0 
bessern  oder  wenigstens  erkennen  können,  an  denen  noch  kein 


40  DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIÜM 

herausgeberi  anstofs  genommen  hat.  einen  solchen  fall  von  s.  90 
habe  ich  schon  s.  34  besprochen,  mehrere  Zeilen  vor  diesem 
fehler  zeigt  G  einen  anderen,  indem  es  den  lehrer  sagen  lässl: 
Interrogo  te,  quid  mihi  loqiieris?  quid  hohes  operis?  für  quid,  zu 
dem  ein  Schreiber  durch  das  nachfolgende  ^uid  verführt  worden 
ist,  ist  mit  0  qiii  zu  schreiben  und  dann  natürlich  auch  statt 
des  fragezeichens  hinter  loqueris  ein  doppelpunct  zu  setzen,  auf 
qui  hätte  übrigens  die  herausgeber  schon  der  sinn,  noch  mehr 
aber  99,  2  o  monache,  qui  mihi  locutus  es  führen  können. 

Auch  bei  dem  folgenden  fehler  muss  man  sich  wundern 
dass  ihn  die  herausgeber  nicht  längst  getilgt  haben,  s.  92  er- 
zählt der  Jäger:  instigo  canes  meos,  ut  feras  persequantur,  usque 
quo  pernejiiunt  ad  retia  inpronise,  et  sie  inretientur,  et  ego  iugulo 
eos  in  relibus.  das  n)ännliche  pronomen  eos  müste  auf  canes 
gehen:  es  ist  natürlich  eas  zu  schreiben,  das  auch  0  hat. 

Eine  lücke  in  C  müssen  wir  95,  22  annehmen,  das  ge- 
spräch  mit  dem  Vogelfänger  beginnt  hier:  Quid  dicis  tu,  auceps? 
quomodo  decipis  aties?  nach  der  antwort  hierauf  kommt  die  rede 
auf  die  habichte  des  Vogelfängers,  und  dann  tritt  der  kaufmann 
auf.  die  frage,  was  für  vogel  er  fange,  die  man  zuerst  erwartet, 
und  die  antwort  darauf  fehlt  ganz,  in  0  haben  wir  diese  frage 
und  eine  lange  antwort  darauf:  Quid  dicis  tu,  auceps^?  quales 
aues  sepissime  capis '?  Ego  capio  aquilas  et  coruos,  miluos  et  grues, 
ardeas  et  ciconias,  merulas  ^  et  columhas,  palumbas  ac  anetas,  alce- 
dones  et  pauones,  olores,  id  est  cignos,  et  mergos  *,  hyrundines  et 
turdones  et  aliquando  multos  pullos.  capio  etiam  passeres  et  aucas 
anseresque  earum,  gallos  quoque  atque  gallinas,  coturnices  et  uesper- 
tiliones,  tioctuas'^  et  turtnres,  graculos  et  alaudas  ac  parraces^; 
mihi  nee  non  aliquando  ad  iocum  glutinatis  uirgulis  apes  et  fucos 
capio,  similiter  uespas  et  bruchos  ac  scabrones,  scarabeos  ac  mnscas, 
cynomias  et  culices  nee  non  et  scinifes.  Et  quomodo  decipis  aues? 
usw.  wie  viel  von  der  antwort  von  abt  Älfric  herrührt,  wird 
sich  mit  Sicherheit  nicht  entscheiden  lassen ;  dass  aber  in  C  eine 
lücke  ist,  scheint  mir  unzweifelhaft. 

Einen  geringfügigeren  fehler  zeigt  C  98,  42.    auf  die  scherz- 

*  mir  liegen  freilich  Thorpes  Analecta  nur  in  der  ersten  aufläge  vor. 

^  darüber  s.  o  0         ^  darüber  spätere  band  fjros  f=  J)7'ostlan)  0 
*  darüber  dieselbe  band  wie  bei  3  .i.  mergtilos  0         ^  darüber  andere  band 
A.  strices  0        ®  darüber  dieselbe  band  wie  bei  5  wrw  (=  wrmnnan)  0 


DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM  41 

hafte  bemerkung,  dass  der  koch  überflüssig  sei ,  da  sich  jeder 
selbst  alles  kocheo  und  braten  könne,  erwidert  dieser:  tunc  eritis 
omnes  coci,  et  malus  uestrum  erit  dominus;  et  tarnen  sine  arte 
mea  non  manducatis.  das  präsens  manducatis  ist  nach  den  futuren 
eritis  und  erit  auffallend  und  gewis  nur  verschrieben  für  nian- 
ducabitis,  das  0  hat. 

Mit  voller  Sicherheit  ist  ferner  in  C  99,  4  eine  lücke  anzu- 
nehmen, es  heifst  hier:  0  monache,  qui  mihi  locutus  es,  ecce 
probaui  te  habere  bonos  socios  et  ualde  necessarios,  aber  hieran 
schliefst  sich  die  auffallende  frage:  qui  sunt  Uli?  die  auch  so- 
gleich ihre  antwort  erhält:  Habeo  fabros  usw.  mit  Uli  könnte 
doch  nur  auf  das  vorhergehende  verwiesen  werden,  während  die 
antwort  ganz  andere  berufsarten  nennt,  als  die  schon  besprochenen, 
in  0  finden  wir  zwischen  necessarios  und  der  frage  qui  sunt  Uli? 
noch:  et  interrogo  te,  si  adhuc  habes  aliquos  tales  his  exceptis. 
Etiam  habeo  phires  ualde  necessarios  et  optimosA  0  hat  also  hier 
eine  frage  und  eine  antwort  mehr,  an  welche  sich  dann  Qui 
sunt  Uli?  aufs  beste  anschliefst,  ofl'enbar  hat  abt  Älfric  die  stelle 
so  oder  annähernd  so  geschrieben,  wie  sie  in  0  steht,  dass  in 
C  etwas  ausgefallen  ist,  beweisen  noch  die  glossen:  über  qui 
sunt  Uli  lesen  wir  nämlich  in  C  and  ic  ahsie  pa:  der  Schreiber 
hat,  obwol  er  et  interrogo  übersprang,  doch  die  glossen  darüber 
and  ic  ahsie  geschrieben  statt  der  über  qui  sunt  stehenden,  den 
herausgebern  scheint  es  nicht  aufgefallen  zu  sein  dass  hier  das 
englische  zum  lateinischen  nicht  passt. 

Kurz  sei  endlich  auch  noch  erwähnt  dass  99,  26  (Et  quales 
tibi  uidetur  inter  artes  seculares  retinere  primatum?)  an  quales 
noch  kein  herausgeber  anstofs  genommen  hat:  es  ist  natürlich 
mit  0  qualis  zu  schreiben. 

Ich  komme  jetzt  zu  den  wenigen  stellen,  an  denen  die 
herausgeber  mit  unrecht  von  der  lesart  von  C  abgewichen  sind 
oder  wenigstens  ihre  richtigkeit  bezweifelt  haben,  an  der  ersten 
s.  95  zeigt  sich  allerdings  ein  kleiner  Schreibfehler  in  C:  aufser 
diesem  ist  aber  nichts  weiter  zu  corrigieren.  der  fischer  erklärt 
hier:  tutius  est  mihi  ire  ad  amnem  cum  homo  mea,  quam  ire 
cum  multis  nauibus  in  uenationem  ballenae.  für  homo  mea  ist  zu 
schreiben  hämo  meo,  wie  in  0  steht,  über  homo  steht  allerdings 
in  C  scype,   und  deshalb  haben  Thorpe  und  Wright  stillschwei- 

*  op  : : :  os  (wie  es  scheint  3  buchstaben  radiert)  0. 


42     DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQÜIUM 

gend  nave  für  homo  gesetzt,  und  Wülker  hat  diese  conjectur 
angenommen  mit  der  bemerkung:  'The  Cotlon  MS.  has  homo 
mea  (for  hämo).  Rut  the  Anglo-Saxon  trauslation  answers  to 
nau  e,  not  to  hämo.'  die  besondere  erwähuung  des  'Cotlon  MS.' 
könnte  zu  dem  glauben  verführen,  dass  das  Oxforder  naue  habe, 
was,  wie  schon  erwähnt,  nicht  der  fall  ist.  ein  grund,  den 
lateinischen  texl  nach  der  glosse  zu  corrigieren,  liegt  hier  nicht 
vor.  nur,  wenn  wir  hämo  meo  lesen ,  hat  die  stelle  einen  ver- 
nünftigen sinn:  cum  hämo  meo  bildet  den  trefflichsten  gegensatz 
zu  cum  multis  nauihus.  geradezu  verkehrt  ist  bei  der  conjectur 
Thorpes  ad  amnem:  an  den  fluss  trägt  den  fischer  doch  nicht 
sein  schifl",  sondern  seine  beine. 

S.  96,  6  wird  der  Vogelfänger  gefragt,  warum  er  seine  ge- 
zähmten habichte  wider  fliegen  lasse:  Et  cur  permittis  domitos 
anolare  a  te?  über  fermittis  hat  C  die  glosse  forkvst  pu:  wegen 
des  fm  haben  die  herausgeber  (Thorpe  und  VVright  stillschwei- 
gend) tu  hinter  permittis  eingeschoben,  aber  ohne  jeden  grund. 
es  fehlt  ebenso  in  0. 

Die  schon  oben  s.  40  f  citierte  stelle  98,  40  ist  hier  noch 
einmal  zu  besprechen:  tunc  eritis  omues  coci,  et  millus  uestrum 
erit  dominus.  Wright  hat  serni  für  coci  geschrieben,  offenbar, 
weil  in  C  die  glosse  darüber  prcelas  lautet,  indem  er  i  bemerkt: 
'The  Cotton  MS.,  by  au  evident  error,  has  coci.'  Wülker  ist 
ihm  gefolgt,  aber  auch  hier  liest  nicht  blofs  C,  sondern  auch  0 
coci,  und  die  erwägung  des  Zusammenhanges  zeigt  dass  coci  der 
richtige  ausdruck  ist.  nachdem  der  koch  zum  lobe  seines  be- 
rufes  angeführt  dass,  wenn  er  aus  der  gesellschaft  vertrieben 
würde,  die  anderen  alles  roh  essen  müsten  und  keine  fette  brühe 
bekämen,  wird  ihm  entgegnet  dass  ja  jeder  sich  selbst  alles  kochen 
und  braten  könnte,  darauf  nun  erwidert  er,  wenn  es  die  an- 
deren nach  seiner  Vertreibung  so  machen  wollten,  so  würde  dann 
eben  jeder  von  ihnen  koch  sein  und  so  keiner  von  ihnen  ohne 
die  kochkunst  essen. 

Auch  101,  4  hat  nicht  blofs  C,  wie  es  nach  Wrights  note 
scheinen  könnte,  sondern  auch  0  astuti,  nicht  uafri,  wie  Thorpe 
und  zwar  stillschweigend,  geschrieben  hat:  es  ist  nichts  zu 
ändern,   als   die   interpunction   der  herausgeber.     ich   schreibe: 

*  in  Wülkers  ausgäbe  ist  zu  dieser  bemerkung  R.  JV.  gesetzt,  aber  sie 
steht  schon  bei  Wright  s.  10  anm.  2. 


DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIÜM  43 

tmltis  esse  nersipelles  aut  miUeformes  in  mendaciis,  astuti  in  lo- 
quelis,  astuti,  uersuti  usw. 

Endlich  zu  s.  102,  18  Adhnc  carnibus  nescor,  quia  puer  sum 
sub  uirga  degens  bemerkt  Wright:  'there  vvould  seem  to  be  an 
error  here,  for  Ihe  child  evidently  means  to  say,  not  that  he 
eat  meat,  but  that  he  did  not  eat  meat,  because  he  was  as  yet 
loo  young.'  aber  die  stelle  ist  vollständig  in  Ordnung:  der 
Schüler  darf  noch  fleisch  essen,  weil  er  eben  noch  das  mönchs- 
gelübde  nicht  abgelegt  hat,  sondern  sich  erst  zum  münchsleben 
vorbereitet. 

Ich  habe  bisher  auf  das  fragment  des  CoUoquiums,  das  sich 
in  der  vor  kurzem  aufgetauchten  hs.  (Brit.  mus.  add.  32246  =  A) 
findet,  nicht  riicksicht  genommen:  es  steht  auf  dem  rande  von 
blatt  16  derselben:  s.  EMThompson,  British  archaeological  asso- 
ciation  1885  s.  145.  meine  auf  grund  der  dort  mitgeteilten 
proben  gewonnene  ansieht,  dass  A  ein  fragment  der  Überarbeitung 
ist,  wurde  durch  eine  auf  meine  bitte  von  meinem  verehrten 
freunde  Thompson  vorgenommene  vergleichung  von  A  mit  Wülkers 
text  vollauf  bestätigt:  wenn  einzelne  Wörter  von  0  in  A  ebenso 
fehlen,  wie  in  C,  so  erklärt  sich  das  daraus  dass  der  Schreiber  von 
A  bei  dem  knappen  räum  am  rande  der  handschrift  leicht  un- 
wesentliche Wörter  wegzulassen  bewogen  werden  konnte,  und 
dann  zunächst  füllwörter  Älfric  Batas  zum  opfer  fallen  musten. 
andererseits  zeigt  A  auch  zusätze,  wie  wir  ja  auch  in  C  Inter- 
polationen erkannt  haben,  näheres  darüber  in  meiner  ausgäbe, 
hier  will  ich  mich  darauf  beschränken,  das  ende  (=  101,  20ff; 
der  anfang  ist  tu  j>istor  =  98,  10  bei  Wülker)  herzusetzen  und 
dabei  alles,  was  A  mehr  hat,  als  C,  durch  antiqua  hervorzuheben 
und  etwaige  abweichungen  von  0  in  den  anmerkungen  zu  be- 
rühren, sed  loquere  nobis,  flagitamus,  nostro  niore  et  secundum 
nostrum  posse  S  non  tarn  profxinde,  sed  aperte  et  distincte  ad 
intelligendum.  nos  autem  tibi  magnam  uolumus  reddere  gratiam, 
et  remunerationem  a  deo  recipies  maximam.  Et  ego  libenter  fa- 
ciam,  sicut  rogatis.  eia  2  tti  puer,  quid  fecisti  hodie  ?  Multas  res 
et  diuersas  fed.  hac  nocte  ab^  edituo  sonanle  Signum  audiui, 
de  lectulo,    in    quo    iacebam^,    surrexi'',  continuo  0   discalciatus 

•  et  —  posse  f.  auch  0.         ^  f.  0.         ^  quando  CO.         -•  dafür  meo  0. 
5  vor  de  lectulo  CO.  ^  q  weicht  ab,  s.  oben   s.  35,   wo  auch  die 

lesart  von  C  zu  sehen. 


44  DIE  URSPRÜNGL.  GESTALT  VON  ÄLFRICS  COLLOQUIUM 

ecdesiam  properando  intraui.  es  sei  nur  noch  hinzugefügt 
dass  A  die  Verbesserungen  von  C,  die  ich  oben  aus  0  vor- 
geschlagen habe,  an  den  stellen,  die  es  enthält,  ebenfalls  fast 
alle  ergeben  hätte,  sowie  dass  es  99,  34  allein  das  richtige  sar- 
tori  gibt. 

Endlich  noch  ein  wort  über  die  glossen  zum  CoUoquium. 
Walker  aao.  behauptet:  'die  handschriften  enthalten  den  latei- 
nischen text  mit  überstehender  angelsächsischer  Übertragung,  ob 
dieser  angelsächsische  text  vom  älteren  Älfric  herstammt,  ist  nicht 
gesagt,  ist  aber  nach  Älfrics  ganzer  art,  die  werke  zu  lehrzwecken 
herzurichten ,  anzunehmen.'  aber  Älfric  Batas  Überarbeitung  in 
0  enthält  nur  verschwindend  wenige  enghsche  glossen  und  das 
fragment  in  A  gar  keine,  schon  dadurch  wird  es  nach  meiner 
ansieht  zweifelhaft,  ob  die  glossen  in  C  von  abt  Älfric  herrühren, 
geradezu  widerlegt  wird  aber  Wülkers  annähme  durch  die  mis- 
verständnisse  und  die  Oberflächlichkeit  des  glossators.  ich  ver- 
weise auf  die  oben  s.  41  f  besprochenen  zwei  stellen,  wo  hämo 
und  cod  falsch  widergegeben  sind,  eine  andere  stelle  freilich, 
an  welcher  nach  VVright  s.  xi  (bei  Wülker  s.  vii)  ebenfalls  hamns 
dem  glossator  Schwierigkeiten  bereitet  haben  soll,  beweist  nichts; 
denn  ,  wenn  es  93,  42  mit  ancgil  nel  ces  widergegeben  ist,  so 
ist  dies  kein  fehler,  da  hanius  oft  im  sinne  von  'köder'  gebraucht 
wird  und  in  diesem  an  jener  stelle  gebraucht  sein  könnte,  auch 
eine  andere  Übersetzung  hat  Wright  dort  mit  unrecht  getadelt, 
er  behauptet  dass  95,  10  qui  non  solnm  nie,  sed  etiam  meos  socios 
nno  ictu  potest  mergere,  wo  über  non  solum  die  glosse  na  pect 
an  steht,  der  Übersetzer  solum  fälschlich  nicht  als  adverbium, 
sondern  als  adjectivum  gefasst  habe,  aber  nd  pcBt  an  ist  da 
ebenso  richtig,  wie  zb.  Hom.  2,  468  he  hine  geseah  nd  pcet  an 
mid  lichamlicere  gesihde,  ac  e'ac  swüce  usw.  (ein  zweites  beispiel 
folgt  bald  dahinter),  aber  er  hat  vollständig  recht  dass  die  Über- 
setzung von  carius  97,  6  uolo  uendere  hie  carius,  quam  emi  illic, 
durch  Inßcor  ein  grober  Schnitzer  ist.  und  auch  sonst  gibt  es 
genug  versehen  des  glossators:  Älfric  kann  nicht  den  sinn  seiner 
lateinischen  Sätze  soweit  vergessen  haben,  dass  wir  ihm  eine  so 
falsche  auffassung  zutrauen  könnten,  wie  sie  der  glossator  öfter 
zeigt,  wenn  Älfric  auf  die  frage  92,  22  Nescis  uenare,  nisi  cum 
retibns?  antworten  lässt  Ettam  sine  retihus  uenare  possum,  so 
kann  er  etiam   nur  im    sinne  von  'auch',    nicht  in  dem  von  'ja' 


DIE  URSPRÜPyGL.  GESTALT  VON  ÄLFRiCS  COLLOQUIUM     45 

gebraucht  habend:  es  ist  aber  mit  gea,  nicht  mit  eac  glossiert. 
s.  95,  18  ignauiam  nytenyssce  zeigt  dass  der  glossator  ignmtus 
mit  ignarus  verwechselte,  auch  o  pcet  an  für  in  tantum  96,  14 
(statt  etwa  sioa  swipe)  weist  auf  eine  confusion  zwischen  tantum 
'nur'  und  tantum  'so  viel',  'so  sehr'  hin.  die  widergabe  des 
präsens  proficit  durch  das  prät.  fremode  und  umgekehrt  des 
perfects  emi  durch  das  präsens  gehicge  spricht  nicht  gerade  für 
scharfe  auffassung  des  lateinischen  textes97,  4ff.  man  vergleiche 
auch  urum  gehwylcum  für  unusquisque  100,  18;  cyrcean  für  ora- 
tionem  103,22  usw.  übrigens  sprechen  fälle,  wie  hwylme  ys 
über  quäle  est  (s.  oben  s.  38),  dafür  dass  die  glossen  nicht  alle  von 
derselben  band  herrühren. 

Nach  alledem  hat  C  das  Colloquium  Alfrics  in  der  ursprüng- 
lichen gestalt,  wenn  auch  nicht  ohne  mancherlei  von  Schreibern 
herrührende  entstelluugen,  erhalten;  freilich  nur,  so  fern  es  sich 
um  das  latein  handelt:  die  englischen  glossen  dagegen  sind  erst 
später  hinzugekommen. 

'  das  komma  der  herausgeber  hinter  etiam  ist  für  Älfric  falsch,  wenn 
auch  für  den  glossator  richtig. 

Berlin,  an  Jacob  Grimms  geburtstag  18S6.    JULIUS  ZUPITZA. 


EIN  ZAUBERSPRUCH. 

Walter  de  Gray  Birch  hat  in  einem  am  22  nov.  1876  ge- 
lesenen und  1878  im  11  bände  der  neuen  reihe  der  Transactions 
of  the  royal  society  of  literalure  s.  463  ff  veröffentlichten  aufsatze 
On  two  anglo-saxon  manuscripts  in  the  British  museum  aus  dem 
royal  ms.  4  A  xiv  einen  Zauberspruch  mit  einer  neuenglischen 
Übersetzung  mitgeteilt,  der  mir  einen  abermaligen  abdruck  zu 
verdienen  scheint,  da  der  erste  in  Deutschland  nur  wenigen  be- 
kannt sein  dürfte  und  aufserdem  nicht  ganz  fehlerfrei  ist. 

Ich  selbst  war  auf  den  spruch  aufmerksam  geworden,  noch 
ehe  der  erwähnte  aufsatz  im  druck  erschien,  und  zwar  durch 
Zangemeisters  Bericht  über  die  im  auftrage  der  kirchenväter-com- 
mission  unternommene  durchforschung  der  bibliotheken  Englands 
s.  28  (=  Sitzungsberichte  der  phil.-hist.  classe  der  kais.  academie 
der  Wissenschaften  bd.  84  s.  510),  wo  der  anfang  des  deukmals 
angeführt  ist.     meine  1877   genonmiene  abschrift  habe  ich  dann 


46  EIN  ZAUBERSPRUCH 

später  mit  rücksicht  auf  Birchs   abdruck   noch   einmal   mit  der 
hs.  verglichen. 

Zangemeister  setzt  die  hand,  der  wir  die  aufzeichnung  des 
Spruches  auf  einem  teile  des  von  erster  hand  leer  gelassenen 
raumes  von  fol.  106"  verdanken,  ins  11 — 12  jh.,  Birch  ins  11. 
nach  der  spräche  zu  schiiefsen,  scheint  mir  die  aufzeichnung 
frühestens  etwa   1150  gemacht.  ^ 

Der  Spruch  ist  in  9  Zeilen  fortlaufend  geschrieben,  Birch 
hat  ihn  aber,  indem  er  meint  it  is  manifestly  in  a  loose  rhythm 
of  poetry,  in  27  kurzzeilen  gedruckt,  dass  der  gröste  teil  aus 
allitterierenden  versen  besteht,  springt  in  die  äugen,  aber  den 
schluss  halte  ich  für  prosa.  die  striche  in  dem  nun  folgenden 
abdruck  bezeichnen  die  Zeilenschlüsse  in  der  hs. 

Wenne,  wenne,  wencliichenne, 

her  nescealt  pu  timbrien  ne  nenne  /  tun  habhen, 

ac  pu  scealt  north  eonene  to  pan  nihgän  berhge,  / 

per  pu  hauest  ermig  enne  broper: 
5    he  pe  sceal  legge  leaf  et  j  heafde, 

Wider  fot  uolmes,  nnder  ueper  earnes, 

under  earnes  j  clea.     d  pu  gewcornie: 

dinge  pu,  alswa  col  on  heorpe; 

scring  I pu,  alsivä  scesne  awag'e, 
10    7  weorne,  alswä  weter  on  anbre: 

swa  litel  I  pu  gewurpe,  alswa  linsetcorn 
7  miccli  lesse;   alswa   anes  handiwurmes   hupeban,   7  alswa   litel 
pu  gewurpe,  pet  pu  nawiht  j  gewurpe. 

Zu  diesem  abdruck  habe  ich  zunächst  zu  bemerken  dass 
aufser  der  von  mir  beibehaltenen  abkürzung  für  a7id  sonst  in 
der  hs.  keine  angewendet  ist.  die  buchstaben  sind  alle  minus- 
keln,  auch  das  ?ü  am  anfange,  hier,  wie  überhaupt  in  dem  ersten 
verse,  ist  für  w  das  neue  aus  zwei  in  einander  greifenden  v  ge- 
bildete zeichen,  sonst  überall  die  rune  geschrieben,  der  umstand, 
dass  das  neue  zeichen  hier,  wie  auch  regelmäfsig  noch  in  späteren 
denkmälern,  etwas  grofs  gemacht  ist,  hat  Zangemeister  und  Birch 
veranlasst,  es  durch  die  majuskel  widerzugeben,    das  zeichen  für 

^  eine  andere,  aber  nach  den  schriftzügen  gleichzeitige  hand  hat  hinter 
den  englischen  spruch  die  folgenden  lateinischen  verse  geschrieben: 
Si  per  diiiitias  possemus  viorte  carere, 
Tunc  prodesset  eas  indefieienter  habere. 


EIN  ZAUBERSPRUCH  47 

g  zeigt  durchweg  die  fränkische  gestalt.  die  accente  erscheinen 
V.  3,  7,  11  mit  einem  kleinen  Widerhaken,  sonst  ohne  einen 
solchen:  bei  Birch  sind  die  accente  teils  ungenau,  teils  ohne 
handschriftliche  grundlage  gesetzt,  zusammengeschrieben  finden 
wir  in  der  hs.  (abgesehen  von  nescealt  v.  2  und  aioage  v.  9,  wo 
ich  ihr  folge)  v.  2  nenetme,  v.  7  apu;  dagegen  ist  das  präüx  ge 
vom  verbum  getrennt  v.  7  und  11,  ebenso  v.  11  com  von  linset. 
Mein  abdruck  gibt  sämmlliche  correcturen,  die  alle  von  der 
band  des  Schreibers  herrühren,  über  einem  komma  hat  er  nach- 
getragen das  zweite  h  in  wenchidienne  v.  1,  r  in  timbrien  v.  2, 
h  in  north  v.  3;  aufserdem  hat  er  u  in  pu  v,  2  aus  a  und,  wenn 
ich  nicht  irre,  d  im  zweiten  under  v.  6  aus  o  gebessert,  durch 
die  correctur  in  v.  1  scheint  zugleich  ein  doppelter  accent  hinter 
dem  zweiten  c  getilgt  zu  sein,  falsch  gelesen  hat  Birch  v.  3  north 
statt  north  und  eouene  statt  eonene:  nur  auf  einem  druckfehler 
beruht  wol  se'\n  icet  in  der  prosa  slnit  pet,  da  seine  Übersetzung 
that  gibt. 

Ich  übersetze: 

Geschwulst,  geschwulst,  geschwulstküchlein, 
hier  sollst  du  nicht  bauen  und  keinen  hof  haben, 
sondern  du  sollst  nordwärts  von   hier  zu  dem   nahen  berge, 
wo  du  elendes  vvesen  einen  bruder  hast: 
5    er  soll  dir  legen  laub  zu  häupten, 

unter  den  fufs  bände,  unter  die  feder  adler, 
unter  adler  eine  klaue,     immer  mögest  du  schwinden: 
du  mögest  dich  zusammenziehen,  wie  kohle   auf  dem  herde; 
schrumpfe  ein,  wie  mist  an  der  wand, 
10    und  schwinde,  wie  wasser  im  eimer: 

so  klein  mögest  du  werden,  wie  ein  leinsamenkorn, 
und  um  vieles  kleiner;   wie  eines  handwurmes  hüftbein,  und  so 
klein  mögest  du  werden,  dass  du  nichts  werdest. 

Dass  ich  selbst  manches  in  dieser  Übersetzung  für  äufserst 
unsicher  halle,  werden  gelegentlich  die  folgenden  bemerkungen 
zeigen.  1  wenne  verhält  sich  zu  älterem  wenn,  wie  zb.  were  mann 
zu  älterem  wer.  aus  anderen  germanischen  sprachen  weist  das 
wort  EMüller  s.y.  wen  nach:  hinzuzufügen  ist  mnd.  wetie,  Schiller 
und  Lübben  5,  67  0\  —  wenchidienne  hat  Birch  wol  ebenso  auf- 
gefasst,  wie  ich,  da  er  es  mit  little  wen  übersetzt,  was  die  Ver- 
wendung  des  ae.  cicen  anbelangt,   so  kann   man   sich  auf  The 


48  EIN  ZAUBERSPRUCH 

sevyn  sages  ed.  Weber  (iii  84)  2159  berufen,  wo  die  böse  kaiserin 
von  ihrem  Stiefsohn  sagt:  he  is  the  fendes  chike  'des  teufeis  küch- 
lein'.  aber  einen  anderen  beleg  für  palatalisierung  auch  des  z^Yei- 
ten  c  des  Wortes  kenne  ich  nicht.  3  Birch  übersetzt:  but  thou 
shalt  forth,  even  to  the  nearest  town.  abgesehen  von  forth  und 
even,  die  durch  falsche  lesung  der  hs.  veranlasst  sind,  ist  der 
Superlativ  nearest  ungenau  und  toioi  mindestens  sehr  gewagt. 
wer  berghe  unter  berufung  auf  den  bei  Mätzner  i  373^  zweimal 
belegten  dat.  sg.  berie  =  ae.  byrg  nehmen  will,  erhält  eine  form, 
die  zu  hupe  ==  ae.  hype  (in  der  prosa)  nicht  stimmt;  ferner  müste, 
da  pati  nihgan  bei  berghe  steht,  das  ae.  femininum  männlich  oder 
sächlich  geworden  sein;  endlich  würde  dann  derjenige,  weicherden 
Spruch  anwandte,  das  leiden  jemandem  in  der  benachbarten  Stadt 
angewünscht  haben.  4  ermig  übersetzt  Birch  mit  poor,  versieht  dies 
aber  mit  einem  fragezeichen.  ich  glaube  dass  die  analogie  von 
penig  für  älteres  pening,  pending  zu  der  annähme,  ermig  sei  ae. 
erming,  ierming,  vollständig  berechtigt,  v,  6  f  übersetzt  Birch 
fragend:  nnder  the  foot-sole,  nnder  the  eagles  feather,  under  the 
eagles  claw.  zu  foot-sole  ist  er  wol  gekommen,  indem  er  fot- 
«o?mes  verbunden  und  dies  gleich  ae.  fötwylmas  oder  fötwolman 
genommen  hat:  er  hätte  dann  aber  doch  foot-soles  übersetzen 
sollen,  zu  einer  anderen  auffassung  bewegt  mich  der  umstand 
dass  sonst  in  dem  denkmal  nicht  M  =  ae.  lo  vorkommt  und  dass 
man  einen  accusativ  erwartet,  der  mit  leaf  parallel  läuft,  dass 
sich  me.  MoZmes  =  ae.  folma  sonst  nicht  nachweisen  lässt,  fällt 
wol  gegen  meine  erklärung  um  so  weniger  ins  gewicht,  als  auch 
fotuohnes  sonst  im  me.  nicht  vorkommt  und  selbst  fotwelm  nur 
in  der  Worcesterhandschrift  des  Älfricschen  glossars.  übrigens 
wird  wol  Birch  recht  haben,  wenn  er  die  stelle  für  verderbt  hält: 
mehr  aber  noch  scheinen  die  zwei  folgenden  verse  gelitten  zu 
haben,  da  wir  aber  nicht  mit  Sicherheit  oder  auch  nur  mit 
Wahrscheinlichkeit  sagen  können,  was  ihr  ursprünglicher  sinn 
gewesen  sein  muss,  so  scheint  mir  jeder  besserungsversuch  über- 
flüssig. Birch  vermutet  iioluues  'of  wolf  für  uolmes:  er  hätte 
dann  doch  lieber  loolues  vorschlagen  sollen,  im  folgenden  ist 
eagles  wol  für  eagle's  verdruckt:  mir  scheint  aber  earnes  beide- 
mal als  accusativ  genommen  werden  zu  müssen.  9  das  einzige 
zweifelhafte  ist  sonst  nur  noch  scesne  awage.  Birch  übersetzt 
zweifelnd  excreta  voided.     hat  er  awage  =awege,  ae.  dwegen  ge- 


EIN  ZAUBERSPRUCH  49 

nommen?  dass  aber  dwegan  eine  bi^douUing  hatte,  die  hier  passen 
würde,  lässt  sich  nicht  beweisen ;  aulserdeni  erwartet  man  etwas 
mit  on  heorpe  und  on  anbre  auch  formell  paralleles,  deshalb 
nehme  ich  awage  =  ae.  on  lodge.  mehr  Schwierigkeit  macht 
scesne.  ich  weifs  aut  nichts  hinzuweisen  als  auf  die  glosse  zu 
Älfrics  Colloquium  (Vocabularies  edd.  Wright-Wülker)  91,  4  sceasn 
über  fimum:  Thorpe  freilich  las  scearn,  und  das  ist  ja  ein  be- 
kanntes wort,  das  auch  Wülker  für  sceasn  gesetzt  hat.  auch 
Birch  hat  wol  scearn  im  sinne  gehabt,  übrigens  könnte,  falls 
unser  spruch  nicht  aus  dem  gedächtnis  aufgezeichnet  ist,  auch 
hier  leicht  s  statt  r  verlesen  sein.  10  anbre  dat.  von  anber,  ae, 
amber,  oniber.  aus  einem  me.  denkmal  ist  das  wort  bisher  noch 
nicht  belegt,  wegen  des  in  dem  prosaischen  teil  vorkommenden 
handwurm  s.  Grein,  Bosworth-Toller  und  DWß  4,  2,  430.  zur 
bezeichnung  der  unbedeutendheit  wird  der  handwurm  zweimal 
in  den  ae.  rätseln  verwendet:  41,  96  ic  eom  on  mcBgne  mlnmn 
la'sse,  ponne  se  hondwyrm,  sepe  hceleda  bearn,  seegas  searoponcle, 
seaxe  delfad  und  67,  2  ic  eom  .  .  .  Iwsse,  ponne  hondwyrm.  der 
vergleich  ist  Aldhelms  rätsei  De  creatnra  nachgedichtet:  et  minor 
exiguo,  sulcat  qui  corpora,  verme.  aber  auch  Shakespeare  braucht 
den  handwurm  noch  zu  demselben  zwecke  in  der  bekannten 
Schilderung  der  konigin  Mab  Rom.  1,  4,  69  Her  waggoner  a  small 
grey  coated  gnat,  Not  hälfe  so  big  as  a  round  little  worme,  Prickt 
from  the  lazie  finger  of  a  man.  für  man  lesen  fast  alle  heraus- 
geber  maid  mit  der  ersten  quarto,  die  eine  raubausgabe  ist  und 
deshalb  nur  in  betracht  kommen  kann,  wenn  die  lesart  der  zwei- 
ten quarto  fehlerhaft  ist,  was  hier  nicht  der  fall  ist:  man  ist 
natürlich  nicht  =  mann ,  sondern  =  mensch  zu  fassen,  dass 
nach  dem  Volksglauben  sich  nicht  nur  in  den  faulen  fingern  von 
weibern  und  mädchen  Würmer  erzeugten,  wird  zb.  durch  die  im 
DWB  angeführte  erklärung  bewiesen:  vermis  quidam,  qui  nasci- 
tur  inter  cutem  et  carnem  in  manibus  otiosis  (also  allgemein  'in 
faulen  bänden'). 

Cockayne  in  seinen  Leechdoms  usw.  hat  allerlei  natürliche 
mittel  gegen  wm.  i  382  pds  loyrta  sceolon  tö  wensealfe  usw. 
n  128  nr  lviii  tö  ivensealfe  and  loenbylum  usw.  (es  werden  hier 
mehrere  recepte  gegeben),  ir  326  nr  xxxi  ivyrc  göde  xoensealfe 
usw.  ni  12  tö  wensealfe  nim  usw.  iii  20  wyrc  senlfe  .  .  .  wid 
wenne  usw.  in  46  gif  men  synd  gewunod  wamnas  on  fxet  heafod 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  4 


50  EIN  ZAUBERSPRUCH 

formt  odde  on  da  e'agati.  nur  eiu  mittel  bei  ihm  ist  metaphysi- 
scher ait  III  74 :  gif  wcennas  eglian  mceti  wt  poire  heortan,  gange 
m<jedenman  tö  wylle,  pe  rihte  east  yrne,  and  gehlade  dne  cuppau 
fidle  ford  mid  ddm  streame  and  singe  pwron  credan  and  pater- 
noster  and  geote  ponne  on  öper  fcet  and  Made  eft  öpre  and  singe 
eft  credan  and  paternoster  and  dö  swd,  [xet  pü  hwbbe  pre'o.  du 
siod  nygon  dagas:  suna  him  bid  wel.  wie  man  jetzt  wens  in  Eng- 
land loszuwerden  sucht ,  darüber  s.  Publications  of  ihe  folk-lore 
Society  i  216  ff,  wo  James  Hardy  über  Wart  and  wen  cnres 
handelt. 

Nun  noch  einige  bemerkungen  über  die  spräche  des  denk- 
mals.  der  zweimal  gebrauchte  einlache  circumflex  (v.  7  d,  v.  1 1 
sei)  soll  wol  länge  des  vocals  bezeichnen ,  ebenso  der  doppelte 
acut  bei  alswä  v.  9.  10.  dagegen  der  doppelte  circumflex  bei 
nihgan  v.  3  und  der  doppelte  acut  bei  scesne  und  aicage  9  sollen 
wol  (liacritische  zeichen  zu  sc  und  g  sein,  jenes  als  seh,  dieses 
als  reibelaut  bezeichnen. 

Was  nun  zunächst  die  vocale  in  den  betonten  silben  an- 
belangt, so  erscheint  ae.  a  ebenfalls  als  a:  habben  2,  ac  3, 
hauest  4;  auch  vor  resonanten  pan  3,  hand  nach  11,  anbr^e 
(ungenau  für  ambre)  10;  die  conjunction  and  ist  immer  ab- 
gekürzt (10  und  zweimal  nach  11).  wegen  on,  a  s.  unter  o. 
auch   ae.  ä   ist  durchweg   geblieben:    d  7,   alsicä   und   alswa  8. 

9,  10.  11  und  zweimal  hinler  11,  ivage  9,  swa  11,  anes,  ban  und 
nawiht  hinter  11. 

Ae.  ce  und  ce  erscheinen   ohne  ausnähme  als  e:   et  5,  weter 

10,  pel  nach  11  ;  nenne  2,  per  3,  enne  4,  set  11,  lesse  nach  11. 

Ae.  e  und  e  sind  geblieben:  wenne  und  toen-  1,  ne  2,  legge 
5,  ueper  6;  her  2,  ne  2,  he  5,  pe  5. 

Das  gleiche  gilt  von  ae.  i  und  i:  chichenne.l,  timbrien  2, 
dinge  8,  scring  9,  miccU  und  nawiht  nach  11;  lin  11.  auf  altn. 
litill  geht  vielleicht  zurück  litel  11  und  nach  11,  doch  könnte 
auch  ae.  litel  wegen  micel  statt  lytel  das  elymon  sein. 

Auch  ae.  o  und  ö  sind  unverändert:  north  3,  nolmes  6,  col 
8,  com  11;  ?o  3,  broper  4,  fot  6.  so  auch  on  8.  10,  aber  ge- 
kürzt, wie  ae.,  a  9. 

Ae.  u  und  ü  sind  auch  geblieben :  uiider  6.  7 ;  hierher  ge- 
hören auch  gewiirpe  11   und  zweimal  nach  11  und  wurmes  nach 

11,  sofern  sie  fortsetzuugen  der  gleichlautenden  ae.  formen  sind 


EIN  ZAUBERSPRUCH  51 

und  nicht  direct  anC  ao.  geweorpe,  wyrmes  zurückgehen,     ferner 
pu  2.  3.  4.  7.  8.  9.  U  und  zweimal  nacli  11,  tun  2. 

Ae.  ^,  der  umlaut  von  u,  erscheint  als  m  in  lm]pe  nach  11. 
wegen  litel  s.  unter  i. 

Was  die  ae.  diphlhonge  anbelangt,  so  sind  diese  meist  ge- 
blieben, wir  finden  ea  =  ae.  ea  in  earnes  6.  7,  =  ed  in  acealt 
2.  3  und  sceaZ  5;  =  ea  in  /ecr/  .5,  heufde  .^,  c/ea  7.  eine  be- 
greifliche ausnähme  in  folge  der  einwürkung  des  folgenden  con- 
sonanten  macht  nihgan  3,  wo  nihg  =  neah  ist.  ferner  ist  ahwa 
(belege  unter  a)  zu  bemerken  und  das  zweifelhafte  scesne  9. 

Durchweg  ist  eo  geblieben  aufser  in  berghe  3,  wo  das  aug- 
lische  auch  in  alter  zeit  schon  e  zeigt  (berg=  ws.  beorg):  eonene  3, 
geweornie  7,  heorpe  8,  loeorne  10.  Wörter,  die  ae.  eö,  eo,  eö  zeigen, 
kommen  in  unserem  denkmal  nicht  vor. 

Endlich  ist  noch  zu  bemerken  dass  e  der  Vertreter  von  ws. 
ie  ist:  ermig  4  =  ae.  iermitig. 

Betreffs  der  consonantcn  ist  zunächst  auf  das  schwanken  in 
der  bezeichnung  eines  auslaufenden  verschlusslautes  hinzuweisen: 
scri'ng  st.  scnnc  9,  aber  umgekehrt  set  st.  sed  =  ae.  sied  11.  an- 
lautendes f  ist  tönend  geworden  in  uolmes  und  ueper  5,  aber 
in  demselben  verse  finden  wir  fot  geschrieben,  im  inlaut  haben 
wir  hauest  4,  aber  heafde  5.  erwähnt  sei  ferner  die  ungenaue 
Schreibung  anbre  st.  ambre  10.  in  bezug  auf  die  lingualen  ist 
nur  die  Schreibung  th  in  north  3  (mit  nachträglich  zugefügtem  h) 
hervorzuheben  gegenüber  dem  sonst  stets  gebrauchten  p.  ae.  c 
erscheint  als  ch  in  chichenne  ],  sonst  bleibt  es:  ac  3,  dinge  S, 
col  9;  wegen  scring  9  s.  oben,  auch  sc  bleibt:  scealt  2.  3,  sceal  5, 
scring  9,  scesne  9:  doch  ist  betreffs  des  letzten  Wortes  zu  ver- 
gleichen, was  oben  s.  50  über  den  doppelten  acut  gesagt  ist.  für 
ae.  g  finden  wir  hg  geschrieben  in  berhge  3,  g  mit  doppeltem  acut 
in  loage  9,  sonst  einfaches  g:  ermig  4,  geweornie  7,  dinge  8,  ge- 
wurpe  (dreimal)  11  und  nach  11.  für  ae.  cg  erscheint  gg: 
legge  5.  hg  mit  doppeltem  circumflex  in  nihgan  geht  entweder 
auf  ae;  h  (nihgan  von  nihg  =  ae.  neah)  oder  auf  ae.  g  (nihgan 
=  ae.  *neagan;  vgl.  heage  udgl.)  zurück,  h  ist  abgefallen  im  an- 
laut  von  eonene  3  und  gutturales  n  ausgefallen  in  ermig  4  (vgl. 
oben  s.  48). 

Für  die  formenlehre  ergibt  das  stück  wenig,  zu  beachten 
als   subst.    nom.   sing,   sind   wenne  1,   wenchichenne  1,  scesne  9, 

4* 


52  EIN  ZAUBERSPRUCH 

alleofalls  auch  col,  da  wir  häufig  cole  (=  ne.  coal)  antreffen,  für 
den  gen.  sg.  g\ht  handwnrmes  nach  11  einen  beleg,  für  den  dat. 
sg.  herhge  3,  heorpe  8,  wage  9,  anbre  10.  ferner  nenne  icli  den 
acc.  sg.  ueper  8  ==  äe.  federe,  im  pl.  finden  wir  als  acc.  nicht 
blofs  earnes  6.  7,  sondern  auch  nohnes  (ae.  folma).  heafde  5  ist 
wol  ae.  heafdum.  was  die  adjectiva  anbelangt,  so  ist  anzuführen 
der  gen.  sg.  m.  anes  nach  11,  acc.  sg.  m.  emie  4,  instr.  sg.  n.  micdi 
nach  11;  ferner  der  schw.  dat.  sg.  m.  nihgan  3.  von  prono- 
niinalformen  ist  nur  pan  3  hervorzuheben,  beim  verbum  sind 
nur  präsensformen  belegt,  ind.  sg.  2  hauest  2  und  scealt  2.  3; 
3  sceal  5.  conj.  sg.  2  dinge  8,  gewnrpe  (dreimal)  11  und  nach  11, 
geweornie  7.  imp.  sg.  scring  9,  weorne  10.  inf.  habben2,  legge  5, 
timbrien  2.  alle  verbalformon  sind  regelrechte  fortselzungen  der 
altenglischen,  zu  beachten  ist  auch  die  erhaltung  des  i  bei  den 
Verben  der  zweiten  schwachen :  geweornie  7,  timbrien  2  (aber 
weorne  10  =  ae.  weorna). 

Aufgezeichnet  ist  dieser  spruch,  der  kein  romanisches  wort 
zeigt  und  skandinavischen  einfluss  höchstens  vielleicht  in  litel  st. 
Intel,  gewis  im  Südwesten  Englands,  dass  wir  es  nur  mit  der 
sprachlichen  erneuerung  eines  altenglischen  denkmals  zu  tun 
haben,  scheint  mir  nicht  zu  bezweifeln. 

Berlin,  den  3  Januar  1886.  JULIUS  ZUPITZA. 


BRUCHSTÜCK  EINER  ALTENGLISCHEN 
BOETIUSHANDSCHRIFT. 

Folgendes  fragment  der  Älfredschen  Boetinsi'iber tragung,  von 
einer  hand  ans  der  ersten  half le  des  10  jhs.,  befindet  sich  auf  dem 
letzten  blatt  der  hs.  Junius  86  der  Bodleiana.  dieses  blatt,  welches 
augenscheinlich  früher  als  einband  gedient  hat,  ist  erst  vom,  buch- 
binder  an  die  jetzige  stelle  gebracht  worden  und  gehörte  ursprüng- 
lich einem  Boetiuscodex  in  Mein  folio  an.  das  erhaltene  stück 
bildete  die  untere  hälfte  eines  blattes,  und  nach  der  lücke  zwischen 
A  und  B  zu  urteilen,  muss  jede  seite  der  hs.  c.  38  Zeilen  enthalten 
haben,  die  schrift  ist  zum  teil  sehr  undeutlich,  da  die  buch- 
staben  vielfach  verblasst  sind;  das  pergament  ist  auch  stellemoeise 
durchlöchert  und  in  folge  desseti  sind  einige  buchstaben  ganz  ver- 


BRUCHSTÜCK  EINER  ALTEINGL.  ßüETlUSHAlXDSCilRlFT     53 

loren.  toas  ich  nicht  mit  Sicherheit  lesen  konnte,  habe  ich  in 
eckigen  klammern  aus  der  hs.  Bodl.  180  (früher  NE.  C.  3.  11)  er- 
gänzt, der  zeiletischlnss  ist  durch  senkrechte  striche  bezeichnet; 
die  den  buchstaben  h,  m,  d  in  ligatur  angehängten  a  und  o  habe 
ich  durch  cursiven  druck  kenntlich  gemacht. 

A  =  cap.-xiy  §  3  (Cardale  s.  70;  Fox  s.  46). 
[Pdüs  raejoniscan  lifes  [gecynd  is  ]j  hi  Jjy  anan  seon  beforan 
eallu  odrü  gesceaftum]  |  dy  hihiselie  ongiten  hwa^lhisin.     7  hvvo- 
nanhisien.     7  dyhisint  wyrsan  doiT  nie[te]|nu  dy  hi  nyllad  wilan 
hwaithisint  odde  hwanonhisiot.    dtemneatü  is  gecynde  |  diiithiuyten 
hwtelhlsieD.   Acdaetis  daramonua  undeavv.    |)eBthiDyten  hwicthisien.    5 
N[u]  I  deis  swidesweotol  ])gebiod  ongedwolaa  liongewenad  JJicoig 
ding  nia'g  midl[riunidum  welum  |  beon]  g[e]weordod.    gil'hvva  nu- 
bid  midhvvelcü  vvelü   geweordod   [7]  midh[welcum  deorwyrl)um] 
»htu    gearad    hune   belimpd    seweordscipe   dofi  [t]o|)K   de   hine 
geweo[r}iad   JjtCt   is    to   heri]|aDne   hvveneryhtiicor.      Nedaetnebid  10 
no  dy  fajgerre  ^mid  elleshwä  gerenodbid  |  deahdagerenu  fsegrusia 
dehit   mid   gerenodbid   gifhit  icr  sceondlicwies  neb[id]  h[it  no]  | 
dy   t'aigerre.     Witeduforsod.     ^    ndn    god    nedered    jjtcdehit    ah 
hwaetduvvast  nu  "|5  ic  de  ne[leo]jge  7  [eac  wast  |)aet]  davvelan  oft 
deriad   l^fedehiägon    onmonegu    dingu.      7  ondäe  swidost.     l5|[te]  15 
men  w[eorda]d  swa  iip   ähafene   iordsü  welan  ^oft  seealra  wyr- 
resta   7    seeallra   uoweordusta   monwend  ^   he    si    eallesda^swe- 
lanwyrde   [jeonweoroldeis.     gilhewisse  |  huheh~  tocumau  meahte. 
Sedemicehie  welan  hseld  hehi~  ondrtßt  monigne  leond  |  githenane 
«htanicfde   nedorlte  hehf  n«nne  ondnedan.     gildunu  \v»re  weg-  20 
lerend[e]  7  h[a}f]de  micelgold  onj^e  7  l)u[)oS  become  ondeofscoie 
}jon  newendes  dude  dines  | 

B=cap.  XVI  §  1  (Cardale  s.  74;  Fox  s.  48). 
[HwiEt  micg  ic  lie  nu  mare  secjgan  bedieni  weordscip[e  7  | 
be  J)a]manwalde  disse  weorolde.  Fordieni  anwalde  geeow  woldon 
ahebban  up  oddoue  |  [heo]fün.  gii  gemeahlen.  daetis  lordsem 
l)egenegemunon  neeac  neongitad  Jjone  heo|foncundan  auweald 
7  [>one  weordscipe  seis  eower  ägen  7  |)ünau  gecomon.  hwail  |  5 
seeowe[r  welja.  Jjon  7  seeower  anweald  degenu  weordscipe  hatad 
gifhebecymdlol)^'  |  eaha  wyrrestan  men.  7  lolnc  dehis  ealra  un- 
weordoslbid.     swahenu  dyde  lodys  |    ijcan   diodrice.     7  gio  mr 


54     BRüCIiSTÜCK  ElISEK  ALTEWGL.  BOETIUSHAINDSCIIIUFT 

tonerone  jjaemcasere.     7  oil  eac  tomauegu  liira  gelicu.     liu  |  ne 

swa 

10  wilelie  don  doo  swa  hi  dydon  7  gitdod.  ealdaricu  dehf  under- 
biod  odde  äwer  |  onneaweste  forslean  7  forheregiau  swaswa  fyres 
lig  ded  drygne  licedl'eld  odde  ]  efl  sebirnendasvvefl  l»onemunt  biCind 
devvehötad  etne  seis  onsicilia  })a'^ealonde.  |  Swide  onlice  djemiclaii 
flode  degio  oimoes  dagu  wses.     Icwene  ^3  duma>g  gemunan  t»te  | 

15  eowreildran  gio  romana  wilao  ontorcwines  dagii  dffis  ofermodan 
cyninges  forhis  of  |melton  l)onc  cynclican  naman  of  rome  byrg 
a;rest  adydou  7  eft  swaiice  lieherclogan  |  debineair  ut  adrifon.  bie 
woldon  efl  ut  adrifan  forbira  ofmellu  acbiuemeabloii.  |  Fordäi 
dese  leffre  anvveald  |»ara  berclqgena  diemroniaiiiscü  wilu  git  wirs 

20  bcode  I  l)ofiseaiiTa  l)ara  cyninga.  gifhit  donaifregewyrd  swabit 
swide  seldongwyrd. 

16  das  on  vo7i  mctlon  tindeiilllch. 
Oxford,  juni  188G.  A.  INAPIER. 


ZUR  SPRUCHDICHTUNG  BEI  DEN  ANGEL- 
SACHSEN. 

Hauplquelle  für  unsere  kenutnis  ags.  sprucbdichtung  sind 
vier  guomiscbe  gedicbte,  von  welcben  drei  das  Exeterbucb,  ein 
viertes  die  bs.  der  Cottoniana  Tiberius  B  i  uns  überliefern,  die 
ausgaben  dieser  gedicbte  und  anderes  dazugehörige  verzeicbnet 
nun  RWülker  in  seinem  Gruudriss  zur  gescbicbte  der  angel- 
säcbsiscben  blteratur  s.  228  ff.  während  die  Germanen  der  scan- 
dinavischen  inseln  wie  die  Südgermanen  reiche  entfaUung  gno- 
mischer diclitung  zeigen,  sind  wir  bei  den  Angelsachsen,  wenn 
es  sieb  um  mehr  als  indirecte  beweise  für  das  Vorhandensein 
derartiger  dichtungen  handelt,  auf  die  wenigen  oben  angeführten 
gedicbte  angewiesen,  von  der  riitseldichtung  sehe  ich  hier  ebenso 
ab,  wie  von  der  gnomik  Alfreds,  die  auf  gelehrtem  boden  ruht, 
für  mich  formuliert  sich  die  frage  so:  gab  es  bei  den  Angel- 
sachsen keine  dichter,  nenne  man  sie  nun  spielleute  oder  anders, 
welche  wie  die  puler  des  nordeus  den  alt  überlieferten  erfahrungs- 
schatz  ihres  volkes  wie  persönliche  erfahrungen  in  Sprüchen  ver- 
breiteten ?  ich  glaube,  eine  Untersuchung  der  augeführten  ge- 
dicbte gibt  uns  die  antwort  auf  die  frage,  ich  will  sie  vorlegen 
wie  ich  sie  gefunden  zu  haben  meine. 


ZUR  SPRUCIIDICIITÜIN'G  BEI  DEN  ANGELSACHSEN      55 

üas  erste  gedieht  beginnt  sofort  mit  einer  crux  Air  den 
Übersetzer  und  erklärer.  frige  me  frödum  wordum!  ne  Imt 
pinne  ferd  onhwlne ,  degol  pcet  pn  deopost  cunne!  Nelle  ic  pe 
min  dyrtie  gesecgan,  gif  pu  piime  hygecrwft  hglest  and  pine  heor- 
tan  gepohtas.  das  ist  ein  eingang,  der  auf  etwas  ganz  anderes 
vorbereitet  als  folgt,  wir  erwarten  frage  und  antwort,  wie  wir 
derartiges  aus  den  nordischen  wettliedern,  aus  Salomon  und  Saturn, 
aus  dem  Tragemundslied  ua.  kennen,  nichts  davon  in  unseren 
angelsächsischen  spruchgedichlen.  wir  müssen  es  mit  einem  typi- 
schen anfange  angelsächsischer  wettlieder  zu  tun  haben,  den 
der  Sammler  unserer  gnomen  an  die  spitze  gestellt  hat.  un- 
möglich kann  er  ihn  erst  gedichtet  haben,  der  in  so  vollstän- 
digem Widerspruch  zu  dem  steht  was  folgt,  diese  verse  allein 
beweisen  das  Vorhandensein  von  wettliedern  im  ags.  aber  es  ist 
uns  wenigstens  noch  eine  spur  innerhalb  der  ags.  litteratur  von 
solchen  wettliedern  erhalten,  wir  haben  ein  ags.  gedieht,  das 
die  deutschen  herausgeber  Botschaft  des  gemahls  an  seine  frau 
überschreiben,  bekanntlich  hat  die  ersten  elf  verse  dieses  ge- 
dichtes  Thorpe  als  rätsei  abgetrennt,  auch  Ettmüller  liefs  sie 
weg.  seit  Grein  nehmen  die  deutschen  herausgeber  an  dem  ein- 
gang keinen  anstofs.  soviel  steht  vom  Inhalte  fest:  durch  runen, 
in  ein  holz  eingeritzt,  sendet  der  verbannte  seiner  frau  die  bot- 
schaft.  aber  der  eingang  ist  doch  recht  sonderbar,  das  ic  der 
ersten  zeile  geht  offenbar  auf  den  dichter,  das  ic  der  zweiten  auf 
den  bäum,  'ich  will  dir  erzählen  von  der  art  des  baumes'  so 
kann  doch  nur  ein  belehrendes  gedieht  anheben,  im  Exeterbuch, 
das  uns  die  verse  überliefert,  geht  vorher  das  61  rätsei:  Ic  ivcvs 
he  sande  scpwealle  neah  cet  merefarode.  in  kürze  ist  der  inhalt 
desselben :  'ich  wuchs  am  hohen  seeufer.  spreche  mundlos  über 
die  metbänke  und  wechsle  worte.  des  Schwertes  spitze  und  die 
rechte  band  zwangen  mich  dazu  die  botschaft  zu  entbieten.'  die 
lösung  dieses  rätseis  bringt  nun  unser  gedieht,  'ich  will  dir 
sagen  von  der  art  des  baumes'  beginnt  der  dichter  und  lässt 
nun  diesen  genau  wie  üij-»»  .^Lsel  in  erster  person  sprechen,  er 
erweitert  die  antwort  und  gibt  auch  den  inhalt  der  runen.  man 
könnte  unseren  beiden  gedichten  ganz  gut  die  eingangsverse 
unseres  ersten  spruchgedichtes  vorsetzen,  jedesfalls  wird  die 
auffassung  dieser  eingangsverse  durch  die  rätsellieder  bestätigt, 
wie  die  auffassung   der  rätsellieder  ihre  weitere  stütze  findet  in 


56     ZUR  SPRUCIIDICIITÜNG  BEI  DEi^  ANGELSACHSEN 

der   Überlieferung,     das  61  rätsel   sieht  sichtlich  aufserhalb  der 
zwei  reihen,  welche  uns  die  übrigen  rätsel  überlielernJ 

Es  scheint  dass  auch  der  erste  halbvers  von  z.  4  dem  alten 
gcdichte  angehört,  dann  knüpfte  der  dichter  seinen  geistlichen 
Spruch  mit  der  allitteration  an  das  gedieht  an,  wie  der  dichter 
des  Wessobrunner  gebetes  seinen  teil  durch  dö  mit  dem  sächsi- 
schen gedichte  in  Verbindung  zu  setzen  sucht,  bis  v.  36  gehen 
geistliche  Sprüche,  v.  7  Meotud  sceal  in  wuldre,  mon  sceal  on 
eordan  erhält  eine  ganz  unpassende  fortsetzung  geong  ealdian. 
machen  wir  hinter  eordan  einen  punct,  so  haben  wir  einen 
schönen  parallelismus,  wie  wir  ihn  in  den  Sprüchen  noch  öfter 
finden  werden,  was  12.  13  aussagen  finden  wir  mit  anderen 
Worten  in  17.  18.  ich  schliefse  an  v.  7  den  v.  14.  von  dem 
Schöpfer  hatte  der  dichter  begonnen,  ihm  gehört  der  himmel, 
dem  menschen  die  erde,  viele  erdräume  hat  gott  dem  menschen 
zugewiesen,  ebenso  viel  sind  Völker  und  sitteu.  das  ding  soll 
hegen  der  weise  gegenüber  dem  weisen:  das  schafft  frieden. 
V.  22.  23  ein  zusammengehöriges  distichon ,  das  an  den  vorher- 
gehenden Spruch  des  verwandten  sinnes  wegen  angehängt  ward, 
auch  24 — 26  bilden  keine  fortsetzung,  sind  in  sich  aber  schön 
und  zusammengehörig:  der  geburt  des  menschen  wird  im  bilde 
dessen  endschicksal  gegenübergestellt,  zu  diesen  drei  versen  ge- 
hören wol  inhaltlich,  also  ein  ganzes  mit  ihnen  bildend,  27—34. 
auch  in  ihnen  stehen  geburt  und  tod  einander  gegenüber,     da- 

•  es  ist  mir  keineswegs  entgangen  dass  Dietiicli  Zs.  11,  452  in  dem 
61  (62)  rätsel  eine  freie  bearbeitung  des  Spruches  des  Symposius  nr  2,  der 
arundo  überschrieben  ist,  erkannt  batte.  die  beziehungen  zu  Symposius 
sind  nicht  nur  zu  geringe,  sondern  der  sprach  enthält  manches,  was  zur 
rohrllöte  nicht  passt.  schon  dass  sie  vniäleas  spreciien  soll,  stfnimt  nicht 
recht.  Piirh  föt  jieuctan  vermag  die  sackpfeife  im  32  rätsel  wordum  läcan. 
im  gegensatz  zur  sackpfeife  hat  die  flöte  würklich  einen  mund.  gar  nicht 
zu  passen  scheint  mir  der  schluss.  das  unmögliche  ausgedrückt  in  siud  Int 
beorna  md  uncre  wordcwidas  widdor  iie  vimndon  ist  nicht  ohne  paral- 
lelen in  den  rätseln,     aber  wie  ist  zu  verstehen  poit  ic  wiS"  ^e  sceolde  for 

iinc  dnuiii    iivdm   arendsnraice   dbcodan?      pricht   die    flöte   hier   den    an, 

Sie 
der  sie    bläst,    wie  kann   sie  ihm   'botscuättssprache  entbieten"?    bläst  sie 

ein  anderer,  was  soll  /b/-  unc  dnum  twdinf  aber  das  mit  runen  versehene 

holz  spricht  würklich  mundlos,   es  spricht   nur    für  sich  und  den,  dem  es 

bestimmt  ist,  niemand  kann  die  Sprüche  weiter  sagen,  da  er  sie  nicht  hört. 

die   eingangsverse  würden  wir,   falls  meine   Verbindung   mit  der  Botschaft 

richtig  ist,  besser  verstehen,  wenn  die  ersten  verse  des  letzleren  gedichtes 

nicht  so  verstümmelt  überliefert  wären. 


ZUR  SPRUCHDlCUTUiNG  BEI  DEES  ANGELSACHSEN     57 

gegen  ist  35.  36  wider  ein  distichon  für  sich,  sich  nur  äiilser- 
lich  an  den  sinn  der  vorhergehenden  verse  schliefsend;  an  die 
stelle  der  schönen  verschlingung  der  beiden  gedanken  —  leben 
und  tod  —  tritt  der  rat  für  die  seele  zu  sorgen,  auf  einen 
solchen  ethischen  spruch  weist  wenigstens  nichts  in  den  versen 
24  —  34.  V.  37  —  44  behandeln  wider  gegensätze  und  zwar  von 
glück  und  Unglück :  der  reiche,  der  arme,  der  frohe,  derblinde, 
wenn  SS''  zu  übersetzen  ist:  'das  Unglück  sei  auf  immer  gefesselt', 
so  trennt  sich  das  distichon  37.  38  von  den  übrigen  sechs  versen. 
die  verse  45  —  48  fasse  ich  wider  zusammen,  das  tertium  com-- 
parationis  der  verbundenen  glieder  ist  hier  die  hilfsbedürftigkeit 
des  kranken  und  des  kindes.  wir  lernen  hier  eine  etwas  künst- 
liche Strophe  kennen,  eine  abart  einer  Strophe,  welche  im  10  jh. 
Eyviudr  skäldaspillir  in  seinem  Iläkouarmäl  sich  gestaltet,  nur 
dass  dieser  den  halbvers  am  Schlüsse  der  drei  langverse  bringt, 
die  ags.  Strophe  aber  vor  dem  letzten  langverse  ihn  einschiebt. 
V.  49.  50  schliefsen  sich  nur  äufserlich  an,  das  mon  geong  hat 
das  mon  cildgeong  herangezogen,  v.  51 — 54  gehören  zusammen, 
dem  ethischen  satze  styran  sceal  mon  strongum  möde  steht  ein 
bispel  aus  der  natur  zur  seile,  umgekehrt  geht  der  folgende 
Spruch  von  der  natur  aus  und  die  anvvendung  auf  das  menschen- 
leben  folgt,  55 — 60.  wir  haben  es  wider  mit  einer  künstlichen 
Strophe  zu  tun,  der  ich  freilich  keine  analoge  an  die  seile  stellen 
kann.  v.  61  —  66  scheinen  mir  wider  näher  zusammen  zu  ge- 
hören, 'von  den  passenden  dingen'  könnte  man  diesen  spruch 
überschreiben,  ich  mache  auf  den  symmetrischen  bau  desselben 
aufmerksam,  v.  61  enthält  zwei  gruppen ,  die  letzte  findet  eine 
ausführung  in  einem  verse,  62,  v.  63.64  enlhallen  gleichfalls  je 
zwei  gruppen,  der  gedanke  von  64''  wird  in  zwei  versen  weiter 
ausgeführt,  also  1:1:2:2.  auch  den  schluss  67  11'  fasse  ich  als 
6inen  spruch  auf.  v,  68"  gestehe  ich  zwar  nicht  zu  verstehen: 
auch  Rieger  nennt  seine  eigene  berichtigung  'unbefriedigend.' 
der  spruch  aber  ist  nichts  anderes  als  die  bitte  eines  fahrenden 
um  gäbe,  'männer,  die  sich  zu  schämen  haben,  sollen  im  schatten 
wandeln,  der  herliche  gehört  ins  licht.'  er  fährt  dann  fort:  'der 
gabeusluhl  soll  bereit  sein,  wenn  die  männer  den  schätz  verteilen, 
lieb  ist  dem,  der  das  gold  empfängt,  der  mann  auf  dem  hoch- 
sitze'  und  schliefst  'lohn  soll,  wenn  wir  nicht  lugen  wollen,  dem 
werden,  der  uns  diese  gunst  erwies.'    er  verspricht  also  dem  frei- 


58     ZUR  SPRUCHDllUTUING  BEI  DEN  ANGELSACHSEN 

gebigeo  seinen  lohn,  es  wird  klar  sein  dass  die  anlithese  v.  67 
zu  unserem  spruche  zu  ziehen  ist.  über  die  bedeulung  von  lis 
in  V.  71  ist  zu  vergleichen  Beowulf2l50  mit  dem  kurz  vorher- 
gehenden, wir  haben  aus  der  ersten  guomensammlung  aufser 
dem  bruchstücke  der  einleitung  eines  wettgedichtes  eine  reihe 
von  Sprüchen  gewonnen,  solche  geistlichen  inhaltes  standen 
voran,  in  dieser  voranstellung  dürfen  wir  die  liaud  des  bearbei- 
ters  erblicken,  der  aber  seiner  geistlichen  neigung  nicht  allzu 
lange  nachgab,  nichts  im  folgenden  verriet  uns,  dass  er  etwa 
störend  in  die  einzelnen  späteren  spräche  eingegriffen  habe,  viel- 
mehr konnten  wir  bei  manchen  derselben  an  der  erhaltuug  der 
schönen  form  gerade  die  treue  des  überlieferers  gewahren,  anderer- 
seits dürfen  wir  mit  Rieger  nicht  mehr  anfang  und  schluss  des 
gedichtes  für  die  erkenntnis  der  absieht  des  Sammlers  verwerten. 
Der  anfang  der  zweiten  spruclireihe  scheint  mir  verderbt, 
wenn  ich  von  2^  zunächst  absehe,  so  finde  ich  bis  75'  eine  Schil- 
derung des  winters,  75'' — 78  gott  allein  löst  das  fesselnde  band, 
dazu  der  schlussvers:  'die  tiefe  tote  woge  ist  am  längsten  böse 
(gewesen).'  dann  ist  aber  in  2'  growan  nicht  richtig,  es  muss 
ein  anderes  wort  stehen,  von  ganz  entgegengesetzter  bedeutung. 
welches  weifs  ich  nicht,  v.  S*".  4*  waren  dann  ebenfalls  anders 
zu  übersetzen  als  Grein  tut  im  Sprachschatz  2,  194  s.  v.  Incan: 
'das  eis  wird  wundersam  verschliefsen  der  erde  keime.'  ich  glaube, 
meine  auffassung  ist  der  herschenden  vorzuziehen,  welche  sich 
allerdings  auf  die  in  unseren  spruchreihen  sonst  gewöhnliche  er- 
klärung  von  sceal  berufen  kann.  v.  80.  81  stehen  für  sich,  aufser- 
dem  tritt  Sl**  ganz  aus  dem  zusammenhange  heraus,  v.  82 — 93 
gehören  zusammen,  sie  handeln  vornehmlich  von  den  aufgaben 
der  frau  des  königs,  ein  auch  nur  äufserlicher  oder  ganz  allge- 
meiner Zusammenhang  mit  dem  vorhergehenden  besteht  nicht. 
V.  94 — 100,  ein  spruch  von  der  heimkehr  der  beiden,  wider  aus- 
gehend von  bildern  des  gewöhnlichen  lebens.  die  frau  steht 
wider  im  Vordergründe,  v.  101  — 103  von  treuen  und  ungetreuen 
trauen,  v.  104 — 106  wol  ein  gleichnis,  zu  geduld  und  ausdauer 
mahnend,  in  schwerem  und  langwierigem  werke,  v.  107 — 117 
ist  der  spruch  eines  mannes,  der  zur  arbeit  untüchtig,  arm  und 
hungernd,  von  der  gemeinde  seinen  unterhalt  verlangt,  der  könig 
hat  überm  meere  die  ansiedelung  gegründet,  die  bewohner  nutzen 
wald  und  wasser,  es  kauft  speise  wer   mehr  bedarf,     klage  des 


ZUR  SPKUCHDlCUTUrsG  BEI  DEIN  ANGELSACHSEN     59 

hungernden,  einen  mord  nennl  er  es,  wenn  man  ihm  nicht  speise 
reicht,  einen  schimpflichen,  den  man  verhehlen  soll,  wir  haben  es 
mit  einer  Schattenseite  des  spielmannslebens  zu  tun,  arm,  wol  un- 
fähig zu  wandern  eii)etlelt  er  von  den  seinen  den  unterhalt,  v.  USA' 
zeigen  endreim,  von  denj  in  unseren  spruchreihen  sonst  keine 
spur  vorhanden  ist.  meist  sind  es  Sprichwörter,  welche  durch 
allitteration  und  reim  verbunden  sind,  nur  119'' und  120'  machen 
hiervon  unter  den  gereimten  eine  ausnähme.  v.  126 — 129 
Sprüche,  deren  Zusammengehörigkeit  wider  durch  den  symmetri- 
schen bau  der  Strophe  bewiesen  wird,  ein  spruch  anderthalb 
langverse  einnehmend,  dann  einer  blofs  von  einem  halben  lang- 
vers.  das  zweite  par  in  umgekehrter  reihe:  ein  halbvers  einen 
spruch  umfassend,  anderthalb  langverse  den  zweiten,  in  den 
drei  folgenden  versen  130 — 132  ist  je  ein  halbvers  einem  Spruche 
gewidmet,  v.  133 — 138.  der  spruch  Wollen  worhte  weos,  wuldor 
alwalda,  rünie  röderas  lehnt  sich  in  seinem  anlange  an  Ps.  xcv  5 
omnes  dii  gentium  daemonia,  dominus  autem  coelos  fecit,  welchen 
psalm  auch  der  pabst  Bonifatius  in  seinem  schreiben  an  Äduuin, 
den  könig  der  Äugeln  (mitgeteilt  von  Beda  in  seiner  HE  n  10, 
s.  83  bei  Holder),  anzieht,  freilich  muss  der  dichter  die  psalm- 
stelle entweder  aus  unsicherem  gedächtnis  übersetzt  oder  sie 
misverstanden  haben,  da  er  fecit  auch  zum  regierenden  verbum 
des  ersten  satzes  macht,  für  den  anderen  teil  des  Spruches  findet 
sich  ebenfalls  in  der  bekehruugsgeschichte  Äduuins  bei  Beda  eiue 
parallele,  er  legt  im  cap.  13  desselben  buches  dem  primus  fon- 
tificum  Coifi  folgende  worte  in  den  mund:  in  hac  praedicatione 
neritas  daret  illa  quae  iiobis  uitae,  salutis  et  beatitudinis  aeternae 
dona  ualet  tribuere.  im  spruche  heifst  es:  södcyning  se  iis  eal 
forgeaf  pcet  we  on  lifgad  and  eft  on  pa>m  ende  eallum  wealded 
monna  cynne.  eine  beziehung  unseres  Spruches  auf  die  hekehrung 
Äduuins  darf  aus  diesem  zusammentreffen  nicht  gefolgert  werden, 
aber  aus  der  Übereinstimmung  ergibt  sich  dass  der  spruch  ge- 
danken  enthalte,  deren  die  bekchrer  auch  sonst  den  beiden  gegen- 
über sich  bedienten,  wir  erkennen  somit  wol  den  zweck,  den 
der  spruchdichter  verfolgte. 

In  formeller  beziehung  ist  an  dem  spruche  der  dreimalige 
gleiche  anlaut  im  ersten  halbvers  zu  tadeln:  Wöden  worhte  weos. 
bevor  ich  die  beziehung  zum  xcv  psalm  erkannt  hatte,  wollte  ich 
lesen  :    Wöden  worhte  peostni   und  glaubte  mich  dazu  noch  be- 


60     ZUR  SPRUCHDICIITUNG  BEI  DEN  ANGELSACHSEN 

rechtigt  durch  den  gegensatz  von  wuldor  und  rüme  röderas.  es 
darf  daran  erinnert  werden  dass  Jul.  419  der  teulel  pystra  stih- 
tend  genannt  wird  und  dass  also  peostru  metonymisch  gehraucht 
sein  kann,  auch  kann,  wenn  in  weos  würkhch  der  fehler  liegt, 
die  änderung  erklärt  werden,  einer ,  der  den  Zusammenhang  der 
Worte  mit  der  bibelstelle  erkannte  oder  wüste,  suchte  die  be- 
ziehung  enger  herzustellen.  ^  liegt  der  fehler  in  worhte  und  ist 
etwa  teode  zu  setzen,  so  suche  ich  vergebens  nach  dem  gründe 
der  änderung.  mau  wird  sich  also  wol  auch  noch  diese  ab- 
weichung  von  der  bibelstelle  gefallen  lassen  müssen. 

Die  dritte  reihe  beginnt  mit  einem  spruche,  der  die  auf- 
gaben des  fahrenden  behandelt,  v.  142.  143  müssen  wir  athe- 
lieren,  sie  stören  den  Zusammenhang,  v.  144  bildet  den  IrelT- 
hchen  abschluss  der  vierzeiligen  Strophe  im  fornyrdalag.  v.  145  bis 
148  von  freunden  und  dem  Schicksal  dessen,  der  keinen  freund 
hat.  v.  149 — 152  aufforderung  die  toten  zu  begraben,  v.  153  bis 
159  anempfehlung  der  milde,  die  auch  der  alte  nicht  lassen 
soll,  aufrecht  soll  sein  saal  stehen  um  seines  geschlechtes  willen, 
denn  der  liegende  haum  grünt  nicht,  v.  160 — 164  lob  der  treue, 
des  ungetreuen  achtet  gott  nicht,  eine  fünfzeilige  Strophe  v.  165  bis 
169  Verschiedenheit  der  menschen.  v.  170 — 173  preis  der  sanges- 
kunst.  V.  173 — 177  Schicksal  des  Ireundlosen.  v.  179 — 181  Ijo- 
dahäitr.  die  ergänzung  des  verses  180''  durch  Grein  wird  das 
richtige  treffen,  dann  mahnt  der  spruch  helden  sich  zusammen- 
zuhalten und  zur  vorsieht,  freilich  scheint  der  folgende  vers 
durch  Hy  ttoegen  an  unseren  spruch  anzuknüpfen,  aber  da  ein 
Zusammenhang  schlechterdings  nicht  aufzudecken  ist,  so  ist  die 
Verbindung  erst  durch  den  sammler  hergestellt,  es  ist  daher  wol 
zu  lesen  Asceolon  twegen  oder  ähnlich,  auch  v.  184.  185  können 
unmöglich  zu  den  vorhergehenden  gehören,  sondern  bilden  einen 
spruch  für  sich:  'den  müfsigen  zieht  der  herr  nicht  an  seine 
Seite.'  v.  186  — 188.  der  faule  knecht  und  der  unfähige  sind 
nicht  zu  brauchen  zur  schilTlahrt:  der  faule  rudert  nur  unter 
segel,  der  unfähige,  wenn  du  ihn  schiltst,  verliert  seine  kraft 
und  lässt  das  rüder  trocken,  über  die  v.  189 — 193  vgl.  Zs.  30,215. 
V.  194 — 202  gehören  sichtlich  zusammen,  der  spruch  erinnert 
mich   lebhaft   an    den   bekannten   interpolator   der  Beowulflieder, 

'  es  liegt  hier  feiner,  den  grund  der  änderung  im  verlesen  von  />  zu 
wen  zu  suchen,  vgl.  ßeowulf  ed.  AHolder  s.  100". 


ZUR  SPRUCHDICHTÜNG  BEI  DEN  ANGELSACHSEN     61 

insbesondere  an  die  v.  10711'.  der  spruch  bedari  zunächst  keiner 
weiteren  erklärung,  dem  morde  Abels  wird  es  zugeschrieben, 
dass  kriege  und  leindschaften  in  die  weit  kamen,  wol  aber  ist 
manche  einzelheit  unverständlich,  fione  cwealm  nerede,  was  soll 
das  bedeuten?  im  BeowuH  steht  pone  cwealm  gewrcec,  ziemlich 
unbeholfen,  aber  an  unserer  stelle  konnte  der  ausdruck  zur 
besserung  einen  fingerzeig  geben:  pone  cwealm  gewnec  —  cüd 
wws  tcide  siddan  —  pci't  ece  nid  wldum  scöd.  dürfte  man  nun 
statt  des  unverständlichen  adolwarum  lesen  ddomswarian,  so  be- 
deuteten die  Worte:  den  mord  rächte  —  kund  war  es  seither 
weithin  — ,  dass  ewiger  hass  die  menschen  schädigte,  wie  auch 
eidam  und  schwäher  der  waffen  getöse  vollführten  über  die  erde, 
der  Spruch  zerfällt  in  zwei  teile  4  -j-  V2  5  V2  +  4.  im  gründe 
sagen  beide  hälflen  dasselbe,  aus  Abels  blut  entsprosste  untreue 
und  feindschaft.  und  nun  wider:  es  erschlug  seinen  eigenen 
bruder  Kain.  ich  kann  die  widerholung  bei  beabsichtigtem  sym- 
metrischen bau  hier  nur  verstehen ,  wenn  auch  der  dichter  mit 
ihr  eine  bestimmte  absieht  verband. 

König  Oswald  von  Northumbrien  fällt  in  der  schlacht  am 
MaserfelJ)  am  5  august  642.  sein  gegner  war  Penda,  könig  von 
Mercia.  man  lese  bei  Beda  ni  9,  welchen  eindruck  Oswalds  tod 
nnd  die  Schändung  seiner  leiche  nocJi  nach  einem  Jahrhunderte 
auf  Beda  machte.  Oswalds  bruder  ist  Oswin.  er  vermählt  eine 
tochter  mit  dem  söhne  Pendas,  Peada.  am  15  november  655 
kommt  es  zwischen  Oswin  und  Penda  zum  kämpfe,  ersterer 
bleibt  Sieger,  Penda  fällt,  ein  jähr  später  wird  Peada  ermordet, 
wir  haben  hier  einen  kämpf  zwischen  eidam  und  schwäher, 
Peada,  der  ja  wol  an  der  seile  Pendas  kämpfte,  und  Oswin. 
hervorgerufen  wird  der  kämpf  durch  den  fall  Oswalds,  welchen 
der  geistliche  dichter  wol  den  mord  eines  Abel  nennen  konnte, 
durch  diese  beziehung  gewänne  unser  spruch  erst  die  rechte  be- 
deutung.  er  gehorte  an  den  schluss  des  siebenten  oder  in  den 
anfang  des  achten  jhs.,  wo  die  tat  noch  in  lebhafter  erinuerung 
war;  aber  auch  Oswald  sich  immermehr  zum  hauptheiligen  der 
Angelsachsen  entwickelte. 

Sind  wir  durch  unseren  spruch  an  den  inlerpolator  des 
Beowulf  erinnert  worden,  so  zeigen  auch  die  übrigen  Sprüche 
dass  sie  in  denselben  kreisen  entstanden  sind ,  welche  den  alten 
heldensang  pflegten,     denn   auch  dieser  hat,   wenn  auch  selten, 


62     ZUR  SPRUCHOlCMTUNr.  BEI  DEN  ANGEF.SACHSEN 

derartige  spräche  in  sich  aiifgenommpii.    der  Travellers  song  1  e- 
ginnt  mit  einem  Vierzeihgen  Spruche,  v.  10: 

fela  tc  motina  gefrcegn  mcBgdum  wealdan: 

sceal  peodna  gehwylc  peawum  lifgan, 

eorl  Lvfter  ödriim  edle  rcedan, 

se  pe  his  peodenstöl  gppeon  wih. 
auch    der  verf.  der   einleitung   zum  Beowulf  flicht   einen    spruch 
ein,  welcher  durch  die  kleine  änderung  des  hegin neuden  swd  in 
d  selbständig  wird,  v.  20: 

Siod  sceal  geong  gnma  gude  gewyrcean, 

fromum  feohgiftum  on  fwder  bearme, 

pcet  hine  on  ylde  eft  gewnni'gen 

wilgesipas,  porme  wig  atme, 

leode  gelü'steti:  lofdwdum  sceal 

in  moegpa  gehwwre  man  gepeonl 
nur  noch    einen  vollständigen  spruch    finde   ich  in  Beowulf  und 
zwar  einen  vierzeiligen,  v.  1059: 

(forpan)  hid  andgit  ceghiowr  seiest, 

ferhdes  forepancl  fela  sceal  gelndan 

leofes  and  Idpes  se  pe  longe  her 

on  dyssnm  windagum  loorolde  brüced. 
sonst  bietet  der  Beowult'  nur  spruchartiges  in  die  darstellung 
verllochten,  was  ich,  weil  ich  einmal  daran  bin,  hier  vollständig 
anführe:  IS^"^— 187,  287"— 289,  299,  300,  455^  1384,  1534, 
2166^  —  2169%  2858,  2890.  auf  1387  ff  hat  schon  VViilker  in 
seinem  Grundrisse  s.  230  hingewiesen. 

Einen  ganz  anderen  character  haben  die  in  der  hs.  der 
Sachsenchronik  überlieferten  sprüche.  von  v.  11^  —  41  umfasst 
eine  senteoz  stets  den  zweiten  halbvers  und  <Ien  folgenden  ersten 
halbvers.  dieselbe  einrichtung  zeigen  im  allgemeinen  auch  die 
verse  42  —  49.  an  die  gegensätze  in  v.  50.  51  gut  und  böse, 
Jugend  und  alter,  leben  und  tod,  licht  und  finsternis,  wird  der 
widerstreit  unter  den  menschen,  ihre  feindseligkeiten  geknüpft, 
das  führt  auf  die  kämpfe  der  menschen  in  der  weit  fiüear/i •  ver- 
stehe ich  vom  teufel)  und  der  spruch  geht  in  geistliche  betrach- 
tungen  über,  der  gedankengang  des  Spruches  wäre  dann  folgen- 
der: es  gibt  viel  widerstreitendes  in  der  weit,  auch  die  menschen 
bekämpfen  sich,  der  weise  aber  soll  um  seiner  seele  heil  kämpfen: 
denn    ungewis   ist   sein  geschick    nach  dem  tode.     ein  ähnlicher 


ZUR  SPRÜCIIDICIITÜNG  REI  DEN  ANGELSACHSEN     G3 

zusammenliang  lässt  sich  nirgends  mehr  entdecken,  von  anfang 
bis  V.  41  sehe  ich  nur  eine  zu  schuizvvecken  verfasste  Zusammen- 
stellung von  Sentenzen,  die  sehr  wenig  wiirkiiclie  spriciiwürter 
enthalten,  die  v.42 — 49  kann  ich  dazu  nicht  zäiden,  44'M' passen 
übel  zu  solchem  zwecke  und  stehen  ebenso  von  den  vorhergehen- 
den ab,  wie  von  der  lendenz  des  folgenden  Spruches,  ganz  ohne 
zweilel  haben  wir  es  mit  etwas  sehr  altertümlichem  zu  tun,  aber 
jeder  herstellungsversuch  des  bruchstückes  versagt,  ich  will  noch 
auf  einen  kleinen  unterschied  zwischen  den  samndungen  auf- 
merksam machen,  die  anzahl  der  verse  ist  zwar  eine  zu  ge- 
ringe, um  weitergehende  Schlüsse  aus  der  Verwendung  der  allit- 
teration  zu  gestatten,  doch  scheint  mir  als  ob  gewisse  folgerungen 
nicht  abzuweisen  wären,  in  der  Sammlung  der  hs.  des  Brit. 
museums  verhalten  sich  die  allilterierenden  anlaute  folgender 
mafsen:  vocalische  allitteration  4  mal  (6'^/o),  auf  c  2  mal  (3*^/o) 
auf  w  7  mal  (10,Go/o),  auf  p  (d)  2  mal  (S»,  auf  /  6mal  (9o/o), 
auf  s  6mal  (9o/o),  auf  sc  Imal  (1,5»,  auf  st  1  mal  (l,5Vo), 
auf  h  3  mal  (4,50/0),  auf  g  7 mal  (lO,G'Vo),  auf  /  9 mal  (13,67ü), 
auf  b  5mal  (7,50/o),  auf  t  3mal  (4,5»,  auf  d  5 mal  (7,5», 
auf  m  3mal  (4,57o),  aiif  r  Imal  (l,50/o),  auf  n  Imal  (l,5f'/ü). 
in  den  206  versen  des  Exeterbuches  verteilen  sich  die  allittera- 
lionen  wie  folgt:  vocalische  allitteration  24  mal  (11,6^/0),  auf  c 
8mal  (3,8o/o),  auf  ic  30mal  (17,5»,  auf  ^  (d)  5mal  (2,4o/o), 
auf  l  14 mal  (6,70/0),  aufs  15 mal  (7,2o/o),  auf  sc  3 mal  (1,4», 
auf  st  2mal  (0,90;o),  auf  h  14mal  (6,7'Vo),  auf  g  17 mal  (8,2o/o), 
auf  f  19mal  (9,2o/o),  auf  b  12mal  (5,8o/o),  auf  t  7mal  (3,47o), 
auf  d  8 mal  (3,8o/o),  auf  m  18 mal  (8,7 «/o),  auf  r  7  mal  (3,40/o}, 
auf  n  Imal  (0,48o/o).  in  den  ersten  tausend  versen  des  ßeowulf 
erscheint  folgendes  resultat:  vocalische  allitteration  15,27ü,  auf  c 
1,20/0,  aufwj  11,50/0,  diui p(d)  2,6o/o,  aufU,40/o,  auf  s  ll,2o/o, 
auf  sc  1,50/0,  auf  st  0,40/o,  auf  h  11, 70/0,  auf  g  8,9o/o,  auf  f 
10,30/0,  auf  b  6,40/0,  auf  t  0,50,o,  auf  d  2,8o;o,  auf  ni  8 0/0,  auf 
r  1,70/0,  auf  n  l,7o/o. 

Die  verhältniszahlen  im  Beowulf  ändern  sich  wesentlich  nicht, 
wenn  wir  sämmtliche  dreitausend  verse  des  gedichtes  heranziehen, 
für  unseren  fall,  glaube  ich,  dürfen  wir  vorsichtiger  weise  nur 
constatieren  die  auffällig  geringe  zahl  der  vocalischen  consonanzen 
in  der  Londoner  Sammlung,  in  den  ersten  66  versen  des  Beowulf 
haben  wir  8,  in  100  — 166  zwölf  vocalische  allitterationen  gegen 


64     ZUR  SPRÜCHDICHTÜNG  REl  DEN  ANGELSACHSEN 

4  der  Londoner  Sammlung,  in  den  oben  angezogenen  v.  16 — 41 
finden  sich  drei  fälle  solcher  vocalischen  allitteration  und  zwar 
16.  19.  30.  in  16  und  30  haben  je  die  erste  allitterierende  silbe 
des  ersten  halbverses  und  die  darauf  reimende  des  zweiten  ganz 
gleichen  vocal  e ;  e,  ea :  ea,  die  quantitätsverschiedenheit  kann  ja 
hier  aufser  betracht  kommen,  dasselbe  wäre  v.  19  der  fall,  wenn 
wir  eafor  lesen  dürften  (Sievers  Ags.  gramm.  §  160).  der  reim- 
stab  des  zweiten  halbverses  ist  immer  zugleich  das  wort,  an 
welches  der  spruch  gebunden  ist.  bedenken  wir  dass  im  ge- 
dächtnis  consonantische  stäbe  leichter  haften  als  vocalische,  dass 
letztere  in  unserer  Sammlung  seltener  sind  und  wo  sie  auftreten 
besonders  genau  reimen,  so  werden  wir  nicht  irre  gehen,  wenn 
wir  meinen,  die  Sprüche  seien  so  zusammengestellt,  dass  sie  dem 
gedächtnisse  möglichst  wenige  Schwierigkeiten  bereiteten,  wir 
finden  also  unsere  früher  ausgesprochene  ansieht  bestätigt,  unsere 
Sammlung  dient  schulzwecken,  es  sind  versus  memoriales. 

Die  frage,  ob  wir  es  etwa  mit  einer  auf  Alfreds  tätigkeit 
mittelbar  oder  unmittelbar  zurückzuführenden  Sammlung  zu  tun 
haben ,  drängt  sich  auf ,  scheint  mir  aber  verfrüht. 

Czernowitz.  .      JOSEPH  STROBL. 


DIE  NEIDHARTLEGENDE. 

Die  originelle  und  interessante  persönlichkeit  Neidharts  von 
Reuental  hat  früh  ein  allgemeines  Interesse  erregt,  das  am  deut- 
hchsten  durch  die  an  seine  dichlungen  anknüpfende  legende  be- 
zeugt wird,  ich  hoffe  auf  die  in  mancher  hinsieht  lehrreichen 
Schicksale  der  Neidhartischen  poesie  in  einer  geschichte  der  mlid. 
lyrik  später  näher  eingehen  zu  können ;  für  jetzt  möchte  ich  es 
nur  versuchen,  die  tradition  zu  beleuchten  soweit  sie  den  dichter 
persönlich  angeht,  die  resultate  meiner  Untersuchungen  hierüber 
habe  ich  in  einem  für  die  ADD  bestimmten  artikel  kurz  darge- 
legt und  will  sie  hier  zu  rechtfertigen  suchen. 

Den  natürlichen  anfang  dieser  tradition  bilden  Neidharts 
eigene  berichte,  kein  zweiter  mhd.  poet  führt  sich  so  oft  und 
gern  und  unter  ausdrücklicher  nennung  seines  namens  selbst 
vor.  wir  sind  über  seine  lebensverhältnisse  daher  verhältnis- 
mäfsig   nicht  schlecht   unterrichtet.     N.  lebte   etwa  bis  1230  iü 


DIE  NEIDHARTLEGENDE  65 

Baiern  auf  dem  lehusgul  Heuental,  dann  in  Österreich  aul  einem 
von  herzog  Friedrich  verHehenen  hof  bei  Melk,  er  lebte  vom 
ertrage  seiner  kunst,  die  in  der  ersten  hallte  seines  lebens  vor- 
zugsweise von  den  bauern ,  in  der  zweiten  von  den  hotkreisen 
belohnt  wurde  (Irulzstrophe  bei  Haupt  s.  231.  vgl.  Wilmanns  Zs. 
29,  64  f).  er  starb  vor  1250.  seine  ungemeine  Volkstümlichkeit 
beweist  die  grofse  zahl  der  von  ihm  erhaltenen  echten  wie  der 
ihm  zugeschriebenen  unechten  lieder.  in  den  litterarhistorischen 
stellen,  die  bei  den  epigonen  des  minnesangs  so  beliebt  waren 
wie  bei  den  gelehrten  dichtem  des  17  und  18  jhs.,  erscheint  er 
oft,  ohne  dass  aus  diesen  erwähnungen  etwas  wesentliches  zu 
lernen  wäre. 

N.  war  gewis  ein  mann,  der  persönliches  interesse  erregen 
konnte,  und  er  nahm  dies  ja  auch  für  sich  reichlich  in  aüspruch. 
als  das  wichtigste  ereignis  seines  lebens  erschien  ihm  die  spiegel- 
geschichte,  die  er  so  oft  und  so  geheimnisvoll  erwähnt  wie  Ovid 
die  Ursache  seiner  Verbannung,  würklich  ist  die  bedeutung  beider 
tatsachen  eine  völlig  gleiche:  das  leben  des  dichters  wird  durch 
ein  ungewolltes  ereignis  in  zwei  grundverschiedene  hälften  ge- 
schnitten und  der  dichter  klagt  in  gramvollem  alter  um  den  ver- 
lost seiner  heiteren  Jugend.  —  natürlich  setzten  hier  auch  die  ver- 
suche, die  biographie  des  dichters  zu  ergänzen,  ein.  wir  müssen 
als  träger  derselben  vorzugsweise  die  spielleute  denken ,  welche 
Neidharts  lieder  verbreiteten,  sie  nehmen  von  überall  her  auf, 
was  ihre  zuhörer  interessieren  kann:  mündliche  berichte,  würk- 
liche  oder  vermeintliche  andeutungen  bei  anderen  dichtem  usw. 
für  uns  fallen  daher  die  entwickelungsphasen  der  Neidhartlegende 
zusammen  mit  den  schichten  unechter  Neidhartgedichte,  inhalt- 
liche und  formale  kriterien  würken  zur  abgränzung  dieser  gruppen 
zusammen,  die  inhaltliche  entwickelung  wird  durch  den  wünsch, 
Neidharts  leben  lückenlos  zu  schildern  und  so  dem  allgemeinen 
interesse,  vorzugsweise  an  der  lösung  des  rätseis  jener  spiegel- 
affaire,  zu  dienen  geleitel;  der  formalen  zeichnet  die  zunehmende 
entartung  des  Zeitgeschmacks  den  weg  vor.  die  Neidhartianer 
suchen  also  überall  auf  den  kredit  ihres  eponymus  hin  den  Zu- 
hörern erfmdungen  eigener  mache  zu  unterbreiten,  und  das  re- 
sultat  ist  natürlich  inhaltlich  wie  formeil  immer  gröfsere  ent- 
fernung  von  dem  character  der  echten  lieder. 

Ich  unterscheide  drei  phasen,  die  ungefähr  dem  13,  dem  14 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  5 


66  DIE  NEIDHÄRTLEGENDE 

und  dem  15jli.  entsprechen  mögen,  die  erste  stufe  ist  die  der 
pseudo-Neidharte,  die  ihre  lieder  würklich  für  solche  des  Schöpfers 
der  höfischen  dorfpoesie  auszugeben  suchen  und  sich  deshalb 
überall  so  nah  wie  möglich  an  das  original  halten,  die  zweite 
ist  die  der  nachahmer  Neidharts,  welche  in  seiner  art  dichten, 
gelegentlich  auch  noch  unter  seinem  namen,  aber  nur  im  grofsen 
und  ganzen  die  züge  der  alten  lieder  beibehalten,  im  einzelnen 
frei  erfinden,  die  dritte  gehört  gewisser  mafsen  den  nachahmern 
dieser  nachahmer  an  ,  sie  gibt  alle  ähnlichkeit  mit  dem  original 
völlig  auf  und  hängt  mit  diesem  nur  noch  durch  stoffliche  ele- 
mente  zusammen,  zuerst  erzählt  man  als  N,,  dann  erzählt  man 
wie  N.,  endlich  erzählt  man  von  N.  —  natürlich  sind  die  gränzen 
fliefsend.  für  die  legende  kann  man  die  drei  stufen  nach  den 
häufigsten  benennungen  des  hehlen  scheiden  in  die  lieder  von 
N.  von  Reuental  —  von  herrn  N.  —  von  N.  Fuchs. 

Die  erste  phase  mag  leicht  bei  N.s  lebzeiten  begonnen 
haben,  denn  die  ältesten  unechten  lieder  sind  ihm  gewis  gleichzeitig, 
ebenso  zusatzstrophen  zu  echten  gedichten.  an  gänzlich  freie  er- 
findung  ist  hier  —  wie  im  gesammten  verlauf  der  enlwickelung  — 
selten  zu  denken:  echte  stellen  werden  combiniert.  ich  denke 
mir  diese  versuche  der  ältesten  biographen  als  fast  wissenschaft- 
liche bemühungen;  denn  beinah  überall  kann  die  alte  grund- 
lage  aufgezeigt  werden,  in  derselben  art,  wie  zb.  die  jüngere 
Edda  belegstellen  anführt,  mögen  die  spielleute  ihren  Vermutungen 
echte  Strophen  beigegeben  haben;  auf  diese  weise  fand  sich  all- 
mählich zb.  für  die  figur  des  ungenannten  alles  nutzbare  material 
zusammen  und  ward  ausgebeutet,  für  solche  bestrebungen  erin- 
nere ich  nur  zb.  an  die  quellenkritik  in  mhd.  epen  oder  an 
Schlussstücke  wie  in  Helg.  Hund,  ii  oder  Rrot  af  Sig.  die  wahr- 
scheinlich vom  dichter  selbst  redigierten  liederbücher  (vgl.  meine 
diss.  Die  reihenfolge  der  lieder  N.s  von  Reuental  s.  162)  musten 
hierbei  gute  dienste  leisten. 

Über  die  bedeutung  der  spiegelgeschichte  sind  auch  wir 
nicht  sicher  aufgeklärt,  fest  steht  dass  sie  seinen  gegensatz  zu  den 
bauern  verschärfte,  nun  fallen  diese  beiden  grofsen  abschnitte 
seines  lebens  nahezu  zusammen  mit  seinem  aufenthalt  in  Baiern 
und  in  Österreich,  es  lag  nichts  näher  als  beides  zu  combinieren: 
wegen  jener  geschichte  haben  die  bauern  den  N.  aus  seiner 
heimat  vertrieben,    so  scheint  alles  in  ordnunfj.    ähnlich  berichtet 


DIE  NEIDHARTLEGENDE  67 

daher  noch  Bartsch  LD-  s.  xliii.  dennoch  steckt  hier  der  anfang 
der  Verwirrung,  denn  jene  conjectur  ist  nachweisHch  falsch.  N. 
verliefs  Baiern  nicht  der  dörper  wegen,  sondern  weil  er  mit  der 
gnade  seines  herrn  sein  gut  verloren  hatte  (74,  31).  noch  in 
Reuental  sang  er  von  der  spiegelgeschichte  (vgl.  zb.60,27 — 61,17). 
unmittelbar  nach  dem  verlust  scheint  dagegen  eine  andere  Strophe 
(74,  25)  gedichtet,  in  der  von  bauern  nicht  die  rede  ist.  N.  klagt, 
Reuental  gehöre  ihm  nicht  mehr;  wonach  solle  er  sich  nun  als 
dichter  bezeichnen?  nämlich  bis  dahin  hatte  er  seine  licder  durch 
erwähnung  des  namens  Rouental  gleichsam  gestempelt  (hie  envor 
dö  kande  man  iz  wol  hi  'BiuwentaV  —  durch  den  namen  'Reuen- 
tal');  —  er  halt  sich  dann  durch  anbringen  von  Ortsnamen  aus 
seiner  neuen  Umgebung,  wenn  der  dichter  nun  sagt:  kint,  ir 
heizet  iu  den  singen  der  sin  nü  geioaltic  si,  so  scheint  er  damit 
doch  auf  den  nunmehrigen  Inhaber  des  lehnsgutes  als  einen  neben- 
buhler  zu  zielen,  unmöglich  wäre  es  nicht  dass  unechte  lieder, 
in  denen  der  von  Riuwental  sich  nennt,  diesem  eindringling  an- 
gehörten, dass  es  aber  ein  bauer  war,  ist  gewis  nicht  anzu- 
nehmen, und  keine  einzige  echte  stelle  bringt  die  spiegel- 
geschichte mit  der  auswanderung  zusammen! 

Nun  können  wir  natürlich  nicht  beweisen  dass  die  Ungnade 
des  lehnsherren  nicht  auf  Umtrieben  der  dörper  beruhte,  aber 
hätte  das  N.  verschwiegen?  die  bauern  bedrängten  ihn  vermut- 
lich —  wie  auch  später  in  Österreich  —  persönlich;  sie  konnten 
ihm  sogar  sein  haus  abbrennen  (52,  12),  aber  ihn  schwerlich 
von  seinem  gut  vertreiben,  und  wenn  sie  es  gekonnt  hätten, 
so  würden  die  trutzstrophen  der  bauern  ihm  die  höhnische  erin- 
nerung  daran  nicht  ersparen,  aber  so  dachte  man  sich  einmal 
die  Sache  und  nun  suchte  man  helegstellen.  man  fand  folgende 
verse,  die  diese  ansieht  zu  stützen  schienen:  er  und  jener  Engelher 
triben  mich  mit  wiges  her  ab  miner  anewande  53,  6.  da  ich  ie 
gendden  bat,  da  verstiez  mich  miner  stat  ein  gebuwer  gogelsat 
77,  35.  und  allenfalls  noch  ir  sint  leider  niune  die  mir  daz  geu 
verbietent  manegen  liehten  viretac  56,  34. 

Diese  stellen  beweisen  nun  gerade  gegen  jene  hypothese. 
denn  erstens  stammen  sie  alle  aus  Österreich:  in  dem  liede  52,  21 
heifst  es  sogar  ausdrücklich  wilen  mnot  mich  Engehndr  53,  26, 
db.  nach  N.s  Sprachgebrauch:  in  der  früheren  hälfte  meines  lebens; 
in  dem  lied  55,  19    heifst  es:    si  gedrangent   mich  niht  mere  dd 

b* 


68  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

ze  Rimoental  57,  19,  und  in  ilem  lied  75,  15  ist  ein  österreichi- 
scher ort  genannt  (Knnehöhesteten  77,  19)  und  auf  die  spiegel- 
geschichte  zurückverwiesen  78,  7.  wenn  also  in  Österreich  N. 
bauern  nennt,  die  ihm  lästig  fallen,  weshalb  sollte  er  seine  bairi- 
schen  vertreiber  mit  stillschweigen  übergehen  ?  zweitens  aber 
ist  in  diesen  stellen  von  einer  würklichen  Vertreibung  nicht  die 
rede;  es  ist  ein  stofsseuFzer :  'die  verleiden  mir  mein  leben  hier!' 
—  aber  er  blieb,  und  die  würkliche  Verdrängung  sollte  er  den 
bauern,  die  sie  verschuldet  hätten,  nicht  zur  last  legen? 

Dennoch  scheint  sicher  dass  diese  stellen  ausgangspunct  des 
eigentlichen  beiden  der  Neidhartlegende  wurden,  des  ungenannten, 
der  gebüwer  gogelsat  77,  37  ist  natürlich  ganz  allgemein  zu  ver- 
stehen, gerade  wie  ir  einem  78,  10.  es  ist  also  ganz  natürlich 
dass  hier  kein  name  steht,  aber  weshalb  ist  in  der  stelle  52,  36  f 
der  6ine  unbeuannt,  während  N.  sonst  die  dörper  mit  namen  nennt? 
das  fällt  auf.  nun  heifst  es  in  einem  anderen  liede  59, 8  ausdrücklich 
derst  also  getonfet  daz  in  nienien  nennen  sol.  dieser  ungenannte 
hat  nun  aber  auch  mit  einem  Spiegel  zu  schaffen,  mit  Friderün 
hat  er  nichts  zu  tun ;  vielmehr  zeigt  er  einer  magd  einen  spiegel, 
der  ihm  gehört,  und  es  heifst  ausdrücklich  dem  gelich  also  daz 
Friderünen  was  59,  14.  aber  vielleicht  verstand  man  das  gerade 
falsch  und  meinte,  dieser  gouch  hätte  Friderün  eben  mit  dem 
Spiegel  gehöhnt,  den  er  ihr  weggerissen  hatte,  scheint  doch 
selbst  Wackernagel  (Kl.  sehr,  i  129  anm.  9,  130  anm.  2)  die 
stelle  irrig  so  gefasst  zu  haben,  kurz,  die  aufmerksamkeit  war 
auf  den  ungenannten  hingelenkt,  hier  schien  ein  dörper  in  den 
Vordergrund  zu  treten ,  der  mit  der  spiegelaffaire  zusammenhieng, 
der  an  N.s  verjagung  anteil  genommen  hatte  und  den  der  dichter 
nicht  nennen  durfte,  dies  neue  rätsei  muste  doppelt  reizen: 
welches  war  der  grund  dieser  geheimnisvollen  anonymität?  man 
spürt  dem  ungenannten  nach,  wir  folgen  dieser  bemühung  und 
stellen  aus  den  echten  liedern  alle  anonymi  zusammen. 

Wir  scheiden  drei  classen: 

1)  betonte  anonymität.  59,  8  derst  also  getonfet  daz  in  niemen 
nennen  sol.     98,  3  der  ungenande,  des  ich  nennen  niht  entar. 

2)  zufällige  anonymität.  52,  39  f  wird  ein  bauer  erwähnt 
ohne  benannt  zu  werden;  53,  6  heifst  es  dann:  er  und  jener 
Engelher  triben  mich  mit  wiges  her  ab  miner  aneioande.  —  93,  29  f 
wird  von  einem  anwohner  des  Lugebachs  ein  characterbild  ent- 


DIE  NKIDIIAHTLEGENDE  69 

worfen,  ohne  dass  er  geuaunt  wäre;  hier  ist  vielleicht  vvürklich 
kein  bestimmter  gemeint,  da  N.s  porträts  mehr  und  mehr  typisch 
werden,  ganz  sicher  allgemein  gehalten  sind  die  stellen  74,  22 
einer  der  schrei  Inte;  11, 'Sl  ein  gebnwer  gogelsat  und  78,  10  ich 
getuo  ir  einem  —  alsam,  88,  14  so  kumt  einer  — .  zweifelhaft  ist  es 
98,  7  f,  wo  der  sjnezgenöz  des  ungenannten  nicht  benannt  wird 
(und  98,  24  wider  der  ungenannte  des  vorigen  spiezgenöz  heilst), 
die  beziehung  auf  diese  stelle  96,  28  (s.  Haupt  zu  95,  6)  macht 
trotz  dieser  wunderlichen  beneunung  des  einen  anonymus  durch 
den  anderen  wahrscheinlicher  dass  von  einer  bestimmten  per- 
sönlichkeit die  rede  ist.  —  besonders  verwickelt  liegt  die  sache 
81,  19  f.  auf  eine  ganz  allgemeine,  nahezu  inhaltslose  Strophe 
folgt  eine  zweite,  die  ganz  deutlich  auf  ein  bestimmtes  individuum 
geht  (besonders  81,  40 — 82,  1).  hier  ist  nun  der  betreffende  blofs 
81,21  als  ein  geiler  getelinc  bezeichnet,  vorher  geht  aber  81,  17 
des  bin  ich  dem  dörper  gram,  dem  selben  Walberüne.  hier  be- 
ziehen nun  Walberün  als  typisch  gebrauchten  eigennamen  (wie 
17,  40  die  alten  Kunzen)  Haupt  s.  208  auf  Lanze  81,  2,  Schmolke 
Lebeu  und  dichten  N.s  von  Reuental  1,  16  auf  Engelmär  81,  14. 
Walberün  steht  aber  60,  25  als  eigenname  eines  bestimmten  ge- 
teliugs  s.  Haupt  zu  81,  18.  vielleicht  hat  81,18  die  hs.  C,  welche 
liest  und  eime  heizet  Brune,  das  richtige,  wofür  auch  die  nach- 
ahmuug  215,  17  spricht,  dann  stände  also  81,  18  ein  neuer 
name,  den  ROc  nach  60,  25  in  Walberüne  geändert  hätten;  ein- 
führung  einer  neuen  tigur  in  der  schlusszeile  einer  Strophe  ist 
bei  den  liedern  aus  N.s  alter  nicht  selten  (so  61,  7  Engelmär, 
64,31  Eberolt,  70,37  wider  Engelmdr,  73,35  Hildebolt,  beson- 
ders characleristisch  68,  3  Hetzeman  und  86,  6  Hildemär).  — 
allegorisch  gemeint  ist  96,  38. 

3)  scheinbare  anonymität,  wohin  der  fall  mit  dem  problema- 
tischen Brune  also  vielleicht  auch  zu  rechnen,  öfters  ist  die  er- 
wähnung  der  dörper  von  ihrer  nennung  ziemlich  weit  entfernt; 
so  55,  19  (erst  33  f  die  iiameu),  60,  11  (erst  24—25),  84,  19  (wo 
jedoch  die  nanien  immerhin  noch  in  derselben  Strophe  stehen); 
dazu  kommt  91,  8,  wo  der  allerdings  schon  90,  12  genannte 
Fridebreht  neu  eingeführt  und  erst  91,  24  wider  genannt  wird 
(vielleicht  aber  sind  die  Strophen  anders  zu  ordnen),  solche 
Stelleu,  in  denen  der  name  dessen,  von  dem  die  rede  ist,  erst 
spät  genannt  wird,   folgen  uralter    gewohnheil  (Heinzel  QF  x  7; 


70  DIE  JNElDllÄllTLEGENDE 

so  auch  stellen,  die  nicht  misverstanden  werden  konnten,  wie 
68,  16).  aber  sie  konnten  leicht  irrtümer  veranlassen,  ebenso 
stellen,  au  denen  die  nennuug  weit  vorausliegt,  wie  62,  11  ir 
einer  (doch  ist  hier  an  keinen  einzelnen  der  62,  1 — 8  genannten 
zu  denken)  und  besonders  65,  9,  wo  der  eine  doch  wol  zu  den 
vieren  64,  32  —  33  gehört. 

Wie  weit  lassen  sich  nun  diese  ziemlich  zahlreichen  stellen 
zur  geschichte  eines  bestimmten  einzelnen  anonymus  combinieren? 
Gegen  die  identität  der  beiden  unnennbaren  59,  8  und  98,  3 
spricht  nichts  (vgl,  Haupt  s.  173);  ebenso  wenig  lässt  sie  sich 
erweisen,  weder  mit  Friderüu  noch  mit  N.s  Vertreibung  hat  ein 
ungenannter  etwas  zu  schaffen,  und  weder  an  diesen  beiden  noch 
an  irgend  einer  der  gesammelten  stellen  spielt  ein  bauer  eine 
so  bedeutende  rolle  wie  Eugelmär.  der  held  von  58,  25  ist 
wenigstens  haupiperson  eines  genrebildes  wie  36,  7  Lanze  und 
86,  6  1  Hildemär.  aber  der  dritte  im  bunde  98,  3  ist  eine  ganz 
nebensächliche  figur;  einen  hauptieiud  hätte  N.  nicht  so  nebenbei 
erwähnt.  —  genau  dasselbe  gilt  von  53, 6.  dagegen  liegt  93,  29 
wider  eine  ausgeführtere  characterstudie  vor;  ihr  held  ist  M  dem 
Lugebach  localisiert,  der  ungenannte  98,  8  in  der  nähe  von  Moos- 
birbaum;  es  ist  kein  grund,  sie  zu  idenlihcieren.  noch  weniger 
hat  natürlich  der  spiefsgenosse  des  ungenannten  darauf  ein  an- 
recht.  die  stelle  81,  18,  wo  wahrscheinlich  entweder  beuennung 
(Brüue)  oder  zurückbeziehung  (Lanze,  Eugelmär)  vorliegt,  kann 
auch  dem  unbenauuten  nicht  zu  gute  kommen,  noch  weniger 
die  stellen  nur  scheinbarer  anouymität. 

Somit  ergibt  diese  durchprüfung  folgendes  für  die  Neidhart- 
legende  wichtige  resultat:  IN.  spricht  zweimal  ohne  besonderen 
uachdruck  von  einem  bauern,  dessen  namen  er  nicht  nennen 
darf,  seine  biographen  bezogen  auf  diesen  mit  unrecht  noch 
eine  anzahl  anderer  stellen  und  konnten  auf  diese  weise  etwa 
folgende  sagengeschichte  des  anonymus  erhalten:  der  ungenannte, 
den  Neidhart  nicht  nennen  darf  (98,  4),  neckt  Frideriln  mit  ihrem 
Spiegel  (59,  14),  vertreibt  den  JN.  von  seinem  heimweseu  (53,  6), 
sodass  er  keinen  eigenen  acker  mehr  sein  uennt  (94,2),  und 
bringt  ihn  um  alle  gunst  (77,  35),  besonders  auch  die  der  ge- 
liebten (97,  37  f).  endlich  erlaubt  er  sich  gegen  dieselbe  eine 
grobe  Unanständigkeit  (65,  9  f).  und  zuletzt  mag  er  es  auch  ge- 
wesen sein,    der  nach   der   unklaren   stelle   60,  27  f  ihr   einen 


DIE  NElDHARTLEGEfSDE  71 

fingerhut  wegriss,  worauf  dann  wider  die  allegorische  stelle  96, 38 
bezogen  werden  konnte.  —  so  war  der  ungenannte  N.s  böses 
princip  geworden  und  statt  des  unbestimmten  'die  baueru  haben 
ihn  vertrieben'  hiefs  es  jetzt  concret:  'der  ungenannte  hat  ihn 
verjagt,'  die  gegenpartei  hatte  einen  typischen  Vertreter  ge- 
wonnen. —  nun  aber  besafs  sie  einen  solchen  bereits  an  dem 
historischen  Engelmär.  dadurch  erwächst  nunmehr  eine  dritte 
frage:  wie  stehen  Engelmär  und  der  ungenannte  zu  einander? 
die  ältere  und  einfachere  lösung  ist  die,  dass  man  beide  ganz 
ruhig  neben  einander  bestehen  lässt.  später  identificiert  man  sie 
mittelst  einer  ziemlich  törichten  erfindung  (vgl.  Wackernagel  MSII 
IV  437  anm.  7).  diese  nimmt  den  v.  98,  4  ganz  persönlich  und 
deutet  ihn  aus:  'dessen  namen  zu  nennen  mir  verboten  ist'; 
aber  wenn  hier  würklich  derselbe  name  verschwiegen  ist  wie 
59,8,  so  hätte  ihn  niemand  aussprechen  sollen,  ich  meine, 
es  sei  an  einen  unanständigen  namen  zudenken,  wie  solche  ja 
belegt  sind  und  noch  umlaufen;  N.  meint:  vor  höfischen  obren 
darf  dieser  name  gar  nicht  ausgesprochen  werden!  — 

Nachdem  sich  nun  aber  der  ungenannte  so  zu  einer  mythi- 
schen hauptfigur  durchgebildet  hatte,  war  eine  neue  phase  er- 
reicht und  die  erfindungen,  die  diesen  heros  der  dörperpoesie 
schon  voraussetzen ,  sind  schon  deswegen  der  dritten  schiebt  zu- 
zurechnen, diejenigen  stellen,  die  den  anonymus  betreffen,  ge- 
statten also  eine  bequeme  dreiteilung:  1)  er  wird  wie  bei  JN. 
selbst  als  ein  dörper  wie  viele  andere  vorgeführt,  2)  er  wird 
durch  compilaliou  Neidhartischer  audeutuugeu  zu  einer  haupt- 
figur, 3)  er  wird  als  mythische  figur  der  träger  neuer  Vermutungen 
und  erfindungen.  wir  brauchen  nur  die  in  Haupts  ausgäbe  vor- 
kommenden stellen,  die  ihm  gelten,  zu  ordnen,  um  die  voraus- 
geschickte Sagengeschichte  des  anonymus  zu  erhärten: 

Erste  schiebt,  einfache  nachahmung.  125,50  (für  i'd  Erken- 
breht  und  Uoze  vgl.  57,  36  Erkenfrit  und  Uozeman;  für  126,  55  ir 
schibe  diu  gienc  ebene  vgl.  68,  19).  —  215,  9f  (mit  nachahmung 
des  Meier  Ilelmbrecht  s.  Haupt  z.  stelle).  —  237,  1  f  (das  hed 
97,  9  aus  90,  34  f  bereichert). 

Zweite  schiebt,  der  ungenannte  wird  mitlelpuncl  von  com- 
biuationen  der  spielleule.  215,  17  die  wichtigste  Strophe,  mit 
215,  9  ursprünglich  nicht  verbunden,  combination  von  98,  3  (der 
ungenande)  und  53,  5f  unter  mitwürkung  von  stellen  wie  91,21 


72  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

und  57,  19.  —  dann  219,  1,  eine  stelle,  die  künstliche  combination 
zusammengesuchter  originalstellen  allein  genügend  erweist:  v.  1 
setzt  96,  38  voraus,  v.  3 — 4  deuten  75,  8  falsch,  v.  5  iufst  auT 
98,  3;  dann  folgt  eigene  erfmdung  der  spielleule,  deren  authen- 
ticität  die  vorhergehenden  anklänge  verbürgen  sollen. 

Dritte  schiebt,  an  den  als  historische  Persönlichkeit  er- 
scheinenden ungenannten  hängen  sich  neue  erfmduugen.  188,25: 
hier  wird,  wie  schon  bemerkt,  der  echte  v.  98,4  in  188,28  falsch 
gedeutet  und  durch  eine  später  breiler  ausgeführte  erfindung  er- 
läutert. — 

Ich  will  beiläufig  bemerken  dass  natürlich  auch  uncontro- 
lierbare  äufsere  einflösse  auf  diese  sagenbildung  würken  konnten, 
wenn  zb.  Wolfram  von  dem  roten  ritter  3S3,  25  sagt:  der  hiez 
der  imgenante,  so  mag  Parzivals  incognito  auch  dazu  beigetragen 
haben,  die  allgemeine  aufmerksamkeit  auf  diesen  anonymus  zu 
lenken,  im  wesentlichen  aber  scheint  die  eutwickelung  von  innen 
heraus  klar  genug  und  wir  gewinnen  so  an  der  geschichte  des 
ungenannten  gleichsam  das  rückgrat  der  Neidhartlegende  in  ihren 
anfangen.  —  vielleicht  scheint  diese  Untersuchung  zu  ausführlich; 
aber  der  ungenannte  hat  solche  Verwirrung  angestiftet,  dass  einmal 
Ordnung  gemacht  werden  muste.  auch  nach  Haupts  ausgäbe 
widerholen  Bartsch  aao.  und  nach  ihm  Pannier  Die  minnesinger 
s.  334  sowie  Tischer  Über  Nithart  von  Riuvvental  s.  6  Wacker- 
nagels annähme,  der  ungenannte  habe  Neidhart  aus  Baiern  ver- 
trieben; Goedeke  i  40  erneuert  nach  vLiliencron  Zs.  6,106  die 
legendarische  angäbe,  dass  derselbe  eigentlich  Grille  geheifsen 
habe  (vgl.  Haupt  s.  219).  andererseits  hat  Schmolke  aao.  20  und 
bes.  24  irrig  behauptet,  der  ungenannte  komme  bei  N.  gar  nicht 
vor  und  sei  nur  aus  misverständnissen  entstanden.  — 

Es  wird  schon  aus  dem  dargelegten  klar  sein  dass  die  drei 
Unterabteilungen,  die  wir  für  die  entwickelung  des  mythischen 
anonymus  abgränzten,  nicht  etwa  mit  den  drei  phasen  der  Neid- 
hartlegeude  zusammenfallen,  auch  die  stelle  188,  25  stützt  sich 
ja  noch  auf  echte  stellen,  und  gehurt  also  noch  nicht  den  Neid- 
hartdichlungen  der  dritten  schiebt  an.  aber  zugleich  geht  sie  doch 
durch  die  erfundene  angäbe  der  zwanzigjährigen  frist  über  das  echt 
überlieferte  heraus  und  scheidet  so  aus  der  ersten  schiebt  aus. 
desgleichen  gehören  zahlreiche  andere  lieder,  die  den  anonymus 
vorführen,  diesem  mittleren  Stadium  an.   ich  muss  mich  hier  darauf 


DIE  NEIDHARTLEGENDE  73 

beschränken,  den  characler  dieser  ganzen  gruppe,  der  er  haupt- 
sächlich das  gepräge  gibt,  durch  zwei  besonders  characlerislische 
Stücke  anschaulich  zu  machen,  wenn  N.  in  einem  auf  seiner 
kreuzlahrt  gesungenen  lied  beklagt  dass  er  nicht  in  seine  heimal 
zurückkommen  kann ,  so  motiviert  das  ein  spielmann  in  einer 
Zusatzstrophe  dadurch  ,  dass  der  dichter  kein  geld  zur  rückf'ahrt 
hat,  weil  er  drei  rosse  verspielt  hat  (Haupt  s.  110)!  und  ein 
anderer  spielmann  erklärt  die  geheimnisvolle  bedeutung  des  spiegeis 
der  Friderun  durch  dessen  kostbarkeit  (Haupt  s.  124,20  1.  auch 
an  diesem  Irrtum  nimmt  Wackernagel  aao.  129  teil),  das  steht 
nun  freilich  mit  echten  angaben  in  directem  Widerspruch  (171,5 
vgl.  Haupt  s.  123),  gibt  aber  gelegenheit  zu  der  beliebten  prunk- 
schilderung  (vgl.  meine  Reihenfolge  der  lieder  Neidharts  s.  6). 

In  dieser  weise  schreitet  die  Neidhartische  dichtung  lort  und 
muste  sich  von  dem  original  natürlich  mit  reifsend  steigender 
lallgeschwindigkeit  enlternen.  falsche  Neidharte  dichtete  der  spiel- 
mann,  dessen  Vorrat  an  echten  der  nachfrage  nicht  genügte; 
falsche  Neidharle  dichtete  aber  auch  der  bauer,  der  den  verspotter 
des  landvolks  mit  gleicher  münze  bezahlen  wollte,  wenn  jener 
N.  im  glänz  und  triumph  zeigte,  liefs  dieser  ihn  seine  nieder- 
lagen  und  blamagen  klagen  (zb.  Haupt  s.  159. 181);  concurrenten 
wie  parodisten  dichteten  in  seinem  namen  und  ihre  erfindungen 
galten  als  Selbstbekenntnisse  des  dichters.  so  gewann  wie  die 
auf  seinen  namen  gehende  dichtung  auch  sein  bild  ein  immer 
roheres  gepräge.  zunächst  hat  überhaupt  jede  ausgesprochene 
richtung  in  sich  die  tendenz,  zum  extrem  zu  gehen;  und  wenn 
von  der  rohheit  und  gemeinheit  der  meisten  späten  nachahmungen 
die  echten  lieder  unseres  dichters  freizusprechen  sind,  so  zeigen 
doch  manche  seiner  letzten  gedichte  immerhin  eine  annäherung 
an  diesen  typus.  zweitens  erfordert  der  veränderte  geschmack 
des  publicums  eine  neue  art  der  behandlung.  drittens  aber,  was 
das  wichtigste  ist,  werden  von  den  epigonen  alle  unter  des 
meisters  namen  überlieferten  gedichte  vermischt  und  neben  den 
echten  daher  auch  die  unechten  nachgeahmt,  und  die  beiden 
erst  benannten  niomente  haben  zum  resultat,  dass  bald  die  fal- 
schen Neidharte  noch  lieber  nachgeahmt  werden  als  die  echten, 
gelegentlich  können  wir  dies  genau  nachweisen,  so  steht  bei 
Haupt  170  f  ein  sehr  rohes  unechtes  lied,  das  sich  zb.  durch 
die  vergröberung  kennzeichnet,  welche  den  spiegel  der  Friderun 


74  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

statt  weggerissen  zerbrochen  werden  lässt  (171,  120)  —  ein 
misverständnis  des  ausdrucks  daz  er  Vriderunen  ir  Spiegel  von 
der  siten  brach  (26,  21)  udgl.,  welches  übrigens  verschiedene 
neuere  bearbeiter  N.s  widerholt  haben,  in  diesem  lied  werden 
(108 — 9)  zwei  dörper  erschlagen  und  dreifsig  verwundet,  eine 
andere  unechte  Strophe  bringt  die  später  allgemein  recipierte  er- 
tinduug,  dass  dem  Engelmär  ein  bein  abgehauen  wird,  sodass  er 
aut  stelzen  gehen  muss  (188,  47  f),  und  der  dichter  meint,  so 
könne  und  solle  es  noch  mehr  bauern  ergehen  (188,  37).  diese 
beiden  rohen  stellen  überbietet  nun  mit  unglaublicher  plumpheit 
ein  später  nachuhmer,  der  sie  beide  zu  der  erzählung  zusammen- 
schweifst, wegen  einer  Verhöhnung  N.s  sei  zweiunddreifsig  dörpern 
das  Unke  bein  abgehauen  worden  (MSHni203^  str.  5)!  diese  nach- 
ahmung  von  nachahmungen  gehört  natürlich  schon  in  die  spä- 
teste schiebt  und  veranschaulicht  den  weg,  den  die  höfische  dori- 
poesie  bis  in  die  alleruiedrigsten  regiouen  hinein  zurückgelegt 
hat.  — 

Wenn  nun  schon  in  der  zweiten  phase  der  N.schen  dichtuug 
die  gestalt  ihres  eponymus  durch  unechte  züge  entstellt  war,  so 
begreift  es  sich  dass  an  den  historischen  N.  nur  noch  weniges 
erinnerte,  als  erfindungen  wie  die  letzterwähnte  möglich  waren, 
jedes  einzelne  moment  seiner  populären  biographie  war  der  rohen 
auffassung  einer  nachweit  erlegen,  die  ihn  als  personification  des 
bauernspotls  mylhisierte.  so  ergibt  sich  nunmehr  etwa  von  be- 
ginn des  15jhs.  an  folgende  lebensbeschreibuug:  N.  belustigt 
einen  herzog  von  Österreich  durch  bauernspolt.  dasselbe  tut 
der  pfafTe  vom  Kaleuberg;  nichts  lag  daher  näher  als  sie  zu- 
sammenzustellen, was  denn  1554  Aventinus,  1564  Lazius,  vor 
1590  Gerard  de  Koo,  1649  Merian  (belegslelleu  s.  u.)  ausdrück- 
lich tun.  damit  ist  von  selbst  die  anachronistische  Versetzung  N.s 
an  den  hof  Ottos  des  fröhhchen  (gest.  1339)  gegeben,  denn  dort 
spielen  die  schwanke  des  Raleubergers.  dass  N.  als  Ottos  hofnarr 
auigefasst  wird,  erklärt  sich  schon  allein  aus  der  vergröbernden 
auffassung  der  spielleute  genügend,  die  Neidhartlegende  erhält 
so  in  dem  herzog  eine  neue  hauptiigur,  die  den  bauernfeindlichen 
adel  versinnbildlicht  wie  der  ungenannte  die  verhöhnten  bauern. 
dieses  Stadium,  welches  in  dem  alten  Volksbuch  ausgeführt  wird, 
bringt  inhaltlich  wenig  neues,  man  hatte  sich  eben  schon  zu 
sehr  in  eine  einseitige  richtung  verraunt,    dagegen  schafft  es  dem 


DIE  NEIDIIARTLEGENDE  75 

allen  dichter  plolzlicli  eineu  neuen  namen.  die  veiwickelle  Trage, 
wie  N.  zu  dem  beinamen  'Fuchs'  kommt,  taucht  hier  auf.  ich 
schicke  ihrer  erorterung  eine  möghchst  volisländigc  sammhing 
der  namentlichen  erwähuungen  N.s  vorauf,  sie  siud  zum  grüsten 
teile  in  vdHagens  Narrenbuch  516  f  und  in  Wackernagels  Neid- 
hartbiographie MSH  IV  435  f  gesammelt;  soweit  es  mir  möglich 
war,  habe  ich  die  betr.  angaben  nachgepriilt  und  gebe  sie  nun 
in  chronologischer  Ordnung. 

der  von  Riuwental    .  .    ca.  1215 — 30  Neidhart  selbst 

(  1217—20  Wollram  Wh.  312,  11 
her  Nithart    .  .  .  .J  nach  1230  bauern  bei  Haupt  s.  196.209 
(  vor    1250  Wernher  Helmbrecht    1207 
um  1230  Rubin  MSH  in  31' 
vor  1287  Manier  MSH  n  246' 

Nithart l  um   1310  Hermann  Damen  ni  163* 

bald  nach   1329  Peter  von  Zittau  bei 
Haupt  s.  245 

her  Nithart um  1349  Leupold  HornburgMSHiv881 

heerNytert  vanRuwendael  vor  1428  Dirc  Potter  bei  Haupt  s.245 
her  Neythart    ....    1455  Zeifsbergs  hs. 

Neidhart     vor  1458  Herm.  vSachsenheim  Mörin 

her  Nithart  ....    15  jh.  Der  spiegel 

von  Rosenthal 15  jh.  Volkslied  bei  Haupt  s.  115 

Neithart  vochs   .    1479      Steirenhagensche      grabschrilt 

(Germ.  17,  40j 
Neithart  fuchs  .    15  jh.?    alter  druck 
Neithardus  Fuchs    1554  Aventinus  Ann.  751.  781 

Neidhart  Fuchs,  ein  Frank  .  .  der  Baurenfeind  zube- 
nannt   .    1555  Fugger  Ehrenspiegel 
der  Neydhart    ....    vor  1564  Hans  Sachs 

Otto  Fugs  qui .  . .  Nydhardi  nomen  accepit  1564  La- 
zius  Geneal.  225 
der  haurenfeind  Neidhart  Fuchs  1582  Fischart  Geschicht- 
klitterung 
Otto  Fuchsins  eques  Francus  qui  .  .  Nithardi  cogno- 
men  vor  1590  Gerard  de  Koo  s.  92 
Niethard Fuchs  ein  edler . . .  meist ersitigerl^QS  Spangenberg 
herr  Neithart  Fuchs  ein  edler  Franck  17  jh.  Gottscheds  Not. 
Vorrat  i  188 


76  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

Reinhard  Fuchs  1649    Meriao  Topogr.  von  Österreich  s.  42 

Neidhart  Fux  sonst   auch  Bauern -Feind  genennet  1766 

Fuhrmaun  Ilist.  Wien,  i  52. 

1695  widerholt  JCB,   Der   durchlauchtigen  erzlierzogen   zu 

Österreich  leben  usw.     Fuggers  angaben,     auch  Gerard  de  Roo 

schreibt  Lazius  aus,  doch  nicht  ohne  eigene  zutat.  — 

Aus   dieser   talel    ergibt   sich    der    lolgende    Stammbaum  der 
benennungen  Neidharts: 

Nithart  von  Riuwental 

/ 
her  Nilliart  13— 15jh. 
Nithart  13— 15jh. 

/ 
Neidhait  Fuchs 
11479— njh. 

/ 


der  von  R.  1215—50 
Rosenthal  15  jh. 

N.  vR. 1428 


Otto  Fuchs  qui  N.  1564 
herrN.F.njh.   {^^,,,^,^,^   puchs  1640 

Der  volle  echte  name  behauptete  sich  also  nur  in  der 
fremde;  auf  dem  boden  seiner  popularität  gieug  das  'Reuenlal', 
wie  der  dichter  74,25  geklagt  halte,  verloren;  sein  nachruhm 
lufsl  aul  den  liedern  aus  Österreich,  jener  name  war  auch  nicht, 
wie  der  vorname,  durch  seine  appellativische  bedeutung  geschützt, 
zuerst  aber  1479  erhält  die  trädition  einen  zuschuss  von  aufsen 
her  in  dem  neuen  geschlechtsnamen  Fuchs,  dann  1564  nochmals 
in  dem  neuen  vornamen  Otto,  von  aufsen  her,  sagen  wir,  denn 
einzig  diese  namen  sind  aus  der  trädition  nicht  zu  erklären, 
unsere  tafel  zeigt,  wie  der  regelmäfsig  fortschreitenden  Über- 
lieferung hier  plötzlich  frisches  blut  eingeführt  wird,  woher 
aber?  die  mythisch  gewordene  gestalt  fand  in  einer  historischen 
persönlichkeit  das  substrat,  das  ihr  zu  neuem  aufleben  in  der 
volkslitteratur  verhalf. 

Bis  zu  jenem  namen  erklären  selbst  die  sonderbarsten  an- 
gaben sich  aus  der  trädition  und  jener  manier  der  combination 
echter  und  unechter  stellen,  wenn  N.  in  dem  alten  druck  ge- 
forenn  aus  Meichsenn  genannt  wird ,  so  scheint  dies  auf  misver- 
ständnis  der  unechten  Strophe  216,  9  zu  beruhen,  hier  heifst 
es:  Hildemär  liefse  sich  eher  aus  dem  land  jagen  als  dass  er 
ohne  schönen  gürtel  tanzen  würde;  er  trüge  den  seineu  wie  ein 
stolzer  Meifsner.    ein  gedankenloser  spielmann,  den  sowol  217, 10 


DIE  NEIDIIARTLEC.EINDE  77 

als  217,12  an  N.  erinnerten,  mochte  nun  auch  217,11  aul 
diesen  beziehen,  während  dieser  vers  nur  eine  reminiscenz  an 
Walther  18,  IG  scheint,  ferner  aber  beifsl  N.,  wie  wir  sehen, 
widerholt  em  edler  Franke,  hätte  man  etwa  jene  Waltherstelle, 
nachdem  ihre  nachahmung  auf  Neidhart  bezogen  worden  war, 
gleichfalls  auf  ihn  gedeutet  und  den  bairisclien  ritter  so  zu  einem 
stolzen  Missensere  von  Franken  gemacht?  schwerlich,  die  aus- 
deutung  der  stelle  wäre  noch  kühner  als  die ,  welche  Wilmanns 
Zs.  28,  212  für  möglich  hielt.  Gcrard  de  Roo,  der  sonst  Lazius 
ausschreibt,  setzt  das  eques  Franms  hinzu,  und  woher  die  gleichen 
angaben  bei  Fugger  und  in  dem  stück  bei  Gottsched  ?  auch  hier 
liegt  etwas  neues  vor ;  die  historische  persönlichkeit  stammte  aus 
Franken. 

Und  nun  das  drille  und  wichtigste  anzeichen.  die  erste  be- 
nennung  mit  dem  namen  Fuchs  steht  in  einer  grabschrift  auf 
N.,  die  sich  in  Königsberg  befindet  und  1479  verfasst  ist. 
sie  enthält  die  Überschrift  Epitaphium  Neithart  vohs  circa  sepnl- 
turam  suam  wienne.  nun  befindet  sich  im  Stephansdom  in  Wien 
allerdings  ein  grabmal,  welches  für  dasjenige  N.s  gilt.  aber 
dies  trägt  keineswegs  jenes  epitaph.  was  konnte  um  1479  zur 
erfindung  einer  grabschrift  auf  den  längst  verschollenen  ritter 
veranlassen?  da  obendrein  wahrscheinlich  dies  gedieht  in  einem 
gebiet  verfasst  wurde,  das  weitab  lag  von  N.s  heimat  und  dem 
kreis  seiner  popularität?  doch  wol  nur  ein  ereignis,  das  um 
jene  zeit  die  erinnerung  an  ihn  zurückrief. 

Wir  haben  somit  gefordert:  eine  historische  persönlichkeit, 
aus  Franken  stammend,  erneuert  um  1479  die  erinnerung  an  N. 
finden  wir  nun  eine  solche,  so  scheint  das  rätsei  gelost.  —  und 
sie  existiert  nun  würklich;  und  dennoch  verringern  neue  Schwie- 
rigkeiten die  Sicherheit  der  lösung. 

Wackernagel  wollte  nach  Oberlhürs  Vorgang  (s.  u.)  jenes 
beinamens  wegen  den  dichter  dem  noch  blühenden  fränkischen 
geschlecht  derer  von  Fuchs  zuweisen,  darauf  deutet  nichts,  wol 
aber  scheint  er  mit  einem  glied  jenes  geschlechts  verwechselt 
worden  zu  sein,  man  hat  bis  jetzt  übersehen  dass  es  einen 
historischen  N.  von  Fuchs  gab.  dieser,  ein  herr  Neidhart  Fuchs 
von  Bimbach  auf  Burgpreppach,  fiel  1499  im  dienst  herzog  Alberts 
von  Sachsen  vor  Groningen  (Mencken  Script,  n  1326;  Krüger  Ca- 
lalogus   usw.,   Erfurt  1627,   s.  202).      er  war    ein  wegen   seiner 


78  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

riesengröfse  als  'der  grofse  Fuchs'  berühmter  bekämpfer  der  frie- 
sischen bauern;  noch  im  16  jh.  scheint  der  friesische  name 
Reinerd  Nittersina  (Stark  Kosenamen  183),  gleichsam  eine  um- 
kehrung seines  namens,  die  erinnerung  an  den  gefürchteten  feind 
zu  bewahren,  er  ward  (nach  Krüger  aao.)  in  Groningen  bei- 
gesetzt, erhielt  aber  in  seiner  heimat  zu  Würzburg  ein  keno- 
taph  mit  prahlerischer  inschrift.  auf  eine  diesbezügliche  anfrage 
nach  Groningen  erhielt  ich  keine  antwort;  die  grabschrift  im 
Kiliansdom  zu  Würzburg  aber  ist  noch  1764  von  Rlainville 
(Reiseheschreibung  übers,  von  Köhler,  Lemgo  1764,  i  176)  ge- 
lesen worden  (vgl.  Reufs  Anz.  f.  k.  d.  d.  vorz.  u  7).  aber  wenn  N. 
von  Fuchs  1499  fiel  —  wie  konnte  er  1479  eine  grabschrift  er- 
halten? dies  scheint  auf  einer  seltsamen  Verwechselung  zu  be- 
ruhen, bei  Mencken  aao.  wird  nämlich  erzählt,  N.  von  Fuchs  habe 
einen  gleichfalls  riesigen  bruder  gehabt,  der  zwanzig  jähre  früher 
zu  Königsberg  in  Franken  gestorben  sei.  Mencken  ist  die  einzige 
quelle  für  N.  von  Fuchs,  die  ich  auftreiben  konnte;  denn  Krügers 
späte  compilation  hat  wenig  wert.^  treffen  nun  nicht  die  an- 
gaben: 20  jähre  vor  1499  —  und  1479  und  die  namen  der 
beiden  Königsberg  merkwürdig  zusammen?  ich  denke  mir  die 
Sache  so:  irgend  ein  poet  in  dem  preufsischen  Königsberg  erfuhr 
1479  von  dem  tode  des  herrn  von  Fuchs  —  und  da  scheint  mir 
allerdings  das  wahrscheinlichste  dass  dieser  hier  verschied  und 
Menckens  gewährsmann  seinen  tod  irrig  in  das  fränkische  Königs- 
berg verlegte ,  weil  eben  die  herren  von  Fuchs  aus  Franken 
stammten,  nun  muss  schon  längst  das  gerücht  den  andern  herrn 
von  Fuchs,  jenen  bauernfeind  N.,  mit  dem  älteren  bauernfeind 
N.  zusammengeworfen  haben;  denn  die  Steffenhagensche  inschrift, 
die  sonst  N.  auf  grund  von  lauter  unechten  liedern  beschreibt, 
nennt  ihn  im  anfang  strenmis  miles,  cognominatns  vochs,  ingenuus 
genere,  was  doch  auf  den  von  Reuental  nicht  gehen  kann  (das 
folgende:  qui  dedit  hostibns  hie  et  Irans  mare  hella  pagmiis  gilt 
natürlich  wider  N.s  bauernspott  und  kreuzfahrt,  die  witzige  Verwen- 
dung von  paganns  im  doppelten  sinn  mag  das  ganze  gedieht 
veranlasst  haben),  der  Königsberger  poet  hielt  diesen  N.  von  Fuchs, 

*  eine  geschichte  der  familie  von  Fuclis  ist,  nacli  freundlicher  mitteilung 
des  herrn  niajors  freilierrn  RFuchs  von  Bimbach  und  Dornlieim  nicht  vor- 
handen. —  in  den  Nederlandschen  geschiedszangen  fand  ich  keine  spur  von 
Neidhart  von  Fuclis. 


DIE  NEIDHARTLEGENDE  79 

den  erben  von  N.s  von  Reuental  ruf,  für  den  gestorbenen  und 
fühlte  sich  veranlasst,  ihm  ein  epitaph  zu  widmen. 

Ich  verkenne  die  Schwierigkeiten  dieser  Vermutungen  nicht, 
spräche  nichts  dafür  als  die  existenz  des  historischen  N,  von  Fuclis, 
so  würde  ich  daraus  allein  den  beinamen  des  dichters  nicht  zu 
erklären  wagen,  eben  deshalb  suchte  ich  zu  beweisen  dass  wir 
notwendig  zu  der  annähme  geführt  werden,  eine  historische  per- 
sönlichkeit sei  mit  dem  von  Reuental  verwechselt  worden,  dieselbe 
sei  edler  fränkischer  abkunft  gewesen  und  habe  um  1479  allge- 
meines Interesse  erregt,  und  nur  weil  dies  alles  zutrifft,  glaube 
ich  den  beinamen  hierdurch  erklärt.  —  das  spätere  Otto  Fuchs 
aber  entstammt  wol  einer  zeit,  die  Neidhart  als  appellativen  Spott- 
namen auffasste  und,  um  dem  dichter  einen  neuen  vornamen  zu 
geben,  einfach  den  des  herzogs  entlieh.  Reinhard  Fuchs  ist  eine 
lustige  entstellung,  gewisser  mafsen  regressive  assimilation  der 
eigennamen. 

Wackernagel  (Rlätter  für  litt.  Unterhaltung  1838  nr  139 
s.  565—66,  nr  140  s.  569—70)  nahm  Verwechselung  N.s  mit 
einem  würklichen  hofnarren  Otto  Fuchs  an ,  der  aber  nicht  zu 
erweisen  ist.  deshalb  scheint  er  später  (LG  72,  30)  Gerviuus 
ansieht  (Gesch.  d.  d.  deutschen  dichtung  i  529)  angenommen  zu 
haben ,  dass  N.s  person  sagenhaft  umgebildet  worden  sei.  aber 
keine  von  beiden  annahmen  erklärt  das  eques  Francus,  während 
der  Würzburger  grabschrift  zu  liebe  noch  1818  Oberthür  ihn  zu 
einem  Franken  gemacht  hat  (vgl.  JGrimm  Kl.  sehr,  rv  100).  — 
und  das  Wiener  grabdenkmal  scheint  auch  nur  mit  unserer  auf- 
fassung  vereinbar,     über  dies  müssen  wir  noch  einiges  bemerken. 

Dafür,  dass  im  Wiener  Stephansdom  würklich  N.s  leichnam 
ruht,  spricht  eine  wunderliche  bisher  übersehene  noliz:  ein 
glossar  des  14  jhs.  hat  die  Unterschrift  Anno  a  translacione  Neil- 
hardi  in  eccl.  SStephani  Wieune  primo  (Wattenbach  Schriftwesen  435). 
die  Überführung  geschah  möglicher  weise  unter  herzog  Otto;  das 
denkmal  aber  muss  erheblich  jünger  sein,  denn  die  angäbe  Fuhr- 
manns (Historische  beschreibung  von  Wien,  1766  i  53),  Otto 
habe  das  denkmal  errichtet,  kann  schon  deshalb  nicht  richtig 
sein ,  weil  dies  monument  N.s  legendarisches  Verhältnis  zu  Otto 
voraussetzt  (Wackernagel  MSH  iv  438'';  ich  selbst  konnte  das 
denkmal  nicht  sehen,  weil  der  betr.  teil  des  doms  gerade  durch 
gerüste  verstellt  war,  als  ich  in  Wien  war),    das  grabmal  ist  aber 


80  DIE  NEIDHÄRTLEGENDE 

weiter  sogar  erst  aus  einer  zeit,  die  N.  von  Reuental  schon  mit 
N.  von  Fuchs  verschmolz ,  denn  der  dichter  soll  durch  den  fuchs 
im  Wappen  jenem  geschlecht  zugewiesen  werden,  dasselhe  hat 
nun  aber  gar  nicht  den  fuchs  im  wappen  (MSH  iv  436''  anm.  1), 
und  das  monument  gehört  also  nicht  etwa  einem  würklichen 
iierrn  von  Fuchs.  —  das  wahrscheinlichste  ist  nach  alle  dem  wol 
dass,  gerade  wie  im  14  jh.  ein  österreichischer  herzog  dem  an- 
denken eines  vermeintlichen  treuen  dieners  seiner  vorfahren  die 
Überführung  in  die  Stephanskirche  schuldig  zu  sein  glaubte,  so 
noch  später  ein  anderer  diesem  N.  ein  grabmal  setzte,  als  die 
taten  des  N.  von  Fuchs  seinen  rühm  neu  belebten.  —  Sicherheit 
ist  in  solchen  dingen  natürlich  nicht  zu  erwarten.  — 

Diese  skizze  einer  geschichte  der  N.schen  poesie  nach  ihren 
biographischen  dementen  zeigt  wol  schon,  wie  viel  eine  ein- 
gehende geschichte  dieser  volkstümlichen  richtung  gerade  für 
jenen  litterarischen  kleinbetrieb  ergeben  muss,  den  wir  sonst  nur 
erschliefseu  können,  hier  gestatten  die  reichen  quellen,  die  spiel- 
leute  gleichsam  bei  der  arbeit  zu  belauschen  in  ihrer  doppelten 
tätigkeit  als  fortsetzer  und  biographen  ihres  beiden,  und  beide- 
mal können  wir  erkennen ,  welchen  gesetzen  ihre  tätigkeit  folgte. 
als  dichter  waren  sie  unfreier  als  irgend  welche  sonst,  indem 
ihnen  einerseits  das  vorbild  einer  bestimmten  und  eigenartigen 
poesie,  andererseits  der  Zeitgeschmack  eines  bestimmten  und 
eigenartigen  publicums  regeln  vorschrieb;  zwischen  beide  ten- 
denzen  eingeklemmt  musten  sie  suchen  dieselben  zu  vermitteln 
dh.  den  N.  den  landedelleuten  und  bauern  der  verfallzeit  mund- 
gerecht zu  machen,  und  so  muste  ihre  poesie  wol  in  verstärk- 
tem mafs  das  Schicksal  der  gesammten  mhd.  poesie  teilen,  in  rein 
stofflichem  interesse  zu  verwildern.  —  als  bewahrer  der  litterar- 
historischen  tradition  ,  die  in  dem  vaterlande  der  minnedichtung 
es  zu  dem  beneidenswerten  resultat  der  Sängerbiographien  brachte, 
waren  sie  nicht  minder  unfrei,  denn  für  den  anfang  glaubten 
wir  ihnen  einen  gelehrten  betrieb  zutrauen  zu  müssen,  der  in 
dem  gegebenen  material  seine  feste  basis  hat;  und  vvir  sahen, 
wie  oft  sie  die  —  dann  meist  irrigen  —  ergebnisse  unserer  älteren 
litterarhistoriker  wie  OberthUr  und  Wackernagel,  ja  noch  Bartsch 
und  Goedeke  vorausnahmen,  wenn  zb.  Adelung,  wie  es  scheint, 
lediglich  der  zufälligen  nennung  von  Mainz  41,  20  wegen  den 
dichter  zu  einem  Mainzer  macht  (MSH  iv  437"  anm.  1),  so  ist  das 


DIE  NEIDHARTLEGENDE  81 

ganz  dieselbe  art  voreiliger  Schlussfolgerung,  wobei  man  zu  irgend 
welcher  Überlegung  der  möglichkeit  oder  Unmöglichkeit  sich 
keine  zeit  gestattet,  wie  sie  einerseits  das  Volksbuch  seinem 
Meifsen  und  andererseits  wider  ganz  moderne  litterarhistorische 
bemühungen  ihren  localisierungen  und  datierungen  zu  gründe 
legen.  —  nachdem  nun  aber  N.  als  typus  des  bauernfeindlichen 
edelmanns  zu  einer  halbmythischen  gestalt  geworden  ist,  werden 
natürlich  die  spielleute  die  bewahrer  dieses  mythus  —  und  was 
ist  der  mythus  denn  schliefslich  anders  als  eine  art  volkshistorik? 
nun  aber  müssen  auch  sie  den  inneren  gesetzen  des  mythus 
dienen,  auch  an  diesem  volkstümlichen  heros  erfüllen  sich  die 
gesetze,  die  Lachmann  und  Müllenhoff  für  die  'naturgeschichte 
des  epos'  festgestellt  haben.  ^  der  legendarische  N.  verleiht  auch 
anderen  gestalten  seiner  Umgebung  mythische  züge,  so  seinem 
stelzfüfsigen  nebenbuhler  Engelmär,  so  seinem  vertreiber,  dem 
ungenannten,  und  nun  schwebt  diese  mythische  wölke  in  der 
luft,  bis  endlich  ein  aufsehen  erregendes  ereignis  mittelst  einer 
zufälligen  namengleichheit  ein  historisches  substrat  schafft,  auf 
das  sie  sich  niederlassen  kann,  so  verschmelzen  die  bauernfeinde; 
aber  der  kykliker,  der  mit  der  redaction  seiner  Neidhartiade,  des 
Volksbuchs,  die  tradition  endgiltig  fixiert,  schliefst  damit  natür- 
lich zugleich  ihr  ferneres  Wachstum  ab.  zu  der  zeit  des  letzten 
ritters  ward  dem  volkstümlichsten  Vertreter  des  übermütigen, 
sangesfreudigen  rittertums  dies  populäre  denkmal  gesetzt,  aber 
es  waren  ganz  neue  zuhörerkreise,  für  die  es  gestiftet  ward,  die 
bauern  stechen  auf  dem  bilde  des  Volksbuchs  (vgl.  Narrenbuch 
hg.  von  Bobertag  Deutsche  nationalütt.  11  s.  290)  mit  spiefsen 
nach  N.s  grabmal.  die  zeit  war  vorbei ,  in  der  die  höfische  dorf- 
poesie  selbst  unter  dem  landvolk  hatte  anklang  finden  können, 
es  war  längst  zu  arg  geworden  mit  der  adligen  Verhöhnung  des 
bauernstandes;  nicht  lange  nach  dem  druck  des  Volksbuchs  be- 
gannen gegen  ärgere  bauernfeinde  die  bauernkriege.  zwar  sie 
wurden  mit  der  furchtbarsten  niederlage  der  aufstrebenden  bauern 
beendet;  aber  auch  mit  dem  kleinen  ritter  gieng  es  zu  ende, 
es  war  gleichsam  eine  symbolische  darstellung  der  Schicksale  von 

*  ich  bemerke  beiläufig  dass  Grillparzers  hass  gegen  alle  pragmatische 
litteiaturgeschichte  ihn  dahin  brachte,  Haupts  ausdrucli  von  einer  'natur- 
geschichte der  poesie'  (vgl.  Scherer  Anz.  ii  321)  auf  Gervinus  parodistisch- 
höhnisch  anzuwenden  Sehr,  ix  270. 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  6 


82  DIE  NEIDHARTLEGENDE 

N.s  Stande  gewesen,  wenn  man  den  selbständigen  ritter  zum  be- 
stellten spafsmacher  eines  hofs  machte:  der  landadel  zog  sich  zu 
den  fUrstensitzen.  aber  auch  in  der  litteratur  hatte  er  längst  die 
führung  aufgeben  müssen  und  selbst  für  den  bauernspott  hatte  mit 
den  fastnachtsspielen  eine  neue  epocbe  begonnen;  nun  war  es  nicht 
mehr  der  ritter,  sondern  der  bürger,  welcher  den  landleuten  gegen- 
über den  classenhochmut  vertrat,  wenn  N.  widerholt  'der  andere 
Eulenspiegel'  heifst,  so  ist  doch  eigentlich  Eulenspiegel  der  andere 
N. ;  in  ihm  findet  nun  der  Übermut  der  in  Staat  und  verkehr  wie 
in  kunst  und  litteratur  tonangebenden  kreise  seinen  ausdruck  wie 
einst  in  N.  so  steckt  nicht  blofs  ein  merkwürdiges  stück  litteratur- 
geschichte,  sondern  auch  ein  gut  stück  culturgeschichte  in  der 
entwickelung  der  N.schen  poesie  und  der  N.legende.i 

*  zu  s.  75  trage  ich  nach  dass  Fuggers  Ehrenspiegel,  wie  Ranke  Sämmtl. 
werke  1,343  nachwies,   uns  nur  in  der  bearbeitung  des  SvBirken  vorliegt, 
das  demselben  entnommene  Zeugnis  somit  besser  dem  17  jh.  zuzurechnen  ist. 
Berhn  19.  2.  86.  RICHARD  M.  MEYER. 

BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD. 
LITTERATUR  IN  ÖSTERREICH. 

1.  Zur  Kudrun. 
In  den  ZE  nr  19  (Zs.  12,311—318)  hat  Müllenhoff,  in  den 
Geistlichen  poeten  2  [QF  7],  63  f  hat  Scherer  in  betreff  der  heimat 
des  mhd.  gedichtes  von  Kudrun  zu  einer  Untersuchung  angeregt, 
die,  abweichend  von  der  gewöhnlichen  annähme,  welche  in  der 
Steiermark  diese  heimat  findet,  auf  Oberbaiern,  und  zwar  auf  die 
gegend  um  Tegernsee  ihr  augenmerk  zu  richten  hätte.  Müllen- 
hoff bestimmte  die  schon  in  Mones  Untersuchungen  zur  geschichte 
der  teutschen  heldensage  s.  59  aus  den  MB  aufgeführten  drei 
bairischen  Horande  der  genannten  gegend  von  1102 — 1154  ge- 
nauer; er  zeigte  ebenso  Sigebaut  aus  diesem  landstriche  auf  (vgl. 
Mone  s.  83)  und  beschränkte  auch  den  namen  Wate  auf  Baiern 
(Zs.  6,  65.  12,  317);  endlich  wies  er  aus  einem  Salzburger  ne- 
crolog  (Archiv  für  künde  österr.  geschichtsquellen  19,  271)  eine 
Chuterun  nach.  Scherer  hingegen  suchte,  indem  er  die  in  bairi- 
schen gedichten  des  xii  jhs.  enthaltenen  anspielungen  auf  die 
sage  von  Hilde  und  Kudrun  zusammenstellte  und  die  Vorliebe 
noch  späterer  bairischer  dichter,  voran  Wolframs,  für  Stoffe  der 


BEITRÄGE  ZUR  GESCH.  DER  MHD.  LITT.  IN  ÖSTERREICH   83 

heldensage  beachtete,  die  entwickeluDgsgeschichte  jener  mindestens 
im  XI,  wo  nicht  schon  im  x  jh.  (Heinzel  VVSB  1885  109,  717) 
aus  dem  norden  nach  Oberdeulschland  gebrachten  sage  innerhalb 
der  gränzeu  Baieriis  zu  beschUefsen.  in  Österreich  wäre  die- 
selbe frühe  verdunkelt  worden,  gleichwol  wagte  Scherer  in  seiner 
Geschichte  der  deutschen  litteratur  von  dieser  seiner  Vermutung, 
die  Kudrun  sei  in  Baiern  gedichtet,  keinen  gebrauch  zu  machen 
(s.  daselbst  s.  732). 

Für  die  steirische  heimat  des  gedichtes,  die  nach  Müllenhoffs 
vorgange  Bartsch  1865  und  Martin  noch  1872  in  ihren  ausgaben 
annahmen,  trat  zumal  Schrüer  ein,  Germania  17,65  —  68.  er 
berief  sich  hierfür  auf  einen  1187  genan-nten  Fruoto,  pfarrer  von 
Dechantskirchen  (in  der  östlichen  Steiermark,  bei  Friedberg)  und 
auf  ein  1186  (richtiger  1185)  erscheinendes  Heteldorf,  'das  weiter 
nicht  vorkommt  und  wol  nur  durch  die  laune  eines  Verehrers 
dieser  dichtung  so  genannt  und  dann  wider  eingegangen  ist.'(!) 
beide  gründe  sind  natürlich  ohne  zwingende  beweiskraft. 

Jenen  Fruoto  von  Dechantskirchen  kann  ich  im  augenblicke 
nicht  veriflcieren:  in  Zahns  Urkundenbuch  von  Steiermark  steht 
er  nicht,  möglicher  weise  ist  mit  ihm  identisch  der  magister 
Frodo  presbiter,  der  auf  seine  bitte  um  1185  von  erzbischof  Adal- 
bert  von  Salzburg  (regierte  19  nov.  1183  —  7  april  1200)  die 
bisher  unbebaute  Waldgegend  um  Freiland  bei  Deutsch-Landsberg 
zur  Urbarmachung  erhielt  (Urkundenb.  von  Steiermark  1,  632  f 
nr  652).  kurze  zeit  darauf  stand  dort  schon  eine  kirche,  die 
der  genannte  erzbischof  in  einer  zu  Pettau  am  30  märz  1188  aus- 
gestellten Urkunde  zur  Pfarrkirche  erhob  (ebenda  1,  670  nr  687). 
zu  anfang  des  Jahres  1203  war  dieser  Fruote  tot.  unter  dem 
6  jänner  1203  nämlich  widmete  erzbischof  Eberhard  ii  von  Salz- 
burg das  gut  Freiland,  quod  nenerabilis  sacerdos  nomine  Fruto  a 
predecessore  nostro  felicis  memorie  Adelberto  tradüum  hactenus  pos- 
sedü  .  .  .  cum  omni  iure  quo  idem  predium  iam  diclus  sacerdos 
tenebat ,  dem  kloster  Admont  zur  Stiftung  eines  jahrtages  (Urkun- 
denb. von  Steierm.  2, 101 — 103  nr61).  in  einer  späteren  Urkunde 
(ebenda  2,  129 — 132  nr  85),  worin  erzbischof  Eberhard  n  dem  ge- 
nannten kloster  sämmtliche  zehnten  bestätigt,  ist  auch  des  zehnten 
vom  gute  Freiland  gedacht,  quod  piej  memori^  Ekehardus  Gurcensis 
episcopns  et  Fruto  sacerdos  ab  ecclesia  Sahburgensi  tenuerunt.  — 
aber  der  m«7^e Frtto^e  war,  wie  uns  der  anonymus  Spervogel  zeigt 

6* 


84     BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATUR 

(MF  25,  19.  20  mit  Haupts  anmerkung),  schon  früh  im  xii  Jahr- 
hundert in  Baiern  ebenso  wol  bekannt,  und  sein  gedächtnis  im 
Südosten  auch  aufserhalb  der  Steiermark  noch  lange  nachher  un- 
erloschen.  für  das  österreichische  Donautal  ist  des  zeuge  der 
dichter  der  Helblingbüchleiu  (2,  1302.  7,  366.  13,  111  vgl.  Haupt, 
Engelhard  s.  xi),  sowie  das  totenbuch  des  cistercienserstifles  Li- 
lienleid, das  unter  dem  15  juni  Hemn'cus  Frueto,  unter  dem 
9  november  Dyetricus  Fruelto  hospes  noster  in  porta  als  eintrage 
des  XIV  jhs.  bietet  (Fontes  rer.  austriac.  ii  41,  100.  171).  für 
Kärnthen  beweist  dasselbe  Frute  der  Mayerhofer  in  einer  Urkunde 
des  benedictinerstiftes  SPaul  in  Lavant  vom  5  augusl  1381  (ür- 
kundenbuch  [Fontes  u  39]  s.  263  nr  285).  nur  soviel  ist  zuzu- 
geben dass  jener  steirische  Fruote  des  xn  jhs.  der  älteste  uns  be- 
kannte träger  dieses  namens  im  Südosten  war:  wobei  auch  die 
niederdeutsche  form  Frödo  der  Urkunde  von  c.  1185  beachtung 
verdienen  möchte,  aber  dies  genügt  mit  nichten,  um  das  gedieht 
von  Kudrun  der  Steiermark  zuzuerkennen. 

Jenes  steirische  Heteldorf  (erwartet  hätte  man  Hetelendorf) 
ist  jetzt  zu  finden  bei  Zahn  1,  627^  in  der  zu  Admont  Weih- 
nachten 1185  von  herzog  Ottokar  von  Steiermark  für  das  genannte 
kloster  ausgestellten  grofsen  bestätigungsurkunde  (1,  625  —  630 
nr  649).  da  indes  der  name  Hetel  für  unseren  Südosten  während 
des  XII  jhs.  aus  dem  Innviertel,  aus  Ober-  und  ^'iederösterreich 
ebenso  wol  wie  aus  der  Steiermark,  und  gar  nicht  so  selten  als 
Mone  (Heldensage  s.  84)  annahm,  zu  erbringen  ist  —  meine  col- 
lectaneen  weisen  als  ältestes  zeugnis  ein  niederösterreichisches 
aus  der  zeit  vor  1136  — ,  so  ist  aus  dem  erscheinen  eines 
problematischen  steirischen  Heteldorfs  im  jähre  1185  für  den 
steiriscben  Ursprung  unserer  Kudrun  absolut  nichts  zu  schliefsen. 

Allerdings  gibt  es  unwiderlegliche  beweise,  dass  die  sage 
von  Hilde  und  Kudrun,  gleich  der  ihr  verwandten  von  Walther 
und  Hildegunt  sowol  im  Donautale  als  in  der  Steiermark  während 
des  XII  jhs.  wol  bekannt  und  gepflegt  war.  die  seit  bald  vierzig 
Jahren  in  den  Fontes  rerum  austriacarum  und  im  Archiv  für 
österreichische  geschichte  veröffentlichten  Urkunden-,  sal-  und 
toteubücher  österreichischer  klösler  gestatten  im  vereine  mit  dem 
Urkundenbuche  des  landes  ob  der  Enns  und  dem  von  Steiermark 
belehrende  einblicke  wie  in  die  geschichte  der  seit  der  zweiten 
hälfte  des  11  jhs.  neubelebten  heldeusage  in  Österreich  überhaupt. 


IN  ÖSTERREICH  85 

so  in  die  der  Kudrunsage  insbesondere,  aber  die  frage  nach  der 
heimat  des  mhd.  gedichtes  bringen  auch  sie  nicht  zur  unanfecht- 
baren eutscheidung. 

Die  beliebtheit  der  sage  von  Wallher  und  Hildegunt  im  öster- 
reichischen Südosten  ist  längst  bekannt:  die  Nibelunge  und  der 
Biterolf  spielen  auf  sie  an,  der  einzige  bezug,  den  Wallher  von 
der  Vogelvveide  auf  die  heldensage  nimmt,  gilt  jenem  liebespare, 
und  das  der  besten  zeit  des  mhd.  volksepos  angehörige,  gewis  in 
Österreich  entstandene  gedieht  von  Walther  und  Hildegunt  schliefst 
sich  der  in  Österreich  wegen  des  gegensatzes  gegen  die  Heunen 
vormals  beliebten  fränkischen  auffassung  an ,  nach  welcher  der 
kämpf  wider  die  letzteren  gewendet  ist  (MüUenhoff  Zs.  12,  273  f). 
ich  erlaube  mir  hier  aus  österreichischen  Urkunden  einige,  wie 
ich  glaube,  bisher  unbeachtete  Zeugnisse  für  diese  sage  beizu- 
bringen, zunächst  zwei  geschwisterpare  Walther  und  Hildegunt, 
ein  steirisches  und  ein  niederöslerreichisches.  um  1160  widmete 
Magau,  ministerial  des  erzslifles  Salzburg,  dem  kloster  Admont 
sein  gut  und  acht  hörige,  worunter  Hartmut  cum  filiis  suis  Perh- 
tolt  Walther Hilttgunt  Chrispina  (Urkundenb.  von  Steiermark  1,415 
nr  443).  in  iradition  nr  719  des  unter  propst  Marquard  i,  mit- 
hin zwischen  1142  und  1167  angelegten  und  bis  unter  Nicolaus  r 
(1257 — 1279)  fortgesetzten  salbuches  von  Klosterneuburg  (Fontes 
n  4)  schenkt  quidam  Hermannus  diesem  stifte  ad  ceiisum  trium 
denariorum  Waltherum  et  Hiltam.  eine  genauere  Zeitbestimmung 
dieser  tradition  ist  nicht  möglich,  da  sie  selbst  dazu  keinen  an- 
hält bietet  und  der  herausgeber  hier  wie  überall  nicht  einmal 
bemerkt,  ob  die  aufzeichnung  von  einer  band  des  xir  oder  xiiijhs. 
geschehen  sei.  die  kürzere  form  des  mädchennamen  aber  ver- 
schlägt nichts:  auch  im  mhd.  gedichte  wird  Hildegunt  einmal 
(18,4)  Hilde  genannt,  auch  den  namen,  den  Etzels  gemahlin 
im  Waltharius  führt,  kennt  dasselbe  salbuch.  unter  dem  propste 
Marquard  i  schenkte  Chonradus  accolitus  frater  noster  dem  stifte 
famulos  stios  ad  censiim  v  numorum  Hermannum  et  ospirnam 
uxorem  eins,  eine  spätere  festigung  der  in  der  folge  angefoch- 
tenen Schenkung  hat  am  Schlüsse  maucipiorum  nomina  sunt  hec 
Herman  et  uxor  eius  Ospirn  usw.  (trad.  nr  270  und  581).  da- 
durch werden  Mülleuhoffs  zwischen  c.  762  und  c.  1020  sich  be- 
wegende belege  des  namens  Ospirin  (Zs.  10, 172)  erstreckt  bis  tief 
ins  XII  jh.    selbst  der  mit  Ospirin  zusammengehörige  name  ihres 


S6      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATÜR 

valers  Oserich,  den  MüUenhoff  aao.  zweimal  aus  den  jähren  762 
und  798  belegte,  war  um  1100  in  Niederösterreich  unvergessen, 
in  der  dem  jähre  1108  vorangehenden  tradiiion  nr  73  des  sal- 
buches  von  Göttweih  (Fontes  ii  8;  vgl.  daselbst  anm.  s.  142), 
welche  die  Schenkung  des  an  der  Krems  sich  ausdehnenden  Cho- 
tiwaldes  an  das  stift  behandelt ,  steht  als  letzter  der  zeugen  Osrich. 

Nicht  minder  teilen  sich  in  die  Zeugnisse  für  die  in  erster 
reihe  entscheidenden  namen  der  Kudrunsage  das  Donautal  und 
die  Steiermark:  sodass  diese  sonst  so  fruchtbare  Unterscheidung, 
die  Scherer  zunächst  für  die  in  diesen  gegenden  seit  c.  1070 
anhebende  lilteratur  aufgestellt  hat  (Zs.  f.  d.  öslerr.  gymn.  1870 
s.  187  f,  vgl.  QF  1,67  f)  und  die  für  das  Studium  und  die  erkenntuis 
aller  äufserungen  und  erscheinungen  des  altösterreichischen  lebens 
als  führender  stern  sich  erweist,  in  diesem  falle  nicht  ausreicht, 
und  doch  werden  wir  auf  sie  zurückgreifen  müssen ,  um  in  der 
frage  nach  der  heimat  des  gedichtes  das  letzte  wort  zu  sprechen. 

Das  im  Arch.  f.  österr.  gesch.  56,  299  abgedruckte,  zu  anfang 
des  XII  jhs.  geschriebene  diptychon  des  im  östlichen  teile  Ober- 
österreichs gelegenen  chorherrenstifles  SFlorian  hat  unter  seinen 
121  ganz  oder  teilweise  leserlichen  namen  au  der  93sten  stelle 
eine  Gnodnin.  für  die  form  mit  K  im  anlaute  kenne  ich  keinen 
österreichischen  beleg,  die  form  mit  anlautendem  Ch  jedoch,  die 
jenes  salzburgische  necrolog  als  Chnternn  zu  lesen  gibt  und  in 
welcher  der  name  auch  im  Füfsener  codex  der  Benedictinerregel 
erscheint  (Chutrun  sanctimonialis  ohnt,  Zs.  27,  312),  habe  ich  aus 
der  Steiermark,  das  erste  der  beiden  ältesten,  in  den  ersten 
decennien  des  xiii  jhs.  geschriebenen  totenbücher  des  benedictiner- 
stiftes  Admonl  verzeichnet  unter  dem  1  märz  Chudrun  laica  (Arch. 
f.  österr.  gesch.  66,  356).  bekanntlich  ist  dies  Clmterun  (Chutrun, 
Chudrun)  die  bairische  Umformung  des  mit  der  sage  aus  dem 
norden  dem  oberdeutschen  Süden  neu  zugeführten  frauenuamen, 
den  er  vorlängst  als  Gundrnn  (Cundrün,  Cundurünj  schon  besessen 
halte  (Zs.  27,  312.  Libri  confraternitatum  der  Mon.  Germ.,  p.  351. 
177.  99):  die  alemannische  lautete  Guterun  (Libri  confraternita- 
tum p.  43.    Heinzel  aao.). 

Wichtiger  noch  als  diese  beiden  österreichischen  Kudrunen 
sind  einige  österreichische  Horande,  die  aus  dem  xii  jh.  und  dem 
Donautale  sich  nachweisen  lassen,  sie  wären  in  dem  schon  1851 
erschienenen  salbuche  von  Klosterneuburg,  worin  sie  stehen  und 


IN  ÖSTERREICH  87 

Haupt  Müllenhofleu  eine  Goldrun  nachwies  (Zs.  12,316),  längst 
entdeckt,  wäre  nicht  die  ausgäbe  dieses  wichtigen  denkmales  gar 
so  ungenügend,  und  zumal  das  regisler  nicht  so  über  alle  be- 
griffe leer  und  unbrauchbar.'  —  MüUenhoff  bemerkte  Zs.  12,  313  : 
'das  auftreten  von  'Horant'  ist  einem  zeugnis  für  die  spätere 
sage  gleichzuachten ,  und  dies  ist  in  der  tat  auch  so  merk- 
würdig, dass  um  so  weniger  daran  zu  zweifeln  ist.  während 
nämlich  Herrande  sich  zahlreich  bis  ins  xin  jh.  und  darüber 
hinaus  nachweisen  lassen  (Mone  HS  59),  beschränkt  sich,  soviel 
ich  weifs,  die  zahl  der  Horande  bis  auf  zwei  Tiroler  des  xiv  jhs. 
(Germ.  1,  293)  und  einen  Bantlin  Hoerand  von  1448  bei  Mone 
s.  60  auf  drei,  die  gleichzeitig  in  derselben  gegend,  in  Oberbaiern 
vorkommen.'  daran  reihte  er  aus  den  MB  die  drei  Horande  der 
Tegernseer  gegend  von  c.  1102  — 1154.  jene  bemerkung  hätte 
er  anders  gegeben,  wären  ihm  die  Horande  des  salbuches  von 
Kloslerneuburg  bekannt  gewesen,  es  sind  ihrer  mindestens  drei, 
möglicher  weise  vier. 

In  Iradition  nr  165  schenkt  quidam  homo  nomine  Horandus 
dem  stifte  i^r  niatium  nobilis  uiri  Sterchfridi  einen  grundbesitz 
zu  Porz,  einem  nunmehr  verschwundenen  orte,  der  ostwärts  von 
Wien,  an  der  Fischa  bei  Margarethen  am  Mos  gelegen  war  (Blätter 
fu :'  landeskunde  von  Niederösterreich  1882  s.  198).  die  Schenkung 
bezeugt  unter  anderen  graf  Gebehard  von  Beugen,  der  1144  be- 
reits verstorbene  gemahl  jener  frau  Hildeburg,  welche  in  dem  ge- 
nannten jähre  defuncto  iiiro  suo  felicis  memorte  comite  Gehehardo 
de  Bouige  zu  dessen  und  ihrem  seelenheile  das  benedictinerkloster 
zum  hl.  Lambert  in  Altenburg  am  Kamp  stiftete:  s.  das  urkunden- 
buch  desselben  (Fontes  ii  21)  s.  1,  urk.  ur  1.  die  Schenkung 
jenes  Horand  geschah  daher  vor  1144.  woher  hat  Oesterley, 
Historisch-geographisches  Wörterbuch  des  mittelalters  s.  532""  — 
abgesehen  davon  dass  er  daselbst  dies  Porz  an  der  Fischa  mit 
einem  anderen  Porz  bei  Altenwörth  an  der  Donau  zusammen- 
wirft—  für  unsere  tradition  nr  165  die  Jahreszahl  1187?  jedes- 
falls  ist  sie  falsch. 

*  der  herausgeber  dieses  salbuches,  der  Chorherr  Maximilian  Fischer, 
der  schon  1815  eine  Geschichte  von  Klosterneuburg  hatte  erscheinen  lassen 
und  zu  Weihnachten  1853  neunundsechzigjährig  starb,  erfasste  seine  auf- 
gäbe lediglich  aus  dem  gesichtspuncte  der  landeskunde  (vgl.  ihn  selbst  Salb, 
s.  xviii).  von  dem  werte,  den  eine  solche  publication  für  die  germanistik 
gewinnen  könne,  hatte  er  entfernt  keine  ahnung. 


88      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATÜR 

Gleich  in  nr  167  desselben  salbuches  übergibt  CImnrat  de 
Ritinpnrch  dem  stifte  ob  censum  quinque  denariorum  hec  mandina, 
Jrmigardam  uxorem  Horandi  cum  filiis  suis  Tuta  Irmigarda  Maht- 
hilt  Dimut  Herihurch  Horant.  also  Horaud  vater  und  söhn ,  wie 
auch  der  name  der  mutter  in  dem  der  einen  tochter  widerkehrt. 
Rietenburg  war  ein  bei  dem  Städtchen  Hörn  im  niederösterreichi- 
schen viertel  ob  dem  Manhartberge  gelegenes  dorf,  das  schon  vor 
1076  eine  kirche  besafs  und  in  Urkunden  des  Stiftes  Altenburg 
am  Kamp  bis  an  das  ende  des  xv  jhs.  erscheint:  aufgehoben  ward 
die  pfarre  Rietenburg  erst  1783.  hierüber  sowie  über  das  da- 
selbst sesshafte  geschlecht  ist  Blätter  f.  landesk.  von  Niederösterr. 
1883  s.  193 — 197  gehandelt,  ob  dies  geschlecht  mit  den  in  der 
Ostmark  begüterten  bairischen  grafen  von  Rietenburg  versippt 
war,  weifs  ich  nicht:  Theodor  Mayers  im  Arch.  f.  künde  österr. 
geschichtsquellen  12,  247  —  266  abgedruckter  aufsatz  über  die 
burggrafen  von  Regensburg,  grafen  von  Stevening  und  Rieten- 
burg, auf  den  Haupt  MF  s.  232  verwies,  gibt  über  jene  frage 
keinen  aufschluss.  Konrade  von  dem  niederösterreichischen  Rie- 
tenburg lassen  sich  drei  nachweisen,  der  erste  steht  als  Cliun- 
radus  de  Rietenburch  1144  unter  den  zeugen  der  vorhin  er- 
wähnten Stiftungsurkunde  des  klosters  Alteuburg.  der  zweite 
bezeugte  als  Chunradus  de  Rüinburch  mit  seinem  ritter  Luitoldus 
eine  Schenkung,  die  Otto  von  Buchberg  dem  kloster  Neuburg 
machte,  dum  lerosolimam  iret  cum  duce  Liupoldo  (Salbuch  von 
Klosterneuburg,  trad.  nr  453).  gemeint  sein  kann  nur  der  dritte 
grofse  kreuzzug,  den  herzog  Leopold  v  von  Österreich  erst  nach 
dem  tode  kaiser  Friedrichs  i  im  Kalykadnos  (10  juh  1190)  antrat 
und  von  dem  er  zu  neujahr  1192  bereits  wider  zurück  war  (Krones, 
Geschichte  Österreichs  1,614):  die  tradition  nr  453  fällt  mithin 
in  das  jähr  1190.  dieser  zweite  Konrad  hatte,  wie  aus  trad. 
nr  747  desselben  salbuches  hervorgeht,  einen  gleichnamigen  söhn: 
und  entweder  dieser  oder  noch  der  vater  steckt  in  jenem  Chun- 
radus de  Rietinburk,  der  unter  dem  7  april  1209  eine  Urkunde 
herzog  Leopolds  vi  von  Österreich  für  das  neugegründete  cister- 
cienserstift  Lilienfeld  (Meiller,  Regesten  der  Babenberger  s.  100 
nr  74) ,  und  als  Chunradus  de  Rietinburch  neben  Otto  de  Buch- 
perch  eine  nicht  datierte,  um  1210  gesetzte  Urkunde  desselben 
fürsten  für  kloster  Altenburg  mitbezeugte  (Urkuudenb.  s.  6  nr  4 
=  Meiller   s.  104    nr  86).  —  die   tradition   nr  167,   welche  die 


IN  ÖSTERREICH  89 

beiden  Horande  nennt,  wird  man  am  fügiichsten  auf  den  ersten 
Konrad  von  Rietenburg  beziehen,  also  beiläufig  um  1150  an- 
setzen, da  unter  ihren  zeugen  ein  Sterichfrit  erscheint,  wie  die 
Schenkung  jenes  Horant  in  nr  165  ]>er  manum  nobilis  niri  Sterch- 
fridi  geschah,  könnte  man  denken,  dieser  schenkende  Horant  sei 
identisch  mit  demjenigen,  dessen  gatlin  und  kinder  nachmals  durch 
den  Rietenburger  der  kirche  in  Klosterneuburg  gewidmet  wurden, 
denn  selbst  als  unfreier  konnte  er  unbewegliches  eigentum  er- 
werben (RA  350),  als  freier  aber  entweder  durch  darbietung 
seines  gutes  unfrei  werden  (RA  562  f)  oder  wenigstens  durch  ver- 
ehelichung mit  einer  hörigen  die  daraus  folgenden  kinder  zu 
hörigen  machen  (RA  324  f). 

Die  tradition  nr  337  desselben  salbuches  ist  ausdrücklich 
von  1169  datiert;  nr  338  besagt  dass  eodem  anno  frau  Heilwich 
von  Schönkirchen  (ein  noch  bewohntes  schloss  im  viertel  unter 
dem  Manhartberge,  vgl.  Liecht.  67,21.  285,5.  473,  11)  unter 
beistimmung  ihres  gatten  ancillam  suam  nomine  luttani,  uxoreni 
hominis  ecclesi^  yiostre^  Horandi,  eo  iure  quo  ipsam  possederat  dem 
kloster  Neuburg  geschenkt  habe,  nachdem  die  frau  des  älteren 
Horand  in  nr  167  Irmingart  hiefs,  wird  der  hämo  ecdesie^  nostr^ 
Horandus  der  nr  338  der  in  der  ersteren  schon  genannte,  da- 
mals noch  unverehelichte  jüngere  Horant  sein,  und  es  zeigt  sich 
dass  wir  berechtigt  waren,  die  nr  167  als  den  älteren  Vorgang 
beiläufig  auf  die  mitte  des  jhs.  zu  verlegen,  unter  den  zeugen 
der  nr  338  befindet  sich  ferner,  zum  deutlichen  erweise  des  für 
den  unterschied  beider  namenformen  lebendigen  gefühles  ein  Her- 
randus  de  foro  (von  der  Ortschaft  Klosterneuburg):  wie  umgekehrt 
MüUenhoffs  Horant  de  Puosencheim  einmal  die  Schenkung  eines 
nobilis  homo  Herrant  dictus  bestätigte  (Zs.  12,  314). 

Endlich  in  trad.  nr  664  schenkt  quidam  dominus  de  Wul- 
uelinesdorf ,  Rapoto  nomine  (Wilfleinsdorf  östlich  von  Wien,  im 
gerichtsbezirke  Rruck  an  der  Leitha  ?  oder  Wilfersdorf  im  poli- 
tischen bezirke  Hollabrunn?)  ad  censum  v  denariorum  Wolfherum 
et  Altmannum  et  Triitam  cum  omni  posteritate  eorum.  unter  den 
zeugen,  die  durchweg  ohne  beigesetzten  orts-  oder  geschlechts- 
namen  erscheinen,  an  zweiter  stelle  Horandus.  an  einem  anhalte, 
die  tradition  zeitlich  zu  fixieren,  fehlt  es  leider  durchaus. 

Da  dieser  letzte  Horant  jedesfalls  von  den  vorhergehenden 
abzutrennen  sein  wird,  erhalten  wir  einen  älteren  Horant  aus  der 


90      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATÜR 

zeit  vor  1144  in  ur  165  und  wahrscheinlich  167;  einen  jüngeren 
Horant,  des  vorigen  söhn,  zwischen  c.  1150  und  1169  in  nr  167 
und  338;  endhch  einen  dritten  Horant  in  nr  664. 

Wie  diesen  nameu  erhrachte  Müllenhoff  Zs.  12,  317  auch 
den  uamen  Sigebant  aus  der  gegend  von  Tegernsee.  auf  Baiern 
keineswegs  beschränkt,  scheint  er  im  westen  und  Süden  behebter 
geworden  zu  sein  als  im  osten  und  Südosten,  belege  stehen  zu- 
mal für  Tirol  zur  band,  hierher  der  schon  von  Mone  s.  83  an- 
gemerkte Sieband  de  Vlies  d.i.  Fliefs  südlich  von  Laudeck,  am 
Inn.  er  zeugt  in  einer  zwischen  1160  und  11S6  fallenden  Ur- 
kunde des  bischofs  Egiuo  von  Chur  für  das  kloster  SJohann  im 
Münstertale  (Arch.  f.  künde  öslerr.  geschichtsquellen  15,  341  f). 
Sigebande  des  xiii  jhs.  erlesen  sich  aus  dem  urkuudenbuche  des 
chorherrenstiftes  Neustift  bei  Brixen  (Fontes  n  34) :  Otto  Sibant 
1224,  zeuge  in  nr  198  s.  85;  Sybandus  de  Nauces  (Nalz  etwas 
nordöstlich  von  Neustift)  1238,  aussteiler  der  nr  245  s.  107; 
Sybandus  1256,  erwähnt  in  ur  279  s.  122.  für  das  Donautal 
kenne  ich  gar  kein  urkundliches  Zeugnis  des  namens,  dass  er 
daselbst  geführt  ward,  ist  aus  dem  hauer  Sibant  in  einem  öster- 
reichischen liede  Neidharts  (31,  35)  sicher  zu  folgern,  denn 
Neidhart  lieh  seinen  österreichischen  bauern  und  bäuerinnen  keine 
namen ,  die  sie  im  würklichen  leben  nicht  geführt  hätten,  wenig- 
stens sollte  es  mir  nicht  schwer  fallen,  die  meisten  von  Neidharts 
bauernnamen  aus  österreichischen  Urkunden  des  xii  —  xiv  jhs. 
zu  erbringen,  voran  die  weiblichen  Vriderun  Vi'ömuot  Uodelhilt 
und  die  vielen  koseformen  mit  angehängtem  »lan,  wip  oder  kint. 

Dagegen  bieten  wider  die  ältesten  toteubücher  von  Admont 
urkundliche  nachweise  des  namens  Sigebant,  und  zwar  für  die 
Steiermark,  das  erste  dieser  beiden  necrologien  verzeichnet  zum 
13  august  Sigebant  laicus ,  dann  zum  2^  ie\i{emh&Y  Sigebant  pres- 
byter  et  monachus  nostrae  congregalionis  (Arch.  f.  österr.  gesch. 
66,421.  437). 

Noch  erübrigen  zwei  frauennamen.  Müllenhoff  glaubte  Zs. 
12,  316,  die  in  der  Klage  v.  1103  genannte  Goldrün  solle  Gudrun 
sein,  an  die  doch  eher  als  etwa  an  Ludwigs  tochter  Ortrün  zu 
denken  sei:  was  Scherer  OF  7,  63  zweifelnd  annahm  mit  der 
bemerkung  dass,  wenn  die  Goldrun  der  Klage  würklich  die  Ku- 
drun  sei,  dies  erst  recht  die  Verdunkelung  der  ganzen  sage  in 
den  südöstlichen  gegenden  zeige,    unter  Müllenhoffs  vom  ix  zum 


IN  ÖSTERREICH  91 

XIII  jh.  laufeüdeü  belegen  für  Goldruu  befindet  sich ,  ihm  von 
Haupt  aus  zwei  Klosterueuburger  Urkunden  von  1205  und  1206 
(Salbuch  s.  189  nr  3  und  4)  nachgewiesen  (vgl.  oben  s.  86  0  ein 
österreichischer,  den  ich  hier  widerhole,  die  erste  dieser  Urkunden 
gibt  den  (deutschen?)  dativ,  die  andere  den  genetiv  des  frauen- 
uamen:  Gotfrido  camerario  et  nxori  sue  Goldrune;  Gotfridi  ca- 
merarii  in  Wienna  et  nxoris  sue  Goldrune,  solche  österreichische 
belege  lassen  sich  mehren,  aber  für  das  xii  jh.  nur  aus  dem  Inn- 
viertel  und  dem  Donautale,  nicht  aus  Innerösterreich  (Steiermark 
und  Käruthen).  Golderuti  Goltrun  heil'sen  mägde  in  einer  Reichers- 
berger  und  einer  Formbacher  tradilion  von  c.  1180,  beziehungs- 
weise c.  1140  (Urkundenbuch  des  landes  ob  der  Enns  1,  368 
nrl51;  1,717  nr  299j.  im  ältesten  toteubuche  von  SFlorian 
Coldron  (d.  i.  Coldroun)  unter  dem  17  märz,  Goldrun  unter  dem 
24juui,  Goltrun  im  Verzeichnisse  der  noch  lebenden  (Arch.  f. 
österr.  gesch.  56,305.  311.322).  im  salbuche  von  Klosterneu- 
burg, trad.  nr  41  gibt  Otto  von  Glaubendorf  (einem  an  der 
Schmieda  vor  dem  Manharlberge  liegenden  dorfe)  dem  stifte  acht 
leibeigene,  worunter  Golderünam  (der  circumflex  im  codex);  ebenso 
in  nr  82  Rudolf  von  Traun  Hacelam  et  filias  eius  Goldrun  et  Gi- 
selam;  endlich  in  nr  495  Adalbrecht  von  Hort  Diemut  Wkhardum 
Ortwinnm  Goldrun  ob  censum  v  denariorum.  im  xui  jh.  findet 
sich  auch  eine  Goldrun  aus  lunerösterreich,  und  im  lande  unter 
der  Enns  dauerte  der  name  ins  xivte  aus.  im  jähre  1263  ver- 
teilte bischof  Konrad  von  Freising  die  um  Bischoflaak  in  Krain 
gelegenen  hüben  inter  Nicolaum  filium  Walpotonis  et  Wernherum 
generum  Ulms  et  Goldrunnam  filiamque  eius  Margaretam  (Cod. 
dipl.  austr.-frising.  1  [Fontes  n  31],  244  nr  231).  derselbe  kircben- 
fürst  verlieh  in  einer  zu  Bischoflaak  am  20  november  1273  aus- 
gestellten Urkunde  Gotfrido  sacerdoti  vicario  in  Lok  .  .  .  et  duabus 
suis  fdiabus  Margarete  videlicet  et  Katherine  necnon  matri  earun- 
dem  Golderwie  einen  mausen  in  dem  genannten  orte,  also  beide- 
mal dieselbe  Goldrun,  und  die  frau  oder  geliebte  eines  pfarr- 
vicars,  die  ihm  zwei  töchter  geboren  halle  (Cod.  dipl.  auslr.-fris. 
1,  323  nr  300).  eine  Urkunde  des  \Yiener  scholtenstifles  de  dato 
Wien,  21  december  1306  (Urkundenbuch  [Fontes  ii  18]  s.  119 
nr  100)  hebt  an  ich  Fridreich  der  maurer  purger  ze  Wienne,  und 
ich  Goldraun  sein  housvrowe.  das  lotenbuch  von  Lilienfeld  hat 
unter  dem  29  märz  von  einer  band  des  xivjhs.  Goldruna  nion.  ads. 


92      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATÜR 

Nycolaum  (kloster  SNicolaus  bei  Passau),  iiud  unter  dem  6  april 
als  eintrag  der  ersten  der  beiden  ältesten  bände  Goldruna  mon. 
(Fontes  ii  41,  s.  68.  72). 

Den  namen  der  Ortrun  kann  ich  dreimal  belegen,  und  zwar 
einmal  aus  der  Steiermark,  zweimal  aus  dem  Donautale:  doch 
überall  nur  aus  dem  xni  jh.  in  den  beiden  Admonter  necro- 
logien  steht  unter  dem  9  april  Ortrun  momalis  nostrae  congre- 
gationis  (Arch.  f.  österr.  gesch.  66,  371).  die  bei  Passau  1228 
vorhergehende  tradition  nr  286  des  klosters  SNicolaus  verleiht 
WoJframmo  et  nxori  eins  Ortrune  duos  ortos  (Urkundenb.  d. 
landes  ob  d.  Enns  1,  613).  in  einer  Urkunde  des  Stiftes  Alten- 
burg am  Kamp  de  dato  Gars,  5  jänner  1299  verkauft  der  aus- 
steller  Otte  der  Weidner  von  Znnkra  (Zaingrub  bei  Hörn)  dem 
kloster  ein  halbes  leben  mit  meiner  housvroun  hant  vron  Eisbeten 
und  auch  meiner  chinde,  meiner  paider  sune  Otteins  und  Fridreichs 
und  meiner  tohter  Ortrunne  gunst  (Urkundenb.  s.  89  nr  80). 

Mit  ausnähme  der  blofs  niederösterreichischeu  Horande  kom- 
men unsere  Zeugnisse  dem  Donautale  und  der  Steiermark  gleicher 
weise  zu  gute,  die  kenntnis  der  Hilden-  und  Kudrunsage  wird 
durch  sie  dem  Südosten  für  das  dem  mhd.  gedichte  voraufliegende 
XII  jb.  zweifelsohne  gesichert,  ja  die  bis  an  1170  heran  reichen- 
den niederüsterreichischen  Zeugnisse  für  Horant  greifen  gegen 
MüUenhoft's  bairische,  die  nur  bis  1154  gehen,  um  fast  zwanzig 
jähre  weiter  nach  vorwärts  aus,  dh.  in  diesem  falle,  sie  treten 
um  eben  so  viele  jähre  dem  zeitpuncte  der  entstehung  des  ge- 
dichtes  (um  1210)  näher,  dann  aber  scheint  es  fast  bedenklich 
von  einer  Verdunkelung  zu  sprechen,  der  die  sage  im  Südosten 
noch  vor  ablauf  des  xii  jhs.  verfallen  wäre:  womit  auch  die  ver- 
mutete Identität  von  Goldrun  mit  Gudrun  ins  schwanken  geriete, 
indes  lässt  sich  dem  wider  entgegenhalten,  in  dem  verhältnismäfsig 
langen  Zeiträume  der  vierzig  jähre  von  1170 — 1210  konnte  eine 
solche  Verdunkelung  in  dem  vor  allem  der  pflege  der  altheimi- 
schen sagenstoffe  hingegebeneu  Südosten  sich  ganz  wol  vollziehen; 
aus  den  jüngeren  Zeugnissen  aber  spricht  keine  lebendige  kenntnis 
der  sage  mehr,  sondern  eine  rückwürkung  der  dichtung,  sei  es 
der  Kudrun  sei  es  der  Klage,  auf  das  leben. 

Noch  schwerer  hält  es  aus  dem,  was  ich  hier  beibringen 
konnte,  die  beimat  des  gedichtes  von  Kudrun  innerhalb  des 
bairischen   Sprachgebietes   zu  bestimmen,     wer  auf  die  Chudrun 


IN  ÖSTERREICH  93 

Sigebant  Ortrnn  der  Admonter  totenbiicher  pochend  die  Steier- 
mark als  diese  heimal  nun  erst  gesichert  hielte,  er  überschätzte 
nicht  blofs  die  bedeutung  dieser  Zeugnisse  gegenüber  derjenigen, 
welche  die  im  Donautale  heimischen  Horande  zwischen  c.  1140 
und  1170  vor  allem  für  sich  beanspruchen  dürfen:  sondern  er 
verkennte  auch  die  Stellung,  welche  wir  nach  dem  gegenwärtigen 
Stande  unserer  keuutnis  der  Steiermark  in  der  geschichte  der 
mhd.  litteratur  anweisen  müssen,  für  die  zeit  der  vorblüte  und 
die  der  eigentlichen  blute  ist  das  den  alpen  angehörige  Inner- 
österreich (Steier  und  Kärnthen)  gegenüber  dem  westen  und  der 
mitte  Deutschlands  noch  ungünstiger  gestellt  als  die  beiden  öster- 
reichischen Donauländer,  auch  diese  empfangen  die  vom  westen 
kommenden  geistigen  Strömungen  verspätet,  aber  doch  eher  noch 
denn  die  als  versteckt  liegende  hinterlande  erscheinenden  alpen- 
gegenden.  die  Zuführung  neuer  ideen  und  lebensformen  nach 
Österreich  geschah  im  miltelalter  zunächst  durch  und  von  Raiern 
her,  und  der  weg  war  durch  die  von  westen  nach  osten,  aus 
Raiern  nach  Österreich  strömende  Donau  gegeben  (vgl.  Scherer 
QF  12,  73).  diese  vermittelnde  macht  äufserte  die  Donau  zumal 
während  des  xn  jhs.  bei  der  Verpflanzung  des  minnedienstes,  der 
lyrischen  dichtung  der  edeln  und  der  höfischen  lebensformen  nach 
Österreich,  auf  das  schärfste  ist  dies  ausgeprägt  in  dem  örtlichen 
und  zeitlichen  fortrücken  der  an  das  Douautal  geknüpften  namen 
der  ersten  adeligen  minnesänger  von  west  nach  ost:  wir  erhalten 
auf  der  langen  strecke  von  Ulm  bis  Linz  so  zu  sagen  eine 
reihe  Stationen ,  welche  die  neue  zeitrichtung  einhält  (vgl.  Scherer, 
Deutsche  Studien  2,  76  f  (512  f)  und  Henning  im  Anz.  i  131). 
es  scheint  aber  noch  nicht  genügend  beachtet  dass  eben  diese 
vermittelnde  macht  der  Donau  gerade  so  tätig  war  in  der  seit 
dem  ende  des  xi  jhs.  zu  beobachtenden  widererweckung  der  hel- 
densage.  auf  grund  einer  umfassenden  befragung  der  altöster- 
reichischen urkundlichen  quellen  nach  dieser  richtung  hin  kann 
ich  sagen  dass  die  zahlreichsten  beispiele  der  im  leben  geführten 
namen  der  nationalen  sage  —  und  gerade  die  wichtigsten  namen 
sind  darunter  —  von  dem  österreichischen  Donautal  dargereicht 
werden,  deutlich  zeigt  sich,  wie  von  Raiern  her  seit  dem  anfange 
des  xn  jhs.  die  gestalten  der  heldensage  ins  land  ob  und  unter 
der  Enns  eindringen,  wobei  das  Innviertel  als  anstofsecke  eine 
besondere   Wichtigkeit  betätigt,      in    diesem   grofsen   bogen   vom 


94      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATÜR 

unteren  lun  bis  an  die  ostgränze  Niederösterreichs  lagert  die 
hauptmacht  der  ganzen  Bewegung,  Steier  und  Kärnthen  bleiben 
an  den  flanken,  schon  diese  tatsache  ist  jener  zuerst  von  MüUen- 
hofl"  ausgesprochenen  Vermutung,  Klage,  Biterolf  und  Kudrun 
seien  in  der  Steiermark  gedichtet  (einleitung  in  die  Kudrun  s.  103, 
zGNN  s.  16;  danach  auch  Wackernagel  LG^  s.  210.  214)  nicht 
günstig,  schon  Weinhold  in  seinem  vortrage  Über  den  auteil 
Steiermarks  an  der  deutschen  dichtkuust  des  xni  jhs.  (Almanach 
der  Wiener  academie  1860  s.  212 — 216)  erklärte  sich  gegen  diese 
meinung,  wenn  auch  ohne  eingehendere  Untersuchung  und  be- 
gründung.  die  Klage  konnte  man  nur,  so  lange  man  sie  mit 
dem  Biterolf  einem  und  demselben  Verfasser  zuwies,  nach  Steier 
setzen :  sie  gehört  wol  gewis  ins  land  unter  der  Enns.  für  den 
Biterolf  hat  neuerdings  RviMuth  Zs.  21,  182—188  gleichfalls  Nie- 
derösterreich als  heimat  wahrscheinlich  gemacht,  ganz  folge- 
richtig wird  nun  zuletzt  noch  die  Kudrun  aus  der  Steiermark  weg 
zu  weisen  sein  als  einem  lande,  das,  wenngleich  der  pflege  der 
heldensage  im  xii  jh.  keineswegs  verschlossen,  doch  für  die  her- 
vorbringung solcher  gedichte  einen  weniger  vorbereiteten  boden 
gewährte  als  Niederösterreich,  die  bedeutung  der  Steiermark  für 
die  mhd.  litteratur  liegt  ganz  anderswo  hinaus,  im  gegensatze 
zu  Niederösterreich,  das  in  deren  kurzer  blütezeit  durch  seine 
schöpferische  teilnähme  am  höfischen  miunesang  und  an  der  volks- 
mäfsigen  epik  seine  kraft  bewährt  hatte,  trat  die  Steiermark  erst 
in  der  zeit  der  nachblute  auf  den  plan,  sie  ward  da  vor  allem 
bedeutend  durch  die  verspätete  energie ,  mit  der  ihr  adel  sich  auf 
die  pflege  der  höfischen  epik  und  der  höfischen  ideale  warf,  wie 
das  kam,  hat  Schönbach  Zs.  26,  319  (vgl.  316)  kurz  aber  treffend 
erklärt,  daher  denn  auch  bei  den  an  sich  nicht  zahlreichen  bei- 
spielen  des  Übertrittes  der  aus  der  höfischen  epik  bekannten 
Personennamen  ins  würkliche  leben  das  umgekehrte  Verhältnis 
erwächst  zu  den  ebenso  aus  der  altheimischen  sage  entlehnten 
namen:  in  den  letzteren  überwogen  die  österreichischen  Donau- 
länder, in  den  ersteren  überwiegt  nun  die  Steiermark  nebst 
Kärnthen. 1 

'  meine  selbständig  gesammelten  belege  unterdrücke  ich  hier,  es  ge- 
nüge einstweilen  ein  verweis  auf  die  tafeirunde  Ulrichs  vLiechtenstein,  sowie 
die  steirischen  Ereke  und  Eniten  in  Haupts  Erec-  s.  324  und  bei  Weinhold, 
Anteil  Steiermarks  (Almanach  1860  s.  23-i  anm.  12).  vgl.  auch  Zs.  26,  315 
text  und  anm. 


IN  ÖSTERREICH  95 

Somit  wird  als  heimat  der  Kudrun  neben  Baiern  nur  noch 
Niederösterreich  in  betracht  kommen  und  zwischen  beiden  zu 
wählen  sein,  in  so  ferne  die  Vermutung  des  bairischen  Ur- 
sprunges der  dichtung  von  den  bisher  allein  bekannten  drei  bairi- 
schen Horanden  des  xn  jh.  ausgieng,  ist  sie  durch  die  in  diesem 
aufsatze  nachgewiesenen  drei  österreichischen  Horande  desselben 
jhs.  aufgewogen,  und  da  ein  gedieht  keineswegs  dort  entstanden 
zu  sein  braucht,  wo  vorgängig  die  ersten  spuren  der  lebendigen 
kenntnis  des  Stoffes,  aus  dem  es  schöpft,  sich  verraten,  so  möchten 
die  etwas  jüngeren  und  der  entstehungszeit  der  Kudrun  nähern 
niederösterreichischen  Zeugnisse  vielleicht  selbst  erhöhte  beweis- 
kraft  vor  den  älteren  bairischen  gewinnen,  aber  zu  behaupten 
wage  ich  es  nicht,  und  um  so  weniger,  je  mehr  ich  das,  was 
Scherer  QF  7,  63  f  zur  geschichte  der  pflege  altheimischer  sagen- 
stoffe  in  Baiern  vor  äugen  führt,  im  zusammenhange  betrachte, 
vielleicht  gelingt  es  einer  kundigeren  band  als  die  meine  ist  die 
frage,  endgiltig  zu  lösen:  ich  bescheide  mich  gerne,  sie  durch 
beleuchtung  einiger  bisher  übersehener  einzelheiten  wider  in  den 
Vordergrund  gerückt  zu  haben. 

2.    Zum   Meier   Helmbrecht. 

Lachmann,  Über  singen  und  sagen  s.  115  f  (Kl.  sehr.  1,  472) 
setzte  den  Meier  Helmbrecht  Wernhers  des  gärtners  nach  Nieder- 
österreich, und  zwar  in  das  viertel  ob  dem  Manhartberge:  in  dem 
verse  192  zwischen  Höhensteine  und  Haldenberc  erklärte  er  die 
erstere  dieser  beiden  örtlichkeiten  für  Hohenstein  an  der  Krems, 
die  letztere  für  Hakenberg  an  der  mährischen  gränze.  nach  ihm 
gab  auch  WGrimm  HS**  s.  158  nr  51  das  damals  noch  ungedruckte 
gedieht  für  niederösterreichisch  aus:  die  betreffende  nr  beruht 
ganz  auf  einer  mitteilung  Lachmanns,  seitdem  aber  FKeinz  1865 
sämmtUche  in  dieser  poetischen  erzählung  genannten  örtlich- 
keiten im  Weilhartwalde  des  vormals  bairischen,  jetzt  oberöster- 
reichischen Innviertels  nachgewiesen,  darunter  sogar  de7i  smalen 
Stic  an  der  kienUten  v.  1426  f  an  ort  und  stelle  aufgezeigt  hat, 
ist  das  gedieht  dem  Innviertel,  und  damit  Baiern  unverrückbar 
gesichert,  neuerhch  aus  liebe  zur  engeren  heimat  angestellte 
versuche,  den  Meier  Helmbrecht  auf  grund  veränderter  Orts- 
angaben der  Berliner  hs.  in  den  versen  192  und  897  für  Ober- 


96      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATüR 

Österreich  zu  retten,  sind  deshalb  vergeblich,  wie  Lachmann  aao. 
schon  sie  gleichsam  vorwegnehmend  abgetan  hatte. 

Gleichwol  gibt  es  wenige  urkundliche  Zeugnisse,  welche 
aufser  zvveifel  stellen  dass  das  in  rede  stehende  gedieht  sehr  bald 
nach  seiner  entstehung  in  dem  niederösterreichischen  viertel  ob 
dem  Manhartberge  bekannt  und  beliebt  war.  wenn  es  nun  un- 
kritisch heifseu  müste,  deshalb  auf  die  alte  ansieht  von  der  ent- 
stehung des  Meier  Helmbrecht  auf  niederösterreichischem  boden, 
oder  wenigstens  von  dem  vorgehen  der  handlung  auf  diesem 
zurückzugreifen,  so  muss  doch  wenigstens  das  auftreten  dieser 
urkundlichen  Zeugnisse  erklärt  werden. 

Zunächst  lege  ich  sie  selbst  vor.     es  sind  ihrer  zwei. 

V.  1185 — 1230  des  gedichtes  nennt  und  characterisiert  der 
junge  Helmbrecht  seinem  vater  seine  gesellen  Lemberslint  Slicken- 
wider  Hellesac  Rütelschrin  Küefräz  Müschenkelch  Wolvesguome  Wol- 
vesdrüzzel  Wolvesdarm.  sich  selbst  bekennt  er  v.  1237  zu  dem  so- 
briquet  Slintezgeu.  später,  als  Lemberslint  Helmbrechts  Schwester 
Gotelint  heiratet  und  das  brautmahl  gerüstet  ist,  verteilt  der  dichter 
V.  1535 — 1574  launiger  weise  die  fürstlichen  hofämter  unter  jene 
spiefsgesellen :  in  Sonderheit  Küefräz  ist  küchenmeister.  diese 
namen  sind  durchaus  scherzbildungen  und,  wie  sie  hier  im  ge- 
wichte stehen,  wol  des  dichters  erfiudung.  dies  erhellt  aus  fol- 
gendem, aus  österreichischen  Urkunden  des  xii,  xiii  und  xiv  jhs. 
ist  es  ein  leichtes  aus  persönlichen  bei-  und  Übernamen  Wort- 
bildungen zusammenzutragen  wie  barzebüch  schüttewempel  smer- 
büch;  brötswende  fleischezze  vrdz  vrezzinne;  brüeschinke  verl  gense- 
beinel  eierimsmalz  bönbrie  gerstbrie  semelsnit  phingestkcese  fülkcese 
giiotspise;  brdteinentel  bldseinwile  küelenbrien  stürzenhaven  kcBse- 
muiit  kostenkcBse ;  teicnapf  milchtopf  roumschüzzel  smerkübel  smer- 
stoezel  phannenstil;  bierbuch  biermider  bier zapfe  briuhaven;  mete- 
sac;  pfefferwin;  birnmost ;  suochentrunc  {vgl.suochenwirt)  slintenwin 
nztrinc  trinkezüz  nimmervol  vüUesac^  swelhinne  fiioder  wines; 
sptinginzguot  platzinzguot ;  kröpf gol  {vgl.  gol  gollen  Lexer  1,  1044. 
1045)  waschengiel  seichinzbette  seichinzpolster  tretenmtz  oder  tre- 
temutzel  (scortum)  usw.,  wozu  noch  kommen  die  Weingarten-  und 
weinnamen  Icerenbuch  netzenwisch  vrcerenwin  vüllenkeller  ziereti- 

*  verschieden  von  vüllensac  'räuber',  Lexer  3,  563;  vgl.  ebendaselbst 
den  beinamen  vülleschüzzel  'zum  füllen  bestimmte  schüssel'  und  hier  oben 
metesac;  alles  =  wanst. 


IN  ÖSTERREICH  97 

hell  uä.  fast  alle  führen  sie  uns  das  aufgehen  der  Altösterreicher 
in  heiterem  lebensgenuss,' und  zumal  die  durch  ihr  gesegnetes 
land  fast  herausgeforderte  ess-  und  trinkliist  redend  vor  äugen: 
wie  uns  auch  gedichte  dieser  gegenden,  so  gleich  der  Meier 
Helmbrecht  selbst,  dann  die  Helblingbüchlein,  aus  älterer  zeit  die 
kärnthnische  Genesis,  endlich  küchenaufzeichnungen  von  klöslern 
(Urkundenbuch  des  Stiftes  Kloslerneuburg  [Fontes  ii  10]  l,XLivf) 
über  die  lieblingsgerichte  des  Altösterreichers  weidlich  belehren: 
vgl.  Scherer  QF  1,  29.  66.  7,  44  und  Lichtenstein  im  Anz.  vir 
111 — 116.  bekannten  sich  die  übrigen  Deutschen  zu  dem  von 
Jacob  Grimm  gerne  erörterten  oder  selbst  gebrauchten  spruche 
selbe  tccte  selbe  habe  (MSF  85,  22.  vgl.  Mylh."  420.  980,  Anz.  x[ 
245,  Germ.  31,  88),  so  hielt  es  der  lebensfrohe  Österreicher  lieber 
mit  dem  'selbst  essen  macht  fett',  was  er  kurz  wird  gegeben 
haben  durch  seihe  zerl  ich  erlaube  mir  dies  unmafsgeblich  zu 
folgern  aus  einer  bei  Krems  an  der  Donau  gelegenen  curia  Selb- 
zerinne  (Stiftungenbuch  von  Zwetl  [Fontes  ii  3]  s.  556).  zunächst 
ist  selbezerinne  allerdings  femininum  zu  einem  schwachen  mascu- 
linum  selbezer  'selbslverzehrer',  wie  der  1282  erwähnte  laneus 
Vrezzinne  einer  Urkunde  des  Stiftes  Altenburg  am  Kamp  (Urkun- 
denb.  s.  26  nr  27)  das  femininum  zu  einem  schwachen  mascu- 
linum  vrezze  'fresser';  heidemal  ist  der  name  der  nach  ihrem 
manne  genannten  besitzerin  dem  hofe  oder  grundstücke  geliehen, 
wie  dies  in  österreichischen  acker-  und  Weingarten namen  so 
häufig  begegnet,  vgl.  auch  das  vorhin  angeführte  weibliche  swel- 
hinne  von  männlichem  swelhe  (Lexer  2,  1356).  die  belege  für 
die  oben  eingetragenen  bei-  und  Übernamen,  die  einmal  der  mhd. 
lexicographie  zu  gute  kommen  werden,  darf  ich  der  kürze  wegen 
wol  hier  sparen,  einige  derselben  mögen  ganz  ernsthaft  gemeint 
sein;  andere,  zumal  die  aus  imperativsätzen  gebildeten  sind  aus 
lust  zum  scherz  oder  aus  spottsucht  erzeugte  Spitznamen  (Gramm. 
2,  961  f).  bei  ihrer  grofsen  anzahl  und  ihrem  gar  nicht  seltenen 
erscheinen  nun  wäre  es  sonderbar  dass  die  von  dem  dichter  des 
Meier  Helmbrecht  gebrauchten  Spitznamen  in  Urkunden  fast  gar 
nie  zu  trelTen  sind,  folglich  wird  W'ernher  der  gärtner  diese 
seine  sobriquets  erfunden  haben:  wozu  freilich  er  so  wenig  als 
der  ihm  hierin  nachfolgende  dichter  der  Helblingbüchlein  seine 
erfindungsgabe  sehr  zu  bemühen  brauchte,  da,  wie  unser  Ver- 
zeichnis zur  genüge  dartut,  derlei  namenbildungen  in  der  luft 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  7 


98      BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATUR 

lagen,  gelingt  es  nun  doch  den  einen  oder  den  anderen  der  im 
Meier  Helmbrecht  verwendeten  Spitznamen  urkundlich  zu  er- 
bringen, so  wird  dies  als  zeugnis  der  lebendigen  kennlnis  und 
würkung  des  trefflichen  gedichtes  gelten  dürfen. 

Unter  den  Urkunden  des  im  viertel  ob  dem  Manhartberge  lie- 
genden prämonslrateuserstiftes  Geras,  das  um  die  mitte  des  xnjhs. 
von  dem  aus  einer  erzählung  der  Vita  Bertholdi  i  abbatis  Garstensis 
(bei  Pez,  Script,  rer.  austr.  2,  81  vgl.  Alwin  Schultz,  Höf.  leben 
1,  466)  bekannten  grafen  Ulrich  von  Pernegg  gegründet  ward, 
befindet  sich  ein  zu  Wien,  18  märz  1269  ausgestelltes  diplom, 
worin  graf  Heinrich  von  Hardeck  die  Schenkung  eines  bei  Pulkau 
gelegenen  Weingartens  an  das  stift  bezeugt,  unter  den  zeugen, 
die  sämmtlich  aus  der  umgegend  des  klosters  sind,  findet  sich 
als  vorletzter  Sifridus  Lemberslint  (Arch.  f.  künde  österr.  geschichts- 
quellen  1849  1,  37  f  nr  18). 

Das  bereits  erwähnte  Stiftungenbuch  von  Zwetl  verzeichnet 
s.  581  f  die  zinsungen  von  der  dem  kloster  gehörigen  pfarre 
Windigsteig,  einer  gegenwärtig  dem  politischen  und  gerichts- 
bezirke  Waidhofen  an  der  Thaja  zugeteilten  dorfgemeinde ,  mit 
dem  Zusätze  s.  582  hanc  ecclesiam  [Windistey]  hahemus  a  domino 
Alberone  Chunnringario  de  Weytra  fundatore  nostro  fidelissimo, 
qui  eam  monasterio  dedit  anno  domini  m".  c'cc.  iij.  unter  den 
der  genannten  pfarre  einverleibten  dörfern  steht  an  zweiter  stelle 
item  Chufrezz  villa,  dann  an  siebenter  item  Gentz  villa  circa  Chuef 
(1.  Chnefrezz).  danach  in  der  aufzählung  der  von  den  einzelnen 
dörfern  zu  leistenden  abgaben  Item  in  Chnefrezz  datnr  tercia 
pars  decime  usw.  das  hier  also  aus  dem  jähre  1303  nachge- 
wiesene dörfchen  ist  nicht  'unbekannt',  wie  Oesterley  aao.  s.  368" 
meint,  sondern  besteht  noch  unter  dem  namen  'Kühfressen'  in 
dem  oben  genannten  politischen  und  gerichtsbezirke  als  teil  der 
ortsgemeinde  Rafing.  seine  echte  alte  namenform,  wie  die  moderne 
aus  der  nach  österreichischer  art  am  ende  verstümmelten  urkund- 
lichen herzustellen  erlaubt,  wird  gelautet  haben  (dd  zem)  Küe- 
vrezzen.  mhd.  vrezze  ist  sonst  nicht  bezeugt,  nur  das  daraus 
movierte  jüngere  vrezzer  (Lexer  3,  506.  Nachtr.  398),  doch 
ahd.  frezo  in  filufrezo  (DWB  4',  132).  wie  wir  nun  das  letztere 
compositum  in  der  form  'vielfrafs'  haben,  nicht  anders  steht  im 
mhd.  vrezze  neben  vrdz,  und  Küevrezze  als  österreichische  um- 
formun"   zu  dem   vom  dichter   des  Meier  Helmbrecht   gewählten 


IN  ÖSTERREICH  99 

Küevrdz;  vgl.  oben  das  gleichfalls  österreichische  vrezzinne.  was 
ferner  die  Verwendung  eines  mannsnamen  im  daliv  sing,  als  Orts- 
name betrifft,  so  rechtfertigt  sie  sich  durch  die  iu  gebirgigen  und 
waldigen  gegenden  gebotene  art  der  besiedelung  in  sogenannten 
'einüden'  oder 'einschichten' (Lexer  1,527.  Nachtr.  138.  Schmel- 
ler^  1,  89.  2,  368)  d.  i.  einzeln  stehenden  häusern  oder  höfen, 
die  nach  ihrem  ersten  erbauer  oder  einem  späteren  besitzer  ge- 
nannt werden,  zumal  das  im  alten  'nordwalde'  liegende  obere 
Manhartviertel,  das  deshalb  schon  im  mittelalter  'der  wald'  hiefs 
(ze  wald  und  in  der  Ragzgegent ,  Helbl.  1,  167  mit  Karajans  an- 
merkung),  wimmelt  von  Ortsnamen,  welche  aus  mannsnamen  her- 
vorgegangen sind  und  den  letzteren  teils  im  genetiv  mit  ellipse 
von  hüs  oder  hof  zeigen  (nach  Gramm.  4,  260  f),  teils  ohne  alles 
weitere  im  dativ.  beispiele  erheischt  hier  nur  diese  zweite  art: 
dreu  lehen,  der  Itgent  zioai  datz  dem  Poppen,  Stiftungenbuch  von 
Zwetl  s.  422,  Urkunde  von  1309;  daz  guet  datz  dem  Otten  pei 
Glogniz,  ebenda  s.  658,  Urkunde  von  1306;  auf  einem  ceden 
dorf  datz  dem  Stoytzen,  ebenda  s.  673,  Urkunde  von  1328;  zehen 
pfunt  geltz  ze  dem  (Elzen,  von  dem  selben  guet  daz  dem  (Etzen, 
ebenda  s.  631,  Urkunde  von  1318;  ein  hof  dacz  dem  Pilgreim, 
Stiftungsbuch  des  nonnenklosters  SBernhard  bei  Krug  (Fontes 
n  6)  s.  266  nr  HO  von  1319.  wie  sich  beide  arten  vermischen, 
sieht  man  aus  s.  493  des  Stiftungenbuches  von  Zwetl,  wo  jenes 
Otten  bei  Gloggniz  aufgeführt  wird  als  Otten  uel  Ottleins  (=  Otte- 
lines).  so  bleibt  noch  die  wähl  eines  Spottnamen  für  den  zweck 
örtlicher  namengebung  zu  rechtfertigen,  hierfür  bieten  wider  die 
Manhartviertel  die  gewünschte  parallele  in  dem  namen  des  durch 
seinen  Weinbau  bekannten  dorfes  Bockfliefs  =  zem  Bocverliesen 
—  eine  bildung  wie  die  von  Jacob  Grimm  im  DWß  3,  1792  aus 
den  MB  beigebrachten  leipvliese  und  scazvliese.  die  genauen  nach- 
weise habe  ich  gegeben  in  den  Blättern  für  landeskunde  von 
Niederösterreich  1884  s.  416—419. 

Demnach  haben  aus  dem  Meier  Helmbrecht  wenigstens  Lem- 
berslint  und  Küevrdz  auf  das  bürgerliche  leben  der  bewohner  des 
niederosterreichischen  'waldviertels'  gewürkt.  ja  das  dorf  Küh- 
fressen hat  die  lebendige  kenntnis  dieses  gedichtes,  die  zu  unserer 
zeit  durch  die  forschung  erst  wider  neu  erweckt  werden  muste, 
um  mehrere  jhh.  überdauert,  die  Verbreitung  und  beliebtheit  des 
Meier  Helmbrecht  in  den  österreichischen  ländern  ist  uns  mehr- 

7* 


100    BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATUR 

•fach  bezeugt,  einmal  durch  die  stelle  bei  dem  steirischen  reim- 
chronisteu  s.  239'',  auf  die  schon  Haupt  Zs.  3,  279  aufmerksam 
machte;  dann  durch  die  nachahmungen  des  dichters  der  Helbling- 
büchlein,  der  für  seine  Schilderungen  des  treibens  im  leithause 
mit  der  Utgebinne,  sowie  der  Vorliebe  der  Österreicher  zum  rade- 
brechen fremder  mundarten  und  sprachen,  für  die  eingeschalteten 
küchenzettel,  raub-  und  requisitionsscenen,  endlich  selbst  für 
seine  Spottnamen  in  der  erzählung  Wernhers  die  entsprechenden 
Vorbilder  fand  (Schröder  Anz.  x  57  f  mit  beziehung  auf  Seemüller 
W'SB  1882  102,  639  f).  diesen  Zeugnissen,  welche  dem  ende  des 
xni  jlis.  angehören,  fügt  wenigstens  der  Sifridus  Lemberslint  von 
1269  ein  viel  älteres  hinzu:  er  weist  in  die  ersten  fünfundzwanzig 
jähre  nach  dem  erscheinen  des  c.  1245  ('nicht  vor  1246',  Schröder 
aao.  s.  58)  entstandenen  gedichles.  die  erwäbnung  des  dorfes 
Küevrezzen  zum  jähre  1303  ist  zwar  den  in  den  HelbHngbüchlein 
und  der  Reimchronik  vorhegenden  Zeugnissen  nur  etwa  gleich- 
zeitig: indes  da  der  ort  damals  nicht  erst  gegründet  ward,  son- 
dern jedesfalls  seit  einiger  zeit  schon  bestand,  schiebt  auch  er 
die  lebendige  würkung  des  Meier  Helmbrecht  in  Österreich  hinter 
die  zeit  des  Helblingdichters  und  des  steirischen  reimchronisten 
zurück  gegen  die  mitte  oder  mindestens  das  dritte  viertel  des 
xni  jhs.  wenn  nun  unsere  beiden  neuen  Zeugnisse  den  nieder- 
österreichischen  Manhartvierteln  entstammen ,  so  wird  darin  eben 
die  bedeutung  dieser  letzteren  für  die  geschichle  der  mhd.  lit- 
teratur  überhaupt  zu  worte  kommen,  was  in  Niederösterreich 
anteil  hat  an  dieser  litteratur,  es  versetzt  uns,  von  Wien  abge- 
sehen, nicht  in  die  auf  dem  rechten  ufer  der  Donau  liegenden, 
im  Süden  nach  den  alpen  verlaufenden  beiden  viertel  des  VViener- 
waliles,  sondern  in  die  dem  linken  Donauufer  angebörigen  und 
gen  norden  nach  Mähren  und  Böhmen  sich  erstreckenden  beiden 
Mauhartviertel.  man  halte  sich  nur  die  dichteruamen  vor:  der 
südliche  teil  des  landes  wird  da  nur  vertreten  durch  Heinrich 
von  Melk  im  xu,  Gotfrid  von  Totzenbach  und  vielleicht  Troesteliu 
(Haupt  zu  Neidh.  85,34)  im  xni,  Heinrich  von  Neustadt  im  xivjh.; 
der  nördliche  hingegen  durch  Ronrad  von  Fufsesbrunnen  (Feuers- 
brunn bei  Krems),  Rapot  von  Falkenberg,  den  Geltsere  (wegen 
der  von  ihm  erwähnten  herren  von  Mergersdorf),  Kol  von  Neunzen 
(hei  Zwell),  Reinmar  von  Zvveter  (Zwetl?)  und  <len  Litschauer. 
auch  Konraden  von  Haslau  wird    man  deshalb    lieber   einem  der 


IN  ÖSTERREICH  101 

beiden  orte  dieses  namens  im  Manhartgebiete ,  und  nicht  denen 
im  viertel  unter  dem  VVienerwalde  zuweisen,  desgleichen  'halte 
ich  Dietmarn  den  Sezzer  nicht  mit  Kummer,  Herrand  von  Wilden 
s.  64  zu  Soos  zwischen  Voslau  und  Baden  heimisch,  sondern  in 
einem  der  in  den  Manhartvierteln  liegenden  gleichnamigen  örtchen. 
die  belege  für  diese  Vermutung  gehören  nicht  hierher,  aber  jen- 
seit  der  Donau,  im  wald-  und  weinreichen  hügellande  des  Man- 
hartgebirges  safsen  die  mächtigsten  adels-  und  ministerialenge- 
schlechter  des  landes;  wenn  wo  im  lande  aufser  Wien,  so  war 
in  diesen  kreisen  auf  Verständnis  und  Vorliebe  für  die  poesie  zu 
rechnen;  aus  diesen  geschlechtern  giengen  denn  auch  die  wenigen 
Mäcenaten  hervor,  welche  der  mhd.  dichtung  in  Niederosterreich 
erstanden  und  die  dann  der  Helbliugdichter  sowie  Sigeher  und 
der  Freudenleere  zu  preisen  hatten,  die  Hardecker,  die  Kuenringer, 
die  Preufsel  (Kummer  aao.  s.  63,  Seemüller  WSB  1882  102,  586); 
eben  dieselben  geschlechter  werden  auch  gefeiert  in  den  nicht 
etwa  lateinisch  sondern  deutsch  abgefassten  reimchroniken  von 
klöstern  dieses  landstriches,  der  Chronik  von  Zvvetl  und  der  von 
SBernhard  bei  Krug;  und  wenn  es  wahr  ist,  was  einst  der 
römische  dichter  behauptete,  dass  Mäcenaten  Maronen  wecken, 
so  mag  die  teilnähme  an  der  litteralur,  welche  die  niederöster- 
reichischen herren  auf  der  nordseite  des  landes  vor  denen  auf 
der  Südseite  auszeichnete,  den  verhältnismäfsigen  reichtum  an 
dichternamen  auf  dieser  nordseite  erklären  helfen,  sehen  wir 
ferner  nach  dem  erlöschen  der  Babenberger,  ja  zum  teil  noch 
vor  demselben  die  dichter  vom  Wiener  hofe  weg  sich  nach  dem 
seine  bedeutung  erbenden  böhmischen  wenden  und  diesen  letzteren 
zu  einem  neuen  mittelpuncte  der  litteratur  erheben,  so  war  ihnen 
durch  jene  Sänger  aus  den  Manhartvierteln  und  durch  den  da- 
selbst hausenden,  zu  Böhmen  in  vielfachen  bcziehungen  stehenden 
adel  vorlängst  der  weg  bereitet,  ja  im  Litschauer ,  dessen  Vater- 
stadt hart  an  der  böhmischen  gränze  liegt  (vgl.  Martin  Anz.  ni  107) 
und  den  nördlichsten  punct  darstellt,  den  die  mhd.  poesie  in 
Österreich  erreichte,  ist  gewisser  mafsen  über  jene  gränze  hinaus- 
gewiesen nach  land  und  hof  der  Przemysliden.  ansprechend  hat 
daher  jüngst  ESchröder  Zs.  29,  354  —  357  auf  die  Verbindungen 
der  Hardecker  als  burggrafen  von  Dewin  mit  der  kröne  Böhmen 
hingedeutet  und  für  den  mitteldeutsch  dichtenden  Verfasser  der 
Wiener  meerfahrt  böhmische  abstammung  vermutet,     doch  siehe 


102     BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DER  MHD.  LITTERATUR 

jetzt  Toischers  einrede  Zs.  30,  212 — 214.  ich  mache  noch  aui- 
merksam  dass  die  erwähnung  des  als  dichter  ganz  unbedeuten- 
den Dietmars  des  Sezzers  in  einer  Colmarer  chronik  als  vaga- 
bundi  dicti  Secere  (Haupt  Zs.  6,  399)  sich  leichter  begreift,  wenn 
wir  annehmen  dass  sein  name,  der  hd.  doch  Säzcere  oder  Sez- 
zwre  lauten  muste  —  vgl.  das  schwanken  zwischen  sdze  und  sez, 
umbesceze  und  umhesezze,  vrdz  und  vrezze  (vorhin  s.  98  1)  — , 
auf  dem  wege  über  Böhmen  in  der  mitteldeutschen  form  Sezere 
oder  Sezzere  dem  mittleren  und  westlichen  Deutschland  über- 
liefert ward. 

Um  die  bedeutung  der  Manhartviertel  für  die  geschichte  der 
mhd.  litteratur  zu  vollenden,  will  zuletzt  noch  angeschlagen  sein, 
dass  auch  das  aus  dem  Fraueudiensle  bekannte  von  1209 — 1273 
nachweisbare  geschlecht  von  AnscJwiiwe,  dessen  name  das  im  Vor- 
dergründe von  Wolframs  Parzival  und  Titurel  stehende  französi- 
sche fürstengeschlecht  von  Anjou  widerholt  (vgl.  Scherer  QF  12, 
140  anm.),  diesem  nordwestlichen  teile  des  landes  unter  der  Enns 
angehörte,  das  in  der  fehde  herzog  Albrechts  i  von  Österreich 
gegen  die  wider  ihn  verschworenen  vier  landherren  1296  zer- 
störte castnmi  Anschowe  (Coutiuuatio  Zwetl.  in  in  MG  SS  9,  658) 
lebt  fort  in  dem  wol  auf  seiner  statte  erbauten  dörfchen  Anschau, 
welches  zur  gemeinde  Traunstein  im  gerichtsbezirke  Oltenschlag 
und  politischen  bezirke  Zwetl  gehört  und  auf  waldiger  berges- 
höhe  nahe  dem  Ursprünge  des  kleinen  Kamps  gelegen  ist.  über 
das  geschlecht  von  Anschau  gibt  nach  Wissgrill  (Schauplatz  des 
niederösterreichischen  adels  1,  137  f,  vgl.  Karajan  zu  Liecht. 
67,  24)  jetzt  weitere,  doch  weder  erschöpfende  noch  sichere 
auskunft  lierr  FWöber  in  seinem  die  phantasien  eines  AvSpaun 
noch  hinter  sich  lassenden  bUchlein  Die  Reichersberger  fehde  und 
das  Nibelungenlied  (Meran  1885)  s.  143—150.  die  art  zumal, 
auf  die  er  die  niederösterreichische  bürg  Anschau  in  Wolframs 
Parzival  widerfindet  —  nämlich  den  Sachverhalt  gerade  umkehrend 
als  Vorbild  des  Anschouwe  der  dichtung  — ,  ist  so  wenig  ernst 
zu  nehmen  wie  seine  übrigen  Schlussfolgerungen,  da  die  sache 
für  die  geschichte  der  Verbreitung  des  Parzival  nach  Österreich 
Wichtigkeit  besitzt  —  um  1205  erschienen  die  ersten  sechs  bücher 
dieses  gedichtes,  und  bereits  1209  findet  sich  der  im  Frauen- 
dieuste  zum  jähre  1224  erwähnte  Rüdiger  von  Anschau  urkund- 
lich — ,  so  verdiente  sie  wol  eine  sorgfältigere  Untersuchung,  die 


IN  ÖSTERREICH  103 

ich  im  augenblicke  zu  geben  niclit  vorbereitet  bin.  ich  begnüge 
mich  darauf  hinzuweisen  dass,  was  für  die  identität  des  nieder- 
österreichischen Anschau  mit  dem  in  Wolframs  dichtung  seiner- 
seits an  die  Steiermark  geknüpften  franzosischen  Anjou  entschei- 
dend ist,  die  formen  für  beide  namen  zwischen  einer  an  das  mhd. 
femininum  anschouwe  gelehnten  und  einer  durch  ein  epenthelisches 
t  zu  Antschoiiwe  verhärteten  schwanken,  darüber  belehrt  sofort 
ein  blick  in  die  betreffenden  stellen  bei  Wolfram  mit  Lachmanns 
kritischem  apparat,  wie  in  die  Urkunden,  worin  Anschauer  auf- 
treten, für  die  umdeutung  auf  mhd.  anschomce  (Lexer  1,  76.  DWB 
1,  434  f)  kommt  zu  bemerken  dass  dasselbe  wort  gerade  aus 
bairisch-österreichischen  quellen  sich  bietet  und  vom  steirischen 
reimchronisten  formelhaft  verwendet  wird:  in  solher  schcener  an- 
schouwe 115^.    in  kosteUcher  anschouwe  ßlO''. 

Wien,  october  1885.  RICHARD  MÜLLER. 

SEGEN. 

Die  kenntnis  nachstehender  segen  verdanke  ich  hm  prof. 
F Wieser,  der  dieselben  ans  dem  cod.  Pal.  lat.  832  der  Vaticana 
abschrieb ,  wo  sie  bl.  83  zwischen  ganz  heterogenen  aufzeichnungen 
von  einer  hand  des  xv  jhs.  eingetragen  sind,  verschiedene  fas- 
sungen  derselben  kennen  wir  bereits  ans  anderen  hss.,  doch  weicht 
unser  text  von  diesen  nicht  unbedeutend  ab  und  das  erste  stück, 
der  Wassersegen,  scheint  mir  entschieden  älteren  character  bewahrt 
zu  haben  als  andere  aus  demselben  jh.  stammende  niederschriften. 
man  vergleiche  besonders  Zs.  20,  22  f  und  zum  nachfolgenden  Lon- 
ginussegen  ebenda  s.  24,  sowie  11,  308  und  30,  88. 

Ich  gesene  dich  hüde  dv  vermaledite  wfinde  mit  der  ieligen 
(? heiligen)  karitaten,  daz  dö  lafses  dine  swellen  sin,  daz  dv  lafses 
din  rifsen  sin,  daz  dfl  lafses  din  vliefsen  sin.  alle  vnkeuschheit 
soll  dv  lafsen,  Ez  si  vor  den  spinnen,  Ez  si  vor  den  vliegen, 
vor  allen  vnki'indigen  wormen.  Waz  der  wunden  schade  sy,  daz 
müfse  allez  dot  sin.  daz  sy  war  in  dez  heiligen  cristus  namen 
Amen. 

So  wurffet  man  wafser  in  die  wonden.  Vnsers  herren  godis 
heiligon  wonden  die  heilten  wol  von  gründe,  da  in  geslüg  nie 
kein  vngh'icke  —  also  müfse  zv  dirr  wonden  dvn.  daz  sy  war 
in  dez  heiligen  cristus  namen  Amen.    Wafser  drin.    Vnsers  heren 


104  SEGEN 

godis  gebenedielen  wooden  sy  enswolleo ,  sy  ensworen ,  sy  en- 
stunken,  sy  eorochen,  sy  ensmakten,  sy  enfiilteo,  da  in  slög  nie 
vnglöcke;  also  miifse  auch  zu  dirr  wonden  dvn.  daz  werde  war 
in  dez  heiligen  cristus  namen  Amen,  fünf  pater  noster  vü  fünf 
aue  mar.  vnd  zwo  messen,  ein  von  vnser  frawen  vnd  die  ander 
von  vnsers  herren  fiinf  wonden. 

In  dem  namen  dez  vatters  f  vnd  dez  sons  f  vnd  dez  hei- 
ligen geist  f  longinus  ein  Jude  war,  der  vnsern  herren  in  sin 
hercze  stach;  vz  der  wonden  ging  wafser  vnd  bißt;  daz  wafser 
ist  vnser  daufe,  daz  blut  ist  vnser  losunge.  als  werlich,  alz  daz 
war  ist,  alz  mufse  daz  ysen  her  vz  gen,  des  helfe  vns  der  vader 
■f  vnd  der  son  f  vnd  der  heilige  geist  Amen,  spriche  daz  dri- 
werbe  vnd  ein  pater  noster  vnd  ein  Aue  maria;  efse  auch  kein 
vleisch  an  dem  samzdage  vnd  huete  dich  vor  frawen  an  dem 
selben  dage,  so  hilfet  dir  got. 

Graz,  jänner  1886.  OSWALD  ZINGERLE. 


QUELLENNACHWEISE  ZU  LESSING. 

Lessings  gedieht  Das  musler  der  eben  (Lachmann-  i  133) 
ist  nicht,  wie  Erich  Schmidt  i  94  meint,  die  bearbeitung  einer 
fabel  von  Geliert,  sondern  eine  z.  t.  wörtliche  Übersetzung  von 
Popes  gedieht  On  a  certain  lady  at  court  (Poetical  werks  of  APope, 
Edinburgh,  s.  435);  der  anfang  lautet:  /  knoio  the  thing  that's 
most  nncommoii;  der  schluss  The  woman's  deaf,  and  does  not  hear. 
Popes  epigramm  gilt  also  nur  der  frau,  Lessings  der  ehe.  da- 
durch wird  die  tautologie  der  engl,  schlusszeile  beseitigt. 

Ferner  beruht  seine  erzählung  Der  eremit  (ebd.  140)  aller- 
dings zum  teil  auf  d'Argeiis  Lettres  juives,  hat  aber  mit  Lafontaine 
wol  nichts  zu  tun.  in  den  beiden  erzählungen,  die  ESchmidt 
I  91  anzieht,  ist  auch  die  pointe  eine  ganz  andere,  vielmehr  hat 
Lessings  Poggios  erzählung  Eremita  (Poggii  Facetiarum  libellus, 
Londini  1798,  s.  151)  in  verse  gebracht,  der  schluss  lautet  dort: 
Dnx  in  maximum  risum  est  conversus,  rede  factum  esse  dicens, 
nt ,  qui  tanta  volnptate  reliquorum  maculas  audiebat,  et  ipse  in 
eorum  coetnm  adduceretur.  Lessiug  mag  wol  an  jene  landsleute 
gedacht  haben,  welche  seinen  Leipziger  lebenswandel  beschnüf- 
felten. RICHARD  M.  MEYER. 


PUPPENSPIEL  VOM  DOCTOR  FAUST  105 


DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 
VOM  DOCTOR  FAUST. 

Dem  im  folgenden  veröffentlichten  texte  des  Puppenspiels  vom 
doctor  Faust  liegen  drei  hss.  zu  gründe ,  die  ich  vor  zwei  jähren 
hei  Berliner  puppenspielern  aufgefunden  und  mit  erlauhnis  der 
besilzer  abgeschrieben  habe,  ich  habe  damals  ganz  Berlin  nach 
neuen  hss.  des  Puppenspiels  abgesucht ,  leiderboten  aber  alle,  deren 
ich  habhaft  loerden  konnte,  dieselbe  fassung ,  allerdings  mit  be- 
deutenden abiceichungen.  der  erste  von  den  puppenspielern,  mit 
dem  ich  —  vermittels  des  wohnungsanzeigers  —  bekannt  wurde, 
war  ein  bruder  des  allen  älteren  Berlinern  xcolhekannten  Linde, 
mein  erster  besuch  war  ganz  erfolglos,  schon  die  aufßndung  der 
lüohnung  machte  unerwartete  Schwierigkeiten,  und  als  ich  die  ärm- 
liche Stube  glücklich  in  einem  hinterhause  entdeckt  hatte,  fand  ich 
den  mann  auf  dem  krankenhett,  im  äufsersten  grade  argwöhtiisch 
und  augenblicklich  gar  nicht  einmal  im  besitze  der  hs.,  da  die  er- 
wachsenen kinder  in  der  Stadt  spielten,  ich  muste  zufrieden  sein, 
dass  man  mir  widerzukommen  erlaubte  und  mir  die  hss.  zu  zeigen 
versprach,  merkwürdiger  weise  wurde  von  diesen  leuten  trotz  allem 
argwöhn  auch  nicht  der  geringste  versuch  gemacht,  mir  das  Vor- 
handensein der  hs.  zu  verheimlichen,  es  ist  der  einzige  fall  der 
art ,  dessen  ich  mich  erinnere:  alle  übrigen  puppenspieler ,  die  ich 
besucht  habe  —  ein  gutes  halbes  dutzend  — ,  erklärten  zunächst, 
anscheinend  sehr  verwundert ,  sie  hätten  nie  eine  hs.  besessen,  alle 
bis  auf  einen  liefsen  sich  aber  nachher,  wenn  ich  erklärte  dass 
dieser  kniff  schon  lange  nicht  mehr  neu  sei,  ohne  weiteres  zum 
widerruf  bewegen  und  gaben  in  mehr  oder  minder  offenherziger 
weise  beschreihungen  der  hs.  oder  gar  die  hs.  selbst. 

So  stellte  mir  ein  gewisser  Wolfram,  sm  dem  ich  gleich  nach 
dem  ersten  besuch  bei  Linde  gieng ,  nachdem  er  sich  überzeugt  hatte 
dass  ich  nicht  seiner  zunft  angehörte,  ohne  weitere  bedingungen 
zwei  hss.  zur  Verfügung,  die  beide  unbenutzt  neben  lumpen  und 
knochen  und  anderen  appetitlichen  dingen  —  der  mann  ist  nebenher 
lumpensammler  —  ihr  dasein  vertrauerten,  eine  ältere  und  eine 
jüngere,  eine  dritte  hatte  er  vor  einiger  zeit,  wenn  ich  nicht  irre, 
nach  Görlitz  verkauft,  die  jüngere  hs.  glich  der  älteren  so  auf 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  8 


106       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

ein  haar,  dass  ich  auf  sie  verzichtete,  zumal  Wolfram  versicherte, 
sie  sei  mir  eine  ahschrift  der  älteren,  die  letztere  stammt  aus 
dem  anfang  dieses  Jahrhunderts  und  ist  von  einem  puppetispieler 
Wähnert  geschrieben,  'dem  älteren  Wähnert',  loie  Wolfram  sagte. 
sie  ist  viel  benutzt,  wie  die  abgegriffenen  ränder  und  der  massen- 
hafte schmutz  in  den  ecken,  wo  die  finger  beim  umwenden  gelegen 
haben,  beweisen,  der  anfang  hat  stark  gelitten ;  der  schade  ist  in- 
des nicht  grofs,  da  die  beschädigten  Seiten  fast  nur  das  Vorspiel 
enthalten,  das  durch  entlehnungen  aus  Klingers  Faustroman  ohne- 
hin ganz  entstellt  ist.  diese  hs.  werde  ich  im  folgenden  als  B  n 
anführen,  manche  stellen  sind  durch  neuere  abschriften  ersetzt, 
mitunter  ist  auch  gestrichen,  weil  bei  späteren  aufführungen 
kürzungen  vorgenommen  wurden. 

Sein  versprechen,  mir  noch  andere  hss.  zu  verschaffen,  hat 
Wolfram  leider  nicht  gehalten. 

Als  ich  nach  diesem  erfolge  zum  zweiten  male  zu  Linde  kam, 
waren  die  kinder  zu  haus,  und  man  schien  auch  hier  mehr  zu- 
trauen zu  mir  gefasst  zu  haben,  ich  bekam  die  hs.  zur  einsieht, 
sollte  sie  aber  nicht  mitnehmen,  selbstverständlich  war  aber  meine 
aufmerksamkeit  in  dem  stark  überheizten  räume,  der  zugleich 
wohn-,  schlaf-,  krankenzimmer  und  küche  war,  nur  eine  sehr  ge- 
teilte, und  ich  versuchte  auch  diese  hs.  mit  nach  haus  zu  bekommen, 
was  mir  denn  auch  nach  langem  bitten  und  verhandeln  schliefslich 
gelang,  die  hs.,  die  ich  B  iii  nennen  will,  ist  jung  und  von  den 
drei  hier  verwerteten  die  schlechteste,  sie  hat  das  Vorspiel  gar 
nicht  und  zeigt  im  stück  selbst  viele  änderungen  (über  das  Ver- 
hältnis der  hss.  s.  u.). 

Mein  dritter  gang  war  vollständig  erfolglos,  und  alle  be- 
mühutigen  an  demselben  orte  haben  mir  nichts  eingebracht  als  müde 
beine  und  einigen  ärger,  der  puppetispieler ,  dem  ich  hierfür  zu 
danken  habe,  heifst  Handt.  er  wohnte  damals  in  der  Hasenheide, 
auch  er  gab  zu  —  oder  vor?  — ,  eine  alte  hs.  von  seinem  grofs- 
vater  Schmilion,  loenn  ich  recht  verstanden  habe,  zu  besitzen,  er- 
zählte von  alten  theaterzetteln ,  die  ich  bekommen  sollte,  tisw., 
händigte  mir  aber  schließlich  weder  zettel  noch  hs.  ein,  trotzdem 
ich  ihn  darum  in  einer  weise  gebeten  habe,  dass  es  jeden  anderen 
hätte  erweichen  müssen,  auch  geld  wollte  er  nicht,  schliefslich 
habe  ich  dann,  da  die  frau  einmal  sagte,  ihr  'oller'  hätte  ja  gar 
keine  hs.,   und  da  mir  die  ganze  suche   nachgerade  uninteressant 


VOM  DOCTOR  FAUST  107 

wurde,  eine  erneute  einladung  von  seilen  der  frau  unbeachtet  ge- 
lassen und  auf  die  hs.,  an  deren  dasein  ich  allmählich  zu  zweifeln 
anfieng ,  verzichtet,  der  mann  icar  das  letzte  mal,  als  ich  ihn 
aufsuchte,  nicht  zu  haus,  vielleicht  ist  ein  anderer  glücklicher 
als  ich. 

Einen  ähnlichen  ausgang  hatte  ein  besuch  bei  der  witwe  des 
verstorbenen  Linde,  jetzt  frau  Schmidt:  diese  dame  erklärte  mir, 
sie  wollte  die  Sachen  selbst  herausgeben,  und  machte  so  sehr  den 
eindruck  eines  entschiedetien  characters,  dass  ich  nicht  weiter  in  sie 
drang,  spätere  mitteilungen  über  sie  von  Seiten  ihrer  früheren 
standesgenossen  haben  mich  in  der  ansieht ,  dass  dies  das  richtigste 
war,  nur  bestärkt. 

Bald  darauf  entdeckte  ich  in  einem  anderen  wohnungsanzeiger 
den  namen  des  alten  Schlüssel,  der  mir  von  allen  puppenspielern 
den  besten  eindrucJc  hinterlassen  hat.  die  übliche  abläugnung  der 
hs.  erließ  er  mir  zwar  auch  nicht ;  als  ich  mich  aber  über  meinen 
stand  genügend  ausgewieseyi  hatte,  durchsuchte  er  alles,  um  die  hs.; 
die  endlich  ganz  unten  unter  den  puppen  und  theatereinrichtungen 
zum  Vorschein  kam,  aufzufinden,  stellte  mir  dieselbe  auf  unbe- 
stimmte zeit  zur  Verfügung  und  verkaufte  sie  mir  zuletzt  mit 
mehreren  anderen,  die  hss.  befinden  sich  gegenwärtig  im  besitze 
prof.  Scherers,  in  dessen  auftrug  ich  sie  gekauft  habe. 

Diese  hs.  ist  von  den  Fausthss.,  die  ich  gesehen  habe,  die 
älteste,  geschrieben  ist  sie  von  einem  puppenspieler  Froloff.  Schlüssel 
wollte  sie  von  seinem  grofsvater  geerbt  haben,  auf  dem  deckel  ist 
noch  eine,  allerdings  undeutliche  spur  des  censurvermerks  zu  sehen, 
die  nach  Schlüssel  in  die  ersten  jähre  unseres  jhs.  zurückführt, 
die  hs.  ist  auf  jeden  fall  so  alt.  auch  hier  sind,  wie  bei  der  Wolf- 
ramschen  hs.,  manche  teile,  zb.  das  Vorspiel,  mir  in  jüngeren  ab- 
schriften  erhalten,  die  eine  nach  inhalt  und  stil  abweichende  dar- 
stellung  zeigen,  an  einigen  stellen  sind  sogar  scenen  aus  einem 
ganz  anderen  stücke  —  einer  schauertragödie  voll  gift  und  mord 
mit  dunklen  anklängen  an  Goethe  —  hineingearbeitet,  bezio.  auf 
besonderen  blättern  für  durchstrichene  oder  atisgefallene  stücke  der 
alten  hs.  aufgenommen,     ich  nemie  diese  hs.  im  folgenden  B  i. 

Die  auffindung  dieser  alten  hs.  war  mein  letzter  'erfolg', 
nachforschungen,  die  ich  nach  amoeisung  des  oben  erwähnten  Handt 
unternahm,  misglückten  vollständig,  einmal  kam  ich  sogar  in  den 
verdacht,  auf  ein  par  alter  fausthandschuhe  (statt  einer  Fausths.) 

8* 


108       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

jagd  zu  machen;  so  wenig  wüste  die  person,  an  die  ich  gewiesen 
war,  von  der  sache.  ein  puppenspieler  Kallista  hatte  ausnahms- 
weise würklich  keine  hs.  sie  war  ihm  nämlich  gestohlen,  ich 
hatte  ihm,  da  er  sich  anbot,  auftrug  gegeben,  mir  von  seinen  be- 
kannten hss.  zu  verschaffen,  da  er  aber  nur  hss.  zu  kennen 
schien,  die  auf  die  Bonneschkysche,  also  auf  Berlin  zurückführten, 
so  habe  ich  ihn  nicht  weiter  bemüht,  als  er  nichts  wider  von  sich 
hören  liefs. 

Eine  ganz  schlechte  hs.  habe  ich  noch  gegen  meinen  willen 
und  ohne  irgend  welchen  nutzen  gekauft,  ohne  sie  gelesen  zu  haben, 
sie  befand  sich  im  besitz  des  puppenspielers  Klingemann,  der 
mann  hatte  sie  mir  schon  zur  einsieht  gegeben,  als  er  von  'muttern' 
durch  ich  weifs  nicht  welche  häusliche  Zeichensprache  auf  das  mehr 
als  leichtsinnige  dieses  Streichs  hinter  meinem  rücken  aufmerksam 
gemacht  wu7'de.  er  erhob  nun  mit  einem  male  Schwierigkeiten, 
geld  als  pfand  wollte  er  nicht  nehmen,  irgend  welche  papiere  hatte 
ich  nicht  bei  mir,  und  so  erstand  ich  denn  die  Urschrift  der  zu- 
erst hervorgeholten  hs.  für  dasselbe  geld,  das  ich  dem  manne,  wenn 
er  mir  die  hs.  geliehen  hätte,  für  seine  freundlichkeit  gegeben  haben 
würde,  die  hs.  ist  ein  ganz  junges  machwerk,  vielleicht  des  hm  K. 
selbst,  der  mir  mit  grofsem  stolz  erzählte,  er  mache  die  suchen 
selbst  zurecht,  zum  teil  nach  gedruckten  büchern.  in  diesem  falle 
war  die  im  folgenden  abgedruckte  fassung  die  vorläge,  diese  hs. 
verzeichnet  auch  die  kostüme  und  'rekuisiten' . 

Handschriften  Verhältnis. 
Von  den  drei  hss.  steht  die  Wähnertsche  (B  ii)  der  jüngeren 
hs.  des  ELinde  (B  iii)  näher  als  der  ungefähr  gleich  alten  Froloff- 
schen  (B  i).  beweisend  dafür  sind  zb.  folgende  stellen:  in  Fausts 
monolog  und  in  der  ersten  scene  zwischen  Wagner  und  Faust 
bieten  beide  hss.  (B  ii  und  iii)  zweimal  die  Schreibung  Nicoroiandi, 
6es.  Nicormandie(-a),  gegenüber  dem  richtigen  Nicromanüa  in  B  i, 
das  sich  später  auch  in  den  beiden  anderen  hss.  findet,  in  Kaspers 
erstem  monolog  reden  beide  hss.  am  ende  von  einem  Paar  Poutel- 
lieo  (ßultaillen  B  iii)  Kuoblauchswürste.  in  der  beschwörungs- 
scene  bringt  Faust  ein  band  mit  hieroglyphen  mit:  Bi  redet,  wie 
die  übrigen  fassungen,  nur  von  einem  zauberkreis,  gleich  am 
anfang  derselben  scene  sagt  Faust  in  B  i: durch  die  Theo- 
logie lerute   ich  Gott   und  die  Meuscheu  kenueo;   B  n.  in  fügen 


VOM  DOCTOR  FAUST  109 

hinzu  auch  schätzen,  eberula  sagt  Faust,  er  habe  gelernt,  die  trug- 
gestalten zu  erkennen,  die  die  menschen  umgeben,  ß  ii.  iii  haben 
dafür  ein  unverständliches  annehmen,     in   derselben  scene  fragt 

Faust  den  Mephistophles bist  du  bereit  mir  zu  dienen?, 

und  in  Bi  antwortet  M.  darauf  richtig:  Mein  Fürst  der  Herrscher 
der  Hülle,  schickt  mich  deshalb  hierher  um  dich  (sol)  zu  dienen, 
Befehle,  in  B  ii  ujid  ni  folgt  statt  dessen  eine  langatmige  Schil- 
derung der  Vorgänge  im  höllischen  reiche  (vgl.  Vorspiel)  nach 
Klinger:  Mein  Fürst,  der  Herrscher  der  Hölle  hatte  durch  schreck- 
lichen Hörnerschall,  der  an  der  glühenden  Scheibe  der  Sonne 
wiederlönte,  allen  gefallenen  Geistern  auf  der  Ober-  und  in  der 
Unterwelt  kundthuen  lassen,  dass  usw.  erst  am  Schlüsse  dieser 
erzählung  erklärt  Mephistophles ,  ohne  sich  auf  Fausts  frage  zu 
beziehen,  seine  bereitwilligkeit ,  ihm  zu  dienen,  man  sieht  hier 
deutlich  dass  beide  hss.  einen  jüngeren  text  bieten  als  B  i,  also 
verwandt  mit  einander  sind,  eine  ähnliche  bereicherung  des  älteren 
textes  nach  Klinger  findet  sich  übrigens  auch  im  ersten  Faustmonolog 

in  beiden  hss.    Faust  sagt  hier  ua.: und  noch  schwankte 

ich  immer  zwischen  Ewigkeit  und  Verdammniss  usic.  der  Schreiber 
von  X  (^  vorläge  von  Bu  und  Bm)  hatte  aber  an  diesem  schwanken 
noch  nicht  genug  und  entlehnte  weiter  aus  Klinger :  Noch  schwangt 
(so!  in  B  II  sowol  als  in  ß  in)  die  Zunge  der  Wage.  In  dieser 
Schale  tanzen  leicht  Religion  und  ihre  Stütze,  die  Furcht  vor 
der  Zukunft  usw.  (vgl.  die  lesarten  zu  der  stelle),  beide  hss. 
haben  vor  der  Unterzeichnung  des  Vertrags  für  die  echten  worte 
des  abmahnenden  genius  und  des  verführenden  teufeis  eine  stelle 
eingeführt,  die  ursprünglich  an  den  schluss  des  Faustmonologs  ge- 
hört; es  ist  die  stelle,  an  der  der  gute  und  böse  genius  um  Fausts 
seele  streiten;  in  B  i  hat  sich  in  Übereinstimmung  mit  den  anderen 
fassungen  wenigstens  eine  Strophe  erhalten,  die  andere  ist  aller- 
dings ausgefallen ,  denn  der  teufel  tritt  hier  nicht  redend  auf:  auf 
jeden  fall  folgt  aber  B  i  der  alten  Überlieferung.  —  nachdem  der 
vertrag  unterzeichnet  ist,  folgt  in  Bi  ein,  soviel  ich  weifs,  in 
keiner  anderen  fassung  vorkommender  spärlicher  rest  einer  von 
Marlowe  herstammenden  Unterredung  über  übernatürliche  dinge, 
es  heifst  hier  (in  B  i): 

Mephis.     Jetzt  Faust  befehle,  wie  kann  ich  dir  dienen, 
Faust.     Mephistoples   sage   mir,   gehört  meine   Seele   noch 
dem  Ewigen  ? 


110       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Mephis.  Erweifs  nichts  mehr  von  dir,  denn  du  verschriebst  msm?. 
Bei  Marlowe  hei f st  es   nach  der  unterschreibung  des  Vertrags 
in  Müllers  Übersetzung  (die  etiglische  ausgäbe  ist  mir  gerade  nicht 
zur  hand): 

Mephostophilis :  Faust,  giebst  du  dies  als  deine  Hand- 
schrift mir? 

Faust.     Ja ,  nimm ,  und  lass  den  Teufel  dir's  bezahlen. 
M.     So,  Faust,  nun  fordere  nur,  was  dir  beliebt  (vgl.  B  i: 
Jetzt  Faust  befehle,  wie  kann  ich  dir  dienen). 

F.  Zuerst  will  ich  dich  nach  der  Hölle  fragen  wsu>. 
Ich  meine,  es  kann  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  B  i  hier  würk- 
lich  auf  das  englische  stück  zurückgeht.  B  u  und  B  in  haben  statt 
dieser  alten  scene,  wider  im  anschluss  an  Klinger,  die  folgenden 
Worte:  Nun,  Faust,  jetzt  gehören  wir  uns  beide  an,  dein  Nähme 
glänzt  nun  schon  an  den  Pforten  der  Hölle  usw. 

Als  Mephistophles  Faust  klar  macht,  dass  er  ihm  nicht  12, 
sondern  24  Jahre  gedient  habe,  sagt  er  in  Bi:  Auch  wird  dir  be- 
kannt sein,  dass  der  Tag  12  Stunden,  und  die  Nacht  12  Stunden 
hat,  folglich  ist  jeder  Tag  zu  2  Tage  gerechnet,  und  diese  12  Jahre 
machen  nach  meiner  Berechnung  24  Jahre  aus  usw.  der  Schreiber 
von  X  irrte  hier  ab  und  schrieb,  indem  er  aus  der  tiefer  stehenden 
zeile  ein  zu  einfügte,  dass  der  Tag  zu  12  Stunden  und  die  Nacht 
12  Stunden  hat  (so  noch  in  B  u),  und  B  m  änderte  das  in  dass 
der  Tag  zu  12  Stunden  und  die  Nacht  auch  zu  12  Stunden  ge- 
rechnet wird. 

Die  Strophe  des  nachtwächterliedes ,  die  um  11  uhr  gesungen 
wird,  lautet  in  B  i: 

Hört  ihr  J unfern  und  lasst  euch  sagen 
Wenn  euch  jemand  sollte  fragen 
Ob  ihr  vvürklich  noch  Junfern  seid. 
So  sagt  nur  ja,  es  thut  uns  leid, 
Hat  11  geschlagen,  Tralalalalala  (ab). 
B  II  und  B  in  haben   beide  gegen  den  reim: 
Ob   ihr  einen  Mann  wollt  haben. 
So  sprecht  nur  ja!    und  seid  gescheidt. 
Hat  11  geschlagen,    lalalalala  usw. 
es   ist   dies   natürlich   eine   änderung   des   Schreibers  von  X,   dem 
der  andere  vers  zu  unanständig  war. 

An  mehreren  der  angeführten  stellen  scheint  es,  als  ob  B  in, 


VOM  DOCTOR  FAUST  Hl 

da  sie  in  B  u  auftretende  fehler  geändert  hat,  aus  dieser  hs.  ge- 
flossen sei;  aber  es  scheint  auch  nur  so.  diese  fehler  waren  fehler 
der  hs.  X,  die  sich  in  B  ii  erhielten,  während  B  in  sie  verbesserte. 
B  III  weicht  nämlich  mehrfach  von  B  ii  ab  und  geht  mit  der  ihr 
ferner  stehenden  hs.  B  i,  sie  kann  also  nicht  aus  B  ii  abgeleitet 
sein:  so  fragt  zb.  bei  der  abfahret  nach  Italien  Faust  den  Mephi- 
siophles,  wie  er  ihn  so  schnell  nach  Italie7i  bringen  könne,  und 
M.  antwortet  in  B  ii :  Hast  du  vergessen,  dass  ich  so  geschwind 
bin,  wie  der  Mensch  in  Gedanken?,  ß  iii  aber  hat  richtig,  wie 
B  i,  wie  des  Menschen  Gedanken,  ferner  fahren  Faust  und 
Mephistophles  in  B  n  aiif  dem  schon  im  ältesten  volksbuche  ge- 
nannten luftmantel  nach  Italien;  in  B  m  wird  die  abfahrt,  wie 
in  B  i,  hinter  die  scene  verlegt,  in  der  scene  zwischen  der  herzogin 
und  Faust  sagt  diese  zu  F.  in  B  in  und  B  i :  Nun  Herr  Doktor  usw. 
in  B  II  heifst  es:  Nun  Herr  Faust.  ...  —  die  Strophe  des  nacht- 
wächterliedes ,  die  um  10  uhr  gesungen  wird,  schliefst  in  B  n: 
Sonst  würdet  ihr  nicht  geschlagen;  in  B  iii  dagegen  heifst  es,  wie 
in  B  i:  Hat  10  geschlagen,  die  worte  in  B  ii  entstammen  wol 
einer  andern,  in  B  ii  öfter  benutzten  fassung.  —  als  Faust  in 
der  äufsersten  Verzweiflung  Kasper  um  seine  kleider  bittet,  bietet 
er  ihm  dafür  in  Bii  einen  Wechsel  von  500  Friedrichsdor,  welcher 
Morgen  zahlbar  ist,  in  B  in,  wie  in  B  i,  500  Dukaten;  von  einem 
Wechsel  wissen  diese  hss.  nichts. 

Wir  müssen  hiernach ,  da  die  ältere  hs.  B  ii  nicht  aus  der 
jüngeren  B  iii  entstanden  sein  kann,  annehmen  dass  die  beiden  hss. 
B  n  und  B  in  unabhängig  von  einander  von  einer  hs.  X  abge- 
schrieben sind,  die  ihrerseits  wider  mit  der  hs.  B  i  auf  eine  ältere 
unbekannte  hs.  zurückgeht. 

Bei  der  herstellung  des  textes  habe  ich  im  allgemeinen  die  hs. 
B  I  als  die  bessere  und  vollständigere  zu  gründe  gelegt,  abgewichen 
bin  ich  von  ihr,  wo  ausgefallene  stücke  der  alten  abschrift  durch 
neue,  sehr  schlechte  abschriften ,  die  z.  t.  nach  einer  anderen  fas- 
sung gemacht  sind,  ersetzt  sind,  und  wo  sich  mit  hilfe  der  anderen 
fassungen  ein  irrtum  klar  erweisen  liefs.  wo  dies  nicht  der  fall 
war,  habe  ich  mich  an  den  Wortlaut  der  hs.  gebunden,  auch  wenn 
die  beiden  anderen  hss.  einen  ansprechenderen  text  boten,  die  hs. 
habe  ich  so  viel  als  möglich  unverändert  widerzugeben  gesucht,  ich 
habe  deshalb  an  der  wortform  und  der  Schreibung  nie  etwas  ge- 
ändert,   von  Satzzeichen  begegnet  überhaupt  beinahe  nur  das  komma. 


112       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

dies  aber  um  so  häufiger,  der  Schreiber  hatte  eine  so  aufserordent- 
liche  Vorliebe  dafür,  dass  er  es  sogar  zu  fragezeichen  und  ge- 
dankenstrichen  hinzusetzte,  ich  habe  auch  hier  nichts  hinzugetan 
und  nichts  fortgenommen,  der  sinn  ist  ja  auch  so  immer  klar, 
in  dem  Verzeichnis  der  Varianten  der  hss.  B  ii  und  iii  habe  ich 
abweichungen  von  der  aus  B  i  entlehnten  Schreibung  und  Zeichen- 
setzung nie  erwähnt,  wenn  sie  nicht  von  Wichtigkeit  für  beant- 
wortung  irgend  einer  frage  ivaren.  ebenso  habe  ich  verstöfse 
gegen  die  grammatik  —  Verwechselungen  von  dativ  und  accusativ 
und  sonstige  eigenheiten  der  Berliner  mundart  —  nie  verzeichnet, 
die  hss.  setzen  sich  über  diese  dinge  mit  einer  solchen  Sorglosigkeit 
hinweg,  dass  es  ohne  jeden  wert  geivesen  wäre,  die  abweichungen 
zu  encähnen.  vielleicht  habe  ich  so  schon  zu  viel  getan  in  der 
angäbe  der  lesarten;  aber  ich  glaubte  nach  längerem  schwanken  doch 
an  meinem  %irsprünglichen  plane,  die  hss.  möglichst  getreu  wider- 
zugeben, festhalten  zu  müssen;  denn  da  es  in  Berlin  noch  mehrere 
hss.  zu  geben  scheint,  zb.  die  des  JLinde,  können  auch  jetzt  wert- 
lose lesarten  später  vielleicht  wichtig  werden. 

Sommers    bericht   (Kloster  v  739)    und   die  fassung  B. 

Sommer,  der  im  jähre  1844  einer  Faustaufführung  beiwohnte 
und  einen  bericht  darüber  veröffentlichte,  beschreibt  eine  fassung, 
die  von  den  beiden  älteren  hss.  B  i  utid  B  ii  nicht  viel  mehr 
abweicht,  als  etwa  B  i  von  B  ii  oder  B  iii.  eine  kurze  vergleichung 
der  hss.  B  und  des  berichts  mögen  dies  beweisen. 

Bei  Sommer  und  in  B  —  sonst  mir  noch  in  S  und  dem 
mit  B  ganz  nahe  verwandten  Schütz-Dreherschen  texte  —  ist  Faust 
im  ersten  acte  in  Mainz,  er  klagt  dass  es  ihm  trotz  allem  stu- 
dieren nicht  gelingen  wolle,  den  rühm  zu  erlangen,  nach  dem  er 
trachte,  er  will  sich  mit  der  hölle  verbinden,  doch  fehlen  ihm  die 
Stutlia  der  Magie,  in  B  die  Sludia  der  Nikromanlia  (in  den  anderen 
fassungen  hei f st  das  buch,  von  dem  aber  erst  später  die  rede  ist, 
Clavis  Astarli  de  Magica  oder  ähnlich,  und  an  dieser  stelle  erklärt 
Faust  nur,  er  wolle  sich  der  magie  oder  der  negromantie  widmen). 
Wagner  kommt  und  berichtet  dass  ein  Manu  in  schwarzer  Klei- 
dung (so  beide!)  ein  buch  vor  ihn  hin  (an  der  Schwelle  Sommer) 
gelegt  habe  und  dies  sei  das  von  Faust  gesuchte  buch  (diese  dar- 
stellung  kennen  nur  B  und  Sommers  bericht).    Faust  geht  mit  dem 


VOM  DOCTOR  FAUST  113 

buche  ab,  ohne  dass  das  nnmütelbar  folgende  auftreten  Kaspers 
vorbereitet  ist  —  die  verwandten  fassiingen  lassen  Wagner  bitten, 
einen  gehilfen  für  die  hausarbeit  annehmen  zu  dürfen,  die  erste 
scene  Kaspers  ist  im  anfang  bei  Sommer  etwas  anders  als  in  B, 
aber  der  schlnss  —  Kasper  verlangt  36  Groschen  Lohn  und 
10  Thaler  Trinkgeld  —  stimmt  recht  gut  zu  B  ii  und  B  in,  wo 
er  30  Groschen  Lohn  und  20  Thaler  Trinkgeld  haben  will,  die 
beschwörungsscene  Fausts  weicht  bei  Sommer  in  einer  imbedeutenden 
bühnemceisung  von  B  ab  —  Faust  benutzt  hier  seinen  gürtel  als 
zauberkreis,  in  B  einen  mitgebrachten  zauberkreis  — ,  dagegen  stim- 
men beide  fassungen  gegen  alle  übrigen  darin  überein,  dass  sie 
erst  hier  den  guten  und  bösen  geist  —  bezw.  B  nur  den  guten  — 
erscheinen  lassen,  von  den  von  Sommer  genannten  geistern  er- 
scheinen in  B  Vizlipuzli,  Auerhahn  (beide  mit  derselben  geschwin- 
digkeit)  und  Harihax,  nach  Auerhahn  erscheint  in  beiden  Mephi- 
slophles  (so  ist  die  Schreibung  in  beiden),  die  von  Sommer 
erwähnten  Asmodeus  und  Xerxes  kennt  B  nicht,  dagegen  fehlt 
bei  Sommer  Megera  aus  B.  die  reihenfolge  der  geister  ist  gleich- 
falls verschieden ;  die  lateinischen  worte,  mit  denen  Faust  die  geister 
entlässt,  stimmen  zu  E  (Engel,  Puppenspiele  i)  und  B  (Sommer: 
Aperli  male  spiriti,  B:  Dispare,  E:  Apage  male  spiritus).  Faust 
verlangt  dann  in  dem  Sommerschen  bericht  und  in  B,  Mephistophles 
solle  ihm  i8  jähre  dienen;  dieser  kann  darauf  aus  eigener  macht- 
vollkommenheit  nicht  eingehen,  kehrt  zurück  zu  Pluto  und  erhält 
die  erlaubnis,  sich  Faust  für  24  Jahre  zu  verpflichten.  Faust 
willigt  ein  und  der  geist  Merkurius  holt  den  vertrag  in  gestalt 
eines  raben  ab. 

Die  bedingungen,  die  Pluto  Faust  stellt,  sind  dieselben,  nur 
wird  in  B  nicht  ausdrücklich  gesagt ,  dass  das  jähr  zu  365  tagen 
gerechnet  sein  soll;  dagegen  erscheint  als  fünfte  bedingung  die 
Unterschreibung  mit  blut.  bei  Sommer  fehlt  das  zweite  auftreten 
des  guten  und  bösen  geistes,  das  sich  in  allen  älteren  hss.  findet; 
dafür  fordert  Faust  hier  erst  Mephistophles  auf,  in  einer  freund- 
licheren gestalt  zu  erscheinen,  und  dieser  kommt  dann  in  einer 
anderen  unschönen  Verkleidung,  bei  Sommer  und  in  B  ii  fahren 
darauf  beide  auf  einem  Luflmautel  nach  Parma,  die  beiden  anderen 
hss.  wissen  nichts  von  diesem  luftmantel;  in  den  anderen  fas- 
sungen fährt  Faust  wie  im  alten  volksbuche  auf  seinem  eigenen 
mantel  durch  die  luft.    nach  Fausts  abfahrt  erscheint  bei  Sommer 


114      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

und  in  B  Kasper  und  jagt  die  teufel,  die  er,  ohne  es  zu  wissen, 
herbeiruft,  durch  sein  perlicco,  perlucco  (perlippe,  perlappe  in 
Sommers  bericht)  hin  und  her.  diese  scene  folgt  in  allen  anderen 
fassungen  außer  in  der  mit  B  nahe  verwandten  Schüt%-Dreherschen 
(s.  u.)  gleich  auf  Fausts  beschwörungsscene.  die  Unterzeichnung 
des  Vertrags,  die  in  Sommers  bericht  und  in  B  gleich  in  der  be- 
schwörungsscene vollzogen  wird,  geschieht  ja  ursprünglich  erst  in  der 
auf  die  erste  beschwörung  folgenden  nacht.  Auerhahn  führt  Kasper 
nach  einer  längeren  Unterredung ,  die  in  beiden  Puppenspielen  den- 
selben inhalt  hat,  hinweg ,  in  B  i  auf  seinem  schwänze,  in  B  u 
und  III  auf  einem  drachen.  Sommer  scheint  die  abfahrt  so  ge- 
sehen zu  haben ,  icie  sie  B  i  darstellt,  abweichend  von  B  tritt 
Auerhahn  bei  Sommer  erst  nach  abgang  der  geister  auf;  in  B 
erscheint  er  schon  vorher  und  entfernt  sich  noch  einmal  wider, 
um  das  reitpferd  zu  holen,  bei  den  auffuhrungen  der  Schütz- 
Dreherschen  gesellschaft ,  über  die  Hagen  berichtet,  tritt  er  gleich- 
falls erst  nach  dem  verschwinden  der  geister  auf. 

Act  n.  Kasper  fällt  in  Parma  zur  erde  nieder ,  weil  er  ge- 
sprochen (halt !  geschrien  B  ii) ,  «nrf  hat  den  kammerherrn  Don 
Carlos  (so  nur  in  B,  bei  Sommer  und  vdHagen  s.  u.!),  so  viel 
sich  sehen  lässt,  in  derselben  weise  zum  besten,  die  erscheinungen, 
die  Faust  der  herzogin  zeigt  (nicht  dem  herzog),  sind  dieselben: 
Lucretia,  David,  Judith,  Salomo,  nur  die  reihenfolge  ist  bei  Sommer 
genau  umgekehrt,  auch  die  lateinischen  worte,  mit  denen  Faust 
in  B  dem  Mephistophles  aufträgt ,  die  gestalten  zu  holen  und  fort- 
zuschaffen, finden  sich  bei  Sommer,  aber  in  keiner  anderen  fas- 
sung,  wider:  es  heifst  hier  Heuus,  heuus,  Mephistophles,  bezw. 
unio  stenta,  in  B:  Heus,  heus,  M ,  amove  visum,  beziv.  hunc 
ostenta.  bei  Sommer  iverden  die  loorte,  loie  man  sieht,  nicht  an 
der  richtigen  stelle  gebraucht:  Hudc  ostenta  sagt  Faust  natürlich, 
wenn  die  gestalten  erscheinen  sollen.  Kasper  erzählt  inzwischen 
dass  Faust  mit  dem  teufel  im  bunde  sei.  hierdurch  gerät  Faust 
in  gefahr  vergiftet  zu  lo  erden  und  muss  fliehen.  Kasper  bleibt 
zur  strafe  zurück;  Faust  und  Mephistophles  schwingen  sich  vor 
den  äugen  des  volks  in  die  luft  und  gehen  nach  Constantinopel. 
Kasper  wird  von  Auerhahn  nach  Mainz  gebracht ,  nachdem  er  ihm 
versprochen,  ihm  nach  der  fahrt  leib  und  seele  zu  verschreiben, 
alles  dies  stimmt  genau  zu  B.  die  abfahrt  loar  wahrscheinlich  wie 
in  B  III  auf  dem  schwänze  des  geistes,  da  Sommer  sonst  lool  von 


VOM  DOCTOR  FAUST  115 

dem  drachen  (der  in  B  i  und  B  u  als  Reitpferd  erscheint)  ge- 
sprochen haben  würde. 

Auch  der  dritte  act  verläuft  bei  Sommer  so  wie  in  B.  ab- 
weichend sind  nur  die  folgenden  drei  puncte:  1)  Mephistophles 
stellt  bei  Sommer  ein  bild  der  Helena  auf ,  als  Faust  zum  gebet 
niederkniet,  und  ruft  Faust,  der  das  bild  für  die  Helena  selbst 
hält,  zu:  Retrügeu  ist  mein  Handwerk,  in  B  ist  Helena  eine 
Furie,  wie  in  den  anderen  fassungen.  2)  bei  Sommer  ruft  eine 
stimme  dem  vergeblich  zum  gebet  niederknieenden  Faust  zu:  Gott 
verschworen,  Alles  verloren,  diese  worte  fehlen  in  B  ganz.  3)  Faust 
will  noch  einmal  am  grabe  seines  vaters  beten,  wovon  B  auch  nichts 
erwähnt. 

Wie  sich  aus  dieser  vergleichung  ergibt,  findet  sich  in  dem 
von  Sommer  gesehenen  stücke  nur  selten  eine  stelle,  die  nicht  auch 
wenigstens  in  einer  der  drei  hss.  von  B  vorkäme,  der  gang  der 
handhing  ist  gleichfalls  derselbe  wie  in  B.  abweichungen  sind  so 
selten,  dass  wir  in  der  hs.,  die  der  von  Sommer  beschriebenen 
aufführung  zu  gründe  lag,  nur  eine  vierte  hs.  von  B,  nicht  eine 
andere  fassung  sehen  dürfen,  wo  die  vier  hss.  nennenswerte  ab- 
weichungeti  von  einander  zeigen,  ist  gewöhnlich  Vermischung  mit 
anderen  fassungen  die  Ursache. 

Verhältnis    zu    anderen   fassungen. 

Von  den  schon  herausgegebenen  fassungen  stehen  B  am  näch- 
sten E  (und  in  folge  dessen  auch  die  Wiepkingsche  Umarbeitung  von 
E,  die  Creizenach  0  nennt),  L  (die  hs.  Bonneschkys)  und  der  von 
Bielschowsky  veröffentlichte  text  (der  letzte  rest  der  Schütz-Dreher- 
schen  fassung).  diese  hs.  ist  indessen  so  schlecht,  dass  die  berichte 
Horns  und  vdHagens  von  der  ursprünglichen  gestalt  der  fassung  — 
oder  sollte  man  besser  sagen  fassungen?  —  ein  besseres  bild  geben 
als  die  hs.  Hörn  und  vdHagen  sahen  die  aufführungen  der  Schütz- 
Dreherschen  gesellschaft  ja  zu  verschiedenen  Zeiten  und  ihre  be- 
richte weichen  sehr  stark  von  einander  ab.  gemeinsam  ist  allen 
diesen  hss.  die  einführung  eines  kammerdieners  des  herzogs  von 
Parma,  eine  häufigere  beschäftigung  des  Hans  Wurst,  bezw.  Kasper, 
die  Verwendung  Auerhahns  als  schutzgeist  für  den  Hans  Wiirst 
und  manches  andere,  die  anordnung  der  scenen  ist  im  wesent- 
lichen dieselbe. 


116       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Das  Verhältnis  von  L  zu  B  bestimmt  sich  nach  dem  Ver- 
hältnis der  ersteren  zu  E  und  Seh  ( Schutz  -  Dvehersche  fassung). 
nach  Creizenach  hat  L  sich  unabhängig  von  E  durch  zusätze  und 
auslassnngen  aus  der  von  ihm  angenommenen  Wiener  bearbeitung 
des  Puppenspiels  eiitioickelt,  während  E  durch  Vermischung  mehrerer 
fassungen  entstand,  diese  annähme  beruht  auf  einer  verkennung 
der  tatsächlichen  Verhältnisse:  die  hss.  sind  sich  so  ähnlich,  selbst 
in  einzelheiten ,  dass  man  beide  nicht  in  dieser  weise  gegenüber 
stellen  kann,  einen  beweis  für  ihre  Zusammengehörigkeit  zu  er- 
bringen, ist  überflüssig:  die  oberflächlichste  vergleichung  der  beiden 
hss.  beweist  sie.  übrigens  hat  C.  nicht  bewiesen  dass  E  durch  Ver- 
schmelzung zweier  hss.  entstanden  sei,  und  die  annähme  einer 
Wiener  bearbeitung  ist,  so  lange  sie  nicht  mit  besseren  gründen 
gestützt  wird,  auch  nicht  unbedenklich. 

Nach  Bielschowsky  wäre  L  nur  ein  abklatsch  von  E.  auch 
das  ist  ein  inium ,  der  wol  durch  die  pomphafte ,  zum  Widerspruch 
reizende  ankündigung  der  hs.  von  Seiten  des  herausgebers  veran- 
lasst ist.  dass  L  nicht  aus  E  entstanden  sein  kann,  beweisen  unter 
anderem  folgende  zivei  puncte:  in  der  scene,  in  der  Hans  Wurst 
erfährt,  Faust  sei  nach  Parma  gereist,  gibt  er  in  den  ältesten  fas- 
sungen einen  schalen  Wortwitz  zum  besten,  indem  er  Parma  als  fisch- 
namen  auffasst  für  Barme,  so  zb.  in  der  Augsburger  fassung  und 
den  mit  E  nahe  verwandten  W  (von  Schade  veröffentlicht  nach  einer 
Weimarer  hs.)  und  S  (Strafsburger  hs.).  dies  hat  sich  in  L  er- 
halten, in  E  fehlt  es.  in  B  versteht  er  Bärme  statt  dessen  und 
knüpft  daran  seine  geistreichen  scherze,  zweitens  sind  Fausts  worte 
beim,  erscheinen  der  buchstaben  HF  in  L  in  Übereinstimmung  mit 
den  hss.  W  und  S,  die  mit  E,  wie  gesagt,  eine  gruppe  bilden; 
während  E  eine  abweichende  lesart  hat.  L:  Zu  meiner  Verwun- 
derung zieht  es  (das  blut)  sich  in  zwei  Buchslaben  zusammen; 
W:  Es  ziehen  sich  unter  meiner  rechten  Hand  zwei  Buchstaben 
zusammen;  S:  Es  ziehen  sich  aus  meinem  Blute  zwei  Buch- 
staben hervor;  E:  Wahrhaftig,  zwei  grofse  Blutstropfen.  Sie 
iormen  sich  zu  zwei  Buchstaben  (0,  das  würkiich  E  benutzte, 
hat  auch  zwei  Blutstropfen,  geformt  zu  zwei  Buchstaben),  es  sind 
dies  beides  puncte,  die  die  amiahme,  dass  L  aus  E  etitstanden  ist, 
unmöglich  machen. 

Andererseits  hat  L  auch  viele  neuer ungen,  die  sich  in  E  noch 
gar  nicht  finden,   wol  aber  zum  teil  in    den  berichten  Horns  und 


VOM  DOCTOR  FAUST  117 

vilHagens.  so  erscheint  Kasper  bei  Hörn  und  in  L  erst ,  nachdem 
Faust  die  geister  beschworen;  er  buchstabiert  erst  in  dem  zauber- 
buche, nachdem  er  in  dienst  genommen,  und  ruft  dadurch  gleich 
die  geister  herbei  —  dies  ist  allerdings  vielleicht  keine  neuerung  — ; 
er  buchstabiert  Katzpudel  heraus;  er  will  in  Parma  vor  dem  herzog, 
bezw.  kammerdiener  einen  grofsen  sprung  machen,  in  E  ein  (euer 
ohne  rauch  (die  beiden  letzten  momente  überliefert  vdHagen);  Lu- 
cretia  tritt  unter  den  erscheinungen  am  hofe  zu  Parma  auf  — 
in  E  fehlt  sie  —  usio.  L  ist  also  eine  E  und  Seh  sehr  nahe  ver- 
wandte, aber  selbständige  fassung ,  ein  Zwischenglied  zwischen  E 
und  Seh. 

Von  diesen  beiden  steht  nun  Seh,  namentlich  in  der  von 
vdHagen  überlieferten  gestalt ,  B  viel  näher  als  E.  es  finden  sich 
sehr  wenige  stellen,  ico  B  mit  E  geht,  und  Seh  —  in  folge  einer 
Verderbnis  —  abweicht,  dagegen  sind  stellen,  wo  B  mit  Seh  über- 
einstimmt, und  E  einen  anderen  text  bietet,  au fser ordentlich  zahl- 
reich ;  und  zwar  bieten  B  und  Seh  dann  sehr  häufig  einen  jüngeren 
ziisatz  oder  eine  änderung,  während  E  der  Überlieferung  treu  bleibt; 
so  buchstabiert  zb.  Hans  Wurst  in  seiner  ersten  scene  in  B  und 
Seh  Harbeutel  und  erfährt  gleich  hier,  wie  man  die  teufel  be- 
schwören kann,  er  fordert  in  derselben  scene  zu  esseti  von  Wagner 
und  macht  dabei  törichte  witze  (dies  überliefert  Hörn,  E  hat  es 
nicht),  unter  den  höllischen  geistern  finden  wir  in  beiden  fas- 
sungen  die  in  E  und  den  anderen  fassungen  nicht  vorkommenden 
Haribax  und  Megera.  Horns  bericht  folgt  an  dieser  stelle  einer 
älteren  fassung,  die  nur  wenig  geister  auftreten  liefs.  der  bericht 
vdHagens  hat  bald  namen  aus  B,  bald  aus  E.  Mephistophles  er- 
scheint in  B  und  Seh  erst  auf  Fausts  wünsch  als  mensch  icie  im 
alten  volksschauspiele ;  E  und  L  lassen  ihn  gleich  als  mensch  kommen 
und  zeigen  sich  auch  durch  diese  neuerung  als  nahe  verwandte 
(s.  0.).  in  B  und  Seh  wird  der  vertrag  gleich  bei  dem  ersten  er- 
scheinen des  Mephistophles  geschlossen,  und  Kasper  beschwört  die 
teufel  erst  nach  der  Unterzeichnung  des  Vertrags;  in  EL  —  auch 
im  Hornschen  bericht  —  und  allen  übrigen  fassungen  liegen  eine 
oder  mehrere  scenen  zwischen  Faiists  geisterbeschwörung  und  der 
Unterzeichnung,  beide  fassungen  wissen  nichts  von  dem  erscheinen 
der  buchstaben  HF  beim  unterzeichnen  —  Horti  erwähnt  es  frei- 
lich —  ;  in  beiden  schafft  Auerhahn  Kasper  fort  nach  Parma ,  in 
allen  anderen  Mephistopheles ;  während  Auerhahn  bei  der  rück  fahrt 


118       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

auftritt,  in  B  utid  Seh  wird  der  kammerherr,  der  nur  in  diesen 
beiden  fassungen  Don  Carlos  keifst,  von  Kasper  aufgezogen,  in 
L  der  kammerherr  und  der  herzog  selbst,  in  allen  übrigen  nur 
der  herzog  von  Parma.  Kasper  will  in  beiden  dem  kammerherrn 
einen  grofsen  sprung  vormachen,  in  E  —  und  den  übrigen  älteren 
fassungen  —  ein  Feuer  ohne  Hitze,  die  hss.  lassen  die  Lucretia 
unter  den  geistererscheinungen  auftreten,  die  in  E  fehlt  usw.  ich 
will  hier  abbrechen,  die  lange  reihe  liefse  sich  leicht  auf  den  dop- 
pelten umfang  bringen. 

Wo  B  mit  E  übereinstimmt,  während  Seh  abweicht,  bieten 
beide  hss.  einen  älteren  text  als  Seh.  so  zb.  in  der  ersten  Hans- 
Wurst-scene,  wo  H.  W.  in  E  und  B  nach  dem  kellner  ruft,  in 
Seh  nicht  —  diese  scene  ist  ja  aufgezeichnet,  dass  diese  darstel- 
lurg  auch  für  Seh  als  die  ältere  zu  nehmen  ist,  beweist  Horns 
bericht ,  der  H.  W.  sehimpfen  lässt,  ehe  Wagner  kommt ,  natürlich 
loeil  er  im  Wirtshaus  zu  sein  glaubt,  in  EB  will  Kasper  nicht 
bei  Faust  dienen,  weil  der  name  ihm  wenig  gutes  zu  verkünden 
scheint,  in  Seh  tritt  er  gern  in  Fausts  dienste.  hier  beweist  die 
Übereinstimmung  aller  älteren  fassungen,  die  mit  E  und  Seh  ver- 
wandt sind,  dass  Seh  eine  neuerung  eingeführt  hat;  ebenso  in 
allen  ähnlichen  fällen. 

B  steht  also  Seh  viel  näher  als  E,  sie  stimmt  mit  ihr  in  einer 
solchen  fülle  ganz  junger  änderungen  überein,  dass  man  sie  fast 
als  eine  schwesterhs.  derselben  ansehen  möchte,  abzuleiten  ist  sie 
aus  Seh  nicht,  dagegen  sprechen,  um  von  anderem  zu  schweigen, 
alle  die  stellen,  wo  sie  mit  E  übereinstimmt,  während  Seh  abweicht. 

L  steht  B  natürlich  viel  näher  als  E,  da  sie  sowol  mit  Seh 
als  mit  E  verioandt  ist.  viele  von  den  zügen,  die  sie  mit  Seh  ge- 
mein hat,  teilt  sie  auch  mit  B,  während  E  allein  steht. 

Aus  einigen  übereinstimmenden  änderungen  der  hss.  G  (Geif sei- 
brecht) und  B  lässt  sich  etwas  sicheres  über  das  Verhältnis  der 
beiden  hss.  nicht  ermitteln,  wahrscheinlich  ist  die  gemeinsame 
vorläge  von  BLSch  durch  G  oder  eine  nahe  verwandte  fassung 
beeinßusst  worden. 

Braunschweig.  H.  LÜBKE. 


VOM  DOCTOR  FAUST 


119 


DOCTOR 

JOHANNES  FAUST'S 

LEBEN 

TRATEN  UND  HÖLLENFAHET. 

Schauspiel  in  3  Acten.  ^^^^1^^^ 

Personen.  Geister. 

Die  Herzogin  von  Parma.  Mephistopheles 

Carlos  Kammerdiener  Haribax 

Johannes  Faust,  Doctor  Megera 

Wagner,  sein  Famulus,  Vitzlyputzli 

Casper  ein  reisender  Bedienter,  Auerhahn 
nachher  in  Fausts  Diensten. 

Erscheinungen 
1  lens  Der  Riese  Goliath,  mit  dem  kleinen  David 
2tens  Der  weise  König  Salomon, 
3tens  Die  Judith  mit  dem  Haupt  des  Holofernes 
4tens   Die  keusche  Lucretia 
6tens  (so!)  Die  schöne  Helena,  eine  Trojanerin 

B  II    (teilweis    zerstört) : Leben  ,    Thaten Ein  Trauer, 

Schauer,  Lust,  Lach  und  Trähnen  Spiel  in  5  Akten  (W.  Wähnert). 

B  m:  Dr.  Faust's  Leben,  Thaten  und  Höllenfahrt.  Zauberspiel  in 
3  Abtheilungen.  Nr.  15  (nummer  der  theaterbibliothek).  weiter  unten: 
Pfeiffer  (name  des  früheren  besitzers). 

Bii  B III 

(der  anfang  ist  zerstört)  Herzog  von  Parma. 
reisenden  Bedienten.  Helene  dessen  Gemahlin. 

2)  Ein    angenommener   Diener    des      Don  Cäsar  Kammerdiener. 
Doktor  Faust.  Dr.  Faust. 

3)  Ein  Teufelsbeschwörer.  Wagner  sein  Famalus. 

4)  Ein  reisender  Passagier  durch  die  Casper  reisender  Diener. 
Luft. 

5)  Ein  Nachtwächter.  Mephistofies.    \ 

Geister.  Harxparx.         I 

Pluto  Fürst  der  Hölle,  Mephistophles,  Auerhan.  j     ^ollengeister. 

Haribax,  Megera,  Vitzliputzly  (dann  Vitzliputzli.     / 

ist  der  rand  der  lis.  wider  zer-  Ein  Rabe.     Ein  Genius.     Ein  Unge- 

stört,  darauf:)  heuer. 

1  tens  der  R Erscheinungen. 

2tens  Simson Goliath  und  David. 

3  tens  der  weise Der  König  Salomon. 

4  tens  dass  Asirische Judith  und  Holofernes. 

5  tens  die  keusche Lucretia  Die  keusche  Lucrätia. 

6  tens  die  schöne  He Die  schöne  Helena  eine  Trojanerin. 


120       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

1  Ackt^  Hölle  It  Ceae  [anm.  1]  Pluto  Mefestoffeles  und 
Geister 

^  B  \i  Ister  Act  (Saal  des  Höllenfürsten,  welcher  von  allen  Seiten 
mit  Feuerflanimen  beleuchtet  ist.  Im  Hintergrunde  des  Saals  ein  Thron, 
auf  welchen  Pluto  sitzt.  Rechts  und  lings  sieht  man  die  Obersten  des 
Hollenreichs.  Indem  die  Gardine  aufrollt,  hört  man  fürchterlichen  Donner. 
Der  ganze  Dialog  des  ersten  Aktes  wird  von  einer . . .  (zerbröckeltei'  rand) 
lauten  Musik  . . .) 

.  . .  wagte  es  . . .  meine  Befehle  . . .  tzen?  Wer  von  .  .  .  und  Wasser 
zu.  .  .  .  Wer  liefs  den  Donner  .  .  .  .  nd  die  Winde  von  .  .  .  Gegend 
brausen  und  heulen?  Ich  schwöre  euch  fürchterliche  Musterung  unter  euch 
zu  halten  und  wehe  dem  Uhrheber,  der  meine  Gesetze  übertrat.  Sagt  an! 
Wer  liefs  den  Cerberus  von  seinen  Ketten,  und  wer  von  Euch  unterstand 
sich,  die  verdammten  Seelen,  welche  sich  bei  ihren  irdischen  Leben  unserer 
gerechten  Strafe  theilhaftig  gemacht  hatten ,  von  ihren  Qualen  zu  befreien. 

Oberster  meines  Raths,  Mephistophle ich.     Rechnest 

musst  mir fürchte  mein fürchterlichste geringster 

verseh ? Fürst  wollt  e 

Mep  • . .  Grofser  Fürst,  verzeihe  Deinen  . . .  en  Dienern,  wenn  sie  Deine 
Befehle  übertraten.  Höre  mich  geduldig  an.  Du  sollst  alles  wissen,  warum 
wir  am  heutigen  Tage  uns  Deiner  Macht  bedienten.  Wisse  dann,  mein 
Fürst,  wir  feierten  ein  Fest,  welches  auf  ewigen  Zeiten  ein  Andenken  für 
uns  bleiben  wird.  In  der  Oberwelt  lebt  ein  Mann,  ein  grofser  Gelehrter! 
der  die  Zierde  Deines  Reiches  werden  wird.  Du  hast  lange  gewünscht,  ihn 
näher  kennen  zu  lernen,  und  bald  wird  dein  Wunsch  in  Erfüllung  über- 
gehen, bald  wirst  Du  ihn  von  uns  in  der  Hölle  einführen  sehen,  denn  noch 
heute  fällt  er  in  unsere  Stricke! 

Pluto.    Wer  ist  der  grofse  Mann!    wie  heifst  er? 

Mephis.  Es  ist  der  berühmte  Doktor  Faust.  Nun  mein  Fürst,  thaten 
wir  unrecht,  dass  wir  wegen  dieses  grofsen  Geistes  uns  deiner  Macht  be- 
dienten, und  um  seine  Seele  ein  grofses  Fest  anstellten? 

Pluto.  Ein  Mann  wie  Faust  ist  mehr  werth  und  Gewinn  für  uns  als 
1000  der  Schufte,  die  täglich  herunterfahren.  Wahrlich  der  Kerl  ist  ein 
Genie,  denn  so  wüthend  hat  noch  keiner  an  die  Pforten  der  Hölle  ge- 
schlagen als  er. 

Mephis.  Mein  Fürst!  noch  bedarf  Faust  aber  unserer  Hülfe  ohne  sein 
Wissen.     Ehe  er  den  Kontrakt  der  höllischen  Gesetze  unterschreibt. 

Pluto.     Und  worin  besteht  sie? 

M.  Er  wünscht  so  gern  die  Studia  der  Nicormandi  in  seinem  besitzt 
zu  haben. 

P.  So  sei  Dir  es  überlassen,  M.,  dass  für  ihn  so  wichtige  Werk  in 
sein  Gevverk  zu  bringen.  Fahre  hinauf  zu  ihm  und  mache  ihn  mit  den 
höllischen  Gesetzen  bekannt,  führe  ihn  nach  seinen  Wünschen  doch  so,  dass 
er  nicht  die  Strafse,  welche  zu  meinem  Reiche  führt,  verfehle.  Faust  muss 
ein  grofser  Geist  sein ,  dass  die  Hölle  mit  seinen  Wünschen  so  bekannt  ist. 
Wohlan,  mein  Fürst,  auch  ich  will  auf  die  Oberwelt  eilen,  will  mich  unter 


VOM  DOCTOR  FAUST  121 

Pluto  Geister  der  Hölle,  ich  habe  euch  alle  um  mich  ver- 
sammelt so  höret  dann,  es  befindet  sich  aul  der  Oberwelt  ein 
Docktor  mit  Namen  Faust,  wenn  ihr  Geister  es  so  weit  bringen 
könnt,  das  seine  Seele  die  unsere  wird,  so  sollt  ihr,  da  ihr  die 
ersten  meines  Reichs  seid,  um  100  Grad  Hitze  begnadigt  werden, 
Faust  befindet  sich  jetz  hier  in  unseren  Hüllenpfuhl,  darum  ver- 
lange ich  von  euch  Höllische  Geister,  das  ihr  alle  eure  Kräfte 
aufbietet,  das  seine  Seele  die  unsere  wird,  du  Mefostoffelus,  als 
erster  meines  Reichs,  Du  wirst  doch  alles  aufbieten,  um  seine 
Seele  im  Reich  der  Hölle  zu  bringen, 

MefestofTels  Ihre  Durchlaut  Fürst  Pluto,  ich  werde  alles  an- 
wenden, das  ich  eure  Gunst  nicht  verliere 

Pluto  Aber  wehe  euch  Geister,  wenn  es  euch  nicht  ge- 
lingt, seine  Seele  die  unsere  zu  nennen,  so  soll  eure  Strafe  hart 
sein ,  so  lasse  ich  euch  1000  Klafter  tiefer  in  den  Höllen  Pfuhl 
stürzen,  das  soll  dann  eure  Strafe  sein,  jetz  seid  ihr  entlassen, 
Mefostoffelus  du  bleibe  ich  habe  mit  dier  noch  zu  sprechen 
(Geister  ab) 

Mefestoffeles  Refehle  Fürst  Pluto  ich  stehe  zu  Diensten: 

Pluto  So  höre  denn  Mefostoffelus  du  weifst  doch  nach 
unseren  Gesetzen,  das  derjenege  der  in  unseren  Höllenfuhl  fällt 
3  Mordthaten  begehen  muss,  dafür  wirst  du  sorgen  das  es  dier 
gelingt,  sonst  wird  er  von  der  Göttlichen  Macht  beschützt,  und 
er  wird  nicht  der  unsere  werden, 

Mefestoffeles  Mein  Fürst,  habe  keine  Sorge  darum,  ich 
steige  jetz  in  die  Oberwelt,  und  werde  meine  ganze  Kraft  an- 
wenden um  den  Docktor  in  unseren  Reich  zu  bekommen. 

Pluto    Er   wünscht  das  Ruch   der  Studjard  Nekomandie  zu 

friedliche  Eheleute  mischen,  buhlerische  Liebe  in  ihrer  Brust  erwecken,  da- 
mit sie  durch  allerlei  Sünden  Euren  Reiche  entgegen  eilen.  Ja ,  mein  Fürst, 
ich  werde  mich  nach  Kräfte  bemühen ,  dass  das  Reich  der  Hölle  mehrere 
Früchte  geniefse  als  Faust  ist. 

Pluta.    Wohl so  erkenne  ich  euch  ganz.      Handelt  nach 

unseren  Gesetzen  mit  eurer  Vorsicht,  und  mein  ganzes  Reich  wird  stolz 
auf  ihre  Fürsten  sein.  Mephistofeles,  eile  nun  auf  die  Oberwelt  und  ihr 
Furien  begebt  Euch  auch  dahin,  denn  wenn  ihr  zögert,  so  möchte  Faust  an 
die  Kraft  seines  Zaubers  zweifeln  und  die  Hölle  verlöhre  die  Früchte  seines 
Frevels. 

Die  Furien:    Nun  Pluto!    Wir  eilen  deine   Befeiile  zu   vollziehen  (Sie 
verlassen  ihre  Plätze). 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  9 


122       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

besitzen  ,  du  wirst  ihn  das  Buch  bringen ,  und  dann  bleibst  du 
ihn  immer  zu  Seite,  und  suchst  ihn  zu  umstricken,  jetz  bist  du 
entlassen  (ab). 

Erster    Act    altdeutsches  Zimmer. 

Iter  Auftritt 

Faust  sitzt  an  einen  Tische^  worauf  allerlei  Bücher  liegen. 
Endlich  hat  sich  die  Erde  wieder  einmal  so  gedreht,  dass  die 
Sonne  ihre  Strahlen,  Majestätisch  auf  das  Gebiet  von  Main(z  wirft). 2 
Schon  manche  Nacht  durchwachte  ich,  abe(r  eine)  solche  Nacht^ 
wie  diese,  in  der  meine  Sinne  mächtig  mit  dem  Himmel  und  der 
Hölle  kämften ,  eine  solche  schlaflose  Nacht  hatte  ich  noch^  nie, 
gestern  Abend,  als  die  Glocke  auf  den  nahen  Thurm  11  schlug, 
und  schwartze  Nacht  auf  der  Erde  lag,  als  der  Sturm  von  Norden 
heulte,  und  die^  Wolken  den  vollen  Mond  verhüllten^,  da  war 
die  ganze  Natur'  in  Aufruhr,  und  noch  schwankte^  ich  immer 
zwischen  Ewigkeit  und  Verdammniss,  eine  herrliche  Nacht,  die 
emphörte  Einbildungskraft  zu  verwildern^  [anm.  2J,  Wohlan  ich 
will  wissen,  was  der  düstere  Vorhang  verbirgt,  dem  eine  ti- 
rannischeio  Hand  vor  unseren  Augen  gezogen  hat,  wie^i  aber 
Satan  12^  soll  ich  es  anfangen  das  ich  an  der  Pforte  der  Hölle 
klopfe?    (steht    auf)i3    0!    ich    weilst*   was    mir    fehlt    meinen 

•^11:  2  Act.  Zimmer.  Sei:  Faust,  sitzt  an  einem  Tische;  Biu:  1  Act 
Zimmer.    Rechts  e.  Tisch  ns^w.  ^  das   eingeklammerte  fehlt  in  Bi, 

weil  ein  stück  herausgerisseri  ist  aus  dem  ersten  blatte.  ^  eine  solche 

Nacht  f.  in  B  11,  weil  der  rand  beschädigt  ist.  auf  die  anderen  —  ziem- 
lich zahlreichen  —  durch  zerbröckelung  des  randes  ausgefallenen  worte 
werde  ich  nicht  mehr  hinweise?i.  *  noch  nie  f.  B  u;   noch  f.  B  in. 

5  düstern  B  iii.  ^  schaurig  verh.  B  111.  "^  B  11  und  in :    ah ! 

die  ganze  Natur  war  in  Aufruhr!  ^  schwanke  B  11.  in.  ^  ver- 

wildern. Noch  schwangt  die  Zunge  der  Waage;  in  dieser  Schale  tanzen 
leicht  Religion  (Regionen  B  in)  und  ihre  Stütze  (Netze  B  in) ,  die  Furcht 
vor  der  Zukunft.  Die  Gegenschale  schlägt  sie  stolz  hinauf,  Durst  nach 
Unabhängigkeit  und  Wissen,  Stolz,  Wollust,  Groll  und  Bitterkeit  füllen  sie. 
Ewigkeit  und  Verdammniss  schallen  nur  dumpf  in  meiner  Seele.  Wohlan 
usiv.     B  n.  ni.  '°  tragische  B  in.  "  Ich  will   dass  kühne  Wage- 

stück unternehmen,  um  unabhängig  von  den  Menschen  durch  die  Verbin- 
dung mit  den  Teufel  zu  sein.  Jede  Seele,  die  mich  noch  am  Rande  der 
Hölle  von  meinen  so  glänzenden  Vorhaben  abhalten  will,  soll  erlahmen. 
Wie  ^n.  III.  '2  mächtiger  Höllenfürst  B  m.  '^  gteht  nai  f.Bn.ni. 

"  weifs  es  B  11.  in. 


VOM  DOCTOR  FAUST  123 

Zweck  zu  erreichen,  die  Studia  der  Nikromantiai,  dass  ist  der 
Wurm  der  an  meinen  Herzen  nagt,  denn  durch^  diese  Wissen- 
schaft^  kann  ich  nur  den  Gott  Pluto^  zu  meinen  Beistände  auf- 
fordern ^ 

Wagner  tritt  aufo 
Wagn  Hr-Doctor,  so  ebend  war  eiü  Mann  in  schwartzer  Kleidung 
draufsen,  ohne  ein  Wort  zu  sprechen,  legte  er  ein  grofses  Buch^ 
vor  mich  hinn ,  nachdem  er  sich  entfernt  hatte,  sah  ich  nach 
dem  Titel  des  Buchs,  und  es  isl^  das  Werck,  welches  Sie  so  oft 
zu  besitzen  wünschten, 

Faust  Wass  führt  es  für  einen  Tietel? 

Wagner  Studia  der  Nikromantia^, 

Faust  0!io  so  muss  ich  eilen  um  dieses  längst  gewünschte 
Buch  zu  sehen;  jetzt  habe  ich  meinen  Zweck  erreicht  (ab)ii 

Wagner  [anm.  3]  Nun  ich  will  wünschen,  das  ihm  dies 
Werck  auf  andere  Gedanken  bringt  (ab)'^ 

Casper  tritt  auf  mit  einen  Bündel  auf  den  Rücken. 

Casper  Na  12  da  war  ich,  (sieht  sich  um)i3  dass  scheint  mir 
hieri*  ein  vornehmes  Wirthshaus  zu  sein  (sieht '^  das  Buch 
welches  auf  den  Tisch  ligt).  Was,  da  liegt  ja  gar  ein  Buch, 
was  mag  denn  da  drinnen  stehn?  [anm.  4]  (fängt  an  zu  buch- 
stabiren)^6  Ha  —  a  —  r  —  Har  —  be  —  u  ^'^  —  beu,  t  —  e  —  1  — 
Geldbeutel,  ja^^  dass  ist  eine  schöne  Sache,  wer  einen  rechten ^9 
Grofsen  Geldbeutel  hat,  denn  wenn  man  heut  zu  Tage  im  Wirths- 

*  Studia   d.   Nicormandie   B  11 ;    Studia    Nicormandi   B  iii.  ^  nur 

durch  B  m.  '  Wissenschaften  B  i.  *  die  Hölle  B 11,  in.  ^  an- 

pflehen  B  n.  iii.  ^  Sc.  2.     Wagner  u.  Faust  B  n.  iii.  ''  Buch  von 

ungeheurer  Gröfse^m.  ^  und  ist  also  5  n.  ^  Studia  Nicormandia 

.Sil.  in.  10  Würklich  —  ist  es  wahr  —  oh!    7is2o.  B  iii.  "  geht 

ab  Bn.  '^     Sc.  3.    Casper  als  reisender  Bedienter  mit  ein  Bündel  auf 

den  Rücken.    Nun  ßii;  Sc.  3  Casper.    Nun  Bm.  '^  f.  Bn.iix. 

"  hier  f.  5  n.  in.  '^  gjei^t  nach  dem  B.  B  11.  in.  "  B  u:   Legt 

sich  mit  den  Armen  auf  den  Tisch  und  fängt  a.  z.  b.;  B  ni  /!,  dafür:  Das 
ist  gewiss  hier  der  Speisezettel,  ja  Kasper,  wenn  Du  nun  nicht  dein  Schul- 
geld vernascht  hättest,  denn  könntest  du  das  schon  lesen.  Ich  muss  mal 
buchstabiren,  ob  das  gut  schmeckt.     H  —  a  —  r  usw.  "  be  —  e  —  u 

Bn;  be  —  u  —  beutel   B  m.  **  ßm:    Ja,  das  ist  ein   schönes  aber 

auch  kurjoses  Ding,  denn  dieser  Beutel  macht  in  der  Welt  den  Mann.  Na, 
nun  werde  ich  mal  weiter  b.  *^  Bu:  recht. 

9* 


124       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

haus  kommt  so  sehen  die  Hr-Wirthe  gleich  nach  den  Geldbeutel, 
wenn  man  etwas  bezahlt,  sehen  sie  das  einer  einen  rechten 
vollgespickten  Geldbeutel  hat,  so  sind  sie  auch  so  voller  Höflich- 
keit, wie  der  Pudel  voller  Flöhe',  ist  dis  aber  nicht  der  Fall, 
und  man  kriegt  den  geringsten  Streit,  so  fliegt  man  auch  zur 
Thür  raus  wie  eine  Kanonenkugel,  muss  doch  mal  weiter  lesen, 
(liest,  nach  einer  Pause)  Na  dass  ist  kurios,  da  steht  wenn  man  die 
Teulel  will  kommen  lassen,  so  sagt  man  Perlicco,  und  wenn  man  sie 
will  los  sein  Perlucco,  ach^  dass  ist  dummes  Zeug,  der  Teufel  ist 
schwarz,  den  kann  ich  nicht  leiden 3,  (Greift  nach  seinem  BündeH). 
Habe  ich  denn  auch  noch  meinen  Koffer.  Ja  —  da  stecken 
charmante  Kleiderstücke  drein.  Da  habe  ich  einen  ganz  funkel- 
nagel  neuen  Rock  drinnen ,  nur  dass  der  Schneider  das  Ober- 
zeug und  Unterfutter  daran  vergessen  hat.  Dann  hab  ich  ein  paar 
ganz  neue  Schuh  drinnen.  Der  Schuhmacher  hat  nichts  als  das 
Oberleder  und  die  Sohlen  daran  vergessen.  Sonst  sind  sie  noch 
ganz  neu.  Aber  einen  recht  feinen  comishulh  hab  ich  noch,  der 
Fils  aber  liegt  noch  beim  Huthmacher.''  Na  wass  Teufel,  wo  bleibt 
denn^  die  Wirthin!  oder  der  Marquer?'  (ruft)  He,  da,  VVirthshaus.^ 
Ist  denn  kein  Mensch  zu  Haus?   Heda,   aufgetischt!    Markuerl^ 

^  Bu:  so  sind  sie  auch  recht  freundlich.  Ist  dies  aber  nicht  d.  F.  so 
sind  sie  auch  sehr  gleichgültig.  I  —  nun  ich  kann  doch  guth  Buchsta- 
biren, aber  die  Buchstaben  kenne  ich  nur  nicht.  Es  ist  aber  dies  eine  ku- 
riose Sache,  wenn  man  Buchstabieren  will  und  kann  nicht  lesen.  Was  der 
tausend,  was  steht  denn  da?    (Nach  einer  Pause)   Na  dass   ist  kurios  usiv. 

^  B  n:  (indem  er  ins  Buch...)  ach.  ^  Bin:  weiter  buchstabiren. 

Warte  mal,  was  steht  denn  hier:  —  Na,  das  ist  ja  närrisch.  Hir  steht 
Wenn  man  die  Teufel  k.  1.  will,  so  muss  m.  s.  Perlico  und  wenn  sie  wieder 
gehen  sollen,  s.  m.  m.  s.  P.  Ach  d.  ist  ein  närrisches  Zeug.  D.  Teufel 
weifs ,  wer  d.  Teufel  ist.    D.  T.  soll  schwarz  sein ,  d.  kann  ich  n.  leiden, 

*  f.  Bi.m.    in  Bi  dafür  gleich:   Na,  wass  Teufel  s.  u.  ^  Habe 

—  Hutmacher  f.  B  i;  Bin:  Wenn  ich  nur  meinen  Benzel  hier  wohin 
legen  könnte,  denn  der  wird  mir  nachgerade  sauer,  so  auf  den  Rücken 
herum  zu  schleppen.  Da  habe  ich  viele  und  schöne  Sachen  drinnen  Erstens 
einen  alten  Rock,  der  abgetragen  ist  bis  auf  den  Anhängsei.  zweitens  ein 
Paar  funkelnagelneue  Stiefel.  Das  Oberleder  ist  zwar  etwas  enzwei,  aber 
die  Sohlen  sind  schon  lange  nicht  mehr  drunter.  Und  nun  endlich  habe 
ich  noch  einen  schönen  Huth  drin,  aa,  wie  ein  Huth  aussieht,  der  in  ein 
Felleisen  gepackt  ist,  das  darf  ich  wohl  nicht  erst  sagen.  Der  muss  meiner 
Ansicht  nach  grofse  Ähnlichkeit  mit  einem  Faaukuchen  haben. 

•^  denn  hier  B lu.  ^  Bm:  Marqui  oder  Marker  wie  es  heifst. 

«  Frau  W.  (setzt  sich  auf  den  Tisch).    Wagner  tritt  auf.    Bu  ^  f.  B  in. 


VOM  DOCTOR  FAUST  125 

Ein  paar  Schüsseln'  Sauerkraut,  ein  paar  Poutellin^  Knoblochs- 
würstel  Ich  habe  kannibalischen  Hunger.  Mein  Magen  ist  so 
leer,  wie  ein  aufgeblasener  Tabaksbeutel.  Heda,  Heda,  Frau 
Wirlhshauseu !  Halt!  Da  kommt  jemand.  Das  ist  gewiss  der 
Monkier.3  Den  Kerl  wer  ich  mal  ein  rechten  Schreck  einjagen 
(er  setzt  sich  hintern  Tisch). ■* 

Wagner^  tritt  auf  War's  mir  doch  als  hörte  ich  Geräusch 
in  Zimmer,  und  gleichwohl  sehe  ich  niemand. 

Casper  (mit  Geschrei  hervorspringend) 

Wagner  Wie,  mein  Freund,  kommt  ihr  in  dies  Zimmer? 
Wer  seid  ihr? 6 

Casper  Das  seht  ihr  ga,  ich  binn  eine  Mannsperson, 

Wagner  Ja,  aber  zu  wem  wollt  ihr, 

Casper  Ach  dass  brauchst  Du  nicht  zu  wissen,  hir  ist  ein 
Wirlhshaus,  und  ich  verlange  was  zu  Essen,  ich  habe  Ambition, 

Wagner  hier  ist  kein  Wirthshaus,  mein  Freund,  hier  wohnt 
ein  gelehrter, 

Casper  Nun  meinetwegen,  so'  bring  mir  eine^  Portion  ge- 
lehrten 

Wagner^  Dass  geht  nicht  an  mein  Freund, 

Casper  Nicht?  —  so  gieb  eine  Portion  Schweinebraten, 

Wagner  Wie  ich  Euch  schon  gesagt  habe,  hier  ist  kein 
Wirthshaus,  Ihr  kommt  wie  ich  sehe  von  der  Reise  — 

Casper  Ne,  ich  binn  noch  auf  der  Reise 

Wagner  Nun  seid  ihr  etwa  Herrenlos? 

Casper  Ne  ich  kann  so  gut  höhren  wie  du^o, 

*  Schüsseln   mit  B  in.  -  Butaillen  wanne  B  iii.  ^  Kellner 

Bm.  *  versteckt  sich  ^iii.  ^  Wagner  tritt  auf.      Casper:    Na 

hör  mal  Wirth,  du  bleibst  verdammt  lange,  W.  Wer  s.  ihr?  Bi;  Wagner 
tr.  auf  f.  B II.  III.  ^  Wer  seid  Ihr  usw.  f.  B  ii.  in,  dafür:  Casper:  Weil 

ich  auf  die  Reise  hungrig  geworden  bin  und  von  dir  was  zu  Essen  haben  will. 
W :  Ihr  irt ,  mein  Freund ,  ihr  seid  hier  in  kein  W.,  hir  w.  e.  grofser  Ge- 
lehrter. '  Na,  denn  B  n.  in.  *  bringen  Sie  doch  eine  B  in. 
"  W.  Ihr  seid  unrecht  mein  Freund.  C.  Sag  mal,  bist  denn  du  nicht  der 
Marquer?  W,  Da  müsst  ihr  ins  (nachs  B  iii)  Wirthshaus  gehen ,  Ihr  seid 
wol  herrenlos,  mein  Freund  ?  G.  Du  (f.  B  in)  dummer  Kerl,  ich  kann  besser 
hören  als  Du.  B  ii.  in.  i°  darauf  in  B  i:  (er  legt  beide  beine  auf  den 
Tisch.)  Siehst  du  wohl,  dass  ich  mich  in  Autorität  setzen  kann  (d.  letzte 
satz  ist  durchgestrichen).  W. :  Geht  herrunter  vom  Tisch,  und  ich  werde  mit 
Euch  vernünftig  reden,  C:  (springt  vom  Tisch).  Nun  so  redet  vernünftig 
und  macht,  dass  ich  wass  zu  Essen  kriege  (die  worte  Kaspers  sind  durch- 


126      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Wagner  So  meine  ich  es  nicht;  ob  ihr  ein  Domestik  seid? 

Casperi  Ne,  ich  bin  nicht  dick,  ich  bin  auch  nicht  dinn, 
ich  habe  meine  richtige  Constution.  (Dreht  sich  nach  allen 
Seiten  um.) 

Wagner  Mein  Freund,  ihr  versteht  Unrecht,  ich  meine,  ob 
ihr  eine  Herrschalt  sucht. 

Casper  (erfreut)   Ja  du,   ivannst  du  mir   eine  versch(affen) ? 

Wagner  Nun  wenn  ihr  wollt,  so^  könnt  ihr  hier  bleiben, 
sagt3  niir  habt  ihr  schon  gedient? 

Casper  Ja  ich  habe  gedient, 

Wagner  Bei  wem  denn? 

Casper  Ja  mein  Herr  liefs  so  Hunde  tanzen, 

Wagner.  Und  warum  seyd  ihr  denn  nicht  in  seine  Dienste 
geblieben  ? 

Casper  Ja  dass  hab  ich  ihm  nicht  gefragt  —  Gestern  fuhren 
wir  mit  unsern  Hunden  über  einen  Berg  und  als  wir  den  Berg 
herrunter  fuhren,  da  kamen  wir  in  einen  Hohlweg,  und  seht  mal, 
da  wollt  ich  meine  Sache  recht  gescheit  machen ,  in  den  Hohl- 
weg nehmlich  da  war  Wasser,  und  durch  das  Wasser  wollt  ich 
nicht  fahren,  fahre  also  an  der  Seite  rum,  und  mit  einenmal, 
Bradadautz,  fällt  der  Wagen  mit  den  Hunden  um  und  ins  Wasser, 
und  da  nun  2  bei  der  Geschichte  versoffen  sind,  so  nahm  mein 
Herr  die  Peitsche  und  haute  mir  Raisonabel  durch ,  wie  ich  aber 
spürte  das  die  Hiebe  zu  grob  kämmen,  da  lief  ich  fort,  und 
nun  binn  ich  reisender  Patachier  geworden, 

Wagner  Seid  ihr  nun  willens  hier  in  Dienste  zu  treten, 
so  sagts, 

Casper  Ja  sag  maH,  was  giebst  denn  du^  Lohn?^ 

gestrichen)  W.:  Wenn  ihr  keinen  Herrn  habt,  so  könnt  ilir  hier  Dienste  be- 
kommen, sagt  m\t  usw.  ^  Was,  dummes  Ding  sagst  Du?  Ich  verbitte 
mir  jede  dehmliche  Redensart.  B  in.  ^  so  f.  B  in.  ^  sagt  etc.  — 
die  geschickte  von  den  hujiden  bis  ja  sagt  mal  f.  B  ii.  in. 
■*  so  ^  II.  111.  *  giebste  denn  für  Bin.  '^  Bi:  Casper:  Ja,  wenn 
ihr  mir  geben  wollt,  was  ich  bei  mein  vorigen  Herrn  bekommen  habe,  so 
habe  ich  wohl  Lust  mich  zu  verändern, 

Wagner  Wie  viel  habt  ihr  denn  bei  eurem  Vorigen  Herrn  gehabt? 
—  Casper  Ich  habe  die  Woche  5  gr  9  ^  gehabt  W.  Nun  hier  sollt  ihr 
12  gr,  und  Essen  und  Trinken  bekommen,  C.  Ne,  wenn  du  mir  nicht  giebst 
was  ich  bei  meinen  Vorigen  Herrn  gehabt  habe,  kann  nichts  daraus  wer- 
den, W.  Ihr  bekommt  ja  noch  mehr,  ist  euch  dass  nicht  lieb?  C.  Du 
wirst   mir   doch   wohl   nicht  wollen   rechnen   lernen,   5  und  9,   ist   doch 


VOM  DOCTOR  FAUST  127 

Wagner  Ihr  bekommt-  20  Thir.  Lohn. 

Caspar  Ne  du,  da  bleib  ich  nicht  bei  dir,  denn^  bei  meinem 
letzten  Herrn  hab  ich  30  Groschen  gekrig. 

Wagner^  Aber  bedenkt  doch  Thaler  und  Groschen, 

Casper  Na,  du  wirst  mir  dochs  Rechnen  nicht  lern  .  .  .  Ich 
weis  doch,  das  30  mehr  sind  als  20;  und  was  gehen  mir  deine 
Thaler  an,  wen  ich  nur  so  viel  Groschen  habe,  als  ich  brauche. 
Wenn  Du  mir  30  groschen  Lohn  giebst  und  20  Thaler  Riergeld, 
den  bleib  ich  bei  dir. 

Wagner  Nun  auf  solch  eine  Wenigkeit  wirds  meinem^  Herrn 
auch  nicht  ankommen. 

Casper  (verwundert)  Rist  denn  du  nicht  selbst  dein  Herr?* 

Wagner  Nein,  ich  bin  nur  der  Famulus. 

Casper  Na,^  höre  Du,  denn  kommen  zwei  Faselhänse  zu- 
sammen,  dann  bist  du  der  Alte   und   ich   der  Junge  Faselhans. 

Wagner  Ihr  versteht  Unrecht.  Ich  bin  meines^  Herrn  erster 
Diener. 

Casper  Sag  maP,  wer  ist  denn  Dein  Herr? 

Wagner  Mein  Herr  ist  der  weltberühmte  Doktor  Faust. 

Casper^  Ach  Du  hör  mal,  mit  Fausten  hab  ich  nichts  zu 
thun,  da  lass  mich  zufrieden, 

Wagner  Wie  so,  was  fällt  Dir  bei  diesen  Nahmen  auf, 

wohl  mehr  als  12,  W.  Nun  wir  wollen  uns  mit  keiner  Rechnung  ein- 
lassen,  ihr  sollt  hier  ebend  so  viel   haben,  als   bei  eurem   vorigen  Herrn. 

*  denn  mein  letzter  Herr  hat  mir  auch  20  Thaler  versprochen,  aber 
gekriegt  habe  ich  nicht  6  pfennig  und  die  Zeiten  werden  bei  unsereinen 
auch  nicht  besser  sondern  schlechter.  Drum  muss  ich  am  Ende  hier  noch 
was  zu  bringen  ^  in.  ^  B  iii :  Darum  tragen  Sie  keine  Sorge,  Sie  er- 

halten hier  pünktlich  Ihren  Lohn.  C.  Aber  Du,  wie  stehts  denn  mit  dem 
Trinkgelde,  denn  ich  habe  mitunter  barbarischen  Durst.  W.  Auch  das  wird 
Ihnen  nach  Umständen  öfter  zufliefsen.  C.  Umstände,  wenn  ich  erst  Um- 
stände haben  soll,  dann  will  ich  lieber  kein  Trinkgeld  haben.  W.  Ich  glaube, 
Ihr  werdet  mit  unserem  Herrn  zufrieden  sein.  ^  unserem  B  iii. 

'•  Na,  bist  Du  denn  nicht  dein  Herr?  B  in.  Na,  das  ist  gut,  na,  und 
du  bist  jetzt  mein  Herr?  Wagner  Nein  ich  nicht,  dein  Herr  heifst  Faust  Bi. 

^  Na,  das  passt  gut,  dann  bist  du  den  Herrn  sein  Famelhans,  und  ich 
bin  sein  Kasper  Bm.  ^  des  Bm.  ''  mal  du  Bm.  ^  Bn.  ni: 

Ne  Du,  den  bleib  ich  nicht  hier.  Vor  Fausten  hab  ich  allen  Respekt  gekriegt. 
Mir  hat  einer  eine  Fauste  auf  die  Nase  gedrückt,  dass  ich  heute  noch  dran 
denke.  (Ich  habe  neulich  mal  eins  mit  der  Faust  auf  die  Nase  gekriegt, 
das  sie  mir  aufgelaufen  ist,  wie  ein  Bauerbackofen  so  grofs.    B  iii.) 

W.   Aber  mein  Herr  heifst  ja  nur  mit  dem  (f.  B  in)  Namen  Faust. 


128       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casper  Dass  will  ich  Dir  gleich  sagen ,  da  war  ich  dir  letz- 
mal auf  Bauer  Kirmefs,  es  ging  recht  lustig  her,  aber  auf  der 
letzt,  als  alles  besoffen  war,  gings  ans  streiten  und  schlagen, 
einer  war  dabei,  der  wollte  dass  Recht  sprechen,  und  in  der 
Uebereilung  musste  er  meine  Nase  vor  dass  Tischblalt  angesehen 
haben ,  der  schlug  mir  doch  mit  der  Faust  dermafsen  auf  die 
Nase,  dass  ich  in  6  Wochen  nicht  gewusst  habe,  ob  Oster 
und  Pfingsten  auf  einen  fallen,  oder  nicht,  Ne,  Ne,  da  wird 
nichts  draus, 

Wagner  Freund  ihr  versteht  mich  nicht,  der  Herr  bei  den 
ihr  jetzt  in  Diensten  seid,  heifst  Faust,  und  ist  ein  grofser  ge- 
lehrter Doctor 

Casper  So!»  und  wie  heifst  du  denn? 

Wagner  Ich  heifse^  Wagner, 

Casper  A,  ha,  dann^  bist  Du  wohl  ein  Rademacher? 

Wagner^  Nein  ich  bin  kein  Rademacher,  ich  heilse  nur 
Wagner,  künftig  sagt  ihr  aber  nicht  du  zu  mir,  sonder  Mosje 
Wagner,  jetzt  legt  euren  Bündel  ab,  und  räumt  ein  wenig  hier 
auf,  nachher  könnt  ihr  nach  der  Küche  gehen,  und  euch  was 
zu  Essen  geben  lassen, 

Casper  Ach  ja  du  Mosje  Fabelhanns,  wenns  zu  Essen  und 
Trinken  giebt,  da  binn  ich  recht  flink,  (ab) 

Wagner  Ein  drolliger  Kerl,  der  wird  Fausten  manchen  Spafs 
machen ,  nun  ich  will  wünschen  dass  er  ihm  oft  die  üble  Laune 
vertreiben  mag,  (ab) 

Casper  tritt  auf  (ohne  Bündel) 

1  So!  und  wer  bist  Du  denn?  und  wie  B  i;  C.  So?  Na  das  ist  was 
anderes  ßii.  iii.  ^  Icli  binn  Famalus  und  heifse  Bi;  f.  Bii.ni. 

3  Du  bist  der  Fabelhans  und  heifst  Rademacher  5 1;  f.Bii.iii.  ''  ^ii.  iii: 

W.:    Doch  noch  eins!    Wenn  ihr  mich  künftig  ruft,  den  lässt  das  du  weg 
und  sagt:    Hören  Sie  Musje  Wagner. 

C.  (Wagner?  Bm)  Dann  bist  du  wohl  ein  Rademacher? 

W.  Ich  heifse  nur  mit  Nahmen  (f.  Bm)  so,  aber  das  Du  läss  weg. 

C.  Na  ja  du,  den  lass  das  du  weg,  aber  sagen  Sie  mal  du  Musje 
Wagner,  wo  krieg  ich  denn  hier  was  zu  schnabelieren?  Meine  Magenblätter 
reiben  sich  ganz   entsetzlich  (haben  sich  schon  ganz  wund  gerieben    B  in). 

W.:  So  räumt  zuerst  dies  Zimmer  auf,  setzt  Tisciie  und  Stühle  bei 
Seite,  dann  geht  nach  die  Küche,  da  werdet  ihr  Speise  und  Trank  be- 
kommen. Alsdann  kommt  wieder  hierher,  damit  ich  euch  euren  neuen 
Herrn  vorstelle  (geht  ab). 


VOM  DOCTOR  FAUST  129 

Casper  ruft  Heda  Musje  Fabellianus,  das  Essen  riecht  recht 
appelietlich  aus  der  Küche 

Wagner  (kommt  zurück)  Sagt  mir  mal,  wie  heifst  ihr  denn 
mit  euren  Nahmen? 

Casper  Ja,  dass  weifs  ich  seihst  nicht,  mein  voriger  Herr 
nannte  mich  Casper, 

Wagner  Nun  so  werde  ich  euch  auch  so  nennen,  sagt  mir 
mal  Casper,  wass  habt  ihr  denn  für  Religon? 

Casper  Bin  ein  Schuhmacher, 

Wagner  So,  und  wass  habt  ihr  denn  für  Proffession? 

Casper  Da  bin  ich  Katohsch, 

Wagner  (für  sich):  Den  schärfsten  Verstand  traue  ich  ihm 
nicht  zu,  und  doch  ist  er  so  froh  und  munter,  die  dümmsten 
Menschen  sind  oft  die  glücklichsten ,  (zu  Caspern)  Aber  bald 
hatte  ich  euch  vergessen  zu  fragen,  ob  ihr  auch  einen  Pass  habt? 

Casper  ha,  ha,  ha,  Ich  bin  doch  kein  Musikant,  das  ich  ein 
Bass  brauche, 

Wagner  Ach  ich  meine  ein  Attesstat,  oder  Abschied, 

Casper  Ja  so,  ja  einen  Abschied  habe  ich  wohl  erwischt, 
(dreht  sich  um)  da  seht  mal  die  Gedankenstriche  sind  brau  und 
blau  aufgelaufen 

Wagner  Da  müsst  ihr  euch  nicht  gut  aufgeführt  haben, 

Casper  Na  wenn  Du  dich  gut  aufführst,  kannst  Du  auch 
solch  Ehrenvollen  Abschied  kriegen, 

Wagner  Na  jetzt  geht,  und  stillt  euren  Appetit  und  nachher 
kommt  hierher  wieder,  damit  ich  euch  euren  Herrn  vorstelle  (ab) 

Casper  1  Ja  da  will  ich  nicht  Casper  heifsen,  wenn  ich^  ein 
Wort^  weiter  weifs,  als  dass  ich  nach  der  Küche  gehen  soll  und 
meinen  Appitit  stillen*,  dass  andere  hab  ich  rein  vergessen^,  Ich 
•  (ihm  nachsehend)  B  ii.  m.  ^  ich  noch  B  iii.  ^  Wort  von 

alle  dem  ^iii.  ■*   m.  App.  zu  stillen  B  ii.  iii.  ^  B  ii.  iii:  (alles 

rein  B\\\)  vergessen.  I  nun,  so  habe  ich  doch  die  Hauptsache  behalten; 
den  Tisch  und  Stuhl  soll  ich  weg  (fort  B  iii)  räumen.  Das  hätte  wohl 
(noch  bis  B  iii)  nach  den  Appilit  stillen  bleiben  können  (Essen  Zeit,  denn 
Appetit  5 III)  und  Appetit  oh,  den  hab  ich  nicht  wenig,  aber  Hunger  desto- 
mehr.  Nun  der  Koch  wird  wohl  den  Hunger  zu  stillen  wissen  (Er  will 
gehen)  Ach  ja  so,  den  Tisch  soll  ich  ja  wegräumen.  Du  armes  Kasperchen 
mit  den  leeren  Magen  den  Tisch  forttragen,  das  hat  nicht  wenig  zu  sagen 
(das  geht  nicht  B  in).  Ei  was,  der  Tisch  kann  warten  (stehen  bleiben 
und  w.  B  in),  bis  ich  mir  satt  gegessen  (ich  geschnabeliert  B  iii)  habe 
(geht  ab). 


130       DIE  BERLIINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

glaube  aufräumen  soll  ich,  dass  hat  Zeit,  bis  ich  mir  satt  gegessen 
habei  (ab). 

Faust  mit  einem  Zauberkreis,  welchen  er  an  der  Erde  zu 
einen  Kreis  bildet^ 

Faust  Jetzt  will  ich  das  grofse  Werck  vollenden ,  wozu  meine 
Wissenschaften  mich  fürten,  durch  die  Magie  lernt  ich  die  Herzen 
der  Menschen  kennen ,  durch  die  Theologie  lernte  ich  Gott  und 
Menschen  kennen^,  durch  beide  Wissenschaften  bin  ich  in  den 
Stand  gesetzt,  die  Truggestallen*  kennen  zu  lernen,  welche  die 
Menschen  umgeben^,  mil^  Satanshülfe,  vermöge  der  Nekromantie" 
will  ich  den  Menschen  ihre  Schwächen  zeigen  s,  jetzt  will  ich 
nach  Vorschrift  der  Magie  einen  Kreis  um  mich^  ziehen,  will  es 
versuchen,  ob  es  den  Satan  gelingen  wird,  meine  Seele  die  seinige 
zu  nennen ,  (indem  er  in  den  Kreis  treten  will ,  erscheint  von 
oben  in  10  Wolken  schwebend ^i  ein  Genius,  Faust  tritt  zurück, 
und  setzt  sich  auf  einen  Stuhl)  ^^ 

Faust  Wo  bin  ich?  welche  Mattigkeit  überfällt  mich*^,  (eri^ 
schläft  ein)  (Genius  erscheint)  (Adagio) i^ 

Genius  Faust,  lass  ab  von  Deinen  Vorhaben,  Deine  Seele 
ist  dem  Himmel  geweiht,  lass  Dich  warnen,  und  gieb  Dich  nicht 
mit  Gewalt  dem  Reiche  des  Bösen  preifs, 

Faust  (im  Schlaf)  Wer  bist  Du,  der  es  wagt,  mich  in  meinen 
Vorhaben  16  zu  stöhren, 

Genius  Ich  bin  der  Genius  der  Menschheit,  der  Ewige  will, 
das  dui'  Satanskünste  verachten  sollst  drum  fliehe  diesen  Ort, 
unterlass  Dein  Vorhaben  und  achte  nicht  des^s  bösen  Ralh,  (Zieht 
in  Wolken  vorüber)  1 9 

^  f.  B\.  ^  Bii.m:  Sc.  6  Faust  trägt  in  der  einen  Hand  ein  Band 

mit  Hiroglyphen  bemalt,  welche  er  auf  die  Erde  legt  und  in  einen  Kreis 
bildet.  3  B  ii.  lu:    kennen    auch    schätzen.  ^  Truggebilde   B  in. 

^  annehmen  Bw.ni.  ^  durch  B  ni.  ''  Nicromantie  B  ii;  Ni- 

cormandie  B m.  »  zeigen,  damit  sie  ihre  Thorheiten  und  mörderische 

Handlungen  einsehen,  die  sie  täglich,  ja  stündlich  (in  ihrem  Wahne  ^  iii) 
begehen  B  u.  in.  ^  um  mich  f.  B  n.  ni.  '°  in  den  B  n.  ni. 

"  schwebend  f.  B\\.  ^-  zurück,   indem  er  nach  und  nach   auf 

seinen  Stuhl  zurück  sinkt  B\\;  Will  in  den  Kreis  treten.  Genius  erscheint 
schwebend;  Faust  tritt  zurück,  indem  usw.  zurückfällt  Bm,  ^^  hier 

ist  ein  7ieues  stück  eingesclioben  s.  anm.h.  '^  erf.Biu.  '^  Sc.  7 

Faust  Genius  Bii;    7  Sc.  Genius  Faust  B  m.  '^  Vorhaben  und  Unter- 

nehmen B  u.  ni.  "  du  dich  mit  göttlichen  Beschäftigst  und  Satans 

Künste  usw.  B  ii.  ni.  '^  auf  des  B  iii.  *^  schwebt  vorüber  B  ui. 


VOM  DOCTOR  FAUST  131 

Fausti  erwacht^  Wie  ist  mir  ?  —  kann  ich  meine  Sinne 
fassen?  wass  doch  die  Phantasie  dem  Menschen  alles  vorgaukelt^, 
—  träumte  mir  nicht,  der  Menschheit  Genius^  erschien  mir^,  — 
und  warnte  mich  vor  den  Bösen,  —  Verdaintes  Hirngespinst, 
weg  mit  Dir,  —  wer^  kann  mich  hinderlich  sein,  wenn  ich  mir 
des  Satans  Hülfe  bediene'',  —  Göttliche  Macht  kann  ich  nicht 
erlangen,  drum  sei  es  gewagt  —  (tritt  in  den  Kreis)  Jetzt  wäre 
ich  also  einen  Riesenschritt,  näher  zu  diesen  §  wichtigen  Werke, 
wohlan  denn,  ich  höhre  ja  nicht  das  Gebeth  der  Fromen,  auch 
nicht  das  Geheul  der  Verdauiten,  ich  biu^  am  Ziele,  (laut)io 
Audite  foxii  Fausti,  Furiä,  vox^^  Tartarie,  parete,  (es^^  erscheinen 
Mephistophles^^,  Auerhahn,  Haribax,  Megerai^,  Vitzliputzli,  die 
Furien  erscheinen  unter i*»  heulenden  Getöse) 

Faust  [anm.Q]  Nun^'',  ihr  Furien,  seid  ihr  bereit,  mir  zu 
dienen? 

Furien  1^  Ja,  wir  sind  es. 

Faust  zu  einer  19  Furie  die  ihm  am  nächsten  steht.  Sage 
mir  du   dienstbarer  Geist,   wie   heifst   du  mit  deinem  Nahmen? 

Haribax  Haribax 

Faust  Wie'-o  geschwind  bist  Du?"-i 

Haribax22  Wie  der  Vogel  in  der  Luft, 

Faust  Eine  ziemliche-^  Geschwindigkeit,  für  mich  aber  nicht 
geschwind  genug,  drum  verlass'-*  mich,  Dispare  (der  Geist  ver- 
schwindet mit  Geheul)'-^ 

*  Faust  allein  ^ii.  in.  ^  e.  nach  einer  Pause  Bn.ui.  ^  Wass 

kann vorgaukeln?  (steht  auf)  Bu.m.  ^  der  Genius  d.  M.  B  u. 

5  vor    mir   B  ii.  iii.  ®  ....  dir,    wass    kann   mich   abhalten   den 

dunklen  Vorhang  (Schleier  5  in)  wegzuziehen,  um  die  Geschöpfe  (dieser  Erde 
B m)  in  ihren  wahren  Lichtgestalt  (-en  Bin)  zu  sehen!    Wer  usio.  Bu.m. 

'  b.  und  die  Menschen  die  Vergangenheit  als  ein  bild  vorzeige.  Gött- 
liche   usw.    B  II.  in.  «  dem  ^  n.  ^  drum    bin    ich   B  n.  ni. 

'"  (mit  Pathos)  B  n;  f.  B  m.  "  vox  B  ii.  in.  »^  ^^s  Tatar 

Bu.m.  >=*  sogleich  5 n.  «^Sc.  8.  M.  ^n.  ^^  M.  f.  B  m. 

•®  mit  einem  Bu;   unter  Donner  und  B  m.  "  Bi:   Ha  was   sehe 

ich  hir,  seid  ihr  Teufel 

Teufel:  Wir  sind  die  Teufel  Faust  du  hast  uns  gerufen,  wir  wollen 
dier  dienen. 

Faust:    Wie  geschwind  eic.  "  Alle  F.  Bm.  *'  zu  der  ihm 

zunächst  stehenden  Bm.  *°  Und  wie  ßii.  ui.  ^^  du  Geist  (letzteres 

später  zugefugt)  B  \.  ^^  Hariback // ii.  ^3  schöne  5  in.  ^4  fliehe 

und  verlass  B  ii.  in.  -^  m.  Geh.  f.  B  u.  in. 


132      DIE  BERLINER  FASSÜING  DES  PUPPENSPIELS 

Faust  Feraer  sage  mir  Geist,  wie  heifst  Du  uiit  deinen  ^ 
Nahmen,? 

Megera2  Megera! 

Faust  Und  wie  geschwind  bist  du 

Megera  Wie  der  Fisch  im  Wasser, 

Faust  Für  mich  nicht  geschwind  genug,  Dispare,  (der  Geist 
verschwindet  mit  Geheul)^ 

Faust*  Ferner  sage  mir  Geist,  wie  heifst  du  mit  deinen ^ 
Nahmen,? 

Vilzli  -c  Vitzliputzh, ! 

Faust  Wie  geschwind  bist  Du? 

VitzH  Wie  die  Schnecke  im  Sande, 

Faust  Unverschämter  Teufel,  nicht  mal  so  geschwind  wie 
ein^  Mensch,  ich^  kann  dich  nicht  brauchen 9,  fliehe  und  verlass 
mich,  Dispare,  (der  Geist  verschwindet) 

Faust  Ferner  sage  mir  Geist,  wie  heifst  du  mit  deinen  Nahmen? 

Auerhahn  Auerhahnl 

Faust  Wie  10  geschwind  bist  du? 

Auerhahn  Wie  die  Kugel  aus  dem  Rohre 

Faust  Eine  grofse  Geschwindigkeit,  sage  mirii  bist  Du  be- 
reit mir  zu  dienen,?  — 

Auhahn  Nein  Faust!  mein  Fürstin  der  hat  noch  viel  ge- 
schwindern, 

Faust  So  sende  mir  einen ^^^  fliehe  und  verlass  mich  Dispare! 
(der  Geist  verschwindet) 

Fausti*  Von  diesen  Geistern  konnte  mir  keiner  Dienen,  doch 
halt!  trotz  der  gröfse  dieses  Geistes i^,  habe  ich  ihm^c  kaum  be- 
merkt. Sage  mir  Geist,  wie  heifst  Du? 

Mephis -/^amn.  7]  Mephistoples!  der  geschwindeste i''  — 

Faust  Wie!**  geschwind  bist  Du? 

Mephis   Wie  des  Menschen  Gedanken '3, 

'  deinem  f.  B  ii.  iii.  ''■  alles  auf  Megera  bezügliche  /'.  B  iii.  ^  mit  G. 

f.  B II.         '•  F.  sich  zum  andern  wendend  B  n.  ^  f.  B  ii.  iii.  ^  V.  ?/.  A. 

sind  in  B  m  u7ngestellt.  '  der  ^  iii.  *  Marsch  ich  ^iii.  "  ge- 

brauchen Ä II.  III.  1°  Und  wie  B  \\\.  "  f.  Bwi.  *-  m.  (der  Bm) 

Fürst  der  Finsternisse  hat  Z?  ii.  in.  *^  einen  solchen  Bm,  darauf  Faust 

zu    einem  Dritten    (Vitzl.  s.  o.)    Auch    sage    mir    du    kleiner    Geist  vsw. 

"  Sc.  9.    Faust  u.  Mephisto.    Faust  (B  ii.  iii).  **  Teufels  B  i. 

^^  ihm  doch  B  ii.  iii.  »"^  d.  g.  f.  B  in.  '*  Und  wie  B  ii.  iii. 

^*  Gedanke  B  n.  iii. 


VOM  DOCTOR  FAUST  133 

Faust  So  bist  Du  der^  wie  ich  ihm  mir  wünsche  sage  mir, 
bist  Du  bereit^  mir  zu  dienen?  — 

Mephis  Mein3  Fürst  [anm.8]  der  Herrscher  der  Hölle,  schickt 
mich  deshalb  hierher,  um  dich  zu  Dienen  Befehle, 

Faust  Nun  kalter  Teufel,  wie  lange  willst  Du  mir  Dienen?* 

Mephis.    Gieb  eine  Zeit  an,  und  ich  werde^  antworten, 

Faust  48  Jahre  sollst  Du  mir  Dienen 

Mephis  Was  bildest  Du  Dir  ein  Faust?  —  denkst  du  länger 
zu  leben,  als  andere  deines  gleichen?  24  Jahr  kann  ich  nach 
unseren  Gesetzen  dir  nur  Dienen  länger*^  nicht, 

Faust  Wie!  —  habt  ihr  Teufel  auch  gesetze,? 

Mephis:  0,  ja,  Faust,  und  das  schwere  Gesetze  vorzüglich 
für  HöUensühue  des  Erdballs",  doch  bedenke  Faust,  dass  ich 
Teufel  heifse  richte  deine  Fragen  gelinder  ein ,  und  ich  werde 
gelinder  antworten, 

*  der  gewindeste  und  bist  wie  ich  dich  mir  wünsche  (wie  du  gew,  wirst 
Bm)  sage  usw.  Bn.m.  ^  bereit  und  entschlossen  ^  ii.  ^  ^n.  ni: 

Mein  Fürst  d.  H.  (Beherrscher  B  in)  der  Hölle  hatte  durch  schrecklichen 
Hörnerschall,  der  an  der  glühenden  Scheibe  der  Sonne  wiedertönte,  allen 
gefallenen  Geistern  auf  der  Ober  und  in  der  Unterwelt  (Geistern  der  Ober 
u.  Unterwelt  B  in)  kund  thun  lassen ,  dass  er  heute  ein  grofses  (grofses 
grofses  B  in)  Freudenfest  geben  würde.  Die  Höllengeister  versammelten 
sich  auf  den  mächtigen  Ruf.  Selbst  seine  Abgesandten  am  päpstlichen 
Stuhl  und  den  Herrschern  Europas  verliefsen  ihre  Posten  (Ruf  ihres  er- 
habenen Herrschers.  Von  allen  Enden  des  Weltalls  kamen  die  Furien  der 
Finsternisse  denn  B  in)  denn  die  Einladung  liefs  etwas  grofses  (und  B  in) 
wichtiges  vermuthen.  Schon  ertönte  das  ungeheure  Gewölbe  der  Hölle  von 
den  wilden  Geschrey  des  Pöbels  der  Geister  (G.  der  Verdammten  B  ni).  Die 
Fürsten  traten  hervor  (da  traten  die  Obersten  unter  sie  B  in)  und  gebothen 
Schweigen  der  Menge,  damit  Satan  die  Berichte  seiner  Abgesandten  der 
Oberwelt  vernehmen  könne.  Die  Teufel  gehorchten  und  eine  schauervolle 
Stille  herrschte  durch  die  ducke  düstere  Finsterniss,  die  nur  dass  Gewinsel 
der  Verdammten  unterbrach  (Stille  trat  an  die  Stelle  fürchterlichen  Gebrülls, 
die  nur  durch  ängstliches  Gewin^el  der  Verdammten  unterbrochen  wurde. 
Da  B  ni).  Auf  einmal,  Faust,  erscholl  deine  mächtige  Stimme  von  der  Ober- 
welt durcli  die  Hölle.  Hörst  Du  Faustens  Ruf?  sagte  (sagt  B  lu)  Pluto  zu 
mir.  Ich  fuhr  schnell  herauf,  denn  wenn  ich  zögerte,  so  möchtest  du  an 
die  Kraft  deines  Zaubers  zweifeln  und  die  Hölle  verlöhre  die  Früchte  deines 
Frevels.    Ich  bin  nun  hier  Faust  (f.  Bm)  um  dir  zu  dienen.     Befehle! 

F.    Soll  ich  deine  Worte  unverschämt  nennen  oder  bist  du  es? 

M.    Du  wirst  doch  in  den  Teufel  keinen  Schmeichler  suchen. 

F.    Nun   kalter  T.  etc.  *  T.  willst  du   mir  dienen?    Bm. 

^  werde  dir  B  n.  in.  ®  und  länger  B  n.  in.  '  Erdbodens  B  i. 


134       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Faust  Mephistoples, !  wenn  Du  nur  24  Jahre  mir  dienen 
kannst,  so  sage  mir,  werde  ich  unter  deiner  Leitung  Sünden i 
begehen? 

Mephis  Nach  Vollbringung  der  Jahre,  werden  deine  Thaten 
gewogen,  und  darnach  empfängst  du  deinen  Lohn, 

Faust  Gut2,   so  verlange   ich   auch  48  Jahr  Dienste  von  dir 

Mephis:  Wenn  du  darauf  beharrst,  so  muss  ich  erst  zu 
meinen  Fürsten  eilen,  weile  so  lange  hier  P'aust,  in  einer  Minute 
bin  ich  wieder  hier  (will  gehen)^ 

Faust  Noch  eins,  kannst  du  mir*  in  keiner  andern  Gestalt 
erscheinen,?  — 

Mephis    0  ja,  befehle  nur, 

Faust   So  lass   dich   in  der  Gestalt  eines  Menschen   sehen, ^ 

Mephis  -  Gute  Faust,  es  soll  geschehen,  (ab)'' 

Faust^  Die  Antworten  des  Teufels,  sind  ebend  so  trocken 
und  kalt9  als  er  selbst  ist,  wie  aber  wenn  mir  der  Höllengolt^o 
nicht  48  Jahre  seine  Macht  geben  will?  —  wass  ist  denn  zu 
thun,  nichts^'  anders,  als  das  ich^'-  mich  drein  ergebe,  auf 
24  Jahr  des  Teufels  Macht^^  zu  gebrauchen,  —  wohlan  denn 
ihr  Menschen  —  bisher  habt  ihr  meine  Talente  verkannt,  — 
habt  mich  für  einen  Thoren  gehalten,  aber  nun  will  ich  euch 
zeigen ,  dass  ihr  Faustens  Geist  falsch  beurlheilt  habt, 

Mephistophles  in  der  Gestalt  eines  Menschen.^* 

Mephis  Nun  Faust,  hier  bin  ich  wieder i^,  wie  gefalle  ich 
dir  in  meiner  neuen  Gestalt?  ^^ 

Faust  Gut^'^,   und  wie   stehts  mit  der  Zeit  deiner  Dienste? 

Mephis  Wie  ich  dir  schönes  gesagt  habe,  mein  Fürst  lässt 
dir  sagen 'ö,  das  24  Jahr,  die  längste  Zeit  sei  die  er  dir  dienen 
könne,  und  wenn  du  willens^o  bist,  dich  in  sein  Geboth  zu  er- 
geben ,  so  bitte  ich  um  deinen  Entschluss  — 

Faust  Rein  Sterblicher  wird   es  auch^i  wohl   nicht  wagen 

•  unter  dieser  Zeit  deiner  Leitung  aucli  Sünden  Bm.  ^  Ha  ^ii.  iii. 

^  wieder  bei  dir  B  ii.  in.  ''  mir  f.  B  in.  ^  wieder  erblicken 
5  II.  in.  ^  Wotil  All.  III.  ''  (verschwindet)  Bn.  *  Faust  allein 
Zfii.iii.  9  kalt  u.  tr.  Äii.  iii.  "*  Höllenfürst  B  ii.  »»  wahr- 
scheinlich   nichts   B  ii.  iii.            *'■*  ich   24  Jahr gebrauche  B  i, 

"  list  ßii.  III.  "  Sc.  10.    Mephistoples  etc.   Faustan.  »^  w.  /*. 

Ä  II.  III.  »8  Q    unj  yyje   meine  Kleidung?  B  ii.  in.  •'^  Wohl  B  n. 

Ganz  wohl  5  in.  *«  schon  f.  B  n.  in.  *^  kund  thun   B  ii;   kund 

machen  Bm.  ^'^  auch  willenst  ^iii.  ^^  auch  f'.Bui. 


VOM  DOCTOR  FAUST  135 

können,  mit  Gewalt  euren  Grillen  zu  wiederstehen  —  gut'  ich 
füge  mich2  darinn 

Mephis-So  höhre  denn  die  Gesetze^  meines  Fürsten,  Istens 
Geht  die  Zeit  von  der  verflossenen  Nacht  12  Uhr  an,  und  schliefst 
nach  24  Jahren  um  dieselbe  Stunde,  2tens  darfst  du  dich  nicht 
Waschen,  oder  Kämmen,  auch  nicht  die  Nägel  abschneiden,  wäh- 
rend der  24  Jahre 

Faust  Wass  verlangst  du  Mephistopheles?^  da  werd  ich  ja 
einen  Ungeheuer  ähnlich  sehn^ 

Mephis:  Künier  Dich  nicht  darum^,  du  wirst'  bleiben  wie 
du  bist,  ob  du  auch  gleich  keine  weifse  Wäsche  mehr  anziehen 
darfst,  so^  wirst  du  doch^  immer  Reinlich  und  geschmack- 
voll sein  10, 

Faust  Wohl  ich  füge  mich  in  euren  Willen  ii, 

Mephis  Ferner  darfst  du  in  keine  Kirche  mehr  geheult 

Faust  Wass  verlangst  du  alles '^  Mephistoples^*  wass  kann 
euch  das^^  schaden  wenn  ich  in  eine  Kirche  gehe,?i6 

Mephis  Vergesse  nicht ,  das  du  dich  Plutos  Gesetzen  unter- 
werfen musst 

Faust  Noch  steht  es  bei  mir,  ob  ich  mich  euren  Gesetzen 
unterwerfen  will  oder  nichts'',  doch  bin  ich^s  entschlossen  mich 
euren  Forderungen  preis  zu  geben, 

Mephis  4tens  darfst  du  auch  kein  Weib  dir  durch  Priesters- 
hand antrauen  lassen  ^^ 

Faust  Deine  Forderungen  sind   unverschämt  zumal   da   ich 

*  gut  f.  B 11.  III.  2  mich  also  B  ii.  iii.  ^  in  B  i  durchstriche7i, 

stattdessen  mit  bleistift  übergeschrieben:  Nun  Faust  folge  mir  zu  (meines 
Fürsten)    (ab).  "  Mephistoples   B  ii.  iii.  ^  werden    B  ii.  in. 

^  darum  f.  B  ii.  in.  ''  wirst  immer  B  ii.  ^  so  f.  B  n.  ^  doch 

f.  Bu.m,  ^°  ob  —  sein  durc/istrichen  B  m.  "  Grillen  i?  ii.  iii. 

*2  gehen  um  zu  beten  Bni;  g.  um  ein  Gebeth  zu  verrichten  Bu. 
"  alles  f.  B  n.  in.  *■'  Mephistophles   mit  später  zugesetztem  h   B  n. 

*^  das    euch  B  n.  in.  '^  diese  worte  Fausts  sind  in  B  ii   durch- 

gestrichen. "  oder  nicht  f.  B  ii.  '^  ich  bin  B  ii.  in.  '^  lassen 

und  musst  du  einen  Kontrakt  unterschreiben  mit  deinem  eigenen  Blute 
B  ni;  lassen,  Faust:  Deine  Forderungen  sind  unver  .  .  .  .  B  \i.  in  B  n  sind 
die  Worte  Was  verlangst  du  bis  unver  durchgestrichen,  daher  folgt  fälsch- 
lich als  dritte  bedingung :  3tens  musst  du  einen  Gontrackt  unterschreiben 
mit  deinen  eigenen  Blute. 


136       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

entschlossen  bin ,  mir  ein  Weib  zu  nehmen ,  nein  Mephistoples 
das  kann  ich  nicht!  — 

Mephis  So  kann  ich  dir  auch  nicht  dienen,  doch  bedenke 
Faust,  dass  ich  dir  nach  deinen  Vergnügen  so  viel  Frauenzimmer 
verschaffen  1  kann,  als  du  nur  haben  willst,  nur  vor  des  Priesters 
Hand  hüte  dich, 

Faust  Gut!  so  bin  ich  auch  damit  zufrieden,  doch  verlange 
ich  jeden  Augenblick,  dass  du  mir  zu  Dienste  stehst,  in  allen 
Fällen  des  Lebens, 

Mephis  Allerdings  Faust,  aber  noch  eins,  —  5tens  musst  Du 
mit  deinen  Blut  unsern  Contrackt  unterschreiben, 

Faust  Mit  meinem  eigenen  Blute?  Willst  du,  das  ich  mich 
verletze ?  2    f^anm.  9]. 

Mephis  Reiche  mir  deine  Hand ,  setze  dich  an  deinen  Tisch 
und  unterzeichne,  denn  die  kleine  Wunde,  welche  ich  Dir  unbe- 
merkt zugefügt  habe3,  heilt  wieder  in  denselben  Augenblick,  so- 
bald der  Kontrakt  unterzeichnet  ist. 4 

Faust  (setzt  sich  um  zu  schreiben)  Wie  ist  mir?  —  welche 
Mattigkeit  überfällt  mich?  —  ich  will  schreiben,  aber  meine 
Hand  wird  von  einer  unsichtbaren  Macht  zurückgehalten,  Mephi- 
stoples, warte  so  lange,  bis  ich  geschlafen  habe, 

Mephis  Nein  Faust,  dazu  habe  ich  von  meinen  Fürsten  keine 
Befehle  erhalten,  um  dich  in  Schlaf  zu  bewachen  (ab)^ 

Fauste  Wie  geschiet  mir?  (schläft  ein)  (Ein  Genius  erscheint, 
Adagio) 

^  f.  B  1.  ^  diese  loorle  Fausts  f.Bi.  ^  zufügen  werde  B  11 ; 

beigebracht  habe  ^iii.  *  Du   den  K.   unterzeichnest  ^iii;    M.s  worte 

fehlen  hie?'  in  B  i,  sie  koinmen  in  etwas  veränderter  gestalt  nach  dem 
erscheinen  des  Genius  (s.  %i.).  *  Faust  setzt  sich  his  bewachen  (ab)  f. 

B\\.\\\\  dafür:  ^  Bn.m:  Eine  Stimme  unsichtbar:  Faust  unterschreib 

nicht.  M.  (verschwindet  CrfMrcA^e*^/'tc//e;i5in)  ruft):  Faust  unterschreib.  F. 
Was  ist  das?  Zu  meiner  Rechten  ruft  mir  (mirs  ^m),  ich  soll  nicht  unter- 
schreiben und  zu  meiner  Linken  ruft  (rufts  B  in),  ich  soll  unterschreiben  ?  oder 
war  (wars  B  in)  nur  Täuschung  doch  ich  will  fragen,  um  Gewiss  zu  sein  (Er 
wendet  sich  zur  Rechten  (rechts  B  m))  Sagt  mir,  ihr  Geisler  zu  meiner 
Rechten,  warum  soll  Faust  nicht  unterschreiben?  Stimme:  Faust,  entgeht 
seine  (Du  entgehst  Deine  Bm)  ganze  Seligkeit.  F.:  Wahr  ist  es  doch  ich 
will  weiter  fragen.  Sagt  mir,  ihr  Geister  zu  meiner  Linken,  warum  soll  ich 
unterschreiben?  Einige  Stimmen  lassen  sich  hören:  F.  wird  d.  ansehnlichste 
(angesehenste  ^iii)  Mann  auf  der  ganzen  Welt  werden.  F.:  Ebendies  ist 
ja  mein  Wunsch,  mir  einen  unsterblichen  Nahmen  zu  machen.  Halt,  da  fällt 
mir  etwas  ein,   ich  kann    und  darf  d.  Himmel  nicht  verlassen,  aber  auch 


VOM  DOCTOR  FAUST  137 

Genius  Faust  1  ich  werde  von  Höchsten  geschickt,  erwache 
nur  einen  Augenblick,  und  thue  dich  zum  Höchsten  wenden, 
und  lass  dich  nicht  von  Satan  blenden  i,  Faust  nun  schlaf 
in  guter  Ruh  und  fahre  nicht  der  Hölle  zu  (der  Genius  ver- 
schwindet) 

Faust  (erwacht)  Wie  war  mir,!  wass  hörte  ich?  war  es  Traum 
oder  Würklichkeit?  —  Erschien  mir  nicht  schon  wieder  der  Genius 
der  Menschheit  und  warnte  mich  von  dem  Bösen?  —  Verdaniles 
Hirngespinnstl  —  es  soll  mich  jetzt  nichts  mehr  von  meinen 
Vorhaben  abhalten,  denn  nur  durch  des  Teufels  Macht,  kann  ich 
der  angesehenste  Mann  auf  der  Welt  werden, 

Mephistoples  tritt  auf- 

Mephis  Nun  Faust,  schreite  zu  Wercke,  reiche  mir  deine 
Unke  Hand,  (Faust  ihut  es),  und  unterzeichne  den  Contrackt, 

Faust  Du  wirst  mir  doch  erlauben,  dass  ich  ihm  erst 
durchlese, 

Mephis:    Das  steht  Dir  frei  — 

Faust  (setzt  sich  und  liesl^)  Ich  Endesunterzeichneter  be- 
merke hier,  das  ich  mir  des  Höllen -Fürsten,  Plutos  Macht  auf 
24  Jahre  bediene,  und  folgende  Artiekel  halten  will, 

Itens  hat  dieser  Contrackt  seine  gültigkeit,  vom  heutigen 
Dato,  und  endet  nach  24  Jahren,  Nachis  um  12  Uhr, 

2tens  dass  ich  mir  während  der  Zeit,  nicht  Käiiien  — 
Waschen  und  keine  Nägel  an  Händen  und  Füfsen  beschnei- 
den will 

3tens  dass  ich  während  der  Zeit,  kein  Gebelh  mehr  ver- 
richten auch  in  keine  Kirche  mehr  gehen  will. 

4tens  mir  auch  nie  Verheyrathen  will, 

5tens   diesen  Contrackt  mit  meinen  völligen  Verstand   und 

mein  Wunsch  soll  befriedigt  werden;  12  Jahre  soll  nur  d.  Teufel  mir  dienen 
und  d.  anderen  12  Jahre  will  ich  anwenden  ,  um  mich  wider  mit  dem  Himmel 
zu  versöhnen.    Ich  unterschreibe  also.    Der  Gontrakt  ist  fertig.    (B  iii  unter- 
schreibe (unterschreibt).    So  der  Gontrakt  ist  fertig).  '  wenden  B  i. 
~  Bi:   Mephistoples  tritt  auf. 

Mephis  Nun  Faust,  schreite  zu  Wercke,  reiche  mir  deine  linke  Hand, 
(Faust  thut  es)  So,  jetz  setze  Dich  an  Deinen  Tisch,  und  unterzeichne,  denn 
die  kleine  Wunde  welche  ich  Dir  unbemerkbar  zugefügt  habe,  heilt  in  den- 
selben Augenblick,  sobald  der  Contrackt  unterzeichnet  ist, 

Faust  Du  wirst  mir  doch  erlauben  nsio.;  B  n.  in  f.  die  Verlesung  des 
contracts. 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  10 


138       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

ßewusstsein  unterschreiben  will.  Dahingegen  verpflichtet  sich 
Pluto  — 

Itens  Mir  zu  Wasser  und  zu  Lande  zu  Dienen 

2tens  Mir  alle  nur  ersinnliche  Lust  und  Vergnügen  zu  Ver- 
schaffen 

3tens  Mir  überall  reinlich  anständig  und  geehrt  zu  machen, 
und  es  mir  auch  nie  an  Gelde  fehlen  lassen  will  —  Schliefslich 
bemerke  ich  noch,  dass  ich  nach  24  Jahren  Plutos  Eigenthum  mit 
Leib  und  Seele  sein  will  —  sobald  er  aber  obige  Artikel  nicht 
halten  kann,  oder  will,  so  setze  ich  hiermit  fest,  dass  ich  Wort- 
brüchig werden ,  und  meine  Contrackt  jeden  Augenblick  zurück- 
fordern kann,  solches  unterschreibe  ich  mit  meinem  Blute 
Anno  1525,  Johannes  Faust 

So  der  Contrackt  ist  fertig,  i 

Mephis^  Darf  ich  den  Contrackt  jetzt  meinem  Fürsten  über- 
senden? 

Faust:  Du  darfsts^  (Ein  Rabe  schwebt  herab  *  niifit  den 
Contrakt  in  seinen  Schnabel^  und  fliegt  davon) 

Mephisß  Jetzt  Faust  befehle,  wie  kann  ich  dir  Dienen, 

Faust  Mephistoples  sage  mir,  gehört  meine  Seele  noch  dem 
Ewigen? 

Mephis  Er  weifs  nichts  mehr  von  dir,  denn  Du  verschriebst 
deine  Seele  so  ebend  dem  Reiche  der  Verdammten ,  doch  Faust, 
was  können  diese  Fragen  Dir  nützen,  überlass  dich  von  nun  an 
dem  Vergnügen  der  Welt,  der  Herzog  von  Parma  giebt  heut  ein 
grofses  Fest,  willst  Du  nicht  hinüber,  um  es  mit  beizuwohnen? 
Das  wäre  so  ein'  Ort,  wo  Du^  deine  Geschicklichkeit)  zeigen 
könntest, 

Faust  Wass  sprichst  Du  Mephistophlesl'"  wie  kann  ich  heute 

^  f.  B\.  -  M.  tr.  auf  ^iii;  Bi:    Mephis.     Nun  gut  Faust,    siehst 

du,  so  ebend  schwebt  unser  Merkurius  aus  der  Luft  herab  und  zwar  in  der 
Gestalt  eines  Raben ,  um  den  Contrackt  unsern  Fürsten  zu  bringen  (Ein 
Raabe  usw.).  ^  Du  kannst  es  B  iii.  "  kommt  geflogen  B  in. 

^  vom  Tisch  Bw.m.  ^  Bw.m:    Mephis  Nun  Faust,  jetzt  gehören  wir 

uns  beide  an.  Dein  Name  glänzt  nun  schon  an  den  Pforten  der  Hölle. 
F.:  Ich  glaube  es.  Ach  das  grässliche  ist  geschehen,  und  ich  kann  es 
nicht  wieder  zurück  nehmen.  M. :  Warum  Faust  solche  schwere  Gedanken. 
Zerstreue  dich  überlass  dich  das  (dem  B  in)  Vergnügen  der  (dieser  B  in) 
Welt.    Der  Herzog  usw.  '  Da  wäre  ein  B  ii.  iii.  ^  du  heute  B  ii.  iii. 

®  -en  //  II.  III.  *°  Mephistoples  ^  ii. 


VOM  DOCTOR  FAUST  139 

noch^  nach  Parma,  in  Italien,  der  Ort  ist  ja  gegen  200  Meilen 
von  hier2, 

Mephis  Hast  Du  vergessen  Faust,  dass  ich  so  geschwind 
binn^,  als  des  Menschen  Gedanken 

Faust  Nun  so*  führe  mich  hinn,  aber  an^  allen  Höfen  Europa's 
die  ich  besuchen  werde,  darf  ich  doch  auf  deine  Gesellschaft 
rechen?  6 

Mephis  Ich  werde  imer  dein  Gesellschafter,  und  an^  deiner 
Seite  sein,  — 

Faust  Aber  auf  welche  Weise  wirst  du  mich  heule  noch* 
nach  Parma  schaffen  ?9 

Mephis:^ö  Dagg  sei  meine  Sorge,  wir  gehen  durch  die  Luft 
[anm.  10]. 

Faust  Nun  so  lass    uns  eilen  (beide  ab^O 

(Casper  tritt  auf  Auerhahn  setz  sich  auf  den  Slhul,  ohne 
von  Caspern  bemerckt  zu  werden) i^ 

Casper  Dass  weifs  der  Teufel,  wass  das  hier  im  Hause  ist, 
wo  ich  hinkome,  sind  nichts  wie  lauter  Teufel,  heute  früh,  es 
war  noch  soi3  in  der  Morgen-Dänierung,  so  ungefähr  3/4  auf  10^*, 
da  träumte  mir  so  ebend  von  meiner  Grofsmutter,  ich  wach  auf^^, 
und  da  kam  ein  Teufel,  und  krigt^^  mir  bei  der  Nase,  ich  werde 
falsch  darüber,  nehm^"  also  den  Pantoffel  unters  Bette  hervor 
und  schmeifs^s  den  Teufel  damit,  der  Teufel  verstand  aber  das 
Ding  19  unrecht,  nahm  den  Pantoffel,  und  Karbatschte  mich  armes 
^  noch  f.  B  II.  2  yQ„  j^ipi-  entfernt  B 11.  iii.  ^  als  der  M.  in 

Gedanken  bin  B\i;  wie  des  Menschen  Gedanke  bin  Bm.  *  Nun  B\\; 

Nun  denn  B  in.  ^  \a  B  11.  ®  in  dieser  deiner  Verkleidung  rechnen 

Zfii.  III.  ■'  und  dir  steht  (stets  Bm)  zur  seile  Bn.m.  ^  f.  Bi\. 

^  schaffen.     (Es  fällt   ein  Luftniantel    aufs  Theater)  B\\;   in  Bm  nur: 
Aber  wie  werden  wir  dort  hinkommen?  •"  ^iii:  Mephis:    Wir  gehen 

durch  die  Luft.  Komm  Faust  (beide  ab);  B\:  ...Sorge,  im  Triumph  will 
ich  mit  Dir  über  die  Stadt  schwinden,  dass  jedermann  erstaunen  soll;  ^11: 
Sieh  dich  nur  um  Faust!  Hinter  dir  liegt  schon  ein  Luftmantel  bereit,  um 
dich  dorthin  zu   tragen.  '*  eilen  (Er  setzt  sich   auf  den  Mantel  und 

verschwindet)  B\\.  ^^  5  iii  nur:  K.  tritt  auf;  ^ii:  Seil.   Auerhahn 

Mephisto  ruft:  Auerhalui !  A.  von  innen:  Was  giebt's  Neues  M,  Ich  habe 
den  Herrn,  schaffe  Du  den  Diener  (geht  ab)  A.  tritt  herein  u.  setzt  sich 
auf  d.  Stuhl.  Sc.  12  Casper.  Casper  allein  ohne  Auerhahn  zu  bemerken. 
Das  weifs  etc.  '^  %o  f.  Bw.wx.  "  11  B\\\.  ^^  erwachte  darüber 

B\\.  iii.  'ß  kriegte  B  11.  iii.  >''  Icii  wollte  das  Ding  nicht  verstehen, 

ich  nahm  also  i?ii.  in.  '^  schmiss  damit  nacli  ßii.  in.  *^  das  Ding 

f.  B  u.  in. 

10* 


140       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casperchen^  so  raisonabel  herrum  das  ich  vor  Angst  nicht  vvusste 
wo  ich  bleiben  sollte,  und 2  wäre  der  Fäustling  nicht  dazu  ge- 
koifien  ich  glaube  der  Teufel  hätte  mich  zu  Tode  gepantolTelt, 
U,  a,  (gähnt)  ich  bin  noch  ganz^  Müde  davon  (Er  will  sich  hin- 
setzen auf  den  StuhH,  Auerhahu  fasst^  Casper  um,  welcher  an 
zu  schreien  fängt)  Au  weh!  Auweh!  Da  hat  der  Teufel,  schon 
wieder  ein  Teufel,  —  Na^  höre  mal,  wer  bist  du  denn?' 

Auer:   [anm.  11]  Ich  bin  deines  Herrn  Leibjäger  — 

Casper  Na,  so  sage  mir  doch*  wo  ist  denn^  mein  Herr,? 

Auer  Dein  Herr  ist  nach  Parma,  zum  Herzoglichen •"  Bey- 
lager,  und  er  lässt  dir  sagen,  du  sollst  zu  ihm  koinen, 

Casper  So!  —  Ich  werde  mir  aber  hüten,  dass  ich  nicht  in 
die  Berme  koiüe,  wenn  mein  Herr  drinn  ist,  kann  er  drinn 
sitzen  bleiben n,    Casper  geht  aber  nicht  hinni-, 

Auer  Dass  brauchst  du  auch  nicht,  ich  will  dich  auf  eine 
leichte^s  Art  hinschaffen, 

Casper  Dass  brauchst  Du  nicht,  ich  geh  nicht  nach^*  Berme, 
ich  glaubeis,  du  siehst  mich  für  einen  Bäckerjungen  an?  ne, 
ne,   wenn   Du   willst   Berme   haben,   hohl   Dir  selberic  welche, 

Auer  Casper  Du  verstehst  unrecht,  dein  Herr  ist  nicht  in 
die  Berme,  sondern  nach  Parma  in  Italien^'  beim  Herzog,  und 
wenn  du  dich  mir  verschreiben  willst,  so  sollst  du  in  zwei 
Stunden  da  sind, 

Casper  Wass  soll  ich  dir  denn  verschreiben,  ich  hab  ja  nichts, 

Auer  Deinen  Leib  und  Seele! 

Casper  0,  du  dummer  Kerl,  Casper  hat  keene  Seele,  die 
ist  bei  Caspern  reene^s  vergessen  worden,  und  überhaupt  kann 
auch  Casper  19  nicht^o  schreiben, 

*  mir  Bni;    mir  damit  Bii.  ^  und    ich  hätte   allein    mögen  des 

Teufels  werden  ich  bin  ^11.  in.  ^  ganz  f.Bu.m.  *  Er  w.  sich 

auf  d.  St.  setzen,  auf  welchen  der  Teufel  sitzt  Bii;  Gähnt  und  setzt  sich 
auf  Auerhahns  Schofs).  Ich  muss  mich  nur  ein  bischen  setzen,  au,  wai, 
da   sitzt  schon   wieder   einer   da   hat  d.  Teufel  usiv.  B  in.  ^  umfasst 

Bn.  ^  (Sieht  sich  um)  Na  Bu.  ''  denn  du  ^ii;   Was  bist  denn 

du  für  ein  Bengel   B  in.  *  Sage  mir  doch  du  J^eibjäger  B  11.  iii. 

^  denn  eigentlich  ^  iii.  '°  herrlichen  ^iii.  "  so  mag  er  immer 

drin  bleiben,  wenns  ihm  nur  drin  gefällt  B  11.  in.  '^  hin  f.  B  ni. 

"  einer  leichten  und  dir  (f.  B  ni)  bequemen  Art  B 11.  in.  "  in  die  B. 

B  1.  '5  glaube  gar  Bu;  gl.  ja  B  lu.  '^  selber  f.  B  m.  "  in 

Italien  /".  Bi.  »s  /;  ßium.  '^  der  C.  Bm.  20  Casper  kann 

nicht  B  II.  ni. 


VOM  DOCTOR  FAUST  141 

Auer  Ich  will  dir  die^  Hand  führen  — 

Casper  I  —  da  lachen  mir  ja  die  Jungens  aus,  wenn  es 
hiefs,  Casper  lässt  sich  vom  Teufel  die  Hand  führen,  und  üher- 
haupt  habe  ich  auch  heute^  keine  Lust  zum  schreiben,  wenn  ich 
von  Parma,  oder  wie  das  Ding  heifst  zu  Hause^  kome,  dann  ver- 
schreibe ich  dir  alles  wass  du  haben  willst,  ^ 

Auerh.  Nun  gut!  so  räume  Tisch  und  Stuhl  fort  ich  werde 
dir  ein  Reitpferd  schicken^, 

Casper  Na  hör  mal^,  wie  heifst  du  denn  Eigentlich? 

Auerh.    Ich !  ich  heifs  Auerhahn  I  —  (ab)*' 

Casper  Ein  Scharmanter  Nähme  Kuckelhahn ^,  Na  ich  muss 
doch  wohl  ein  bischen  hier  Aufräumen  wie  mir^  Hr.  Kuckelhahn 
befohlen  hat,  (indem  fällt  er  über  den  Kreis  welcher  an  der  Erde 
liegt'')  Aberi"  wass  ist  denn  das?  da  ist  gewiss ^^  ein  Schneider 
hier  gewesen  und  hat  meinen  Herrn  Maafs  genomen,  und  hat 
dabei  das  Maafs  verloren,  aber  da  steht  ja  was  draufgeschrieben 
• —  (bückt  sich) '2  Ach  so  kann  ich  das  nicht  lesen,  ich  werde  es 
mir  komode  machen  (setz  sich  in  den  Kreis)  So!  —  da  steht 
drauf  geschrieben,  weun^^  man  die  Teufel  will  koinen  lassen, 
sagt  man  Perlicko!  (die  Geister  Erscheinen)  Ach  das  ist  nicht 
wahr,  denn  sonst  wären  die  Teufel  schon  hier,  (er  sieht  sich  um 
und  fängt  an^^  zu  schreien)  Au  weh!  Ach  ichi^  armes  Cas- 
perchen,  jetz  binn  ich  aufi^  einmal  in  eine  saubere  Gesellschaft 
gerathen,  wenn  ich  nuri^  wüsste,  wie  ich  die  Herrn ^^  Schorn- 

•  deine  B  ii.  m.  ^  C.   Da  würden  mir  die  kleinen  Kinder  auslachen 

und  würden  sagen,  Casper  lässt  sich  vom  Teufel  die  Hand  führen;  dass  ist 
ein  rechter  (recht  ßni)  dummer  Casper  und  ich  kann  (muss  ßiii)  dir  nur  kurz 
sagen  ich  habe  heute  keine  Bw.m;  B\  f.  heute.  ^  wir  aber  wieder  nach 

H.  ß  II.  III.  '•  holen  B  m.         ^  Höre  mal  du  wie  heifst  denn  du  ^ii.  iii. 

®  A.  Auerhahn  (geht  ab)  B  ii.  in.  ''  Scharmanter  Kuckelhahn  B  in. 

«  wohl  thun  was  mir  B  ii.  in.  ^  Er  trägt  (schlept  B  ni)  Tisch  und  Stuhl 

(Stühle  ^  in)  fort  kernt  aber  gleich  wieder  zurück  (f.  Bm)  und  fällt  über 
seines  Herrn  vergessenen  Zauberzirkel  (sieht  den  Z.kreis  Bm).  '°  Aber 

f.  B\\;  was  liegt  denn  da  an  d.  Erde?  Bm.  '•  da  hat  gewiss  (wohl 

B  in)  ein  Schneider  das  Mafs  verloren  ich  muss  doch  mal  sehen ,  was  er 
da  rauf  geschrieben  hat  B  ii.  in.  '^  Er  liest  'Wenn  man'  usw.   Bm; 

(Beiseite)  Ich  werde  mir  es  aber  komode  machen  Bn.  *'  Wenn  man 

will  den  (die  B  iii)  Teufel  beschwören  und  man  sagt  P.  so  kommen  sie  (die 
Teufel  erscheinen  B  ni)  (Bei  Seite)  Das  ist  nicht  wahr  denn  wenn  das  wahr 
wäre ,    so  wären  B  n.  ni.  *''  laut  an   B  ii.  '^  Du   B  n.  iii. 

*o  mit  5 II.  III.  "  doch  nur  Bu.m.  '^  die  fatalen  Seh.  Bin, 


142       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

steinfeger  wieder  lofs  werden  könnte  —  Na^  ich  muss  nur 
weiter  lesen,  hilfts  nichts,  —  so  schadls  nichts  (hefst^)  wenn^ 
man  sagt  Perlucco!  so  gehen  die  Teufel  wieder  fort,  also  Perlucco! 
(die  Teufel  verschwinden*)  A,  ha,  nun  ihr  lieben  Teufel,  wo  hat 
euch  denn  der  Teufel,?  —  wartet  ihr  habt  mir  heute  früh  ins 
Bette  rumgepantoffelt,  jetzt  werde  ich  euch  lassen  en,  Hopser 
tanzen^  —  Perlicco  — (die  Teufel  erscheinen)  hat  euch  der 
Teufel  schon  wieder,? 6  — 

Die  Teufel'  Du  hast  uns  ja  gerufen  — 

Casper  Sagt  mir  doch  wer  seid  Ihr  denn?  — 

Die  TeufeP  Wir  sind  Furien  — 

Casper  So!  ihr  seid  Fuhrleute!  Na^  ich  danke  für  euch^ 
mit  euch  mag  ich  nicht  fahren,  Perlucco!  (sie  verschwinden) 
Wart  ich  muss  euch  in  Hitze lo  bringen,  Perlicco  (sie  erscheinen) 

Die  Teufelei  Casper  koiü  aus  diesen  Kreis  — 

Casper  Ne,  dass  werde  ich  bleiben  lassen,  was  wollt  ihr 
mir  denn  thun,?i2 

Die  TeufeUi  Wir  brechen  i3  dir  den  Hals  — 

Casper  Na  da  müsst  ich  ein  rechter^*  Esel  sein  wenn  ich 
aus  diesen  Kreis  trete^^^  also  den  Hals  wollt  ihr  mir  brechen? 
Ne  dass  halt  ich  nicht^ß  aus,  Perlucco!  (sie  verschwinden)  So^^ 
—  aber  ich  habe  doch  vergessen,  die  Hr.  Teufel  noch  wass^^ 
zu  fragen,  Perlicco!  (sie  erscheinen)  Sagt '9  mir  doch  mal20  ihr 
Hr:  Teufel,  könnt  ihr  mir  denn  gar  nichts  thun? 

Die  Teufelei  Nein  — 

Casper  Warum  denn  nicht? 

Die  Teufelei  So  lange  du  in  den  Kreis  bist,  haben  wir 
keine  Macht  an  dir, 

*  Nun  ^11.  III.  ^  er  liefst  weiter  j5ii.  iii.  ^  und  wenn  Bii.m. 
'S  fort   (d.   Geister  v.)   Perlucco  (Er    sieht   sich    um)   A ,  ha !    B  ii.  iii. 

*  tanzen  dafür  Bu;  dafür  einen  Hopsa  tanzen  lassen.  (Setzt  sich  in 
den  Kreis)  So !  Erst  werde  ich  es  mir  bequem  machen  und  Nanun  Perlicco 
Bm.  ^  w.  hier  5ii.iii.  ^  Geister  B  ii.  in.  ®  Aho  nun  ^ii; 
oho  n.  B  III.  ^  für  eure  Dienste  und  Dienerschaft  B  ii.  iii.  *°  Schweifs 
5 II.  III.  "  Furien  ^ii;  Geister  ^  iii.  '-  0,  ne,  sagt  mir  mal  (f. 
B  III),  was  etc.  B  ii.  in.  "  Dann  brechen  wir  B  ii.  in.  "  I  da 
möchte  ich  ja  ein  E.  sein  B  n.  in.  ^^  gienge  B  iii.  '"  träte 
(gienge  Bm)  Nein,  nein,  erst  den  Hals  und  hernach  das  Genick,  nein  dass 
hält  Kasper  nicht  Bu.m.  "  Abmarschiert,  so!  Bin.  '«  doch 
noch  wass  v.,  d.  Hr  T.  zu  fragen  B  ii.  iii.            *^  Aber  sagt  B  n.  iii. 

20  /:  B  11.  iii.  21  Furien  B  ii ;  Geister  B  in. 


VOM  DOCTOR  FAUST  143 

Casper  So?i  na  dass  ist  gut,  nu  passt  mal^  auf  Perlucco! 
(verschwinden)  Perlicco !  (erscheinen)  Perlucco  (verschwinden)  Per- 
licco  (erscheinen)  Perlucco  (verscliwinden)  Perlicco  (erscheinen)^ 

(N:B:  man  kann  das  so  oft  machen  als  man  will  Die  Teufel* 
ergreifen  Casper,  und  zerren  ihn  hin  und  her^  er  schreit  aus 
vollen  Halse^  Perlucco  Die  Geister''  lassen  ihm  fallen  ,  und  ver- 
schwinden)^  Nein  jetzt  lasst  mich  zufrieden  ,  jetzt  hah  ich  nichts 
mehr  mit  euch  zu  thun'^,  denn  ihr  könnt  doch  am  Ende"*  eine 
Spatzierfahrt  nach  der  Hölle  mit  mir  machen,  und  da  hat  Casper 
keene  Lust  dazu, 

Auerhahnii  tritt  auf. 

Auerh:  Nun  Casper  jetzt  ist  es  Zeit,  jetz  werd  ich  dich 
nach  Parma  bringen, 

*  So  f.  B\\.\\\.  -  f.  Bw.m.  ^  in  Bn  imal  Perlucco  3ma/ 

Perlicco;    in   Bin   zuerst  Perlicco  fälschlich,  nach   dem   letzten   Perlucco 
gleich:  —  Nein,  jetzt  lasst  mir.  ••  (man  kann  dies  Erscheinen  und  Ver- 

schwinden nach  Gefallen  machen)  Perlicco.    Die  Furien  B  ii.  ^  nehmen  ihn 

mit  in  die  Höhe  B  ii.  ^  a.  v.  H.  f.  B  ii.  '  und  die  Furien  B  ii. 

*  wieder  fallen  B  n.  ^  schaffen  B  m.  '°  könntet  am  (letzten  Bm) 

Ende  doch  mit  mir  Bii.m.  ''  B  u:    Auerhahn  ruft    in  d.  Entfernung 

Casper  setz  dich  auf,  dein  Reitpferd  kommt.  C.  Wer  ruft.  A.  Auerhahn. 
C.  Nun  guth  dass  du  kommst.  A.  Setz  dich  auf  C,  setz  dich  auf  (es  er- 
scheint eine  finstere  Wolke)  C.  Da  soll  ich  mir  drauf  setzen !  (Er  besieht  die 
Wolke)  dass  hat  ja  keinen  Kopf  und  keinen  Schweif  nicht  (die  Wolke  ver- 
wandelt sich  in  einen  Sopha,  er  besieht  es  nochmals)  Ei  sieh  da,  der  Kuckel- 
hahn ist  doch  ein  gescheiter  Kerl,  er  macht  es  mir  recht  kommode  und 
bringt  mir  einen  Kanapee  (er  will  sich  darauf  setzen  und  es  verwandelt 
sich  in  einen  Sopha,  auf  welchen  ein  schönes  Frauenzirfier  sitzt.  Ei,  Potz- 
tausend Kuckelhahn,  sag  mir  mal,  wer  ist  dass?  A.s  Stinle:  Das  ist  meine 
Grofsmutter.  C.  Das  ist  ein  scharmantes  Frauenzimmer,  zu  der  muss  ich  mir 
zu  setzen.  (Das  S.  verwandelt  sich  in  ein  anderes,  aufweichen  ein  hässliches, 
grinzendes  Frauenzimer  sitzt).  Casper  an  die  Cuolisse  trettend.  Aber  sag  mir 
mal  Kuckelhahn,  was  ist  denn  das?  A.s  StiiTie:  Das  ist  meiner  Grofsmutter 
Schwester.  C.  (sich  schüttelnd):  So?  Nein  Kuckelhahn,  da  gefällt  mir  deine 
Grofsmutter  besser  als  deine  Grofsschwesler.  Zu  der  sez  ich  mich  nicht 
hin.  (Dass  ganze  Sofa  verwandelt  sich  in  einen  fürchterlichen  Drachen)  A.'s 
Stime  Casper  setz  dich  auf  es  ist  ja  dein  Reitpferd.  G.  Er  Br  da  habe 
ich  ein  schönes  Reitpferd  erwischt  Wartemal  (er  setzt  sich  verkehrt  auf) 
Warte.  0  ha ,  du  warte  mal  (der  Drache  fliegt  mit  Caspern  davon)  Casper 
schreit :  du,  ich  habe  mir  verkehrt  aufgesetzt,  Kuckelhahn.  Nicht  so  hoch, 
nicht  so  hoch  etc.  wie  oben;  Biu:  (A.  kommt)  Nanun  Kasperchen,  bist  du 
bereit?  Wir  wollen  jetzt  deinen  Herrn  nachreisen.  C.  Ja  lieber  K.,  wo 
hast  du  usw. 


144       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casper  Na  wie  willst  du  mich  denn  hinbringen  ?i  Wo  hast 
du  denn  das  Reitpferd? 

Auerh:  Das  wird  gleich  kommen,  Kasperchen,  siehst  Du, 
da  kommt  es  schon  (ein  Drache  kommt).  Das  ist  meine  Schwester, 
Rasperchen  [anm.  12]. 

Casper  Ei  Wetter,  ihr  seid  ja  eine  anständige  Familie,  Ne, 
du  Ruckelhahn,  da  setze  ich  mich  nicht  draul,  da  falle  ich  her- 
runter, 

Auerh:    Immer  setze  dich  drauf,  du  fällst  nicht. 

Casper^  Na  denn  will  ich's  mal  Riskieren,  lässt  Du  mich  aber 
fallen  dann  giebts  Püffe,  (er  setzt  sich  verkert  auf  und  ruft)  Du 
Rukelhahnl   ich  habe  mir  verkehrt  aufgesetzt,   Rukelhahn    nicht 
so  hoch,  das  Geschrei  verliert  sich  in  weiter  Entfernung 
Ende   des    Iten    Acts. 

Zweiter^  Act  Garten  in  Parma 

Don  Carlos,  der  Rammerdiener  dann  Casper  in  der  Luft^ 
Carlos^  Der  Tag  ist  heiter  und  schön,  aber  meine  Geschäfte  am 
heutigen  Tage  sind  häufig,  denn  dergleichen  viele  fremde  Herr- 
schaften, welche  sich  jetzt  an  unseren  Hofe  befinden,  habe  ich 
meine  Tage  nicht  gesehen,  dass  ist  ein  Leben  und  Gewühle  bei 
diesen  hohen  Feste,  dass  man  kaum  so  viel  Zeit  übrigbehält, 
hier  im  Garten  ein  wenig  frische  Luft  zu  schöpfen.  Wenn  alle 
Tage  solche  Feste  gegeben  würden ,  so  würde  ich  meines  Lebens 
gewiss  nicht  froh ,  und  da  möchte  ich  auch  nicht  Ranierdiener 
sein,  denn  Leute  meines  Standes  sind  die  geplachtesten  Kreaturen 
auf  der  Welt  (Man  hört  in  weiten  Entfernung  nicht  so  hoch 
rufen: 6  Lass  mich  los)  Was  ist  das?  welches  Geschrei  in  der 
Luft  und  gleichwohl  sehe  ich  nichts  (Casper  fällt  von  oben  mitten 
aufs  Theater)  Was''  ist  das  welch  ein  sonderbarer  Zufall 

^  B  \:    hinbringen.     Auerhahn  Setz  dich  hinten  auf  meinen  Schwanz, 
Casper  Ach  das  ist  eine  Riskante  Sache  da  fall  ich  herunter,  Auerh:    Habe 
keine  bange,  du  wirst  nicht  herrunterfallen,   Casper,  Na  denn  7isio. 
2  Casper  (sätz  sich    rauf)   Du  Kukelhahn,    das   geht  nicht,    ich  siz  ja  ver- 
kehrt.    Halt!   Ich  falle  (Sie  reiten  durch  die  Luft,  der  Vorhang  fällt)  Bm. 

3  Dritter  ^ii.  *  Sc.  i  Don  Carlos  (Cäsar  Am)  dann  Casper  Bii.m. 

'•>  über  B  i   s.  anm.  13.  ^  Man   hört    in   der   Luft   rufen    Caspers 

Stiüie  i^iii.  '  Don:  Wie!   Ein  Mensch  aus  der  Luft,  das  ist  auffällig. 

C.  (auf  der  Erde  liegend)  Nein,  das  ist  runterfällig  B\\\. 


VOM  DOCTOR  FAUST  145 

(Casper  auf  der  Erde  liegea)  Casper  Das  war  kein  Zufall, 
sondern  ein  Runterfall. 

Carlos  Ein  Mensch?  mitt  sonderbare  Kleidung.  Er  scheint 
mir  ein  Domestique  zu  sein  Ich  muss  ihn  doch  mal  fragen 
(sich  zu  Kasper  wenden)  Sagt  mir,  Freund,  Wer  seid  ihr,  oder 
wo  kommt  ihr  her? 

Casper  Du  unverschämter  Kuckelhahn,  frag  nur  noch  lange. 
Warte,  lass  mir  nur  aufstehen,  dann  werd  ich  dir  schon  Mores 
lehren.  1  Ich  glaube,  dass  kein  Glied  an  meinem^  Leibe  mehr 
ganz  ist3 

Don  Ich  weifs  nicht,  mit  wem  er*  spricht;  (zu  Kasper)  wen 
meint  ihr  denn? 

Casper  Frage  noch  lange  (Er  springt  auf  und  erschrickt,  indem 
er  Don  Carlos  gewahr  wird)  ach  verzeiht ,  euch  meine  ich  nicht. 

Don.     Wen  meint  ihr  denn. 

Casper  Fragt  noch  lange.''  Meinen  Kulscher"  den  unver- 
schämten Kuckelhahn  ^,  denn  als  ich  von  oben  dies  Schloss  sähe, 
da  schrie  ich  halt,  und  plautz  schmiefs  mir  der  Kerl  herrunler, 
apropos  1*  habt  ihr  meinen  Herren  nicht  gesehen? 

Don  Nein.      Wer   ist   denn    euer  Herr   oder   wie   heifst  er'' 

C.    Doktor,  Doktor  (Kasper  stöfst  ihn  mit  der  Faust) 

Don  Ihr  stofst  mir  ja  mit  eurer  Faust.    Was  soll  das  heifsen? 

C.    Ja,  so  heifst  ja  mein  Herr. 

Don  Wie?    Faust  der  grofse  Gelehrte  und  Künstler 

C.  Nun  ja!  aber  mein  Herr  kann  nicht  viel,  denn  was  er 
kann,  dass  hath  er  alles  von  mir  gelernt. 

Don  Oh  guter  Freund,  da  es  gerade  hier  die  beste  Gelegen- 
heil ist,  so  wünschte  ich  wohl  etliche  Kunststücke  von  den  Lehr- 
meister des  Dr'o  Faust's  zu  sehen. 

Casper  0  ja  wenn  ich  ein  Stück  Geld  verdienen  kann,  so 
könnt  ihr  was  zu  sehen  kriegen 

Don  Nun  guth.  Hier  ist  ein  Dukaten,  aber  macht  mir  auch 
dafür  ein  recht  schönes  feines  Kunststück  (giebt  ihm  Gehl). 

*  schon  die   Flötentöne   beibringen  ß  iii.  ^  es  ist  kein  Glied   an 

meinem  ganzen  B  in.  ^  daratif:  alle  Knochen  sind  kaputt  B  iii. 

''  ihr  ßii.  III.  •'■  Fragt  M*w.  f.  Bin.  ^  Reitknecht  5  in.  ^  K., 

meines  Pferd  sein  Bruder.  Don  Da  werde  ein  anderer  klug.  Doch  ich  werde 
ja  weiter  hören.  G.  Der  unverschämte  Kuckelhahn,  der  als  ich  oben  etc. 
und  halt  rief,  mich  los  liefs  und  plautz  usw.  B  iii.  ^  f.  B  iii.  ®  oder 

usw.  f.  Bm.  *°  berühmten  Dr.  ^ni. 


146       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casper  (nimmt  es)  I,  nun  ja  !  Ihr  dürft  nur  sagen,  ein  feines, 
ein  grobes  oder  ein  Mittels. i    Ich  mach's,  wie  ihr  es^  haben  wollt. 

Don.     Aber  eilt,  denn  ich  habe  wenig  Zeit. 

Casper  Nun  so  will  ich  ein  grofses  Wasser  machen  dass 
ihr  darin^  ersaufen  miisst. 

Don  Ei  bewahre,  da  würde  ich  ja  mein  Leben  dabei^  ver- 
lieheren.     Nein,  macht  mir  ein^  anderes. 

Casper  Nun  so  will  ich  machen,  dass^  ein  Mühlslein  aus 
der  Luft'  gefallen  kommt,  der  soll  euch  100  Klafter  tief  in  Gottes 
Erdboden  hineinschlagen. 

Don.  Ach,  da  niüsste  ich  mein  Leben  auf  eine  schreckliche 
Art  enden. 

Casper  Isf*  doch  ein  schön  Stück  I 

Don  Hier,  Freund,  habt  ihr  noch  einen  Dukaten;  macht 
mir  ein  anderes;  aber  nicht  ein  solches,  wo  mein  Leben  dabei 
in  Gefahr  ist. 

Casper  (Nimmt  das  Geld)  Nun,  wollt  ihr  etwas  von  meinen 
Balletsprüngen  sehen? 

Don  Gleichviel,  wenn  ich  nur  was  zu  sehen  bekomme. 

Casper  Nun  passt  auf,  ich  werde  einen  grofsen  Tiampo- 
linensprung  machen 9,  dass  ich  die  ersten  4  Wochen  nicht  her- 
unterkomme. 

Don  Das  wünschte  ich  wohl  zu  sehen. 

Casper  Nun  passt  auf,  aber  lasst  euch  dabei  die  Zeit  nicht 
lang  werden  (Fängt  an,  sich  herum  zu  drehen i")  W'art  nur, 
gleich  wirds  kommen  (er  bewegt  die  Füfse  und  dreht  sich  einige 
Male  herum).  11    Nun  habt  ihr  das  gesehen? 

Don  Nein  bis  jetzt  habe  ich  noch  nichts  gesehen  12 

Casper  W^isst'^  ihr  auch,  warum  ihr  nochi^  nichts  ge- 
sehen habt 

Don  Nein. 

Casper  Weil  ich  noch  nichts  gemacht  habe.  Also  ihr  wollt 
wirklich  ein  Kunststück  sehen 

Don.     Ja,  und  ich  muss  eins  sehen. 

'  mittelmäfsiges  B  lu.  ^  es  f.Bii.  ^  wo  ihr  drin  Bin. 

'^  f.  B  III.  ^  mir  f.  B 111 ;  ein  f.  B 11.  ^  dass  hier  B  in.         ^  vom 

Himel  fällt  und  Euch schlägt!    ^ni.  ^  Ja  ist  doch  aber  B\\\. 

^  Trompolinensprung  ausführen  B  iii.  '"  herumzuhopsen  B  in. 
"  (hopst)  B\\\.           12  jet2t  noch  nichts  ^ni.  '^  Na  wüsst  ^ni. 

»  f.  B III. 


VOM  DOCTOR  FAUST  147 

Casper  Nun,  weim  ihr  eins  sehen  müssl,  so  macht  euch 
allein  eines  Kasper  kann  nichts i  (rennt  fort) 

Don  (ihm  nachsehend)  Ein  kurioser  Mensch  verspricht,  was 
er  nicht  leisten  kann.  Aber  ich  bedauere  nur  meine  Dukaten^, 
dass  ich  sie^  nicht  besser  verwendet  habe.  Aber  warte,  Betrüger, 
ich  werde  mich  schon  au  Dir  Rächen^,  Doch  ich  muss  eilen 
dass  ich  wieder  am  Hofe  erscheine  (ab)'' 

Die  Herzogin  und  Faust  treten  auf*^ 

Herz -Nun  Hr:  Doctor"^  ich  bin  erfreut,  dass  ich  die  Ehre 
habe,  mit  euch  zu  sprechen,  Ihr  habt  euch  mit  dem  Herzog 
unterhalten  ,  und  seid  gewiss^  von  ihm  zum  heutigen  Feste  einge- 
laden worden  ?9 

Faust  Ich  bin  es  Ihro  Durchlaut,  und  werde  nicht  verfehlen, 
.mich  als  ein  Deutscher  Künstler ,  dieser  hohen  Einladung  würdig 
zu  machen, 

Herzo -Eure  Talente,  ob  ihr  gleich  in  Deutschland  gelebt^o 
habt,  sind  uns  hier  in  Parma ii  nicht  unbekannt  geblieben, 

Faust  Wass  man  auch  über  den  deutschen  trockenen ^2  paust 
Dispotiert  haben  mag  ist  unverdienter i3  Lohn 

Herzo:  Dann  aber  nicht  mehr,  wenn  der  Künstler  durch 
seine  Gegenwart  bewiesen  hat,  dass  er  das^^  würklich  ist,  wofür 
er  sich  ausgab 

Faust  Ich  habe  diese  Tücke  lange  empfunden,  und  fühle 
den  Vorwurf  Ihro  Durchlaut  nicht  einmal,  weil  ich  Deroi^  Ge- 
danken jetzt  errathen  habe, 

Herzo:  Wenn  dass  wahr  ist,  und  ihr^*^  mir  beweiset,  dass 
ihr  würklich  meine  Gedanken  i''  errathen  habt,  so  lass  ich  euren 
Namen  in  allen  Ländern  ^^  rühmlichst  bekannt  machen, 

Faust  Ich  werde  gebrauch  von  dieser  hohen  Gnade  machen, 
—  Ihro  Durchlaut   wünschten  i"   einiges   von    meiner   Kunst    zu 

•  keines  B  in.  ^  hier  ist  das  neue  stück  in  B  i  zu  ende.  ^  mein 

Geld  B  u.  III.  "  rächen  wissen  Bii.  ^  geht  ab  Bw.m.  ^  Sc.  2. 

Die  H.  u.  F.  ßii;  D.  H.  u.  F.  B  iii.  ''  Hr.  Faust  B\i.  »  doch  wohl 

B  III;  doch  B  11.  ^  v/.  f.  B  ii.iii.  '"  gelebt  ist  in  B\  dui'chgesti'ichen 

und  da fü7'  euren 'Wohnsitz  gesetzt.  '^  Italien  5  11.  iii.  ^^  trockenen 

Deutschen  B  11.  iii;    in  B  i  ist  das  betreffende  wort  nicht  mehr  zu  lesen, 
weil  der  rand  an  dieser  stelle  ganz  abgegriffen  vnd  beschmutzt  ist. 
"  verdienter  .ff  11.  in.  •''  f.  B  11.  iii.  **  Deroselben  Bium. 

»E  f.  B  II.  iii.  "  m.  G.  würklich  B  11.  iii.  >«  Teilen  der  Welt  B  11.  in. 

'^  wünschen  B 11.  ni. 


148       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

sehen,  uud  zwar  Menschen  wollen  Dieselhen  sehen',  die  in  ver- 
gangenen Zeiten  gelebt  haben, 

Ilerzo  Wie  Hr:  Doctorl  mit  solcher  Genauigkeit,  könnt  Ihr 
mir  dass  wieder  sagen,  was  ich  so  ebend^  dachte?  —  Nun  so 
lasst  mich  etwas 3  von  eurer  Kunst  sehen,  [anm.  14] 

Faust  Wollen  Ew4- Durchlaut,  die  keusche  Lucretia  gnädigst 
sehen?  — 

Herzo   0,  jal  zeigt  sie  mir, 

Faust  (bei  seile)  Mephistophles  lass  erscheinen,  die  keusche 
Lucretia,  mit  dem  Dolch  in  der  Brust,  hunc  ostenta !  —  (Lucretia 
erscheint)  Dies  ist  sie,  Ew^- Durchlaut,  Sie  wiefs  alle  Freyer  ab, 
die  um  ihre  Hand  warben,  Senckte^  sich  daher  selbst^  den  Dolch 
in  der  Brusf»,   ehe  sie  sich  entschloss  einen  Mann   zu  nehmen ^ 

Herzo  Ja  so  beschreibt  man  sie,  doch  ich  bitte  euch,  lasst 
sie  wieder  verschwinden, 

Faust  Sogleich^  —  (bei  seite)  Heus,  heus,  Mephistop(hles)9 
—  Amove,  visumi",  (Lucretia  verschwindet) 

Herzo  Jetzt  '^  lasst  mir  doch  einen  Helden  der  Vorzeit  sehen, 
wenn  ihr  wollt,  — 

Faust  Sehr  gern  Ew'2-Durchlaut,  (bei  seite)  Mephistophles, 
lass  erscheinen  den  Riesen  Goliath  mit  dem  kleinen  David, 
hunc  osteula,  (Goliath  und  David  erscheinen)  Merkwürdig  ists^^, 
dass  der  kleine  David  den  grofsen  Riesen  in  Zweykampf  zu 
Boden  warf,  doch  durch  Hülfe  seiner  Schleuder,  die  er  in  seiner 
Rechten  hält, 

Herzo  0,  ja!  die  Geschichte  ist  sehr  merkwürdig,  aber  am 
merkwürdigsten  Eure  Geschicklichkeit,  die  man  sonst  bei  keinen 
Deutschen  findeti^ 

Faust  Jedes  Land  hat  seine  Künstlerin,  doch  ich  werde  Evv- 
Durchlaut  mit  einer  andern  Erscheinung  aufwarten  ^^ 

•  in  Augenschein  nehmen  B  ii.  iii.  ^  so  e.  f.  B  ii.  iii.  ^  f.  B  ii.  iii. 

''  Ihre  B  ii.  in.  ^  warben  und  stiefs  sich  selbst  den  D.  durchs  Herz 

ehe  sie  sich  entschi.  lionnte  5iii.  ^  Brust,  welchen  Ihre  Durchlaut  noch 

in  ihren  Busen  sehen  Bii.  '  wählen  i^ii.  ni.  *  /'.  B\\.\n. 

^  Mephistoples  B  ii.  in.  *••  Arno  vesium  B  ii.  in.  "  f.  B  n,  in. 

'2  Ihre  i?  II.  III.  '3  ]y]    jgt  /;  ji;  Hier  sehen  Sie  das  grofse  Ungeheuer,  das 

damals  alle  Welt  in  Schrecken  setzte,  nebenan  der  kleine  David.  Er  be- 
siegte den  Riesen   und  heule    noch  wird    er  von  Millionen   bewundert  Bm. 

•*  in  k.  D.  sucht  Bw.m.  ^^  hat  immer  seine  Grillen;  ich  Bu.m. 

'^  meine   Aufwartung   machen   B  n.  ni;    in   B  n   sind  die  worte,   die 
diese  erscheinung  begleiten,  durchgestrichen. 


VOM  DOCTOR  FAUST  149 

Herzo  -  Thul  es,  — 

Faust  (bei  seile) i  Heus,  heus,  Mephistophles!  —  amove^ 
Visum,  (David  und  Goiialh  verschwinden) 

Mephistophles^  lass  erscheinen,  die  Judith  mit  des  Holofernes 
Iluupt,  hunc*,  ostenta,  (Judith  erscheint)  Dass  ist^  Judith,  eine 
Jüdische  VVittwe,  welche  dem  Holofernes,  Feldhauptmann  der 
Assierer'^,  den  Ropf^  abschlug,  als  er  schlief,  welchen*  sie  in 
der  linken  hält,  und  das  Schwerdt  in  der  Rechten, 

Herzo  -  Es  war  eine  freche  Dreistigkeit,  von  einer  Wittwe 
wie  sie  war,  lasst  sie  verschwinden,  — •' 

Faust  Heus,  heus,  Mephistophles,!  —  amove  visum  (Judith 
verschwindet) 

Herzo -Ich  bin  hinlänglich  von  Eurem  Talenten  überzeugt, 
Ihr  seid  ein  grofser  Mann,  und  macht  den  Deutschen i'^  viel  Ehre, 
der  Herzog  hat  euch  zur  Tafel  eingeladen,  und  ich  wiederhohle 
diese  Einladung 'i,  mit  der  Bitte,  dass  ihr  der  Erste  seid  der 
mir  zur  Linken  sitzt, 

Faust  Ihro  Durchlaut,  sind  sehr  gnädig,  ich  werde  nicht 
verfehlen,  dero'^  Wunsch  zu  Erfüllen i3, 

Herz -Das  freut  mich,  doch'^  zuvor  habe  ich  noch  eine 
Bitte  au  euch,  sie  betrift  eure  sublime i^  Kunst, 

Faust  0,  sagen  Ew22-Durchlaut ,  ich^*^  bin  bereit,  Dero^'' 
Wunsch  zu  18  befriedigen, 

Herzo -Den  weisen  König  Salomon  wünschte  ich'^  zu  sehen, 
und  dass^o  in  seineu  Ornat, 

Faust  Sogleich^i  werde  ich  Ew22-Durchlaut  damit  aufwarten, 
(bei  seite)23  Mephistophles  lass  Erscheinen  den  weisen  König 
Salomon  hunc2*,  ostenta,  (Salomon  erscheint) 

*  f.  Bn.m.  2  amore  B\i;  amo  B\\\.  '  Jetzt  sollen  Sie  die 

Judith  mit  dem  Haupte  Holofernes  sehen,     hunc  o.  B\\\.  ''  hunco  Bn. 

^  die  J.  B  II.  III.  ^  F,   den   Assires    B  ii ;    Feldherr   der  Assierer 

J5iii.  ''  Haupt  B  III.  *  In  der  linken  Hand  sehen  Sie  den  Kopf, 

in  der  rechten  das  blutige  Schwert  Bm.  ^  sich  entfernen  Bn.m. 

'"  Deutschen  eures  Geschlechts  Bn.m.  "  E.  bitte  mir  von  euch  aus, 

wenn  es  euch  so  beliebt,  dass  Bn.n\.  '-  den  Bm.  '^  j^  Erfüllung- 

zu  bringen  B  ii.  iii.  ^''  aber  doch  habe  ich  z.  B  ii.  in.  ^^  f.  B  \; 

aufserordentliche  Bni;  sublimen  Bn.  *^  und  ich  Zf  ii.  in.  »^  den 

Bm.  '*  mit  den  besten  Willen  zu  Bn.n\.  '**  ich  noch  ^iii;  ich 

wohl    noch   Bn.  ^°  zwar  B  n.  m.  ^'  0,    sogleich  B  ii.  in. 

^'^  Ihro  B II.  III.  ^^  f.  B  II.  III,  ^'*  hunove  B  in. 


150       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Herzo  -  Würklich  er  ist  es,  die  ganze  Bildung^,  wie  er  be- 
schrieben wird,  erlaubt^  dass  ich  diesen  weisen  König  berühren 
darfä,  (will  auf  ihm  zu,  Faust  hallt  ihr  zurück^) 

Faust  Nein  Ew- Durchlaut,  das  darf  ich  nicht  zugeben, 
denn  sowie  sie^  ihm  berührten,  würde  er  in  einen  Aschhaufen 
verwandelt  werden  6,  (Salomon  drolh  mit  der  rechten "  Hand) 
[anm.  15] 

Herzo  -  Was  ist  das,?  er  scheint  uns  zu  drohen^ 

Faust  Erschrecken  sie  nicht  Ew-Durchlaul^,  Wahrscheinlich 
ist  er  Erzürnt,  dass  er  aus  dem  Wohnsitz  der  Seeligen ^^^  hat 
zurückkehren  müssen,  Mephistophles,  heus,  heus,  amove  vi- 
seum",  (Salomon  verschwindet) 

Herzo -Nun  so  verzeiht  meine  Voreiligkeit  ^2,  ichjiebe  diesen 
König  um  seiner  Weisheit,  willen,  ob  er  gleich ^^  der  Welt 
längst  entsagt  •^  hat, 

Faust  Er'^    ist  bis  jetzt'ß,  noch  Lehrer  auf  der  Erde, 

Herzo  -  Er  hat  sich  verewigt,  —  doch^^  wäre  euch  nun 
gefällig  mir  nach  dem  Schlosse  zu  folgen  ?  damit  ich  den  grofsen 
deutschen  Künstler  am  Hofe  vorstellen  kann, 

Faust  Zu  schmeichelhaft  für  mich  ^^  —  Ich  habe  die  Ehre 
Evv-Durchlaut^9  nach  dem  Schlosse  zu  begleiten, 

Herzo -So  folgt  mir,  (ab)2o  (Mephistophles  vertritt  Fausten 
den  Weg) 

Mephistophles^! 

Mephis  -  Faust  was  willst  du  wagen  ? 

Faust  Wie  Mephistophles,  warum  vertritst  du  mir  den  Weg? 
da  ich  die  Gnade  der  Herzogin  erhalten  habe^^ 

Mephis -Du   kannst  nicht   der23    Herzogin   folgen,   du   bist 

*  Bekleidung  i?m.  -  erlaubt  mir  Bu;  erlauben  sie  mir  Bm. 

3  kann  B  ii.  in.  "*  vertritt  ihr  den  Weg  B  ii.  iii.  ^  dieselben  B  ii. 

^  Aschenliaufen  sich  verwandeln  B  in.  ''  f.  B  iii.  *  bedrohen 

5ii.  iii.  ^  sich  Ihro  D.  nicht  Äii.  lu.  *"  der  ewigen  Ruhe  gestört 

worden  ist  B  iii.  *•  visum  B  ii.  in.  ^^  mein  Voreilen  B  ii. 

"  obgleich  er  schon    seit  langer  Zeit  B\u.  '*  seit   lange   Zeit  Valet 

gesagt  B  II.  iii.  '^  Doch  ist  er  noch  Bni.  *^  bis  j.  f.  Bu. 

"  doch  f,  B  II.  III.  '^  Diese    schmeichelhafte    Gnade   soll  meinen 

deutschen  Freunden  gelten  B  n.  iii.  ^^  dieselben  B  ii.  in.  ^o  jjgiije 

gehen  j9ii.  iii.  -•  f.  Bu.m.  "  habe  f.  B  u.m.  ^^  ans  der 

Herzogin  ist  in  B  i  dem  Herzog  verbessert  wegen  des  vorn  eingeschobenen 
Stücks  s,  anm.  13. 


VOM  DOCTOR  FAUST  151 

verralhea ,  man  hat  schon  Anstalten  getroffen  dich  fest  zu  neh- 
men S  ich  rathe  dir^,  sogleich  Parma  zu  verlassen^ 

Faust  Erkläre  mir  Mephistophles,  woher  diese  Veränderung, 

Mephis:  Dein  Diener  der  Casper^  hat  dich  verralhen,  und 
zwar  an  den  Kamerdiener  des  Herzogs,  ferner  ist  dein  Diener  in 
einer  Schenke  gegangen ^  dort  hat  er  erzählt'^'  das  sein  Herr 
aus  Deutschland  hier  wäre  welcher  Faust  hiefse",  und  dass  er^ 
mit  dem  Teufel  durch  die  Luft  gefahren  ist,  die  Herzogin  erzählt 
so  ebend  deine  Künste  unter  den  Hofpersonen,  und  ihr  Glaube 
wird  dadurch  noch  mehr^  bestärckt,  darum  schnell  fort  von 
hier  10, 

Faust  Aber  Mephistophles**  hättest  du  das  nicht  verhindern 
können *2,  das  mein  Diener  auf  den  Einfall  kam, 

Mephis:  Dass  hättest  du  ausmachen  sollen,  ehe  du  den 
Contract  unterzeichnetest,  jetzt  habe  ich  keine  Macht  dazu*^, 

Faust  So  14  soll  mein  Diener  sogleich  meines  Dienstes  ent- 
lassen sein,  zur  Strafe  mag  er  hier  in  Parma  bleiben  und  sich 
ein  unterkommen  suchen,  wir  Mephistophles,  wir^ä  fliehen  nach 
Deutschland*^, 

Mephis:  Willst  du  dir*^  Dein  heutiges  Vergnügen,  welches 
dich  hier  in  Parma  erwartete *^  nicht  vergelten? 

Faust  Wie  kann  ich  dass?'^ 

Mephis:  In  Constantinopel  wird  heut  ein  ähnliches  Fest-^ 
gefeiert,  lass  uns  hineilen 2*  Faust,  da,  wirst  du  Freude  und 
Wonne  geniefsen, 

Faust  Gut!22  so  lass  uns  im  Triumpf  über  die^s  Stadt  schwin- 
den, das  es  Jedermann  sehe^-i,  damit  die  Nachwelt  meinen  Nahmen 
noch  nenne^s,  (beide  ab) 

*  arretieren  B  i\;  haflieren  i?  iii.  -  dich  also  B  ii.  m.  ^  /^j 

B  I  darauf  von  anderer  band:  und  die  Herzogin  ist  todt  durcli  deinen 
Gift.  '*  der  Diener  des  Gaspers  B  ii.  ^  f.  B  ii.  iii.  ^  ausge- 

sagt B  II.  III.  7  heifse  B  ii.  in.  »  jagg  er  f.  B  i.  ii.  in.  ^  wird 

schwer  b.  B  ii.  in,  '»  drum  lass  (lasst  B  in)  uns  eiligst  von  h.  B  ii.  iii. 

"  A.  M.  f.  Bm.  ^'^  Warum  hast  du  dies  n.  v.?    warum  hast  du 

meinen  Diener  dies  nicht  benommen,  dass  er  auf  den  Einfall  nicht  geriet. 
Bw.m.  "  zu  dergleichen  Dingen  keine  Gewalt  Bii.wi.  •'•  Nun  so 

^11.  III.  '5  f  Bw.m.  '6  D.  hinüber // II.  in.  "  ^n  f.  B\. 

•8  dir  hier  in  Parma  vereitelt  B  in.  »^  dies  B  ii.  ni.  ^o  ^esi  heute 

B  n.  III.  21  hinüber  eilen  B  in.  2-  f.  B  11.  in.  -^  die  hiesige 

B II.  in.  ^*  das  —  sehe  f.  B 11. 111.  ^^  nenne  und  so  lass  uns  so- 

gleich nach  dem  Orte  der  Freude  eilen  B  \\.  ni. 


152      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casper  tritt  aufi 

(Eine  Stimme  hinler  der  Scene)2  Ja  du  hast  meiner  Mutter 
2  Flaschen  entzwei  geschlagen,  und  die  musst  du  hezahlen,  wo 
nicht,  so  wird  dir  der  Rock^  vom  Leibe  gezogen, 

(Casper  hinter  der  Scene)^   Wer  sagt  das? 

(Stimme  ebend  so)^   Meine  Mutter 

(Casper  tritt  auf)ß  Sage  deine  Mutter,  sie  ist  nicht  gescheid'' 
und  du  mach  das  du  fortkomst,  denn  hier  ist  des  Herzogs 
Garten,  da  darfst  du  nicht  hinein^  das  ist  ja''  ein  fatales  Land, 
das  Italien,  hätt  ich  nicht  gemacht  das  ich  mit  guter  Manier  aus 
der  Schenke  kam,  man  würde  mich  armes  Casperchen  schöne ^"^ 
zurecht  gemurckselt^^  haben,  wenn  ich  nur  wüsste  wo  mein  Herr 
wäre,  da  soll  ich  nun  bezahlen,  und  habe  kein  Geld  nicht i^, 
das  ist  eine  verwünschte  Geschichte,  ich  wollte  wünschen,  ich^^ 
hätte  das  Land  hier  niemals  gesehn,  denn  in  der  Bärme  koni 
ich  doch  nicht,  wie  mir'*  Kuckelhahn  versprochen  hatt^^, 
(Auerhahn  tritt  auf'^) 

Auerh:^^    Nun  Casper '^j  was  machst  Du  hier?i^ 

Casper  (volpo  Freude)  Ach  Bruder  Kuckelhahn ^i,  bist  du22 
da?  sage23  mir  mal,  warum  hast  Du24  mich  allein  gelassen?  da 
soll  ich  bezahlen,  und  habe  kein  Geld, 

Auerh:  So^ö  musst  Du  machen  dass  Du  fortkomst^e,  denn 
hier  schlagen  sie  dich  um  einen  Kreutzer  todt, 

Casper  Ach  her  jel'^^  und  ich  habe  noch  2  Kreutzer  bei 
mir28,  da  schlagen  sich  mich  ja29  zweimal  todt,  höhre^o  Bruder 
Kuckelhahn,  weifst  Du  nicht  wo  mein  Herr  ist? 

1  Scene  4    Casper  Bii;    Casper  hinter  der  Kulisse  Bni.  '^  Scene 

spricht  Bu;  Eine  Stinie  ^  in.  ^  jas  Kleid  ^ii.  iii.  *  C.  hinten 

Bin.  5  D.  St.  hinter  der  Bühne  ßii;  die  Stimme  ^  in.  ^  kommt 

heraus  Bu;  kommt  vor  ^iii.  ''  sie  ist  ein  Narr  ^ii.iii,  *  hinein 

(bei  Seite)  Bii.m.  ^  ja  f.  B  n.ui.  'o  schon  i?iii.  '•  ge- 

iiiukzelt  B III.  *2  nicht  f.  B  ii.  in.  '^  dass  ich  B  ii.  in.  "  mir 

der  if  II.  III.  *5  halte  5  n.  in.  »^  Sc.  5  Casper  Auerh.  Z^ii;  Auer- 

liahn  ohne  v.  Kaspern  gesehen  zu  werden  Bin.  '^  A.  ohne  v.  K.  ge- 

sehen z.  w.  Bu.  'ä  Kasperchen  Bin.  *^  hier  f.  Bn.m. 

2°  sieht  sich  um  voller  ^ii.  ni.  -'  K.,  liebstes  (1.  bestes  Bin)  Kuckel- 

hähnchen//ii.  in.  22  (]u  denn-ßn.  ni.  ^3  Nun  sagifn.  in. 

2*  du  denn  B  n.  in.  ^^  Ja  nun  da  B  n.  ni.  ^^  fortkommst  von 

hier  B  ii.  in.  ^'^  Casper  (bei  Seite)  B  n.  in.  ^^  bei  mir  f.  B  ii.  in. 

"ja  f.  Bn.m.  ^°  (zum  Auerhahn)  .ß  n.  ni. 


VOM  DOCTOR  FAUST  153 

Auerh:  Der  ist  schon  wieder  fort,  will*  dich  auch^  nicht 
mehr  zum  Diener  haben, 

Casper  Ach 3,  wass  soll  ich  nun  anfangen?  da  muss  ich  ja* 
verhungern,  hühre  mal  Bruder^  Kuckelhahn,  bring  mich  wieder 
nach  Deutschland ß, 

Auerh:  Jal  wenn  du  dich  mir  verschreiben  willst,  nach 
12  Jahren  mein  Eigenthum  zu  sein,  dann^  bring  ich  dir  nach 
Deutschland  hinn,  sonst  nichts, 

Casper  Na  sag  mal^,  was  soll  ich  dir  denn*"  verschreiben** 

Auerh:    Dein  Leib  und  Seele  — 

Casper  0'2,  du  duiner  Teufel,  ich  bah  es  Dir  (ja*^)  schon 
gesagt**  Casper  hat*^  keine  Seele,  die  ist  bei  Caspern  vergessen 
worden '^  doch  wenn  ich*^  wieder  nach  Deutschland  koiTie,  dann 
verschreib  ich  Dir  alles  was  ich  nicht  brauche, 

Auerh:  Nun  gut!  —  in  Maintz  ist  ein  Nachtwächter*^  vor 
2  Stunden  gestorben,  wenn  Du  Nachtwächter  werden  willst,  so*^ 
will  ich  dich  nach  Mayniz  hinbringen, 

Casper  Sol  —  Sag  mir^o  Kukelhahn,  wass  muss  ich  denn 
da  machen,  wenn  ich  Nachtwächter  binn? 

Auerh:  Das  will  ich  dir  sagen 2*,  da  bekomst  Du  einen 
Spiefs,  und  ein  Hörn,  da  musst  Du  drauf  Ihuten,  wenn  es  10, 
11,  12,  u.  s.  w.  schlägt22  gehst  des  Nachts  auf  den  Strafsen23 
herrum,  und  siehst  ob  alles  ruhig  ist^*,  und  wenn  du  Jemand 
bei  der  Nacht  findest  der  sich  herrumtreibt,  und  kein  Quartier 
hat  so  kannst  Du  ihm^»  arretieren,  und  nach  dem'^c  Arrest 
bringen, 

•  und  will  nichts  mehr  von  dir  wissen,  mach  B  u;  er  mag  Bm. 
2  gar  nicht  B  ii.  in.  ^  ach  ach  B  u;   ach  du  lieber  Hiniel  Bm. 

*  ja  hier  B  ii.  m.  ^  bloß  K.  Bm;  Kuckelhähnchen  Bn.  ^  D.  ja 

Bruder  Kuckelhahn?   B  u.  iii.  '^  so  B  ii.m.  s  sonst    nicht  f. 

B  n.  in.  8  Na,  hör  mal  Bruder  Kuckelhahn  sage  mir  doch  B  ii.  m. 

'°  denn  eigentlich  Bm.  "  v.  ich  habe  ja  nichts  ^ii.  in.  ^-  Ach 

sei  doch  nicht  närrisch  Kerl!    Casper  usw.  Bm.  '^  f.  B\.  **  ich 

—  gesagt  f.  Bii.  '5  hat  ja  B  ii.  in.  'o  w.  /*.  Bu;   die  —  w.  f. 

B III.  "  wir  B II.  ni.  '*  eine  Nachtwächterstelle  offen,  vor  2  Stun- 

den ist  er  (d.  ehemalige  Nachtwächter  B  in)  g.  B  ii.  in.  '^  kannst  du 

den  Dienst  (Posten  B  in)  bekomen  und  ich  bringe  dich  nach  Deutschland  hin 
B  n.  ni.  -0  mir  mal  B  n.  in.  ^i  Das  —  sagen  /.  B  u.  m.  *2  ^^ 

du  darauf  thutest  B  u.  iii.  ^3  ]„  j  gtr.  des  Nachts  Bu.m.  24  jg^ 

und  schläft  i?  n.  in.  25  denselben  kannst  du  ^11.  in.  ^e  jj,^  j„ 

dem  (im  B  u)  B  11.  in. 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  U 


154       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Casper  Horei  Bruder  Kickelhahn,  da  bin  ich  Nachtwächter 
das2  soll  ein  Freudenleben  sein^,  wenn^  ich  da  mal  den  Fäust- 
ling erwische  des  Nachts^  den  allementireß  ich  gleich"*,  und 
bringe  ihm  nach^  den  Morast,  siehst  du,  und  das  thue  ich 
darum,  weil  er  mir  den  Abschied  gegeben  hat, 

Auerh:    Das   kannst   du   halten    wie    du   willst^.   Es   bleibt 

*  Hör  mal  Bm.  -  (freudig)  das  soll  mal  B  u.  iii.  ^  werden 

B  HI.  ''  Aber  höre  mal  Bruder  K.  wenn  B  ii.  iii.  ^  Nachts  auf  der 

Strafse  B  u.  ui.  ^  verall.  Bm.  ''  auf  der  Stelle  u.  br.  ihm  in  d. 

schwarze  Loch  blos  darum  weil  er  mich  hir  hat  sitzen   lassen  Bm. 
8  in   den  Marost  B  ii.  '••  B  \.  w:    willst    (es   erscheint    ein   Drachen) 

Casper  (furchtsam)  Kukelhahn  was  ist  denn  dass?  (dafür:  (es  schwebt 
eine  Wolke  aus  der  Luf  herab)  Casper  du  Kukelhahn  K.,  was  ist  denn  das 
da?  (das  Gewölk  bleibt  auf  den  Theater  liegen)  A.:  Auf  dieser  Wolke  sollst 
du  nach  Deutschland  fahren  (die  Wolke  verwandelt  sich  in  einen  Sopha) 
C.  Wie  Kickelhahn,  du  machst  mirs  ja  recht  kommode.  Da  will  ich  mich 
auch  gleich  hinaufsetzen.  (Der  Sopha  verwandelt  sich  in  einen  Ungeheuer,) 
was  ist  denn  dass?  A:  Dass  ist  meine  Schwester,  sie  liebt  dich,  und  du 
kannst  sie  zur  Braut  erwählen.  G:  (bückt  sich)  Gehorsamer  Diener,  ich 
danke,  deine  Schwester  muss  ich  dir  sagen,  gefällt  mir  nicht  ein  bisgen. 
Br,  lass  es  nur  guth  sein  Kikelhahn,  ich  bin  gar  nicht  so  verliebt,  als  du 
glaubst  (das  Ungeheuer  verwandelt  sich  in  ein  Sofa,  wo  ein  reizendes  Mäd- 
chen darauf  liegt)  Na,  höre  Kikelhahn  wenn  dass  deine  Schwester  ist,  die 
lass  ich  mich  gefallen  zur  Braut.  In  die  bin  ich  wirklich  verliebt.  A:  Nein, 
Kasper  dass  ist  nicht  meine  Schwester,  sondern  meine  Grofsmutter.  Sie  ist 
COO  Jahr  alt.  K:  Das  schadet  nichts,  potz  Blitz!  das  soll  meine  Frau  werden 
(er  will  sie  umarmen ,  das  ganze  verwandelt  sich  in  einen  fürchterlichen 
Drachen)  Kikelhahn,  K.!  (furchtsam)  was  ist  denn  das?  ^ii).  Auerh:  Setz 
dich  nur  auf  Casper,  dass  ist  dein  Reitpferd  —  darauf  sollst  du  nach  Deutsch- 
land reisen  (reiten  B  ii)  Casper  dass  (bei  Seite  Dass  B  ii)  wird  (w.  mir  B  n) 
eine  schöne  Reiterrei  werden  dass  (laut  dass  Bn)  ist  ja  ein  kurioses  Reit- 
pferd das  ist  ja  so  wild  Höhre  (Ach  ^  ii)  Bruder  Kukelhahn,  darauf  reit 
ich  nicht  (kann  ich  nicht  reiten  5 ii)  Auerh:  Setz  dich  nur  auf,  du  musst 
heute  noch  den  (sollst  noch  heute  deinen  B  ii)  Nachtwächterposten  antreten 
(in  Deutschland  B  ii),  Casper  Ach  du  (ich  5 1;  du  ist  dtirchgestj'icheii)  armes 
Casperchen,  wenn  ich  doch  nur  erst  in  Deutschland  wäre,  (Br,  br,  Bu), 
potz  Wetter  dass  Pferd  will  gar  nicht  stille  stehen  (Er  will  (er  macht  Anstalt 
zum  B  n)  aufsitzen)  Br,  (f.  B  ii)  br,  o,  ha,  (er  setzt  sich  verkehrt  auf  (end- 
lich gelingt  es  B  ii))  Br,  br,  Kukelhahn,  das  geht  so  (Nicht  so  hoch,  nicht 
so  B\\)  hoch,  ich  falle  herrunter  (ja  herrunter  ^n).  Auerh:  Halt  dich  nur 
fest  (ab)  (verschwindet  B  ii).  Casper  (Indem  der  Drachen  mit  ihm  (Kaspern 
B\i)  davon  fliegt  schreit  (schreit  er  Kuckelhahn  B\\))  Halt  stille  ich  habe 
mir  verkehrt  aufgesetzt.  Au,  weh,  Au  weh,  (Au,  Au,  das  geschrei  verliert 
sich  in  weiter  Entfernung  B\i),  das  geht  so  hoch,  Au,  weh,  (der  Drachen 
spriet  Feuer,  das  Geschrei  verliert  sich). 


VOM  DOCTOR  FAUST  155 

dabei,  ich  (so  die  hs.)  du  bekommst  den  Nachtwächterposten   in 
Mainz  und  ich  bekomme  dafür  nach  12  Jahren  deine  Seele. 

Casper  I,  meinetwegen,  was  du  haben  willst,  meine  Stiefel, 
meine  Mütze,  meinen  Rock,  kurz  alles.  Bringe  mich  nur  nach 
Deutschland. 

Auerh:  (der  sich  umdreht  und  Kaspern  den  Schwanz  hin- 
hält, damit  er  sich  drauf  setzen  kann)  Nun  Casperchen,  setz  dich 
recht  bequem  drauf. 

Casper  Nanun,  was  ist  denn  das  für  ein  fatales  Gepinsele. 
Pinselt  mir  der  Kerl  immer  um  die  Nase  herum. 

Auerh:  Casperchen,  du  sollst  dich  auf  meinen  Schwanz 
aufsetzen. 

Casper  Ach  sol  Na,  denn  komm  her.  Wirds  denn?  Du 
Bruder  Kuckelhahn,  es  geht  nicht.  Halt!  Halt!  läss  mir  aber 
nicht  wieder  fallen  1  hörst  du  1 

Auerhahn  Nein,  nein,  sitz  nur  stille. 

Casper  Na,  denn  vorwärts  mit  den  reitenden  Nachtwächter 
(sie  fahren  durch  die  Luft). 

Ende   des    zweiten    Acts. 

Dritter^  Act    Strafse^  in  Mayntz. 

Faust  tritt  auf^ 
Faust  Zwölf  Jahre  sind  nun^  bereits  verflossen,  wo  ich  den 
Pluto  meine  Seele  verschrieb,  und  aus  Parma  fliehen  musste,  wo 
mein  Diener^  den  ich  damals  hatte  mich  verrieth  —  0,  ja,  es 
ist  wahr  Faust,  du  hast  in  dieser  Zeit  manche  schöne^  Stunde 
verlebt,  bist  an  allen  Höfen  Europa's  umhergestreift,  England! 
welche  schöne  Zeit  habe  ich  in  dir  verlebt,  —  Ach'  und  in 
Russland  nicht  minder,  was^  können  mir  aber^  alle  diese  schönen 
Zeiten  nützen,  die  ich  mir  nur^o  durch  die  Hölle  erkaufte,  wass 
können  diese  glückliche  Stunden  mir^o  nützen,  die  ich  noch 
12  Jahr  geniefsen  solH^,  werden  denn  diese  12  Jahre  auch  ebend 
so  froh  im  Rausche  der  Freuden  dahinn  gehen  ?  —  als  die  ver- 
lebten 12  Jahre?  —  Nein  —  nimmermehr  —  denn  meine  Seele 

*  4ter  B  ii.  ^  Saal  statt  des  durchgestrichenen  Strafse  B  i. 

3  Ister  Auftritt  (f.  Bin)  F.  allein  Bu.m.  "  nun  f.  Bin.  ^  Diener 

Casper  B  m.  «  sensible  Bii;  glorreiche  Biu.  '  oh  ^ii,  iii. 

8  ach  was  i?  ii.  in.  ^  f.  Bu.m.  '°  f.  Bu.m.  "  was  —  soll 

f.  Bm. 

11* 


156      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

gehört  ja  nicht  mehr  den  Ewigen  ,  —  doch^  warum  binn  ich 
so2  verzagt,?  —  warum  treibt  mein  Blut  mich  nicht  zu  neuen 
Freuden  au,?^  —  und  leitet  mich  zur  Schwermuth?  —  Faust 
fasse  Muth  —  noch  ist  deine  Seele  nicht  ganz  verlohren*,  —  noch 
ist  die  Zeit  nicht  verflossen,  die  mich  verdammen  soll,  —  und 
noch  steht  es  bei  mir,  das  ich  durch  Bufse  mir  die  Ewige  Glück- 
seligkeit verdiene, 

Mephistophles  tritt  auf^ 

Mephis  Nun  Faust,  so  verzagt?  —  begehrst  du^  nicht  einmal 
wieder,  Freude  und  Vergnügen?'' 

Faust  Verlass  mich,  ich  habe  mit  dir  nichts^  zu  schaffen**, 
deine  Künstelt  sollen  mich  nicht''  vom  Pfade  der  Tugend  bringen, 
(Helena  erscheint) 

Mephis:  Faust  1'^  warum  bist  du  so  verzagt,  warum  hast 
du  dein  Gesicht'^  von  mir  gewendet  Sieh  dich  um,  Helena,  die 
schönste  ihrer  Zeit  steht  hinter  dir,  sie  liebt  dich  würdige  ihr 
doch'''  nur  einen  Blick, 

Faust  Verlass  mich  schändliches  Ungeheuer,  Deine  Lockungen 
haben  keinen  Reiz'^  mehr  für  mich"', 

Mephis:  Sie  breitet  ihre  Arme  nach  Dir  aus,  bedenke  dass 
sie  schön  ist,  und  Dich  Glücklich  machen  kann, 

Faust  Wohlan  sehen  will  ich  sie,  aber  ich  werde  sie  ver- 
achten, (sieht'''  sich  um)  Wiel  welche  Schönheit  1  —  Nein  solche 
Schönheit  sah  ich  noch'^  nie  (Helene  breitet  ihre  Arme  aus)'^ 
Sie  breitet  ihre  Arme  nach  mir  aus  0,  komm^o  ich  will  dich  zu 
meinen  Weibe  wählen,  unwiederstehlich  dringt  es  in  (meinem^i) 
Innern,  ich  kann  ohne  sie  nicht  Leben,  (indem  er  sie  abführt) 
Ach22,  Mephistop(hles)  Was  für  ein  glückliches  Leben  bereitest 
du  mir  (beide  ab)23 

1  oh  Bn.m.  ^  so   ganz  5  ii.  iii.  ^  warum  rinnt  es   in  mir 

zaghaftem  B  ii.  iii.  *  v,  und  der  Ewige  wird  mir  Linderung  verschaffen 

B  n.  ^  2ter  Auftritt  (f.  B  iii)  M.  Faust,  hernach  Helenens  Gestalt  B  n.  iii. 

^  du  den  B  ii.  iii.  ''  dass  wir  zur  Freude  eilen  B  ii.  in.  ^  nichts 

mehr  B  ii.  in.  ^  theilen  ^iii.  '°  Dienste  ^iii.  ^^  nicht  wieder 

5 II.  in.  *^  Ha,  was  ist  das!    Ein  Augenblick  und  er  ist  auf  immer  für 

uns  verlohren.     Doch  halt,   versuchen  wir  das  letzte:  (Helena  ersch.)  usw. 

B  in.  »3  Geschick  B  n.  iii.  *"  /".  B  u.  in.  »^  si^n  B  ii.  iii. 

'^  für  mich  mehr  B  n.  in.  "  wendet  B  ii.  in.  i»  niemals  B  ii.  m. 

^'^  bülmenweisimg  f.  B  \\.  m.  ^'^  kommt  und  nacliher  ^\xc\i  B\\.\\\. 

^*  f.B\;  in  mir  Äii.  in.  *^  ohZfii.  in.  -^  geht  ab  mit  Helenen 

B II.  in. 


VOM  DOCTOR  FAUST  157 

Mephis:!  (höhnisch  Iachend2)  Nun  mein  lieber  Faust,  dein 
Loos  ist  geworfen,  du  hättest  dich  wiirklich  bekehrt,  aber  von 
nun  an,  da  Du  dich  in  Helenen  verliebtest,  gehört  deine  Seele 
mein,  TriumpP,  Triumpf.  Faust  ist  zum  zweitenmale*  ge- 
fallen (ab)  5 

Faust  stürzt  auf  Theater 

Faust^  Ha  was  war  dass?  welche  höllische  Furie  hielt  ich 
in  meinen  Armen,?  —  Teuflische  Otterbrut,  ich  binn  aufs  neue'' 
in  euren  Schlingen  gefallen,  Als  ich  Helenen^  umarmte,  halte 
ich  auf  einmal^  eine  Schlange  in  Meinen  Armen,  sie  entwand  sich 
meiner  Umarmung,  und  verschwand.  Hu,  jetzt  binn  ich  der  Hölle 
geweiht  —  kein  Flehen,  kein  Gebet  zum  Ewigen,  kann  mich 
mehr '*^  Retten,  hinaus,  hinaus,  alles,  alles,  ist  dunkel  vor  meinen 
Augen,   hinaus,   ins  Freie,   (ab)ii 

Nacht,  Strafse^^^  Casper  als  Nachtwächter '^  (mit  einer  La- 
terne^*, man^^  hört*^  9  schlagen) 

Casper  (von  innen) ^^  Gretell  —  es  hat^^  9  geschlagen,  steh 
auf  und  zünde  Licht  an,  ich  muss^^  die  Runde  machen,  (tritt 
auf)2o  Na  da  war  ich  endlich '^*  wieder,  nach  so  langer  Zeit,  ach 
ich  binn  recht  froh  dass  ich  den  Nachtwächter  Posten22  erwischt 
habe,  denn  dass  Reisen  binn  ich  recht  sattes,  und  vorzüglich  in 
der  Luft,  wo  man  nicht  einmal  ein  Wirtshaus  antrifft.  Gestern 
binn  ich  bei  den  Hr:  Ober-Nachtwächter  gewesen,  der  sagte  zu 
mir,  dass  ich  nach  10  Uhr,  jeden  welchen  ich  auf  der  Strafse 
fände.  Arretieren,  und  in 24  Arrest  bringen  sollte,  und  da  bekam 
ich  für  jeden  2  Groschen,  Na2ä,  da  will  ich  auch  gut  Aufpassende, 
damit  ich  so  viel  Trinkgeld,  als2'  Monatliches  Gehalt  bekome, 
denn  wenn   mir   einer  4  Groschen  giebt,   lass  ich  ihm28  laufen, 

1  dritter  Auftr.  (f.  Bm)  Mepliis.    Dann  Faust  B  ii.  in.  2  f^  ^n.  ni. 

'  0  Tr.  ^11.  III.  ^  in  B  i  übergeschrieben:  3.  male.  ^  geht  ab 

B  II.  III.  ^  F.   koint  von   der   andern  Seite   Ha  welclie  höllische  Furie 

war  sie?  Teuflische  usw.  Bn.wi.  '  f.Bii.m.  ^  sie^ii.  iii. 

^  auf  einmal  f.Bui.  ^^  mehr  f.  Bu.m.  ''  geht  ab  f.  Bn.in. 

»2  5ter  Act  Strafse.    Erster  Auftritt  B  ii.  »^  n_  gekleidet  B  ii.  iii. 

"  L.  in  der  Hand  Bn.  '^  ^g  ist  Abend,  man  ^ii.  iii.  ^^  h. 

von    einem   nahen  Thurme   Neune   schlagen   darauf  fängt  er  von  innen  an 
B  II.  "  hinler  d.  Kolisse  B  in.  i*  f.  ßu.  '^  muss  nun  B  ii.  iii. 

2^  (Er  gähnt  und  kommt  heraus)  Z>  ii.  iii.  ^*  endlich  einmahl  5ii.  in. 

22  Dienst  B  ii.  in.  -^  überdrüssig  B  ii.  ni.  ^4  j^  ^gjj  ß  „  jjj_ 

25  nun  B  II.  III.  26  acht  haben    B  ii.  in.  27  jj.^  bekonle  als 

B  n.  ni.  28  ich  vier  sgr.  bekomme,  so  lass  ich  jeden  ^11.  m. 


158       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

und  schliefs  ihm^  noch  obendrein  das  Haus  auf,  Nun 2  frisch  ans 
Werk,  heut  will  ich  3  zum  Ersten  mal  thuten,(thutet  hinter  der  Seen e)^ 
Singt^  Hört  ihr  Herrn,  und  lasst  euch  sagen 

Ihr  seid  wahrlich  zu  beklagen. 
Ihr  habt  viel  Kinder  und  Kein  Brod 
Ach  da  ist  ja  grofse  Nolh, 

Hat  9  geschlagen,  Tralalalalala^  (geht  tanzend  ab) 
(Faust"  tritt  auf) 

Faust  Schon  ist  die  Hälfte  der  Jahre  dahinn,  Ach  war  ich 
doch  niemals  zu  den  Wissenschaften  geschritten ,  die  mich  dazu 
verführten,  den  Menschen  ihre  Schwächen^  zu  zeigen.  Ach  hätte 
ichö  doch  niemals  mit  dem  Bösen  einen  Bund  geschlossen,  so 
könnte  ich  doch  den  Natürlichen  Todt  entgegen  sehen  so  aber,  — 
ach  —  ich  habe  keine  Thräuen  mehr,  der  Ewige  hört  mein 
Flehen  nicht,  0,  ich  binn  ein  elender ^^  verworfener  Mensch, 
(Mephistophles  tritt  auf)^^ 

Mephis:  Nun  Faust  treffe  ich  dich  hier?  in  Deiner  Woh- 
nung hast  Du  wohl  keine  Ruhe?  Doch  jetz^-  bereite  dich  Faust ^3, 
Deine  Zeit  ist  verflossen,  noch  3  Stunden ,  dann  bist  du  mein, 
und  meine  Dienstbarkeit  hört  auf, 

Faust  (erstaunt)  Wie,  wass  sprichst  du  Mephistophles?  Deine ^* 
Zeit  wäre  verflossen?  Das'^  lügst  Du*^  Es  sind  erst  12  Jahre  ver- 
flossen, folglich  sind  noch  12  Jahr,  die^'  du  mir  Dienen  musst, 

Mephis:    Ich  habe  dir  24  Jahr  gedient, 

Faust  Aber  wie  ist  das  möglich?  Du  wirst  doch  die  Zeit- 
rechnung der  Welt  nicht  ändern  wollen'^, 

Mephis  -  Nein  dass  kann  ich  nicht,  aber  höhre  mich  Ge- 
duldig an.  Du  verlangst  noch  12  Jahr '^, 

Faust  Und  dass^o  mit  Recht,  ist  nicht  2'  24  Jahr  im  Contract 
geschrieben  ? 

Mephis  -  Ganz  recht  — 

'  und  bin  im  Stande  und  mag  B 11.  in.  ^  j^g  was  hilfts.    Nun  nur 

^n.  iii.  ^  So  will  icli  denn  heute  Bw.m.  ^  er  blas  ^11.  m. 

5  f.  Bu.m.  «  la-la-la-la  i?  11.  iii.  ''  2ter  Auftr.  F.  M.  Bu. 

8  Schwäche  B  11.  iii.  ^  ich  mich  B  i;  ich  doch  n.  das  Licht  der  Welt 

erblickt,  dann  könnte  ich  ruhig  dem  unvermeidlichen  Tode  entgegen  gehen 
(so!)  Bu.m.  »«  /.  Bin.         "  f.  Bn.m.  ^-  treffe  —  jetz /".  5u.  iii. 

«3  f.  B  n.  III.  »*  meine  B 11.  iii.  '^  py  ß  11.  iii.  «s  f.  B  iii. 

"  weiche  ^11.  iii.  **  wollen  f.  Bn.m.  »^  Jahr  und  — ^il.  in. 

20  dies  B  II.  III.  -'  nicht  im  C.  geschr.  24  Jahr  Bn.  iii. 


VOM  DOCTOR  FAUST  159 

Fausti  Nuü  was  willst  Du  mir^  vorreden?  so  sind  doch  erst 
12  Jahr  verflossen,  — 

Mephis  Nach  deiner  Berechnung  ganz  richtig,  aber  weifst 
du  nicht,  das  ich  dir  Tag  und  Nacht  gedient  habe?  —  auch 
wird  dir  bekannt  sein,  das  der  Tag3  12  Stunden,  und  die  Nacht 
12  Stunden  hat,  folglich^  ist  jeder  Tag  zu  2  Tage  gerechnet, 
und  diese  12  Jahre  machen  nach  meiner  Berechnung'^  24  Jahre 
aus,  folglich^  ist  deine  Zeit  um,  und  in  3'^  Stunden  bist  du  mein 
mit  Leib  und  Seele 

Faust  Ich  habe  doch  aber^  berechnet^,  den  Tag  zu  24  Stunden, 
da  7  Tage  die  Woche  hat, 

Mephs  -  Wohl  wahr,  aber  die  Nacht  hast  Du  vergessen 

Faust  0,  Gott,  so  biun  ich  schrecklich i*'  betrogen, 

Mphis:  Du  hast  dich  selbst  betrogen,  Faust,  Ich  eile  jetzt 
zu  meinen  Fürsten,  um  die  Befehle  zu  holen '^,  wie  ich  mit 
Deiner  Seele  verfahren  soll,  mit  den  Glockenschlag  12  sehen  wir 
uns  wieder,  (ab) '"- 

Faust  Ich  weifs  nicht,  lebe  ich  noch,  oder  Träume  ich  nur, 
—  doch  vielleicht  finde  ich  Trost  in  meinen  Büchern ,  (ab) 

(Es  schlägt  10,  Casper  von  innen) '^ 

Casper  (hinter  derScene)^^  Gretel!  zünds  Laternel  an  oder 
es  giebt  Püffe, 

Gretel  (ebend  so) ^^  Hür  mal,  lässt  einen  heut  auch  gar*^ 
nicht  schlafen, 

Casper  (ebendso)  ^'^  Halts  Maul  Frau,  oder  geh  du,  und  mach 
die  Runde  1*,  (tritt  auf)  Das  ist  ein  heiloses  Weib^^,  wenn  sie 
was^"  thun  soll  brunt  sie-',  doch-  ich  muss  man^^  abthuten^^ 
(er  thutet  2  Mal)  (Singt)  ^^ 

*  F.  das  Jahr  zu  52  Wochen  oder  12  Monathen  oder  die  Woche  zu 
7  Tage,  Tag  und  Nacht  zu  24  Stunden,  M:  Ganz  recht,  Faust.  F:  Nun  e«c. 
^11.  III,  ^  mir  denn  B  ii.  iii.  ^  Tag  zu  12  Stunden  und  die  Nacht 

auch  12  Stunden  hat  (zu  12  St.  gerechnet  wird  Am)  jßii.  in.  ■*  also  ist 

folglich  B II.  III.         ^  machen  also  B  ii.  in.         ^  daher  B  in.  "^  etlichen 

B  \\.\\\.  *  aber  doch  5 II;  aber  5 III.  ^  gerechnet  ^  ii.  ni.  ^"also 

binich^u.  lu.  "  erhalten  Ä  n.  in.  ^'^  (%^hla\))  B  ii.iii.  *^  (geht 

ab)  es  schlägt  zehn  B  ii.  ni.  *'»  3ter  Auftritt  G.  allein  von  innen  B\i;  G.  von 

innen  B  in.  '^  von  innen  B  ii.  in.  ^*  auch  heute  gar  B  ii.  iii. 

"  von  innen  B  ii.  ni.  '^  Runde  in  die  Stadt  (kommt  heraus)  B  a.  in. 

*^  ein    weiberisches    Gebrumme   B  ii;   Gebr.   von  den   Weibern  B  m. 
20  mal  was  B  n.  iii.  ^*  sollen  B  n.  in.  ^^  na  B  in.  23  „yp  ß  u^ 

2*  man  thuten  (thutet  2  mal)  B  in.  -*  f.  B 11.  m. 


160       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Hört  ihr  Weiber  und  lasst  euch  sagen, 
Wenn  Euch  eure  Männer  schlagen, 
So  tragt  nur  alles  mit  Geduld, 
Denkt  eurer  Maul  hat's  oft  verscliuldt 
Hat  10  geschlagen  1,  Tralalalalala  (ah)  2 
Faust  tritt  auP 
Faust  Schon  wieder  eine  Stunde  meines  Lehens  dahinn,  Achl 
Ewiger  Gott,  warum  lebe  ich  noch?  warum*  liefsest  du  mich  zur 
Qual  so  lange  Leben ?5  Ach!^  —  (Adagio,  ein  Genius  erscheiut)^ 
Genius^  Faust  was  zauderst  du,  warum  haderst  du  mit  den 
Allmächtigen,  Er  weifs   nichts   von  dir,   der  Hülle  hast  du  dich 
mit  Deinem  Blute  verschrieben,   darum   bereite  dich,   2  Stunden 
kannst  du  nur  noch  leben*,  dann  aber  fährst  du  der  Hölle  ent- 
gegen. So  spricht  Pluto  der  Fürst  der  Unterwelt,  (schwebt  laug- 
sam ab)9 

Faust  Ha  schrecklich!  schrecklich,  naht  sich  meines  Lehens 
Ende,  (Es  schlägt  ll^^)  schon  11  Uhr,  nur  noch  eine  Stunde, 
und  dann  binn  ich  auf  Ewig  verlohren  •',  0,  wo  wende  ich  mich 
hinn,?  Die^-  Verzweiflung  bricht  mir  noch  das  Herz,  (ab)'^ 

Casper^* 
Casper  (hinter  der  Scene)  ^^  Gretel,  es  hat  11  Geschlagen  (eine 
Kinderstinie)  Mutter,  Mutter  ^^  der  Vater  lässt  ein  gar  nicht  schlafen, 
Casper  (hinter  der  Scene^')  Mach  doch  den  Jungen  en,  Lutsch- 
heutel,  von  en  Hauklotz ^^,  damit '^  ers  Maul  hält,  (tritt  auf)*** 
Ein  Nachtwächter  ist  doch-'  eigenthch  ein  recht  geplagtes  Qreatur, 
wenn  andere  Menschen  schlafen,  so  muss  der  Nachtwächter  für 
die  schlafenden 2 2  wachen,  und  sich  in  Sturm  und  Regen  umher- 
treiben, I,  nun,  es  schadet  nichts,  dafür  bekoüit  auch  der  Nacht- 

•  Sonst  würd  Ihr  nicht  geschlagen.     10  ist  die  Glocki/ii.  ^  lala- 

lala  (geht   trällernd    ab)    B  11.  iii.  ^  4ter  Auftritt.     Faust   B  u. 

^  Gerechter  Gott  w.  B\\.  *  mir  z.  (Ju.  erstehen  ^ii;  Warum  muss  ich 

hier  zur  Qual  ruhelos  herumwandeln  B  m.  ^  f.  B  11.  m.  '  Eine 

Stimme  von  oben  herab  im  harten  Tone  B  11 ;   Eine  St.  ^  in.  «  unter 

den  Lebenden  wandeln  Bii.m.  ■'  f.Bii.m.  '**  11  Uhr  Bn.m. 

"  V.  (Einige  Stimmen  aus  derLufl)  Stimmen:  Faust  Retirad  Retirad,  Retirad. 
Faust:  0,  wo  usw.  Bu;  Eine  Stimme:  F.  zurück,  z.,z.,  Faust:  0,  wo  ^  m. 

*-  ich   möchte   beten,  doch   ich  kann  nicht,   die  ^  in.  *^  geht  ab 

B II.  III.  '^  5ter  Auflr.  C.  dann  Auerhahn  B 11.  *^  von  innen  B 11.  in. 

*®  /.  Bm.  "  C.  von  innen  Bin-,  G.s  Stimme  ^11.  "  v.  e.  H. 

/".  B  u.  ni.  »3  das  B  in.  ^o  kommt  heraus  B  11.  iii.  21  ^_  ß  u.  m. 

^'^  schlafende  Menschen  B  ni. 


VOM  DOCTOR  FAUST  161 

Wächter  das  beste  Neujahrsgesclieok ',    na   ich  muss  nur  thuten, 
(er  thutet2  3  Mal)  (Singt) 3 

Hört  ihr  Junfern  und  lasst  euch  sagen 
Wenn  euch  jemand  sollte  fragen 
Ob  ihr  würcklich  noch  Junfern  seid*, 
So  sagt  nur  ja,  es  thut  uns  leid, 
Hat  11  geschlagen,  Tralalalalala,  (ab)'' 
Faust  tritt  auf' 
Faust  Nirgends  finde  ich  Ruhe,  die  Angst  peitscht  njich  umher, 
Ach  welche  Qual  muss  ich  leiden,    0,   grässlicher  Gedanke,  — 
Hölle'  —  darum  Menschen,  ich  rufe  es  euch  in  der  Seele  zu^, 
spiegelt   euch   an   meinem   Beispiel^,    wass   half  mir   Ehre,   und 
zeilliche   Glückseligkeil,   da   ich   nun    Ewig   dafür   büfsen   muss, 
Gott  erbarme  dich  meiner  armen  ^o  Seele, 
Casper  komt  heraus  ^^ 
Casper^^   Wer  ist  denn   das  hier?   hört  mal,   ihr  seid  jetzt 
verallemenlirt,  und  müsst  in  Morast,  ihr  seid  verdächtig,  nur^^ 
vorwärts  Marsch, 

Faust  Guter  Freund  kennt  ihr  mich  nicht  ?i* 
Casper  (beleuchtet  ihm)*^  Potz  Blitz  seid  ihr  nicht  der 
Fäustling,  Haha,  treffen  wir  uns  jetzt  wieder  nach  12  Jahren, 
hier  in  Mayntz,?  hört  ihr  habt  mir  damals^®  in  der  Berme  sitzen 
lassen'^  und  seid  mir  noch  en  ganz  Monat  Miethe^^  schuldig, 
jetzt  *^  heifst  es  ausgezahlt,  oder  nach  den  Morast  ^o, 

Faust   Nun  höre  Casper,   ich  will  dir  alles  drei  doppelt  er- 
setzen, wenn  du  mir  eine  Gefälligkeit^^  erzeigen  willst, 
Casper  Ne^^  —  jetzt  heifst  es  ausgezahlt  ^3,  oder  — 
Faust  Höre  Casper,  du  hast  solch  altes  Kleid  an  vertausche 

"  Neujahrsgeld  5  III.  ^  bläst  ß  ii.iii.         ^f.ßu.iu.         'einen  Mann, 

wollt  haben,    So  sprecht  nur  ja   und   seid  gescheidt  B  ii.  iii.  ^  la-la- 

lalala  geht  ab  (von  d.  anderen  Seite  ßn)  Bu.m.  ^  (6ter  Auftritt  ß  u) 

Faust,  dann  Casper  ^ii.  in.  ''  Gedanke  der  Hölle  ^ii.  iii.  ^  in  die 

Seele  hinein  ß  iii.  **  meinem  Thaten  ^  i;  Schicksal  B  in.  '"  /".  B  ii.  in. 

"  heraus  /".  ß  iii.  '^  f  ß  „  m  13  jg^  jg^  ^ur  ß  u,  m. 

"  nicht  mehr  B  11.  in.  *5  you  Verwunderung  ß  11 ;    verwundert  B  iii. 

1^  f.   ß  II.  III.  »^  zurückgelassen  ß  11.  in.  '^  Lohn  B  iii; 

Tracktement  B  n,  '^  also  jetzt  ß  11.  in.  ^°  ausgezahlt,  ausgezahlt 

B  M.  III.  21  Gefallen   ß  iii.  22  jjg  ß  u  i„_  23  g    q^\^  her 

B  n.  iii. 


162      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

es  gegen  dass  meinige,  ich  will  dir  noch  500  Dukaten  zu  geben', 
du  kannst  dir  damit  helfen^, 

Casper  Ne  Fäustling  das  Ding  geht  nicht,  der  Teufel  möchte 
unrecht  verstehn,  und  möcht  mir,  statt  euch  erwischen,  und 
denken  ich  war  der  Fäustling,  Ne,  Ne, 

(Es  schlägt  zwölf) 
Faust  Ha!  es  schlägt  12,  —  die  letzte  Stunde  meines  Lebens, 
jetzt  hab  ich  keine  Ruhe  mehr,  alles  ekelt  mir  an^,  (in  Ver- 
zweiflung) 0,  ihr  höllischen  Furien,  kommt,  lasst  euch  erbitten*, 
meine  Zeit  ist  verflossen,  0,  Faust,  grofser  Mann  der  Höchste 
will  nichts  mehr  von  dir  wissen'^,  0,  komt  denn  kein  Gewitter, 
dass  mich  zerschmettert,  damit  ich  schnell  von  der  Welt  kome, 
fort  von  hier,  (ab)  [anm.  16]. 

Casper  Na  lauft  nur  hin^,  ich  will  euch^  das  Geld  schenken, 
denn  mit  euch  ist  es  doch  bald  alle^  ich  muss  nur  12^  ihuten, 
und  dann  will  ich  mich  bei  meiner  Grelel  ins  Belle  einquetschen 'o 
(er  Ihulet"  erst  1  Mal,  dann  3  Mal  und  singt) i- 

Jetzt'^  merckt  ihr  Menschen'*  alle  wohl  auf 
Wass  hier  geschieht  in  diesem  Haus 
Löscht  aus  das  Licht  und  auch  die  Kohlen, 
Der  Teufel  wird  Doctor  Fausten  bald'^  holen 
Hat  12  geschlagen"'  Tralalalalala,  (ab) 

'  dir  500  D.  für  diese  kleine  Gefälligkeit  g.  B  iii;    d.    einen  Wechsel 
von  500  Friedrichsdor  g.,  welcher  Morgen  zahlbar  ist  Bii.  ^  Gieb  mir 

dein  Kleid  und  Waffen  (Waffe  B  iii)  und  nimm  du  (ziehe  du  B  in)  meinen  Anzug 
(Kleider  i/ III]  dafür  an.    Sieh,  du  kannst  dir  mit  dem  Gelde  helfen  Bii.m. 
^  an  und  stinkt  mir  zu  B  ii.  in.  ■*  in  —  erbitten  f.  B  ni.  *  d.  H. 

nichts  m.  von  der  wissen  kann,  komm  ein  Gewitter,  zerschmettere  meine 
Glieder,  das  Faustus  nicht  mehr  weifs,  was  Retirade  heifst  (geht  schnell  ab) 
^11;  d.  H.  n.  m.  von  dir  wissen  mag,  o  käme  doch  ein  G.,  das  meine  Glieder 
jetzt  zertrümmerte.  Ja,  das  man  selbst  nicht  fände,  wo  einst  mein  Fufs 
gestanden  (geht  schnell  ab)  B  iii.  ^  Na  lauf  nur  lauf  i/ii.  m.  ''  dir 

B  in.  8  denn  —  alle  f.  B  n.  in.  ^  f.  B  n.  in.  ^^  und  —  einquet- 

schen /.  j?ii.  in.  ^'  bläfst  ^11.  ni,  '^  u.  singt  f.  Bn.m.  >3  i^ 

B  n.  in  2  strophen: 

Hört  ihr  Junggesellen  und  lasst  euch  sagen. 

Die  Gloke,  die  hat  12  geschlagen.  . 

Bewahrt  das  Feuer  und  auch  das  Licht 

Dass  in  der  Stadt  kein  Schadn  geschieht.     Drum  merkt  etc. 
1'  Leute  Bm.  '*  gleich  Bii.\n.  •*  12  ist  die  Glocke  La-la-la- 

la-la-la  B  n.  ni. 


VOM  DOCTOR  FAUST  163 

(Faust'    tritt  auf) 

Faust   Nun  Du  schöne  Welt,  jelz  muss  ich^  auf  Ewig  von 
Dir  scheiden,   Ich   habe   nichts   zu  verlassen^  als    meine  scböue 
Bibliothek   diese^    sei   jetzt^    eines    anderen   Eigenthum   welcher 
einen  bessern  Gebrauch  davon  machen  kanu^  als  ich'' 
(Die  Furien  erscheinen)^ 

TeufeP  Nun  Faust,  deine  Zeit  ist  um,  mache  dich  bereit, 
du  sollst^"  jelz  den  Lohn  deiner ^^  Thaten  emfangen,  den  du 
verdient  hast,  ^"^  denn  du  hast  uns  Teufels  in  der  Hölle  keine 
Ruhe  gelassen,  und'^  dein  Siindenmafs  ist  volP^ 

Faust  '^  Wehe  dreimal  Wehe  über  mich  und  meiner  Seele  "^ 
welche  ich  euch  Teufel  verschrieben  habe.  (Die  Teufel  ver- 
schwinden mit  Faust  unter  schreckliches  Geheul  und  Blitz  und 
Donner) 

(Kasper  tritt  auf)'^  Na  glückliche  Reise  Herr  Doctor,  da  mag 
ich  nicht  mitreisen  '^,  denn  für  sollche  Reiserei  habe  ich  allen 
Respekt,  Potswetter  was  schleicht  denn  da  für  ein  Kerl  herum 
das  ist  gewiss  ein  Schornsteinfeger,  der^'^  sich  ins  Wirihshaus 
verspätet 2**  hat  (er  ruft)  Du  höre  mal  schwarzer  Kobold,  was 
machst  du  denn  hier^i 

(Auerhan  tritt  auf)22 

Auerhan  Na^^  bist  du  hier  das  ist  gut  das  ich  dich  Treffe^*, 
ich  habe  dich  schon  in  der  ganzen  Stadt  gesucht. 

*  7ter  Auftr.    (f.   B  in)  Faust   und  die  (dann  Bin)   Furien.     F.    allein 
Bn.  m.  ^  dir  dein  Liebling  (ich  dir  B  iii)  verlassen  und  B  ii.  in. 

3  V.  und  zu  verliehren  B  ii.  iii.  '•  nun   auch  diese  B  ii.  in.  ^  f. 

i?  II.  III.  ®  möge  ^  III  -en^il;  bei  welcher  beginnt  ein  neues  stück  in 

der  hs.  B  i  von  anderer  hand.  '  du.    Ha,  wie  wird  mir,  mich  schwindeln 

meine  Sinne,  ich  höre  Geheul,  der  Donner  rollt  ^  in.  *  (Die  F.  koriien 

angeschrien)  B  ii;   (Es  donnert  und  blitzt,  es  erscheinen  d.  F.)  B  iii. 
^  Furien  Bu.ui.  *"  empfange  Bn.m.  "  der  Bii;  für  Deine  B  m. 

'2  den  du  wohl   verdienst  B  n;   f.  B  in.  '^  dg^n   ^^^    |,ast    uns 

teuflisch,  überteuflisch  gequält,   schon  ist  B  i\;  f,  B  in.  *'•  überhäuft, 

empfange  Deinen  Lohn,  fort  mit  dir  B  \i\  voll  drum  hinfort  mit  dir  zur 
Hölle  B  ni.  '^  Faust's  Stimme  (Faust  B  iii)  0  wehe  B  n.  in.  '^  über 

meine  arme  S.  (Die  Furien  verschwinden  während  der  Donner  und  starken 
Blitze  mit  Fausten  (Unter  Donner  Blitz  und  heulendes  Getöse  gehen  die 
Teufel  mit  Faust  ab  B  iii))  B  ii.  in.  "  8ter  Auftr.    Kasper  allein  dann 

Auerhahn  B  n;    Casper   tritt    geschwind   vor  Bm.  ^^  mit  dir  reisen 

Bni.  ^^  welcher  ^n.  ni.  ^o  verkrochen  Bi.  ^^  Du,  hören  Sie 

mal  (wer  da  Halt  Bm)  Bn.m.  -^  f.  Bn.m.  23  Aj,a  i?ii.  ni. 

2^  das  —  Trefi'e  f.  B  n.  m. 


164       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

Kasper  Kennst  Du  mich  denn*  du  schwarzer  Kobold. 

Auerhan  Warum  soll^  ich  dier  nicht  kennen^,  du  bist  ja 
der  Casper,  welcher  bei  den  Doctor  Faust  im  Dienst  war,  nicht 
so  liebes  Casperkin* 

Casper  (beleuchtet  ihn)^  Ach  jetz  kenne  ich  dich  du  bist 
ja6  Bruder  Kukelhan  na  sage^  mal,  was  willst  du  denn  hier% 
willst  du9  auch  Nachtwächter  werden,  du  oller  Kukelhan'^ 

Auerhan  Nein  das  nicht ^'  Carper  ich  will  dich  abholen 

Casper  Mier^^  wohin  denn  Kukelhan ^'^ 

Auerhan  Na  du  sollst  mitkommen  ^^  nach  der  Hölle 

Casper  (schüttel  sich)  Bur  da  habe  ich  keine  Lust  mit  zu 
gehen'*,  du '^  mach  ja  das  du  weg  kommst  Bruder  Kukelhan, 
wenn  du  nicht  mein  Freund  wärst,  so  hätte  ich  dier  schon  lauge 
nach  den  Morest  gebracht,  sage  mal  Bruder  Kukelhan  ist  denn 
der  Faust  glücklich  in  die  Hölle  angekommen 

Auerhan  Das  versteht  sich,  er  ist  jetz  Gelangen  in  der  Hölle 
(fasst  Casper)  und  Du  musst  auch  mit,  weil  Du  sein  Diener  warst 

Casper  0  ne  du  da  wird  nichts  draus  jetzt  las  mier  los  sonst 
sind  wier  die  längste  Zeit  gute  Freunde  gewesen, 

Auerhan  Du  bist  nicht  gescheid  Casper  in  der  Hölle  ist  es 
auch  gut,  denn  der  Faust,  und  deine  Grofsmutter  befinden  sich 
ganz  wohl  in  der  Hölle 

Casper  Meine  Grosmutter  ist  auch  in  der  Hölle,  was  macht 
denn  die  alte  gute  Frau  da'^ 

Auerhan  Sie  ist  da^''  wo  Heulen  und  Zähneklappern  ist 

^  f.  B  i;  denn  in   aller  stockfinster  Nacht,    wer  ich  bin  (bin  und  wer 
bist  Du  denn?  i? iii)  Bii.m.  ^  sollte  ^ii.  ^  Warum  —  kennen  f. 

B  Ml.  ■*  nicht  —  Casperkin    /'.  B  ii.  m;    in  Bin   dafür:    und   ich  bin 

Auerhan,  dein  Freund,  ich  kome  um  dich  nach  der  Hölle  zu  holen  (über 
den  sc/duss  von  B  in  s.  u.).  ^  ihn  mit  der  Laterne  B  ii,  ^  der  B  ii. 

''  na  nun  sage  mir  Bii.  ^  in  Mainlz  Bii.  °  du  willst  wohl  ^ii. 

'°  du  0.  K.  f.  Bii.  '^  nicht  ich  kome  dir  abholen  B  ii.  '-  f. 

B  11.  1^  Na  —  mitkommen  f.  B  ii.  "  dahin  habe  ich  keine  Lust 

B II.  '^  Höhre  Br.  K.,  grüfse  doch  meine  Grofsmutter ,  die   olle  Frau 

soll  in  die  Hölle  sitzen,  wo  Heulen  und  Zähneklappern  ist  und  meine  Grofs- 
mutter hat  schon  gar  keine  Zähne  mehr.  A:  Nun  sag  mal  Kasper,  was 
bist  Du  denn  für  ein  Landsmann  (s.  u.)  B  ii.  '"^  statt  der  worte  ztoi- 

schen  abholen  nnd  da  in  B  in :  Casper:  So,  das  ist  ja  ein  allerliebstes 
Freundschaftsstück  von  dir.  Also  du  bist  der  Kukelhahn?  Na  sage  mal 
kommste  jetzt  aus  der  Hölle?  Auerh:  .la  direkt  aus  der  Hölle,  ich  soll  dir 
von  deiner  Grofsmutter  grüfsen.  Casper  Danke,  Sage  mal  wo  ist  denn 
die  da?  "  Die  ist  Bm. 


VOM  DOCTOR  FAUST  165 

Casper^  I  du  dummer  Kerl  die  hat  ja  keine  Zähne  mehr 
gehabt,  womit  soll  sie  denn  klappern. 

Auerhan2  Aber  du  musst  mit 

Casper'^    Ne  ick  will  aber  nicht  mit 

Auerhan    Sage^  mal  Casper  was  bist  du^  für  ein  Landsmann 

Casper  Ich  — 6   Ich  bin  ein  Berliner  Kind'- 

Auerhan  Br  Br  denn  kann  ich  dier  nicht  brauchen  du 
dummer  Casper.    (ab)"^ 

Caspers  (sieht  ihm  nach)  Na  was  ist  denn  das,   der  Teufel 

krigt  ja  das  Auskratzen  weil  ich  ein  Berliner  bin.     A  ha,   jetz 

besinne   ich  mich,   kein  Berliner  holt  der  Teufel   nicht  vor  die 

hat  er  Respekt,    das   merken  sie  sich   meine  Herrschaften,   sie 

können   sich   immer   den  Teufel  verschreiben ,   wenn   er  kommt, 

so  sagen  sie  nur  ich  bin  ein  Berliner   gleich  kratzt  er  aus.   Na 

jetz  will   ich  aber  machen  das   ich   zu   meine  Grete  kome  denn 

mir  fängt  jetz   an   zu    frieren,   sonst   muss   ich    nach  der  Hölle 

gehen   und    mich  wärmen,  aber   ich  will   mir  lieber   bei   meine 

Gretel  wärmen. 

Ende   des   Stücks. 

'  C.  Ja  ich  besinne  mich,  es  hat  ihr  bei  ihrer  Lebenszeit  immer  ge- 
froren, nun  ist  sie  wo  sie  sich  wärmen  kann,  mier  friert  aber  noch  nicht, 
also  will  ich  auch  nicht  in  die  Hölle  spazieren  B\.  ^  Na  Kasperchen 

denn  komm  nur  mit  ich   muss  dich  mitbringen  Bm.  ^  G.    Meine  In- 

struktion als  hiesiger  Nachtwächter  lautet,  wenn  ich  nach  10  Uhr  auf  der 
Strafse  ertappe,  wird  als  Bummler  arretirt  also  fort  mit  nach  der  Wache. 
A:  Nein  Casper  lass  nur  dann  will  ich  lieber  gehen  (ab)  C:  ruft  ihn  nach 
Adeu  Kukelhan.     Den  Kasper  holt  der  Teufel  nicht  i^iii.  ''  Nun   sag 

Bn  vgl.  sA^^  var.Xb.  ^  Dn  A&nn  B\\.  ^  f.  B\i.  "^  Br-Br- 

(verschwindet)  B  w.  ^  B\i:  G:    Aha  also  so  stehtst,  ein  Berliner  holt 

d.  Teufel  nicht  da  kanns  man  schon  einmal  mit  den  Teufel  versuchen  (ab). 
das  letzte  blalt  ist  erst  später  eingeklebt,     die  tinte  ist  ausgelaufen. 

Ende. 

M.  Wähnert. 

Anmerliungen. 

1.  das  Vorspiel  ist  sowol  in  B\  als  in  B\\  sehr  entstellt.  B  u 
steht  hier  ganz  unter  dem  einflusse  des  Klingerschen  Faustwerks,  das  in 
dieser  hs.  auch  sonst  benutzt  ist,  wo  B\  keine  beeinßussung  zeigt:  vgl. 
zb.  die  antwort  des  Mephistopheles  auf  Fausts  frage,  ob  er  ihm  dienen 
wolle:  Mein  Fürst  der  Herrscher  usw.  (s.  133  var.  3).  in  B  i  ist  die  scerie 
nur  in  einer  ganz  jungen  abschrift  erhalten ,  die  kaum,  noch  an  die  ur- 
sprüngliche gestalt  des  Vorspiels  erinnert;  einmal  bezieht  sich  der  über- 


166      DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

arbeite?'  auch  auf  die  von  mir  in  der  eiyileitung  erwähnte  schauer- 
tragödie.  nichts  desto  tveniger  habe  ich  diese  hs.  für  meinen  text  be- 
?iutzt,  weil  hier  doch  wenigstens  der  höllenfürst  selbst  die  anregung  zu 
der  teiifelsversammlung  und  zur  Verführung  Fausis  gibt,  während  er  in 
B  II  von  der  ganzen  suche  erst  durch  seine  untergebenen  hört,  was  in 
dieser  hs.  (B  u)  alt  zu  sein  scheint  —  Plutos  entrüslung  über  die  Störung 
am  anfang  und  Mephistopheles  versprechen,  in  glückliche  ehen  tinfrieden 
zu  bringen  — ,  stammt  aus  Kliiiger. 

In  Bi  sind,  gleichfalls  in  ganz  junger  Überlieferung,  noch  folgende 
teufelsscenen  erhalten  : 

2t  (mit  rolsiift  ist  aus  der  2  eine  3  gemacht)  Ackt  Hölle 
Pluto  MefestofTelus 

Pluto)  Nun  MefestofTelus,  ich  sehe  das  du  dein  ganzes  Höllenwerk  in 
Anwendung  bringst,  ich  bin  mit  dier  bis  je(z  zufrieden  —  MefestofTelus)  Mein 
Fürst  trage  keine  Sorge,  es  wird  mier  nicht  schwer  fallen,  denn  Faust  ist 
ein  Freund  der  Weiber,  ich  hoffe,  das  bei  den  heutigen  Feste,  seine  erste 
Mordthat  wird  fallen,  denn  er  hat  sich  schon  in  der  Fürstin  von  Parma  ver- 
liebt, welches  sein  erster  Sturz  wird  sein.  —  Pluto)  Recht  so  MefestofTelus, 
er  darf  aus  unser  Netz  nicht  wieder  heraus,  seine  Seele  niuss  ganz  die  unsere 
werden,  —  MefestofTel)  Und  dann  mein  Fürst,  dann  liebt  er  noch  ein  Mädchen, 
mit  Namen  Margarethe  sie  ist  in  Mainz  wohnhaft  auch  die  muss  fallen,  ich 
werde  es  suchen  dahin  zu  bringen,  das  es  einen  Doppelmord  giebt,  —  Pluto) 
Recht  so,  dafür  sollst  du  der  erste  meines  Reichs  werden,  Mefostoffels  du 
musst  die  Menschheit  zeigen  was  der  Teufel  für  Kraft  besitz,  jetz  steige 
herauf  zur  Oberwelt,  das  Faust  dier  nicht  bei  den  Feste  vermisst,  denn  du 
weifst  wie  wankelmüthig  Faust  ist,  also  jetz  ans  Werk,  keine  Minute  darfst 
du  ihm  nicht  aus  die  Augen  lassen  —  Mefestoffe)  Mein  Fürst  ich  werde  deine 
Befehle  pünktlich  handeln  (ab)  —  Pluto)  Ja  mein  Faust,  du  brauchst  des 
Teufels  Macht,  aber  3  mal  wehe  über  dich  wenn  der  Teufel  seine  Macht  an 
dier  zeigen  wird  (ab). 

3t  Ackt  (Margarethe  liegt  in  einen  Gewölbe  todt)  Faust)  0  Unglückseliege 
Stunde,  wie  bereue  ich  meine  That  die  ich  begangen  haben,  0  meine  Mar- 
garete, bald  würdest  du  Mutler  geworden,  und  ich  bin  dein  Mörder,  vergieb 
mier  denn  ich  weis  nicht  was  ich  gethan  habe,  denn  die  Hölle  hat  mich 
mit  ihr  Netz  umgarnt,  o  vergieb  mier  meine  M.,  denn  ich  bin  ja  ein  Doppel- 
mörder ja  ich  will  sehen  ob  ich  noch  bei  deiner  Leiche  beten  kann,  ob  der 
ewiege  noch  mein  Gebet  erhören  wird,  12  Jahre  sind  nun  bereits  verflossen, 
wo  ich  den  Teufel  meine  Seele  verschrieb,  und  aus  Parma  fliehen  musste, 
wo  das  erste  Opfer  durch  meine  Hand  fiel,  die  Fürstin  von  Parma,  o  Faust 
du  hast  eine  schöne  Stunde  bei  ihr  verlebt  aber  was  können  mier  aber 
alle  die  schöne  Zeiten  nützen  die  ich  mier  durch  die  Hölle  erkauft  habe, 
werden  die  anderen  12  Jahre  auch  in  Rausche  der  Freude  dahin  gehen,  als 
die  verlebten  12  Jahr — Nein  —  Nimmermer  denn  meine  Seele  gehört  nicht 
mehr  den  Ewiegen,  doch  warum  bin  ich  so  verzagt,  warum  treibt  mein 
Blut  mier  zur  Schwermuth  —  Ja  Faust  fasse  Muth,  vielleicht  ist  deine  Seele, 
nicht  ganz  verlohren,  o  ich  will  sehen  ob  ich  Beten  kann,  ja  ich  will  bei 
der  Leiche   meiner  Margarete  Bufse   thun,  ich  will  sehen,  ob  der  ewiege 


VOM  DOCTOR  FAUST  167 

meine  Seele,  noch  einmal  wieder  aufnimmt  (kniet  nieder)  |  2te  MefestofTel  [ 
Letzte  Cene  |  Pluto  die  Teufel  Faust  |  Hölle  |  Pluto)  Itz  Faust  ist  deine  Seele 
die  meinige  3  fachen  Mord  hast  du  begangen  du  hast  gegen  Göttlich  und 
gegen  Menschlich  gehandelt,  du  hast  deine  Seele  an  den  Teufel  verkauft, 
um  deinen  Namen  auf  der  Welt  zu  preisen,  du  hast  den  Teufel  in  der 
Hölle  keine  Ruhe  gelassen,  also  hat  das  Straf  Gericht  beschlossen,  dier  die 
das  strengste  Strafmafs  zu  geben  welches  die  Hölle  besitz,  Merkur  der  Hülle 
erscheine,  und  sprich  Fausten  sein  Urlheil  wo  seine  Seele  bleibt.  (Merkur 
erscheint)  Merkur)  Faust  deine  Seele  ist  verdammt,  auf  ewieges  Fegefeuer 
in  Pech  und  Schwefel  nie  soll  deine  Seele  mehr  unter  uns  Teufel  sein  du 
bist  verdammt  auf  Ewig  (schwebt  ab)  — Pluto)  Hz  nehmt  ihn  in  eure  Gewalt 
ihr  Teufel  jetz  ist  er  der  euriege  |  Teufel  schleudern  |  Fausten  fort  |  Rothes 
Feuer  |  brennt  Ende. 

j4lle  diese  tei/felssce?ie?i  stehen  auf  blättern ,  die  mit  der  ks.  ?iicht 
zusammeyigeheftet  sind. 

2.  auch  diese  loorte  sind  aus  dem  anfang  des  Klingerschen  Faust 
entlehnt. 

3.  nur  in  B,  U  (Ulmer)  und  der  JViener  fassung  wird  Hans  Wursts 
auftreten  nicht  vorbereitet,  alle  übrigen  puppe7ispiele  lassen  an  dieser 
stelle  Wagner  bitten,  einen  gehilfen  an?iehme?i  zu  dürfen. 

4.  die  aus  Marlowe  stammende  buchstabierscene  ist  in  den  jüngeren 
fassungen  arg  entstellt,  ursprünglich  verlief  sie  wol  wie  in  der  engli- 
schen vorläge,  es  finden  sich  wenigstens  noch  spuren,  dass  Hans  Tf^urst 
dieselben  buchstaben  las,  wie  Robin  in  der  ausgäbe  C  (von  1616)  des  Mar- 
loweschen  Stückes,  nämlich  a  und  o.  vgl.  die  erste  Hans- fFurst-sce?ie  in 
E  und  S  und  Marlowe,  text  C  ii  2  (fFagnersche  ausgäbe  1877  s.  65 
im.  critical  com.),  in  U  ist  diese  Hans-ffurst-scene,  wie  Hans  fViirsts 
beschtvörungsscene ,  die  gleichfalls  auf  eine  Marlowesche  scene  zurück- 
geht, und  wenigstens  noch  zwei  aiidere  ausgefallen,  das  alte  volksschau- 
spiel  7var  keineswegs  so  arm  a7i  Pickelhärtngsscenen ,  wie  Creizenach 
annimmt. 

Die  witze  Kaspers  über  seine  nicht  vorhandene  kleiders ammlung  habe 
ich  aus  Bii  in  den  text  gesetzt,  weil  alle  anderen  fassringen,  die  mit  B 
verwandt  sind,  in  dieser  scene  ähnliches  bieten.  B  i  ist  an  dieser  stelle 
wenig  zuverlässig ,  so  fehlt  zb.  die  erklärung  von  Wagners  frage  Seid 
Ihr  etwa  herrenlos?  ä'.  versteht  das  wie  überall  falsch,  wird  aber  über 
sei?ien  iri'tzim  gar  nicht  aufgeklärt,  statt  dessen  kommt  eine  stelle,  die 
sich  nur  noch  in  der  Wiener  bearbeitung  findet:  Kasper  steigt  auf  den 
tisch,  man  sieht  nicht  recht,  warum  (in  der  Wiener  fassung  setzt  er  sich 
auf  das  buch,  um  so  die  Weisheit  in  sich  aufzu7iehmen) ;  die  frage  Kaspers, 
wer  sein  herr  sei,  wird  auf  eine  ganz  ungeschickte  art  angebracht  usw. 
ich  habe  daher,  wo  die  beiden  anderen  hss.  mit  den  so?istigen  auf  die  Ber- 
liner bearbeitungen  zurückzuführenden  fassungen  gegen  B  i  überein- 
stimmten, diese  liss.  für  den  text  in  dieser  sce7ie  be7iutzt, 

Wag7iers  fordei'ung,  Kasper  solle  ih7i  ehrfurchtsvoller  anreden,  findet 
sich  schon  bei  Marlowe  (Wagner  s.  14): 

Clown:    ßut  do  you  hear,  Wagner? 


168       DIE  BERLINER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 


Wagner:    Villain,  Call  me  Master  Wagner  7isw. 

Alle  übrigen  fassungen  haben  dieseji  zug  nicht  mehr. 

5.  in  B I  folgt  hier  avf  zwei  später  eingehefteten  blätterji  von  der- 
selben hand  wie  die  oben  angeführten  geisterscenen  eine  jüngere  Um- 
arbeitung: 

Ein  Genius  erscheint  in  die  Luft 

Faust  Wo  bin  ich  welche  Mattigkeit  überfällt  mich,  was  geht  mit 
mier  vor, 

Genius  kommt  herunter 

Genius  Faust  lass  ab  von  deinen  Vorhaben,  deine  Seele  ist  den  Himmel  ge- 
weiht,  lass  dich  warnen,  und  gieb  dich  nicht  mit  Gewalt,  den  Bösen  preifs 

Faust  Wer  bist  du  der  es  wagt  mier  in  meinen  Vorhaben  zu  stören, 
denn  ich  sehe  hier  Niemand 

Genius  Ich  bin  der  Genius  der  Menschheit,  der  Ewiege  will  das  du  des 
Satans  Künste  verachten  sollst,  drum  fliehe  diesen  Ort,  unterlas  dein  Vor- 
haben, und  achte  nicht  des  bösen  Ralii,  höre  die  Warnung  Faust  es  ist  zu 
deinen  guten  |  zieht  in  die  Wolken  | 

Faust  Wie  ist  mier  meine  Sinne  schwinden,  mier,  mier  ist  als  habe 
ich  einen  Flohr  vor  die  Augen,  ist  es  Phantasie  oder  Träume  ich  bei  offne 
Augen,  oder  ist  es  ein  Gaukelspiel,  was  mann  mit  mier  treibt,  mier  ist 
doch,  als  erschien  mir  der  Genius  der  Menschheit,  doch  fort  mit  der  Phan- 
tasie, ich  muss  mier  Luft  verschaffen,  hinaus  ins  freie,  um  meine  Sinne 
wieder  zu  fassen  (ab) 

6t  Gene  Kasper 

Kasper  Aber  nun  habe  ich  aufgeräumt,  ich  habe  alles  herumgeschmissen, 
das  es  eine  Lust  war,  aber  jetzt  werde  ich  erst  nach  der  Küche  gehen,  und 
werde  mal  nach  sehen  was  es  da  zu  Schnabeliern  giebt,  denn  ich  habe 
grofse  Ambitsion  im  Leibe,  mein  Magen  knurrt  so  sehr,  als  wenn  ich  ein 
halbes  Dutzend  junge  Katzen  drein  hätte,  aber  ich  werde  mier  ans  Essen 
drann  halten  das  es  eine  Lust  soll  sein  (ab)  Acktus. 

6.  in  B  I  ist  hier  ein  stück  papier  übergeklebt  in  letzter  zeit;  ich 
folge  daher  B\i. 

7.  die  gewöhnliche  form  des  namens  in  den  alten  stücken  der  hss. 
B  I  und  n  ist  Mephistophles  oder  Mephistoples ;  wo  sich  andere  formen 
finden,  hat  der  abschreiber  sich  versehen  oder  verschrieben. 

8.  die  lange  rede  des  Mephistophles  in  Bii.m  ist  aus  Klinger  entlehnt. 

9.  Fausts  entsetzen  darüber,  dass  er  mit  blut  unterschreiben  soll, 
findet  sich  in  fast  allen  älteren  fassungen;  ich  habe  daher  die  betreffende 
stelle  aus  B  II  in  den  text  gesetzt. 

10.  in  B\  und  Bin  ist  die  abfahrt  hinter  die  scene  verlegt,  in  Bu 
fahren  beide  auf  einem  luftmantel  vor  den  äugen  der  Zuschauer  ab.  ich 
muste  hier  einmal  Bin  folgen,  denn  B  i  hat  hier  schon  worte,  die  erst 
bei  der  abfahrt  von  Parma  gesprochen  werden  dürfen,  und  B  n  lässt  die 
beiden  im  gegensafze  zu  B  i  und  B  iii  (s.  hssverhältnis)  auf  offener  bühne 
abfahren.  Hagen  berichtet  zwar  auch,  Faust  und  M.  hätten  sich  in  die 
luft  geschwungen,  aber  es  ist  nicht  ganz  klar,  ob  sie  dies  vor  den  äugen 


VOM  DOCTOR  FAUST  169 

der  Zuschauer  taten.     Sommers  bericht  stimmt  zu  Bi  und  ni;  jedoch  er- 
wähnt mich  er  den  luftmantel. 

11.  in  Seh  und  auch  m  Sommers  bericht  ei'scheint  Auerhahn  erst, 
nachdem  Kasper  die  geister  gequält  hat.  er  ist  einer  der  beschworenen 
geister  und  bleibt  zurück,  die  anderen  fassungen  haben  Kaspers  geister- 
beschwörung  je  an  einer  anderen  stelle. 

12.  trotzdem  AuerJiahn  vorher  (s.\\\,^)  dem  Kasper  in  allen  hss.  ein 
reitpferd  versprochen  hat,  schickt  er  in  Bi  keins ,  sondern  nimmt  ihn 
auf  dem  schwänz  mit.  so  scheint  auch  Sommer  die  scene  gesehen  zti 
haben,  beide  hss.  müssen  entstellt  sein,  wie  eben  dies  vergessen  des  Ver- 
sprechens ,  ein  reitpferd  zu  schicken ,  beweist,  auch  lassen  die  anderen 
fassungen,  Seh  nicht  ausgenomme?i,  Kasper  auf  einem  dracheji  abfahren, 
und  erst  auf  der  rückreise  benutzt  er  Auerhahns  schtvanz.  B  li  hat  hier 
und  bei  der  rück  fahrt  Verwandlungen,  die  in  B  i,  B  \n  7ind  Sommers  be- 
richt nicht  vorkommen ,  folglich  auch  in  der  urhs.  nicht  vorgekommen 
sein  können  (s.  hssverhültnis).  —  Hörn  und  Leutbecher  berichten  von 
einer  ähnlichen  darstellung  bei  der  rückfahrt.  es  hat  hier  und  bei  der 
rückfahrt  also  die  schlechteste  hs.  den  besten  text.  in  B  i  ist  eine  ver- 
tauschung der  beiden  luftfahrten  eingetreten :  die  hinfahrt  entspricht  der 
rückfahrt  in  B  in  und  umgekehrt, 

13.  in  B I  sind  4  blätter  mit  folgendem  Inhalt  eingeklebt  von  dein 
mehrfach  erwähnten  abschreiber: 

2t  Ackt    Garten  Don  Karlos 

Karlos  Es  ist  heute  zum  toll  werden  mann  hat  jetz  so  viel  zu  thun 
da  Faust  an  unseren  Hofe  eintreffen  soll,  der  Herzog  iiat  alle  Freunde  ein- 
geladen, um  diesen  Herrn  zu  emfangen,  es  wird  heute  ein  grofses  Fest 
hier  geben,  (Kasper  in  Luft  schreit)  Was  ist  das  für  ein  Geschrei  in  der  Luft 
ein  Mensch  kommt  herunter 

2t  Kasper 

Kasper  Na  warte  du  niederträchtiger  Kukelhan,  dier  werde  ich  es  schon 
besorgen,  das  du  mier  hast  aus  den  Sattel  geschmissen,  aber  wo  bin  ich 
denn  nun,  bin  ich  schon  in  die  Bärme  drinn  |  Karlos  Aber  mein  Freund  wo 
kommt  ihr  her,  und  wer  seid  ihr,  ihr  scheint  ein  Diener  zu  sein  |  Kasper 
Ja  ich  werde  dier  gleich  bei  Diener,  ich  bin  eine  Mansperson ,  sieh  mal 
her  könnst  du  diese  (zeigt  die  Fäuste)  hier  sehe  sie  mal  recht  an,  verstehst 
du  I  Karlos  Aber  mein  Freund  ihr  seid  doch  nicht  der  Faust  |  Kasper  Na 
versteht  sich,  hast  du  nicht  ebend  gesehen,  wie  ich  mit  den  Teufel  aus  die 
Luft  gefahren  bin,  oder  bist  du  blind  ]  Karlos  Das  passt  mier  grade,  da  sehe 
ich  den  Faust,  und  der  Herzog  weifs  noch  nicht  mal  das  der  Faust  schon 
hier  ist,  sagt  mal  könnt  ihr  mier  nicht  von  euren  Künste  etwas  zeigen,  ich 
möchte  was  sehen  |  Kasper  Ja  wenn  ihr  mier  gut  bezahlt,  dann  sollt  ihr 
Gleich  was  zu  sehen  bekommen  |  Karlos  Ich  werde  euch  einige  Dukaten 
geben  hier  habt  ihr  3  |  (Kasper)  Nun  werde  ich  euch  zeigen,  wie  der  Teufel 
seine  Grofsmutter  zu  Markte  trägt  |  Karlos  Das  ist  wohl  eine  Schauder  Ge- 
schichte, die  möchte  ich  später  sehen  etwas  anders  |  (Kasper)  Oder  soll  ich 
den  ganzen  Garten,  das  unterste  nach  oben  bringen,  das  alles  auf  den  Kopf 
steht,  du  aber  auch,  |  Karlos  Nein  das  will  ich  nicht  sehen,  da  komm  ich 
Z.  F.  D.  A.    XXXL    N.  F.  XIX.  12 


170       DIE  BERLllNER  FASSUNG  DES  PUPPENSPIELS 

ums  Leben  (  (Kasper)  Du  hast  ja  grofse  bange  um  dein  Leben ,  sage  mal  bis 
du  ein  Freund  von  Ballet  Sprünge,  denn  werde  ich  dier  den  Trampelien 
Sprung  machen  |  (Karlos)  Ja  von  Ballet  bin  ich  ein  Freund,  nun  fängt  aber 
an  I  (Kasper)  Jetz  geht  es  los,  wenn  ich  3  zähle,  dann  bin  ich  in  die  Luft, 
nun  pass  gut  auf  und  nimm  deine  olle  kulbs  Nase  in  acht,  das  ich  sie  dier 
nicht  abschlage  (Kasper  springt  umher)  hast  du  schon  was  gesehen  |  (Karlos) 
Bis  jetz  noch  nicht,  ihr  habt  ja  noch  nichts  gemacht  ]  (Kasper)  Ja  Kasper 
kann  auch  nichts,  aber  jetz  geht  es  los  1  2  jetz  kommt  gleich  3,  (schlägt 
Karlos  in  Gesicht  Ab)  |  (Karlos)  Das  ist  ja  ein  sonnderbarer  Mensch,  das  kann 
der  Faust  doch  nicht  sind,  was  kommen  denn  da  für  ein  paar  Herrn,  ich 
werde  mier  in  der  Grotte  stellen 

3te  Gene  Faust  MefestofTeles 
Faust)  Nun  MefestofTeles  wie  gefällt  dier  die  Herzogin  ein  schönes  Weib, 
ich  muss  sie  besitzen,  du  musst  mier  helfen  das  sie  mein  wird,  so  steht  es 
im  Kontrakt  |  (MefestofTeles)  Faust  ich  werde  sie  dier  zuführen,  aber  bedenke 
Faust,  das  du  weitgehst,  es  könnte  üble  Folgen  haben  |  (Faust)  Ich  bleibe 
bei  meinen  Vorsatz  und  weiche  keinen  Schritt  zurück,  die  Herzorin  ist 
mier  gewogen  |  (Mefestoffeles)  Du  sollst  deinen  Willen  haben  Faust,  wier 
werden  jetz  zur  Tafel  schreiten ,  doch  Faust  gieb  auf  alles  Acht  was  da 
vor  kömmt,  denn  alle  Augen  sind  auf  uns  gerichtet  |  (Faust)  Hauptsächlich 
hat  man  dier  im  Auge  Mefestoffeles,  du  hast  eine  schlechte  Maske  gewählt, 
denn  der  Teufel  sieht  dier  schon  aus  die  Augen  ,  lass  uns  jetz  zur  Tafel 
gehen  |  (MefestofTels)  Noch  eins  Faust  setze  dich  zur  rechten  der  Herzorin, 
mann  hat  die  Tafel  so  eingerichtet,  der  Herzog  sitz  zur  linken  Hand,  ich 
werde  mier  hinter  dier  halten,  damit  ich  die  Herzorin,  gleich  nach  der 
Tafel  kann  im  Emfang  nehmen ,  Faust  wier  werden  schon  gesucht  |  (Faust) 
Verlass  mich  Mefestoffel  der  Herzog  kommt  ich  will  mit  ihm  allein  sprechen! 
14.  m  dem  bericht  über  die  älteste  bekannte  Faust- auf fühming  in 
Deutschland,  aufgezeichnet  vom  ratsherrn  Schröder,  findet  sich  die  be- 
merkung,  Faust  habe  auch  Karl  den  grofsen  erseheinen  lassen.  Creizenach 
weifs  sich  diese  neuerung  nicht  zxi  erklären  und  ist  geneigt  an  einen 
irrtuin  zu  glauben.  Schröders  angaben  erklären  sich  jedoch,  luenn  man 
den  text  (C)  des  Marloweschen  stücks  ansieht,  sehr  einfach,  hier  steht 
(ff^agners  ausg.  s.  80): 

And  he  intends  to  show  great  Carolus 
The  race  of  all  his  stout  progenitors  . . . 
The  royal  shapes  and  warlike  semblances 
Of  Alexander  usio. 
Hier  nahm   der  bearbeiter   des   deutschen  stücks,   das  Schröder  sah, 
Carolus  fälschlich  als  acctisativ,  während  es  natürlich  dativ  ist,  und  da- 
her kam  Karl  der  grofse  unter  die  erscheinungen,  die  Faust  dem  herzog 
zeigt,    man  sieht  hieraus  übrigens  dass  aus  Schröders  bericht  überhaupt 
nicht  mit  Sicherheit  auf  die  ursprüngliche  gestalt  des  volksschauspiels 
geschlossen  werden  darf,  weil  sich  aus  der  eben  angeführten  stelle  ergibt 
dass  das  betreffende  stück  von  Marlowe  stärker  beeinflusst  war,  als  das 
Volksschauspiel  m  allgemeinen,  das  aus  Marloives  stück  zwar  den  Alexan- 
der herübernahm,   aber  nicht  defi  grofsen  Karl,  weil  der  Überarbeiter 


VOM  DOCTOR  FAUST  171 

richtig  übersetzte,  derselbe  übersetzzingsfehler  findet  sich  rnerkwürdiger 
weise  auch  in  der  übersetzimg  von  Wilhelm  Müller  (Kloster  5,  977)  Und 
dieser  will  den  grofsen  Karl  hier  zeigen  Jisw. 

15.  bei  Marloioe  will  der  kaiser  den  geist  Alexanders  umarmen  und 
wird  von  Faust  zurückgehalten,  von  den  erhaltenen  Puppenspielen  hat 
nur  B  diesen  zug  betuahrt.  Seh  hatte  ihn  auch,  wie  vdHagens  be- 
richt  zeigt. 

16.  die  verse  in  B  il  sind  jung,  ich  habe  daher  die  prosa  von  B  i 
beibehalten ,  obiool  hier  ursprünglich  verse  gesprochen  wurden  im  volks- 
schauspiel,  wie  sich  aus  mehreren  der  ältesten  texte  (E,  U  zb.)  ergibt. 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE 
IN  TIROL. 

I.    Von   der   mitte    des    xiii  bis    zur   mitte    des   xivjhs. 

Im  folgenden  veröffentliche  ich  eine  archivalische  Studie,  zu 
der  ich  vorzugsweise  durch  die  schritten  von  FVogt,  Leben  und 
dichten  der  deutschen  spielleute  im  mittelalter,  Halle  1876,  und 
von  JStosch ,  Der  hofdienst  der  spielleute  im  deutschen  mittel- 
alter, Berlin  1881,  angeregt  wurde,  das  ganze  leben  und  treiben 
der  varnden  diet  bietet  des  interessanten  so  viel,  dass  es  mir  die 
mühe  zu  lohnen  schien,  diesem  lustigen  wandervolke  etwas  schärfer 
nachzuspüren,  vor  allem  war  mein  streben  dahin  gerichtet,  zu 
ermitteln,  ob  für  Tirol  sänger  und  überhaupt  spielleute  urkundlich 
nachweisbar  wären,  mehrere  umstände  liefsen  von  vorne  herein 
ein  günstiges  resultat  erwarten,  besonders  der,  dass  ich  durch 
die  gütige  vermittelung  des  k.  k.  statlhalterei-archivars  in  Inns- 
bruck, dr  David  von  Schönherr,  die  erlaubnis  erhielt,  eine  reihe 
wertvoller  Codices  benützen  zu  können,  welche,  vormals  im  Wiener 
Staatsarchiv,  jetzt  im  statthalterei - archiv  zu  Innsbruck  verwahrt, 
eine  fülle  bisher  unbenutzten  materiales  erschlossen,  diese  kost- 
baren, umfangreichen  archivalien,  meist  diplomatare  und  rait- 
bücher  der  landesfürsllichen  kanzlei  aus  dem  ende  des  13  und 
insbesondere  dem  14  jh.,  sind  eine  wahre  fundgrube  für  die 
kenntnis  der  culturzustände  Tirols  in  jener  zeit  zu  nennen,  in 
das  hofleben,  in  den  haushält  der  landesfürsten ,  in  Verwaltung 
und  justizpOege  gewähren  sie  einen  einbhck,  wie  uns  ein  solcher 
kaum  durch  ein  umfangreiches  zeitgenössisches  geschichtswerk  er- 
möglicht würde,     erwägt  man  ferner  die  tatsache,  dass  in  Tirol 

12* 


172      URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

zu  ende  des  12  bis  zur  mitte  des  13  jhs.  ein  reiches  poetisches 
leben  sich  entfaltete',  so  scheint  es  vvol  kaum  glaublich,  dass 
der  unmittelbar  iolgendeu  zeit  jede  lusl  an  dichterischem  schaffen, 
alles  Interesse  am  singen  und  sagen  abhanden  gekommen  sein 
sollte,  freilich  Sängern,  wie  etwa  herrn  Leutolt  von  Sehen,  Rubin 
werden  wir  voraussichtlich  auf  unserer  kleinen  entdeckungsfahrt 
nicht  begegnen,  die  zeitperiode,  welche  ich  ins  äuge  fasste  — 
die  zweite  hälfte  des  13  bis  zur  mitte  des  14  jhs.  — ,  ist  ja 
allenthalben  durch  einen  raschen  verfall  der  poesie  in  Deutsch- 
land gekennzeichnet;  aliein  dessen  ungeachtet  schienen  mir  auch 
jene  sänger  und  spielleute  von  untergeordneter  bedeutung  es  zu 
verdienen,  dass  sie  endlich  aus  dem  staube  der  Vergessenheit  an 
das  tageslicht  gezogen  werden,  jene  mäuner,  welche  unsere  lit- 
terarhistoriker  mit  recht  als  die  hervorragenden  fortpQanzer  und 
Verbreiter  der  herlichen  deutschen  heldensagen  betrachten. 

Es  ist  zwar  schon  vor  vielen  jähren  von  berufener  seite^ 
die  Vermutung  ausgesprochen  worden ,  dass  es  in  der  erwähnten 
zeitepoche  in  Tirol  gewis  an  fahrenden  Sängern  nicht  gemangelt 
hat^,  allein  diese  ansieht  rausle,  wie  viele  umstände  auch  für  ihre 
berechtigung  sprechen  mochten ,  so  lange  blofse  mutmafsung 
bleiben,  als  nicht  urkundliche  daten  sie  zu  stützen  und  zur  vollen 
Sicherheit  zu  erheben  im  stände  waren,  diese  letzteren  beizu- 
bringen soll  im  nachfolgenden  versucht  sein. 

Hinsichtlich  der  anordnung  des  Stoffes  habe  ich  nur  weniges 
beizufügen,  die  einzelnen  nachweise  sind  der  besseren  Über- 
sicht wegen  chronologisch  geordnet,  wobei  stets  auf  die  betref- 
fende quelle  hingewiesen  ist.  der  weitaus  grösle  teil  der  belege 
ist,  wie  bereits  eingangs  erwähnt  wurde,  den  rechnungsbücheru 
der  landesfürstlichen  kanzlei  entnommen,  leider  sind  die  Ver- 
rechnungen der  beamten  über  ihre  ein  -  und  ausgaben  so  an- 
gelegt, dass  nur  annäherungsweise  auf  das  jähr  geschlossen  werden 
kann,  in  welchem  die  aufgeführten  ausgabeposten  an  die  einzelnen 

*.die  reiclien  belege  hierfür  siehe  Sitzungsberichte  d.  phil.-hist.  cl.  der 
k.  academie  d.  Wissenschaften  in  Wien,  jahrg.  1869  s.  607,  1870  s.  143; 
Zs.  23,336fr.  26,157.297. 

^  IVZingerle,  Tirols  anteil  an  der  deutschen  nationallitteratur.  pro- 
gramm  des  k.  k.  gymnasiums  in  Innsbruck  1851  s.  11. 

^  die  vielen  alten  hss.,  selbst  umfangreiche  bildliche  darstellungen  aus 
der  deutschen  lieldensage  in  tirolischen  bürgen ,  namentlich  im  Etschtale, 
sprachen  nur  zu  deutlich  dafür. 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     173 

Parteien  verabfolgt  wurden,  am  mislichsten  steht  es  in  dieser 
beziehung  mit  den  ältesten  raitbüchern  vom  ende  des  13jhs., 
insbesondere  jenen  aus  der  kanzlei  des  Herzogs  Meinliard  ii 
(t  1295).  in  diesen  finden  wir  zwar  die  angäbe,  wann  und  über 
welche  gefalle  und  eiokünftc  der  beamte  rechnung  legt,  des- 
gleichen das  Verzeichnis  der  ausgaben,  allein  man  erfährt  leider 
nicht,  von  welchem  zeitpuncte  an  die  ein-  und  ausgaben  be- 
rechnet sind,  ist  nach  der  in  den  folgenden  Jahrzehnten  be- 
stehenden praxis  der  beamten  auf  die  vorausgehenden  jähre  ein 
rückschluss  zulässig,  so  dürfte  die  annähme  einer  3 — 4jährigen 
amtsperiode  der  Wahrheit  am  nächsten  kommen,  von  den  zwanziger 
Jahren  des  14  jhs.  an  lässt  sich  in  den  raitbüchern,  was  die  an- 
läge der  rechnungsabschlüsse  betrifft,  eine  dankenswerte  neuerung 
wahrnehmen,  indem  die  beamten  sich  meist  ausdrücklich  auf  die 
letzt  vorausgegangene  abrechnung  mit  genauer  angäbe  von  jähr 
und  tag  berufen,  damit  ist  uns  der  terminus  a  quo  und  ad  quem 
bekannt  und  folglich  wissen  wir  genau ,  innerhalb  welches  zeit- 
punctes  die  einzelnen  ausgaben,  also  auch  die  spenden  an  die 
spielleute,  fallen,  die  genauesten  Zeitangaben  finden  sich  im 
codex  nr  284  des  k.  k.  statthalterei-archives,  glücklicher  weise 
gerade  jenem  raitbuche,  welches  für  unsere  zwecke  die  reichste 
ausbeute  (34  belege)  liefert,  in  demselben  verrechnet  Ottelin, 
der  kämmerer  des  herzogs  Ludwig,  seine  ausgaben  von  1300 
bis  1305,  wobei  fast  jeder  einzelne  posten  mit  dem  tagesdatum 
versehen  ist.  in  den  wenigen  fällen,  wo  letzteres  mangelt,  lässt 
sich  die  zeit  auf  grund  der  streng  chronologischen  reihenfolge, 
welche  stets  eingehalten  ist,  mit  grofser  Wahrscheinlichkeit  angeben, 

1253april29.  Trient.  vor  mehreren  zeugen,  darunter  FeZ- 
chelinus  loculator,  belehnt  herr  Heinricus  de  Predaplana  den 
Omnebonus  Cardesentus  und  dessen  erben  mit  gewissen  zehnten. 
—  Innsbr.  statth.-arch.  schatz-archiv  nr  3749. 

1274  april  15.  dorf  Cembra.  Ballabenus  iugulator^  be- 
findet sich  unter  den  zeugen  in  einer  Urkunde,  laut  welcher 
Volchemar,  söhn  weiland  Gotefrids  von  Cembra  dem  herrn  Pe- 
legrin  ein  grundstück  verkauft.  —  ib.  Trient.  arch.  nr  3. 

1274  december  28.  beim  schlösse  Belvesin.  herr  Sicherius 
iuculator  von  Metz   bezeugt   neben  anderen ,    dass  herr  Adalpert 

*  über  die  (namentlich  in  südtirolischen  Urkunden)  öfters  vorkommende 
form  iugulatoi',  iuculator  statt  ioculator  vgl.  Du  Gange  in  921. 


174     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

von  Metz  von  den  brüdern  herrn  Warimbert  und  Conrad  von 
Thunn  für  ablretung  mehrerer  leibeigener  sowie  eines  zehnten 
in  Bordiana  (Sulzberg)  710  pf.  kleiner  Veroneser  denare  er- 
halten habe.  —  orig.  im    gräfl.  Thunnschen  archiv  in  Brughier. 

1291  märz  11.  auf  schloss  Tirol,  herzog  Meinhard  belehnt 
Konrad  seinen  goldschmied  in  Meran  und  dessen  erben  mit  jähr- 
lich 12yhrm  wein  aus  einem  hofe  zu  Algund.  unter  den  zeugen: 
magister  Heinricus  vigellator.  —  Ferdinandeum  (cod.  Ferdi- 
nandus  f.  197). 

1291  juui  13.  auf  schloss  Tirol,  herzog  Meinhard  bestätigt 
dem  Friedrich  und  Abraham  Schilher  als  inwohnern  zweier  häuser 
in  Bozen  befreiung  von  allen  steuern ,  forderungen  und  dienst- 
leistungen  ,  wie  solche  bereits  die  bischöfe  Friedrich  und  Aldriget 
von  Trient  den  insassen  derselben  verliehen  hatten,  unter  den 
zeugen  Heinricus  vigellator.  —  ib.  f.  196. 

Zwischen  1292  und  1294.  Konrad,  kämmerer  von  Fried- 
berg, verrechnet  unter  den  einkünften  seines  amtes  item  de  ma- 
gistro  H.  liratore  Aquil.  marc.  im,  den.  lxx.  de  magistro  H.  lira- 
tore  marc.  xv  pro  curia  una.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  278  f.  7. 

1294  juli  21.  im  schlösse  Petersberg.  Wernher,  richter  in 
Hörlenberg,  legt  rechnung  und  verausgabte  unter  anderen  posten: 
item  ioculatori  diclo  Vreufdeurich  Ib.  i.  —  Innsbr.  st.-arch. 
cod.  279  f.  30. 

1294  September  23.  auf  schloss  Petersberg.  Al(bert),  kastner 
in  Thauer,  legt  amtsrechnung  und  verausgabte:  item  Hafichampf 
cantori  Ib.  m.  —  ib.  cod.  279  f.  34. 

Gleich  im  folgenden  jähre  begegnen  wir  demselben  sänger 
wider:  1295  august  7.  im  schlösse  Petersberg.  Wernher,  richter 
in  Hortenberg,  legt  amtsrechnung:  item  ystrioni  Hanencamp 
Ib.  in.  —  ib.  cod.  279  f.  7. 

1295.  Jakob  Hosser  legt  rechnung  und  verausgabte:  item 
Hovelich^  ad  portam  sancti  Francisci  ab  anno,  qui  incepit  v. 
exeunte  Marcio  Ib.  xx  bone  monete.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  278 
f.  26. 

Ferner:  item  dicto  Ho  flieh  ad  portam  sancti  Francisci  de 
anno,  qui  incepit  Georii  marc.  viii.  —  ib.  cod.  278  f.  28. 

Desgleichen:    item   Hoflicho    ad  portam    s.   Francisci   de 

•  dass  Hovelich  identisch  ist  mit  dem  1304  juni  14  urkundlich  nach- 
weisbaren Hoveleich  caiitoi',  unterliegt  keinem  zweifei. 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     175 

anno,   qui  exspiravit  heri  s.  v.  exeunte  Marcio  marc.  viii.  —  ib. 
cod.  278  f.  28. 

1296  juli  6.  Tirol.  Ber(told),  richter  in  Mühlbacli,  legt  amls- 
rechnuDg,  verausgabte:  item  liratoribus  de  Charinlliia  venientibns 
sol.  L.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  280  f.  36. 

1298  mai  27.  Tirol.  Nicolaus,  richter  io  Petersberg,  legt 
rechnung  und  verausgabte:  üem  cantori  fanmlo  ducis  Ludwici, 
cum  dextrario  et  spadone  ad  ebdomas  iv  pabuli  m(odios)  6V2.  — 
Innsbr.  st.-arch.  cod.  282  f.  55. 

1299  juni  22.  Tirol.  Cursius  Foresii  et  Vannius  Dulcebene 
socii  de  Friscobaldis  verrechnen:  item  pro  v  pellibus  variis  et 
totidem  havaris(?)  emptis  a  joculatoribus  in  sancto  Vito  (=SVeit 
in  Kärnthen)  vent.  Ib.'iv,  sol.  viii.   —  ib.  cod.  281   f.  34. 

1299  august  17.  Innsbruck,  herr  Heinrich  von  Aufenstein, 
richter  in  Thauer,  legt  rechnung,  verausgabte:  ex  hiis  ystrioni 
dicto  Vrowenlop  pro  dextrario  marc.  xv.  inssu  domini  ducis 
Heinrici  ex  litteris.  —  München,  reichsarchiv,  tirohsches  Steuer- 
buch 1299—1304  t.  5. 

1300  februar  18.  herr  Heinrich  de  Prayde  legt  rechnung: 
item  hystrioni  Ib.  xxvni  per   litteras  ducis  Heinrici.  —  ib.  f.  21. 

1300.  Ottelinus,  kammerraeister  des  herzogs  Ludwig,  ver- 
ausgabt: in  ebdomate  Simo7iis  et  Jude  Alhaidi  fingellatrici  in 
Merano  pro  Guglerio  Ib.  lui.  sol.  viii.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod. 
284  f.  51. 

Desgleichen  1300  august  28  verrechnet  derselbe  Seitlino 
cantori  Ib.  i.  —  ib.  f.  21. 

1300  november  13:  item  Bawaro,  marito  Alh(eidis)  fingel- 
latricis  Ib.  xxv.  —  ib.  f.  51. 

1300  zwischen  december  1  und  13.  in  Innsbruck:  item  ibidem 
singaerio  uni  Ib.  11.  —  ib.  f.  52. 

1301  december  28:    H.  phifario  gros.    in.  —  ib.  f.  27. 

1301  um  neujahr.  Eugelmar  Schilher,  bürger  zu  Meran, 
verrechnet  unter  den  ausgaben:  item  Schoentlino  ioculatori 
Ib.  XXII  per  litteras  ducis  Heinrici.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod. 
280  f.  86. 

1302  jänner  28:  Ottelinus,  kammermeister  des  herzogs  Lud- 
wig, verausgabt:  item  die  solis  ante  purificationem  beute  Marie 
cuidam  cantori  Ib.  i.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  284  f.  37. 

1302juli23.  inPetersberg:  item  cantori uno(!)  Ib. i.  —  ib.f.33. 


176     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

1302  um  mitte  august:  item  nni  cantori  diclo  Minsser 
Ib.  X    et  Ulli  liratori  Ib.  i.  —  ib.  f.  33. 

1302  zweite  liälfte  august:  item  in  Media  silva  (dorf  Mitte- 
wald  im  Eisacklal  unweit  Sterzing)  cuidam  cantori  dicto  Regen- 
bogen Ib.  n.  —  ib.  f.  34. 

1302  September  1 :  et  eodem  die  cantori  diclo  V  all  er  Ib.v.  — 
ib.   f.  33. 

1302  September  8 :  item  in  nativilate  sancte  Marie  vigella- 
trici  de  Wirtenberch  Ib.  xv.  —  ib.  f.  33. 

1302  September  24.  Chünrad  Gandner,  vormals  burggraf 
auf  Tirol,  legt  recbnung  und  verausgabte:  item  Ellendo  fistu- 
latori  pro  xx  urnis  vini  in  sanclo  Zenone  (Zenoberg  bei  Meran) 
exfensis  Ib.L  per  litleras  dncis  Ottonis.  —  M uneben,  reicbsarchiv, 
tirol.  Steuerbuch   1299—1304  f.  103. 

1302  September  26:  item  fistulatori  diclo  Pruzzin  die  Mer- 
ciirii  ante  Michahelis  Ib.  v.   —   Innsbr.  st.-arch.    cod.  284   f.  32. 

1302  oclober  24 — 30.  Ottelinus,  kammermeister  des  herzogs 
Ludwig,  verausgabt:  item  phifario  domini  episcopi Brixinensis  Ib.n. 
—  ib.  f.  32. 

Desgleichen  1303  ....  ilem  H(einrico)  figellatori  pannum 
pallikinnm.  —  ib.  f.  3. 

1303  april  6.  Innsbruck:  item  ibidem  eodem  die  Lanrentio 
diclo  Hüntli  et  Heinrico  figellatori,  quod  comederunt  cum  domino 
meo  gros  m.  —  ib.  f.  25. 

1303  märz  20.  Hall:  item  ibidem  die  Mercnrii  post  domini- 
cam ,  qua  canlatur  lelare,  dnobus  ioculatoribus  cum  equo  curiali 
Ib.  X.  —  ib.  f.  25. 

1303  niai  9.  Zenoberg.  computaverunt  Nicolaus  et  Cantus 
de  Friscobaldis ,  habitantes  in  Gries:  item  dnobus  yslrionibus  de 
Bawaria  Ib.  xx.  —  München,  reicbsarchiv,  tirol.  Steuerbuch  1299 
bis  1304  f.  78. 

1303  mai  21.  in  Hall  verrechnet  Ottelinus,  kammermeister 
des  herzogs  Ludwig:  item  ..  .  cuidam  figellatori  et  fistulatori  de 
Babaria  Ib.  vui.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  284  f.  24. 

1303  juni  22  verausgabt  derselbe:  item  eodem  die  H.  figel- 
latori eo,  quod  comedit  cum  domino  duce  Ludioico  gros.  i.  — 
ib.  f.  23. 

1303  juni  15.  Tirol.  HStuder,  probst  in  Ulten,  legt  amts- 
rechnung  und  verausgabte:    ilem  Mihsnerio  cantori  Ib.  xx  per 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     177 

lüteras  ducis  Otlonis,  —  München,  reichsarchiv,  tirol.  Steuerbuch 
1299—1304  f.  114. 

1303  juni  20.  Berthold,  burggraf  auf  Tirol,  legt  amts- 
rechnung  und  verausgabte:  item  H(emrico)  spileho  Ib.  xxx  de 
stiura.  —  ib.  f.  59. 

1303  juli  9.  der  erwähnte  kammermeister  Ottelinus  ver- 
rechnet: item  eodem  die  cuidam  cantori  Ib.  v.  —  Innsbr.  st.- 
arch.  cod.  284  f.  23. 

1303  oclober  11:  item  figellatori  dicto  Schawprüllen 
Ib.  m.  —  ib.  f.  20. 

1303  zwischen  november  3  und  5:  item  cuidam  figellatori 
et  fistulatori  Ib.  iii.  —  ib.  f.  20. 

1303  zwischen  november  8  und  11.  Brixen:  item  ibidem 
duobus  figellatoribus  Ib.  vi,  item  cuidam  sagario  Ib.  i.  —  ib.  f.  20. 

1304  zwischen  mai  1    und    12:    item   cuidam   cantori   Ib.  i. 

—  ib.  f.  6. 

1304  juni  14:    item  Hoveleich   cantori  Ib.  v.  —  ib.  f.  6. 

1304  um  august25:  item  duobus  figellatoribus  episcopi  de 
Vrisinga  Ib.  vi.  —  ib.  f.  8. 

1304  um  September  12:  item  figellatori  domine  mee  ducisse 
Ib.  m.  —  ib.  f.  8. 

1304  September  16:  item  cantori  Awvenstainerii  de  Karinthia 
Ib.  II.  —  ib.  f.  8. 

1304  um  december  30:  item  ceco  cantanti  gros.  i.  — 
ib.  f.  10. 

1305  jänner  13  oder  14:    item  figellatori  de  Inspruk   Ib.  n. 

—  ib.  f.  10. 

1305  zwischen  mitte  februar  und  mitte  märz:  item  Seidlino 
et  socio  suo  cantoribus  Ib.  ii.  —  ib.  f.  11. 

1305  april  18:  «Yern  cantori  dicto  Nernsnabel  Ib.  i.  — 
ib.  f.  11. 

1305  mai  21  (oder  22):  item  tribus  cantoribus  Ib.  ni.  — 
ib.  f.  12. 

1305  juli  4  oder  5:  item  cuidam  cantori  de  partibus  Rem 
Ib.  I.  —  ib.  f.  12. 

1305  juni  6  oder  7:    item  cantori  dicto  Cluchent ot  Ib.  i. 

—  ib.  f.  12. 

1305  juni  13.  bürg  Percine.  in  gegenwart  des  Christ  an 
ioculator   und  anderer  zeugen   lässt  Tomasius,   notar   in  Meiano 


178     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

eine  eingerückte  Urkunde  der  herzöge  Otto  und  Heiurich  d.  a. 
1304  vom  notar  Galvanus  beglaubigen.  —  Innsbr.  st.-arch.  scliatz- 
archiv  nr  3745. 

1305  october  21.  Obermais.  Wilhelm  von  Stainach  verkauft 
vor  zeugen  —  darunter  Hainricus  spilarius  —  dem  Wilhelm 
genannt  Svvenno  von  Metz  einen  hof  um  70  Veroneser  denare.  — 
ib.  Schatzarchiv  ur  3842. 

1305  october  17.  Niedermais.  vor  mehreren  zeugen  — 
darunter  auch  Heinricns  dictus  spilaer  —  bestätigt  Wilhelm 
von  Stainach,  von  herrn  Ulrich  von  Rubin  70  kleine  Veroneser 
denare  erhalten  zu  haben.  —  ib.    schatzarchiv  nr  3824. 

1314  juli  15.  herr  Wernher  von  Tablat,  richter  in  Gries, 
legt  amfsrechuuug  und  verausgabte:  item  cutdam  iocnlatori  misso 
domino  regi  a  domino  purchgravio  de  Nürnberch  pro  spadone  Ib.  l. 

—  Innsbr.  st.-arch.  cod.  286  f.  51. 

1314  august  10.  bischof  Johann  von  Brixen  erwirbt  den 
Aeblinum  vigellatorem  de  Stuvels  (bei  Brixen)  von  Dietmar, 
dem  meier  von  Vintel.  —  Redlich,  Acta  Tirol,  i  nr718. 

1315  lebruar  14.  herr  Peter  Troutsun  legt  rechnung  über 
die  erbzinse  in  Rodeneck  und  verausgabte:  item  iocnlatori  diclo 
Saul  spadonem  unnm  pro  Ib.  xxxvi.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod. 
286  f.  64. 

1315  mai  31.  Hall.  Purchard  Wadler,  salinen -verweser  in 
Hall,   legt  amtsrechnung:    item  cuidam  cantori  diicis  Austrie  Ib.  iii. 

—  ib.  f.  90. 

1316  märz  23.  Zenoberg.  ebenderselbe  verausgabte  laut 
amtsrechnung:  item  dnobus  cantoribus  salis  carradasn. — ib.  i. 91. 

1317  mai  7.  [  in  Gries.  rechnung  desselben  Wadler:  item 
Chuntzlino ,  genero  Strudlonis  de  Inspruka  pro  spadone  empto 
et  dato  cuidam  istrioni  Ib.  lx.  —  ib.  f.  92. 

1320  december  8.  Bozen,  herzog  Heinrich  belehnt  den 
Heinrich  von  Niederthor  in  Bozen  mit  einem  hause  nebst  garten 
angränzend  an  das  gul  Haitizlini  fistulatoris.  —  orig.  im  gräÜ. 
Khunschen  archiv  in  Gandegg. 

1320  juni  2.  dorf  Prissian.  Chimrad  genannt  Plaeterle, 
fistulator  befindet  sich  unter  den  zeugen,  als  herr  Otto  von  Wer- 
berg für  sich  und  seinen  bruder  Franz  den  Walther  von  Prissian 
mit  einem  stück  weinland  belehnt.  —  Innsbr.  st.-arch.  schatz- 
archiv nr  3723. 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     179 

1322  mai  11.  clorf  Cembra.  Bonus  von  Cembra,  söhn  weiland 
Adalberts  von  Cembra,  verleiht  dem  Hendricus  joculator  von 
Castelruth ,  jetzt  sessliaft  in  Cembra ,  2  sliick  ackerland  als  erb- 
pacht.   —  ib.  Schatzarchiv  nr  3621. 

1322  märz  16.  bürg  Percine.  Colla,  joculator  von  Viarago 
unter  den  zeugen,  wie  Huele  für  sich  und  seine  erben  dem  herrn 
Oluradinus  von  Percine  sein  erbpachtrecht  auf  eine  hübe  auf- 
sendet. —  ib.  Schatzarchiv  nr  3728. 

Derselbe  Co/ ^a/ocHtoor  erscheint  in  uichtweniger  als  16  Ur- 
kunden —  sämmtlich  1324  mai  30  in  monte  Florop,  pfarre  Percine 
ausgestellt  —  als  zweiter  zeuge  bei  erbpachtverleihungen,  welche 
herr  Aeltlin  von  Schönna  vornimmt.  —  ib.    Schönnaer  Urkunden. 

1322  mai  21.  Tirol,  herr  Konrad  von  Arberg,  castcUan 
in  Taufers,  legt  amtsrechnung  und  verausgabte:  item  Heinrico 
fistiilatori  domini  (sc.  herzogs  Heinrich)  pro  uno  equo  emendo 
verons.  Ib.  xxx  per  litteras  domini.  —  München,  reichsarchiv,  tirol. 
raitbuch  von  1322—25  f.  3. 

1322  juni  16.  dorf  Cembra.  frau  Marchesana,  mutter  des 
Bonus  von  Cembra,  und  deren  erben  verleihen  dem  Hendricus 
joculator,  jetzt  sesshaft  iu  Cembra,  und  dessen  erben  ein  haus 
sammt  hof  und  keller  zu  erblehen.  —  Innsbr.  st.-arch.  schatz- 
archiv  nr  3622. 

1322  juni  13.  Cembra.  Hendricus  joculator  von  Castel- 
ruth, sesshaft  in  Cembra,  quittiert  der  frau  Marchesana  den 
empfang  von  50  i^  kleiner  Veroneser  denare  für  den  verkauf 
eines  hauses  sammt  zugehör.  —  ib.  schatzarchiv  nr  3622. 

1325  juni  12.  in  Hall.  Gotschalk ,  verweser  der  saline  in 
Hall,  legt  amtsrechnung  über  die  Salzsiederei  von  Weihnachten 
1324  bis  23  juni  1325  und  verausgabte  unter  anderem:  item 
Chunrado  joculatori dicto  Nimmerselich  lib.  vni.  —  München, 
reichsarchiv,  tirol.  raitbuch  von  1322 — 30  f.  43. 

1325  november  6.  Tirol.  Hermann  von  Ried,  richter  in 
Nauders,  legt  amtsrechnung  und  verausgabte:  item  domino  Eblino 
de  Voitsperch  pro  duobus  spadonibus  (vvallachen)  ab  eo  emptis 
et  datis  duobus  istrionibus  verons.  marc.  vin.  —  ib.  f.  143. 

1326  jänner  13.  dorf  Cembra.  vor  mehreren  zeugen  — 
darunter  Henricus  joculator  von  Castelruth,  nun  sesshaft  in 
Cembra  —  verkauft  Zanetus  dem  herrn  Ronus  von  Cembra  mehrere 
guter.  —  Innsbr.  st.-arch.  Trient.  arch.  nr  5. 


180     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

1326  des  naechsten  an  dem  rain  mitichen(t).  Nycla  der 
Pfeiffer  unter  den  zeugen,  wie  Albrecht  der  Seile  und  seine 
tochter  Katherina  dem  herrn  Wilhelm  von  Schenlienberg  und 
dessen  hruder  die  wiese  Windau  um  15  ^.  Berner  verkaufen.  — 
orig.  im  Ferdinandeum  (Dipauliana  nr  1360). 

1326  jänner  16.  Cembra.  vor  mehreren  zeugen  verspricht 
Hendricus  ioculator  von  Castelruth  der  frau  Marchesana  oder 
deren  bevollmächtigten  Zahlung  der  schuldigen  20  ^.  —  Innsbr. 
sl.-arch.  Trient.  arch.  nr  6. 

1327  juli  31.  Meran.  Gotschalk,  richter  zu  Enn,  legt  amts- 
rechnung  vom  5  juni  1325  bis  5  juni  1327  und  verausgabte:  item 
fistulatori  Torler  sil.  mod.  ini.  —  ib.  cod.  159  f.  171. 

1327  anf  Tyrol  an  vnser  frawentdk  ze  phlantz(!).  herzog 
Heinrich  belehnt  den  Heinrich  von  Annenberg  mit  einem  anteil  an 
der  feste  Annenberg  nebst  vielen  anderen  zehnten  und  lehen  in 
Vintschgau,  darunter  auch  mit  einer  halben  hofstat,  diu  was  e\ 
Heinrichs  des  spilers.  —  orig.  im  schlösse  Tarantsberg. 

1328  uovember  21.  Tirol.  Gwido  von  Florenz  legt  rech- 
nung  über  die  zolle  in  Innsbruck  und  Hall  und  verausgabte:  item 
domino  Jacobo  Greifoni  pro  nno  dextrario  emendo  et  in  servi- 
tutem  tenendo  verons.  marc.  \n  et  pro  uno  spadone  ab  eo  empto 
et  dato  cuidam  joculatori  lih.  xxx.  —  München,  reichsarchiv,  tirol. 
raitbuch  von  1322—30  f.  83. 

1328  februar  28.  die  Augsburger  baumeisterrechnungen 
von  1320 — 1331:  item  dnohus  hystrionibus  missis  civibns  de 
nnptiis  dncis  Carinthie  v  lib.  Hall.  —  Zs.  des  bist.  Vereins  f. 
Schwaben  und  Neuburg  v  1,  121. 

1329  februar  15.  Zenoberg.  Tschanito,  kellermeister  auf 
Zenoherg,  verausgabt  anlässhch  eines  16tägigen  aufenlhalles  der 
töchter  herzogs  Heinrich,  Adelhaid  und  Margaretha  Maultasch, 
sowie  des  jungen  Johann  von  Luxemburg,  unter  anderem:  item 
fistulatori  sil.  mod.  i.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  159  f.  91/92. 

1330  märz  13.  Cembra.  frau  Marchesana  verpachtet  ^en- 
rico  sartori,  sesshaft  im  dorfe  Cembra,  gebürtig  aus  Castel- 
ruth, auf  15  jähre  einen  weinberg  nebst  haus  bei  Lisignago.  — 
ib.  Schatzarchiv  ii  serie  148. 

Aus  den  in  diesem  regeste  auftretenden  personen,  nament- 
lich aus  den  angaben,  welche  diesem  Henricus  sartor  betreffs 
Wohnsitz  und  herkunft  beigefügt  sind ,  ergibt  sich  wol  mit  ziem- 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     181 

lieber  sicheiheit  dass  letzterer  mit  dem  früher  öfters  aufgeführten 
Henrkus  ioculator  identisch  ist  (vgl.  die  rogesteo  von  1322  juni  16 
und   1326  jäuner  16). 

1331  april  17.  Tirol.  graf  Heinrich  von  Eschenloch, 
richter  in  Ulten,  legt  rechnung  von  Jacobi  1328  —  Jacobi  1331 
über  die  3  jähre  1328,  29  und  30  und  verausgabte:  item  jocu- 
latori  illius  de  Pregentz^  spadotiem  unnm  pro  Ib.  xlv.  —  ib.  cod. 
159  f.  45. 

1335  juni  27.  in  Tirol.  Egno  von  Galsaun,  richter  in 
Laas,  legt  rechnung  über  die  letzten  4  jähre  und  zwar  von  Job. 
Bapt.  1331 — Job.  Bapt.  1335  und  verausgabte:  Johanni  diclo 
sager  de  Laetsch  (=  dorf  Latsch  in  Viutschgau)  silig.  mod.  vi, 
caseos  schoet  v.  —  ib.  cod.  169  f.  91. 

1336  april  20.  Gwido  von  Florentz  legt  rechnung  über  die 
erbzinse  und  sonstigen  einküüfle  der  probstei  Innsbruck  vom 
jähre  1335  Job.  Bapt.  —  1336  Job.  Bapt.  und  verausgabte: 
item  dedit  Heinrico  fistulatori  domini  (herzogs  Johann  von 
Luxemburg)  Ib.  30.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  287  f.  64. 

1337  märz  24.  Volkmar,  burggraf  auf  Tirol,  legt  rechnung 
über  die  zolle  am  Kuntersvveg  und  an  der  Toll  und  verausgabte: 
item  ioculatori  domini  Karoli  (sc.  von  Luxemburg,  des  späteren 
römischen  kaisers)  Ib.  xiv.  —  ib.  cod.  159  f.  104. 

1337  april  24.  Volkmar,  burggraf  von  Tirol,  legt  amts- 
rechnung  und  verausgabte:  item  duobus  buccijiatoribus  Ih.  m  item 
uni  cantori  Ib.  x.  —  ib.  cod.  159  f.  103  und  104. 

1337  october  26.  im  dominikanerinnenkloster  zu  Steinach 
bei  Meran.  Geroldus  fistnlator  unter  den  zeugen,  wie  frau 
Christina,  tochter  weiland  herzogs  Meinhard  von  Tirol,  mit  Zu- 
stimmung ihres  gatten,  herrn  Konrad  von  Partschins,  dem  kloster 
daselbst  anlässlich  ihres  eintrittes  mehrere  allode  schenkt.  — 
orig.  in  der  Urkundensammlung  des  kaufmanns  Leop.  Ettel  in 
Innsbruck. 

1338  juni  23.  Egno  von  Galsaun,  richter  zu  Laas,  legt 
rechnung  vom  25  juni  1335  —  25  juni  1338:  item  dedit  Johanni 
cantori  de  Laetsch  Ib.  in.  —  Innsbr.  st.-arch.    cod.  159  f.  112. 

1338.  herr  H(einrich)  Raspo,  richter  auf  SPetersberg,  legt 
rechnung  und  verausgabte:  .  .  cuidam  vago  Scolari  ex  ordinatione 

'  dieser  ille  de  Pregcntz  dürfte  sehr  wahrscheinlich  ein  graf  von 
Monlforl  sein. 


182     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEÜTE  IN  TIROL 

domini  (sc.  herzogs  Johann  von  Luxemburg)  gros  vi.  —  ib.  cod. 
287  f.  106. 

1338  juli  19.  Herr  Volkmar  von  Burgstal  legt  rechnung  über 
den  anteil  der  Görzer  grafen  an  den  zollen  am  Kunlersweg,  an 
der  Toll,  in  Passeier  und  Bozen:  item  dedit  .  .  .  dicto  Hasen- 
sprunch  fistulatori  in  exitu  domini  Karoli  Ib.  x  .  ...  et  remisit 
H.  fistulatori  dtii  de  censn  domus  Ib.xx.  —   ib.  cod.  159  f.  220. 

1339  april  16.  herr  Berthold  von  Rubeln,  richter  in  Land- 
eck, legt  amtsrechnung  von  Georgi  1338  bis  Georgi  1339  und 
verausgabte:  item  dedit  vigellatori  imperatoris  Ib.  xl  item  cantori 
ducis  Saxonie  Ib.  x  et  pro  uno  equo  Ib.  lx  ;  item  alio  (!)  cantori 
Ib.  V.  —  ib.  cod.  287  f.  124. 

1340  mai  22.  Engellinus  Engelschalch,  propst  von  Inns- 
bruck, legt  rechnung  vom  6  dec.  1338  bis  fasten  1339  und  ver- 
ausgabte: item  Dyetlino  vigellatori  imperatoris  pro  phantlosa 
Ib.  XX.  —  Innsbr.  st.-arch.  cod.  287  f.  133. 

1340  juni  3.  herr  Urel  von  Reichenberg,  richter  zu  Nauders, 
legt  amtsrechnung  vom  1  mai  1339  —  1  mai  1340  und  veraus- 
gabte: item  ipsi  domino  Urello  pro  uno  spadone  ab  eo  empto  per 
dominum  (sc.  herzog  Johann)  et  dato  cuidam  ioculatori  in  carnis- 
privio  verons.  marc.  vii.  —  ib.  cod.  159  f.  135. 

1340  juni  14.  dorf  Tirol.  Volkmar,  burggraf  von  Tirol, 
legt  rechnung  über  das  burggrafenamt,  die  Steuer  in  Meran 
usw.  von  Job.  Bapt.  1338  —  Job.  Bapt.  1340;  er  verausgabte: 
item  tubicinatoribus  de  Feltrs  Ib.  xl;  item  dominus  remisit  per 
unam  litteram  suam  Heintzlino ,  fistulatori  suo  de  uno  anno 
tantum  cesum(?)  domus  sue  videlicet  Ib.  xx.  —  ib.  cod.  159  f.  137. 

1340  december4.  in  Tirol,  herr  Otto  von  Auer  legt  amts- 
rechnung über  die  erbpachtzinse  des  gerichtes  in  Passeier  vom 
23  august  1339  —  29  august  1340  und  verausgabte:  item  dedit 
in  Prunekka  domino  (sc.  herzog  Johann)  ad  ludum  et  joculatori 
dicto  Ekstein  pro  uno  sephiro  Ib.  xvni.  —  ib.  cod.  159  f.  141. 

1342  märz  3.  in  Tirol,  herr  Taegen  von  Vilanders,  richter 
in  Enn,  legt  rechnung  über  die  erbzinse  und  einküntte  des  ge- 
richtes Enn  und  Sela  (?)  vom  28  märz  1341  —  28  märz  1342: 
item  dedit  per  litteram  unam  ipsius  domini  Johannis  Fridlino 
Haydelbergerio  pro  uno  dextrario  ab  ipso  empto  et  dato  dicto  jo- 
culatori Schillinch  verons.  marc.  x.  —  ib.  cod.  159  f.  151. 

1342    märz  23.     Schino  von   Florenz    und   seine   gesellen 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     183 

legen  rechnuug  über  die  ein-  und  ausgaben  in  der  wechselbank 
zu  Meran:  et  dederunt  magistro  Heinrico  fistulatori  Ib.xx,  etiam 
per  litteras  domini  (sc.  niarkgraf  Ludwig  von  Brandenburg).  — 
Münclien,  reichsarcbiv,  cod.:  Pfannhaus  und  Zölle  in  Tirol  vorn 
jähre  1340  f.  61. 

1342  juli  22.  Innsbruck,  markgraf  Ludwig  von  Branden- 
burg weist  Fr i edel  seinem  pfeiter  und  dessen  erben  jährlich 
15  mark  zahlberner  aus  den  zollgefällen  am  Lug  an  und  beauf- 
tragt den  dortigen  zollner,  demselben  diesen  betrag  alljährlich 
gewissenhaft  zu  verabfolgen.  —  Wien ,  h.  h.  und  st.-arch.  cod. 
398  f.  16. 

Einen  gleichlautenden  vergabbrief  vom  selben  datum  gibt 
der  markgraf  seinem  zweiten  pfeifer  Oettlinus.  —  ib. 

1343  märz  11.  herr  Konrad  von  Schönna  legt  amtsrechnung 
über  den  halben  zoll  am  Kuntersweg  und  an  der  Tüll  vom 
1  märz  1342  —  28  februar  1343:  item  dedit  Fridlino  et  Ott- 
Uno  fistulatoribus  marc.  xxx.  —  lunsbr.  st.-arch.  cod.  159  f.  169. 

1343  november  17.  frau  Ofmia,  witwe  weiland  Gotfrieds  ge- 
nannt Zukswert,  richters  zu  Neuhaus,  legt  rechnung:  item  pro 
spadotiibus  duobiis  datis  fistulatoribus  verons.  marc.  xini.  —  ib. 
f.  185. 

1344  august  16.  in  Innsbruck,  herr  Konrad  von  Schönna, 
burggraf  von  Tirol,  legt  rechnung  über  die  hälfie  der  zolleinkünfte 
am  Kuntersweg  und  an  der  Toll  per  1050  Veron.  mark  vom 
1  märz  1343  —  29  februar  1344;  verausgabte:  item  dedit  per 
unam  litteram  domini  marchionis  Fridlino  et  Ort  Uno  fistu- 
latoribus imperatoris^  marc.  xv.  —  ib.  cod.  288  f.  12.  item  dedit 
joculatoribus  Ib.  xx.  —  ib.  f.  13. 

1345  märz  7.  Meran.  Schyno  von  Florenz,  salinenverwalter 
in  Hall,  legt  rechnung  über  1664  Veron.  mark  vom  13  märz  1344 
bis  12  märz  1345:  item  dedit  Fridlino  et  Öttlino,  fistulato- 
ribus domini  verons.  marc.   xv.  —  ib.  cod.  288  f.  17. 

1345  december  7.  in  Hall.  Albert  genannt  Salier,  notar  an 
'  obwol  sich  im  codex  deutlich  imperatoris  findet,  so  ergibt  sich  auf 
den  ersten  blick  dass  ein  Schreibfehler  des  copisten  vorliegt,  denn  Fridün 
und  Ortlin  waren  die  spielleute  des  markgrafen  Ludwig  von  Brandenburg 
und  nicht  seines  valers,  des  kaisers  Ludwig  von  Baiern.  ich  vermute  dass 
wahrscheinlich  in  der  von  Konrad  von  Schönna  der  kammer  eingesandten 
rechnung  es  geheifsen  hat:  in  parat(is)  marc.  xv,  was  alle  weiteren 
Schwierigkeiten  hebt. 


184     URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL 

der  saline,  Konrad  Kirchmayr  und  Heinrich  judex  senior  von 
Hall,  Salinenverweser,  legen  amtsrechnuug  über  den  sud  des 
Salzes  vom  12  märz  1345  —  3  december  1345  und  verausgabten: 
item  fistulatori  diclo  Snurre?ipheyl  catradam  i  (sc.  salz).  — 
Innsbr.  st.-arch.  cod.  288  f.  22. 

1350  juni  26.  Friedrich  von  Greifenstein  bezeugt  dass 
Alphart  von  Greilenstein  seinem  vetter  verschiedene  geldbeträge 
schulde,  darunter  auch  3  fl.,  die  Alphart  und  mein  pfeifet^  gen 
Mailand  verzehrten.  —  Innsbr.  st.-arch.  serie  ir  nr  332. 

1352  jänner  6.  Botsch  von  Florenz  legt  amtsrechnung  über 
die  Zölle  iu  Bozen  und  in  Perchmauu  von  Georgi  1345  bis 
Georgi  1352  im  betrage  von  1592  Veron.  mark  und  5  pfuud, 
und  verausgabte:  item  et  ioculatoribus  domini  marchionis  marc. 
VI.  —  ib.  cod.  288  f.  60. 

1355  um  jänner  6.  dominus  marchio  depntaoit  Johanni  pro- 
thonotario  pro  sumptibus  suis  in  infirmitate  sua  xx  marc.  de 
theoloneo  conpuland.(as).  datum  Tyrol.  item  cuidam  ioculatori 
domini  regis  Dacie  dicto  Swab  x  marc.  super  theoloneo  habendas. 
datum  ut  supra.  —  Wien,  h.  h.  und  st.-arch.  cod.  402  f.  135. 

1359  jänner  11:  item  marc.  vni  ioculatori  domini  datis.  — 
Wien,  h.  h.  und  st.-arch,  cod.  402  f.  142. 

1359  juni  23.  die  salzmeier  Wernher  Zelherr  und  Eber- 
hard Hopfner  legen  rechnung  über  die  einkünfte  bei  der  saline 
in  Hall  von  25  december  1357  —  pfingsten  1359  und  veraus- 
gabten ua. :  item  dederunt  ßor.  v.  datos  fistulatoribus  Frawnbergerii. 
—  Innsbr.  st.-arcb.  cod.  288  f.  87. 

1359  november  19.  Tirol.  Petro  de  Schennano  (=  Schönna 
bei  Meran)  data  est  littera  pro  marc.  vni  datis  fistulatoribus  domini 
ad  proximam  computationem  de  dimidia  parte  theolonei  in  Antra, 
item  similis  data  est  littera  Ottoni  de  Auer  etiam  pro  marc. 
vni  datis  eisdem  fistulatoribus  ad  proximam  rationem  conputan- 
das.  —  ib. 

1359  november  19.  in  Tirol,  data  est  littera  Hainrico  cani- 
pario  pro  marc.  xv  datis  Ottlin(o)  et  Fridl(ino)  fistulatoribus 
domini  ad  proximam  rationem  conputando  (!)  de  dimidia  parte 
theolonei  in  Antro.  —  ib.  f.  181. 

1360  november  11.  Item  Ottlino  et  Fridlino  iocula- 
toribus domini  deputate  sunt  etiam  ad  Hainricum  caniparium  Tirol 
marc.  xv  ad  proximam  rationem  suam  computandas  de  dimidietate 


URKUNDLICHES  ÜBER  DIE  SPIELLEUTE  IN  TIROL     185 

thelonei  in  Antro  et  in  Teil.    Datum  Tirol  die  s.  Elyzabeth  lx.  — 
ib.  f.  1S2. 

Eine  genauere  analyse  der  durch  die  beigebrachten  daten 
gewonnenen  ergebnisse  behalte  ich  mir  für  den  schluss  des  ii  teils 
dieser  Studie  vor,  welcher  die  urkundlichen  nachweise  von  der 
mitte  des  14  jhs.  bis  auf  kaiser  Maximilian  zum  gegenständ  haben 
wird,  das  mitgeteilte  dürfte  vorläufig,  wie  ich  glaube,  zur  genüge 
beweisen,  welch  frohe  sangeslust,  welch  reiches  geistiges  leben 
und  streben  damals  in  unseren  schonen  alpentälern  herschte. 
Innsbruck,  15  September  1886.  LUDWIG  SCHÖNACH. 


REINMAR  VON  HAGENAU  UND  AUBOIN 
DE  SEZANE. 

Die    erste   Strophe   eines    gedichtes   von    Reinmar  (MF  162, 
7  ff)  lautet: 

Ein  wiser  man  sol  niht  ze  vil 

versnocheti  noch  gezihen,  de'st  min  rdt, 

von  der  er  sich  niht  scheiden  wil 

und  er  der  waren  schulde  auch  keine  hat. 

swer  wil  al  der  loerlte  lüge  an  ein  ende  komen, 

der  hat  im  dne  not  ein  herzelichez  leit  genomen. 

man  sol  boeser  rede  gedagen; 

und  frage  ouch  nieman  lange  des 

daz  er  doch  ungerne  hcere  sagen. 
in  einem  altfranzösischen  liede,  welches  beginnt  bien  cuidai  toute 
ma  vie,  findet  sich  als  zweite  Strophe: 

Je  di  que  c'est  grans  folie 

d'assaier  ne  d'esprover 

ne  sa  ferne  ne  s'amie, 

tant  com  on  la  vnelt  amer; 

ains  se  doit  on  bien  garder 

d'eyiquerre  par  Jalousie 

cou  qu'on  n'i  vodroit  trover  (PParis,  Rom.  franc.  s.  126). 
Wenn    man   beide   Strophen    mit  einander  vergleicht,   findet 
man    eine    so    merkwürdige   Übereinstimmung    in    dem    gedankeu 
und  teilweise  auch  in  den  worten ,  dass  ein  zufall  ausgeschlossen 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  13 


186    REINMAR  VON  HAGENAU  UND  AUBOIN  DE  SEZANE 

scheint  und  eine  entlehnung  —  die  natürlich  auf  Seiten  Reinmars 
ist —  stattgefunden  haben  muss.i  zur  beseitigung  etwaiger  zvveifel 
diene  noch  folgendes:  der  scharf  pointierte  gedanke  der  letzten 
verse,  der  auch  von  Reinmar  ausgedrückt  ist,  dürfte  sich  schwer- 
lich bei  einem  gleichzeitigen  trobador  oder  trouvere  und  auch 
kaum  bei  einem  minnesinger  finden,  sodass  ein  gemeinsames 
ideenrepertoir  nicht  in  erwägung  kommen  kann,  ferner  empfahl 
sich  die  altfranzösische  strophe  wegen  des  originellen  Inhalts  und 
des  gelungenen  ausdruckes  zur  nachahmung,  und  hat  sich  tat- 
sächlich sowol  in  Nord-  als  in  Südfrankreich  einer  gewissen  be- 
liebtheit  erfreut;  im  Roman  de  la  violette  nämlich,  der  gewöhn- 
lich in  das  erste  viertel  des  13  jhs.  gesetzt  wird,  singt  sie  Gerard, 
als  er  sich  von  seiner  geliebten  verraten  glaubt,  mit  einer  leichten 
durch  den  Zusammenhang  gebotenen  änderung  des  anfanges: 

Par  Dieu!  je  tienc  a  folie 

d'asaier  ne  d'esprover 

ne  sa  ferne  ne  s'amie  usw.  (Roman  de  la  viol.  ed.  Michel  s.68).2 
aufserdem  kommt  sie  als  'cobla  esparsa'  in  zwei  provenzalischen 
handschriften  vor,  in  denen  sie  fast  ganz  genau  übereinstimmt: 
in  G  (Herrigs  Archiv  xxxv  108)  und  in  Q  (Gröbers  Zs.  f.  rom. 
phil.  IV  518): 

Gie  mit  qe  il  soit  grant  folie  usw. 
man  beachte  noch  den  gleichen  gedankengang  zwischen  str.  1 
und  2  von  Reinmar  und  str.  2  und  3  des  allfranzösischen  liedes, 
er  ist  in  beiden  fällen:  was  mich  betrifft,  so  habe  ich  meine  ge- 
liebte weder  auf  die  probe  gestellt  noch  geladelt,  und  doch  zeigt 
sie  sich  mir  unfreundlich  und  lässt  mich  im  stich,  erst  in  der 
dritten  slrophe  entfernt  sich  Reinmar  ganz  von  seinem  vorbilde, 
indem  er  mit  einer  anklage  und  Schmähung  endigt,  während  der 

*  Abc  geben  in  der  zweiten  zeile  der  Reinmarschen  strophe  sinwip  ver- 
suochen  ?ioch  gezihen  uuA  E  sin  wip  geziken  nocli  versuechen  (MF  s.  297), 
was  also  noch  genauer  zu  dem  aitfrz.  texte  stimmen  würde;  doch  verdient 
dieser  umstand  keine  berücksichtigung,  da  ja  der  vers  durch  einselzung 
obiger  lesart  zu  lang  werden  und  sin  wip  zu  dem  Inhalte  der  folgenden 
Strophen ,  in  denen  es  sich  um  eine  geliebte  und  nicht  um  eine  gattin 
handelt,  nicht  passen  würde:  es  ist  vielmehr  eine  schreibervarianle,  die  der 
sinn  des  ganzen  nahe  legte  und  die  zufällig  mit  dem  französischen  über- 
einstimmt. 

2  die  Identität  ist  von  dem  Herausgeber  erkannt  worden,  s.  die  an- 
merkung  s.  331. 


REINMAR  VON  HAGEMÜ  UND  AUBOIN  DE  SEZANE     187 

allfr.  dicliter,  Irolzdem  ihn  die  geliebte  gefragt  hat,  ob  er  nicht 
bald  übers  meer  gehen  werde,  in  ihrem  dienste  verharrt  und  um 
erhörung  bittet,  schliefslich  sei  darauf  hingewiesen ,  dass  bei 
den  bis  jetzt  constatierten  directen  entlehnungen  deutscher  und 
italienischer  dichter  von  den  trobadors  und  Irouveres^  wenige 
stellen  eine  auffallendere  Übereinstimmung,  viele  hingegen  eine 
vagere  beziehung  zeigen. 

Obige  strophencongruenz  würde  also  einen  zweiten  beweis 
für  die  frühe  beeinflussung  des  minnesangs  durch  die  trouvöre- 
dichtung  liefern,  den  ersten  hat  Haupt  gegeben,  indem  er  ent- 
deckte, dass  der  schwäbische  ritter  Bernger  von  Horheim  eine 
altfr.  Strophe  ains  del  beveraige  ne  hui  nachgebildet  hat  (MF 
s.  277).  diese  entdeckung  ist  um  so  wichtiger,  als  Berngers  lied 
wie  solt  ich  armer  der  swcere  getriuwen  (MF  114,21)  auf  grund 
der  ersten  Strophe  eine  genauere  dalierung  zulässt.  Haupt  hat 
die  fragliche  stelle  entschieden  richtig  auf  den  tod  Wilhelms  ii 
von  Sicilien  und  Apulien  (16  november  1189)  und  auf  die  heer- 
fahrt  Heinrichs  vi  nach  Apulien  (1190)  gedeutet  (MF  s.  278). 
Bernger  von  Horheim  gehört  mit  Friedrich  von  Hausen  und 
Bligger  von  Steinach  in  den  kreis  Heinrichs  vi2;  und  wenn  es 
noch  einer  chronologischen  bestätiguug  bedürfte,  so  würde  sie 
durch  die  oben  erwähnte  nachbildung  gegeben ,  da  die  Strophe 
ains  del  beveraige  ne  bui  dem  liede  d'amours  qui  m'a  tolu  a  moi 
angehört,  welches  gemäfs  der  Überlieferung  der  hss.  TaR'^  nach 
den  gründlichen  Untersuchungen  von  Schwan  (Die  altfr.  lieder- 
handschriften  1886)  so  gut  wie  unzweifelhaft  dem  Chrestien  von 
Troyes  zuzuteilen  ist^,  der  um  die  mitte  des  12jhs.  geboren 
wurde,  leider  kennen  wir  keinen  lerminus  ad  quem  für  das 
todesjahr  Chrestiens,  da  das  Tournoiement  de  Tanlichrist,  worin 
er  als  tot  erwähnt  wird,  sich  nicht  genauer  datieren  lässt;  daher 
ist  auch  das  lied  Berngers  nu  enbeiz  ich  doch  des  trankes  nie 
in  keine  engeren  gränzen  als  ungefähr  1180  — 1200  einzu- 
schliefsen. 

1  Haupt  MF  s.  277;  Barisch  Germania  1480—482  und  Zs.  xi  145— 162; 
Gaspary,  Geschichte  der  italien.  litteralur  i  80.  97  und  vortrefflich  in  Gröbers 
Zs.  f.  rom,  phil.  1x572—573. 

2  Burdach,  Reinmar  und  Walther  s.  34  ff". 

'  von  der  ersten  gruppe  schreibt  es  AI  dem  Guiot  de  Dijon  zu,  allein 
in  der  vorläge  von  MT  gehörte  es  dem  Chrestien  an,  s.  Schwan  s.  28;  ab- 
gedruckt bei  Holland,  Chrestien  von  Troies  s.  231. 

13* 


188    REINMAR  VON  HAGENAÜ  UND  AUBOIN  DE  SEZANE 

lu  dieselbe  zeit  nun  fällt  das  gedieht  Reinmars  ein  loiser 
man  sol  niht  ze  vil,  allein  hier  lässt  sich  mit  grofser  Wahrschein- 
lichkeit die  abfassungszeit  bestimmter  festsetzen;  die  nachgebildete 
altfr.  Strophe  gehört  nämlich,  wie  oben  bemerkt,  dem  liede  bien 
cuidai  toute  ma  vie  an  (PParis  aao.;  Wackernagel,  Altfr.  lieder 
und  leiche  nr  5),  das  den  trouvere  Auboin  de  Sezane  zum  verf. 
hat.t  Auboin  stammt  höchst  wahrscheinlich  aus  Sezane,  dem 
heutigen  Sezanne,  das  im  arrond.  Epernay  (Marne)  gelegen  ist, 
und  muss  zwischen  august  1221  und  november  1229  gestorben 
sein. 2  seine  litterarische  hiuterlassenschaft  besteht  aus  drei  liedern, 
von  denen  das  erste  conh^e  le  dons  tems  tioveP  eine  pastourelle  ist, 
in  welcher  sich  die  politischen  anspielungen  schwer  deuten  lassen 
(Zs.  f.  rom.  phil.  vi  388),  das  andere  kwit  voi  lou  tens  felon 
[rasoagier]  ^  kein  biographisches  material  gewährt  und  das  dritte 
bien  cuidai  toute  ma  vie^  eben  dasjenige  ist,  dessen  zweite  Strophe 
Reinmar  als  vorläge  gedient  hat.  in  der  ersten  Strophe  dieses 
liedes  nun  sagt  Auboin  dass  die  gräfin  von  Brie  ihm  befohlen 
habe  zu  singen  und  dass  er  sich  ihrer  Weisung  nicht  zu  ent- 
ziehen wage,  in  dieser  gräfin  von  Brie  ist  gewis  mit  Jubainville 
(Hist.  des  comtes  de  Champagne  iv  643)  und  Longnon  (aao.  s.  71) 
Marie,  tochter  Ludwigs  vn,  die  gönnerin  Chrestiens  zu  sehen, 
welche  seit  1164  mit  Heinrich  i  von  der  Champagne  und  Brie  ver- 
heiratet 1181  —  1186  und  1190  —  1197  die  regentschaft  führte 
und  1198  starb  (Jubainville  m  82.  vi  450).  dass  das  lied  Auboins 
1164 — 1181  entstanden  sei  ist  uuwahrscheinlich,  weil  er  erst 
nach  1220  starb;  1190 — 1197  ist  auch  nicht  recht  annehmbar, 
weil  Marie  damals  schon  ziemhch  alt  war  und  sich  schwerlich 
mehr  um  die  dichtung  bekümmert  hat,  und  ferner  weil  die  an- 
nähme nahe  liegt,  dass  Reinmar  nicht  erst  in  Wien,  wo  er 
spätestens  1198  gewesen  ist  (Walther  ed.  Paul  s.  3ff  indirect), 
sondern  als  er  noch  in  Westdeutschland  weilte  das  gedieht  Auboins 

1  auf  grund  der  lis.  T  (bibl.  nat.  f.  fr.  12615)  und  der  vorläge  von 
MT,  s.  Schwan,  Die  altfr.  liederhss.  s.  28.  36, 

2  Longnon  nach  authentischen  Urkunden  im  Annuaire-buUelin  de  la  so- 
ciete  de  l'histoire  de  France  1870  s.  71.  72. 

3  Raynaud,  Bibliogr.  d.  chans.  fran?.  ii  60;  abgedruckt  bei  Bartsch, 
Rom.  und  past.  iii  40  unter  Jehan  Bodel,  dem  es  jedoch  nach  Schwans 
Untersuchungen  nicht  angehören  kann;  auch  chronologische  gründe  sprechen 
gegen  Bodel ,  s.  Zs.  f.  rom.  phil.  vi  388. 

"  Raynaud  iil37;  abgedruckt  in  Herrigs  Archiv  42,358  s.  Schwan. 
5  Raynaud  ii  130  s.  Schwan. 


REINMAR  VON  H AGENAU  UND  AUBOIN  DE  SEZANE  189 

kennen  lernte,    wir  werden  daher  dem  letzleren  als  entstehungs- 
zeit  c.  1181 — 1186  anweisen  können. 

Das  ergebnis  unserer  betrachtung  ist,  dass  die  meinung,  Rein- 
mar  sei  mit  der  'nachtigall  von  Hageuau'  identisch,  eine  neue 
stütze  erhält,  dass  er  von  der  trouveredichtung  beeinflusst  worden 
ist  und  dass  daher  die  ansieht  von  Becker  (Altheimischer  minne- 
sang),  Reiumar  habe  die  österreichische  einheimische  dichtungs- 
weise fortgesetzt,  gerechtlertigte  bedenken  erregt  (vgl.  Burdach 
im  Anz.  x  13  ff). 

Altenburg.  OSCAR  SCHULTZ. 


BEITRÄGE  ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATUR- 
GESCHICHTE. 

I.     Der    sog.   mag  ist  er    Ruodpert   und    sein   sog.  brief. 

Die  SGaller  sammelhs.  556  enthält  auf  s.  394  —  401  eine 
kleine  Irief Sammlung,  die  Goldast  Älaman.  rerum  Script.  (1606)  ii75, 
87  —  88  zum  ersten  mal  vollständig  veröffentlicht  hat,  darunter  den 
berühmten  brief  des  magisters  R%iodpert,  bei  Müllenhoff  und  Scherer 
s.  202.  der  erste  brief  über  einen  klosterraub  steht  auch  bei  Wart- 
mann, Urkundenbuch  in  s.  34  nr  820,  der  den  Vorfall  in  das 
Jahr  1022  verlegen  möchte,  als  abt  Purchhard  ii,  an  den  er  ge- 
richtet sei,  sich  auf  dem  Römer zuge  Heinrichs  ii  befand,  bei  Wart- 
mann ist  auch  die  berichtigung  der  stelle  in  IvArx,  Geschichten 
1,  240  nachzusehen;  dazu  GMeyer  vKnonau,  Continuatio  casuum 
sancti  Galli,  SGaller  Mitteilungen  17,  31  anm.  91.  über  die  hs. 
vgl.  Scherrers  Verzeichnis  175/.  zu  der  folgenden  kleinen  Unter- 
suchung wird  es  erwünscht  sein,  alle  8  briefe  der  Sammlung  in 
einem  neuen  genaueren  abdruck  zu  besitzen,  der  erste  beginnt 
unmittelbar  ohne  weiteren  absatz  oder  irgend  welche  Überschrift,  ab- 
gesehen von  einer  m.odernen  randglosse,  nach  einer  Vita  Cassiani 
auf  s.  394  zeile  4.  auch  die  folgenden  briefe  sind  in  der  hs.  nicht 
auseinandergehalten;  bei  beginn  eines  neuen  ist  nicht  einmal  eine 
neue  zeile  angefangen,  die  arabische  bezifferung  der  einzelnen 
episteln  am  rand  geschah  ebenfalls  durch  eine  jüngere  hand.  was 
das  alter  der  selten  394  —  401  betrifft,  so  stammen  sie  ganz  un- 
zweifelhaft  aus   dem   1 1  jh. ;  nur  ist   der   erste  brief  von  einer 


190       ZUR  SGALLISCHEN   LlTTERATüRGESCHICHTE 

anderen  hand  geschrieben  ah  die  folgenden,  ivelche  einen  unge- 
übteren Schreiber  verraten,  die  abkürznngen  si7id  hier  mit  aus- 
nähme des  letzten  briefes,  den  auch  Piper  in  der  Zs.  f.  d.  phil. 
11,  285  und  in  seiner  Nolkerausgabe  neu  abgedruckt  hat,  aufge- 
löst, sonst  sind  alle  eigentümlichkeiten  der  hs.  getreu  widergegeben, 
sämmtliche  briefe  sind  in  Gräters  Bragur  v  1,  39 — 47  übersetzt, 
freilich  mit  gänzlich  irriger  beziehnng  auf  den  Chronisten  Radpert 
und  nicht  ohne  komische  misverständnisse  im  einzelnen;  so  ist  in 
brief  \n  vasculum  ==  srtmeH  einer  gewissen  pflanze,  die  im  loalde 
gesucht  werden  soll,  mit  'geschirr'  tcider gegeben ,  die  zeile  7  in 
brief  \m  lautet  nach  der  Übertragung  bei  Gräter:  'dem  die  heiligen 
hold  sind,  der  mag  rossen  (horsko  ! !)  gebieten.'  der  ausdruck  von 
dem  'schon  alternden  Moeris'  in  brief  vi  bildet  offenbar  eine  an- 
spielung  auf  Vergils  Buc.  ix  53. 
[i]  Domino   et    abbali    nostro.    P.    iios    fratres   veslri   discipuli 

debitas  oraciones.  De  his,  quae  erga  vos  sunt,  laetificasti  nos 
Scripte,  quia  gralia  dei  recte  aguotur.  Contigit  etiam  vestris  ora- 
cionibus  aput  nos,  quod  ad  communem  laeticiam  pertinet,  de 
ecclesiastico  censu,  qui  furto  raptus  est,  partem  nos  non  mini- 
mam  recepisse ,  et  ipsum  furem  captum  in  vinculis  nos  tenere. 
Est  enim  servus  keroUi  de  pettenhusen  filii  alberici ,  et  nomen 
eins  gunzo,  et  nomen  patris  eins  richolf,  qui  nunc  in  comitatu 
militantis  sui  domini  est.  Reddidit  ergo  coronam  et  auream 
capsam  absque  opercuio  et  aureae  crucis  quasi  terciam  partem. 
Maioris  quoque  capsae  quaedam  fragmeuta,  quamvis  de  gemmis 
paucae  admodum  redditae  sunt.  Spes  autem  de  residuis  manet, 
quia  venundata  sunt  in  manum  cuiusdam  merchatoris  de  bu- 
chouua,  qui  pero  dicitur,  et  quondam  ibi  monetarius  erat,  multa 
quoque  in  manus  constanciensium  mercatorum,  quorum  nomina 
sunt  eccho'  chomeli"  woueli*  albeli'  engezo*  tegenharth.  Deus 
vero  (juendam  extraneum  hominem  [395]  ad  nos  mittere  dignatus 
est,  qui  oculte  sibi  pactum  ßeri  peciit  de  precio  duarum  librarum 
pro  delatura,  ut  hec  patefaceret.  Ipse  vero  accepto  pacto  sine 
mora  Iratrem  annonem  ad  constanciam  duxit,  ubi  particulas  auri 
fabre  factas,  quas  cognovit,  a  tegenhardo  tecit  praesentari  sibi. 
Sed  ille  a  perone  de  puochouua  se  emisse  eos  testatus  est.  Inde 
frater  idem  ad  peronem  veniens  per  hugonem  vestrum  militem 
furem  sibi  in  domo  sua  latitantem  monstrari  l'eciL  Qui  statim 
captus  sub  terra  ocultatum  tesaurum,  quantum  sibi  remansit,  red- 


ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATURGESCHICHTE       191 

(lidit.  Nunc  vobis  ageodum  est  cum  rege ,  ut  advocati  ulriusque 
ecclesiae  tantae  rei  exactores  fiaot,  et  in  suum  locum  restituant. 
Nee  illud  minus  intimandum  est  vobis,  quia  longe  minora  et 
pauciora  sunt,  quam  putastis,  quae  a  vestris  ministralibus  in  usum 
nostrum  exhiberi  iussistis,  et  quanta  grassatur  in  nostra  terra 
boum  omniumque  peccodum  mortalitas,  ut  rex  per  nos  reditum 
ceperit  decernere  ipsi  habeatis  de  bac  quasi  egypti  plaga  sug- 
gerere.  Qui  est  autem  altissimus  vobis  domino  nostro  prospera 
cuncta  concedat. 

[396]    Parentibus    suis   A.  agnus  ablactatus   pium   balatum.  [n] 
Nuperrime  a  vobis  sanus  abiens  adhuc  me  valere  profiteor.    Feto 
ergo,  ut  promissio  vestra  de  remunerandis  sudoribus  magistrorum 
meorum   ad   effectum  veniat.     Mihi   etiam  veluti    peregre  consti- 
tuto  omnium  indiguo,  necessaria,  quae  locuti  estis,  inpendite. 

R.  celesti  rore  inbuto  T.  quicquid  boni  potest.  Ex  quo  [ui] 
sub  ditionis  vestrae  iugum  adductus  sum ,  educastis  me  absque 
omni  remuneratione  amicorum  meorum,  non  minori  dilectione, 
quam  si  ex  vestro  progenitus  essem  corpore.  Quia  enim  in 
evangelio  scriptum  est,  operarium  dignum  esse  mercede  sua,  pro- 
posui  ire  ad  sorores  meas  in  insulam ,  quae  vocatur  lindouua. 
Ibi  arbitror  me  acepturum  esse  aliquod  munusculum,  quo  pos- 
sim  vestram  venerari  faciem. 

R.    spiritali    cibo    saturato   [397]   certitudinem    famulaminis.  [iv] 
Pietati  vestrae  dolores  nuditatis  meae  erubescerem  dicere ,  si  mi- 
seriam  quam  patior  nesciret,    Ea  ratione  coactus  imploro  misera- 
tionem  vestram,  mihi   prestari  licentiam  exire  ad  matrem  meam, 
quae  ut  spero  non  dedignabitur  mihi  subvenire  in  necessariis  rebus. 

Parentibus  suis  H.  coronatus  habitu  clericatus  fidelem  in  [v] 
Christo  orationem.  Optimum  invenistis  consiHum  me  transmit- 
tendo  in  monasterium  sancti  galii  ad  disciplinae  et  doctrinae 
aedificationem.  Ibi  me  illa  duo  invenisse  abundanter,  confiteor. 
Hec  est  autem  postulatio  mea,  mihi  velocius  ex  vestra  largitate 
transmitti  tercium  miserationis  vestrae  munusculum,  id  est  duas 
camisias  et  lineam  tunicam,  quibus  incedere  possim  cum  aliis 
consodalibus   meis  ho[398]norifice,    non  cum  dedecore  nuditatis. 

Domno  R.  T.  ultimus  vester  amicus,  fidelia  orationis  et  fa-  [vi] 
mulatus.    Dum  occurrit  animo,   quanta  a  vobis  dilectione  et  bene- 
ficiis  dignor ,  magnus  pudor  est,   nihil  congrui  forsan  posse  re- 
pendere.     Sed   rogo,   ne  ideo  vos   pigeat  ceptorum,   quia  nobis 


192       ZUR  SG ALLISCHEN  LITTER ATURGESCHICHTE 

deest  copia  redibitionum.  Nam  perpetem  restituet  vicem,  qui 
neminem  praemii  patietur  extorrem.  Quod  autem  de  docendo 
puero  per  nostrum  Vodalricum  demandastis,  licet  ipsa  vox  et 
memoria  iam  senescentem  fugiat  moerim,  libentissime  gratia  vestri 
nostram  inpendimus  operam.  Valete.  Ne  obliviscantur  me  sacra- 
tissimae  orationes  vestrae. 
[vii]  [399]  H.  karissimae   nepli   R-Mp-    plurimam  salutem,   ser- 

vitutera  et  orationem.  Milto  tibi,  dilectissima,  duos  homines  et 
rogo,  ut  tu  bis  tertium  de  tuis  addas,  ut  eo  ducente  et  te  auxi- 
liante  saltum  circueant(!),  ut  aliquod  vasculum  inveniant  et  meis 
usibus  deferant.  Memento  igitur  fidei  et  servitutis  et  hanc  me- 
cum  iac  misericordiam ,  ut  eos  ibi  adiuves,  et  ad  me  redeuntibus 
tuum  adiutorium  inpendas.  Vale  karissima.  [tiach  diesem  bhefe 
ist  eitle  viertelsseite  leer,  dann  folgt  auf  s.  400  der  sog.  brief  des 
sog.  Ruodpert:] 
[viii]  Quia    uirtus   cstillationis   inictu    pungentis    e.      Uuända   des 

kestiruis  chräft  fergät  ünde  uirlöufit  in  so  längere  uiriste  so  man 
einin  stüpf  ketüon  mag.  Informis  materia.  Täz  chit  skäffelösa 
zimber.  Inteperies.  Intrerteda.  fides  e  sperandarü  substautia 
5  rerü.  arguiiitü  ii  appareuin.  Täz  chit  küish6it  t6re  nöh  üröugöu. 
Que  ds  diligit.  hunc  ex  audit.  Cui  deus  placabilis.  huic  ex 
orabilis.  Temo  die  lieiligen  holt  sint.  ter  mag  hörsko  geb6töu. 
In  humilitate  iudiciO  ei§  sublatü  e.  Täz  In  nioman  zerehte  neliez 
täz  uuärt  ze  leibe,     ümbe  sina  döumöti.     In  pasca   annotino  .i. 

10  pascale  festü.  [401]  prioris  anni  .i.  ter  feroerigo  osler  tag. 
Ypapanti  .i,  cuentus  omuiü  etatum. 

Nomen,  nämo.  Pnom.  füre  däz  nom.  verbü.  uuört.  Ad- 
uerbiO.  Züoze  demo  uerbo.  Parlicipiu  teil  uemuuga.  Ciunctio 
geuügeda.      Pposicio.      füre    sezeda.      Interiectio.      ünd6ruuerf. 

15  Nomini  qd  accidunt?  uui  mänegiu  uölgent  temo  nomini  .vi. 
Que?  qualitas  te  uuilichi.  que?  sub  auditur.  ubiz  eigen  si. 
aide  gemeine  ter  substantie.  aide  des  accidentis.  Cöparatio. 
teuuidermezünga,  cuius?  tiscomparatiui.  aide  dis  suplatiui.  Züo 
d6mo  posiliuo.     Genus  tiz  chünne.     cuius?   sin  aide. 

Zu  zeih  9  ist  nun  unten  s.  400  loider  von  anderer  hand  ein 
Zusatz  angebracht ,■  dessen  letzte  zeile  sich  noch  auf  s.  40\  hin- 
über erstreckt,  es  ist  aber  keineswegs,  wie  man  aus  dem  willkür- 
lichen abdruck  bei  Goldast  geschlossen  hat,  ein  neuer  brief.  er 
beginnt  auch  nicht,  wie  Goldast  druckt,  mit  den  warten:    Quaeris 


ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATURGESCHICHTE       193 

a  me,  quid  sit  pascha  annotinum?,  sondern  diese  randglosse 
lautet: 

Aliter  pascha  est  Annotinum.  Conventus  compatrinorum  ad 
missas  eins  modi  per  omnes  octavas  sabbati  sancti  id  est  bap- 
tismi  per  annum  et  per  ordinem  cuiuscunque  cum  caeteris  cod- 
vivium.  Quod  vidimus,  hoc  testamur.  Presbyter  symbolum  super 
infantem  dicit  et  meusae  participat  aquam  sapientiae.  [40 1  oben] 
Pascha  prioris  anni  rememori  neque  fidei  est. 

Die  folgenden  bemerkimgen  richten  sich  gegen  Müllenhoff  und 
Scherer  s.  570 — 73.  ich  icill  dabei  die  frage  bei  seile  lassen,  ob 
wir  es  hier  —  den  ersten  vielleicht  ausgenommen  —  mit  würk- 
lich  geschriebenen  briefen,  wie  die  hei^ausgeber  der  Denkm. 
annehmen,  oder  blofs  mit  formelbriefen  zu  tun  haben,  nach 
meiner  meinung  sind  es  formelbriefe,  was  schon  Goldast  in  der 
Vorbemerkung  zu  seinem  abdruck  gesehen  hat:  sunt  autem  for- 
mulae  conscribendi  epistolas,  quas  (Ruodpert)  discipulis  suis  in 
schola  dictavit.  in  brief  u  —  v  wenden  sich  offenbar  schüler  mit 
danksagungen  und  bitten  an  ihre  lehrer  und  eitern,  brief  vi  rührt 
aber  von  einem  erwachsenen  her.  einzig  in  brief  vii  nennt  sich 
ein  Ruodpert  und  richtet  sich  an  H,  seine  geliebte  enkelin.  ganz 
irrig  hei f st  es  in  den  Denkm.  hl  \:  (in  dieser  epistel)  'schreibt  ein 
H.  karissimae  nepti  Ruodep.'(!!)  ein  magister  Ruodpert  starb  be- 
kanntlich in  denselben  tagen  mit  Notker  m  am  16 /m?«  1022. 

Nr  VIII  aber  ist  es,  worüber  hier  eingehender  die  rede  sein 
soll,  die  allgemeine  ansieht  über  dieses  stück  geht  dahin,  dass  hier 
ein  gewisser  P.  den  rat  Ruodperts  in  litterarischen  absichten,  zu 
übersetzungszwecken  einholt,  um  es  aber  gleich  zu  sagen:  der  sog. 
brief  Ruodperts  ist  erstens  augenscheinlich  gar  kein  brief,  sondern 
irgend  eine  Schularbeit  und  zweitens  ist  dieselbe  bisher 
ohne  jegliche  berechtigung  dem  magister  Ruodpert 
zugeschrieben  worden.  Goldast  hat  in  seiner  willkürlichen 
weise  ohne  einen  anderen  anhält,  als  dass  in  nr  vii  ein  Ruodpert 
genannt  ist,  die  ganze  briefsammlung  und  so  auch  nr  viii  dem  Ruod- 
pert magister  zugelegt  und  nach  ihm  alle  weiteren  herausgeber  von 
Wackeriiagel  bis  auf  Müllenhoff  und  Scherer.  dazu  findet  sich  in 
Goldasts  und  sämmtlichen  neueren  abdrücken  folgender  eingang  zu 
nr  viii :  P.  dilecto  suo  salutem  et  profectum  in  doctrina.  Verba, 
quae  ad  me  misisti,  ut  tibi  exponam,  in  theodiscam  linguam 
transluli.     sie  enim  sonare  debent.    dann  folgt  der  Wortlaut  von 


194       ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATÜRGESCHICHTE 

VIII :  Quia  virtus  usw.  also  doch  ein  brief?  und  wie  kommt 
es,  dass  xoir  diesem  briefeingang  in  unserem  abdrucke  oben 
nicht  begegnet  siiid?  einfach  deswegen,  weil  er  nicht  in  der  hs. 
steht,  stand  er  aber  zti  Goldasts  Zeiten  oder  überhaupt  jemals 
darin?  die  Denkm.  s.  570  sagen,  von  der  hs.  sei  'jetzt  nur  ein 
mit  zeile  4  Quia  beginnendes  und  der  hs.  556  als  s.  400.  401 
beigebundenes  quartblatt  erhalten'  und  fügen  hinzu,  dieses  quart- 
blatt  sei  von  bibliothekar  dr  Henne  wider  aufgefunden  worden,  sie 
nehmen  also  an,  es  sei  seit  Goldast  der  anfang  (sowie  der  schluss) 
dieses  sog.  briefes  verloren  gegangen,  'dass  dieser  nach  wenigen 
Zeilen  abermals  abbricht  und  hierauf  der  neunte  und  letzte  wider 
vollständig  ist',  wissen  sie  sich  vollends  nicht  zu  erklären,  es  ist 
schon  gezeigt  worden  dass  der  angebliche  neunte  brief  nur  eine 
randglosse  ist,  der  Goldast  als  eingang  eine  gut  findende  epistel- 
wendung  verlieh,  über  den  anderen  wichtigeren  eingang  zu  nr  viii 
erhob  sich,  wie  man  loeifs,  bereits  eine  kleine  controverse  in  bezug 
auf  den  adressaten  P.,  in  welchem  Wackernagel  den  abt  Purkhard  ii 
erblickte,  icogegen  die  Denkmäler  auf  einen  Purchard  bouae  in- 
dolis  adolescens  (f  1022)  hinwiesen. 

Mir  war  dieser  eingang  schon  lange  verdächtig,  namentlich 
war  nicht  einzusehen,  dass  auf  dem  vorgeblich  verlorenen  blatte, 
das  Goldast  benutzt  haben  will,  nur  die  par  zeilen  des  eingangs 
gestanden  haben  sollen,  um  so  weniger ,  als  ja  die  vorausgehende 
blattseite  399  zur  hälfte  unbeschrieben  ist.  wie,  icenn  dieser  ein- 
gang  überhaupt  unecht  loäre,  ein  neueres  machioerk  Goldasts?  so 
etwas  war  ihm  von  vorne  herein  wol  zuzutrauen,  diese  und  andere 
zweifei  veranlassten  mich,  genaue  einsieht  von  der  SGaller  hs.  556 
zu  nehmen,  meine  Vermutung  hat  sich  als  völlig  richtig  erwiesen, 
der  eingang  P.  dilecto  bis  sonare  debent  ist  gefälscht,  es 
handelte  sich  für  mich  einfach  darum  zu  constatieren,  ob  vor  s.  400 
ein  blatt  fehle  oder  nicht,  dann  darum,  welche  bewandtnis  es  mit  dem 
angeblichen,  'von  dr  Henne  wider  aufgefundenen  quartblatt'  habe,  ob 
dasselbe  dem  codex  etwa  erst  nachträglich  beigebunden  worden  sei. 
nichts  von  alle  dem.  vor  s.  400  fehlt  absolut  kein  blatt  und  das 
blatt  s.  400  —  401  ist,  seit  der  codex  so  gebunden  ist,  dh.  seit 
400 — 500  Jahren  immer  ein  bestandteil  der  hs.  556  gewesen,  das 
blatt  gehört  zum  gleichen  quaternio,  es  trägt  dieselben  aus  dem 
vorigen  jh.  stammenden  Ziffern  der  pagination ,  wie  alle  übrigen 
blätter ,  es  ist  liniert  und  hat  genau  so  viele  zeilen  wie  das  dem 


ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATURGESCHICHTE       195 

quaternio  entsprechende  vordere  Matt,  hat  genau  dasselbe  formal  wie 
die  übrigen  blätter ;  unten  ist  es  etwas  aufgerissen,  oben  durchaus 
nicht,  weifs  der  himmel,  was  dr  Henne,  der  damalige  bibliothekar , 
den  hüten  vorgab !  der  Sicherheit  wegen  hatte  der  jetzige  stiftsbiblio- 
thekar  in  SGallen,  herr  Idtensohn,  welchen  ich  um  eine  Unter- 
suchung der  hs.  seinerseits  angieng,  die  freundlichkeit ,  den  be- 
währten hsskenner  Gustav  Scherrer  herbeizuziehen,  wir  sind  alle 
drei  zu  demselben  resultat  über  die  absolute  Unversehrtheit  der  betr. 
•partie  des  codex  gelangt,  (nach  den  genannten  herren  gehören  die 
SS.  394 — 401  ganz  sicher  dem  \1  jh.  an.)  Goldast  wüste  offenbar 
mit  nr  viii  nicht  gleich  etwas  anzufangen  und  schrieb  unbeküm- 
mert einen  briefeingang  dazu,  nach  aufdecknng  dieser  seiner 
fälschung  hat  somit  zukünftig  dreierlei  dahin  zu  fallen: 

1)  das  ganze  ist  kein  brief,  sondern  eine  Schul- 
arbeit; 2)  ist  der  magister  Ruodpert,  mit  dem  diese 
Schularbeit  nichts  zu  schaffen  hat,  von  der  litteratur- 
geschichte  aufzugeben;  3)  da  die  eingangszeilen  eine 
fälschung  Goldasts  sind,  ist  die  controverse  über  den 
P.  diieclus  gegenstandslos  geworden. 

Nun  hat  die  angelegenheit  aber  auch  ihre  ganz  eminent  wich- 
tige positive  Seite,  namentlich  auf  diesen  brief  stützten  sich 
alle  die,  welche  von  einer  SGallischen  übersetzerschule  neben  Not- 
ker  sprachen.  Ruodpert  galt  für  einen  Vertreter  derselben,  sein 
schaler  P.  ebenfalls  und  man  glaubte  vorschnell,  einen  blick  in  die 
art  und  weise  der  SGaller  übersetzerschule  gewonnen  zu  haben, 
der  vermeintliche  Ruodpert  und  P.  sind  nach  der  obigen  ausführung 
in  nichts  zerflossen,  über  die  unwahrscheinlichkeit  der  existenz 
einer  übersetzerschule  in  SGallen  wird  meine  demnächst  erschei- 
nende Geschichte  der  deutschen  litteratur  in  der  Schweiz  handeln, 
dass  neben  den  Psalmen  die  ganze  Roethiusübersetzung ,  die  des 
Marcianus  Capella,  der  Kategorien  und  der  Hermeneutik  des  Aristo- 
teles von  Notker  m  herrühren,  hat  Kelle  unwiderleglich  erwiesen, 
schließlich  eine  kleine  beleuchtung  der  vorliegenden  Schularbeit  nr  viii 
aus  der  SGaller  brief  Sammlung. 

Zeile  1  —  3  Quia  virtus  —  kelüon  mag  ist  modificiert  nach 
Marcianus  Capella,  Hattemer  3,  325^    vgl.  Kelle  Zs.  30,309. 

Zeile  3 — 4  Informis  —  zimber  stammt  aus  dem  3  buch  des 
Roethius,  Hattemer  3,  128'. 

Zeile  4  Intemperies  —  Intrerteda   stammt  entweder   aus  Roe- 


196       ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATURGESCHICHTE 

thius  145''   oder    Capella  355'',   ico  freilich   das  lat.  wort  anders 
verdeutscht  ist.     Kelle  aao. 

Zeile  4 — 5  fides  —  üröugöu  ist  Hebräerbrief  11,1.  bekannt- 
lich steht  diese  stelle  vervollständigt  auch  in  der  aus  SGallen  her- 
rührenden hs.  C  129  bl.  96''  der  Ziiricher  Stadtbibliothek,  zuletzt 
gedr.  von  Piper  in  der  Zs.  f.  d.  phil.  13,  456. 

Zeile  6 — 7  Quem  —  gebetöo.  diese  sprichwörtlichen  Sentenzen 
mögen  ursprünglich  etwa  der  psalmstelle  145,  20  (nach  der  Vul- 
gata  144) :  custodit  dominus  omnes  diligentes  se  nachgebildet  sein. 

ZeileS — 9  In  hurailitate  —  d6umuoti.     Apostelgeschichte  S,d3. 

Zeile  9 — 11  In  pasca  —  aetatum  rühren  aus  einem  computus 
(dem  Notker sehen?)  her. 

Zeile  12 — 19  Nomen  —  aide  sind  dem  eingang  des  Donat  und 
anderen  grammatikern  nachgebildet. 

Was  somit  nach  weg  fall  des  unechten  briefeinganges  bleibt, 
ist  eine  blofse  Schulaufgabe,  offenbar  aus  Notkers  schule  und  zu- 
nächst aus  Notkerschen  Schriften  zusammengetragen,  nicht  aber 
die  atitwort  eines  selbständigen  Übersetzers,  der  einem  schuler  auf 
vorgelegte  fragen  bescheid  gibt,  'litterarische  absichten'  liegen  nir- 
gends vor. 

II.    Notkers    Computus. 

In  dem  bekannten  brief  an  den  bischof  Hugo  von  Sitten  führt 
Notker  in  unter  seinen  Schriften  einen  neuen  Computus  in  lateini- 
scher spräche  auf.  unter  comput  versteht  man  eine  anleitung  zur 
bestimmung  von  ostern  und  der  übrigen  christlichen  feste.  Beda 
venerabilis  und  nach  ihm  Hrabanus  Maurus  haben  solche  verfasst. 
vgl.  Ebert,  Allg.  gesch.  der  litt,  des  ma.s  1,  605  und  2,  127.  nun 
war  aus  der  Zs.  23,  436  und  aus  LDelisle,  Melanges  de  paleo- 
graphie  et  de  bibliographie  (1880)  s.  456  zu  ersehen  dass  in  der 
aus  Deutschland  stammenden  Pariser  hs.  Nouv.  acq.  229  ua.  auch 
der  Computus  eines  Notker  enthalten  sei.  dies  ist  natürlich  das 
verschollene  werk  Notkers  in  von  SGallen.  vgl.  p.  Gabriel  Meier  im 
Jahrbuch  f.  Schweiz,  geschichte  10,  87.  der  die  ss.  252  —  60  der 
hs.  einnehmende  Computus  soll  im  nächstjährigen  schulprogramm 
des  klosters  Einsiedeln  abgedruckt  loerden.  auf  die  spur  einer 
ziceiten  hs.  führt  Montfaucons  Bibliotheca  bibliothecarum  manuscr. 
(1739)  tom.  II  1334:  unter  den  mamiscripten  der  bibliotheca  Pon- 
tiniaci  erscheint  aufser  der  Notkerschen  Rhetorik  ein  Computus 
Notgeri. 


ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATÜRGESCHICHTE       197 

III.   Wer  ist  der  Verfasser  der  gereimten  ahd.  lisalmen- 
üb  er  Setzung  (Müllenhoff  und  Scheiter   s.  22 — 24)? 

Zu  unser  aller  erstaunen  hat  sich  jüngst  der  alte  'mönch  von 
SGallen',  der  verf.  jener  prächtigen  Gesta  Karoli  magni  (MG  2,  726, 
Jaffe,  Bibl.  4,  619,  vorzüglich  übersetzt  durch  Wattenbach  in 
den  Geschichtschr.  d.  d.  vorzeit)  entpuppt  und  zwar  als  keinen 
geringeren  denn  Notker  i  Balbulus.  schon  Goldast  und  Basnage 
haben  im  17  und  \8  jh.  die  ansieht  geäufsert.  sie  wurde  später 
als  unbegründet  verworfen,  aufgenommen  wird  sie  nun  von  Karl 
Zeumer  in  den  Historischen  aufsätzen  dem  andenken  an  Georg 
Waitz  gewidmet  (1886)  s.  97  ff.  der  mönch  bezeichnet  sich  in  den 
Gesta  selbst  als  balbus  et  edeotulus,  stammelnd  und  zahnlos,  was 
mit  anderen  aussagen,  die  Notker  Balbulus  zb.  im  formelbuch, 
dann  in  seinem  hymnus  über  den  hl.  Stephan  (Dümmler  SGallische 
denkmale  228  aeger  et  balbus)  über  sich  tut,  auffallend  überein- 
einstimmt.  man  schloss  —  so  ist  der  gang  der  Zenmerschen  be- 
weisführung  —  aus  jenen  attributen  'zahnlos  und  stammelnd'  bis 
jetzt  ohne  weiteres  mit  unrecht,  der  mönch  müsse  sich  in  einem 
entsprechend  hohen  alter  befunden  haben;  aber  die  betreffenden 
ausdrücke  berechtigen  durchaus  nicht,  weder  ein  besonders  hohes 
alter,  noch  ein  höheres,  als  das  damalige  Notkers,  der  etwa  den 
fünfzigern  nahe  war,  als  er  auf  veranlassung  Karls  in  um  883 
an  die  Gesta  gieng,  vorauszusetzen,  allerdings  könne  balbus  et 
edentulus  zur  characterisierung  eines  greises  gebraucht  werden, 
aber  diese  beiwörter  seien  hier  gerade  characteristische  zunamen  für 
einen  jüngeren,  ferner  weise  die  dem  Salomonischen  formelbuche 
angehängte  notatio  Notkers  eine  fülle  von  ausdrücken,  Wendungen 
und  anschauungen  auf,  die  auch  den  Gesta  eigentümlich  seien,  das- 
selbe treffe  zu  bei  dem  übrigen  bedeutenden  anteile  Notkers  an  dem 
formelbuche  usw. 

Wie  man  weifs,  weisen  die  geretteten  reste  einer  gereimten 
psalmenübersetzung,  der  138  und  etliche  verse  aus  dem  139  psalm, 
nach  SGallen,  jedesfalls  in  die  Umgebung  Salomons  iii  hin  und  mögen 
noch  dem  letzten  Jahrzehnt  des  Q  jhs.  angehören,  da  dieselben  in 
der  alten  Wiener  hs.  des  Salomonischen  formelbuches  stehen  (vgl. 
Dümmler,  Das  formelbuch  des  bischofs  Salomo  (1857)  s.  xxv, 
Müllenhoff  und  Scherer  s.  311),  dessen  inhalt  zum  grofsen  teil  von 
Notker  Balbulus   herrührt,   möchte  ich  mit  der  Vermutung  nicht 


198       ZUR  SGALLISCHEN  LITTERATURGESCHICHTE 

ziirücMalten ,  dass  in  diesen  deutschen  versen  möglicher  weise  ein 
werk  von  Notker  Balbulus  vorliegt. 

Zürich,  november  1886.  J.  BAECHTOLD. 


BRUCHSTÜCKE  EINES  GEBETBUCHES. 


(1^)  an  dir   alle  vnser  helle  lit 
hilf  vns  frauwe  an  der  zit 
vnd  in  der  engistlichen  not 
wan  vns  beuellet  der  grime  tot 
5  das  wir  danne  gnade  finde 
andirvnddinem  Ifben  kinde.  aiii. 

Avon  unser  frauwen. 
ve  der  himele  koniginne 
aller  lügende  ein  keiserinne 

10  vnd  ein  frauwe  der  engele  köre 
wir  grüzen  dich  das  höre 
gegruzit  sistu  heiiger  stam 
des  frucht  vns   alle  we   benam 
das  vns  da  brachte  in  padis 

15  ein  stam  ein  boüm  ein  apfel  ris 
vz  der  werlde  vff  gegangin  ist 
ein  sonne  die  heizet  ihüs  crist 
0  aller  erin  bort  biz  fro 
dine  riebe  schone  ho 

20  vber  allez  das  himel  vn  erde  treit 
far  wol  du  vFolgezogene  meit 
vnd  bite  vor   uns  zu  aller  stüt 
ihm  diu  kint  das  wir  gesunt 
an  der  sele  werden  genzliche 

25  mit  dir  in  himelriche.  amen. 
Als  dicke  als  du  diz  gebet 
spriches  so  hastu  sehs 
tusent  vnd  sehs  bundH 
tage  ablazis. 


30  T\Er  himelische  konig 
JL/vnser  herre  ihüs  crist 


der  hing  an  dem  cruze  alleine 

mit  gotlicher  minne 

(1'')  mit  senftender  sele 

mit  betrübetem  sinne  35 

mit  verwontem  herzen 

mit  verhouwenem  libe 

mit  krachenden  geUdern 

mit  gesperten  armen 

mit  verdeneten  ädern  40 

mit  rufendem  munde 

mit  heiser  stimme 

mit  bleicher  varwe 

mit  einem  totlichen  antlicze 

mit  weinenden  ougen  45 

mit  swindelme  hirne 

mit  betrubeteu  geberden 

mit  burningem  ernste 

mit    eime    vSvonten    geneigete 
höhte 

mit  einem  toden  libe  50 

mit  eine  v^scheiden  reinen  ende 

mit  offener  siten 

mit  filzenden  bechen 

der  da  ist  ein  born  des  lebinden 

burnen.     die   minne   brach   im  55 

das  herze,    von  vnser  frau- 
wen. 

Freuwe  dich  koniginne 
des  hiraels  keiserinne 

wan  der  von  dir  geborn  ist 

der  da  heizet  ihesus  crist  60 

als  die  ppheten  hatten   gesaget 


BRUCHSTÜCKE  EINES  GEBETBUCHES 


199 


bite  in  vor  vus  du  edel  maget 
das  wir  in  müzen  sehin  vnd  dich 
in  dem  fronen  himelrich.  amen. 

65  von   vnserm   herreu   gote. 

(2*)  jch  bite  dich  herre  ihü  crist 

jLdas  du  diz  gebet  entphahist 

in  ere  des  heiigen  gebetis 

das  du  zu  dime  himelische  vat^ 

tetis 

70  vff  dem  berge  zu  syna 

das  er  dich  des  todes  wolde  erla 
den  du  doch  williglich  liden  w^e 
für  vns  armen  sundere 
durch  die  du  ouch  vff  erlriche 

75  komen   were.     vnd   maue   dicii 
der  grozen  engisle.    daniite 
din  reines  herze,    vnd  din  heil 
ge  sele  befangen  was  an  der 
stunde,    do  du  nicht  alleine  di 

80  nes  valir  helfe   an  riffe  sunder 
ouch  von  diner  gescheffede  ge 
sterket  woldes  werden,    vnd 
mane  dich  des  blutigen  sweizes 
den  du  vor  der  engiste  des  grü 

85  welichen  todes  guzze 

vnd   bite    dich   durch    die  craft 
des   gebetes    das    din    vatir   er- 
hörte zu  sinen  grozen  eren 
vnd   zu  vnserm  ewigliche  heile 

90  das  du  min  gebet  erhores  an 
diser  sache  da   ich  mit  ganzen 
truwen   biten  füre   mich,     daz 
du  mir  zu  helfe  komes  in  alle 
minen  noten  libes  vnd  sele 

95  vnd    an   minen    iungislen  ziten 
vnd  das  ich  alle  mine  angist 
mit  diner  helfe  gnediglich 
(2'')    vberwinde.      amen,      von 
vns^  fvven. 


Maria    du    hochgelobtes  padis 
du  wol  gepflanztes  mandel  ris  100 
du  rose  von  iericho 
du  uiolblume  rod 
du  zarter  lilien  zwig 
dinem   kinde  stete  in  oren  lig 
vnd  bite  iz  für  mich  zu  aller  stüt  105 
das  ich  an  libe  vnd  an  sele  w^de 

gesüt 
maria  bite  ihesum  crist 
der  durch  mich  din  kinlvA^den  ist 
das  er  mir  helfe  vz  aller  not 
zu  der  stunde  so  ich  tot  HO 

bin  vnd  von  hinnen  varn 
das  er  mich  gutlich  wolle  bewarn 
vor  allem  dem  das  mir  wider  sie 
also  das  ich  werde  frie 
von    sunden  vnd  von  helle  wizll5 
dar   an   lege   frauwe  dinen  fliz 
vnd    las    mich   des   ouch  w'den 

gewar 
als  ich  von  diser  werldevar.  ame. 
Ich   mane  dich    von    vnserm 

h^ren 
herre  du  lebendiger  burne  des  120 
durstes  den  du    nach   der  men 
scheit  an  dem  cruze  lide.    da  din 
reiner  lib  von  also  grozer  mar- 
til  gekrenket  wart  das  du   be- 
gertes   das   du   gelabet    wordesl25 
wie  freueliche  du  des  worde  gewH 
vnd  ich  mane  dich  des   innern 
durstes    dines  geistes  nach  vn- 
serm heile,  vnd  wie  vnbesibehch 

(3^)  iubilirnde  vmmer  dar 
des  namen  sine  lungern  war 
zu  ougen  anegesichte 
da  er  in  sin  riebe  ging 


200 


BRUCHSTÜCKE  EINES  GEBETBUCHES 


5  das  wölken   in  balde  alvmbfing 
mit  grozen  freuden  in  enpfing 
das  himel  her  mit  schalle 
sich  da  besiezet   er    gar  schon 
ewigliche  sines  vatir  tron 

10  da   singen    inne  vil   süzen   don 
die  himel  forsten  alle  de  dna  nrä 
Fro  aber  frauwe  saltu  sin 
maria  here  konigin 
das  dich    so  wirdiglicher  schin 

15  der  himel  hat  enphangin 
mit  wonniglicher  clarheit 
die  dir  der  fiirste  hat  bereit 
in  ewiglicher  stetekeit 
des  hat  dich  vmbfangin 

20  ein  cleit  das  ist  von  golde  dar 
von  Schönheit  liecht  vTi  offinbar 
mit  grozer  zirde  al  für  war 
gar  herliche  vnderdrungen 
da  hastu   frauwe  ane  endes  zil 

25  iungfrauwen  dinst  vnd  engil  spil 
dir  wirt  ouch  suzes  sanges  vil 
zu  lobe  da  gesungen. 

Evon  vnser  frauwen 
y  wunnegliche  vnd  vz  irkorn 

30  maria  rose  sunder  dorn 

nü  wende  vö  vns  dins  kindes  zorn 
sint  du  die  guade  funde 
(3'')  an  dinem  liebin  kinde 
die  dich  so  riebe  wesen  lut 

35  das  vns    der    konig   hocbgemw^ 
ouch  wese  an  vnserm  ende 
gein  vnser  sweren  sunde 
du  frauwe  selig  vnd  zart 
erwirb  vns  gute  hinet'art 

40  in  disme  enelende 

din  minne  vns  w^de  hie  enzunt 
vnd  dort  din  ewige  ireude  kunt 
das  wir  seschauwin    sa  lustunt 


got  ewigliche  ane  ende. 

Nabir  von  vnserm  h^n.      45 
u    helfet  mir  alle  biten  got 
durch  sin  heiiges  gebot 
vnd  durch  die  claren  minne 
die  zu  der  koniginne 
der  hochgelobte  furste  treff        50 
an  die   er   Schönheit  hat  geleit 
vnd  also  groze  wirdekeit 
in  sinem  riebe  ane  vuderscheit 
das  er  sin  turiz  beilges  hlut 
das  vz  sinen  wunden  wut  55 

das  er  vor  vnser  missetat 
der  konig  her  gegozzen  hat 
er  wolde  ouch  vns  behaldew 
das  wir  icht  worden  \erschalden 
des  ewighchen  lebins  60 

das  er  icht  vergebins 
die   martil  habe  durch   vns  ge- 
llten 
do   er  so    iemerliche    vor&mten 
an  dem  fronen  cruze  stuat 
{¥)  das  er  vns  in  sine  frunt      65 
ze  dem   lestin   tage  wolle   zeln 
vnd  vns  darzu  tu  erweln 
des  bilen  wir  den  heilant 
dem  alle  herzen  sin  bekant 
die  ie  von  libe  quamen  7Ö 

nn  sprechet  alle  amen. 
y^  De    canticis    cantico«/ 
-f  luude  ich  nü  wirdigliche  kose 
von  der  hochgelobeten  rosen 
diu  frauwe  ober  allen  frauwe  ist  75 
vnd  unser  herre  ihesus  crist 
ze  siner  muter  erweihet  hat 
so  solde  ich  linden  einen  rat 
das  niemant  dar  an  darf  v^zage 
ich  mm  gar  luzil  von  ir  sagen  SO 
von  der  lobelichen  vart 


BRUCHSTÜCKE  EINES  GEBETBUCHES 


201 


loie  die  koniginne  wart 
gefuvi  so  wunuigliche 
wol  vff  zu  bimelriche 

Sbka7i  ich  danne  gereden  wol 
uu  horel  was  ich  uch  sagin  sol 
und  ich  eigentliche  spreche  mag 
Maria  hüte  vff  disen  tag 
hat  uns  verkündet  d^  mlnen  brif 

90  den  her  salomon  der  konig  rif 

durch   des  heiigen  geistes   müt 

der  machte  im  alle  wisheit  küt 

--«-Canticum  canticorum 

IfJin  sele  mich  gelazin  hat 

95  da  mich  min  fruut  gekoset  hat 
da  hau  ich  in  zustunden 
(4'')    gesucht    vud    doch     nicht 

funden 
ich  rief  mit  inneglicher  gir 
kein  anlwerte  gab  er  mir 
100  die  stetin  wechler  mich  da  sahin 
sie  hegenden  mir  ouch  vaste  nahin 
sie  wunten  vnd  slugen 
mich  sere  in  vngefugen 
der  muren  wechter  vnder  in 


trugen  minen  mantil  hin  105 

von  iherusalem  ir  meide 

mine  frunde  sit  gereide 

saget  im  ich  sie  von  mlnen  halt 

die  himel  köre  manigfalt 

sungen  vnd  waren  Iro  lio 

hine  vor  die  koniginne  do 

lilien  vnd  roselin 

Violen  vnd  ziteloselin 

vnd  allerhande  blumen 

warn  ir  da  zu  rumen  115 

zu  dinste  harte  wol  bereit 

sie  leiten   ir  an  das  wize  cleit 

sie  hatte  dinstes  keinen   bruch 

do  was  ouch  y  der  beste  geruch 

von  mirren  balsmen  aloe  120 

kardemümen  vnd  gamendere 

muschaten  vnd  nelekin 

cobebin  galgan  zinemin 

vnd  aller  adelicher  gesmag 

der  von  würzen  riechin  mag     125 

der  was  allersamt  da 


Do' 


mit  der  koniginne  sa 
die  himelische  schar 


Vorstehendes  bruchstück  wurde  mir  von  dem  besitzer,  Herrn 
geh.  wid  ober-regierungsrat  Franz  Liidwig  Mittler  in  Kassel  zur 
Veröffentlichung  freundlichst  überlassen,  es  ist  ein  pergamentdoppel- 
blatt ,  dessen  formal  35  X  25  cm.  ist.  jede  seite  hat  2  spalten  mit 
32  Zeilen,  die  schrift  ist  groß  und  deutlich  und  dürfte  dem  ende 
des  lAjhs.  angehören,  der  dialect  ist  hessisch,  wie  eine  auf  schrift 
besagt,  hat  das  pergament  als  deckenumschlag  einer  Lehen  Rechnung 
anno  1637  gedient  und  ist  in  folge  dieser  bestimmung  am  zweiten 
blatte  etwas  beschnitten  worden,  sodass  der  text  dadurch  betrof- 
fen wurde. 

Das  bruchstück  enthält  eine  reihe  gereimter  und  ungereimter 
gebete  und  war  wol  teil  einer  Sammlung  von  gebeten,  die  sich  ein 
reicher  herr  hat  zu  seinem  gebrauche  zusammenstellen  lassen,  viel- 
leicht auch,  wofür  das  format  spricht,  von  ofßciellem  liturgischen 
character.  dem  verf.  mögen  zum  teil  ältere  gebetsammlnngen  vor- 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  14 


202      BRUCHSTÜCKE  EINES  GEBETBUCHES 

gelegen  haben,  zum  teil  hat  er  auch  selbständig  aus  gedichten  excer- 
piert.  die  letzten  stücke  von  Abir  von  vnserm  h^Q  ab  sind  der 
Erlösung  entnommen,  das  erste  gebet  Nu  helfet  mir  alle  biten 
got  entspricht  dem  Schlüsse  der  Erlösiing  von  6568  an.  Kunde 
ich  nfl  wirdigliche  kosen  bis  saget  im  ich  sie  von  minnen  halt 
ist  =  Erlös.  5614  —  5648  und  die  fortsetzung  =  Erlös.  blObff. 
um  die  beiden  stellen  in  eins  zu  verbinden,  brauchte  der  ver- 
fertiger des  gebetbuches  in  der  zeile  der  Erlös,  daz  ich  si  von 
minnen  kranc  statt  kranc  nur  halt  zu  schreiben. 

Ob  das  zweite  prosaische  gebet  des  bruchstückes ,  dessen  her- 
sagen einen  ablass  von  6600  tagen  gewährt,  so  loie  es  ist,  als 
vollständig  gelten  kann,  erscheint  mir  zweifelhaft,  da  die  bitte  fehlt, 
im  Hortulus  anime  teutsch,  wo  es  fast  wörtlich  ebenso  lautet,  schliefst 
sich  als  bitte  an:  in  der  liebe  bitte  ich  dich  aller  miltester  iesu 
in  der  dein  minsammes  hertze  brach:  dz  du  mir  genedig  seyest 
über  meiner  Sünde  manigfaltigkeit,  vnd  ein  heihges  vii  seliges 
end  meines  lebens,  vnud  auch  ein  wunnekliche  vnd  fröliche  vff- 
erstenntniss  durch  deyne  allermilteste  barmhertzigkeyte  mir  ver- 
leyhen  wollest.  Der  du  mit  gott  dem  vatler  vnd  dem  heiligen 
geyst  lebest  vnd  regnierest  in  ewigkeyt.  Amen,  hier  werden  dem 
Sünder  jedoch  blofs  5475  tage  ablass  zugebilligt. 

Ich  möchte  hieran  eine  kurze  nachricht  von  einer  interessanten 
hs.  anschliefsen ,  die  meinem  freunde  Edward  Schröder  durch  die 
liebenswürdigkeit  des  besitzers,  herrn  pro  f.  Alfred  Schöne  in  Göt- 
tingen ,  zugänglich  gewordeti  ist.  es  ist  ein  niederrheinisches  gebet- 
buch  des  14/15j7is.  auf  pergament  in  kleinstem  octav  und  enthält 
vor  einer  reihe  von  gebeten  ebenfalls  ablassversprechen  mit  roter 
Schrift,  diese  ablassversprechen  sind  dann  aber  später  mit  schwarzer 
tinte  überzogen,  jedoch  fast  immer  noch  leserlich,  und  zum  teile 
gar  herausgeschnitten,  wodurch  die  hs.  culturhistorisches  interesse 
gewinnt. 

Münster.  KARL  KOCHENDÖRFFER. 


HELIAND  V.  2. 

Es  war  mir  aufgefallen  dass  neben  den  verschiedenen  er- 
gänzungsversuchen  niemand  auf  den  gedanken  gekommen  zu  sein 
schien,  dem  schlechten  verse  2  des  Heliand  durch  die  Streichung 


HELIAND  V.  2  203 

von  Word  godes  aufzuhelfen,  nachträglich  sah  ich  —  zuerst  aus 
der  entgegDung  von  Sievers,  Beitr.  10,  587  —  dass  derselbe  Vor- 
schlag schon  von  Schumann  Germania  30,  65  gemacht  war,  es 
ist  wol  der  mühe  wert  die  gründe  für  und  wider  einmal  ein- 
gehender zu  erwägen. 

Sievers  wirft  zunächst  ein  dass  der  vers  that  sia  bigunmm 
reckean  that  girüni  'mit  nichten  ein  normaler  erster  halbvers'  sei. 
'reckean  that  girünf  sagt  er  'ist,  wie  sich  jetzt  nach  meinen  uoler- 
suchungen  über  die  rhythmik  des  germanischen  allitterationsverses, 
Beitr.  x  209  ff.  451  ff  ergibt,  ein  vers  des  typus  A  mit  doppelaliit- 
teration,  und  solche  verse  werden  im  Heliand  nicht  mit  auftacten 
von  der  länge  versehen,  wie  sie  Schumann  annimmt.' 

Es  ist  wahr,  die  verse,  welche  gewöhnlich  als  beispiele 
langer  auftacte  im  Heliand  angeführt  werden,  haben  keine  dop- 
pelte allitteration ,   oder  gehören  nicht  dem  typus  A  (grundform 

—  X  I — X)  au;  vgl.  auch  144  hwanda  wit  habdiin  aldres  er; 
228  ac  wita  is  thana  fader  frdgon;  1875  so  sculun  gi  undar 
iuuua  fiund  faren;  2270  so  huene  so  thar  mid  hluttru  hugi;  2402 
bigan  imu  an  themu  wege  imahsen;  2505  that  he  it  gio  an  is 
hertan  gihngid  (die  vorschlage  von  Boediger  und  Behaghel  gihugdi, 
gihugda  werden  durch  diese  Zusammenstellungen  nicht  empfohlen); 
5427  thxio  uuard  thes  thie  uuredo  ginuaro.  auch  hierin  liegt 
eine  treffende  bestätig ung  für  Sievers  schöne  resultate.  aber  bei 
dem  geringen  werte,  den  die  Senkungen  im  Heliand  beanspruchen, 
würden  auch  verse  des  typus  A  mit  doppelallitteration  und  doch 
langem  auftacte  nicht  besonders  auffallen,  sie  fehlen  denn  auch 
in  der  tat  nicht  ganz:  545  folgodun  e'non  berehton  bökne;  2110 
than  is  sdn  thiu  lefhed  löset,  4860  biforan  theru  derebeon  dddi; 
5419  hwö  thiu  thiod  habda  dnomos  adelid.  beweiskräftig  sind 
auch  die  zum  gesteigerten  typus  D  resp.  E  zu  stellenden  verse 
3990  weldun  thi  mit  stenon  starcon  awerpan;  5975  söhta  imo 
that  hüha  himilo  riki;  5693  gengun  imo  mid  nithscipiu  ndhor. 
die  beispiele  haben  zum  teil  gleich  viele  —  sia  einsilbig  gefasst 

—  und  gleich  schwere,  oder  schwerere  silben  im  auftact. 

Ad  zweiter  stelle  läugnet  Sievers  'dass  Seh.  im  rechte  ist, 
wenn  er  sagt,  dass  wir  nach  der  Streichung  von  word  godes  einen 
völlig  genügenden  und  treffenden  ausdruck  für  den  hauptinhalt 
des  Heliand  haben.'  dem  gegenüber  hebe  ich  hervor  dass  wir 
mit   der  Streichung  eine  wörtliche  Übersetzung  der  quellenstelle 

14* 


204  HELIAND  V.  2 

gewinnen,  die  nichts  mehr  hat,  als  conati  sunt  ordinäre  narra- 
tionem  quae  in  nohis  completae  sunt  rerum.  durch  die  Zusätze 
des  dichters  wird  dies  genügend  verlebendigt  und  ausgeschmückt; 
ich  hegreife  darum  nicht  Sievers  worte:  'es  zeugt  wahrlich  von 
geringem  Stilgefühl,  wenn  die  magere  zeile,  die  Seh.  durch  seine 
tilgung  herstellt,  nicht  als  dürftig  und  ihrer  Umgebung  unange- 
messen empfunden  wird.' 

Drittens  meint  Sievers:  'warum  soll  denn  nicht  gleich  der 
anfang  eines  werkes  eine  'solche'  lücke  zeigen?  haben  wir  zb. 
nicht  im  Hildebrandslied  genau  das  nämliche?  und  können  wir 
das  argument  Schumanns  nicht  ad  libitum  umkehren,  und  sagen, 
es  sei  'eine  immerhin  auffallende  erscheinung',  dass  gleich  der 
anfang 'dieses  Werkes  eine  'solche'  interpolation  erfahren  habe'?' 
man  braucht  auf  dieses  argument  von  Seh.  kein  besonderes  ge- 
wicht zu  legen,  fühlt  sich  jedoch  zu  den  gegenfragen  gedrängt: 
ist  es  denn  einerlei,  ob  jemand  ein  werk  nach  einer  ihm  vor- 
liegenden hs.  copiert,  oder  ob  er  ein  ihm  nicht  mehr  ganz  gut 
erinnerliches  lied  nach  dem  gedächtnis  aufzuzeichnen  versucht? 
und  darf  man  das  unbeabsichtigte  überspringen  einiger  worte  mit 
demselben  mafsstabe  messen,  wie  eine  interpolation,  die  doch 
mit  Überlegung  geschieht? 

Ich  nehme  also  gleichfalls  an  dass  der  Schreiber  von  C  in 
seiner  vorläge  fand  that  sia  bigunmm  reckean  that  girüni,  worauf 
that  thie  rikeo  Crist  als  2  halbzeile  reimte,  dazwischen  ist  nun 
Word  godes  aus  zeile  7  geraten,  wahrscheinlich  absichtlich  und 
durch  den  Schreiber  von  C  selbst,  dieser  hat  sich  ja  nicht  selten 
Zusätze  erlaubt,  vgl.  Sievers  Zs.  19,  63.  hier  motiviert  Sievers  die 
einschiebung  von  suno  drohtines  in  v.  1049  damit:  'der  Schreiber 
übersah  wol  die  richtige  allitteration  helandan :  hugi  und  schob 
die  citierten  worte  mit  rücksicht  auf  den  vorhergehenden  vers 
mit  s-allitteration  ein.'  noch  gröfsere  willkür  legt  er  ihm  v.  5200 
zur  last.  M  liest  werden  mid  wdpnun  an  themu  loihdage,  C  statt 
dessen  werthan  mid  wdpnon  an  them  wihdage  huand  it  ni  wdri 
iro  giwono.  Sievers  betrachtet  den  causalsatz  als  einschiebsei  von 
C;  'der  Schreiber  von  C  scheint  werthan  zum  vorhergehenden 
verse  gezogen  und  die  dadurch  entstehende  vermeintliche  lücke 
durch  jene  unpassenden  worte  ausgefüllt  zu  haben  (werthan jj mid 
wdpnon  an  them  loihdage  j  hwand  it  ni  wdri  iro  giwono).'  es 
wäre  ungefähr  ganz  dasselbe,  wenn  er  bei  v.  2  in  der  eile  über- 


HELIAND  V.  2  205 

sehen  hätte  dass  that  sia  bigimnun  als  auftact  zu  den  folgenden 
Worten  gehörte  —  was  um  so  leichter  geschehen  konnte,  wenn 
er  bigunmm  als  vollverbum  fasste  —  und  er  dann  auf  eigene 
faust  dem  vermeintlich  ersten  halbverse  den  reimenden  word  godes 
hinzugefügt  hätte,  die  conjectur  an  der  einen  stelle  wird  durch 
die  an  der  anderen  gestützt,  und  in  beiden  von  C  fabricierten 
halbversen  steht  z.  ^  als  hauptstab  am  Schlüsse  1 

Die  gründe  sind  denn  doch  nicht  so  von  der  band  zu  weisen, 
die  diese  emendation  empfehlen  und  in  frage  stellen,  ob  man 
die  notbehelfe  noch  gelten  lassen  solle,  als  welche  man  die  er- 
gänzungsversuche  sich  wol  gefallen  lassen  konnte,  einen  höheren 
anspruch  können  sie  jedesfalls  nicht  machen,  sie  sind  'unbeweis- 
bar', wie  Schumann  mit  recht  sagt,  sie  sind  nicht  einmal  durch 
schlagende  analogien  empfohlen,  und  in  der  tat  scheint  man 
mir  die  vorhandene  Verderbnis  zu  allerletzt  daraus  erklären  zu 
dürfen,  dass  ein  oder  zwei  Wörter  am  anfang  des  gedichtes  zu- 
fällig ausgelassen  worden  seien,  oder  dass  gar,  wie  Sievers  vor- 
aussetzt, daneben  auch  noch  Umstellung  stattgefunden  habe. 

Trifft  Schumanns  Vorschlag  das  richtige,  so  haben  wir  einen 
kräftigen  beweis  mehr  dafür,  wie  schlecht  der  Schreiber  von  C, 
der  wenigstens  in  der  nähe  des  fränkischen  gebietes  safs,  sich 
auf  allitteration  verstand,  nicht  lange  nach  der  zeit,  da  man  bei 
den  benachbarten  Sachsen  die  innerlichsten  gesetze  derselben 
noch  lebendig  fühlte,  einem  Angelsachsen  dürfen  wir  diese 
äufserungen  eines  gänzlichen  mangels  an  Verständnis  der  kunst 
nicht  zuschreiben ,  sie  sind  vielmehr  für  die  geschichte  dieser 
dichtungsart  in  Deutschland  von  interesse. 

Bonn,  november  1886.  JOHANNES  FRANCK. 


ERO. 

Ahd.  ero  im  Wessobrunner  gebet  hatte  bisher  nur  einen 
anhält  an  ere  der  Wiener  Genesis  (Fundgruben  ii  74, 14  und  Diemer 
104,  16).  ich  habe  im  Korrespondenzblatt  des  Vereins  für  nieder- 
deutsche Sprachforschung  x  29  auf  erende  :  fines  (terrae)  GlI. 
Lipsii  261  (Heyne)  aufmerksam  gemacht  als  ein  wort,  welches 
in  seinem  ersten  bestandteile  dies  selbe  ero  enthält,  hierzu  kommt 
ein  neuer  beleg:   Fischer,  Das  hohe  lied  des  Brun  von  Schone- 


206  ERO 

beck  (Germ.  abh.  vi)  führt  s.  32  ere  —  durch  den  reim  gesichert  — 
als  die  einzige  form  an,  welche  ausfall  des  d  nach  r  zeige,  aber 
der  dichter  hat  sonst  d  nach  r  erhalten  nach  ausweis  der  von 
Fischer  daselbst  angeführten  reime  herverden  :  werden ,  leheharde 
:  warde,  virde  :  zirde,  orden  :  worden,  norden  :  worden,  worden :  bor- 
den.    wir  haben  also  dies  ere  zu  ahd.  ero  zu  stellen. 

Mit  der  gleichsetzung  dieser  formen  ist  zugleich  gesagt,  dass 
ero  als  starkes  femininum  aufzufassen  ist  =  griech.  ega.  wir 
haben  hier  einen  von  den  lautgesetzlich  zu  erwartenden  west- 
germ.  nominativen  auf  ~u.  bekanntlich  ist  das  -u  der  endung 
gemeinwestgermanisch  nach  langer  silbe  abgefallen,  nach  kurzer 
jedoch  erhalten,  im  ahd.  ist  zwar  dies  Verhältnis  durch  das  ein- 
dringen der  accusativform  auf  -a  verloren  gegangen;  wir  haben 
aber  noch  spuren  des  ursprünglichen  zustandes.  aufser  den  be- 
kannten fällen  eines  endungslosen  nominativs  wie  buoz,  halb  udgl. 
—  vgl.  Braune,  Ahd.  gramm.  §  207  anm.  2  —  gehören  hierher 
die  wenig  beachteten,  aber  in  ältester  zeit  gar  nicht  so  selten 
vorkommenden  nominative  auf  -u,  -o.  Kögel,  Keronisches  glossar 
s.  149  hat  folgende  accusative  sing,  auf  -o :  gamahhido  Pa.  8,  12; 
scerco  Pa.  34,  14;  manaliho  Pa.,  manaUhho  Gl.  K.  186,  37;  moaz- 
zico  Gl.  K.,  muazigo  Ra.  208,  6;  aßerhlaibo  Ra.  233,  35;  mana- 
Uhho Gl.  K.,  manaliho  Ra.  248,  3 ;  nnuuatlihho  Gl.  K.,  iinuuald- 
liho  Ra.  263,  33;  ferner  s.  175  von  adjectiven  die  nominal  flec- 
tierten  nominative  sing.  fem. :  salauuo  (salno),  souuarzo  (suarzo), 
finstre  (finistro),  tunclo  (timchlo)  Pa.,  Gl.  K.,  Ra.  12,  11 — 14  und 
wahrscheinlich  auch  uuislihho  Gl.  K.  260,  16;  ebenso  s.  176 
nach  nominaler  flexion  den  nom.  sing.  fem.  eimi  Gl.  K.  255,  1 
=  einu  Murbacher  hymnen  10,  4,  2.  dass  die  lautgesetzlich  nur 
dem  nom.  zukommende  form  auf-w,  -o  auch  auf  den  acc.  über- 
tragen wurde,  ist  nicht  wunderbar,  setzt  doch  die  spätere  allein- 
herschaft  der  accusativform  eine  zeit  voraus,  in  der  beide  formen 
durch  einander  geworfen  waren. 

Auffällig  scheint  das  -o  der  endung  für  eine  so  frühe  zeit 
zu  sein,  allein  das  Wessobrunner  gebet  zeigt  auch  in  seo  und 
dino  ebenfalls  ~o  für  westgerm.  -u.  übrigens  kommt  ein  solches 
-0  selbst  in  der  ältesten  ahd.  zeit  gar  nicht  so  selten  vor.  ich 
führe  aus  dem  Keronischen  glossar  nach  Kögel  an:  1  sg.  praes. 
inginno  Gl.  K.  41,  23;  pinuerfio  Gl.  K.,  pmuerbio  Ra.  107,8; 
inhezzo  Gl.  K.  111,  14;  spano  Gl.  R.  177,  35;  kikhnntheo  Gl.  K. 


ERO  207 

211,29;  sab  Gl.  K.,  Ra.  239,  29 1;  iastr.  mezzo  Pa.  128,32; 
rehto  Gl.  K.  129,  31;  steteo  (i-siamm)  Pa.  116,  21.  22;  dat.  sing. 
fem.  stimno  Gl.  K.  79,  28;  acc.  sing.  fem.  die  oben  genannten 
formen;  ferner  von  adjecliven  dat.  sing.  fem.  uflihhero  Pa.  32, 30^; 
cascafanero  Pa.  116,  21;  kiscaffanero  Gl.  K.  117,21;  haohero  Pa. 
116,  22;  ferner  den  pronominalen  instr.  theo  Gl.  K.  179,  15. 

*  wol   nicht  zisceido  mit  Kögel  s.  179;   Ra.  247,  9  steht  zisceidu; 
Graff  Diutiska  i  273'  hat  freilich  auch  zisceido. 
2  nicht  mit  Kögel  s.  176:    Pa.  22',  31.  32. 

Leipzig,  den  11  juli  1886.  OTTO  BREMER. 


NAHANARVALI. 

Zs.  9,  255  erkannte  Müllenhoff  in  dem  namen  Nahanarvali 
die  um  das  suffix  al  vermehrte  wurzel  narv  (alts.  naru,  ags. 
7iearo  enge;  ags.  nearvian  bedrängen;  nord.  Nörvi).  den  ersten 
compositionsteil  anlangend  warf  er  die  frage  auf,  ob  nicht  naha 
aus  nava  (got.  naus)  verderbt  sei,  und  verwies  auf  die  Schreibung 
Nahanarvali. 

Ich  glaube  dass  Müllenhoff  in  der  tat  das  richtige  vermutet 
hat,  nur  sind  wir  nicht  mehr  genötigt,  die  schlecht  beglaubigte 
lesart  Nahanarvali  zu  hilfe  zu  rufen,  da  nach  den  ausführungen 
von  Sievers  Beitr.  v  149,  Paul  ebenda  vi  538,  Ostholf  ebenda 
vni  256  ff  eine  form  naha  mit  got.  naus  vereinbar  ist:  naha  aus 
*ndhwa  aus  nokhw;  naus  aus  *nawis  aus  *na'5ivis  aus  *nokhjis. 
vgl.  zd.  na^u,  gr.  vä'/.vg. 

Darnach  hiefse  Nahanarvali  'totenbedränger'  (der  erste  be- 
standteil  als  modale,  nicht  als  objective  bestimmung  zum 
zweiten  gefasst),  'totenkämpfer'. 

Dazu  stimmt,  was  Tacitus  Germ.  c.  43  von  den  Hariern  be- 
merkt: ceternm  Earii  super  vires,  quibus  enumeratos  paulo  ante 
populos  antecedunt,  truces  insitae  feritati  arte  ac  tempore  leno- 
cinantur.  nigra  scuta,  tincla  corpora,  atras  ad  proelia  noctes 
legunt,  ipsaque  formidine  atque  umbra  feralis  exercitns  terrorem 
inferunt  nullo  hostium  sustinente  tiovtim  ac  velut  infernum  aspectum. 

Dass  dies  nur  von  den  Hariern  berichtet  wird,  kann  bei 
den  innigen  gegenseitigen  beziehungen  der  lugischen  Völker- 
schaften nicht  beirren. 


208  NAHANARVALI 

Durch  die  vorgetragene  deutung  ergibt  sich  auch  eine  deut- 
liche Übereinstimmung  in  namen  und  Vorstellungen  mit  dem 
nordischen  mythus  von  Nörvi  (wurzel  narv  s.  oben  und  Müllen- 
hoff  Zs.  9,  255),  dem  vater  der  Nött  und  bruder  der  Hei  (vgl. 
-narmli,  —  atras  ad  proelia  noctes  legnnt,  feralis  exercüus,  infernus 
aspectus).     darnach  hätte  -narmli  eine  mythische  bedeutung. 

Der  mythus  Snorra  Edda  i  138  c.  43,  wonach  das  tolenschiff 
Naglfar  aus  den  nageln  der  verstorbenen  bestand,  trägt  den 
Stempel  der  unursprünglichkeit  an  sich;  er  wäre  nur  dann  ver- 
ständlich, wenn  eine  langwierige  und  mühevolle  arbeit  damit  ver- 
sinnlicht  werden  sollte,  die  Schwierigkeit  entfallt,  sobald  man  als 
grundform  Kwnagl  ein  *na'Swäl  ansetzt,  sodass  das  wort  ursprüng- 
lich 'totenschifl"  bedeutete,  und  der  mythus  von  dem  materiale, 
aus  dem  das  schiff  verfertigt  war,  auf  ein  misverständnis  des 
ersten  compositionsgliedes  nagl  zurückgeht,  von  dem  schiffe  er- 
hielt der  mann  der  Nött  den  namen  Naglfari,  Sn.  Edda  i  55  c.  10. 
ich  verdanke  diese  bemerkung  über  Naglfar  einer  mitteilung  herrn 
prof.  Heinzeis. 

Vielleicht  gehört  hierher  auch  der  name  der  göttin  Neha- 
len(n)ia  (s.  Brambach  Corp.  insc.  Rhen.),  der  dann  die  dem  vocale 
nach  genauere  entsprechung  des  gr.  j^r/tg  repräsentierte. 

Die  reguläre  nordische  entsprechung  eines  nehal  wäre  nidl, 
als  fem.  niöl;   die  nordische  entsprechung  eines  nahal  wäre  ndl. 

Beide  worte  kennt  die  nordische  mythologie:  Niöl  als  bei- 
namen  der  Nött,  s.  Alvlssmdl  30,  Snorra  Edda  ii  485,  569;  Ndl 
als  mutler  Lokis  und  Helblindis  (sonst  Laufey). 

Wien,  27  november  1886.  FERD.  DETTER. 


VIERZEILIGE  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS 
EVANGELIENBUCH. 

Dass  Otfrid  eine  composition  in  vierzeiligen  abschnitten  an- 
strebte und  durchführte,  lehrt  ein  blick  in  die  capitel  i  3,  i  4  ua. 
und  macht  der  umstand  erklärlich,  dass  er  den  Prudentius  als 
muster  und  quelle  benutzte,  wie  ich  es  für  dessen  Diptychon  Zs. 
29,  342  ff  des  näheren  nachwies,  wie  weit  aber  die  anwendung 
dieser  strophenform  geht,  zu  welcher  zeit  des  Schaffens  0.  sie 
erstrebte,  ob  gleich  zuerst  oder  später,  ob  noch  zuletzt,  darüber 
hat  zwar  Erdmann  bemerkungen  fast  zu  jedem  capitel  in  seinem 


VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENBÜCII   209 

commentar  gemacht,   aber  aus  ihnen  kann    man  eine  bestimmte 
ansieht  nicht  herauslesen. 

Leider  hat  0.  selbst  über  diesen  punct  in  der  Zuschrift  an 
Liutbert  sich  nicht  ausgesprochen,  denn  die  worte  z.  85:  sensus 
enim  hie  interdum  ultra  duo  vel  tres  versus  vel  etiam  quattuor 
debet  esse  suspetisus.  ut  legentibus  .  .  .  apertior  fiat  sind  bisher 
falsch  verstanden  worden.  E.  sagt  dazu:  'als  bemerkenswerte 
ausnähme  bezeichnet  0.  es  also,  wenn  der  Zusammenhang  der 
Sätze  über  zwei  oder  sogar  über  drei  und  vier  versus  hinausgeht, 
er  kann  deshalb,  wie  Kelle  i  94  richtig  gegen  Wackernagel  be- 
merkt, mit  versus  nur  langverse  bezeichnen.'  so  aufgefasst  müste 
diese  stelle  bei  der  frage  nach  der  abrundung  zu  vierzeiligen  ab- 
schnitten in  betracht  kommen,  allein  was  sensus  und  versus  be- 
zeichnet, welches  der  sinn  der  stelle  ist,  lässt  sich  nur  aus  dem 
vorhergehenden  erkennen.  0.  belehrt  von  z.  74  ab  den  leser 
über  den  reim  mit  besonderer  berücksichtigung  des  lauten  Vor- 
trags: series  scriptionis  hnius  Schema  omoeoteleuton  assidue  quaerit 
und  z.  82 :  quaerit  linguae  huius  ornatus  et  a  legentibus  sinali- 
phae  lenem  et  conlisionem  lubricam  praecavere  et  a  dictantibus 
omoeoteleuton  (id  est  consimilem  verboriim  terminationem)  obser- 
vare.  setisus  enim  usw.  der  Zusammenhang  der  gedanken  ist 
also  folgender:  'die  characteristische  form  dieses  deutschen  ge- 
dichts  ist  der  reim,  derselbe  muss  daher  durchaus  zur  geltung 
kommen,  die  leser  und  dichter  dürfen  ihn  des  sinnes  wegen 
durchaus  nicht  übersehen  oder  vernachlässigen,  denn  der  sinn 
erstreckt  sich  oft  über  zwei  oder  drei  verse.'  —  es  liegt  offenbar 
ein  gegensatz  zwischen  reim  und  sinnesabschluss  vor.  jener  ist 
an  diesen  nicht  gebunden,  sondern  muss  an  der  ihm  gehörenden 
stelle  eintreten  —  so  ist  aptam  sonoritatem  (z.  76)  mit  Lachmann 
und  E.  zu  verstehen  — ,  während  der  sinn  oft  in  den  zweiten 
oder  dritten  oder  vierten  vers  hinein  über  den  einen  vers,  d.  i. 
über  den  reim  hinausgeht,  da  nun  der  reim  am  ende  jedes  halb- 
verses  steht,  so  hat  0.  unter  versus  eben  den  halbvers  verstanden, 
über  den  der  Zusammenhang  der  worte  (so  übersetzt  E.  an  anderer 
stelle  richtig)  hinausgeht.  0.  war  sich  dessen  bewust,  was  jeder 
auch  aus  dem  Vortrag  moderner  dichtung  kennt,  dass  der  reim 
dann  am  besten  zur  geltung  kommt,  wenn  mit  ihm  eine  sinnes- 
pause  eintritt,  zwingt  aber  der  Zusammenhang  der  worte  in  den 
nächsten  vers  ohne  pause  hineiuzulesen,  so  kann  man  durch  ge- 


210  VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENBUCH 

hobenere  betonung  doch  noch  dem  reim  gerecht  werden.    0.  denkt 
an  verse  wie: 

I     5,  61  nust  siu  gihnrdinot  thes    kindes  so  dinres; 

14,    3  then  situ  ouh,  then  io  thie  altun    fordoron  irvultun; 

23,  52  ouh  harto  gislimit     tliemo,  then  si  rinit; 

25,  20  ih  wane,  therer  fülle    allaz,  thaz  ih  wille; 
4,  14  then  Hut,  ther  ginada     tharuze  beitota; 
IV  27,    3  leitun  sie   ouh  tho   thare     scachara  urmare 

zwene  zi  themo  wize,     thie  stalun  er  zi  flizeA 
die   stelle   der  vorrede  muss   also  bei  der  frage   nach   der  vier- 
zeiligkeit  aufser  acht  bleiben. 

Was  sollen  wir  aber  unter  abrundung  zu  vierzeiligen  ab- 
schnitten verstehen?  muss  durchaus  immer,  wenn  wir  von  ihr 
sprechen  wollen,  am  ende  des  vierten  langverses  satz  und  Zu- 
sammenhang abschliefsen  ?  wir  nehmen  unsere  Zuflucht  zu  Pru- 
dentius,  O.s  muster,  und  sehen  nach,  wie  er  seine  längeren  ge- 
dichte  anlegte.  Prudentius  hat  den  Horatius  in  seinen  versmafsen 
nachgeahmt,  und  dass  dieser  alle  seine  öden,  auch  die  in  stichi- 
schen Versen,  aus  vierzeiligen  Strophen  zusammengesetzt  hat,  ist 
jetzt  feststehende  tatsache,  so  sehr  dieselbe  auch  früher  ange- 
zweifelt wurde,  aber  natiirhch  war  dies  erst  damit  bewiesen, 
dass  die  zahl  der  echten  verse  sich  durch  4  teilen  liefs.  auch 
die  hymnen  des  Prudentius,  in  denen  derselbe  vers  immer  wider- 
holt wird,  bestehen  aus  vierzeiligen  Strophen,  und  das  ist  das 
erste  und  wichtigste,  so  einfach  es  auch  klingen  mag,  was  ich 
E.  gegenüber  betone,  entweder  ist  ein  capitel  vierzeilig  oder 
nicht,  man  kann  zb.  nicht  sagen  dass  ein  capitel  vierzeilig  sei 
mit  ausnähme  von  zwei  versen,  wenn  diese  verse  ganz  notwendig 
sind  für  den  Zusammenhang  und  von  vorn  herein  dazu  gehört 
haben,  will  man  bei  einem  capitel  von  versen  absehen,  so  muss 
man  sie  als  später  hinzugefügt  nachweisen  können,  hat  das 
capitel  von  vorn  herein  eine  zahl  von  versen  gehabt,  die  durch 
4  nicht  teilbar  ist,  so  ist  es  nie  vierzeilig  gewesen. 

Es  ist  allerdings  nicht  nötig,  dass  am  ende  eines  vierzeiligen 

*  0.  scheint  hier  und  da  absichtlich  eine  pause  durch  ein  eingeschobenes 
so  hergestellt  zu  haben:  Ludw.  17  deiner o  githanko  so  ist  ther  selbo 
Franko  uö,;  oder  dadurch,  dass  er  das  Substantiv  durch  das  pronomen  wider- 
aufnimmt: in  18,49  Abraham  ther  allo  er  blidta  sih  thes  ha7'to;  iv  32,2 
theso  selbu?i  quisti  thio  ruartun  iro  brusti. 


VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENBUCH   211 

abschnitts  auch  der  Zusammenhang  der  sätze  abgeschlossen  ist. 
das  hat  weder  Horatius  ängstlich  durchgeführt  noch  auch  Pru- 
dentius.  bei  diesem  begegnet  uns  im  Liber  cathemerinon  an 
erster  stelle  ein  im  iambischen  dimeter  verfasster,  aus  25  vier- 
zeiligen  Strophen  bestehender  hymnus,  und  zweimal  geht  in  ihm 
der  Zusammenhang  über  die  Strophe  hinaus: 

suadet  quietem  linquere 

iam  iamqne  venturo  die, 
21   Ut,  cum  coruscis  ßatibus 

aurora  caeluni  sparserit, 

omnes  lahore  exercitos 

conformet  ad  spem  himinis. 
ebenso  v.  32.  der  zweite  hymnus  enthält  28  Strophen  desselben 
versmafses,  in  denen  kein  mal  der  sinn  in  die  nächste  Strophe 
sich  hinein  erstreckt,  im  fünften  hymnus,  der  in  asklepiadeen 
gedichtet  ist,  wird  bei  41  Strophen  zweimal  die  regel  verletzt ,  in 
den  29  Strophen  des  elften  hymnus  dreimal;  der  achte  hymnus 
ist  in  der  sapphischen  Strophe  gedichtet,  dreimal  ist  der  sinn 
mit  ihr  nicht  abgeschlossen,  es  will  also  gegen  die  vierzeiligkeit 
nichts  besagen,  wenn  hier  und  da  der  Zusammenhang  über  4  lang- 
verse  sich  hinaus  erstreckt. 

Untersuchen  wir  nun  die  vierzeiligkeit  bei  0.,  so  ist  zunächst 
festzustellen  dass  er  sie  in  der  letzten  periode  seines  Schaffens  auf- 
gegeben hatte,  denn  bei  den  capiteln,  die  übereinstimmend  zu  den 
letzten  partien  gerechnet  werden ,  kann  von  einer  Zerstörung  der 
vierzeiligkeit  durch  spätere  redaction  nicht  mehr  die  rede  sein, 
und  diese  sind  nicht  mehr  vierzeilig.  so  hat  iv  1  eben  54  verse. 
E.:  'vierzeilig  aufser  9 — 10,  gewandter  periodenbau  1 — 10. 
37 — 46.'  das  heifst  für  uns:  nicht  vierzeilig.  il  hat  126  verse, 
und  hier  spricht  auch  E.  nicht  von  vierzeiligen  abschnitten,  v  25: 
'anfangs  gehören  je  sechs,  später  meist  je  vier  zeilen  zusammen.' 
auch  in  den  Widmungen  ist  die  vierzeiligkeit  'nicht  ganz  durch- 
geführt'; hier  kam  es  freilich  dem  0.  nur  darauf  an,  das  akro- 
stichon  zu  ermöglichen,  in  späterer  zeit  des  Schaffens  also  war 
dem  0.  an  durchführung  der  vierzeiligen  gliederung  nichts  mehr 
gelegen,  er  hatte  sie  als  ein  unbequemes  gewand  abgetan,  er 
hat  nun  aber  doch  einmal  darin  gedichtet,  und  wir  vermuten, 
dass  er  zu  anfang  seiner  arbeit  sie  erstrebt  hat.  und  das  muss 
im  gründe  auch  E.s  meinung  sein,  wenngleich  er  zu  cap.  i  6,  das 


212  VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENßUCH 

auch  er  zu  der  ältesten  partie  rechnet,  bemerkt  'die  einfache  aus- 
führung  in  kurzen  Sätzen  ohne  vierzeilige  gliederung  sind  zeichen 
früherer  abfassung.'  sagt  er  doch  zu  c.  10:  'zu  den  ältesten 
abschnitten,  doch  ist  er  vierzeilig';  zu  c.  14 — 16,  welche  auch 
in  diese  periode  des  dichtens  gehören,  heifst  es:  'diese  drei  zer- 
fallen auch  deutlich  in  vierzeilige  abschnitte.'  wir  können  nun 
doch  wUrklich  nicht  glauben,  dass  0.  erst  zwei  oder  drei  capitel 
ohne  vierzeilige  abrundung  verfasst  habe,  und  dass  ihm  dann 
plötzlich  der  gedanke  gekommen  sei ,  seine  capitel  aus  vierzeiligen 
abschnitten  zusammenzusetzen,  allerdings  hat  0.  gleich  zuerst 
daran  gedacht  und  die  vierzeiligkeit  auch  durchgeführt,  das  sehen 
wir  aus  c.  i  3,  das  recht  eigentlich  nach  des  Prudentius  tetra- 
stichen  gedichtet  ist;  E.  hat  recht,  wenn  er  die  letzten  6  verse 
als  bei  der  schlussredaction  hinzugefügt  ansieht,  das  sehen  wir 
bei  c.  4  besonders  aus  dem  anfang,  wo  der  zweite  abschnitt  durch 
merkliche  füllung  abgerundet  ist,  auch  c.  9  ist  ganz  vierzeilig, 
wenn  auch  E.  bemerkt:  'vierzeilig  aufser  9 — 10.  27 — 28.'  es 
macht  eben,  wie  wir  bei  Prudentius  sahen,  nichts  aus,  wenn 
bei  V.  12  der  Zusammenhang  nicht  abgeschlossen  ist,  sondern  in 
den  nächsten  abschnitt  hinein  sich  erstreckt,  und  wenn  die  ab- 
schnitte in  der  mitte  auch  nicht  so  gut  abgerundet  sind,  auch 
c.  13  mit  seinen  24  versen  hat  0.  aus  vierzeiligen  abschnitten 
zusammengesetzt,  wenn  auch  einmal  die  regel  der  abrundung  nicht 
so  genau  gewahrt  ist  bei   v.  4 : 

thaz  wir  ouh  mit  then  gowon  thaz  gotes  wort  scowon, 
Thaz  druhtin  diian  wolta,  int  iz  hera  in  worolt  santa. 
da  im  übrigen  die  abschnitte  vorzüglich  als  vierzeilige  abgerundet 
sind,  ist  das  ganze  capitel  eben  vierzeilig  und  nicht:  '1  — 12 
sechszeilig,  13 — 24  vierzeilig  gegliedert.'  so  verhält  es  sich  auch 
mit  c.  14.  16.  20  und  c.  21,  wo  es  widerum  nichts  besagen 
will ,  wenn  über  v.  4  der  Zusammenhang  der  Sätze  sich  hinaus 
erstreckt  bis  v.  6.  auch  c.  24  ist  die  füllung  zu  vierzeiligen  ab- 
schnitten recht  merklich,  die  meisten  anderen  capitel  des  ersten 
buchs  sind,  so  wie  sie  uns  vorliegen,  nicht  so  einfach  vierzeilig; 
oft  lässt  die  zahl  der  verse  sich  durch  4  nicht  teilen,  und  doch 
müssen  die  capitel  zur  selben  zeit,  wie  die  vorhin  erwähnten, 
gedichtet  sein,  hier  wird  es  uns  möglich  sein,  durch  methodi- 
sches verfahren  die  vierzeiligkeit  zu  retten ,  wir  müsten  sonst 
überhaupt   verzweifeln    an   dem   versuch    uns   darüber   eine   be- 


VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENBUCH  213 

stimmte  ansieht  zu  verschaffen,  heginnen  wir  mit  c.  8.  E.  sagt: 
'auch  hier  nur  am  Schlüsse  25 — 28  vier  verse  zusammenhängend.' 
vielmehr  ist  von  v.  9  ah  die  vierzeihge  gUederung  deutlich,  in 
den  ersten  acht  versen  unterbrechen  v.  3 — 6: 

Ih  sagen  thir  in  loar  min,     si  ni  mohta  inberan  sin 

in  fluhti  joh  in  znhti,     theiz  alles  wesan  mohti; 
Onh,  so  iz  zi  thisu  wurti,     iz  diufal  ni  hifunti; 
joh  thiu  racha  sns  gidan     nam  thes  huares  thana  wan 
die  erzählung   recht  empfindlich;   sie   sind  gedichtet  nach  Bedas 
bemerkung  zu  dieser  stelle,     lassen  wir  sie  bei  seite,  so  lautete 
der  erste  abschnitt: 

Ther  man,  theih  noh  ni  sageta,     tlier  tliaz  wih  mahalta  — 
was  imo  iz  harto  nngimah,     tho  er  sa  hafta  gisah. 
7  Er  sia  erlicho  zoli,     in  Aegyptum  miti  ßoh 

joh  hrahta  sa  avur  thanne  zi  themo  ira  heiminge. 
die  Vermutung,  dass  0.  die  verse  3 — 6  zuerst  nicht  mit  den 
anderen  in  einem  zuge  mitgelesen  wissen  wollte,  sondern  sie  als 
anmerkung  neben  oder  unter  dem  text  gedacht  hat,  wird  bestätigt 
durch  c.  22.  und  wenn  vorher  jemand  denken  konnte,  dass  auch 
mit  jenen  vier  versen  noch  allenfalls  die  vierzeiligkeit  bestehen 
bliebe,  so  fällt  das  hier  fort,  denn  c.  22  hat  62  verse.  E.  sagt 
dazu:  'vierzeilige  abschnitte  1  —  52  und  55  —  62  merklich.'  da 
nun  aber  v,  53  und  54  die  antwort  Jesu  enthalten: 

Waz  ist,  quad  er,  so  hebigaz,     thaz  ir  mih  suahtut  hi  thaz? 
jah  limphit  mir,  theih  werbe     in  mines  fater  erbe, 
so  haben  sie  notwendiger  weise  zu  dem  ursprünglichen  bestände 
gehurt,  und  danach  hätte  hier  0.  die  vierzeiligkeit  nie  angewandt, 
aber  die  sache  verhält  sich  anders,     allerdings  müssen  von  den 
62  versen  2  oder  6  usf.  herausgenommen  werden,  und  wir  brauchen 
nicht  lange  zu  raten,    welche,     auch  hier   sind  vers  59  und  60: 
Er  wolta  unsih  leren,     loir  unsan  fater  eren, 
joh  thia  muater  tharmit;     bi  thiu  ist  iz  Mar  gibilidit 
nach  liedas  anmerkung   gedichtet:    ut  eins  videlicet  exemplis  ad- 
moniti,  quid  parentibus  debeamus,  agnoscamus.    freilich  steckt  Beda 
noch  einmal  in  diesem  capitel;  und  da  sind  es  vier  verse,  nach 
deren  herausnähme    die  vierzeiligkeit   somit  bestehen  bleibt   und 
unsere  annähme  bestätigt  wird,     ich  meine  die  verse  13 — 16: 
Ni  si  ihih  thes  wuntar,     thiu  wib  thiu  giangun  suntar; 
thie  gomman  fuarun  thanne     in  themo  afteren  gange  usw. 


214  VIERZEIL.  GLIEDERUNG  LN  OTFRIDS  EVANGELIENRÜCH 

in  der  form  werden  wir  an  8,  3  ih  sagen  thir  in  war  min 
erinnert  und  auch  so  sind  diese  stellen  als  erläuterungen  gekenn- 
zeichnet, die  zur  eigentlichen  erzählung  nicht  gehören. 

Zu   c.  12   sagt  E. :    'die  erzählung  1 — 24  ist  vierzeilig  ge- 
gliedert, die  erläuterung  und  der  erzählende  schluss  aber  nicht.' 
auch  der  letztere  teil  ist  von  0.  vierzeihg  gemeint,  denn  es  sind 
zwei  verse,  die  den  Zusammenhang  empfindlich  stören  und  eine 
erläuternde  anmerkung  nach  Gregors  Homil.  enthalten: 
31  Bisco f,  ther  sih  wachorot     uhar  kristinaz  thiot, 
ther  ist  oiih  wirdig  scones    engilo  gisiunes. 
den  letzten  vierzeiligen  abschnitt  bilden  dann: 

29  Wir  sculun  iiaben  thaz  sang,     theist  sconi  gotes  antfang, 

wanta  engila  utis  zi  bilide     brahtun  iz  fon  himile. 
33  Thie  engila  zi  himile     ßngun  singente 
in  gisiht  frono.     tJiar  zamun  se  scono. 
wenn  hierbei  das  enge  zusammenstehen  von  engila  fon  himile  und 
engila  zi  himile  auffallen  sollte,  so  ist  das  gerade  O.s  art  bei  einem 
vierzeiligen  abschnitt,     man  vergleiche  i  19,26: 

ni  scribn  ih  Mar  in  urheiz,     thaz  ih  giwisso  ni  weiz. 
Ob  ih  giwisso  iz  westi,     ih  scribi  iz  hiar  in  festi, 
i4,  77 — 80  und  andere  stellen,    so  wäre  die  erläuterung  gerade 
wie  auch  die  des  vorigen  capitels  ursprünglich  von  0.  als  vier- 
zeilige  verfasst. 

Zu  c.  15  sagt  E.':  'vierzeilige  gliederung  lässt  sich  1 — 48 
verfolgen.'  nun  sind  aber  gerade  49  und  50  nach  der  biblischen 
erzählung  gedichtet  und  haben  so  sicher  gleich  zur  erzählung 
dieses  capitels  gehört,  dass  wir  von  ihnen  nicht  absehen  können; 
wol  aber  von  v.  47 — 48: 

Thu  sihis  snn  liaban  zi  martolonne  ziahan, 
so  riuzit  thir  thaz  herza  thuruh  mihila  smerza, 
welche  gedichtet  sind  nach  Bedas  bemerkung:  quae  Christum  ut 
sua  carne  procreatum  non  sine  doloris  affectu  potuit  videre  cru- 
cifigi.  sonst  spricht  es  nicht  gegen  die  vierzeiligkeit,  dass  v.  16 
der  Zusammenhang  der  Sätze  nicht  abgeschlossen  ist.  dass  0. 
auch  in  c.  17  die  abrundung  zu  vierzeiligen  abschnitten  erstrebt 
hat,  erkennt  man  gleich  aus  dem  anfang,  wo  die  fiillung  der  ab- 
schnitte recht  merklich  ist.  so  geht  es  bis  v.  64  fort;  dann 
folgen  noch  zwei  verse  der  erzählung,  die  erst  v.  73  fortgesetzt 
wird,     dazwischen   steht  eine  deutung  von   6  versen ,   gedichtet 


VIERZEIL.  GLIEDERUNG  IN  OTFRIDS  EVANGELIENßüCH   215 

nach  Beda,  die  gewis  nicht  von  vorn  herein  so  hier  gestanden 
hat,  denn  sie  stört  den  fortgang  der  erzählung  empfindlich,  auch 
die  formel  ih  sagen  thir  thaz  in  wara,  mit  der  sie  beginnt  und 
die  gleich  ist  dem  vers  3^  in  c.  8:  ih  sagen  thir  in  war  min, 
fordert  uns  auf,  diese  verse  ebenso  wie  jene  als  anmerkung  auf- 
zufassen, dann  hat  c.  17  eine  erzählung  von  72  versen,  die  in 
lauter  vierzeilige  abschnitte  zerfallen. 

In  c.  23  ist,  wie  auch  E.  annimmt,  die  vierzeilige  gliederung 
durchgeführt;  nur  gehören  notwendig  zu  einem  abschnitt  zu- 
sammen V.  27  —  30: 

Thie  loega  rihtet  alle,     the  ze  herzen  in  gigange, 

mit  werkon  filu  rehten     so  ilet  sie  gislihten. 
Ob  iz  werde  wanne     thaz  er  tharana  gange, 
thaz  er  in  zi  grunne     tharana  ni  firspiirne. 
hier  wäre   also    die  vierzeiligkeit   gestört,   aber   diese  verse   sind 
nach  Beda  gedichtet  und  wir  haben  bei  der  frage   nach  der  ur- 
sprünglichen vierzeiligkeit  von  ihnen  abzusehen. 

Das  25  capitel  hat  30  verse,  ist  also  nicht  vierzeilig  und  ist 
es  nie  gewesen,  wenn  es  von  vorn  herein  aus  dieser  verszahl  be- 
stand, aber  die  eigentliche  erzählung  wird  unterbrochen  zunächst 
durch  v.  19  —  22,  welche  ebenso  wie  die  letzten  6  verse  nach 
des  Hrabanus  bemerkung  gedichtet  sind,  sehen  wir  von  ihnen 
ab,  so  haben  wir  abrundung  zu  vierzeihgen  abschnitten,  es 
spricht  nicht  dagegen,  wenn  erst  in  v.  25  steht:  er  was  dubun 
gilih,  was  man  vielleicht  in  der  erzählung  lesen  möchte,  hierauf 
wies  0.  eben  hin  in  v.  23 :  gisah  er  queman  gotes  geist  fon  himil- 
riche,  so  thu  weist  und  schloss  seine  erzählung  mit  v.  24: 
in  krist  er  sih  gisidalta,  so  slium  er  nan  gibadota,  wie  die  biblische 
vorläge  mit  venientem  super  se  endet. 

0.  hat  also  in  der  ersten  periode  seines  Schaffens  in  vier- 
zeihgen abschnitten  gedichtet  nach  dem  muster  Prudentii  cete- 
rorumqne  multorum,  qni  sua  lingua  dicta  et  miracula  Christi  de- 
center  ornabant. 

Greifswald.  WALDEMAR  OLSEN. 


216  ZU  OTFRID 


ZU  OTFRID. 

Im  schlusscapitel  seines  Werkes  (v  25,  1  ff.  97  ff)  vergleicht 
sich  Otfrid  mit  einem  schiffer,  der  glücklich  den  hafen  erreicht 
hat,  das  segel  niederlässt,  dessen  rüder  nun  am  ufer  ruhen  soll. 
PPiper  bemerkt  hierzu  in  seiner  ausgäbe:  'das  bild  macht  es 
mir  wahrscheinlich  dass  der  dichter  in  der  nähe  des  bodensees 
längere  zeit  verweilt  habe;  weder  in  Weifsenburg,  noch  in  Fulda, 
selbst  nicht  auf  dem  Oberrhein  bot  sich  gelegenheit  für  eine 
wasserfahrt,  wie  sie  hier  vom  dichter  im  gleichnis  geschildert 
ist.'  es  ist  ja  möglich  dass  Otfrid  einmal  oder  auch  öfter  'in 
der  nähe  des  bodensees',  in  SGallen  nämlich,  wie  das  Piper  gern 
beweisen  möchte,  sich  aufgehalten  hat,  allein  aus  dem  angeführten 
vergleich  im  letzten  capitel  folgt  dafür  gar  nichts,  das  hübsche 
bild  von  dem  heimkehrenden  schiffer  ist  nämlich  nicht  Otfrids 
eigene  erfinduug,  sondern  einer  alten  verbreiteten  schreiber- 
unterschrift  entlehnt,  über  deren  verschiedene  lateinische  und 
griechische  fassungen  mau  sich  bei  VVattenbach  Das  schriftvvesen 
im  mittelalter^  s.  231  ff  orientieren  kann,  wie  der  schiffer  sich 
freut,  den  hafen  zu  erreichen,  so  freut  sich  der  Schreiber  über 
die  Vollendung  des  buches. 

AIcuin  gehören  die  verse  (Dümmler  Poetae  latini  aevi  Ca- 
rohni  i284): 

Nauta  rndis  pelagi  ut  saevis  ereptns  ab  nndis 

In  portum  veniens  pectora  laeta  tenet: 
Sic  scriptor  fessus  calamum  sub  calce  laboris 

Deponens  liabeat  pectora  laeta  satis. 
nie  deo  dicat  grates  pro  sospite  vita, 
Proque  laboris  agat  iste  sui  requie. 
denselben  gedanken  drückte  VValahfrid  Strabo  aus  (Dümmler  n402) : 
Ut  gaiulere  solet  fessus  iam  nauta  labore, 

Desiderata  diu  litora  nota  videns: 
Haud  aliter  scriptor  optato  fine  libelli 
Exullat  viso,  lassus  et  ipse  quidem. 
Marburg  i/H.  8.  x.  86.  JOHANNES  STOSCH. 


DAS  HARBARDSLJÖD  217 


DAS  HARBARDSLJOB. 

Härbard,  den  namen  von  Thors  rätselhaftem  Widersacher, 
nach  welchem  unser  lied  benannt  ist,  hat  man  verschieden  ge- 
deutet. Uhland  (Schriften  6  s.  52)  erklärte  das  wort  als  'heer- 
schild'  von  einem  älteren  harr  =  herr  exercitus  und  einer  starken 
nebenform  zu  bardi  m.  clipeus,  wozu  sich  gut  das  deutsche  Her- 
bort fügen  würde,  in  dem  zweiten  teil  der  composition  scheint 
aber  das  sonst  durch  skegg  vertretene  seltene  neutrum  bard  barba, 
welches  in  starker  und  schwacher  form  vielfach  zu  Zusammen- 
setzungen benutzt  wird,  enthalten  zu  sein:  man  vgl.  die  analogen 
bildungen  HUbardr  Härbl.  20  'schattenbart'  (MüUenhoff  Runenl. 
s.  57),  Ldngbardr,  im  Eddubrot  heiname  Odins,  'barba  longa'  (Sn. 
E.  n  473.  556),  endlich  das  fem.  pnrrbord  'die  dürrbärtige',  eine 
der  troUkvennur  (Sn.  E.  i  553),  und  schwach  helugbardi  (Egilsson 
s.  322^).  die  erste  silbe  wird  nun  in  Grimms  Mythologie  m  56 
als  kurz  angesetzt  und  das  wort  als  flachsbart  (von  horr  linum) 
erklärt,  was  jedesfalls  ein  recht  nichtssagender  name  wäre,  ebenso 
wenig  dürfte  die  Egilssonsche  erkläruug,  die  auf  einer  hslichen 
Variante  (FAS  II  203,  3)  fufst:  Hardbardr  'barba  aspera,  hispida', 
der  gestalt  des  vornehmen  kriegsmanns  und  liebesabenteurers,  als 
welchen  sich  Härbardr  im  liede  geriert,  entsprechen,  demnach 
ist  die  deutung  'graubart'  von  hdrr  canus  gewis  die  einzig  be- 
rechtigte (Bugge  Edda  s.  97.  MüUenhoff  DA  5,  293.  Bergmann 
Das  Graubartslied  s.  76  f.  Vigfüsson  s.  774''),  weil  sie  sprachlich 
ohne  Schwierigkeit  ist  und  ein  wolpassendes  epitheton  für  den 
alten  tatenreichen  fergen  abgibt. 

Ferjukarl  nennt  die  prosaische  einleitung  den  Harbard  und 
fergendienste  verrichtet  er  auf  befehl  seines  herrn  (v,  3.  7.  52.54):i 
das  lied  deutet  aber  zugleich  selbst  an  dass  die  gestalt  des  fähr- 
mauns  nur  eine  angenommene  ist  (v.  50). 

Nachdem  die  hypothesen,  welche  in  Härbard  einen  riesen, 
ja  auch  einen  winterlichen  dämon,  der  den  donnergott  aufhielt, 

'  wenn  er  v.  52  fehiritir  heifst,  so  ist  dies  wort  dort  ebenso  wenig 
am  platze  wie  in  der  prosa  zu  Skirnisf.  11  (DA  5,132).  schon  Egilsson 
setzte  das  durch  die  Grägäs  mehrfach  belegte  farhiräir  (161")  dafür  ein, 
aber  der  vers  erfordert  ferjuhirctir ,  was  in  der  unechten  IjoJahättvisa  am 
eingang  des  gedichtes  (Bergmann  aao.  s.  77)  gebraucht  wird  und  in  ferfu- 
kai'l,  ferjinnactr  (Vigfüsson  152")  seine  analoga  hat. 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  15 


218  DAS  HARBARDSLJOD 

finden  wollten,  durch  die  Kph.  ausgäbe  (i  s.  89)  widerlegt  und 
dort  zugleich  die  ansieht  ausgesprochen  war,  dass  unter  Härbard 
kein  anderer  als  Ödinn  zu  verstehen  sei,  der  hier  in  gestalt 
eines  fergen  seinen  söhn  höhne,  hat  diese  annähme  lange  als  die 
einzig  berechtigte  gegolten,  sie  setzt  ühlands  sinnige  deutung 
des  mylhus  voraus  (Schriften  6  s.  52  0"),  und  auf  ihr  fufst  vLi- 
liencrons  analyse  des  gedichtes  (Zs.  10,  180 — 196).  da  behauptete 
Bergmann  in  seiner  ausgäbe  des  liedes  (Das  Graubartslied,  Leip- 
zig 1872)  s.  1  ff:  'man  merke  bald  dass  die  hinter  dem  ange- 
nommenen namen  Graubart  versteckte  person  keine  andere  als 
der  boshafte  Loki  sei.'  Kölbing  (Germania  18,  116 — 121)  stimmte 
ihm  zu  und  meinte,  er  habe  einen  ebenso  richtigen  wie  neuen 
gesichlspunct  aufgestellt,  auch  Edzardi  (Germ.  23,  417)  und 
Liebrecht  (Gült.  gel.  anz.  1872  s.  1851—1863)  traten  Bergmanns 
ansieht  bei,  und  Vigfiisson  erklärte,  allerdings  ohne  begründung, 
im  Dictionary  1874:  'Bergmann  has  conclusively  shewn,  that  the 
Härbardr  of  the  lay  is  not  Ödinn,  but  Loki',  und  noch  später  in 
den  prolegg.  zu  seiner  ausgäbe  der  Sturlunga  saga  (Oxford  1878): 
'Bergmanns  theory  is  certainly  right'  (§  33).  ^  dagegen  hielt 
Mülleuhoff  in  seiner  kurzen,  aber  treffenden  characteristik  des 
liedes  die  alte  ansieht  fest  (DA  5,  293  f  vgl.  158). 

Nach  der  planmäfsigen  anordnung  im  codex  Regius  erhielt 
das  lied  seine  stelle  hinter  den  vier  Ödinsliedern  und  vor  den 
vier  Thörsliedern ,  der  redactor  der  hs.  hat  es  also  jedesfalls  als 
ein  Ödinn -Thörrlied  betrachtet,  welches  schicklich  den  Übergang 
beider  liederreihen  bildete  (DA  5,  158).  hätte  er  es  als  ein  Loki- 
lied  angesehen,  so  würde  er  ihm,  da  Härbardr  die  hauptperson 
ist,  füglich  seinen  platz  vor  oder  hinter  der  Lokasenna  ange- 
wiesen haben,  wir  haben  hierin  also  ein  sicheres  zeugnis  für 
die  annähme  des  Harbardr-Ödinn  schon  in  altnordischer  zeit. 

Deutlich  hat  ferner  der  dichter  der  Grimnismäl  unser  lied 
vor  äugen  gehabt,  wenn  er  v.  49  Odin  sich  Härbardr  med  go- 
dum  nennen  lässt.  in  v.  48,  5  —  7  nämlich  sagt  Grimnir-Odinn: 
einu  nafni  hetumJc  aldregi,  siz  ek  med  fölkum  för,  und  v.  49 
werden  dann  beinamen  aufgezählt,  deren  er  sich,  wie  man  aus 
1 — 5  sicher  sieht,  bei  bestimmten  abenteuern  bedient  hat,  nicht 
bedienen  wird:  Härbarilr  aber,  der  gewisser  mafsen  seinen  höchsten 

'  doch  heifst  im  Corp.poet.boreale  (Oxford  1883)  1 117  Härbantr:  'Woden 
in  disguise'. 


DAS  IIARBARDSLJOD  219 

triumph  andeutet,  ist  wolbedacht  an  den  schluss  gestellt. ^  der 
einwand  Bergmanns  (s.  121),  dass  dinn  unter  Ödem  beiuamen 
Härbardr  von  Thor  sofort  hätte  erkannt  werden  müssen,  ist 
also  nichtig.  Odinn  legt  ihn  sich  bei  diesem  anlass  ebenso  zum 
ersten  male  bei  wie  den  namen  Grimnir  bei  Geirro^dr  oder  Gang- 
leri  bei  Vaf|3riidnir. 

Härbardr  nun,  den  als  namen  Odins  auch  das  Eddubrot  ver- 
zeichnet (Sn.  E.  I  86.  n  472.  555),  und  die  verwandten  beinamen: 
Ldngbardr  (Sn.  E.  ii  473),  Sidskeggr  (Grimn.  48)  und  Sidgrani 
(Alvissm.  6)  'barba  promissa'  malen  Odin  als  den  alten  bärtigen 
mann,  als  solcher  ist  er  in  den  sogur  eine  ganz  volkstümliche 
figur.  so  begegnet  Sigurdr  (Volsunga  s.  c.  13)  einem  manne  gom- 
lum  med  sidu  skeggi,  der  kein  anderer  als  Ödinn  ist  (Grimm 
Myth.  121).  vergeblich  sucht  man  aber  nach  einem  beispiel,  wo 
Loki  sonst  als  alter  mann  aufgetreten  wäre. 

Ödinn-Härbardr  als  ferge  ist  eine  ganz  gewöhnliche  erschei- 
nung.  so  nimmt  er  dem  Sigmund  den  toten  Sinfiotli  ab  und  fährt 
ihn  auf  einem  kleinen  schiffe  davon  (Bugge  Edda  s.  202).  als  Hni- 
karr  geht  er  zu  Sigurd  und  Regin  auf  das  schiff,  und  beim  er- 
scheinen des  göttlichen  fährmanns  legt  sich  der  stürm  (Sigurdarkv. 
II  16  — 18.  Volsunga  s.  c.  17).  als  nachenmaun  (nokkva  madr) 
zeigt  er  sich  dem  könige  Olaf  Tryggvason  (EMS  ii  181,  1).  ver- 
möge seiner  herschafl  über  die  runen  (vgl.  die  brimrmiar  Sigr- 
drifum.  10)  ist  er  im  stände,  wind  und  see  zu  zähmen,  wenig- 
stens rühmt  der  spielmann  im  Ljödatal,  der  sich  für  Odin  aus- 
gibt, sich  dieser  kunst:  nind  ek  kyrri  vägi  ä  ok  svcefik  allan  sce 
(Müllenhoff  aao.  271  ff.  291  ff),  von  Loki  wird  dagegen  sonst 
nur  berichtet  dass  er  am  jüngsten  tage  den  kiel,  auf  dem  Hels 
leute  fahren,  steuert  (Volusp.  R  48). 

Härbardr  erscheint  im  liede  durchweg  als  kriegsmann.  sein 
herr  heifst  Hildolfr  (von  hildr  kämpf)  v.  8.'-  er  hat  mit  Fjolvar 
auf  der  insel  Algroen  gekämpft:  vega  par  kndttum  ok  val  fclla 
v.  16.  er  war  in  einem  beere,  welches  das  kampfbanner  vor  sich 
wehen  liefs,  um  den  speer  zu  röten  v.  40.  er  war  endlich  in  Val- 
land  und  lag  kämpfen  ob ;  er  reizte  die  beiden  und  versöhnte  sie 
nimmer  v.  24.  Fjolvarr  ist  wie  Fjplsvidr  (Grimn.  47)  ein  beiname 
Odins,    hier  wie  v.  8  macht  er  scherzend  eine  seiner  haupteigen- 

^  denn  v.  50  gehört  nicht  zum  gedichte  (vgl.  Müllenhoff  aao.  s.  159). 
2  Sn.  E.  I  554,  1  wird  ein  söhn  ÜJins  so  benannt. 

15* 


220  DAS  HARBARDSLJÖD 

Schäften:  'kampfheld'  oder  'vielvervvahr',  wie  Bergmann  (aao.  s.  134) 
passend  übersetzt,  zu  seinem  'herrn  oder  gesellen'.  Algroen  aber 
bezeichnet  vvol  nur  die  erde  (vgl.  igroen  Alvissm.  10,  jord  idja 
grcena  Volusp.  R  56),  sodass  Härbardr-Ödinn  v.  16  wie  v.  40  von 
irdischen  kämpfen ,  in  die  er  ja  oft  eingriff,  spräche,  dem  ent- 
sprechend ist  Valland  v.  24  nicht  wie  gewöhnlich  als  Wälschland, 
sondern  als  'kämpf land'  (Petersen  Nord.  myth.  s.  227  vgl.  Helr. 
Brynh.  2.  Edzardi  aao.  s.  417)  zu  fassen  und  mit  den  Worten 
ya//'o^r  (Volusp.  1),  valkyrjur  (Volusp.  R  31),  valglaumr  (Griran.21), 
valholl  (Grimn.  8  ff)  und  Valgrind  {Gvimn.  22)  zusammenzustellen. 
Harbardr-Ödinn  rühmt  sich  demnach  irdischer  kämpfe  (vgl.  FAS 
I  157.  380  USW.)  und  himmlischer  mit  den  Einherjar  (Valj^r. 
40  f.  Grimn.  8.  14.  23).  er  selbst  bestimmt  dann  seinen  gegen- 
satz  zu  Thor  dahin,  dass  er  sagt  (v.  24,5 — 7):  Odinn  d  jarla 
er  i  val  falla,  enn  Pört^  d  prwla  kijn.  natürlich  muss  odinn, 
um  nicht  erkannt  zu  werden,  von  sich  in  dritter  person  reden, 
wenn  Bergmann  (s.  132  ff.  147  ff)  und  Edzardi  (Germ.  23,  417) 
hier  und  v.  16  annehmen  dass  Härbardr-Loki  seinen  gefährten 
Odin  prahlend  nenne,  so  geht  aus  Lokas.  9f  allerdings  hervor 
dass  die  beiden  götter  i  drdagi  gesellen  waren ,  nirgend  aber  er- 
scheint Loki  sonst  als  kriegsgott,  noch  rühmt  er  sich  einer  kriegs- 
tat,  wozu  in  seiner  senna  doch  die  beste  gelegenheit  war.  auch 
ist  von  gemeinsamen  kriegerischen  jugendtaten  beider  götter  sonst 
nirgend  die  rede,  vielmehr  deutet  die  mahnung  Friggs  (Lokas.  25), 
dass  die  zwei  äsen  nicht  alles  erzählen  sollten,  was  sie  in  ihrer 
Jugend  verübt,  wie  schon  Edzardi  bemerkt,  auf  ganz  andere  pi- 
kantere abenteuer  hin.  man  müste  also,  um  den  Härbard-Loki 
zu  retten ,  annehmen  dass  Loki  dauernd  lügnerisch  sich  für  Odin 
ausgäbe. 

Härbardr  ist  im  liede  immer  der  geistig  überlegene  (v.  18: 
efri  at  rddum).  sein  herr  ist  der  ratkluge  rekke  (rddsvidr  vgl. 
Häv.  64:  rddsnotr,  \.  102  rddspakr).  er  wohnt  m  Rädseyjarsnnd 
(v.  8).^  Härbardr  ist  endlich  runenkundig,  denn  wenn  er  sich 
rühmt  (v.  20),  mit  hilfe  des  gambanteins,  den  ihm  der  riese  Hle- 

•  ein  fingierter  nanie  wie  die  SefafjoU,  Sigriins  woiinsitz  (HHund.  ii 
25.  36.  42.  45.  48),  die  von  Müllenhoff  (Zs.  23, 169)  mit  recht  als  'herz-  oder 
minneberge'  erklärt  werden,  oder  wie  Munarheimr  (HHiorv.  1)  'wunsch- 
oder  wonneheim'.  Bädrsey  bedeutet  aber  nicht  'insula  imperii'  (Kph.  aus- 
gäbe) noch  'Robinsonsinsei'  (Bergm.  s.  110),  sondern  einfach  'ratsinsel',  wo 
der  geistig  überlegene  thront. 


DAS  HARBARDSLJÖD  221 

barttr  gegeben ,  myrkridur  ihren  männern  abspenstig  gemacht  zu 
haben,  so  zeigt  die  austührliche  Schilderung  in  derSkirnisfor  32 — 36 
dass,  um  riesinnen  damit  zu  bezaubern,  runen  in  denselben  geritzt 
wurden.  Ödinn  hat  also  hier,  um  sich  die  weiber  gefügig  zu  machen, 
die  gamanrünar  (Sigrdrifum.  5  vgl,  Häv,  120.  130}  angewandt, 
da  ein  runenstab  in  Lokis  bänden  ernsthaft  undenkbar  ist,  so 
müste  auch   hier  Härbardr-Loki  Odin  wider  lügnerisch  copieren. 

Härbardr  ist  den  frauen  überhaupt  gefährlich,  er  hat  im 
Osten  mit  einer  leinweifsen  heimliche  finge  gehabt  und  die  gold- 
glänzende erfreut  (v.  30).  er  hat  mit  Fjolvar  (dh.  mit  grofser 
umsieht)  die  munteren  und  klugen,  aber  spröden  Schwestern  durch 
seine  geistige  Überlegenheit  gewonnen  und  ihrer  aller  liebe  und 
Umarmung  genossen  (v.  18).  nun  kann  man  Bergmann  allerdings 
zugeben  dass  Loki  seinem  wesen  nach  sich  auch  wol  als  frauen- 
held  hinstellen  konnte,  die  Gylfaginning  sagt  von  ihm ,  er  war 
fridr  oik  fagr  synum  (Sn.  E.  i  104),  auch  die  manvelar  könnten 
seinem  character  wol  entsprechen,  davon  aber,  dass  er  bei  den 
V.  18  geschilderten  Schwestern  geschlafen  habe,  ist  nirgend  etwas 
bekannt,  die  characteristik  dieser  weiber  (z.  1  —  8)  weist  auch 
keineswegs  darauf  hin,  dass,  wie  Bergmann  annimmt  (s.  137), 
riffe  darunter  zu  verstehen  seien,  vielmehr  ist  deutlich  auf  die 
in  der  Voluspä  hin  skamma  (Hyndl.  35 — 38)  berichtete  sage  an- 
gespielt, nach  der  Ödinn  mit  neun  jötenmädchen  den  Heimdali 
erzeugte,  wie  wir  später  zeigen  werden  (s.  254  ff),  nimmt  man 
dazu  dass  der  ausdruck:  hafdak  ged  peirra  alt  ok  gaman  wört- 
lich in  der  schönen  episode  von  Odin  und  dem  Billingsmädchen 
widerkehrt  (hugdak  at  hafa  ged  hennar  alt  ok  gaman  Häv.  99), 
und  dass  auch  in  der  dem  Ljödatal  angehängten  visa  (Häv.  161) 
der  |iulr,  welcher  sich  als  üdion  aufspielt,  sich  rühmt:  ef  ek 
vil  ins  svinna  mans  hafa  ged  alt  ok  gaman:  hugi  ek  hverfi  hvit- 
armri  konu  ok  sny  ek  hennar  ollum  sefa,  so  wird  man  eine 
Verwandtschaft  unseres  liedes  mit  dem  ersten  Odinsbeispiel,  die 
schon  Müllenhoff  (aao.  s.  296)  andeutete,  nicht  läugnen  können. 

Noch  weniger  kann  die  schöne  v.  30  von  Loki  gesprochen 
gedacht  werden,  wir  wissen  von  Lokis  weiberberückungen  nur 
durch  seine  senna,  wo  er  behauptet,  von  Tyrs  frau  einen  söhn 
zu  haben  (v.  40)  und  der  Sif  buhle   gewesen    zu  sein.^     da  wir 

'  kinder  hat  Loki  aufser  mit  seiner  treuen  gattin  Sigyn  mit  Angrboda, 
seiner  riesischen  gemahlin,  erzeugt,  nämlich  den  Fenrisülfr,  den  Jcrmungandr 


222  DAS  HARBARBSLJÖD 

von  Tyrs  gattin  sonst  gar  nichts  wissen,  hier  also  wol  sicher  eine 
fiction  Lokis  vorhegt,  so  bleibt  nur  seine  buhlerei  mit  der  Sif 
übrig,  nun  galt  die  Sif  sonst,  wie  auch  Bergmann  (s.  174)  zu- 
gibt, stets  als  die  ehrbarste  und  keuscheste  der  göttinnen,  worauf 
schon  ihr  name  deutet,  in  der  Sn.  Edda  (i  340  vgl.  336)  wird 
von  einer  buhlerei  nichts  erzählt,  vielmehr  nur,  dass  Loki  der 
Sif  ihr  goldenes  haar  aus  bosheit  abgeschnitten  habe  und  daher 
den  beinameu  härskadi  Sifjar  führe,  wenn  aber  in  unserem 
liede  (v.  48)  Härbardr  dem  Thor  vorhält,  Sif  habe  zu  hause  einen 
buhlen,  so  ist  das  natürlich  ebenso  eine  lüge,  wie  wenn  er  (v.  4) 
behauptet  dass  Thors  mutter  gestorben  sei.  beidemal  soll  dadurch 
des  armen  Thors  zorn  noch  vermehrt  und  ihm  das  ohnmächtige 
seiner  Situation  recht  fühlbar  gemacht  w-erden.  fingiert  ist  dem- 
nach auch  Lokis  buhlschaft  Lokas.  54,  und  sie  müste  es  in 
unserem  liede  (v.  30)  sein,  wenn  man  hier  Härbard  als  Loki 
annehmen  wollte,  aber  wie  sollte  wol  in  der  Umschreibung  'der 
leinweifsen'  oder  'der  goldgläuzenden'  Thörr  seine  gemahlin  er- 
kennen 1  war  dies  aber  nicht  beabsichtigt,  warum  wurde  die 
ganze  sache  von  Loki  erlogen?  dazu  kommt  dass  Odins  angaben 
nicht  auf  eine  göttliche  geliebte,  sondern  auf  thürsenmädchen 
deuten:  austr  vark  sagt  er  z.  1  Thors  worte  parodierend,  ist 
aber  Härbardr  Üdinu,  so  ist  alles  klar,  von  den  vielen  abenteuern 
Odins  mit  riesinnen  —  Thörr  selbst  ist  ja,  wie  Liliencron  (aao. 
s.  191)  schon  bemerkt,  das  kind  einer  solchen  Verbindung  — 
haben  vor  allem  zwei,  Odins  betrug  durch  Billings  maid  (Häv. 
96—102)  und  Gunnlods  berückung  (Häv.  103—110)  in  über- 
mütigen unserem  liede  ähnlichen  spielmaunsgedichten  eine  dich- 
terische verherlichung  erfahren,  es  zwingt  uns  nichts,  die  lin- 
Jivita  und  gullbjarta  mit  Bergmann  als  eine  person  zu  fassen, 
die  heimlichen  tiuge,  dieödinn  mit  der  'leinweifsen' gehabt  zu  haben 
vorgibt,  werden  ihm  von  der  'sonnenweifsen'  tochter  Billings 
wenigstens  versprochen  (Häv.  98).  Ödinn  erzählt  offenbar  hier 
das  für  ihn  keineswegs  ehrenvoll  ablaufende  launliing  (v.  100.  101) 
als  einen  seiner  triumphe.  die  gullbjarta  aber,  die  er  erfreut  und 
die  an  seiner  umarmung  gefallen  findet,  ist  Gunnlod  (Häv.  104. 
107.  110),  die  arme  betrogene  rieseutochter. 

Härbardr- Ödinn  besitzt  die  gäbe  des  Proteus,    auf  sie  spielt 

und  die  Hei.     aufserdem  hat  er  als  state  das  loss  SIeipnir  geboren  (Sn.  E. 
I  132— 13S.  Lokas.  v.  23). 


DAS  HARBARDSLJiiD  223 

er  in  unserem  liede  v,  50  an,  wo  er  dem  Thor  vorhält:  lange 
wärest  du  am  ziele,  wenn  du  mit  gestalten  führest  (ef pü  litnm 
fcerir  Zs.  8,  75)  dh.  wenn  du  dich  verwandeln  könntest  —  wie 
ich.  vel  keypts  litar  heß  ek  vel  nolid  rühmt  er  sich  im  Gunn- 
lodliede  (Hav.  107),  und  die  merkwürdige  sage  in  der  Sn.  Edda 
I  218  —  223  erläutert  dies  dahin,  dass  Ödinn  in  Schlangengestalt 
(i  orms  liki)  zur  Gunnlod  gedrungen  sei  und  den  geraubten 
dichtermet  in  adlersgestalt  (i  arnarham)  davongeführt  habe,  die 
Ynglinga  saga  (c.  3)  sagt  von  ihm:  kann  skipti  litnm  ok  likjnm  d 
hverja  lund  er  kann  vildi.  nun  ist  dieses  skipta  oder  vixla  lüum 
oder  hpmum,  wie  der  technische  ausdruck  lautete  (Grimm  Myth. 
III  317),  auch  dem  Loki  eigen  (Weinhold  Zs.  7,  27).  er  begleitet 
als  magd  den  Thor  in  Thryms  reich  (frymskv.  20  fl"),  er  weigert 
sich  in  der  gestalt  eines  riesenweibes  Pokk,  wie  wir  aus  einem 
liedfragment  in  der  Ijödahältvisa  sehen  (Sn.  E.  i  180  vgl.  172), 
über  Baldrs  tod  zu  weinen,  auch  kühe  soll  er  als  weib  gemolken 
haben  (Lokas.  23) ,  als  stute  gebiert  er  das  ross  Sleipnir  (Sn.  E. 
I  136  f),  in  lachsgestalt  wird  er  von  Thor  im  foss  gefangen  (prosa 
zu  Lokas.  65),  ja  der  Sorla|3ättr  (c.  2)  erzählt  sogar  dass  er  als 
floh  die  schlafende  götliu  Freyja  ins  kinn  gestochen  habe,  dass 
er  aber  je  die  gestalt  eines  alten  mannes  angenommen,  ist,  so 
oft  auch  von  Odin,  von  ihm  niemals  bezeugt. 

Härbardr  tritt  Thor  gegenüber  auf,  wie  Udinn  öfter  in  der 
volkssage.  ich  will  nur  auf  die  merkwürdige  erzählung  der  Gaut- 
reks  saga  verweisen ,  in  welcher  die  beiden  äsen  —  Üdinn  heifst 
hier  Hrosshärsgrani  —  rivalen  sind  (FAS  lu  32  f).  Thörr  sucht 
dem  Starkad  dort  zu  schaden,  weil  Alfhild,  dessen  vatermutter, 
einem  jölen  vor  ihm  den  Vorzug  gegeben,  und  häuft  eine  fülle 
von  Verwünschungen  auf  ihn.  Ödinn -Hrosshärsgrani  dagegen, 
der  repräsentant  des  ^julrtums,  hebt  alle  diese  Verfluchungen 
durch  grofsere  gaben,  die  er  seinem  liebling  erteilt,  auf.  die 
beiden  götter  sind  in  jener  erzählung  auch  in  ziemlich  heftiger 
senna  begriffen,  und  Udinn  als  der  mächtigere,  'den  alle  grUfsen', 
behauptet  den  sieg,  dagegen  ist  es  nicht  glaubhaft  dass  Loki 
versucht  haben  sollte  oder  vermocht  hätte,  dem  Thor  so  nach- 
drücklich zu  schaden,  wie  er  es  hier  durch  die  Verzögerung  des 
gottes  tun  würde,  hängt  er  ihm  auch  zuweilen  etwas  an  (wie 
Hymiskv.  37),  so  ist  er  doch  fast  immer  sein  treuer  gefährte, 
besonders  auf  den  gefährlichen  fahrten  zu  Thrym  und  zu  Utgar- 


224  DAS  HARBARDSLJÖD 

daloki.  wenn  er  den  Thor  ohne  hammer,  kraftgürtel  und  eisen- 
handschuhe  zu  Geirrod  bringt,  so  tut  er  dies  nach  der  Skälda 
nur,  weil  er  sich,  um  sein  leben  zu  retten,  dem  riesen  eidlich 
dazu  verpflichtet  halte,  nicht  aus  reiner  bosheit  (Sn.  E.  i  284  ff), 
überhaupt  ist  aufser  dem  allgemeinen  gegensatz,  in  dem  Loki  zu 
den  äsen  steht,  von  einem  besonders  gespannten  Verhältnis  Thors 
und  Lokis  nichts  bekannt. 

Ebenso  wenig  kann  endlich  Bergmanns  mythologische  er- 
klärung  (s.  20)  einen  Härbard-Loki  erweisen.  Loki,  ursprüng- 
lich der  gott  des  schädlichen  vulkanfeuers,  soll  dem  gott  des 
befruchtenden  himmlischen  feuers,  Thor,  entgegengesetzt  sein, 
wenn  Thörr  einmal  etwas  später  von  Jotunheim  zurückkehrte 
dh.  der  winter  sich  ungewöhnlich  lange  hinausschob,  soll  das 
Volk  dies  mit  bezug  auf  ihre  feindschaft  dem  bösen  Loki  zu- 
geschrieben haben  (s.  8).  wie  die  redensart  Skirnir  ferr  den  an- 
lass  zur  dichtung  der  Skirnisfor  geboten  habe,  sei  das  Sprich- 
wort: Loki  hefir  Pör  talum  dvaldan  die  Ursache  für  die  entstehung 
unseres  liedes  geworden  (s.  21).  der  dichter  habe  dann  das  talum, 
was  in  der  mythischen  formel  trug  bedeutete,  als  reden  aufge- 
fasst  und  darnach  den  Thor  von  Loki  durch  eine  senna  auf- 
gehalten werden  lassen  (s.  28).  dass  Loki  einmal  feuergott  ge- 
wesen, ist  wol  sicher  (Weinhold  Zs.  7,6  0"),  ebenso  sicher  aber 
dass  in  unserem  liede,  wäre  er  Härbardr,  nirgends  mehr  auf 
diese  seine  eigeuschaft  angespielt  würde,  ganz  abgesehen  davon, 
dass  wir  in  dem  liede  kaum  mehr  einen  reinen  mylhus  haben 
(Liliencron  Zs.  10,  196),  so  hat  Bergmann  recht  im  gegensatz 
zu  ühland  (Schriften  6  s.  50  fl")  sich  diesen  mythus  einfach  nach 
seinem  gutdünken  construiert.  aus  v.  51,  wo  Thörr  zu  Härbard 
sagt:  Härbardr  inn  ragi,  heldr  hefir  pü  m'i  mik  dvaldan  bildet 
er  die  formel,  die  er  dann  bis  zum  überdruss  widerholt  (s.  9.  21. 
24.  28.  184),  wobei  er  aber  einfach  Loki  für  Härbard  einsetzt 
und  das  doppelsinnige  talum  erfindet,  denn  tala  f.  =  ahd.  zala 
rGran'v641)  numerus,  oratio  ist  schon  lautlich  ein  ganz  anderes 
wort  wie  täl  f.  =  ahd.  sa/a  (Graffv654)  periculum,  fraus.  wer  auf 
diese  art  mylhen  deuten  wollte,  könnte  genau  mit  demselben 
rechte  behaupten,  im  norden  wäre  das  Sprichwort  verbreitet  ge- 
wesen:   Odinn  hefir  Pör  talum,  dvaldan! 

Es  bleibt  für  Bergmanns  'sicher  richtige'  hypothese  (s.  218) 
als  einziger  slülzpunct  die  angebliche  Verwandtschaft  unseres  liedes 


DAS  HARBARDSLJOD  225 

mit  der  Lokasenna  übrig,  sie  schien  Kölbing  (aao.  s.  118)  be- 
sonders einleuchtend,  und  Vigfüsson  (prolegg.  §  33)  schrieb  vor- 
eilig beide  gedichte  demselben  'nordischen  Aristophanes'  zu. 
Jessen  (Zs.  f.  d.  ph.  3,  75)  hält  unser  lied  für  eine  nachahmung 
der  Lokasenna,  auch  Edzardi  (Beitr.  8,  369)  meint  dass  sie  von 
ihm  benutzt  worden  sei.  aber  das  Verhältnis  ist,  wie  sich  gleich 
zeigen  wird,  umgekehrt.  Bergmann  selbst  (s.  58)  bemerkt  richtig 
dass  die  senna  jünger  sein  muss,  da  ihre  v.  60  ganz  deutlich 
eine  weitere  ausmalung  von  Härbl.  26,  4  f  ist.  i  aber  der  schluss 
der  Lokasenna  überhaupt  von  dem  erscheinen  Thors  an  (v.  57 
bis  63)  ist  nichts  als  eine  breite,  plumpe  nachahmung  unseres 
liedes.  man  vgl.  v.  27,  2  mit  Lokas.  v.  57.  59.  61.  63.  aus  inn 
ragt  (Härbl.  27,  1)  ist  rog  vcettr  (Lokas.  57,  1)  geworden,  im 
anschluss  an  die  erwähnung  von  Thors  handschuhabenteuer  wird 
Lokas.  62  noch  von  Skrf  mir  weiter  erzählt,  ebenso  ist  die  visa  54 
der  Lokasenna  vermutlich  durch  die  notiz  Härbl.  48  veranlasst, 
ja  es  scheint  fast,  als  wären  die  zweifellos  falschen  formen  hör 
(nom.  sing.)  und  hös  (gen.  sing.)  Lokas.  30.  33  neben  richtigem 
acc.  sing,  hör'  (v.  54)  von  hörr  (got.  hors,  ahd.  huordri)  adiilter 
bildungen  nach  dem  Härbl.  48,  1  in  beiden  codd.  fehlerhaft  über- 
lieferten acc.  sing.  hö. 

Auch  anderen  liederu  entnahm  die  Lokasenna  ihre  worte. 
Edzardi  (Beitr.  8,  369)  hat  bereits  bemerkt  dass  v.  6,  1 — 3  gleich 
Vafjjr.  8,  1 — 3  ist.  ist  schon  hier  eine  entlehnung  der  visuhel- 
ming  durch  das  andere  lied  sehr  unwahrscheinlich,  so  ist  eine 
nachahmung  der  Skirnisfor  in  der  Lokasenna  unverkennbar.  Lokas. 
31,4:  reidir  'ru  per  cesir  ok  äsynjur  ist  deutlich  eine  nachbildung 
der  zweiten  visa  des  runenliedes  (in  der  Skirnisfor  v.  33).  v.  34. 
63  erinnern  lebhaft  an  Skirnisf.  35.  vor  allem  aber  die  erste 
Strophenhälfte  von  Skirnisf.  37,  die  in  jenem  liede  unentbehrlich 
ist,  ist  unverändert  in  die  Lokasenna  aufgenommen,  v.  53,  1 — 3: 
heill  ver  pü  ok  tak  vitt  hrimkalki  fullum  forns  mjadar. 

Da  hier  die  senna  dem  älteren  gedieht  poetische  Wendungen 
entlehnt,  nehmen  wir  mit  recht  an  dass  der  Verfasser,  ein  ge- 
schmackloser compilator  der  gemeinsten  unflätigkeiten  (vgl.Müllen- 
hoff  aao.  s.  293),  auch  unser  gedieht  nachgeahmt  hat.    es  ist  mög- 

•  die  seit  Rask  mit  recht  getilgte  halbzeile  5  (Bugge  s.  100)  ist  also 
nicht  aus  der  Lokasenna  in  die  Strophe  26  geraten,  sondern  jene  hat  die 
interpolation  im  Härbaritsljöd  bereits  vorgefunden. 


226  DAS  hARBARDSLJÖD 

lieh,  wenn  auch  nicht  notwendig,  dass  er  Härbarct  fälschlich  für 
Loki  hielt  und  von  diesem  gesichtspuncte  ausgehend  eine  poetische 
Vorgeschichte  der  im  Härbardslied  enthaltenen  handlung  zu  liefern 
beschloss,  in  der  Loki  alle  götter  lästert,  vor  Thor  aber  zurück- 
weicht, weil  er  weifs  dass  er  zuschlägt:  um  so  Lokis  Verkleidung 
bei  seinem  spott  im  Graubartslied  zu  motivieren,  sein  misver- 
ständnis  kann  aber  nur  beweisen  dass  man  den  sinn  des  liedes 
schon  in  isländischer  zeit  —  denn  ein  norwegisches  gedieht  wage 
ich  die  Lokasenna  kaum  zu  nennen  —  zum  teil  verkannte,  was 
zumal  bei  einem  so  mittelmäfsigen  köpfe  wie  dem  dichter  der 
senna  nicht  wunder  nehmen  wird. 

Da  nach  dem  bisher  gesagten  nur  sehr  weniges  für  einen 
Härbard-Loki,  dasselbe  aber  mindestens  ebenso  für  einen  Här- 
bard-Ödin  spricht,  da  ferner  die  gestalt  und  der  character  des 
fergen  im  liede,  wie  wir  ausführlich  nachgewiesen,  der  person 
Odins,  wie  sie  sonst  geschildert  wird,  zug  für  zug  gleicht,  so 
müssen  wir  doch  wider  zu  dem  'alten  Irrtum,  der  das  Verständnis 
des  liedes  erschwert'  (Bergmann  aao.  s.  52),  zurückkehren  und 
unser  lied  als  ein  Zwiegespräch  der  beiden  höchsten  götter,  Ödinn 
und  Thörr,  auffassen,  wir  hoffen  aber  zu  zeigen  dass  nur  unter 
dieser  Voraussetzung  ein  Verständnis  des  schönen  liedes  mög- 
lich ist. 

Wenn  (»dinn  seinem  söhne  Thor  hemmend  gegenübertritt, 
so  ist  natürlich  an  einen  ernstlichen  gegensatz  beider  nicht  zu 
denken,  daher  erscheint  Odinn  unter  der  angenommenen  gestalf, 
deswegen  bemerkt  er,  nachdem  er  v.  24,  5  —  7  den  unterschied 
zwischen  ihnen  bestimmt  hat,  v.  28:  saktr 'ro  alls  migar,  darum 
gibt  er  Thor  am  Schlüsse  selbst  an ,  auf  welchem  wege  er  wider 
zu  Odins  land  komme,  wo  also  die  v.  42  bereits  angetragene 
Versöhnung  beider  stattfinde  (v.  56).'  demgemäfs  kann  von  'einem 
spöttisch -satirisch -boshaftwitzigeu'  ton,  in  dem  Härbardr  gegen 
Thor  streiten  soll  (Bergm.  s.  37.  Kölbing  aao.  118)  nicht  die 
rede  sein,  vielmehr  erscheint  derselbe,  wie  es  auch  Odin  an- 
gemessen ist,  in  der  laune  souveränsten  humors  (vgl.  Liliencron 
aao.  s.  181).  derselbe  äufsert  sich  besonders  von  v.  30  an,  wo 
er  den  mannjafnadr ,  mit  dem  er  es  im  ganzen  liede  nicht  recht 

•  trefTend  bemerkt  Uhland  (aao.  s.  60):  'Odins  weitschauender  rat  und 
Thors  unermüdliche  tatkraft  würken  am  ende  doch  wider  hilfreich  und 
heilend  zusammen.' 


DAS  HARBARDSLJüD  227 

ernsthaft  nimmt,  fallen  lässt  und  rein  zu  parodieren  anfängt. 
V.  30,  1  sagt  er  'auch  ich  war  im  osten.'  v.  32,  1,  als  Thorr 
gefallen  an  den  mädcheubekanntschaften  ßndet,  meint  er  scherzend: 
'da  hätte  ich  dich  (tölpel)  vvol  nötig  gehabt,  um  die  leinweifse 
maid  zu  erlangen.'  v.  38,  1  unterbricht  er  Thors  senna  mit  den 
moralisierenden  Worten:  'wie  kann  man  aber  auf  weiber  schlagen, 
Thörr!'  v.  42,  1  bietet  er  ihm  Versöhnung  an  ganz  in  dem  sinne: 
'wir  wollen  uns  einmal  wider  vertragen'  (vgl.  v.  28).  wenn  er 
V.  4.48  falsches  über  Thors  mutter  und  gattin  aussagt,  so  ist 
schon  oben  (s.  222)  der  gruud  angegeben;  dass  die  letzere  nicht 
tot  sei ,  gesteht  er  ja  am  Schlüsse  ausdrücklich  zu  (v.  56). 

Dem  allen  widerspricht  nun  nicht  dass  Thörr  Odins  worte 
Imoefiligu  ord  er  ek  heyrda  aldri  hncefdigri  (v.  43)  nennt,  denn 
wenn  er  die  harmlos  humoristische  redeweise Odins  als  'schneidende 
höhnende  rede'  betrachtet,  so  zeigt  er  eben  nur  dass  ihm  jedes 
Verständnis  für  humor  abgeht  (Liliencron  aao.  s.  195).  desto 
mehr  besitzt  er  selbst  unfreiwilligen  humor.  hier  haben  schon 
die  alten  lieder  unserem  gedichte  vorgearbeitet,  wenn  in  der 
Voluspä  (R  27)  bei  erwähnung  der  episode  vom  riesischen  bau- 
meister  über  ihn  erzählt  wird:  Pörr  einn par  vä prunginn  mödi: 
kann  själdan  sitr ,  er  slikt  of  fregn,  so  hat  diese  characteristik 
ebenso  einen  humoristischen  zug,  wie  wenn  die  äsen  in  gefahr 
nach  Thor  rufen  und  dieser  stets  willig  erscheint,  um  unver- 
züglich dreinzuschlagen  (Sn.  E.  i  272).  komisch  würkt  in  der 
frymskvida  sein  sträuben  sich  in  weiberkleider  hüllen  zu  lassen, 
noch  mehr  aber  die  ess-  und  trinktaten,  die  er  als  Freyja  ver- 
kleidet in  Thryms  behausuug,  kurz  bevor  erden  grofsen  riesen- 
mord  verübt,  vollbringt  (v.  17.  24  ff),  unter  seinen  leistungen 
bei  Ütgardaloki,  mit  denen  er  zu  seiner  grösten  wut  keinen 
erfolg  hat,  ist  besonders  die  trinkprobe,  bei  der  er  einen  grofsen 
teil  des  Weltmeeres  in  drei  zügen  vertilgt,  mit  sichtlichem  humor 
geschildert  (Sn.  E.  i  154  ff),  sagte  doch  der  volksmund:  keiner 
kann  den  Asathör  übertrinken  (Grimm  Mylh.  157).  unser  ge- 
dieht treibt  diesen  humor  auf  die  spitze,  im  gegensatz  zu  Här- 
bard-Ödin,  dem  golt  des  rdd  oder  der  hyggja  (Häv.  160)  ist 
er  durchweg  der  kraftgott.  er  hat  aß  oerit ,  aber  ekki  hjarta 
(v.  26).  er  nennt  sich  triumphierend  'vater  des  Magni'  (9.  53) 
und  prüdvaldr  goda  (v.  9  vgl.  prüdugr  äss  frymskv.  17.  prüdr, 
prüdvangr ,  prüdhamarr).    alle  taten,  deren  er  sich  rühmt,  sind 


228  DAS  HARBARDSLJÖD 

ein  triumph  seiner  kraft  (v.  15.  19.  23.  29.  37).  dieser  urwüchsige 
kraftkoloss  nun,  der  sonst  sofort  zuschlägt,  wenn  er  gereizt  wird, 
der  'water'  xot'  i^oxtjv  unter  den  güttern,  der  allein  im  stände 
ist  die  Elivägar  zu  durchschreiten,  dessen  asenkraft  nach  dem 
alten  schönen  liedfragmente  (Sn.  E.  i  286)  die  angeschwollenen 
ströme  überragend  in  Geirrodargardar  bis  zum  himmel  aufwächst, 
der  beim  fang  der  Midgardsschlange  den  boden  des  schiffes  durch- 
tretend auf  dem  boden  des  meeres  steht,  ist  nicht  im  stände, 
über  den  sund  zu  kommen!  welch  köstlicher  humor,  wenn  der 
biedere  kraftase  die  im  korb  mitgebrachte  kost  'häring  und  haber- 
mus'  dem  verwöhnten  kriegsmann  bietet,  wenn  er  widerholt 
gütlich  Härbard  zur  überfahrt  zu  bestimmen  sucht  (v.  7  und  53), 
wenn  er  v.  13  noch  so  tut,  als  wolle  er  nicht  hindurchwaten» 
während  er  nicht  kann,  wenn  er  über  seiner  grofsen  wut  nicht 
dazu  kommt,  was  nach  dessen  andeutungen  doch  so  unendlich 
leicht  wäre,  Odin  zu  erkennen,  wie  komisch  muss  es  dem  alten 
nordmann  vorgekommen  sein,  wenn  er  hörte,  wie  Thörr  v.  47 
dem  höchsten  gölte  droht,  er  werde  ihn  schlagen,  dass  er  wie 
ein  wolf  heule,  oder  wenn  er  v.  49  den  denkergott  Odin  einen 
feigling  und  lügner  nennt,  der  aufs  geratewol  schwatzt,  oder  end- 
lich, da  ihm  jede  hoffnuug  auf  überfahrt  genommen  ist,  ihn  zu 
allen  teufein  flucht  (v.  60  nach  hs.  R). 

Wir  sehen:  der  grundton  des  liedes  ist  ein  urkräftig  hu- 
moristischer, der  selbstbewusteste  souveränste  humor  Odins  steht 
dem  unbewusten  Thors  gegenüber,  die  meisterhafte  durchführung 
dieses  gegensalzes  aber  gibt  dem  gedieht  seinen  eigentümlichen 
character. 

Schon  nach  dieser  kurzen  betrachtung  rechtfertigt  sich,  wie 
man  sieht,  das  harte  urteil  Jessens  (Zs.  f.  d.  ph.  3,  75),  dass 
das  Härbardsljöd  ein  'kraftloser,  trockener,  langweiliger'  versuch 
sei,  den  frivolen  indifferentismus  der  Lokasenna  nachzuahmen, 
aber  mit  dem  würklichen  humor  dieses  gedichtes  nichts  gemein 
habe,  auf  keine  weise,  wäre,  wie  Jessen  (aao.)  meint,  der  zweck 
des  dichters  in  der  tat  nur  der  gewesen,  seine  forna  stafi  dh. 
seine  kennlnisse  in  den  Ödius-  und  Thörsmythen,  besonders  in 
denen,  welche  in  isländischen  Schriften  weniger  behandelt  wurden, 
paradieren  zu  lassen,  dann,  müste  man  sagen,  hätte  er  es  wunderbar 
genug  angefangen,  jeder  unbefangene  wird  zugeben  dass,  wer  es 
darauf  anlegte  mit  gelehrsamkeit  zu  prunken,  doch,  auch  wenn 


DAS  HARBARDSLJÖD  229 

er  ein  ganz  inittelmäfsiger  dichter  war,  leicht  mehr  mythologische 
beziehungen  in  das  lied  bringen  konnte  als  die  dürttigeu  notizen 
Thors  von  seinen  kämpfen  mit  Hrungnir  und  Thiazi  —  beides 
doch  wol  recht  landläufige  mythen  —  und  die  anspielungen  Odins 
auf  das  handschuhabenteuer  und  die  par  liebesaffaireu.  welche 
ausbeute  hätten  ihm  die  sagen  von  Thrym,  Hymir,  Geirrod  usw. 
geboten,  von  seltenen  mythen  konnte  er  höchstens  auf  seine 
kenntnis  der  erzählung  von  den  Svärangssöhnen  (v.  29)  pochen, 
aber  es  scheint  überhaupt  gewagt,  diese  geschichte  mit  Uhland 
(aao.  s.  54)  und  Bergmann  (aao.  s.  157)  mythisch  zu  deuten. 
schon  v.  23  führt  Thörr  gar  kein  bestimmtes  abenteuer  mehr 
an,  sondern  erzählt  nur  im  allgemeinen  von  kämpfen  mit  riesinnen 
(jotna  bolvisar  hrüdir).  dem  parallel  wird  er  v.  29  von  riesen- 
kämpfen  im  allgemeinen  sprechen.  Svdrangs  synir^  (von  Berg- 
mann gut  'Schwerenöters  söhne'  übersetzt)  sind  einfach  die  jotuar 
(vgl.  Sn,  E.  I  550,  1),  d  (v.  29,  2)  ist  aber  der  fluss  'Ifing', 
der  götter-  und  riesenweit  scheidet  (Vaf|3r,  16),  den  Thörr  also 
bei  jedem  riesenzuge  überschreiten  muss.  die  annähme  Jessens, 
dass  wir  in  dem  liede  einen  späten  isländischen  litterarischen 
versuch  haben,  ist  daher  sehr  unwahrscheinlich. 

Dagegen  muss  ich  ihm  durchaus  beistimmen,  wenn  er  eine 
mythische  grundidee  in  ihm  läugnet.  dass  der  Inhalt  des  liedes 
nicht  im  eigentlichen  sinne  ein  raythus  sei,  sondern  nur  eine  in 
die  form  des  mythus  gekleidete  reflexion,  hat  übrigens  Lilien- 
cron  (aao.  s.  196)  schon  richtig  bemerkt,  es  ist  möglich  dass 
der  vom  dichter  zur  einkleidung  seiner  idee  benutzte  mythus 
ursprünglich  den  sinn  hatte,  welchen  Uhlands  schöne  deutung 
ihm  gibt  (aao.  s.  52  f),  aber  in  unserem  liede  wird  er  sicher  als 
mythus  nicht  mehr  empfunden,  es  liegt  dem  dichter  ganz  fern, 
mit  der  erwähnung  von  Jord-Fjorgyns  lode  etwa  auf  die  'winter- 
lieh tote  erde'  oder  mit  der  erzählung  von  Sifs  buhlschaft  auf 
die  der  fremden  gewalt  zugefallene  'letzte  ernte'  zu  deuten:  er 
beutete  die  ursprünglich  mythischen  züge  lediglich  für  seinen 
zweck  aus,  wonach  sie  Stoff  für  lügen  abgeben. 

Über  die  idee  selbst  kann  nun  seit  Liliencron  kein  zweifei 
mehr  sein.  Thörr,  ursprünglich  der  gott  des  anbaus,  der  durch 
seine   riesentötungen   das   land    urbar   macht,    tritt   hier  seinem 

^  vgl.  den  ganz  parallelen  ausdruck:  berserkja  brüd'ir  für  riesin- 
nen (v.  37). 


230  DAS  HARBARDSLJÖD 

kriegerischeu  valer  Odin  gegenüber,  die  beiden  götter  sind 
ideale  repräsentauten  zweier  stände,  des  bauern-  und  krieger- 
standes.  wer  diesen  grundgedanken  läiignet,  wie  Jessen  (aao, 
s.  74),  der  setzt  sich  einfach  über  die  directen  angaben  des  ge- 
dichtes  fort,  von  Odin  ist  bereits  früher  (s.  219  ff)  alles  nötige 
gesagt,  schon  durch  die  titulierung  karl  (v,  2)  gegenüber  der 
benennung  Odins  sveinn  (v.  1)  wird  Thörr  als  Vertreter  der  'karle' 
hingestellt,  darauf  deuten  ferner  die  prjü  hu  göd  (v.  6),  darauf 
die  kost:  'häring  und  haberraus'  (v.  3),  darauf  die  characteristik 
Thors  (v.  26).  Thörr  erscheint  aber  nicht  nur  als  Vertreter  der 
armen  kleineu  bauern  (Liliencron  s.  194),  sondern  als  repräseu- 
tant  des  bauernstandes  schlechthin.'  der  Vertreter  des  jarlslaudes 
zeigt  sich  nun  aber  als  der  geistig  überlegene,  er  pocht  über- 
mütig auf  seine  macht,  er  ist  sich  zwar  vollbewust,  dass  beide 
stände  im  gründe  dasselbe  erstreben  müssen,  nämlich  ihr  beider- 
seitiges wol,  für  das  einer  dem  anderen  unentbehrlich  ist,  dass 
daher  ihr  gegensatz  versöhnbar  ist  (v.  56.  28) ;  er  schaut  aber 
auf  das  verzweifelte  bestreben  des  bauernstandes,  der  vorteile  des 
jarlstandes  auch  in  vollem  mafse  teilhaftig  zu  werdeu,  mit  humor- 
vollem behagen  herab,  die  insel,  zu  der  der  bauerugott  eben 
nicht  gelangen  kann ,  ist  ja  die  'ratsinsel',  wo  die  höhere  Intel- 
ligenz thront,  vermittelst  deren  der  jarl  den  vorrang  behauptet, 
dieser  social -politische  gedanke,  und  nur  dieser  liegt  unserem 
gedichte  zu  gründe  und  ist  zuerst  richtig  von  Liliencron  hervor- 
gehoben (aao.  s.  194),  allerdings  nicht  in  vollem  umfange  aus- 
geführt. 

In  den  Hävamäl  nämlich,  die  einstimmig  als  norwegisches 
gedieht  betrachtet  werden  (Jessen  aao.  s.  39.  Vigfüsson  aao.  s.  cxc), 
ist  von  einem  eigentlichen  gegensatz  der  stände  noch  nicht  die 
rede  (MüUenhoff  aao.  5,  281):  nur  eine  geistige  aristokratie  wird 
anerkannt  (snotr,  svidr,  horskr).  dagegen  in  der  Rigl)ula,  einem 
tendenziösen  gedichte  zur  verherlichung  des  königtums  (Edzardi 
Beitr.  8,  367),  dessen  ebenfalls  norw'egischen  Ursprung  Bugge 
(Arkiv  for  nord.  filol.  i  s.  311  f)  überzeugend  nachwies,  steht  der 

'  die  kost  war  eben  norwegisches  nalionalgericht  und  durch  die  natur 
des  landes  geboten;  wenn  aber  Härbaritr  daraus,  dass  Thörr  berbeinn  da- 
steht, schliefst  dass  er  ein  buniniler  und  armer  schlucker  sein  müsse  (v.  6), 
so  ist  das  nur  ein  beabsichtigter  iioniischer  trugschluss:  natürlich  nicht  aus 
armut,  sondern  weil  er,  bevor  er  den  bösen  fergen  entdeckte,  hindurch- 
waten wollte,  ist  er  barbein. 


DAS  HARnAUDSLJÖD  231 

unterschied  der  stände  fest  und  ihre  enlsteliung  wird  leidenschafts- 
los mit  einem  gewissen  trockenen  humor  erzählt:  streng  ist  der 
jarl  vom  karl,  aber  auch  streng  der  karl  vom  prmll  unterschieden 
(Rigj).  7.  21.  34).  den  Übergang  der  socialen  zustände  der  Hä- 
vamäl  zu  denen  der  Rigjiula  stellt  unser  lied  dar,  indem  es  den 
im  ersten  gedieht  noch  unbekannten,  im  letzteren  als  selbstver- 
ständlich vorausgesetzten  gegensalz  der  stände  im  augenblick  der 
höchsten  gäluung  zeigt,  daher  ignoriert  Härbardr-Odinn  vornehm 
den  unterschied  von  freiem  und  unfreiem  bauer  und  nennt  über- 
mütig, was  nicht  jarl  ist,  einfach  A-ar?  oder /rfp//  (v.  24,7:  Pörr 
d  prcela  kyn). 

Man  hat  auf  diesen  letzten  punct  meiner  ansieht  nach  viel 
zu  wenig  gewicht  gelegt,  gewis  liegt  in  der  bezeichnung  [)7'cell 
eine  Übertreibung  Härbards  (Grimm  Myth.  s.  111).  aber  dass 
er  hier,  um  das  geschäft  Thors  recht  zu  betonen,  statt  der  Standes- 
bezeichnung karl  den  ausdruck  prcell  gewählt  haben  sollte,  weil 
die  knechte  der  feldarbeit  oblagen,  ist  wol  eine  etwas  künstliche 
erklärung  (Liliencron  aao.  s.  196).  viel  eher  könnte  man  mit 
Uhland  (s.  53)  den  gegensatz  der  waffenfähigen  ödinsleute  gegen 
die  gesetzlich  nicht  waffenfähigen  knechte  darin  finden  (Grimm 
RA  320.  FAS  m  8),  und  zum  teil  liegt  er  gewis  in  den  worten. 
aber  erschöpft  wird  der  gedanke  der  v.  24  damit  keineswegs, 
der  dichter,  der  seinem  publicum  eine  solche  Zweiteilung  der 
stände  zumutete,  muss  in  einer  zeit  gelebt  haben,  wo  der  vor- 
nehme stand  ein  gewisses  recht  hatte,  dem  bauer  schlechtweg 
diesen  titel  zu  geben,  und  er  muss  in  einem  kreise  gesungen 
haben,  wo  man  dies  als  etwas  selbstverständliches  hinnahm,  be- 
merkenswert ist  jedesfalls  dass  der  biedere  Thörr  (v.  25)  nicht, 
wie  er  wol  sonst  pflegt  (v.  49),  die  behauptung  Härbards  als  eine 
lüge  hinstellt,  sondern  nur  allgemein  antwortet,  Härbardr  wäre, 
wenn  er  gewalt  hätte,  wol  ein  schlechter  Verteiler  des  gefolges. 
nehmen  wir  nun  hinzu  dass  in  den  Hävamäl,  die  man  mit  recht 
ihrem  ganzen  character  nach  vor  die  politische  einigung  Nor- 
wegens durch  Harald  setzt  (Müllenhoff  aao.  s.  287.  Jessen  aao. 
s.  39),  der  zustand  des  reichen  bauern  noch  ein  volksideal  zu 
sein  scheint  (Häv.  v.  36  f)  neben  dem  jarl-kriegerideal  (v.  97),  dass 
in  der  RigjDula  aber,  welche  auf  die  zeit  Harald  harfagris  reflec- 
tierend  zurückblickt  (Edzardi  aao.),  die  Schilderung  des  karl  und 
prcell  lediglich    als  folie   für  die  hervorhebung  des  jarl   und  des 


232  DAS  HARBARDSLJÖD 

kommgr  dient,  so  müssen  wir  die  entstehung  unseres  gedichtes 
mitten  in  dem  socialen  kämpf  am  ende  des  9  jhs.  suchen. 

Bekannt  ist  nun  der  bedeutungsvolle  eingriff,  den  könig 
Harald  harschön  zu  dieser  zeit  in  die  rechte  des  Volkes  sich  er- 
laubte, die  Heimskringla  erzählt  uns  in  der  Haralds  saga  här- 
fagra  c.  6  dass  der  könig  alle  odul- guter  einziehen  liefs,  und 
dass  ihm  alle  bauern,  reiche  und  arme,  abgaben  und  Iribut  ent- 
richten musten.  über  jeden  gau  wurde  ein  jarl  gesetzt  und 
dieser  sollte  den  dritten  teil  des  tributes  für  sich  haben  für  seinen 
tisch  und  seine  ausgaben,  diese  jarle  musten  dafür  heerfolge 
leisten,  'und  so  sehr',  fügt  die  saga  hinzu,  'hatte  der  könig  ab- 
gaben und  steuern  vermehrt,  dass  die  jarle  da  mehr  macht  hatten 
als  ein  könig  vorher  gehabt- hatte,  als  man  dies  aber  zu  Thrond- 
heim  hörte,  da  kamen  viele  mächtige  männer  zu  Harald  und 
wurden  seine  Untertanen.'  ähnlich  verfuhr  der  könig  auf  den 
Orkneys  (c,  32).  mit  diesem  bericht  der  Heimskringla  aber 
stimmen  die  übrigen  quellen  völlig  überein  (KMaurer  Germ. 
14,  34).  Haralds  harte  mafsregel  soll  später  könig  Häkou  der 
gute  wider  aufgehoben  haben  (Häkonar  saga  göda  c.  1).  er  gab 
den  bauern  die  odulgüter  zurück,  die  Thröuder  wählen  ihn 
daraufhin  zum  könige,  und  in  Uppland  wird  die  künde  bekannt, 
dass  die  Thrönder  sich  einen  könig  gewählt  haben,  der  in  allem 
wie  Harald  härfagri  war,  nur  mit  dem  unterschiede,  dass  Haraldr 
hafdi  allan  lydi  landi prwikat  ok  dpjdt,  Häkon  aber  den  bonden 
all  das  genommene  gut  widergeben  wollte,  dies  geschah  im 
4  Jahrzehnt  des  10  jhs. 

Es  kommt  nun  für  uns  wenig  darauf  an,  ob  wir  dem  ge- 
meinsamen Zeugnis  der  quellen  folgend  eine  wUrkliche  definitive 
einziehung  der  odulgüter  und  eine  neuschenkung  durch  könig 
Hakon  annehmen  oder  nach  KMaurer  (aao.  s.  37  ff)  die  beschlag- 
nahmung der  bauerngüter  als  eine  pfändung  ansehen,  bei  der 
eine  künftige  einlösung  durch  dieselben  besitzer  oder  ihre  erben 
vorgesehen  war,  sodass  also  Häkon  nur  die  widereinlösung  der- 
selben freigab:  das  steht  fest,  dass  durch  den  gewaltact  des 
grofsen  königs  gegen  'die  reichen  und  armen',  wie  die  saga  aus- 
drücklich hervorhob,  das  freiheitsgefühl  des  bauernstandes  litt, 
sie  waren  eben,  wie  der  bericht  sagt,  prwikat  (geknechtet)  und 
konnten  in  diesem  sinne  durchweg  prcelar  genannt  werden,  der- 
selbe für   die  bauern    ungünstige   Staatsstreich  Haralds  hob   aber 


DAS  HARBARDSLJÖD  233 

den  jarlstand ,  wie  wir  aus  den  deutlichen  angaben  der  saga 
sehen,  auch  sie  waren  ja  freilich  in  der  theorie  nicht  mehr  un- 
abhängig wie  die  alten  fylkir ,  hersir  oder  pjödnar,  aber  durch 
die  gewalt ,  welche  ihnen  Harald  verlieh ,  standen  sie  und  ihr 
kriegerisches  gefolge  sich  sehr  gut,  oft  besser  als  die  alten  könige. 
sie  hatten  die  macht  und  das  interesse,  die  bauern  auszunutzen, 
da  sie  den  dritten  teil  der  abgaben  bekamen,  und  das  früher 
gute  Verhältnis  gestaltete  sich  zu  einem  gespannten,  wie  kluge 
jarle  diese  Verlegenheit  der  bauern  auszunutzen  verstanden,  zeigt 
deutlich  der  bericht  c.  32.  hier  ist  den  Orkneyingern  ein  hoher 
tribut  auferlegt,  den  sie  nicht  zahlen  können,  da  bot  ihnen 
der  jarl  Einar  an,  er  wolle  die  Zahlung  einstweilen  für  alle  über- 
nehmen ,  aber  er  müste  dafür  alle  odulgüter  als  eigentum  haben, 
die  veräufserung  geschah,  sie  blieben  dann  in  den  bänden  der  jarle, 
bis  sie  der  jarl  Sigurd  den  bauern  zurückgab,  wir  sehen  hier  deut- 
lich den  jarl  noch  in  seiner  alten  eigenscbaft  als  Vertrauensmann 
seiner  untergebenen,  aber  auch  schon  in  der  beginnenden  neuen 
als  nicht  uneigennütziger  Vermittler  zwischen  volk  und  könig. 

Wenn  also  schon  Müllenhoff  (DA  5,  294)  richtig  sagt  dass 
der  dichter  unseres  liedes  selber  einer  edlen  droit  oder  hird,  wie 
die  des  Hildölfr,  in  welcher  sich  Härbardr  zu  sein  rühmt,  ange- 
hört, dass  er  aber  im  gedichte  der  exclusiven  empfindung  seiner 
gesellschaft  den  geistreichsten  und  entschiedensten  ausdruck  gibt, 
so  können  wir  nach  dem  gesagten  nur  an  einen  mann  aus  der 
gefolgschaft  Haralds  oder  eines  seiner  jarle  denken,  überlegt  man 
nun  dass  in  den  berichten  der  sogur  gerade  die  Thröndener  jarle 
es  sind,  die  sich  Harald  mit  Vorliebe  anschliefsen,  erwägen  wir 
ferner  dass  dort,  wo  zu  Hladir  der  könig  seine  residenz  hatte, 
am  schärfsten  dieser  gegensatz  sich  ausbildete  und  am  bofe  am 
leichtesten  seine  dichterische  verberlicbung  fand,  so  dürfen  wir 
wol  mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  behaupten  dass  ein  Thrön- 
dener kriegsmann,  der  zugleich  die  |3ulr-kunst  pflegte,  aus  der 
gefolgschaft  eines  grafen  an  Haralds  hofe  der  Verfasser  unseres 
liedes  ist.  das  Härbardsljöd  ist  nach  alle  dem  ein  norwegisches 
gedieht  und  noch  unmittelbar  unter  dem  eindruck,  den  Haralds 
historische  tat  (c.  872)  auf  die  Zeitgenossen  machte,  gedichtet: 
wir  müssen  es  also  in  einem  der  beiden  letzten  Jahrzehnte  des 
9  jhs.  entstanden  denken,  der  dichter  aber  ist  den  l^ulir  des 
Gunnlodliedes  (Häv.  103 — 110)  und  des  gedichtes  von  Billings 
Z.  F.  ü.  A.   XXXI.    N.  F.  XIX.  16 


234  DAS  HÄRBARDSLJÖD 

maid  (Häv.  96—102)  geistig  nahe  verwandt,  ja  die  Vermutung 
liegt  nahe,  dass  alle  drei  lieder  von  demselben  ühermiitigen  aristo- 
cratischen  sänger  stammen. 

Gegen  diese  annähme  streitet  nun  in  der  tat  nichts,  für 
die  vvestnordische  herkunft  des  gedichtes  hat  Vigfüsson  nicht  den 
scliatten  eines  beweises  vorgebracht.  *  nichts  weist  auf  Dänemark 
oder  Schweden,  wol  aber  deutet  die  kost:  'häring  und  habermus' 
(Jessen  s.  36)  entschieden  auf  die  Westküste  von  Norwegen,  eben- 
falls weist  das  local,  auf  dem  die  handlung  des  gedichtes  sich 
abspielt,  auf  eine  der  kleinen,  nur  durch  einen  engen  meerarm 
vom  festlande  geschiedenen  inseln  oder  schären  derselben  küste. 
ferner  spricht  für  norwegische  abkunft  die  dreimalige  laconische 
notiz  ek  var  anstr  (v.  23.  29.  30)  =  ich  war  im  riesenlaude,  was 
nur  nach  norroenischer  geographie ,  wo  für  die  küstenbewohner 
das  hochgebirge  natürlich  im  osten  lag,  wol  verständlich  ist.  end- 
lich, wenn  nicht  nur  in  einer  interpolierten  visa  (22)  die 'eiche' 
sprichwörtlich  verwandt  wird,  sondern  auch  der  kahn  des  fergen 
Härbardr  ein  eichkahn^  (v.  7)  genannt  ist,  so  geht  auch  dies  auf 
die  skandinavische  halbinsel  und  nach  den  vorigen  indicien  auf 
Norwegen  (Jessen  s.  35).  dagegen  weist  nichts  auf  späteren  islän- 
dischen Ursprung:  denn  bua  i  skögum  für  'exsulem  fieri',  worauf 
v.  44  f  deuten,  war,  wenn  auch  die  Wörter  skögarmadr,  sköggangr 
hauptsächlich  der  isländischen  gesetzessprache  anzugehören  schei- 
nen, gewis  eine  altgermanische  bezeichnung  (vgl.  ags.  vealdgenga 
und  Grimm  RA  s.  733f).  auf  isländische  local-  oder  zeitverhält- 
nisse  fehlt  aber  jede  hindeutung. 

Ebenso  wenig  kann  der  in  unserem  liede  ungewöhnlich 
häufig  auftretende  suffigierte  artikel,  wie  Jessen  (s.  31)  und  Ny- 
gaard  (Eddasprogets  synlax  s.  47  f)  wollen,  für  das  geringe  alter 
des  gedichtes  sprechen,  man  hat  ihn  in  den  übrigen  liedern 
bereits  mit  vollem  rechte  getilgt,  aber  in  unserem  bisher  als  eine 
eigentümlichkeit  belassen,  nun  wies  bereits  Grimm  (Gr.  iv432ff) 
darauf  hin ,  dass  hsliche  Varianten  andeuteten  dass  der  angehängte 
artikel  im  Härbardsljöd  nur  auf  kosten  der  Schreiber  komme,  ich 
will  hier  blofs  v.  56  hervorheben,  wo  hs.  A  dreimal  mit  artikel- 
losem  stokks,   Steins,   vegs   gegenüber  der   Schreibung   stokksins, 

'  dassValland  (v.  24)  nicht  dafür  sprechen  kann,  wie  Vigfüsson  meinte 
(Corp.  poetic.  boreale  i  488),  ist  nach  dem  s.  220  gesagten  klar. 

^  \g\.  norweg.  eikj'a  und  schwed,  ekorna  Weinhold  Altn.  leben  s.  138. 


DAS  HARBARDSLJüD  235 

steinsins,  vegsins  von  R  steht,  vergegenwärtigt  man  sich  dass  der 
nüchterne,  pedestre  ton  des  liedes,  der  an  vielen  stellen  erfordert 
wurde,  sehr  leicht  die  Schreiber  dazu  verleiten  konnte,  auch  in 
diesem  puncte  den  text  dem  zu  ihrer  zeit  üblichen  prosaischen  aus- 
druck  anzuähneln,  dass  sich  der  artikel7mal  (3. 13.55.56)  in  fälsch- 
lich für  poesie  angesehener  prosa  oder  interpolierten  versen,  wie 
wir  später  zeigen  werden,  findet,  von  da  also  leicht  in  den 
poetischen  text  eindringen  konnte,  dass  aber  im  liede  selbst  der 
artikel  in  13  fällen  von  14  (v.  1.  2.  3.  4.  7,  1—4.  8.  13.  15.  29.  53), 
von  denen  widerum  nur  2  in  hs.  A  und  R  überliefert  sind,  das 
alleinige  hindernis  für  die  metrische  richtigkeit  der  halbzeile  bildet 
(s.  259):  so  wird  man  mit  Sicherheit  annehmen  dürfen  dass  in 
dem  einen  falle  v.  40  (i  hernum)  eine  corruption  vorliegt,  dass 
also  der  suffigierte  artikel  dem  text  unseres  liedes  ebenso  wenig 
eigentümlich  ist  wie  den  übrigen  Eddaliedern. 

Noch  ungerechtfertigter  ist  es,  wenn  Jessen  aao.  s.  40 
'wegen  des  Stiles,  der  sich  wenig  von  dem  der  prosaischen  rede 
entfernt'  und  'wegen  des  regellosen  potpourris  seiner  verse'  unser 
lied  als  ein  unantikes  bezeichnet  und  es  in  dieser  hinsieht  gar  mit 
den  Alliliedern,  den  Hamdismal  und  zum  teil  auch  mit  der  Hymis- 
kvida  auf  eine  stufe  stellt,  er  selbst  muss  zugeben  dass  die  an- 
näherung  an  die  art  der  täglichen  rede  im  liede  mit  mehr  geschick 
als  in  den   anderen ,  übrigens   'ungleichmäfsig'  durchgeführt  ist. 

Ein  prosaisch-pedestrer  stil  findet  sich  allerdings  in  unserem 
liede,  wo  der  humoristische  spott  ihn  erheischt,  wie  v.  6.  8.  12. 
26;  daneben  aber  ein  hochpoetischer,  zum  teil  ebenfalls  mit  be- 
absichtigter humoristischer  würkung,  besonders  im  emphatischen 
mannjafnadr:  ich  wüste  nicht,  worin  v.  16.  24.  29.  30  veesent- 
lich  von  der  antiken  form  der  Voluspä,  der  I*rymskvida  oder  der 
älteren  heldenlieder  abwichen,  die  spräche  des  liedes  entfernt 
sich  nirgend  so  von  der  zb.  der  Hävamäl,  dass  wir  dasselbe  nicht 
auf  demselben  boden  mit  der  alten  Spruchsammlung  erwachsen 
denken  könnten ;  der  Wechsel  des  Stiles  aber  innerhalb  des  ge- 
dichtes  ist  stets  dem  wechselnden  gedanken  conform.  in  pro- 
saischen Zusätzen  dagegen  laufen  allerdings  sonst  nicht  gewöhn- 
liche ausdrücke  unter,  so  stehen  in  v.  59,  die  mau  mit  unrecht 
bisher  als  verse  genommen  hat,  die  ccTta^  Xeyö/xeva  skoeting  und 
farsynßm  den  entsprechenden  poetischen  ausdrücken  hoetmgr 
(v.  53)  und  syn  (v.  56)  des  liedes  gegenüber,  auch  hier  nur  findet 

16* 


236  DAS  HÄRBARDSLJÖD 

sich  das  in  der  prosa  gewöhnliche,  in  der  Edda  nur  in  den  At- 
lamäl  angewandte  i  sinn  annat  für  das  poetische  odru  sinnt 
(Volusp.  R  56).  so  hegegnet  ferner  in  einem  anderen  zusatze, 
aus  dem  man  sich  vergebens  bemüht  hat,  verse  zu  construieren 
(v,  13,  4 — 6),  neben  den  prosaischen  worlen  kanginyrdi  und  ko- 
gursveinn,  welche  lebhaft  an  eine  stelle  der  Snorra  Edda  erinnern,^ 
die  in  den  alten  liedern  sonst  nicht  belegte,  später  häufigere  und 
im  neunordischen  gewöhnliche  ausdrucksweise:  kpgursveini pinum 
(dir  dem  lotterbubeu)  vgl.  Grimm  Gr.  iv  295. 

Ebenso  ist  die  metrische  Zerfahrenheit  des  liedes  nicht  so 
arg,  wie  es  auf  den  ersten  blick  scheint,  sie  schwindet  zum 
gröfseren  teil,  wenn  man  die  manigfachen  interpolationen^  tilgt, 
besonders  aber  die  vielen  pseudoverse,  auf  die  schon  andere, 
vor  allem  Grundtvig  (Edda  s.  200)  hingewiesen  haben,  die  stro- 
phenform  ist  unstreitig  der  kviduhattr,  wenn  man  auch  eher  den 
Ijödahätt  erwartete  (Mülleuhoff  aao.  294);  in  v.  16  und  auch 
nach  lilgung  des  kehrverses  in  v.  23  und  29  tritt  sie  deutlich  zu 
tage,  nun  kommt  allerdings  Wechsel  der  beiden  strophenarlen 
vor,  wie  in  den  Fafnismäl,  der  Sigurdarkv.  ii  und  der  Helgakvida 
Hiprvardssonar;  aber  die  spuren  des  Ijödahättr  in  unserem  liede 
sind  doch  nicht  reinlich  genug  —  nur  v.  47  ist  tadellos  über- 
liefert —  als  dass  man  sie  als  berechtigt  anerkennen  könnte, 
vielmehr  scheinen  die  besagten  stücke  verloreneu  liedern  anzu- 
gehören, die  unserem  liede  vom  dichter  einverleibt  und  damit 
auch  in  die  neue  strophenform  umgewandelt  wurden,  so  wird  die 
reine  Ijödahättvisa  47  aus  einem  unbekannten  Thörsliede  stam- 
men, aus  demselben  uns  verloren  gegangenen  Ödinsliede  aber 
vermutlich  die  in  v.  19,  3  —  8  und  in  v.  20, 1 — 6  deutlich  zu 
tage  tretenden  Ijödahättstrophen,  nimmt  man  hierzu  slrophen- 
ausgänge  wie  v.  18,  12,  die,  wie  die  verwandten  Strophen  der 
Hävamäl  bezeugen,  mit  geringer  änderung  sich  auch  dem  Ijöda- 
hätt anpassten,  ferner  v.  24,  4 — 7,  welche  eine,  wie  man  aus 
der  bindung  Ödinn-val  schliefsen  darf,  ziemlich  altertümliche 
Ijödahältvisa  beschliefsen ,  so  erscheint  es  kaum  zweifelhaft  dass 
unser  dichter  aus  verwandten  liedern  manche  Strophe,   die  ihm 

*  I  150:  ekki  immu  Idrämenn  Utgardaloka  vel  pola  pvilikum  kp- 
gursveini kopiwyrti. 

2  die  von  Jessen  aao.  behauptete  interpolationslosigkeit  unseres  liedes, 
welche  er  auch  zum  beweis  für  das  jüngere  alter  desselben  ins  feld  führt, 
werden  wir  unten  s.  240  ff  widerlegen. 


DAS  HÄRBARDSLJüD  237 

für  die  komische  persilTlage  geeignet  schien,  entlehnte  und  ihr 
mit  geringer  äuderung  die  gleiche  metrische  form  gab,  dass  aber 
die  Schreiber  entweder  die  ursprüngliche  form  der  Strophe  aus 
dem  benutzten  liede,  weil  sie  ihnen  geläufiger  war,  fixierten,  oder 
auch  die  abweichungen  commentierend  an  den  rand  schrieben 
und  dass  diese  dann  fälschlich  in  den  text  aufgenommen  wurden, 
diese  visur  konnten  dann  leicht,  zumal  man  gemäfs  dem  der 
Skirnisfor  ähnlichen  dramatischen  character  des  liedes  an  und  für 
sich  schon  den  Ijödahätt  erwartete,  zu  weiteren  Zusätzen  in  diesem 
versmafs  verleiten,  indem  die  Schreiber  entweder  kviduhättzeilen 
in  dasselbe  umformten  (v.  27,  3)  oder  Ijödahdttzeilen  einschoben 
(v.  9,  3)  oder  endlich  bruchstücke  gnomischer  lieder  anfügten 
(v.  22,  1 — 3).  so  wurde  der  kviduhättr  vielfach  entstellt:  ihn 
überall  widerherzustelleu  wird  später  (s.  240  ff)  unsere  aufgäbe 
sein,  man  betrachte  nun  aber  genauer  die  obengenannten,  aus 
dem  text  leicht  herauszuschälenden  Ijödahättvisur : 

V.  18,  9.  10.  12:   Vardk  einn  ollum  efri  at  rddum 

hafdak  ged  alt  ok  gaman. 
V.  19,  3 — 8:     Uip'p  ek  varp  augum       Audvalda  sonar 
d  pann  inn  heida  himin; 
Pat's  merki  mest  mmna  verka, 

er  allir  menn  sidan  um  se. 
V.  20,  1.  2:       Miklar  manvelar  vid  myrkridur  hafdak, 

V.  20,  3 — 6:  er  ek  frä  verum  veltak: 

hardan  jotun  Hiebard  hugdak: 

gaf  mer  gambantein. 
V.  24,  5 — 7:      Odtnn  ä  jarla,  er  i  val  falla, 

enn  Pörr  d  karla  kyn. 
vgl.   V.  30,  1 — 3:     Ek  var  austr,  vid  einher jar  doemdak 

(vgl.  cod.  A), 
lek  ek  vid  lindhvitu  (cod.  R). 
sollten  diese  alle  ein  Ödinslied  voraussetzenden  visur  und  halb- 
visur  nicht  einem  unserem  liede  ähnhchen  gedichte  im  anderen 
versmafs  angehört  haben,  das  denselben  stoff  behandelte,  aber 
ernsthaft  gehalten  war  und  sich  ähnlich  wie  die  eigentlichen  Hä- 
vamäl  die  ganze  herlichkeit  Odins  zu  zeigen  zur  aufgäbe  machte? 
ist  nicht  die  existenz  einer  solchen  Härbardsmäl  in  der  alten 
litteratur  an  sich  sehr  wahrscheinlich?  sie  würden  in  der  scala  der 
lieder,  wo  Odins  hyggja  im  wortstreit  mit  mächtigen  gegnern  den 


238  DAS  HARBARDSLJÖD 

Vorrang  behauptet,  die  oberste  stufe  eingenommen  haben,  wie 
in  den  Vaf})rüdnismäl  gegenüber  dem  übermächtigen  jöten,  in  den 
Grimnismäl  gegenüber  dem  auf  seine  eigene  kraft  vertrauenden 
menschen  würde  in  den  Härbardsmäl  Allvater  gegen  den  äsen 
Thor,  der  gelegentlich,  wie  wir  aus  den  Alvissmäl  sehen,  einem 
solchen  redeturnier  nicht  abhold  ist,  den  sieg  behalten. 

Eine  solche  geistreiche  Verwertung  eines  in  einem  ernsteren 
liede  vielleicht  noch  mythologisch  verständlicher  (s.  229)  behan- 
delten themas,  um  ein  höchst  humoristisches  götterdrama  zu 
schaffen,  in  welchem  die  social -politische  grundidee  durch  die 
entrückung  in  die  asenwelt  ihre  irdische  strenge  und  bitterkeit 
verlor  —  sie  sähe  dem  übermütigen  |iulr,  der  unser  lied  dichtete, 
ganz  ähnlich  und  täte  seinem  künstlerischen  ruf  gewis  keinen 
eintrag.  wir  würden  dann  um  so  eher  berechtigt  sein,  unseren 
spielmann  mit  den  grofsen  hellenischen  komikern  zu  vergleichen, 
wie  das  schon  andere  kritiker  getan  haben,  noch  manches  andere, 
was  wir  jetzt  nicht  mehr  übersehen,  konnte  er  fremden  liedern 
entborgt  haben,  um  es  zu  persifflieren.  die  benutzten  lieder,  vor 
allem  die  vermuteten  Härbardsmäl ,  brauchten  aber  nicht  wesent- 
lich älter  zu  sein:  eine  solche  parodierende  poesie  konnte  sich 
neben  den  ernsten  poetischen  Schöpfungen  ebenso  gut  entwickeln 
wie  in  Athen  neben  dem  drama  die  alte  komödie.  wie  Aristo- 
phanes  dem  armen  Euripides,  so  hat  gewis  auch  unser  dichter 
manchem  liedersänger  übel  mitgespielt,  und  ebenso  wie  verse 
von  diesem  den  Fröschen  oder  dem  Frieden  des  griechischen 
komikers  parodierend  einverleibt  wurden,  so  haben  wol  viele 
dichter  von  Odins-  und  Thörsliedern  den  oder  jenen  ihrer  verse 
oder  auch  ganze  Strophen  in  der  wundervollen  dichtung  komisch 
travestiert  widergefunden. 

Will  man  aber  unser  gedieht  mit  einem  werke  des  Aristo- 
phanes  vergleichen,  so  erinnert  die  einfachheit  der  fabel,  der 
politische  hintergrund,  auf  dem  die  handlung  sich  abhebt,  und 
die  ideale  einkleidung ,  welche  die  herbe  würklichkeit  nicht  ver- 
tuscht, aber  in  milderer  traumhafter  beleuchtung  erscheinen  lässt, 
unwillkürlich  an  die  Vögel,  wie  in  jenem  stücke  der  dichter  die 
von  der  entsetzlichen  sicilischen  catastrophe  niedergedrückten 
Athener  durch  sprühenden  witz,  dem  kein  Hellene  widerstehen 
konnte,  erheitert,  aber  das  ganze  windige,  unbeständige,  leicht- 
fertige wesen   seiner   mitbürger   geifselt,   so  ergetzt  unser  J)ulr 


DAS  IIÄRBARDSLJÖD  239 

das  durch  den  Staatsstreich  des  oeuen  oberherschers  seiner  alt- 
ererbten rechte  beraubte,  geknechtete  volk  durch  den  urkräftigen 
humor,  der  bei  dem  alten  nordmann  stets  anschlug,  und  zeigte 
zugleich  in  diesem  idealen  spiegelbilde  die  unnatürlichkeit  der 
bestehenden ,  allerdings  seinem  stände  grofse  annehmlichkeiten 
bietenden  Verhältnisse,  wie  aber  der  Hellene  die  schwächen  der 
götterwelt  dabei  mit  beifs^endem  witze  aufdeckt,  so  weifs  der 
dichter  des  Härbardsljöd  die  der  nordischen  asenwelt  mehr  mit 
trockenem  humor  zu  veranschaulichen,  dass  eine  zeit,  wo  die 
bestehenden  socialen  Verhältnisse  einen  totalen  Umschwung  er- 
fuhren und  eine  gewaltige  gährung  in  alle  Volksschichten  kam, 
das  aufblühen  einer  derartigen  dichtung  begünstigen  muste,  liegt 
auf  der  band. 

Wollte  nun  aber  jemand  trotz  den  völlig  analogen  helleni- 
schen Verhältnissen  wegen  des  freien  und  reflectierenden  tones, 
den  unser  lied  der  volksreligion  gegenüber  anschlägt,  auf  einen 
jüngeren  Ursprung,  wo  möglich  in  christlicher  zeit  schliefsen, 
so  kann  ich  nur  auf  die  trefflichen  bemerkungen  KMaurers  (Be- 
kehrung des  norwegischen  Stammes  n  247 — 253  vgl.  auch  i  158. 
160.  163)  verweisen,  aus  ihnen  geht  zur  genüge  hervor  dass  es 
schon  im  heidentum  weder  an  glaubenslosen  leuten  fehlte,  die 
auf  ihre  kraft  vertrauten,  noch  an  solchen,  die  sich  zu  einer 
freieren  beurteilung  der  götterlehre  aufschwangen,  zu  den  letz- 
teren haben  wir  den  begabten  dichter  unseres  liedes  offenbar  zu 
zählen,  und  gerade  in  Harald  härfagris  zeit  konnte  eine  solche 
freiere  denkungsweise  wol  um  sich  greifen:  halte  doch  diesen 
heidnischen  herscher  schon  das  vollbewustsein  seiner  eigenen  un- 
ersättlichen herschsucht  zum  monotheismus  geführt,  wer  das 
scharfsinnige  glaubensbekenntnis  dieses  genialen  königs  in  der 
Fagrskinna  §  17  liest,  der  wird  verstehen,  wie  zur  zeit  seiner 
regierung  ein  aufgeklärter  Untertan  unter  dem  beifall  seines 
publicums  eine  so  köstliche  götterfabel  ersinnen  konnte,  in  der 
er,  tiefsinnig  und  schalkhaft  zugleich,  ein  sociales  problem  seines 
Volkes  behandelte. 

Wenn  nun  die  Sn.  Edda  unser  lied  nicht  benutzt  hat,  selbst 
nicht  in  ihrer  jüngeren  fassung,'  auch  bei  den  gleichaltrigen 
oder   späteren    skaldendichtern    keinerlei   beziehung   darauf    sich 

'  obwol  aufser  der  s.  236  bemerkten  Übereinstimmung  Harbl.  13,  1  f 
(härm  Ijölan)  an  Sn.  E.  i  276  erinnert  1 


240  DAS  HARBARDSLJÖD 

findet,  so  besagt  auch  dies  nicht  eben  viel,  auch  die  Prymskvida, 
sicher  eines  der  ältesten  lieder  unserer  Sammlung  (Hoffory  GGA 
1885  s.  32),  wird  nirgend  citiert.  unser  gedieht  bot  aber  weder 
dem  skalden  noch  dem  Verfasser  des  skaldeulehrbuches  nennens- 
wertes material.  munda  baiigr  (v.  42,  2)  und  das  in  der  über- 
lieferten gestalt  rätselhafte  heimis  skögar  (v.  44  f)  sind  nicht  im 
eigentlichen  sinne  skaldische  ausdrücke  (s.  252.  280).  sonst  aber 
finden  sich  —  da  die  fingierten  namen  Rddsey,  Valland,  Verland 
nicht  in  betracht  kommen  können  —  nur  die  Odinsheiti:  Här- 
hardr,  Fjolvarr,  Hildölfr,  die  Thörskenningar:  OdiJis  mogr,  fadir 
Magna,  prüdvaldr  goda,  ferner  Algrcen  und  Fjorgyn  für  jord, 
und  die  kenninge:  Svdrangs  synir,  Berserkja  brüdir,  jotna  brüdir 
für  riesen  und  riesinnen.  als  mythologische  quelle  aber  konnte 
das  lied  vernünftiger  weise  nicht  oder  doch  wenigstens  nur  se- 
cundär  benutzt  werden:  die  discrepanz  von  v.  19,  3f  und  Sn.  E. 
I  224  kann  daher  gar  nichts  beweisen,  voreilig  wäre  es,  daraus 
zu  schliefsen  dass  das  Härbardsljöd  der  Sn.  Edda  oder  den  skal- 
den unbekannt  gewesen  sei.  wüsten  wir  wol  etwas  von  der  genauen 
bekanntschaft  der  letzteren  mit  den  Hävamäl,  wenn  nicht  zufällig 
die  ersten  beiden  halbzeilen  von  v.  76.  77  in  die  letzte  Strophe 
der  Iläkonarmäl  des  Eyvindr  skäldaspillir  aufgenommen  wären 
(vgl.  Müllenhoff  aao.  s.  280)? 

Das  Härbardsljöd  ist  also  ein  rein  heidnisches  norwegisches 
spielmannsgedicht  aus  Harald  härfagris  zeit. 

Wir  werden  nunmehr  das  lied  von  den  Zusätzen,  die  es  im 
laufe  der  zeit  erfahren  hat,  zu  befreien  suchen,  damit  es  uns 
wider  in  seiner  reinen  sprachlichen  und  metrischen  form  vor 
äugen  tritt. 

Ich  wende  mich  zunächst  zu  den  prosaischen  einschiebsein, 
auf  welche  schon  andere  hingewiesen  haben,  wenn  Grundtvig 
(Edda  s.  200)  erklärt,  dass  sie  angebracht  seien  'til  forhöjelse  af 
den  komiske  virkning',  also  einen  integrierenden  teil  des  gedichtes 
bilden,  so  werden  wir  vielmehr  zeigen  dass  sie  meist  den  Zu- 
sammenhang in  lästiger  weise  stören. 

Niemand  wird  heut  zu  tage  mehr  v.  17 :  hversu  snünudu  ydr 
konur  ydrar  für  einen  vers  erklären,  das  verb  snüna,  das  sich 
sonst  nur  noch  in  der  späten  Gripisspä  findet,  sowie  die  fehlende 
allitteration  sprechen  entschieden  dagegen,  und  die  conjectur  Berg- 
manns (s.  69),  welcher  das  in  der  Edda  ganz  unbekannte  svarur. 


DAS  HARßARDSLJÖl)  241 

jötenvveiber,  dalür  einsetzt,  ist  schou  wegen  des  folgenden  kofiur 
(18,  1.3)  sehr  unwahrscheinlich,  auf  welche  unsere  zeile  bezug 
nimmt,  wer  dieselbe  zusetzte,  hat  offenbar  durch  eine  zwischen- 
frage Thors  den  Übergang  von  Odins  kriegsabenteuern  zu  den 
weiberaffairen  motivieren  wollen,  durch  das  man  der  v.  16, 8 
angeregt  dichtete  er  im  hinblick  auf  v.  18,  1 — 4  eine  neugierig 
lüsterne  frage  Thors,  und  zwar  deuthch  nach  dem  muster  v.  31: 
göd  dt  tu  per  mankynni  par  pdJ  v.  17  ist  also  mit  Grundtvig 
zu  tilgen. 

Ebenso  kann  v.  21:  illum  hugi  launadir  pü  pd  göitar  gjafar, 
wo  jeder  reim  und  rhythmus  fehlt,  kein  vers  sein,  der  interpolator, 
der  dabei  v.  38,  1.  2  (klceki  vannt,  Pörr,  er  d  konum  bardir)  vor 
äugen  gehabt  zu  haben  scheint,  wollte  durch  den  zusatz  nur  das 
fragment  eines  gnomischen  liedes  im  Ijödahält,  das  eine  sentenz 
enthielt  in  dem  sinne:  'jeder  ist  sich  selbst  der  nächste'  und 
das  vielleicht  mit  bezug  auf  v.  20,  4 — 7  an  den  rand  geschrieben 
war,  mit  dem  übrigen  liede  verknüpfen.-  die  zeile  ist  daher  mit 
Grundtvig  ebenso  wie  v.  22  zu  streichen,  sodass  sich  v.  23  un- 
mittelbar an  v.  20  anschliefst. 

V.  41  ist  bei  Grundtvig  noch  nicht  beanstandet,  aber  auch 
sie  muss  mit  Hildebrand  (Edda  s.  50)  als  einfache  prosa  behandelt 
werden,  da  Bergmanns  verwegener  conjectur  kaum  jemand  zustimmt 
(s.  73).  ob  man  mit  der  Kph.  ausgäbe  öljüfan  =  unliebes  oder 
besser  wol  mit  Grundtvig  (Edda  s.  202)  ölyfjan  =  gift  liest,  bleibt 
einerlei,  der  sinn  der  zeile  ist  jedesfalls:  'als  du  fuhrst  uns  böses 
zuzufügen.'  der  Verfasser  des  Zusatzes  hat  deuthch  v.  15,  1  vor 
äugen  gehabt,  dort  hiefs  es,  als  Härbardr  durch  die  nennung 
von  Hrungnis  namen  den  Thor  auf  das  bekannte  abenteuer  zu 
sprechen  brachte,  durchaus  passend:  Jims  viltu  nü  geta,  als  ich 
und  Hrungnir  kämpften  usw.  hier  aber,  wo  Härbardr  nichts  weiter 
gesagt  hat,  als  dass  er  in  einem  beere  gewesen  sei,  welches  das 

*  das  7nans  at  kosta  ist  an  sich  schon  auffällig,  da  man  entsprechend 
dem  folgenden  plural  konur  doch  mey/a  at  kosta  erwarten  würde,  ich 
glaube  daher,  wir  haben  es  einfach  mit  einer  Verderbnis  zu  tun  und  schreiben 
richtig,  zumal  wegen  des  voraufgehenden  margs  at  freista,  in  z.  8:  magns 
at  kosta  vgl.  Volusp.  A  7:  alls  freist^iitu,  aßs  kostuS:u.  Rig{).  9:  magns 
um  kosta.  Grottas.  22:  megins  kostuTtii.  dann  wäre  in  v.  16  lediglich  von 
den  kriegstaten,  v.  18  von  den  galanten  abenteuern  die  rede. 

^  pat  hefir  eik  er  af  annarri  skefr  (v.  22)  ist  aber  höchst  wahrschein- 
lich noch  in  Norwegen  dem  gedichte  angehängt  worden,  vgl.  s.  234. 


242  DAS  HARBARDSLJÖD 

kampfbanner  hierher  vor  sich  habe  wehen  lassen ,  um  den  speer 
zu  röten  (vgl.  Grundlvig  s.  201),  um  dann  sofort  den  vermeint- 
lichen höhn  wegen  der  bufseleistung  daran  zu  knüpfen,  ist  der 
dem  obigen  nachgeahmte  satz:  pess  viltu  nü  geta,  als  du  kamst 
uns  böses  anzutuo,  ganz  absurd  und  stört  den  Zusammenhang  und 
die  Strophenform  der  aus  v.  40  und  42  regelrecht  gebildeten 
kviduhättvisa. 

V.  46  svd  doemi  ek  um  sUkt  far  lässt  Grundlvig  unent- 
schieden, ich  kann  weder  in  dieser  zeile  noch  in  der  vorher- 
gehenden v.  45  pö  gefr  pü  gott  nafn  dysjum,  er  pü  kallar  pcer 
heimts  sköga  (hs.  R  und  A)  eine  spur  von  vers  entdecken,  dass 
die  Worte  im  Zusammenhang  unpassend  sind,  liegt  auf  der  band, 
nachdem  Härbardr  gesagt  hat,  er  habe  die  schneidenden  worle 
von  den  toten  (das  ist  jedesfalls  der  sinn  der  sprachlich  cor- 
rupten  v.  44),  macht  Thörr  die  bemerkung,  Ödinu  habe  ja  eine 
hübsche  bezeichnung  für  gräber,  worauf  Härbardr  entgegnet,  so 
dächte  er  über  eine  solche  fahrt,  und  nach  dieser  harmlosen 
erkläruug  braust  Thörr  so  zornig  auf  wie  nie  und  droht  Här- 
bard  zu  schlagen,  dass  er  wie  ein  wolf  heule,  wie  diese  letzte 
bemerkung  ihn  in  die  wut  gebracht,  bleibt  unverständlich,  alles 
wird  aber  klar,  wenn  sich  v.  47  sofort  an  v.  44  anschliefst,  dass 
Härbardr  seine  künde  von  'toten'  haben  wollte,  konnte  allerdings 
dem  biederen  Thor  als  eine  neue  freche  lüge  erscheinen  und 
ihn  zum  zorne  reizen,  v.  45  wird  zunächst  zugesetzt  sein ,  um 
das  unverständliche  heimis  skögum  in  v.  44,  3  zu  erklären,  v.  46 
ist  dann  die  nolbrücke,  um  zu  v.  47  überzuleiten. 

Ähnlich  wird  man  auch  den  schon  s.  236  berührten  zusatz 
v.  13,  4 — 6  erklären  müssen,  den  man  bisher  allgemein  als  vers 
genommen  und  manigfach  abgeteilt  hat,  obwol  er  doch  in  keine 
der  beiden  Strophenformen  passt.  'ich  würde  dir  lohnen  dein 
wortgeklingel,  lollerbube,  käme  ich  nur  über  den  sund.'  der  iuter- 
polalor  wollte  die  erste  hälfte  der  visa,  wo  ihm  nach  dem  ko~ 
gursveini  (z.  5)  zu  schliefsen  ein  kognr  vorgelegen  hat,  in  einer 
prosaischen  anmerkung  erläutern,  doch  traf  er  den  sinn  der- 
selben nicht. 

Demselben,  welcher  die  eben  genannten  Zeilen  zusetzte,  ver- 
danken wir  wol  auch  die  erweiteruug  v.  33 — 35  (vgl.  13,6  und 
33,  2).  der  interpolalor  wollte  wider  eine  sprichwörtliche  redens- 
art:    'ich  bin  nicht  so  fersenbeifsig  wie    ein  alter  lederschuh  im 


DAS  HARBARDSLJÜD  243 

frühjahr'  (v.  35)  anbringen.  ^  zu  ihrer  Verknüpfung  mit  dem 
übrigen  dienen  die  nichtssagenden  zeilen:  ek  munda  per  pd  pat 
veita,  ef  ek  vidr  of  konmmk  (v.  33)  und:  ek  munda  per  pd  trüa, 
nema  pü  mik  i  trygd  veltir  (v.  34),  die  ja  allerdings  des  Stabreimes 
nicht  ermangeln,  aber  sonst  durch  nichts  an  verse  erinnern. 

Besonders  reich  an  solchen  prosapartien  ist  der  schluss  des 
gedichtes.  v.  57  hat  Grundtvig  schon  als  vers  beanstandet,  merk- 
würdiger weise  aber  an  v.  55  und  v.  59,  über  die  schon  s.  235 
das  nötige  gesagt  wurde,  keinen  anstofs  genommen.^  vergleicht 
man  die  visur  54  und  60,  so  fällt  es  auf  dass  sie  ebenso  parallel 
gebaut  sind,  wie  die  beiden  aufangslangzeileu  des  gedichtes,  und 
man  kommt  leicht  auf  die  Vermutung,  dass  sie  ursprünglich  zu- 
sammengehören und  erstere  nur  durch  Schreiberirrtum  an  den 
jetzigen  platz  geraten  ist.     man  vgl. 

V.  1:  hverr's  sveinn  sveina  v.  54:  far  firr  sundi, 

fyr  sund  hatidan?  fars  skal  synja. 

V.  2:  Jwerr  karl  karla  v.  60:  far  pü  nü  pars 

kallar  vdg  um?  pik  haß  gramir. 

dieser  parallelismus  ist  so  einleuchtend  ,  dass  man  nicht  bedenken 
tragen  darf,  die  v.  54  an  ihre  alte  stelle  zu  transponieren,  nun 
hat  man  die  v.  60  bisher  in  allen  ausgaben  nach  dem  H.  q.  der 
hs.  A  dem  Härbard  zugeschrieben ,  aber  die  Verwünschung  in 
Odins  munde  nicht  recht  erklären  können.  Lüning  (Edda  s.  225) 
meinte  dass  sie  notwendig  sei,  weil  Härbardr  am  ende  wider 
seiner  Verhüllung  gemäfs  sprechen  müsse,  die  Kph.  ausgäbe  hat 
in  die  Schlussworte  den  etwas  künstlichen  doppelsinn  hinein 
interpretiert,  dass  unter  gramir  sowol  böse  geister  als  auch  die 
götter  verstanden  werden  könnten  [gramir  =  bellatores),  sodass 
also  Odins  worte  in  würklichkeit  den  wünsch  enthielten,  Thörr 
möge  wolbehalten  bei  den  göttern  wider  anlangen,  zieht  man 
nun  wie  sonst  die  hs.  R  vor  und  legt  die  worte  dem  Thor  bei, 
so  sind   sie  von  diesem  ernst  gemeint,    da  er  ja  Odin  trotz  den 

*  aus  der  unzweifelhaft  unechten  visa  der  papierhss.  (Bergm.  s.  72), 
die  dieser  natürlich  unrichtig  in  den  text  recipiert  (s.  92),  sieht  man  deut- 
lich das  fortwuchern  solcher  gnomischen  einschiebsei. 

2  jeder  unbefangene  wird  schon  beim  lesen  die  worte:  visa pü  mer  nü 
leiäina,  alls  pü  vill  mik  eigi  um  väginn  ferja  (v.  55)  und:  skamt  mun 
nü  mal  okkat  vera  (R),  alls  pü  mer  skoetingu  einni  svarar;  launa  mun 
ek  per  farsynjun,  ef  vi^  finnumk  i  sinn  annat  nur  als  prosa  auffassen 
können. 


244  DAS  HARBARDSLJÖD 

Odins  landa  nicht  erkennt,  und  bilden  den  köstlichsten  abschluss 
von  Thors  ganzem  komischen  auftreten  (vgl.  s.  228). ^ 

Es  ist  nun  klar  dass,  nachdem  v.  54  ihren  alten  platz  ver- 
liefs,  V.  58  und  v.  60,  welche  beide  fälschlich  dem  Harbard  zu- 
geteilt wurden,  nicht  neben  einander  bestehen  konnten,  sondern 
eine  zwischenrede  Thors  verlangten:  diesen  Übergang  von  v.  58 
zu  60  sucht  die  prosaische  v.  59  zu  vermitteln,  andererseits 
klaffte  die  erzählung  durch  die  einschiebung  der  v.  54  zwischen 
ihr  und  v.  56,  da  natürlich  Härbardr,  nachdem  er  kurz  und 
bündig  die  überfahrt  geweigert  hat,  nicht  fortfahren  wird:  litit 
er  synja  usw.  die  notbrücke  bildet  hier  die  ebenfalls  prosaische 
v.  55,  welche  zu  erklären  sucht,  wie  Härbardr  dazu  kommt,  dem 
Thor  den  weg  anzugeben,  sehr  schön  aber  schliefsen  sich,  lässt 
man  die  v.  54  und  55  an  unserer  stelle  fort,  v.  53  und  v.  56 
an  einander,  dem  vorschlage  Thors,  ihn  doch  jetzt  endlich  über- 
zusetzen, begegnet  er  vorläufig  mit  der  ausweichenden  bemerkung: 
es  wäre  ja  gar  nicht  so  schlimm  mit  der  fahrtweigerung  (ich 
folge  in  der  erklärung  Rask,  der  synja  als  gen.  plur.  nimmt), 
denn:  langt  erat  fara  es  ist  nicht  lang  der  fahrten  dh.  du  hast 
nicht  lange  zu  fahren  (wie  Rask  ebenfalls  gegen  die  späteren 
herausgeber  richtig  schreibt):  um  sich  die  directe  fahrtweigerung 
(v.  54)  dann  bis  zum  schluss  aufzusparen. 

Was  nun  endlich  v.  57  anlangt,  so  kann  das  zweimalige  taka 
unmöglich  binden,  die  zeile  ist  also  prosa,  wenn  nicht,  was  mir 
wahrscheinlicher  scheint,  eine  Verderbnis  vorliegt,  durch  die 
einfache  besseruug  aJca  vehi  wäre  ein  reimwort  zu  erfidi  (v.  58) 

*  bekanntlich  tiat  cod.  R  in  v.  60,2:  allan  gramir,  cod.  A  dagegen 
allir  gramir  und  Bugge  hat  durch  je  zwei  beispiele  die  berechtigung  beider 
lesarten  dargetan :  aber  sie  entstammender  späteren  litteratur.  erwägt  man 
dass  der  vers  hier  einfaches  gramir  erfordert  und  die  parallele  stelle  in  der 
Edda  (Brot  11,  5):  gramir  haß.  Gumiar  (vgl.  auch  HHundb.  i  44:  deili 
grom  viä  pik)  hat,  so  scheint  einfaches  ^;-fl7n/r  das  ältere  zu  sein  und  die 
diR'erenz  der  codd.  darauf  zurückzuführen,  dass  die  Schreiber  den  jüngeren 
ausdruck  einsetzten,  wobei  der  eine  allir,  der  andere  allan,  die  sich  beide 
häufig  fanden,  bevorzugte,  wenn  Grundtvig  den  vers  anzweifelte,  so  war 
es  wol  der  allitteration  halber,  aber  Jiü  und  pik  binden,  da  der  ton  auf 
ihnen  liegt  im  gegensatz  zu  dem  zu  v.  54  zu  supplierenden  pv.  über  die 
gramir  vgl.  Grimm  Myth.  828.  far  pars,  er  pik  hafi  gramir  würden  wir 
übersetzen  können:  fahr  dahin,  wo  der  teufel  dich  hole,  es  war  eine  ver- 
wünschungsformel  analog  dem  plautinischen :  abi  in  malam  crucevi  oder 
dem  aristophanischen:    uni&i  ii<;  xöqccxus. 


DAS  HARBARDSLJOD  245 

gefunden,  in  der  tat  würde  es  das  humorvolle  der  Situation  un- 
gemein verstärken,  wenn  der  brave  Thörr,  dem  dieser  ausdruck 
von  seinen  sonstigen  fahrten  geläufig  war  (f*rymskv,  12.13.21), 
auch  hier,  wo  er  laufen  muss,  denselben  anwendet  und  sich  auch 
ohne  sein  bocksgespann  als  Oku^iörr  geriert. 

Kürzere  zusätze,  deren  prosaischen  character  man  bisher 
noch  nicht  betont  hat,  finden  sich  in  den  visur  4.  6.  12.  49:  in 
allen  vier  fällen  sollen  sie  wol  zur  näheren  erklärung  eines  ausdrucks 
dienen,  v.  4 :  veiztattu  fyr  gorla  scheint  motivieren  zu  wollen, 
warum  Härbardr  Thor  den  tod  seiner  mutter  mitteilte,  da  er  doch 
eigentlich  als  söhn  denselben  wissen  muste.  v.  6 :  patki  at  pü 
hafir  brcekr  pinar  (ce  n'est  pas  que  tu  aies)  erweist  sich  schon 
durch  die  gekünstelte  spräche  als  zusatz,  durch  das  berbeiim  (z.  3) 
veranlasst,  enthält  aber,  worauf  schon  Lüning  hinwies  (Edda 
s.  217),  die  Ungereimtheit,  dass  sie  den  Thor  anstatt  der  hosiir 
(des  unteren  teiles  des  beinkleides)  die  brcekr  ablegen  lässt,  den 
oberen  teil,  der  kaum  in  der  nacht  abgelegt  wurde  (Weinhold 
Altn.  leben  s.  163).  v.  12:  enn  pött  ek  sakar  eiga  widerholt 
lästig  die  vorhergehende  zeile  11,  2.  nimmt  man  v.  12,2  mit 
Hildebrand  die  geringe  änderung^d  statt  ^ä  vor,  so  besagt  v.  12, 
2 — 4  ohne  den  zusatz  genau  dasselbe:  'dennoch  würde  ich  mein 
leben  schützen',  die  jetzige  fassung  mag  also  eine  commentierung 
des  ursprünglich  im  text  stehenden  pö  sein:  sie  wurde  dann 
fälschlich  statt  dieses  Wortes  aufgenommen,  endlich  v.  49,  2,  in 
der  mer  mit  dem  mcelir  der  z.  1  doch  kaum  binden  kann ,  fügt 
zu  dem  at  munns  rädi,  aufs  gerate  wol,  die  erläuterung:  'sodass 
es  mich  sehr  schlecht  dünken  sollte',  in  allen  vier  fällen  wird 
nach  tilgung  der  zusätze  leicht  die  herstellung  regelmäfsiger  kvi- 
duhättstrophen  ermöglicht. 

Dagegen  halte  ich  es  nun  nicht  mit  Grundtvig  für  gerecht- 
fertigt, die  beiden  im  liede  einander  correspondierenden  kehrverse 
hvat  vanntu  pä  medan,  Hdrbardr?  (v.  15.  19.  23.  29.  39)  und 
hvat  vanntu  pä  medan,  Pörr?  (v.  18.  22.  28.  36)  als  prosa  zu 
betrachten,  diese  kehrverse  sind  in  eddischen  gedichten  so  häufig, 
dass  wir  sie  kaum  in  unserem  liede  läugnen  können,  wir  finden 
in  der  Voluspä  das  bekannte:  vitud  enn  eda  hvat  und  die  nach- 
bildungen  in  der  Voluspä  hin  skarama  (Hyndlul.  31 — 39  vgl. 
auch  17.  18).  die  volva  in  der  Vegtamskvida  schliefst  ihre  rede 
jedesmal   mit   dem  Spruche:    naudug  sagdak,  nü  mun  ek  peggj'a 


246  DAS  HARBARDSLJÖD 

(v.  7.9. 11).  ganze  halbvisur  werden  zu  anfang  der  Strophe  wider- 
holt in  den  Loddfafnismäl  (Häv.  112 — 137)  und  im  Ljödatal  (Häv. 
146 — 163),  auch  in  der  späteren  Lokasenna  (57 — 63).  am  ähn- 
lichsten unserem  liede  werden  in  der  senna  der  VafJ)rüdnismäl  cor- 
respondierende  verse  Vafjirüdnirs  (v.  11 — 17)  und  Odins  (v.20 — 42 
vgl.  44 — 54)  aufgeführt,  aber  nicht  so,  dass  beide  kehrverse  alter- 
nierten: dies  hat  erst  unser  Hed  kunstvoll  ausgebildet,  ich  glaube 
daher  dass,  zumal  der  erste  kehrvers /(ycf?  vannlu  pd,  Härharctr, 
medan  sich  gut  in  das  metrum  fügt,  Bergmann  den  zweiten  mit 
recht  zu  bessern  gesucht  hat.  auch  ist  sein  Vorschlag,  Hlörridi 
für  Pörr  zu  setzen  (s.  86  vgl.  Prymskv.  7.  8.  14.  31.  Hymiskv. 
4.  27.  29.  37),  so  naheliegend  und  einleuchtend,  dass  wir  unbe- 
denklich den  vers  dem  ersten  analog  schreiben  dürfen :  hvat  vannhi 
pd,  Hlörridi,  medan?  betrachten  wir  nun  aber  auch  hier  die 
hslichen  Varianten  (v.  22.  28.  36) ,  so  scheint  es  wahrscheinlich 
dass  die  kehrverse  schon  den  s.  237  vermuteten  Härbardsmäl  an- 
gehört haben,  wo  sie  natürlich  regelrechte  Ijödahättzeilen  ab- 
gaben. ^ 

Wir  kommen  nun  zu  den  poetischen  Zusätzen,  drei  Strophen 
(v.  8.  9.  56)  sind  je  durch  eine  langzeile  überfüllt,  bei  den  beiden 
ersten  hat  Grundtvig  aao.  angedeutet  dass  die  schlusslangzeilen 
als  prosa  zu  tilgen  seien  (v.  8,  9  f.  v.  9,  9  f).  aber  in  beiden  visur 
sind  diese  Zeilen  regelrecht  durch  den  stab  gebunden,  aufserdem 
für  den  sinn  unentbehrlich,  es  sind  daher  in  v.  8  zeile  7  und  8: 
göda  eina  ok  pd  er  ek  gerva  kunna,  ein  ganz  überflüssiger  zusatz, 
der  nur  die  ausdrücke  hrossa  pjöfa  und  hlennimenn  erklären 
sollte,  zu  streichen,  auch  in  v.  9  ergibt  sich  die  Interpolation 
sehr  bald,  die  zweite  visuhelming  ist  regelrecht  im  kviduhätt 
gebaut:  dagegen  zeigen  z.  1 — 3  die  andere  liedform.  nun  ist 
im  folgenden  Meila  brödir  ein  ganz  unnötiger,  ja  bedenklicher 
Zusatz,  denn  von  diesem  gotte  (Sn.  E.  i  553.  278)  weifs  unsere 
liedersammlung  sonst  gar  nichts. 2  z.  5  scheint  also  von  einem 
litteraten  eingeschoben,  die  erwähnung  aber  des  hier  ganz  un- 
motivierten Meili  veranlasste  die  bemerkung:  ok  til  alls  odlis, 
als  ob  Thörr  hier  sein  ganzes  geschlecht  aufzählen  wollte,    hierzu 

*  hinter  v.  23.  29  muss  der  kehrvers  getilgt  werden,  weil  er  die  strophe 
überfüllt,  und  hinter  v.  30  und  37,  wo  die  letzte  langzeile  fehlt,  ist  er  wol 
2U  ergänzen. 

^  Magni  wird  auch  v.  53  wider  als  Thors  söhn  erwähnt. 


DAS  HARBARDSLJÖD  247 

kam  dass  der  mangelnde  Stabreim  in  z.  4  und  6  leicht  zu  Zu- 
sätzen verleiten  konnte:  derselbe  wird  aber  durch  einsetzung  des 
synonymums  mogr  für  sonr  (Volusp.  R  52)  leicht  hergestellt,  man 
schreibe  also:  emk  Odins  mogr,  enn  fadir  Magna  (vgl.  v.  53: 
hitt  fodur  Magna),  und  die  visa  ist  untadelhaft.  in  v.  56  end- 
lich sind  die  vvorle  (z.  3.  4)  stund  er  til  stokksins ,  onnur  til 
steinsins  ebenfalls  ein  sinnwidriges  einschiebsei. i  Lüning  (s.  224) 
deutet  slokks  und  Steins  hier  wol  richtig  als  Wegweiser  oder 
meilenzeiger,  das  erstere  findet  sich  nur  noch  in  den  Atlamäl 
und  ist  schon  deswegen  verdächtig,  der  Verfasser  der  Zeilen  hat 
durch  die  noliz:  'eine  stunde  ists  bis  zum  meilenstein,  eine 
andere  bis  zum  Wegweiser',  die  natürlich  keine  würkliche  weg- 
augabe  enthält,  eine  neue  mystification  Thors  hinzufügen  wollen, 
die  angäbe  des  weges  von  seilen  Odins  ist  aber  durchaus  ernst- 
haft zu  fassen  (vgl.  s.  228). 

Von  gröfseren  poetischen  Interpolationen  habe  ich  nur  zwei 
gefunden,  die  eine  erweitert  die  notiz  vom  handschuhabenleuer 
(v.  26,  5  —  9),  die  zweite  versucht  analog  dem  einschub  v.  6,  5 
eine  breitere  ausmalung  von  Thors  persönlichkeit  (v.  3,3f.  6.8). 

Die  Zeile  5  in  v.  26  hat  man  seit  Rask  mit  recht  in  den 
ausgaben  gestrichen:  dass  sie  nicht  aus  Lokas.  60  stammt,  ward 
schon  oben  (s.  226)  bemerkt,  aber  auch  die  darauffolgende  kvi- 
duhältstrophe  ist  nur  ein  zusatz,  um  die  hrwzla  z.  3  näher  aus- 
zuführen, sehr  bedenklich  ist,  dass  Skry'mir,  auf  den  allein  in 
z.  26,9  angespielt  sein  kann,  Fjalarr  genannt  wird,  da  im  liede 
sonst  die  namen  der  mythischen  personen  unverhüllt  genannt 
werden,  hier  aufserdem  durch  zeile  3  f  schon  klar  war  dass  nur 
das  Skrymir-abenteuer  gemeint  sein  konnte,  so  ist  nicht  abzu- 
sehen, warum  derselbe  hier  den  namen  Fjalarr  bekommen  haben 
sollte,  in  dem  in  die  Ilävamäl  erst  verhältnismäfsig  spät  einge- 
schobenen abschnitt  von  der  ofdrykkja  ols  (v.  11  — 14)  müste, 
falls  Ödinn  in  v.  14  von  demselben  abenteuer  erzählte,  wie  v.  13, 
wo  er  von  der  Gunnlpd  spricht,  Fjalarr  appellativisch  für  Sut- 
tungr  (Häv.  109  f)  stehen:  aber  dort  ist  noch  viel  weniger  ver- 
ständlich ,  warum   der  name   des   riesen    nicht  genannt   werden 

*  dieser  zusatz  hat  vermutlich  auch  das  vegsins  z.  5  veranlasst,  um 
die  zeile  den  vorhergehenden  anzuälineln:  til  vinstra  elliptisch  genügt; 
vielleicht  ist  aber  auch  til  vlnstri  (sc.  handar  FMS  vi  165)  das  ursprüng- 
liche wie  dän.  'til  wenstre'  und  unser  'zur  linken'. 


248  DAS  HARBARDSUÖD 

sollte.  QUD  kann  man  natürlich  an  beiden  stellen  weder  an  den 
rufsroten  hahn  der  Voluspä  (R  41)  noch  an  die  zwerge  (Vol.  R  15. 
Sn.  E.  I  216)  denken,  aber,  um  zu  erweisen  dass  Fjalarr  in 
unserem  liede  Skrymir  und  im  anderen  Suttungr  bedeute,  müsten 
doch  erst  mehr  analoga  beigebracht  werden,  die  sich  in  den  alten 
liedern  kaum  finden  dürften  (vgl.  Müllenhoff  aao.  s.  133).  da  nun 
aber  im  Skäldskaparmäl  Fjalarr  doch  unter  den  ämättligra  jotna 
lieiti  aufgeführt  ist,  so  werden  wir  an  einen  uns  unbekannten 
mylhus  zu  denken  haben,  den  wir  bei  den  dürftigen  andeutungen 
der  beiden  stellen  nicht  mehr  erraten  können,  nur  dass,  Odinn 
bei  der  gelegenheit  ofrolvi  ward,  sehen  wir  aus  Häv.  14,  und  so 
mag  unsere  visuhelming  vielmehr  bruchstück  eines  dem  tone  der 
Lokaseuna  (vgl.  besonders  v.  32)  nahe  kommenden  liedes  im  kvi- 
duhätt  sein,  in  welchem  ein  abenteuer  Odins  mit  dem  riesen 
Fjalar  verspottet  wurde,  dem  widerstreitet  Häv.  13,  wo  Odins 
rausch  in  Gunnlods  behausung  erzählt  wird,  in  keiner  weise:  in 
V.  14  wurde  eben  ein  neues  beispiel  für  die  Schädlichkeit  der 
ofdrylikja  oh  beigebracht,  sehr  leicht  konnte  aber  die  halbstrophe 
von  einem,  der  den  mylhus  derselben  nicht  mehr  verstand,  aber 
durch  den  mit  dem  bekannten  abenteuer  (Sn.  E.  i  144 ff)  überein- 
stimmenden inhalt  bestochen  wurde,  an  die  v.  26  angehängt  wer- 
den, die  kurze  andeutung  z.  3.  4,  welche  dem  Thor  feigheit 
vorwirft,  genügt  vollkommen,  um  die  zornigen  worte  (v.  27)  zu 
motivieren,  und  wir  haben  nach  dem  gesagten  allen  grund,  v.  26, 
5 — 9  als  späteren  zusatz  zu  streichen. 

Wir  kommen  nun  zu  v.  3.  sie  ist  als  tadellose  kviduhätt- 
strophe  überliefert,  aber  die  worte  verdra  matrinn  hetri  —  Grundt- 
vig  und  Hildebrand  schreiben  wol  richtiger  malr  inn  hetri  —  er- 
wecken sprachliche  bedenken,  'bessere  kost  gibts  nicht'  (Lilien- 
cron  s.  182)  sollte  wol  der  beabsichtigte  sinn  sein,  aber  zum 
mindesten  ist  dies,  wenn  man  mit  Bergmann  inn  für  enn  nimmt 
und  übersetzt:  'es  gibt  nicht  speise  noch  besser'  (s.  81  vgl.  Ny- 
gaard  Eddaspr.  syntax  s.  47  f),  recht  stümperhaft  ausgedrückt  und 
erinnert  an  den  ungeschickten  zusatz  in  v.  6.  an  dem  kostüm 
des  Thörr  wird  ja  nun  niemand  anstofs  nehmen,  es  ist  dasselbe, 
was  er  in  der  Sn.  Edda  i  276,  wo  er  den  Orvandil  im  korbe 
über  die  eisströme  trägt,  hat  und  das  ihm  als  landäss  auch  durch- 
aus zukam,  albern  aber  ist  es,  wenn  Thörr  Härbard,  der  ihn 
doch  vor  sich  sieht,  darauf  aufmerksam  macht:  meis  hefik  d  baki. 


DAS  IIARBAHDSLJÖD  249 

sollte  aber  der  siun  sein:  'iü  dem  korbe  auf  meinem  rücken 
habe  ich  speise,  wie  es  keine  köstlichere  gibt',  so  wird  man  zu- 
geben dass  dieser  gedauke  durch  den  überlieferten  Wortlaut  mög- 
lichst ungeschickt  ausgedrückt  ist.  es  wird  hier  getrost  wider 
die  band  des  interpolators  von  v.  6,  5  angenommen  werden 
dürfen ,  der  auch  zu  diesem  zusatz  durch  das  misverstandene 
herheiim  veranlasst  wurde  (s.  245).  ebenso  unglücklich  ist  die 
z.  6,  die  zu  ät  ek  ihvild,  welche  regelrecht  mit  sildr  ok Jmfra  I)indet, 
eine  Zeitbestimmung  hinzufügen  wollte,  die  aber  kaum  richtig  ist 
(s.  258).  rückt  man  z.  5  und  7  zusammen  und  tilgt  aufserdem  den 
ganz  unnötigen  zusatz :  sadr  em  ek  enn  pess  z.  8,  so  erhalten  wir 
eine  tadellose  visuhelming. 

Diese  Streichungen  svaren  um  so  notwendiger,  als  nun  erst 
durch  V.  3,  1.  2.  5.  7  die  visur  1  und  2  zu  einer  regelrechten 
Strophe  vervollständigt  werden,  mit  einer  halbvisa  konnte  das 
gedieht  füglich  nicht  beginnen,  dass  aber  vor  v.  1.  2  etwas  aus- 
gefallen sein  sollte,  wie  der  litterat ,  der  die  ]jödahält\isa  der 
papierhss.  an  den  anfang  des  gedichtes  setzte,  annahm,  ist,  wie 
schon  Bergmann  (s.  77  f)  mit  recht  bemerkte,  undenkbar,  in 
dialogischen  gedichten  wird  die  handlung  nur  indirect  durch  die 
reden  der  handelnden  personen  geschildert,  und  die  einzige  aus- 
nähme (Vafl)r.  V.  5)  hat  Gruudtvig  (Edda  s.  204)  mit  vollem 
recht  für  unecht  erklärt,  die  parallelen  Zeilen  1.  2  bilden  not- 
wendig den  anfang  des  gedichtes  (vgl.  s.  243)  und  führen  wie 
Hyndlul.  1 :  vaki,  mcer  meyja  usw.  unmittelbar  in  die  handlung  ein. 

Nach  lilgung  dieser  prosaischen  und  poetischen  einschiebsei 
ergeben  sich  sofort  16  regelrechte  kviduhättvisur,  nämlich:  1 12|3 
— 4|5— 6|7  — 8— 9—  10|  11112— 15— 16  — 18,  1—8—23—29 
—  30— 39— 40 1 42— 48 1 49— 56:  aber  auch  alles  übrige  im  ge- 
dieht fügt  sich  ohne  allzu  gewaltsame  ändern ngen  diesi-r  stro- 
phenform. 

V.  13,  1  —  3  ist  überliefert:  hairn  Ijötan  nier  pikkir  i  pvi  at 
vada  um  vdginn  til  pin  ok  vaHa  ogur  miiin.  Rask  teilte  hinter 
pikkir  und  pin,  Bugge  hinter  vada  um]  pin  ab,  Grundlvig  schrieb 
die  Worte  in  zwei  versen  und  trennte  hinter  pin:  die  worte  ent- 
sprechen dem  Ijödahältmetrum  indes  in  keiner  weise,  härm- 
IJötan,  das  Lüning  als  componiertes  substautiv  fasst  (vgl.  öljäfan 
v,  41),  schreibt  man  mit  Bugge  nach  R  richtiger  als  zwei  worte, 
sodass  es  acc.  zu  harmr  IJötr  ist,  und  Egilssons  erklärung  nach 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  17 


250  DAS  HÄRBARDSLJÖD 

der  ähnlichen  stelle  der  Sn.  E.  i  276  scheint  einleuchtend,  nun 
hat  man  das  hslich  überlieferte  qgiir  seit  Munch  aus  den  aus- 
gaben verbannt  oder  wenigstens  als  verderbt  bezeichnet.  Bugge 
schlug  mit  bezug  auf  v.  3  dogurd  dafür  vor,  was  Grundtvig  in 
den  text  recipierte.  Munch  emendierte  —  und  die  folgende  zeile 
legte  dies  nahe  —  kogur  (vestis  fimbriata),  wobei  freilich,  wenn 
diese  echt  wäre,  die  seltsame  lobende  und  tadelnde  Verwendung  von 
kqgurr  kurz  hinter  einander  bedenken  erweckte  (Lüning  s.  218). 
Bergmann  (aao.  s.  85)  schrieb  der  hslichen  Überlieferung  am  ge- 
mäfsesten:  ögr  (vgl.  ögurUgr)  und  erklärte  dies  als  bezeichnung 
für  den  'donnerkeil'  (skr.  üarfyVas,  zend.  vazra),  'Thors  hammer'.i 
nun  bemerkte  ich  schon  dass  der  interpolator  von  z.  4 — 6  durch 
eine  ähnliche  lesung  wie  kogur  zu  dem  kggursveinn  veranlasst 
sein  muss.  andererseits  haben  wir  keinen  grund  von  dem  hslich 
wolbeglaubigten  p^iwr  abzugehen:  wir  haben  nicht  nötig,  dasselbe 
mit  Bergmann  in  ögr  zu  ändern,  denn  pgurstund  (Volundarkv. 
41,  5),  was  dort  nur  'schreckensstunde'  bedeuten  kann,  setzt,  wie 
svipstimd  (Egilsson  803°)  das  subst.  svtpr  (vibratio),  ein  hauptwort 
ogurr  (terror)  voraus,  unzweifelhaft  ist  nun  'schrecker'  eine 
recht  passende  bezeichnung  für  Thors  Mjollnir,  zumal  sich  ein 
vortreffliches  analogon  in  Fäfnis  heim:  cegishjälmr  bietet  (Fäfnism. 
16  f).  die  bemerkung  Thors  aber,  er  wolle  nicht  über  den 
sund  waten,  um  seinen  blitz-  und  donnerkeil  nicht  abzukühlen 
(Bergm.  s.  123),  enthält  allerdings  einen  recht  plausiblen  grund: 
fährt  er  doch  sonst  in  seiner  eigenschaft  als  blilzgott  stets  durch 
die  luft  (t^rymskv.  21.  Hymiskv.  35  —  37).  nach  dem  gesagten 
schlage  ich  für  die  misliche  nur  in  cod.  R  überUeferte  stelle  fol- 
gende emendation  vor: 

pvi  härm  Ijötan  at  vada  ßikkjumk 

um  vdg  til  pin:  vcettak  qgur  minn. 

deswegen  [sieh]  die  arge  beschwerde,  [welche]  mir  deucht  zu 
waten  usw.:  meinen  schrecker  würde  ich  netzen! 2  so  wäre  am 
ersten  die  entstehung  des  kqgursveinn  erklärt,  indem  das  zur 
verbalform  gehörige  k  fälschlich  zu  qgur  gezogen  wurde,  in  unserer 

*  Vigfiisson  s.  776"  schreibt  kogurr  ==■  gerni.  köcher  und  meint  dass  Thorr 
'is  carrying  a  quiver  füll  of  thunderbolts  on  bis  back'! 

^  über  die  eilipse  vgl.  Egilsson  s.  528".  l)vi  in  dieser  bedeutung  steht 
oft  (H.  Hund.  II  4.  9.  Lokas.  45  usw.).  vwCtak  ist  conj.  imperf.,  pikkjumk  für 
mer  pikkir  vgl.  Sievers  Proben  s.  37. 


DAS  HARBARDSLJÖD  251 

hs.  aber  ausfiel,  andererseits  kommt  nur  so  in  die  stelle  ein  brauch- 
barer sinn,  ist  aber  die  besserung  richtig,  so  bilden  v.  13,  l — 3 
mit  V.  14  eine  regelrechte  visa. 

•  Über  V.  19  und  20  ist  schon  s.  236  f  gesprochen  worden. 
in  der  ersteren  müssen  für  unser  lied,  ohne  schaden  für  den 
Zusammenhang,  jedesfalls  z.  5  und  8  gestrichen  werden,  in  v.  20 
aber  ist  die  erste  visuhelming  bereits  durch  Bergmann  herge- 
stellt (s.  70),  die  zweite  emendierte  ich  Zs.  30,  139;  doch  sind 
wol  des  metrums  halber  z.  6.  7  besser  zu  schreiben:  grviti  gaf 
kann  I  mer  gambantein.  in  v.  24  muss,  um  die  letzten  beiden 
halbzeilen  herzustellen,  ein  synonymum  eingesetzt  werden:  viel 
besser  als  Bergmanns  Pörr  Asa  passt  doch  wol:  prüdvaldr  goda, 
was  eine  humoristische  anspielung  auf  Thors  ruhmredigkeit  ent- 
halten würde  (vgl.  v.  9,  7).  v,  37,  an  die  man  den  dort  wol 
nur  ausgefalleneu  kehrvers  hänge  (vgl.  s.  246),  bildet  mit  v.  38 
eine  weitere  Strophe,  liest  man  z.  49,  1:  m(ßlir  pü  svdjat  munns 
rddi,  so  geboren  v.  48  und  49  zusammen,  desgleichen  v.  52  mit 
der  besserung  ferjnhirdi  (s.  217)  und  v.  53.  endlich,  falls  man 
die  langzeilen  nur  richtig  abteilt,  v.  31.  32.  36. 

Wir  haben  somit  7  weitere  kviduhättvisur.  von  den  übrigen 
7  müssen  nun  vier  unter  dem  s.  237  angegebenen  gesichtspunct 
betrachtet  werden,  nämlich  die  reine  Ijödahättvisa  47  (s.  236),  die 
schon  Bergmann  (s.  73)  in  eine  kviduhättstrophe  umformte,  ferner 
die  v.25, 1— 3  |  26,1—4.  v.  27  |  28.  v.50  |  51.  in  allen  dreien 
sind  eventuelle  langzeilen  in  halbzeilen  des  epischen  versmafses 
zu  zerlegen,  zu  v.  51,  1  aber  aufserdem  als  stabreimender  vers 
die  an  der  parallelslelle  (v.  27)  sich  findende  z.  2:  ek  munda  pik 
i  hei  drepa,  die  wol  v.  51  nur  durch  die  flüchtigkeit  des  Schreibers 
oder  in  folge  einer  abbreviatur  ausgefallen  ist,  zu  ergänzen. ^ 

Dagegen  bleiben  nun  noch  3  visur,  welche  offenbar  eine 
Verderbnis  zeigen,  der  wir  nur  durch  genaue  Interpretation  des 
lextes  auf  die  spur  kommen  können;  sie  sind  schon  von  anderen 
kritikern  manigfach  zu  emendieren  versucht  worden :  v.  43  |  44, 
deren  zeilen  44,  1  —  3  zu  der  früher  behandelten  Interpolation 
(s.  242)  veranlassung  gaben,  v.  18,  9 — 13,  wo  weder  der  sinn  der 
überlieferten  worte  klar  noch  irgend  welche  correcte  metrische 
form  ist,  und  endlich  die  schlussvisa  des  gedichtes  (57.  58.  54.  60), 
in  der  wir  durch  conjectur  die  allitteration  herstellten  (vgl.  s.  244), 

^  V.  51,  1  und  27,  1  lauten  ganz  gleich:   HdrbarSr  inn  ragi. 

17* 


252  DAS  HARBAKDSLJÖD 

die   aber  wegeo    der   äufserst   schwierigen   zeileu  v.  58,  2  t  noch 
einer  näheren  erürterung  unterzogen  werden  muss. 

Zunächst  v.  44,  1 — 3.  überliefert  ist:  nam  ek  at  monnnm 
peim  emim  aldroemim,  er  büa  i  heimis  skögnm.  sowol  in  den 
beiden  ersten  halbzeilen  wie  in  der  langzeile  fehlt  der  reim,  in 
1  und  2  hat  ihn  nach  Bugges  Vermutung  Grundlvig  durch  ein- 
selzung  von  ytum  hergestellt:  da  dies  wort  aber  nur  Häv.  28.  68. 
147.  164  begegnet,  so  möchte  ich  eher  das  gewohnlichere  syno- 
nyme oldum  vorschlagen,  die  Kph.  ausgäbe  erklärte  nun  mit 
annähme  einer  hypallage  heimis  skögar  als  'umbroja  habitatio' 
(im  vorliegenden  falle  von  den  Wohnungen  der  toten  gemeint), 
und  übersetzte  demnach  die  3  zeile:  'welche  in  den  schattigen, 
dunklen  Wohnungen  sich  aufhalten'.  Lüning  s.  223  erklärt  den 
ausdruck:  in  der  heimat  Wäldern ,  dh.  in  den  Wäldern  als  ihrer 
heimat  wie  die  geächteten,  wobei  dunkel  bleibt,  wie  Ilärbardr  hier 
die  gräber  so  benennen  kann.  Bugge  und  die  herausgeber  nach 
ihm  bessern  hier  und  v.  45  skögum  und  sköga  in  haugum  und 
hauga,  um  einerseits  den  Stabreim  m'üheimis  herzustellen,  anderer- 
seits den  von  dysjum  (v.  45,  2)  geforderten  sinn  hineinzubringen. 
Bergmann  endlich  emendiert  aao.  s.  73  er  büa  i  Skrymnis  heimis 
skögum  und  demgemäfs  v.  45.  er  will  eine  auspielung  auf  das 
abenteuer  mit  Utgardaloki  darin  finden:  Loki  sollte  bei  den 
niederlagen  Thors  dort  den  mut  i)ekommL'n  haben,  ihm  iml  htice- 
filign  ord  einmal  gegenüberzutreten,  conjectur  und  erkläruiig 
sind  äufserst  künstlich,  und  da  sie  gegen  v,  45  verstofsen ,  so 
muss  Bergmann  dort  eine  noch  abenteuerlichere  conjectur  machen 
(s.  94).  wie  V.  45  zeigt,  sind  in  z.  3  gräber  oder  wenigstens 
totenwohnungen  gemeint:  das  in  beiden  codd.  au  beiden  stellen 
gleichmäfsig  überlieferte  skögum-a  haben  wir  nicht  anzuzweifeln. 
die  Worte  'welche  in  heimatswäldern  wohnen'  —  heimisskögar 
wäre  dann  componiert  wie  heimisgardar  Häv.  6,  heimiskcidr  Sigr- 
drifum.  25,  heimisbüar  Gräg.  i  191  —  geben  aber  nicht  den  ge- 
wünschten sinn ,  da  das  totenreich  doch  nicht  als  die  heimat 
xar'  (^oyj'v  bezeichnet  werden  kann.  Lüning  und  Liliencron 
haben  schon  auf  das  richtige  gedeutet,  man  nehme  bna  i  skögnm 
für  sich:  es  ist  der  technische  ausdruck  für  die  verbannten,  und 
skögarmadr  ist  in  der  Gr^gäs  ein  oft  belegter  ausdruck  für  den 
geächteten  (Vigfüsson  556")  sowie  sköggangr  für  exilium  (vgl. 
Grimm  RA  s.  773  f).     er  biia  i  skögum  heifst  also:    'welche  ver- 


DAS  HARBARDSUÖD  253 

bannt  sind',  erwägt  nian  nun  dass  hevm's  für  sich  keinen  sinn 
gibt,  die  kviduhättzeile  aber  zu  diesem  worte  einen  reim  ver- 
langt, der  ganze  Zusammenhang  endlich  auf  das  tolenreich  deutet, 
so  wird  der  Vorschlag  zu  lesen: 

er  hua^i  Heljar  heinu's  skögum 
nicht  zu  gewagt  erscheinen,  heljar,  zumal  abgekürzt  geschrieben, 
konnte  vor  heimis  leicht  ausfallen,  und  Heljar  heimi  —  das 
neutrum  heimi  als  nebenform  zu  heimr  ist  aus  den  oben  genannten 
compositis  zu  schhefsen  —  hat  in  salir  Heljar  Voluspä  R  42, 
Heljar  sjot  Fjolsvm.  25,  Heljar  rann  Vegtamskv.  3  seine  analoga. 
'welche  in  den  Wäldern  Heiheims  wohnen'  heifst  so  viel  wie: 
'welche  in  Heiheim  verbannte  sind',  dh.  'die  loten',  dass  die 
auffassung  der  toten  als  der  von  der  weit  (vom  heimr  Vegt.  6) 
bis  zum  ragnarok  verbannten  keine  ungewöhnliche  ist,  dafür 
scheint  mir  die  schöne  stelle  in  der  Helgakv.  Hundb.  ii  40  f  zu 
sprechen,  wo  die  magd  den  zum  hügel  reitenden  Helgi  anredet: 
Hvdrt  eru  /jat  svik  ein  er  sjä  pykkjumk, 
eda  ragna  rok?  rida  menn  daudir  — 

er  jöa  ydra  oddnm  keyrid  — 

eda  er  hildingum  heimfor  geßn? 

und  Helgi  antwortet:  'es  ist  kein  trug,  was  du  zu  sehen  glaubst, 
noch  weitenende,  obwol  du  uns  siehst,  obwol  wir  unsere  rosse 
mit  den  sporen  antreiben,  noch  ist  den  herschern  die  heimfahrt 
gegeben'',  dh.  mit  anderen  w orten  rida  menn  daudir  {v.  40,4). 
hier  bedeutet  heimfor  ganz  deutlich  die  definitive  rückkehr  aus 
dem  tod  in  das  leben,  die  widergeburt,  und  steht  der  zeitweiligen 
rückkehr  des  toten  Helgi,  die  durch  Sigruns  sehnsüchtige  thränen 
bewürkt  wird  (v.  44),  entgegen,  wenn  man  hier  das  widerauf- 
leben als  eine  heimfahrt  aus  dem  totenreich  —  ob  man  dabei 
Valholl  oder  Hels  reich  als  totenaufenthalt  nimmt,  bleibt  sich  für 
die  Sache  ganz  gleich  —  auffasste,  so  konnte  auch  umgekehrt 
von  den  verstorbenen  gesagt  werden,  zumal  mit  absichtlicher  änig- 
matik  des  ausdrucks:  'welche  in  Heiheim  als  verbannte  leben'. 
Nach  dieser  erklärung  behauptet  also  Ödinn,  seine  hncefiligu 
ord  yon  alten  leuten ,  die  verstorben  sind,  zu  haben,  ihm  ist 
ja  allein  unter  allen  göttern  die  gäbe  verliehen,  durch  seine 
runenkunst  tote  zu  beschwören,    der  [)ulr  des  Ljödatals,  der  sich 

'  der  lesart   Aon  R:    n  kommt  ne   'noch'  am  nächsten:   Bujges  bes- 
serung  (s.  198)  ist  unnötig. 


254  DAS  HÄRBARDSLJÖD 

für  ihn  ausgibt,  rühmt  sich  IU\.  155  parodierend:  wenn  er  am 
galgen  einen  stricktolen  sähe,  so  könnte  er  durch  runenkraft 
bewürken  dass  der  mann  gienge  und  mit  ihm  redete,  unter  'den 
alten  leuten'  werden  aber  volnr  zu  verstehen  sein  wie  die  'tote 
riesin'  (Vegtamskv.  5),  die  Odinn  zum  reden  zwingt,  um  über 
Baldr  auskunft  zu  erhalten,  der  sinn  der  v.  43—47  ist  demnach: 
Thörr  fragt:  'wo  hast  du  denn  in  aller  weit  nur  die  schneidenden 
Worte  her?'  natürlich  ist  die  frage  rhetorisch  für  'wie  kannst  du 
nur  so  spitz  reden!'  Odinn  fasst  sie  aber  wörtlich  und  antwortet: 
'von  den  toten',  dies  muss  natürlich  Thors  grösten  wutaus- 
bruch  veranlassen  (in  v.  47  vgl.  s.  242).  somit  ist  v.  43 — 44 
regelrecht. 

Für  die  erklärung  des  zweiten  teiles  der  grofsen  v.  18  ist 
es  nun  von  Wichtigkeit,  die  ersten  acht  zeilen,  welche  eine  regel- 
rechte Strophe  bilden,  und  von  denen  die  beiden  letzten  schon 
durch  Bergmann  (s.  69)  richtig  gebessert  wurden,  genau  zu  be- 
trachten. Odinn  spricht  dort  von  den  'munteren ,  aber  spröden, 
von  den  klugen  aber  tückischen  weiblein,  welche  aus  sand  stricke 
machten  und  aus  dem  tiefem  tale  den  grund  ausgruben',  man 
hat  in  den  letzten  Worten  eine  sprichwörtliche  redensart  gefunden, 
in  dem  sinne  'res  impossibiles  gesserunt'  (Egilsson  706''),  und 
die  Kph.  ausgäbe  bietet  für  das  'stricke  aus  sand  drehen'  die 
analogen  antiken  ausdrücke  funein  ex  arena  facere  und  i^  ccfi- 
(xov  oxotviov  nlexsiv.  ich  will  nicht  läugnen  dass  dieser  sinn 
in  den  worten  liegen  mag,  aber  sie  enthalten  offenbar  noch  eine 
andere  anspielung.  schon  Liliencron  ahnte  das  richtige,  wenn 
er  sagte:  'es  scheint  das  meer  gemeint',  gewis  würde  die  cha- 
racteristik  z.  1  —  4  gut  auf  Räns  tückische  töchter  passen,  das 
tiefe  lal,  aus  dem  sie  immer  noch  den  grund  ausgraben,  ist  eine 
passende  bezeicbnung  für  den  meeresboden  (vgl.  Alvfssm.  24 
djupan  mar),  und  die 'vincula',  die  sie  aus  sand  winden,  können 
sehr  wol  eine  anspielung  auf  die  durch  die  aufwUhlung  des 
meeresgrundes  entstehenden  Sandbänke,  die  das  darauflaufende 
schiff  festhalten,  sein.i 

Wie  aus  z.  9  hervorgeht,  sind  die  weiber,  welche  im  zweiten 
teile  der  visa  erwähnt  werden ,  dieselben ,  also  sind  sie  ebenso 
als  personificationen  der  meereswogen  und  nicht  von  felsen  (Berg- 

'  vgl.  die  varrsimar  Vigfüsson  68r  und  das  neutr.  varr-sima  Möbius 
Hältatal  i  s.  120. 


DAS  HÄRBARDSLJÖD  255 

mann  aao.  s.  137)  zu  fassen,  ihnen  allen  will  Odinn  an  listigen 
anschlagen  überlegen  gewesen  sein ,  bei  den  sieben  Schwestern 
will  er  geschlafen  und  ihrer  aller  liebe  und  umarmung  genossen 
haben,  z.  9  und  10,  ferner  12  und  13  mit  den  nötigen  Zer- 
legungen in  kviduhätlhalbzeilen  sind  der  form  und  dem  sinne 
nach  klar,  dagegen  muss  z.  11  notwendig  verderbt  sein,  über- 
liefert ist:  hvilda  ek  hjd  peim  systnim  sjau.  die  zeile  ist,  zu 
zwei  kviduhälthalbstrophen  abgeteilt,  von  Bergmann  mit  einsetzung 
von /a^fan  emendiert,  aber  nicht  richtig,  denn  das  unbetonte /«Ja 
kann  nicht  binden,  vielmehr  sind  systrum  und  sjau  offenbar 
reimvvörter,  aber  das  letztere  ist  jedesfalls  verderbt,  schon  die 
Stellung:  'bei  den  Schwestern  sieben'  ist  merkwürdig:  vor  allem 
ist  aber  von  einem  abenteuer  Odins  mit  sieben  Schwestern  nichts 
bekannt,  vielmehr  werden  von  Räns  töchtern,  auf  die  hier  ange- 
spielt sein  muss,  in  der  Sn.  Edda  i  500  ausdrücklich  neun  an- 
geführt, nun  wird  allerdings  nirgend  direct  gesagt  dass  Odinn 
mit  Räns  töchtern  gebuhlt  habe,  aber  von  Heimdali,  Odins  söhne 
erzählt  die  Sn.  Edda  i  100.  264:  kann  bdru  at  syni  meyjar  njü 
ok  allar  systr.  die  quelle  für  diese  notiz  bot  das  fragment  eines 
alten  liedes,  des  Heimdallar  galdr,  in  dem  sich  Heimdallr  selbst 
rühmte:  Njü  em  ek  mcedra  mogr ,  njü  em  ek  systra  sonr  {Sn. 
E.  I  102).  die  namen  der  neun  mülter  werden  in  der  Sn.  Edda 
sonst  nicht  genannt,  wol  aber  aao.  die  von  Räns  töchtern,  die 
mit  den  in  der  Voluspä  hin  skamma  genannten  von  Heimdalls  neun 
müttern  freilich  nicht  übereinstimmen  (Ilyndlul.  37).  um  so  mehr 
aber  lässt  die  Schilderung  der  geburt  Heimdalls  auf  die  Identität 
seiner  mütter  mit  Räns  neun  töchtern  schliefsen.  es  heifst 
Hyndlul.  35: 

Vard  einn  horinn  i  drdaga 

ramniaukinn  mjok  rpgna  kindar, 

njü  bdru  pann  naddgofgan  man 

jotna  meyjar  vid  jardar  prom. 

hiernach  ist  Heimdallr  von  göttergeschlecht  (4),  und  von  neun 
jötenschwestern  (5.  7)  am  rande  der  erde  (8)  geboren,  nimmt 
man  hinzu  dass  es  v.  39  weiter  von  ihm  heifst: 

sd  var  aukinn  jardar  megni, 

svalkoJdum  sce  ok  solar dreyra 

(vgl.  Lüning  260),   so  kann  man  kaum  zweifeln   dass  Räns  oder 

'CEgirs   töchter'  (H.  Hund,  i  29),  deren  valer   ein  jöte  war  (Sn. 


256  DAS  HÄRßARDSLJÖD 

E.  I  326),  von  Odin  den  lichten  gotl  gebaren  am  rande  der 
erde,  dh,  dort,  wo  die  sonne  am  rande  des  horizontes  nach  alt- 
germanischer vorslellung  in  die  see  versank,  daher  heifsl  der- 
selbe genährt  mit  'erdenkrafi',  mit  'kühler  see'  und  mit  'sonnen- 
blute' (vgl.  auch  Müllenhoff  Zs.  30,  247). 

Wir  hätten  demnach  eine  ähnliche  rälselhafie  anspielung  auf 
Heimdalls  erzeugung  in  unserer  visa  wie  in  der  Vegtamskvida  12, 
die  (vgl.  Edzardi  Germ.  24,  57)  nach  Vafl)r.  54  gebildet  ist: 
aber  nur  das  motiv,  dass  Ödinn  an  einer  besonders  rätselhaften 
frage  erkannt  wird,  ist  nachgeahmt,  keineswegs  hat  man  an  beiden 
stellen  dieselbe  lOsung  zu  suchen,  der  sehr  künstlichen  erklärung 
Edzardis  (Germ.  27,  337 — 339),  wonach  die  mexjjar  Friggs  äugen 
sein  sollen,  die  um  Baldrs  tod  weinen,  ist  die  auffassung  Wim- 
niers  (Oldnord.  laesebog  s.  156f;,  der  die  maide,  welche  die  weifsen 
Schleier  emporwerfen,  als  die  'höje  beiger'  erklärt,  entschieden 
vorzuziehen,  dann  würde  aber  auch  dort  der  ausdruck  an  rätsel- 
hafligkeit  gewinnen,  wenn  er  at  muni  grata  bedeutete,  was  es 
sprachlich  wol  bedeuten  kann:  'welche  bei  der  liebeslust  (vgl. 
Häv.  94.96,  also  =  a^  ganini)  weinen',  die  spröden  maide,  die 
vom  Odin  unter  thränen  überwältigt  werden. 

Nach  dem  gesagten  kann  sjau  nicht  richtig  sein,  ich  ver- 
mute daher  entsprechend  der  v.  35  des  llyndluljöd: 

hvilda  vid  scevar  prom  hjd  systrum. 

ich  weilte  bei  den  Schwestern  am  rande  der  see.^  s(Bvar  ßromr 
hl  \\\e  jardiir  promr  das  von  den  meereswellen  bespülte  gestade. 
so  ist  die  vij^a  in  Ordnung. 

Es  bleibt  nun  allein  noch  die  schlussstrophe  übrig,  die 
von  den  v.  57.  58.  54.  60  gebildet  sein  sollte  (s.  251).  über 
v.  54  I  60,  welche  als  zweite  visuhelming  das  gedieht  abschliefsen, 
ist  schon  s.  243  ff  das  nötige  gesagt,  die  v.  57  |  58  sind  nun  im 
cod.  Reg.  überliefert:  [p]q.  mnn  ek  taka  pangat  i  dag  [h]q. 
taka  vid  vi!  ok  erfidi  at  nppverandi  [npprennaridi]  sölu  er  ek 
get  pdna  [pa  na],  die  klammern  enthalten  die  wichtigen  Va- 
rianten von  A. 

Nach  beiden  hss.  ist  v.  57  eine  frage  Thors,  v.  58  die  ant- 
wort  Härbards  (Bugge  s.  103).  v.  57  ist  bei  dieser  auffassung 
klar:  'werde  ich  heute  noch  dorthin  gelangen?'  v.  58  aber  desto 

'  eine  Schreibung  sjavar  statt  scevar  konnte  dabei  auf  sj'au,  prem 
Statt  prom  auf  peim  leiten. 


DAS  FIARBARDSLJÖD  257 

weniger,  die  Kph.  ausgäbe  erldärte:  'dorthin  gelangen  mit 
mühe  und  not  bei  noch  leuchtender  sonne,  welche  ich  dann 
nahe  (sc.  dem  horizonl)  vermute.'  in  derselben  bedeutung  fasst 
das  Wort  nd  Bergmann,  schreibt  mit  ganz  willkürlicher  besserung: 
erk  sceJci'at  fid  nd  und  erläutert  dies:  'welche  ich  nicht  suchen 
werde,  dass  sie  dir  nahe  dh.  deren  anblick  ich  dir  dann  noch 
misgönne'  (aao.  s.  75.  97.  107).  beide  erklärungen  sind  wegen 
ihrer  grofsen  künsUichkeit  und  des  aufser  in  compositis  unbe- 
legten adv.  nd  =  eyyvg  (Vigfüsson  s.  447'')  unbedingt  zu  ver- 
werfen. Egilsson  nahm  (904'')  ein  verbum  pdna  tauen  (vgl.  pd  f. 
tau)  an  und  Grundlvig  (Edda  202)  stimmte  ihm  bei.  er  über- 
setzt also:  'mit  not  und  mühe,  während  die  sonne  noch  am 
himmel  steht  (R)  oder  wenn  die  sonne  emporsteigt  (A),  da  ich 
tauweiter  vermute',  indes  das  verb,  welches  von  pei/ja,  pdinn 
gebildet  wäre  wie  schwed.  däna  von  deyja,  ddinn  (Bugge  s.  103), 
kommt  eben  in  der  alten  spräche  sonst  nicht  vor  und  die  neu- 
norwegischen formen  taana,  taaen  künnen  es  allein  nicht  stützen. 
Bugge,  der  anfangs  Egilsson  folgte,  stellte  in  den  Ärboger  for 
nord.  oldk.  1869  s.  258  f  eine  neue  ansieht  auf.  er  fasste  pdna 
als  componiert  aus  dem  adx.  pd  und  der  auch  anderen  adverbien 
angehängten  partikel  na  {ih.  parna)  und  übersetzte:  'uä  med  nod 
og  naeppe,  mens  sol  er  oppe,  pä  det  lag,  tjenker  jeg'  (vgl.  Grundtvig 
aao.).  aber  auch  für  die  anhängung  der  partikel  an  das  ^a  findet 
sich  kein  zweites  beispiel,  wie  man  aus  Vigfüsson  (732^),  der 
Bugges  ansieht  recipiert,  sieht,  die  wahrscheinlichste  erklärung 
ist  die  von  Liliencron,  welcher  hinter  erfidi  interpungierte,  dem 
cod.  A  folgend  pd  nd  als  zwei  würter  nahm  und  übersetzte 
(s.  189):  kommen  können  usw.,  wohin  zu  gelangen  mir  schon 
noch  bei  hochstehender  sonne  glückt,  sie  gibt  entschieden  einen 
sehr  passenden  sinn;  aber  das  pd,  was  doch  'damals,  dann'  be- 
deutet, ist  mit  dieser  Übersetzung  nicht  zu  vereinbaren,  trotz- 
dem wird  sie  allein  uns  auf  die  richtige  interpretalion  der  schwie- 
rigen Zeilen  leiten. 

Schon  s.  244  habe  ich,  um  den  Stabreim  herzustellen,  in 
v.  57  ein  aka  statt  taka  vermutet:  man  muss  dann  das  taka  der 
folgenden  zeile,  das  elliptisch  für  pü  munt  taka  gesetzt  schon  an 
sich  bedenklich  ist,  tilgen,  ich  denke  mir  die  entstehung  des 
doppellen  taka  so,  dass  v.  57  fälschlich  als  eine  frage  Thors  mis- 
verstanden  wurde,  während  sie  der  anfang  eines  unwilligen  aus- 


258  DAS  HARBARDSLJÖD 

rufes  des  gottes  ist,  der  auch  v.  58  noch  umfasst.  ^  man  schreibe 
also  mit  lilgung  der  überflüssigen  worte  vil  ok: 

Munk  aka  pangat  vid  erfidi^i   dag! 

*ich  werde  nun  (oach  der  beschreibung,  die  du  mir  vom  wege 
gegeben)  dorthin  mit  knapper  not  noch  gelangen',  fasst  man  nun 
ek  get  nd  mit  Liliencrou  in  der  bedeulung:  'mir  ist  vergönnt  zu 
erlangen ,  ich  kann  erlangen'  (vgl.  Helgakv.  Hiorv.  9  uö.)-,  und 
nimmt  die  ganz  leichte  änderung  von  er  in  ey  (non ,  vgl.  Vafjjr.  55 
und  ei  geschrieben  Häv.  39)  vor,  so  erhalten  wir  in  z.  2  —  3 
keinen  abhängigen  satz,  sondern  einen  zweiten  paratactischen 
ausruf  zu  der  obigen  zeile: 

iippverandi^at  ey  ek  get  pd  nd! 

'und  dann  (sc.  wenn  ich  heut  noch  hinkomme),  kann  ichs  nicht 
bei  noch  scheinender  sonne  erreichen',  demnach  beklagt  sich 
Thörr  in  der  visa:  'ich  komme  nun  heut  überhaupt  nur  mit  mühe 
zum  ziel,  und  in  diesem  günstigen  falle  nicht  vor  Sonnenuntergang', 
natürlich,  denn  den  langen  weg,  den  er  links  gewandt  am  flusse 
entlang  geht,  um  erst  nach  Midgard  zu  gelangen,  würde  er  durch 
die  überfahrt,  die  ihn  direct  nach  Verland  beförderte,  sparen, 
dieser  rührende,  im  munde  des  furchtbaren  donuerers  höchst  er- 
gctzliche  wehruf  ist  der  letzte  appell  an  Härbards  gefälligkeit, 
und  auf  dessen  deönitive  Weigerung  (v.  54)  folgt  dann  in  v.  60 
passend  Thors  im  höchsten  ingrimm  gesprochener  schlussfluch 
(s.  228.  243  f).  will  man  ein  elliptisches  at  nppverayidi  für  at  upp- 
verandi  sölu,  dessen  construction  genau  dem  lateinischen  abl.  abs. 
entspricht  (Noreen  Ärboger  1879  s.  207),  nicht  gestatten,  muss 
man  eine  Verderbnis  in  nppverandi  sehen,  da  der  vers  sich  nicht 
ins  metrum  fügt.3     so  ist  auch  die  letzte  visa  regelrecht. 

'  ein  munt  aka  für  munk  aka  (58,  1)  konnte  auf  taka  führen  vgl. 
s.  250  zu  va'ttak  ogur. 

-  in  der  bedeutung  vermuten  wird  geta  in  der  Edda  sonst  mit  dem 
gen.  conslruiert  vgl.  Skirnisf.  24. 

3  auch  hier  erweist  sich  also  cod.  R  als  der  correclere  gegenüber  A: 
denn  da  Härbardr  und  Ödinn  sich  nicht  zeitig  am  tage  treffen  (v.  3,5—8. 
Bugge  Edda  s.  399) ,  gäbe  at  upprennaJidi  sölu  (oriente  sole)  nach  dem 
ausruf  37.  38, 1  keinen  sinn,  obwol  wir  principiell  einen  cod.  zu  bevor- 
zugen nicht  berechtigt  sind  (Bugges  fortale  s.  xxi),  haben  wir  in  allen 
wichtigen  Varianten  fast  immer  cod.  R  folgen  müssen,  auf  den  wir  bis 
V.  19,7  allein  angewiesen  sind,  so  auch  gegen  Bugge  (vgl.  s.  243  und  244). 
cod.  Ä  verdient  nur  den  vorzug  in  v.  30,  wo  launPing  (z.  4)  und  Hnhvitu 
(z.  3)  vom  Zusammenhang  erfordert  werden:   isss  lindhviUi  unursprünglich 


DAS  HARBARDSLJÖD  259 

Nachdem  wir  nun  die  slrophenform  des  kvidiihältr  im  gedichle 
überall  widerhergestellt  haben,  kommen  wir  zu  den  einzelnen 
halbzeilen.  Sievers,  der  durch  seine  Untersuchungen  in  den  Bei- 
trägen 5,449(T.  6,  262ff.  8,  54 ff  für  die  allnordische  und  Beitr.  10 
für  die  angelsächsische  poesie  nachwies  dass  die  kviduhättzeile 
bestimmten  gesetzen  der  silbenmessung  unterworfen  ist,  ohne  dass 
darüber  der  natürliche  satzaccent  vernachlässigt  werden  darf,  hat 
an  vier  liedern  die  richtigkeit  der  von  ihm  gefundenen  gesetze 
tiberzeugend  veranschaulicht  (Proben  einer  metrischen  herslellung 
der  Eddalieder,  Halle  1885).  unser  lied  hat  er  bei  seinen  sämmi- 
lichen  Untersuchungen  unberücksichtigt  gelassen,  wie  das  bei  der 
strittigen  strophenform  desselben  von  seinem  standpuncte  aus 
auch  völlig  gerechtfertigt  war.  da  wir  nun  aber  den  kviduhätt 
als  die  strophenform  des  liedes  nachgewiesen  haben,  so  dürfen 
wir  uns  der  prüfung  der  einzelnen  verse  um  so  weniger  ent- 
ziehen, als  auch  sie  ein  nicht  unwichtiges  moment  für  die  Zeit- 
bestimmung des  liedes  abgeben  wird,  wir  setzen  hierbei  die 
ergebnisse  der  Sieversschen  forschung,  wie  er  sie  in  seiner  letzten 
arbeit  niedergelegt,  als  bekannt  voraus  und  bedienen  uns  auch 
der  kürze  halber  derselben  bezeichnungen  und  abkürzungen,  die 
Sievers  braucht,  es  muss  in  unserem  gedieht  natürlich  in  Um- 
stellungen und  besserungen  teilweise  etwas  radicaler  verfahren 
werden,  weil  der  pedeslre  ton  des  liedes  (s.  234  f)  die  Schreiber 
zu  metrisch   nachlässiger   aufzeichnung   geradezu  herausforderte. 

Da  wir  das  lied  aus  30  visur  bestehend  nachgewiesen  haben, 
so  ergeben  sich  im  ganzen  240  halbzeilen.  von  diesen  fügen  sich 
unmittelbar  in  der  überlieferten  gestalt  oder  nach  vornähme  von 
Sievers  leichten  änderungen  (Beitr.  6,315 — 337),  wozu  in  unserem 
liede  die  tilgung  des  suffigierten  artikels  tritt  (s.  235) ,  sofort 
114  halbzeilen   seinen    gesetzen. ^     hierzu  treten  10,   in  welchen 

ist,  zeigt  die  gleiche  Überlieferung  von  R  und  A  in  v.  32,2.  —  uppverandi  at 
ist  Sievers  typus  D  3  (Proben  s.  11). 

*  darunter  zwtiimX  viundir,  viundi  ausnahmsweise  verschleift  (Sievers 
Beitr.  6,312):  v.  23,  7.  50,  3.  2  zeilen  (8,  2.  48,  2),  wo  enclitisches  m'k 
m'nt  für  7nik  und  munt,  drei  verse,  wo  synonymes  verschleifbares  Innig 
für  hingat  eingesetzt  ist  (v.  7,1:  styr  hi?iig  eikju ;  40,  2:  er  hinig  gord'usk  ; 
53,2:  rö  hinig  häti).  pmr  frä  verum  (20,3)  ist  wol  nicht  falsch,  da  frd 
den  nebenton  tragen  kann  (vgl.  Sievers  Proben  s.  34:  ßö  pä  Loki);  har- 
(tan  joiiin  aber  (v.  20,  4)  wird  wol  wegen  der  analogen  ausdrücke:  stö- 
ruigi^olunn  (15,3)  und  Jirütmötga  jolun  (19,  2)  hier  zu  dulden  sein. 
V.  5,  3  ist  zu  lesen:   mht  at  vita  (vgl.  Vigfüsson  718'). 


260  DAS  HARBARDSLIÖD 

durch  Streichung  des  für  deu  sinn  entbehrliclien  Personalprono- 
mens im  gen.  dat.  acc.  die  form  correct  wird,  nämHch: 
V.  14,2:  [ok  Jnn]   hedan   bida.      v.  47,  2:  illa  mun  [per]  koma. 
V.  18,2:  ef[oss]atspokumyrdi.      v.  53,  1:  rädinunk[pernn]rdda. 
V.  39,  5:  cegdu  [mer]  jdrnlurh.      v.  54,  2:  [per]  skal  fars  synja. 
V.    7,2:  mwik   [per]    stod[na]     v.    3,  2 :  foedik  [pik]  d  morgun. 

kenna. 
V.  42, 1 :  bceta  skal  [per] pat  [pd],  v.  50,  1  :  satt  hjggk  [mik]  seggja; 
ferner  vier,  wo  der  auftact  er  durchaus  enlbehrUch  ist;  23,  4: 
[er]  tu  bjdrgs  gengu;  39,4:  [er]  skordai  hafdak;  v.  43,3:  [er] 
heyrdak  aldri  und  v.  28,2:  [er]  sakar'  o^alls  engar,  also  im 
ganzen  128. 

Hierzu  kommen  35  bereits  gebesserte,  nämlich:  v.  2,  1.  2 
(s.  243).  v.9,4.  6  (s.247).  v.  12,2.3^  (s.  245)  v.  13,  r".  3  (s.  250). 
V.  15,7"  (8 mal  s.  246).  v.  18,7.  8  (s.  254).  v.  18,  W''  (s.  256). 
V.  20,  6.  7  (s.  251).  V.  24,  V  (s.  251).  v.  44,  1  (s.  252).  v.  44,  3* 
(s.  253).  V.  49,r''  (s.  251).  v.52,3M-'^-2l7.  251).  v.56,  5  (s.247). 
V.  57.  58,  1—3  (s.  258)  und  v.  60,  2  (s.  244). 

Der   pedestren   spräche    unseres   liedes   gemäfs   werden   wir 
den    aufser  dort,   wo    er   schon  getilgt  wurde,    noch    8 mal    auf- 
tretenden auftact  eher   als   eine  berechtigte   eigentümlichkeit  wie 
als  eine  unregelmäfsigkeit  aufzufassen  haben: 
V.    5,2:  er  hverjuin  pikkir.  v,  23,  6:  ef  allir  lifdi. 

V.  15,  2:  er  Hrungnir   deildum.      v.    5,4:  at  mödir  dand  se. 
V.  16,  4:  er  Algroen  heitir.  v.  14,  4:  at  Hrungni  daudan. 

V.  18,  4:  ef  hollar  v(vri.  v.    9,8:  vid  Pör   kndtt  dcema. 

es  würde  sonst  auch   nicht  schwer  sein  durch  leichte  besserungen 
sämmtliche  verse  zu  heilen. 

Ebenso  ist  der  3  mal  gleich  überlieferte  vers  ek  var  austr 
(v.  23,  1.  V.  29,  1.  V.  30,  1)  nicht  anzutasten:  dieselbe  abart  des 
viersilblers  erscheint  ja  auch  in  der  Voluspä  (Sievers  Proben  s.  23). 

Unzweifelhafte    und    gute  verse    im    malahätt  sind  folgende: 

30,6:  gamni  nuer  nndi. 
37,  4 :  velta  pjod  alla. 
39,  1 :  vargynjur  vdru. 
52,  1 :  Asapörs  hugdak. 
dem  typus  A  derselben  stropheuart  gehören  aufserdem  wol  an 
V.  42,  3:  sem  jafnendr  iinnu,  und  mit  Umstellung  und  ver- 
schleifung  der   ersten    Senkung  vid  myrkridnr  hafdak    (20,  2). 


20,  1 :  Miklar  manvelar. 
23,  3:  bn'idir  bohisar. 
30,  5 :  gladdak  guUbJortu.  ' 
37,  1 :  brüdir  berserkja. 


DAS  HARBARDSLJÖD  261 

V.  30,  1  :    vid  einhverja  dcemdak   und   42,  4:    er  okr  vilj'a  scetla 
halte  ich  für  typus  D  mit  auftacl  (Sievers  s.  45). 

Dagegen  möchte  ich  ausnahmsweise  verschleifung  der  Senkung 
annehmen  in  v,  6,4:  brautinga  gervi  und  v.  56,9:  dlhüiga  hraxitir, 
und  demnach  v.  53,3  auch  hoetlingi  luettum  schreiben:  in  allen 
drei  fällen  gilt  die  tieftonige  ableilungssilbe  ing-nng  als  unbetont, 
ebenso  muss  man  in  v.  12,3''  \\o\  fyr  shkum  sem  per  schreiben. 

Dreimal  ist  die  von  Sievers  beanstandete  auflösung  der  zweiten 
Senkung  unzweifelhaft  überliefert,  v.  16,  1:  vark  med  Fjolvari, 
v.  40,  3:  gnoefa  gunnfana,  v.  48,  4:  pals  per  skyldara:  auch  hier 
wäre  in  allen  drei  fällen  durch  Umstellung  leicht  die  aufgelöste 
Senkung  in  die  erste  vershälfte  zu  bringen,  aber  besonders  wegen 
V.  48,4,  die  in  der  Prymskvida  (v.  25,4.6:  bita  hvassai^a,  büa 
breidara)  völlige  analoga  hat,  scheint  dies  nicht  gerechtfertigt. 
man  wird  im  gegenleil  auch  unbedenklich  die  v.  14,  3  nach  til- 
gung  der  überflüssigen  worte  zu  schreiben  haben:  f anntat  hardara. 

Wir  haben  also  bisher  im  ganzen  194  normale  oder  mit  den 
auch  schon  von  Sievers  berührten  licenzen  (die  sich  auch  sonst 
hier  und  da  in  den  liedern  finden)  gebaute  verse  gefunden,  es 
bleiben  46,  die  teils  durch  Umstellungen,  teils  durch  Streichungen 
überflüssiger  worte  zu  bessern  sein  werden. 

Ich  beginne  mit  den  letzteren  versen.  v.  4,  3:  dopr  heim- 
kynni  und  29,  6:  gagni  litt  fegnir  hat  schon  Bergmann  richtig 
gebessert  (s.  82.71)  und  ebenso  in  1,  2  und  8,4  zusätze  er- 
kannt (s.  67.  68):  nur  wird  in  der  ersten  zeile  eher  er  stendr 
zu  tilgen  sein  wie  er  byr  in  der  zweiten.  Rädseyjarsundi  i  wäre 
dann  ein  mälahättvers,  ich  glaube  aber,  das  ursprüngliche  ist 
der  acc.  Rddseyjarsnnd  von  halda  (z.  2)  abhängig,  und  die  hsliche 
lesart  verdankt  ihre  entslehung  nur  einem  Irrtum ,  indem  man 
nach  V.  7,  4  falschlich  sb'p  als  object  zu  halda  ergänzte,  ganz 
parallele  erweiterung  zeigen  je  zwei  halbzeilenpare: 

V.  11,  1:   hvat  shalt  [of  nafn]  hylja  =  v.  28,1  :  hvat  skalt  [um 

sund]  seilask? 
V.  18,  1:   sparkar   dt  tu   [ver  konnr]  =  v.  18,3:    horskar   dttu 

[ver  konur], 
in  den  beiden  ersten  können  die  objecte  nafn  und  sund,  da  sie 
in  der  zeile  vorher  genannt  sind  (vgl.  v.  10,  2.  27,  3),  wol  fehlen, 
in  den  beiden  letzten  wäre  das  zweimalige  ver  konur  sehr  schlep- 
pend: dass  von  weibern  die  rede  ist,  zeigt  die  femininform  der 


262  DAS  HARBARDSLJüD 

adjeclive  zur  genüge  an.  v.  8,  10:  ef  [pü]  vilt  um  sund[it  fara] 
wird  die  elliptische  ausdrucksvveise  im  vulgären  stil  des  fergen 
nicht  wunder  nehmen  (vgl.  übrigens  die  ellipsen  s.  247  und  258). 
37,  3:  pcer  hofdu  verst  [unnit]  ist  nach  tilgung  des  Zusatzes  mit 
z.  4  zu  einem  salze  zu  verbinden  'male  homines  omnes  fascina- 
verunt'.  in  v.  47,  5:  hyggk  pik  oepa  [munu]  ist  das  hilfsverb 
entbehrlich  wie  v.  20,  5  :  Hiebard  hugdak  [vera],  in  v.  48,  3 : 
pann  [numtu]  prek  drygja  ist  es  leicht  aus  z.  2  zu  ergänzen. 
V.  30,  3  könnte  man  als  malahättzeile  (lypus  D)  fassen,  aber 
einen  viel  passenderen  sinn  als  'ich  spielte  mit  der  leinvveifsen' 
gibt:  Uk  liiihvHu  'ich  trog  die  leinweifse'  vgl.  Häv.  131:  at 
pjöfar  ne  leiki.  Lokas.  19:  Loptki  pat  veit  at  kann  leikinn 
er.  endlich  in  v.  56,  10  möchte  ich  nicht  auftact  annehmen, 
sondern  til  tilgen  und  Odins  landa  als  localen  geneliv  lassen: 
derselbe  steht  zwar  gewöhnlich  nur  mit  dem  adj.  midr  (Nygaard 
Syntax  i  s.  56),  indes  vgl.  Prymskv.  3:  gengu  peir  fagra  Freyj'u 
tnna.  ein  verb  der  bewegung  ist  aber  aus  dem  älhmga  hrautir 
(z.  9)  zu  ergänzen,  der  sinn  ist:  'Fjorgyn  lehrt  ihn  zugehen  zu 
Odins  landen',  es  bleibt  noch  v.  8,5:  [badat  härm]  hlennimenn 
ßytja.  die  Streichung  ist  nicht  so  kühn,  als  sie  scheint,  bad 
kann  aus  z.  1  sehr  wol  ergänzt  werden ,  für  das  fehlen  der  nega- 
tion  aber  in  dem  ersten  von  zwei  verneinten  coordinierten  Sätzen 
vgl.  Häv.  139:  vid  hleiß  mik  seldu  ne  vid  hornigi  'nicht  versahen 
sie  mich  mit  speise  noch  mit  trank'  und  Nygaard  Synt.  i  s.  66. 
natürlich  muss  man  dann  in  der  folgenden  zeile  ne  statt  eda 
schreiben,  sie  lautet,  wenn  man  das  durch  den  riesennamen 
Hrosspjöfr  (Hyndluljöcl  32)  sicher  verbürgte  compositum  einsetzt: 
tie  hrosspjöfa.  unsere  besserung  von  v.  4,  4  :  dauda  hyggk  niödur 
{sc.  vera)  wird  unbedenklich  erscheinen,  wenn  man  die  Varianten 
von  R  und  A  zu  v.  47,  5  vergleicht.  ^  in  v.  56,  8  ist  das  aus 
der  zeile  6  eingedrungene  hiita  zu  streichen  und  das  die  fol- 
gende zeile  überfüllende  kenria  dafür  einzusetzen,  vermutlich 
wird  hier  die  den  Schreibern  zu  dankende  jüngere  dativform 
soH  (Wimmer  Gr.  §  52  anm.  1),  die  fälschlich  als  acc.  gefasst 
wurde,  das  eindringen  von  hitta  begünstigt  haben,  wir  werden 
aber   mit    recht    die    metrisch   wol   passende    ältere   form   wider 

*  wo  wir  bei  minder  wiclitigen  Varianten  aus  metrischen  gründen  die 
hs.  A  bevorzugten  (vgl.  37,  2:  bariak  i  Hlesey),  ist  dies  nicht  besonders 
bemerlit  (vgl.  ßugges  forlaie  s.  xxi). 


DAS  HARBARDSLJÖD  263 

einsetzen  und  schreiben:  par  mun  FJorgyn  Pör  syni  kenna  usw. 
V.  32,  2*  endlich  muss  zu  Imhvüu  ein  reimwort  gefunden  werden; 
es  bietet  sich  aus  v.  30,3  wie  von  selbst:  man  schreibe  at  ek 
lekak  (s.  262)  'ut  ludificarem  puellam  candidam'. 

Durch  Umstellungen  oder  andere  versabteilung  als  bisher 
werden  regelrecht:  v.  6,  1.2:  ßeygis  sem  bü/prjü  göd  eigir. 
V.  6,  3 :  berbeinn  stendr,  liefr.  25,  2:  lidi  med  äsum.  26,  3: 
af  hrwzlu  ßerA  \9,A:sonarAllvalda.  19,6:  merkt  mest  pmi'ni, 
der  zweimal  vorkommende  vers  (v.  27,  2  vgl.  s.  251):  i  hei  drepa 
munk  pik  mit  onomatopoetischem  auftact,  endlich  die  beiden 
metrisch  ganz  parallelen  Zeilen:  v.  15,  4:  [er]  hpfüd[ü  d]  vas  ör 
steint  und  26,  4:  [per]  trodlt  vas  i  hanzka.  bei  zwei  ferneren 
halbzeilen  muss  man  wider  verschleifbares  mundir,  mundi  (s.  259) 
annehmen :  v.  25,  1 :  [er]  ojafnt  mundir  skipta  und  v.  23,  5 : 
mikil  mündig jotna^cett.'^ 

Es  bleiben  nun  nur  noch  die  Ijödahalllangzeilen,  von  denen  wir 
schon  S.251  sprachen:  durch  Umstellung  fügen  sie  sich  leicht  dem 
anderen  metrum,  dreimal  sind  parlikeln  (nn,  um,  of)  zu  supplieren. 


v. 

18, 

12"^: 

ged  ek  alt  peirra 

ok  gaman  liafdak. 

v. 

25, 

3^"^: 

ef  pH  vilgi 

mikils  vald  cettir. 

v. 

27, 

3'*': 

ef  ek  um  sund  nü 

seilask  mcBttak. 

V. 

47, 

3^": 

ef  ek   d   väg  nü 

at  vada  rcedak. 

v. 

47, 

6^'': 

ef  pu^af  hamri 

Jiogg  um  hlytir. 

v. 

51, 

2ab. 

hefr  pü  mik  nü 

heldr  of  dvaldan. 

ebenso  wird  man  zu  ferjuhirdi  (s.  217.  251)  farar  of  glepja  als 
zweite  halbzeile  zu  schreiben  haben  (v.  52,  3**). 

Von  den  Sieversschen  typen  ist  A  natürlich  am  häufigsten 
vertreten  in  allen  drei  Unterarten:  Ai  :  Hdrbardr  heitik.  A-2: 
Härbardr  medan.  A3 :  sildr  ok  hafra.  demnächst  C  in  den  beiden 
ersten  formen:  Ci :  hverrs  sveinn  sveina  und  C2 :  ef  litum  fcerir. 
seltener  D:  rekkr  rädsvinni  undE:  ordkringi  pin,  am  seltensten 
wie  auch  sonst  B:   d  prwla  kyn. 

Das  resultat,  das  wir  s.  240  aufstellten,  wird  durch  die 
detailuntersuchung    des    gedichtes   vollauf   bestätigt,      sowol    die 

^  ok  hugbleycti  ist  zusatz  nach  halr  hugblauti  v.  49,  3. 

^  der  consonanlische  vocal  j  scheint  in  unserem  liede  metrisch  als 
vocal  gefasst  zu  werden,  sodass  der  vocal  in  djafiit  davor  verkürzt  wird, 
vorhergehender  vocal  aber  auch  elidiert  werden  kann,  vgl.  aufser  unserem 
vers  die  zwei  ähnlich  gebauten  15,  3:  störu^gi^'gtunn  und  19,  2:  prüct- 
möctga^jqtun,  auch  wgd^u^jürnlurki  (s.  260). 


264  DAS  HARBARDSLJÖD 

manigfachen  teils  vor  der  schrifilichen  Fixierung  angehängten  teils 
später  von  lilteraten  eingeschobenen  zusälze  wie  die  freiere 
metrische  form  (Hoffory  GGA  1885  s.  32)  sprechen  dafür,  dass 
unser  lied  ein  norwegisches  ist,  hervorgegangen  wie  Voluspä  und 
Hävamäl  noch  aus  der  ungebrochenen  kraft  des  heidentums. 

Nachdem  wir  das  lied  nun  von  allen  einschiebsein  gereinigt 
und  die  ursprüngliche  metrische  form  ihm  zurückgegeben  haben, 
geben  wir  im  folgenden  den  text  desselben  nebst  einer  Über- 
setzung, um  dann  in  einem  kleinen  commentar  alles  etwa  noch 
zur  erklärung  nötige  beizufügen,  es  wird  sich  dabei  heraus- 
stellen dass  das  gedieht,  ebenso  wie  die  verwandte  dramatische 
Skirnisfor  (Zs.  30,  133  0"),  eine  strenge  strophische  gliederung 
beherscht.  gewis  rechnet  Vigfösson  (aao.)  mit  recht  unser  lied 
zu  den  'dramalical  poems'  des  alten  nordens.  ob  wir  an  eine 
theatralische  aufführung,  die  mir  bei  der  Skirnisfor  schon  wegen 
des  reichen  wechseis  der  redenden  personen  unzweifelhaft  er- 
scheint, im  Härbardslied  zu  denken  haben,  weifs  ich  nicht:  kaum 
aber  wurde  die  dichtung  von  einem  und  demselben  recitiert,  da 
die  sonst  bei  jeder  stiophe  und  noch  oft  innerhalb  der  visa 
nötigen  anmerkungeu:  Pörr  kvad  und  Hat barcir  kvad  {besonders 
in  den  stichomythischen  partien  v.  1.2.  10.  11.  12.  31.  32.  37. 
38.  54.  60)  sehr  schleppend  gewesen  wären,  das  ganze  wurde 
sicher  wol  von  zwei  männern ,  die  die  beiden  gölter  vorstellten, 
vorgetragen,  vielleicht  unter  mimischen  bewegungen,  zeit,  ort  und 
Situation  aber  durch  eine  prosaische  Vorbemerkung  wie  die  uns 
erhaltene  kurz  illustriert. 

Das  gedieht  besteht  aus  5X6  visur  (wie  übrigens  auch  die 
I*rymskvida  nach  lilgung  weniger  zusätzc).  die  fünf  abschnitte 
bilden  gleichsam  die  acte  des  komischen  dramas. 

1.  ßugge  1.  2.  3. 

'Hverrs  soeinn  sveina  fyr  sund  handan?' 

'hverr  karl  karla  kallar  vag  um?' 

'fer  niik  um  sund:  fcedik  d  morgun; 

dt  ek  i  Jwild  aildr  ok  hafra.' 

'Wer  ist  der  Junker  jenseits  des  sundes?' 

'was  für  'n  bauer  ruft  da  über'n  fluss?' 

,ferg'  über  den  sund  mich,  ich  speise  dich   für  morgen; 

ich  afs  schon  in  ruhe  häring  und  habermus.' 


DAS  HARBARDSLJÖD 


265 


'Arlignm  verkam 
dopr  heimkynm, 
'pat  segir  pü  nü 
mest  at  vita, 

'Als  frühe  taten 
trüb,  mein'  ich,  stets  zu  hause: 
'das  redst  du  nun  so  hin, 
höchst  tadelnswert : 

'ßeygü  sein  hü 
herheinn  stendr,  hefr 
'styr  hinig  eikjn, 
eda  hverr  d  skip, 

'Und  doch  scheinst  du  nicht 
harbein  stehst  du  da,  hast 
'steur'  hierher  mit  dem  eichkahn, 
oder  wer  hat  das  schifT, 

'Hildölfr  heilir, 
rekkr  rddsvinni, 
hlennimenn  ßytja 
seg  til  nafns  pins, 

'Hildolf  heifst  er, 

der  ratkluge  recke, 

ja  nicht  bummler  zu  fergen 

sag  deinen  namen, 

'Seggja  mun  til  nafns, 
Odins  mogr  emk 
prüdvaldr  goda: 
hins  vilk  spyrja, 

'Meinen  namen  werd'  ich  sagen, 
Odins  söhn  bin   ich 
der  gölter  kraftwalter: 
darnach  will  ich  fragen, 

Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.   XIX. 


B.  4.  5. 

hrösar  verdi; 
dauda  hyggk  mödur.' 
er  hverjum  pykkir 
at  mödir  dand  se.' 

rühmst  du  dein  mahl: 
deine  mutier  ist  tot.' 
was  jedem  doch  dünket 
dass  meine  mutter  soll  tot  sein !' 

B.  6.  7. 
prjü  göd  eigir: 
brautinga  gervi.' 
munk  stod  kenna, 
er  heldr  vid  land?' 

drei  gute  guter  zu  haben: 
landslreicher-ansehn ! ' 
will  den   landungsplatz   zeigen, 
das  am  lande  du  hältst?' 


4. 


B.  8. 


erm'k  halda  bad, 
Rddseyjarsnnd; 
ne  hrosspjöfa: 
ef  vilt  um  sundV 

der  mich  bewachen  hiefs, 
den  Ratsinselsund; 
noch  rossediebe : 
willst  du   über  den  sund!'. 

B.  9. 
pött  ek  sekr  sjdk: 
enn  fadir  Magna, 
vid  Pör  knätt  doema. 
hvat  pH  heitir?' 

bin  ich  vogelfrei  auch: 
und  Magnis  vater,  [reden, 

mit  Thor   ists  dir  vergönnt  zu 
wie  du  eigentlich  heifst?' 

18 


266 


DAS  HARBARDSLJÖD 


'Hdrbardr  heitik, 
'hvat  skalt  hylja, 
'pö  munk  forda 
fyr  slikum  sern  per, 

'Ich  heifse  Harbarct, 
'was  auch  solltest  du'n  hehlen, 
'auch     dann     noch    werd'    ich 
vor  einem  wie  du, 

,Pvi  härm  Ijötan 
um  vdg  til  pin: 
'her  nmnk  standa, 
fanntat  hardara 

'Deshalb  unbequem  scheints  mir 
durch  den  fluss  zu  dir: 
'hier  werd'  ich  stehen, 
du  fandest  keinen  härteren 

'Hins  vilt  geta, 
störudgi^iqtunn 
pö  Utk  falla 
hvat  vanntu  pä, 

'Darauf  willst  du  anspielen, 
der  kraftvolle  jöte 
doch  bracht'  ich  zu  fall  ihn, 
was  tatest  du  denn, 

I 

'Vark  med  FJolvari 
i  ey  peirri 
vega  par  kndttnm 
margs  at  freist a, 

'Mit  Fjolvar  war  ich 
auf  der  insel, 
kämpfen  konnten  wir  da 
viel  zu  versuchen, 


6.                               B.  10.  11.  12. 
hylk  nafn  sjdldan.' 
nema  sakar  eigir?' 
fjorvi  mitiu 
nema  ek  feigr  se.' 

selten  hehl'  ich  meinen  namen!' 
da  du  nicht  verbannt  bist?' 
mein  leben  wol  schützen 
ich  sei  todgeweiht  denn  !' 

B.  13. 14. 

at  vada  pykkjumk 
vcettak  ogur  minn.' 
hedan  bida: 
at  Hrungni  daudanV 

hinüberzuwaten  [netzen  1 ' 

meinen    'schrecker'    würd'    ich 
von  hier  aus  harren: 
nach  Hrungnirs  tod  I' 

B.  15. 

er  Hrungnir  deildum, 

—  hofud  vas  6r  steint  — , 
ok  fyr-hniga: 
Hdrbardr,  medan?' 

als   ich   und  Hrungnir  stritten, 

—  sein  haupt  war  aus  stein  — , 
liefs  ihn  vornübersinken : 
Harbard,  indes?' 


B.  16. 


finim  vetr  alla 
er  Algroen  heitir. 
ok  val  fella, 
magns  at  kosta. 

fünf  ganze  v,inter 
die  Algrcen  heifst: 
und  wal  fällen, 
die  kraft  zu  erproben. 


DAS  HARBARDSLJÖD 


267 


Sparkar  dltn, 
horskar  ättu, 
pcer  6r  sandi 
grund  ör  dali 

Muntre  hatten  wir, 
kluge  hatten  wir, 
die  wanden  sich 
und  gruheu  den  grund 

Vardk  einn  ollum 
hvilda  vid  scevar 
ged  ek  alt  peirra 
hvat  vanntn  pd. 

Ich  ward  allein  allen 

ich  schlief   bei  den  Schwestern 

ich  hatl'  ihrer  aller 

was  tatest  du  denn, 

] 
'Ek  drap  Piaza, 
npp  ek  varp  angum 
merki  mest  pan'ru 
hvat  vanntu  pd, 

'Ich  erschlug  den  Thiazi, 
empor  warf  ich  die  äugen 
das  sind  die  grösten  merkmale 
was  tatest  du  denn, 

1 
'Miklar  manvelar 
pa  er  ek  velta 
hardan  jotun 
orviti  gaf  kann 

'Grofse  weiberberückungen 
als  ich  sie  abzauberte 
für  einen  harten  jüten 
der  tropf  gab  mir  dazu 


10.  B.  18'. 

ef  at  spokum  yrdi, 
ef  hollar  vceri: 
sima  utidu, 
djüpum  gröfu. 

wären  sie  zahm  nur  geworden, 
wären   sie   nur  hold   gewesen: 
aus  sande  stricke 
aus  tiefem  tal  aus. 


11. 


B.  IS' 


efri^at  rddum, 
prom  hja  systrum. 
ok  gaman  hafdak. 
Hlörridi,  medan  ? ' 

an  list  überlegen, 
am  seegestad': 
lieb'  und  umarmung. 
Hlörridi,  indes?' 

2.  B.  19. 

pTH  dm  ödga^  iotun, 

sonar  Allvalda. 

minna  verka; 

Hdrbardr,  medan?' 

den  kraftmulgen  jöten: 
von  Allvaldis  söhn, 
meiner  werke. 
Harbard,  indes?'  

3.  B.  20. 

vid  myrkridur  hafdak, 
pcer  frd  verum,. 
Hiebard  htigdak, 
mer  gambantein.' 

übt'  ich  an  hexchen, 
ihren  mäunern. 
hatl'  ich  Hiebard  gehalten: 
den  zauberstab.' 

18* 


268 


DAS  HARBARDSLJÖD 


'Ek  var  austr: 
hrüdir  bolvisar 
mikil  mundi^iotna^ 
vcBtr  mundi  manna 


'Ich  war  im  osten, 
böswillige  braute 
grofs  wäre  der  riesea  geschlecht, 
und  kein  mann  wiird' 

'Vas  ä  Yallandi, 
attak  jofrum, 
Oäinn  a  iarla 
prüdvaldr  goda 

'Ich  war  in  Valland, 
ich  reizte  die  beiden 
Odin  hat  die  jarle, 
der  götter  kraftwalter 

'Oiafnt  mnndir  skipta 
ef  pü  vilgi 
'ßörr  a^afl  cerit, 
af  hrcezlu  per 

'Unbillig  wHirdst  du  verteilen 
hättest  du  sehr 
'Thor  hat  übermäfsige  kraft, 
vor  furcht  wärest  du 

'Hdrbardr  ragi 
ef  ek  um  sund  m'i 
'hvat  skalt  seilask: 
hvat  vanntu  pä, 

'Feigherziger  Harbard, 
wenn   ich    nur   reichen   könnt' 
'wozu  solllest  du's  auch: 
was  lalesl  du  denn, 


14.  B.23. 

jotna  bardak 

—  til  bjdrgs  gengu  —  ; 
cett,                 ef  allir  lifdi, 

und  midgardi.' 

ich  schlug  der  jöten 

—  sie  giengen  zu  fels  — ; 
wenn  sie  alle  lebten, 
in  Midofard  mehr  sein  ! ' 


15.  B.  24. 

vigum  fylgdak, 
aldri  scettak. 
er  i  val  falla, 
ä  pra>Ia  kyn.' 

gieng  kämpfen  nach, 
und  versöhnte  sie  nimmer, 
die  auf  der  walstatt  fallen, 
hat  der  knechte  geschlecht.' 


16. 


B.  25.26. 


lidi  med  äsum, 
mikils  vald  wttir.' 
ekki  hjarta: 
trodit  vas  i  hanzka.' 

das  gefolg'  unter  den  äsen, 
über  grofses  gewalt.' 
keine  beherztheit: 
in  den  handschuh   getrottet.' 

17.  B.  27.  28. 

/  hei  drepa  miuik  pik, 
seilask  mwttak.' 
sakir'  o^alls  ongar! 
Hlörridi,  medan?' 

tot  möcht'  ich  dich  schlagen, 
über  den  sund!' 
wir  haben  ja  keinen  streitpunct. 
Hlörridi,  indes?' 


DAS  HARBARDSLJÖD 


269 


'Ek  var  austr 
pa  er  mik  söttu 
grjöti  mik  bor  du, 
po^nrcTumk  fyrri 

'Ich  war  im  osten 
als  mich  heimsuchten 
mit  steinea  warfen  sie  mich, 
denn  doch  musten  zuerst 

'Ek  var  anstr, 
lek  linhvitu, 
gladdak  gullbjortu, 
hvat  vanntu  pd, 

'Ich  war  im  osten, 

die  leinweifse  trog  ich, 

ich  erfreute  die  goldglänzende, 

was  tatest  du  denn, 

'Göd  ättud  er 
'lids  pins  vcBrak 
at  ek  lekak 
hvat  vanntu  pd, 

'Gute    mädchenbekanntschaften 
'deines  geleites,  Thor, 
um  zu  berücken 
was  tatest  du  denn, 

'Brndir  berserkja 
p(er  hofdu  velta 
hvat  vanntu  pd, 
'klceki  vannt,  Pörr, 

'Berserkerbräute 
die  hatten    auf  das  schlimmste 
was  tatest  du  denn, 
'schmachvolles  tatest  du,  Thor, 


18.  B. 

ok  d  vardak, 
Svdrangs  synir; 
gagni  litt  fegnir: 
fridar  at  bidja.'  —  —  — 

und  schützte  den  ström, 
Svarangs  söhne, 
wenig  froh  ihres  gewinnes: 
sie  um  frieden  bitten  1' 


29. 


19.  B.  30. 

vid  einhverja  dcemdak; 
launping  hddak, 
gamni  mcer  undi. 
Hlörridi,  medan?' 

und    sprach    zu   einer   hehren; 
hatte  heimliche  tinge, 
der  maid  behagte  die  liebe. 
Hlörridi,  indes?' 


20. 


B.  31.  32.36. 


matikynni  pd.' 
pd  purfi,  Pörr, 
linhvitu  mey. 
Hlörridi,  medan?' 

hattet  ihr  beide  da  ja ! ' 
hätt'  ich  gerade  bedurft, 
die  leinweifse  maid. 
Hlörridi,  indes?' 

21.  B.  37. 

bardak  i  Hlesey: 
verst  pjöd  alla. 
Hdrbardr,  medan?' 
er  d  konum  bardirV 

schlug  ich  in  Hlesey: 
alle  weit  geschädigt. 
Harbard,  indes?' 
da  auf  weiber  du  schlugst I 


38. 


270 


DAS  HÄRBARDSLJÖD 


'Vargynjur  väru, 
skeldu  ski'p  mitt 
oegdu^iärtiliüki, 
hvat  vanntu  pd, 

'Wölfinnen  warens, 
mein  schiff  zerschellten  sie 
sie  drohten  mit  der  eisenkeule, 
was  tatest  du  denn, 

'Ek  vas  i  herjum, 
gnwfa  gunnfana, 
hoeta  skal  pat 
sem  jafnendr  unnu 

'Ich  war  in  heeren, 

die  kampfbauner  wehen  liefsen, 

büfsen  werd'  ich  das 

wie  es  Schiedsrichter  bestimmen, 

'Hvar  namt  pessi 
heyräak  aldri 
'namk  at  oldum 
er  biia^i  Heljar 

'Wo  nahmst  du  nur  diese 
schneidendere  hab'  ich 
'ich  nahm  sie  von  den 
die  in  wäldern 


22.  B.  39. 

varliga  konnr, 
—  skordat  hafdak  — ; 
eltu  Pjdlfa. 
Hdrbardr,  medan?' 


'Ordkringi  pin 
ef  ek  ä  vag  nü 
nlfi  hcera 
ef  pu^af  hamri 

'Deine  wortbehendigkeit 
wenn  ich  über  den  sund 
lauter  als  der  wolf, 
wenn  du  hiebe 


kaum  warens  frauen, 
—  ich  hatt'  es  gestützt  — ; 
vertrieben  Thialfi. 
Harbard,  indes?' 

23.  B.  40.  42. 

er  Innig  gordusk 
geir  at  rjöda. 
munda  haugi, 
er  okr  vilja  scetta.' 

die  hierher  vor  sich 

um  den  speer  zu  röten. 

mit  einem  armring, 

die  uns  versöhnen  wollen  1 ' 

24.  B.  43.  44. 

hnoefih'gu^ord: 

hncefiligriV 

enum  aldroenum, 

heimis  skögum!' 

schneidenden  worte  her: 

niemals  gehört  1' 

uralten  leulen, 

Heiheims  hausen  1' 

25.  B.47. 
illa  mun  koma, 

at  vada  rcedak : 
hyggk  pik  cepa, 
hogg  um  hlytirV 

soll  dir  übel  bekommen, 
zu  waten  geruhe: 
denk'  ich,  möchtest  du  heulen, 
vom  hammer  empfängst  I' 


DAS  HARBÄRDSUÖD 


271 


26. 


B.  48.  49. 


'Sif  d  hö  heima, 
pann  prek  drygja: 
'mcelir  pu  svd 
halr  hugbleydi, 

*Sif  hat  zu  haus  einen  buhlen, 
verübtest  dort  kraftwerke: 
'du  schwatzst  nun  so  dahin 
feigsinniger  manu, 


hans  munt  fund  vilja, 
pats  per  skyldaraV 
at  munns  rddi, 
hygg  ek  at  Ijügir.' 

den  wol  fändest  du  heber, 
ziemlicher  war'  dirs!' 
auf  das  geratewol, 
ich  glaube,  du  lügst.' 


27.  ß.  50.  Ol. 
seinn  ert  at  for, 
ef  litum  foerir.' 
i  hei  drepa  munk  pik: 
heldr  of  dvaldan.' 

säumig   bist  du   auf  der   fahrt, 
könntest  du  die  gestalt  wechseln  I' 
tot  möchl'  ich  dich  schlagen, 
so  lang'  aufgehalten ! ' 

28.  B.  52.  53. 
aldregi  mundu 
farar  of  glepja.' 
rö  hinig  bdti, 
hitt  fodur  Magna!' 

glaubt'  ich  würde  nimmer 
hindern  können  I' 
rüder'  hierher  mit  dem  bot: 
hören  wir  auf  mit  derdrohung:      du  findest  auch  Magnis  vaterl' 


'Satt  hyggk  segja, 
langt  mundir  kominn, 
'Hdrbardr  ragi, 
he  fr  pü  mik  nü 

'Wahr  glaub'  ich  zu  reden: 
lang  wär&L  du  am  ziele, 
'feigherziger  Harbard, 
du  hast  mich  nun  gar 

'Asapnrs  hngdak 
ferjuhirdi 
'rdd  munk  räda: 
hcettingi  hcettum, 

'Asathors  fahrten 
ein  einfacher  ferge 
'einen  rat  will  ich  geben, 


29. 


B.  56. 


'Litit  er  synfa, 
halt  til  vinstra, 
par  rmm  Fjorgyn 
dttunga  brautir 

'Klein  ist  die  weig'rung, 

halte  dich  links, 

da  wird  Fjorgyn 

der  Verwandtschaft  wege 


langt  erat  fara : 
hittir   Verland. 
Pör  syni  kenna 
Odins  landa.' 

nicht  lang'  ist  die  fahrt: 
du   findest  Verland. 
ihrem  söhne  Thor  weisen 
zu  Odins  landen.' 


272  DAS  HARBARDSLJÖD 

30.                       B.  57.  58.  54.  60. 
'Munk  aka  pangat                          viel  erfuti^i  dag. 
uppverandi^at                                ey  ek  get  pd  nd.' 
'far  firr  sundi,                                fars  skal  synjaV 
'far  pü  nü  pars  pik  hafi  gramirV 

'Ich  werde  nun  dorthin    [gang  kaum  heul'  noch  fahren! 

und  auch  dann  vor  sonnenunter-  erreich'  ichs  nicht.' 

'pack  tort  dich  vom  sunde,  die   fahrt  muss    ich   weigern!' 

'pack  du  dich  dahin,  wo  der  teufel  dich  hole!' 

Der  erste  teil  (v.  1 — 6)  enthält  die  exposilion  der  dramati- 
schen haudlung,  den  grund  der  senna.  mitten  in  die  Situation 
führt  uns  die  erste  visa  (s,  249). 

V.  1.  zu  sveinn  sveina  vgl.  Hyndlul.  1,  1.  5,  zu  dem  ganzen 
anfaug  Fäfn.  1.  Sigurdarkv.  nl,  Fjolsvinusm.  2  f.  Härbardr  bietet, 
um  übergesetzt  zu  werden,  seinen  reiseproviant  als  fährgeld.  Imfrar 
(z.  4)  ist  nicht  mit  Bergmann  als  bockfleisch  (s.  89),  sondern  als 
habermus  zu  verstehen  (vgl.  s.  230).'  wie  schon  bemerkt  (s.  258), 
ist  es  nicht  mehr  früh  am  tage,  als  die  beiden  götter  sich  treffen. 
Thörr  ist,  nachdem  er  am  tage  riesenkämpfen  in  Jotunheim  ob- 
gelegen (i  austrvegum),  gegen  abend  aufgebrochen  und  möchte 
noch  vor  Sonnenuntergang  wie  gewöhnlich  at  uppverandi  sölu) 
in  Asgard  sein,  dabei  passierte  er  sonst  stets  den  Ifingstrom, 
der  riesen-  und  menschenweit  scheidet  (Valljr.  16).  wenn  nun 
in  unserem  liede  Thörr  sich  noch  im  riesenlande  befindet  (v,  5), 
andererseits  nach  Härbards  angäbe  sich  links,  also  im  vor- 
liegenden falle  südlich  (Lüning  s.  224)  halten  soll,  um  Verland- 
Midgard  zu  erlangen,  so  muss  man  Bergmann  wol  beistimmen 
(s.  110),  wenn  er  in  unserem  simd  oder  vdgr  den  Ifingfluss  er- 
kennt, auf  den  ja  auch  v.  18,  1  deutlich  angespielt  wird,  die 
bezeichnung  Rddseyjarsund  (vgl.  s.  220)  würde  aber  dazu  vor- 
trefflich stimmen,  da  die  jölen  des  rd(t  natürlich  bar  sind. 

V.  2.  das  doppelsinnige  hafrar  gibt  Ilärbard  sofort  zum 
spotte  veranlassung.  er  versteht  es  als  'bocke'  (vgl.  Prymskv.  21. 
Hymiskv.  7.  20.  31.  37).  da  nun  bockfleisch  als  vornehme  speise 
galt  (vgl.  Liebrecht  aao.),  so  konnte  er  mit  recht  sagen:  'früher 
taten  rühmst  du  dich  in  deinem  (opulenten)  mahl'  (vgl.  Hav.  33). 
zugleich    aber    spielt  Odinn    in    gutmütigem    scherz    auf  Thors 

*  vgl.  ginhafri  n.  unter  den  sdd^s  heiti  (Sn.  E.  ii  493). 


I 


DAS  HARBARDSLJÖD  273 

abenteuer  bei  dem  Lauer  au,  wo  er  durch  vveihuug  mit  seinem 
Mjollnir  die  verspeisten  bocke  wider  auferstehen  lief?,  einer  aber 
hinkte,  sodass  der  gott  das  gespann  bei  dem  bauer  zurücklassen 
niuste  (Sn.  E.  i  14211).  daher  liegt  in  den  Worten  der  versteckte 
Vorwurf:  'warum  erscheinst  du  denn  heute  nicht  als  Oku|jürr, 
wie  gewöhnlich,  wenn  du  aus  dem  riesenlande  zurückkehrst  (Hy- 
miskv.  35  fl')?  dann  könntest  du  doch  deinen  weg  durch  die  luft 
nehmen!'  der  doppelsinn  in  hafrar  war  in  der  deutschen  Über- 
setzung nicht  kenntlich  zu  machen,  über  die  hinzugefügte  lüge 
vgl.  s.  229.  Thörr,  der  Härbards  worte  auch  als  lüge  nimmt, 
meint:  es  wäre  nicht  hübsch  von  ihm,  ein  so  schmerzliches  er- 
eignis  so  leichtfertig  zu  fingieren  (vgl.  v.  26,3  f).  er  hverjnm  pikkir 
inest  at  vita  hat  man  bisher  allgemein  übersetzt:  'was  jedem  deucht 
das  traurigste,  drückendste  zu  wissen',  was  kaum  sprachlich  zu 
rechtfertigen  ist:  schon  um  den  vers  herzustellen  (s.  259)  habe 
ich  vita  angesetzt,  das  zwar  in  den  alten  liedern  sonst  nicht  be- 
legt ist,  aber  durch  ahd.  wizan  (Grad  [  1114  fj  vgl.  got.  idveitjan, 
ags.  vitan  gestützt  wird.i  z.  3  besagt  also:  'was  jedem  am  meisten 
zu  tadelu  scheint'  und  ist  so  wol  vorbild  zu  dem  s.  245  berührten 
Zusatz  (Bugge  v.  49,  2)  geworden. 

V.  3.  über  peygi  vgl.  Liliencron  s.  182.  ganz  deutlich  ist 
in  der  aus  dem  komischen  trugschlusse  (s.  230)  resultierenden 
bitteren  bemerkung  Odins:  'Thörr  scheine  nicht  drei  gute  guter 
zu  besitzen',  auf  die  Verpfändung  der  odulgüter  (s.  232  f)  an- 
gespielt, der  spott  über  Thors  angebliche  armut  würkt  aber  um 
so  ergetzlicher,  als  er  ganz  wie  eine  travestie  von  Grimnism.  24 
klingt,  wo  Odinn  selbst  den  palast  seines  sohnes  Thörr,  Bilskirnir, 
preist,  der  500  gemacher  habe  und  das  gröste  aller  ihm  bekannten 
götterhäuser  sei. 

V.  4.  über  die  Herstellung  der  visa  vgl.  s.  261  f.  Idennimenn, 
sonst  hlennar,  hat  auch  hier  wol  die  nebenbedeutung  von  feig- 
ling  (v.  26)  vgl.  Egilsson  s.  353*^.  hrosspjöfr  aber  ist  doppelt 
verletzend  für  Thor,  weil  das  wort  als  name  seiner  totfeinde, 
der  jöten,  figuriert  (Hyndlul.  32),  und  'rossdieb'  zugleich  eine  an- 
spielung  auf  seine  rossbedürftigkeit  ist.  man  erinnere  sich  dass 
er  als  der  göttliche  'water'  (s.  22S)  kein  ross  besafs  (vgl.  Grim- 
nism. 29  f).     hier  aber,   wo   das  'waten'  durch   den    gegner  un- 

1  vgl.  auch  Rasks  conjectur  zu  Volundarkv.  37,  4:  ne  ek  pik  vilja, 
Folundr,  verr  um  vita. 


274  DAS  HARBARDSLJÖD 

möglich  gemacht  wurde,    auch  das  bockgespann  fehlte,  hätte  er 
ein    ross  wol  gebrauchen ,   leicht    zum    rossdieb  werden   können. 

V.  5.  hier  wie  schon  v.  3  überiiört  Thörr  gutmütig  den 
spott,  um  hinüber  zu  kommen,  obwol  er  im  lande  seiner  schlimm- 
sten feinde,  also  vogelfrei  ist  (Liliencron  s.  183),  hofft  er  nun 
durch  die  emphatische  nennung  seines  namens  zu  erreichen,  was 
die  anbielung  des  fährgeldes  nicht  bewürkt  hat. 

V.  6.  die  namensnennung  gibt  aber  gerade  gelegenheit  zu 
noch  stärkerem  spotte  Härbarcts.  wenn  dieser  meint:  'meinen 
namen  hehle  ich  selten',  so  ist  das  wider  ganz  deutlich  eine  pa- 
rodie  auf  Odins  sonstiges  verfahren  in  dieser  hinsieht.  Grim- 
nism.  48  erklärt  er  gerade  im  gegenteil:  'mit  einem  namen 
nannte  ich  mich  niemals,  wenn  ich  unter  die  leute  kam',  auf 
Thors  harmlose  bemerkung:  'warum  solltest  du  dich  nicht  nennen, 
da  du  nicht  vogelfrei  bist?'  (nema  sakar  e/^?'r  vgl.  Vigfüsson  s.620^), 
entgegnet  Härbardr:  'vor  einem  kerl  wie  du  werde  ich  auch 
dann  noch  mein  leben  zu  schützen  wissen',  zu  feigr  (z.  4)  vgl. 
Skirnisf.  12.^  diese  grobe  provocation  hat  denn  endlich  den 
ersten  wutausbruch  des  bäuerlich-phlegmatischen  Thörr  zur  folge: 
damit  beginnt  aber  die  eigentliche  senna,  und  somit  markiert 
V.  6  einen  abschnitt  des  liedes. 

Im  zweiten  teile  (v.  7 — 12)  erfährt  man  dass  es  Thor  in 
der  tat  unmöglich  ist,  herüberzukommen,  in  dem  mit  v.  8  be- 
ginnenden 'mannjafnadr'  zeigt  sich  Odinn  sofort  in  seiner  ganzen 
gröfse,  und  auch  Thörr  spielt  unvorsichtiger  weise  sofort  in  der 
erwähnung  der  siege  über  Hrungnir  und  Thiazi  seine  höchsten 
trumpfe  aus. 

V.  7.  dass  Thörr  in  der  tat  nicht  hinüber  kann,  blickt 
deutlich  durch  seine  worte  hindurch :  er  drückt  es  aber  verblümt 
aus,  indem  er  meint,  es  wäre  unbequem  hinüber  zu  waten,  da 
er  seinen  'hammer'  hoch  emporhalten  müste.  die  erwähnung 
Hrungnis  führt  zum  beginn  der  tatenaufzählungen.  dass  dieses 
abenteuer  Thors  eines  der  schwierigsten  und  für  die  götterweit 
bedeutsamsten  war,  zeigt  die  erzählung  Sn.  E.  i  270 — 278.  dass 
es  durchaus  eines  der  bekannteren  (s.  229)  war,  beweisen  die 
kenningar  Hrungnis  vegandi,  haussprengir  für  Thor,  noch  mehr 
Hrungnis  bani  (Lokas.  61.  63)  für  den  Mjollnir,  sowie  auch  die 
Haustlong  des  skalden  Thiodolf  von  Hvin  (Sn.  E.  i  278  ff),  wollte 
'  vgl.  auch  H.  Hund.  i20,  4:   riema  ek  dau(tr  sjäk. 


l 


DAS  HARBARDSLJÖD  275 

man  in  z.  4  den  auftacl  nicht  dulden  (s.  260),  konnte  man  nach 
H.  Hjorv.  42,  6  (at  lidinn  fylki)  schreiben :  at  lidinn  Hrnngni, 
auch  Hrnngni^at  daiidan  wäre  möglich,  zu  der  phrase  vgl.  auch 
Gudrünarkv.  ii  25.  37. 

V.  8.  deila  elliptisch  für  deila  vig  Lokas.  22 ;  mit  gleicher  el- 
lipse  steht  einfaches  deila  Sigrdrifum.  24  für  ordum  deila  H.  Hund. 
II  23.  der  satz  hofud  vas  ör  steini  steht  parenthetisch  wie  til 
bj'drgs  gengu  14,  2  und  skordat  hafdak  22,  2,  wo  ebenfalls  Thörr 
spricht,  dem  bäuerlichen  gotte  steht  die  hastige  abrupte  aus- 
drucksweise im  zorn  wol  an  (vgl,  s.  258.  262).  nach  Sn.  E.  i  274 
war  auch  Hrungnis  herz  und  schild  von  stein. 

V.  9.  über  sie  vgl.  s.  241  f.  wenn  die  erde  eine  'insel  All- 
grün' genannt  wird,  so  erwäge  man  dass  nach  norwegischer  Vor- 
stellung der  im  meere  liegende  Jormungandr  die  erde  rings  um- 
gab, ferner  dass  auf  inseln  vorwiegend  Zweikämpfe  stall  fanden 
(vgl.  hölmganga  f.  Vigfüsson  280'').  zur  erklärung  der  fimm  vetr 
braucht  man  die  weitschweiöge  erörterung  Bergmanns  (s.  134 ff) 
nicht:  es  ist  einfach  eine  epische  formel,  vgl.  Oddriinargrätr 
6,  14,  zur  bezeichnung  eines  längeren  Zeitabschnittes  wie  das 
lateinische  'lustrum'.  zur  formelhaften  ausdrucksweise  in  z.  3 
vgl.  Sigurdarkv.  iii  37,  3.4,  auch  Rigl^.  37,  11,  wo  als  charac- 
terislik  des  jarls  gesagt  wird:    val  nam  at  fella. 

V.  10.  vgl.  s.  254.  Mims  synir  leika  (Vi>4usp.  R  45)  ist  eine 
etwas  andere  bildliche  characteristik  der  ewig  wogenden  meeres- 
wellen.  die  zweimalige  Streichung  von  konnr  (z.  1.  2),  die  sich 
aus  metrischen  gründen  empfahl  (s.  261),  ist  um  so  unbedenk- 
licher, als  auch  in  der  ähnlichen  visa  30  nur  von  'einer  ge- 
wissen', von  'der  leinweifsen'  und  von  'der  goldglänzenden'  ge- 
sprochen wird. 

V.  11  ist  bereits  s.  254 — 256  ausführlich  erklärt,  das  pro- 
nomen  ek  wird  man  in  z.  2  ebenso  wie  v.  5,  1.  v.  15,  1.  v.  19,  2 
getrost  entbehren  können:  an  allen  vier  stellen  steht  ek  zwei- 
oder  dreimal  kurz  vorher  oder  nachher,  wie  Odinn  in  v.  9  sich 
seiner  kriegstätigkeit  rühmt,  wodurch  er  den  für  die  menschheit 
notwendigen  kämpf  ums  dasein  eröffnet  (vgl.  Voluspä  R  25),  so 
legt  er  durch  seine  zeugung  des  Heimdallr  den  grund  zu  einer 
gedeihlichen   entwickelung   des    menschengeschlechtes.  *     zu    vid 

•  die  idee  der  Rigjjula,  dass  Heimdallr  als  Rigr  der  begründer  des  stände- 
wesens  sei,  ist  kaum  von  dem  dichter  rein  erfunden:    vielmehr  scheint  sie 


276  DAS  HARBARDSLJÖD 

scevar  prom  vgl.  auch  das  liedfragmeot  vod  der  Skadi  (Su.  E.  i  94), 
wo  diese  klagt  dass  sie  nicht  schlafen  könne  scsvar  bedjnm  d, 
in  litoribus  maritimis. 

V.  12.  dagegen  kann  nun  Thörr  nur  den  Thiazi  ins  teld 
führen  und  hat  damit  seine  gröste  tat  genannt,  denn  dass  Thiazi 
ein  noch  gefährlicherer  gegner  als  Hrungoir  war,  sagt  auch  der 
Grottasongr  (v.  9).  nach  dem,  was  wir  s.  236  ff  sagten,  wird 
man  jetzt  die  abweichung  unseres  liedes  von  dem  bericht  der 
Suorra  Edda  (vgl.  s.  240)  nicht  mehr  als  eine  würkliche  discre- 
panz  der  sage  betrachten,  die  s.  237  vermuteten  Härbardsmal 
legten  die  überlieferte  visa  (von  z.  3  ab)  dem  Odin  bei  und  standen 
dabei  völlig  auf  demselben  boden  wie  die  Sn.  Edda  (i214):  auch 
der  name  wird  dort  wie  in  dem  cod.  ü  der  Sn.  E.  Audvaldi  ge- 
lautet haben,  unser  dichter  beutete  aber  die  visa  komisch  aus 
und  legte  die  worle  dem  Thor  in  den  mund,  sodass  dieser  also 
in  seinem  eifer  nicht  nur  behauptet,  den  gegner  erschlagen  zu 
haben,  sondern  auch  die  Versetzung  seiner  äugen  unter  die  sterne, 
ein  werk  Odins,  für  sich  usurpiert,  dabei  verdrehte  er  den 
namen  des  jöteu  komisch  in  Allvaldi  (allmächtig),  um  seinen  sieg 
desto  gröfser  erscheinen  zu  lassen.  Thörr  hat  sich  durch  nen- 
nung  seiner  beiden  gröslen  taten  weidlich  als  (\er  prndvaldr  goda 
legitimiert,  zugleich  aber  sein  pulver  verschossen,  sodass  alles 
spätere  nicht  mehr  einen  gleichen  eindruck  machen  kann. 

Im  dritten  teil  (v.  13 — 18)  zeigt  nun  Härbardr-Odinn,  warum 
Thörr  nicht  über  den  sund  kann:  er  definiert  ihren  unterschied, 
aber  auch  dass  derselbe  kein  principieller  ist.  damit  ist  der 
höhepunct  des  dramas  erreicht  und  die  lösung  angedeutet. 

V.  13.  über  die  besserung  vgl.  Zs.  30,  139  und  s.  251. 
der  riese  Hlebardr,  eine  personification  des  urwaldes  (axiago- 
y.ofxog  vltj),  hat  dem  Härbard  in  seiner  torheit  den  gambanteinn 
überliefert;  dieser  hat  ihn  mit  runen  beritzt  und  damit  riesische 
nachtweiber  bezaubert  (vgl.  Skirnisf.  32  ff  und  iMüllenhoff  Runenl. 
s.  57).  über  das  votegov  ngöregov  vgl.  Müllenhoff  DA  s.  90.  95  ff: 
gaf  hat  plusquamperfectbedeutung.  die  besserung  orvüi  ist  sehr 
leicht  (vgl.  Lokas.  21.  47.  H.  Hundb.  ii  34).  die  niyrkridur  (z.  1) 
sind  wol  mit   den  kveldridur   in   der  Hrimgerdssenna  (H.  Hjorv. 

eine  zeitgemäfse  modification  (s.  230  f)  des  alten  gedankens,  dass  Heini- 
dallr  (der  lieimfrohe,  ursprüngiicli  eine  tiypostase  des  alten  tiimmclsgottes 
Zs.  30,  246)  der  begründer  des  menscliengeschlectites  sei  (Voluspä  1). 


DAS  HARBARDSLJÖD  277 

15,6)  identisch:  der  name  'dunkel-  oder  abendreiterinnen'  deutet 
auf  nachtgespenster,  in  den  Havamäl  lieifsen  sie  tunridur.  auch 
dort  (v.  155)  rühmt  sich  ein  Pseudo-Ödinn  seiner  Übermacht 
über  sie:  'er  will  die  in  der  luft  spielenden  zwingen,  ihre  an- 
genommene gestalt  abzulegen ! ' 

V.  14.  Thörr,  der  mit  seinen  haupttaten  fertig  ist,  erzählt 
nur  noch  von  riesenkämpfen  schlechthin,  zuerst  mit  jötinnen, 
dann  mit  jöten.  beidemal  beginnt  er  emphatisch:  ek  var  austr 
(vgl.  V.  18).  der  kehrvers  wird  aber  bei  der  hitzigkeit  des  Streites 
ganz  vergessen,  bei  den  holvisnr  jotna  hrüdir  könnte  man  etwa 
an  Geirrods  töchter  Greip  und  Gjälp  denken  (Sn.  E.  i  288,  1), 
aber  auf  ein  bestimmtes  abenteuer  ist  nicht  angespielt  (vgl. 
s.  229). 

V.  15.  über  sie  ist  bereits  s.  220.  231  ff  ausführlicher  ge- 
sprochen :  nur  ist  noch  anzumerken  dass  die  werte  aldri  scßttak, 
naq'  vuövoiav  für  aldir  scettak,  wider  eine  travestie  von  Vaf|)r.  41 
zu  sein  scheinen,  wo  es  heifsl:  allir  einherjar  Odins  tünum  i 
hüggvask  hverjati  dag:  valpeirkjösa  ok  rida  vigi  frä,  sitja  meirr 
um  sdttir  saman.  auch  der  Pseudo-Ödinn  des  Ljödatal  rühmt 
sich  doch  der  doppelkuust,  krieg  schnell  zu  erwecken  und  wider 
beizulegen  (v.  156.  153:  hvars  hatr  vex  med  hUdings  soimm,  pat 
md  ek  bcela  brdtt).  ^ 

V.  16.  er  (nur  particula  expletiva  Egilsson  s.  138'')  ist  hier 
als  entbehrlich  gestrichen;  über  skipta  lidi  vgl.  Vigfüsson  549^, 
über  vilgi  in  der  bedeutung  'sehr'  Egilsson  880\  der  hypothe- 
tische salz  (z.  2)  macht  sich  natürlich  von  Alfodr-Odin  ausge- 
sagt höchst  komisch,  das  hugbleydi  z.  4  ist  wol  durch  v,  26,  4 
hier  veranlasst,  das  handschuhabenteuer,  das  einzige,  in  dem 
Thörr  gegen  riesen  den  kürzeren  zog,  ist  natürlich  seine  Achilles- 
ferse,    der   spott   darüber  veranlasst   den   zweiten   wutausbruch. 

V.  17.  hier  gesteht  nun  Thörr  zuerst  seine  Unfähigkeit  ein, 
über  den  sund  zu  waten:  der  interpolator  von  13,  4 — 6  hat  dies 
geständnis  dort  unpassend  vorweggenommen  und  schleppt  es 
v.  33,  1  noch  einmal  nach  (vgl.  s.  242  f).  Härbardr  meint,  Thors 
Worte  (v.  7)  parodierend,  es  verlohne  sich  ja  auch  gar  nicht  der 

*  der  von  Liliencron  s,  196  berührte  glaube,  dass  die  kai'lar,  die  freien 
waffenfähigen  bauern,  zu  Thor  nach  dem  tode  kamen  wie  A\e  j'arlar  und 
die  kriegsleute  überhaupt  zu  Öttin,  darf  aus  der  ursprünglichen  Ijödahatt- 
visuhelming  (s.  237)  wol  geschlossen  werden.  Heiheim  bliebe  dann  für  die 
wafTenunfähigen  und  die  irgendwie  nicht  intacten. 


278  DAS  HARBAUDSLJÖD 

mühe  herüberzukommeo,  da  keine  slreitigkeiteu  da  wären,  sakir 
o^alls  migar  heilst  aber  zugleich:  'du  hast  keine  schuld'  (vgl. 
V.  5:  sehr,  v.  6:  sakar  eigir):  es  ist  also  eine  versleckte  Verhöh- 
nung von  Thürs  vogelfreiheit.  über  die  bedeutung  der  visa  vgl. 
s.  226.  230. 

V.  18.  s.  v.  14.  d  (z.  1)  ist  natürlich  der  Ifingfluss  (s.  272), 
Svdrangr  aber  (Schwerenöter)  ist  eine  bildung  wie  Fitjungr  (Fett- 
ling) Häv.  78  oder  wie  Starkadr ,  Störverks  soiir  (Müllenhoff  DA 
5,  301).  zu  z.  3  gagni  litt  fegnir  vgl.  Fäfnism.  25,  2:  gagni  feginn. 
mit  dieser  visa  ist  nun  der  arme  gehetzte  Thörr,  dem  das  reden 
nicht  so  leicht  wird  wie  dem  gewandten  Ilärbaid,  auch  mit 
seinen  austrfarar  (Lokas.  60)  zu  ende,  und  damit  ein  neuer  ab- 
schnitt des  liedes  vorbereitet. 

Im  vierten  teile  spielt  Odins  humor  immer  unverwüstlicher: 
er  parodiert  den  armen  'kraftwalter  der  götter'  so  zu  sagen  fast 
zu  tode,  während  dessen  'maunjafnattr'  allmählich  aus  mangel  an 
Stoff  im  sande  verläuft  (v.  19 — 24). 

V.  19.  mit  dem  persifflierenden  ek  var  auslr  wird  dieser 
teil  passend  eingeführt,  über  die  bedeutung  der  visa  ist  bereits 
s.  221  f  das  nötige  gesagt,  noch  hingedeutet  muss  aber  werden 
auf  den  überaus  launigen  ton  derselben,  mit  grofsem  glück  wird 
in  ihr,  worauf  merkwürdiger  weise  noch  nirgend  hingewiesen 
ist,  die  redefigur  ncc(j^  vnovoiav,  die  ja  auch  den  römischen 
und  griechischen  komikeru  reichlich  zu  geböte  steht,  angewandt. 
Ödinn  beginnt:  ich  sprach  (dixmdak)  —  man  erwartet  vid  ein- 
herja^  (vgl.  Grimnism.  8),  was  auch  cod.  A  (einher ju)  voraussetzt 
er  fährt  aber  fort:  vid  einhverja  (cum  quadam  puella),  was  wir 
in  der  Übersetzung,  freilich  nicht  sprachlich  genau,  mit  'einer 
hehren'  widergegeben  haben,  weiter  sagt  Härbardr:  lek — man 
erwartete  geiri  (vgl.  Fäfnism.  15.  Gudrünarkv.  ii  15  und  geirleikr, 
hj'orleikr,  eggleikr  Egilsson  s.  507^)^,  'ich  spielte  mit  dem  Speere', 
er  aber  meint  nag^  vnövotav :  Unhvitu  dh.  'ich  trog  die  leinweifse' 
(s.  262).  wenn  mit  hddak  weiter  fortgefahren  wird,  denkt  jeder 
von  Odin  long  [nng,  was  cod.  R  auch  würklich  bietet,  vielleicht 
auch  gunni  (vgl.  H.  Hundb.  ii  23.  i  45.  52).  Härbardr  fährt  aber 
fort:  launping,  heimliche  tinge,  rendez-vous.    endlich,  wenn  Odinn 

1  oder  einherjar  (vgl.  s.237),  st.  f.  pl.  nach  Noreen  §  294,  =  valkyrjur. 

2  vgl.  auch  die  Variante  von  R:  lindhvttu  die  schildweifse,  die  auf 
eine  walküre  deutet,  und  s.  237. 


DAS  HARBARDSLJÖD  279 

begiuol:  gladdak,  so  muss  mau  verniuleo  —  die  raben  oder  die 
adler  (vgl.  Fätiiism.  35.  Sigurdarkv.  ii  18:  er  hugin  gladdak  und 
H.  Hiindb.  i  45.  h23:  ok  glada  ornuj  dh.  'ich  lötete  feinde', 
er  aber  scherzt  7€uq'  vnövoiav  weiter  gullbjartu,  worin  auch 
noch  ein  doppelsinu  hegeu  kauu,  wenn  man  an  die  goidglänzende 
Valholl  (Grimnism.  8)  denkt. 

V.  20.  Thörr  empfindet  behagen  an  Härbaids  galanten 
abenteuern  (Lilieucrou  s.  184):  'ihr  beide  hattet  gute  mädchen- 
bekanutschalten'  —  ich  schliefse  mich  in  der  Schreibung  Hilde- 
brand (Edda  s.  49)  an  —  sagt  er  mit  bezug  auf  v.  8.  Odinn 
aber  meint  ironisch,  bei  eiuem  abeuteuer  wie  mit  ßilliugs  maid 
(s.  222),  wo  nur  list  und  diese  kauui  half,  da  hätte  er  den 
plumpen  Thor  gut  brauchen  können ! 

V.  21.  auf  Odins  provocierende  frage  will  nun  Thörr  wider 
mit  der  alten  leier  anfangen:  er  bringt  den  bekannten  kämpf 
mit  berserkerbräuten  als  etwas  neues  vor.  Härbardr  aber,  der 
des  trockenen  tones  jetzt  satt  ist,  reagiert  auf  die  triumphierende 
frage  des  gegners  (z.  3)  gar  nicht,  sondern  meint  scherzend:  wie 
kann  man  aber  so  ungalaut  sein,  auf  weiber  zu  schlagen! 

V.  22.  höchst  ergelzlich  ist  es  dass  Thörr  diesen  Vorwurf 
nicht  will  auf  sich  sitzen  lassen  und  ganz  gegen  seine  natur  so- 
phistisch sich  zu  rechtfertigen  sucht,  er  meint,  die  riesinnen 
seien  eigentlich  'Wölfinnen'  gewesen,  gedacht  sind  riesische  meer- 
weiber,  welche  das  feslgeankerte  schuf  zerschellen,  wie  Hrimgerds 
mutter  (H.  Hjorv.  12  —  30).  dass  sie  auch  tierische  gestall  au- 
uahmen,  zeigt  die  erzählung  von  den  beiden  seidkomir,  die  der 
zauberkundige  Helgi  dem  meerfahrenden  Fritbjof  nachsendet  (FAS 
II  72  ff).  Hlesey  bedeutet  hier  einfach  'insula  oceani'  (von  Hier 
=  CEgir,  Gymir  Sn.  E.  i  206  und  ey);  zu  der  dalivform  vgl.  i  ey 
ßeirri  v.  8. 

V.  23  ist  nach  lilgung  des  Zusatzes  (s.  241  fj  wol  versländ- 
lich. Härbardr  geht  wie  schon  v.  21  auf  den  'mannjafnadr'  nicht 
mehr  ein,  sondern  meint:  'er  werde  Thor  den  kriegsschaden, 
den  er  ihm,  dem  bauern,  zugefügt,  mit  der  üblichen  strafe  büfsen, 
wenn  sie  sich  einem  Schiedsrichter  unterwerfen  wollten',  damit 
hat  es  durchaus  seine  richligkeit  (s.  226).  Thörr  aber,  dem  Odinn 
noch  v.  15  gesagt  hat:  attak  jofrnm,  aldri  scBttak,  muss  das 
natürlich  als  höhn  fassen,  die  s.  235  als  notwendig  erkannte 
emendation:    herjiim  —  gordusk  ist  sehr  leicht:    Odinn  hat,    wie 


280  DAS  HÄKBARDSLJ6D 

so  oft,  zwischen  zwei  beeren  Unfrieden  gestiftet,  minn  (z.  4)  hat 
hier  die  bedeutung  eines  fut.  exacti:  'wie  es  Schiedsrichter  werden 
bestimmt  haben',  den  doppelsinn,  der  in  munda  baugr  liegen 
könnte,  nämlich  fjorhaugr  (RA  736)  und  'clipeus'  (Sn.  E.  i  572), 
welchen  Bergmann  (s.  169)  urgiert,  halte  ich  nach  dem  gesagten 
mit  Liliencron  (s.  187)  für  unnötig  (s.  240). 

V.  24.  sie  ist  s.  252 — 254  ausführlich  besprochen ;  hinzu- 
fügen will  ich  hier  nur  dass  auch  der  ausdruck  i  skögnm  bua 
(z.  4)  wider  eine  versteckte  hindeutung  auf  den  armen  vogelfreien 
Thor  enthält  (vgl.  v.  5.  6.  17.  s.  278).  hier  wie  v.  17  (sah'r'  o' 
alls  engar)  wird  durch  tilgung  des  auftactes  (s.  260)  passender 
paratactische  construction  gewonnen:  'niemals  hörte  ich  schnei- 
dendere Worte'.  Tliörr  versteht  jetzt  dass  der  gegner  ihn  nur 
noch  ironisiert,  daher  folgt  der  dritte  Zornesausbruch  (vgl.  v.7. 17). 
damit  ist  aber  die  eigentliche  senna  (s.  274)  abgeschlossen. 

Im  fünften  und  letzten  teile  des  gedichtes  versucht  Thörr 
noch  einmal  alle  mittel,  die  ihm  im  ersten  teil  fehlschlugen,  um 
hinüberzukommen,  um  schliefslich  mit  einem  fluche  zu  scheiden, 
dieser  schlussteil  ist  dem  ersten  fast  ganz  parallel  gebaut  (v.  25 
bis  30). 

V.  25.  mit  einer  fürchterlichen  drohung  setzt  die  visa  ein. 
die  von  uns  vermuteten  conjunclive  rivclak  und  hlytir  (s.  263) 
sind,  da  nach  v.  17  (s.  277  fj  eine  würkliche  handlung  nicht  ge- 
dacht werden  kann,  höchst  passend:  'interficiam  te,  si  mihi  flumen 
transire  placeat:  te  sicut  hipum  clamaturum  puto,  si  maleum  tibi 
inflixerim'.  zum  zweiten  verb  vgl.  f*rymskv.  32,  5.7:  hon  Maut 
hogg  hamars.  Thörr  leistet  hier  in  unfreiwilligem  humor  (s.  227  f) 
das  höchste,  er  parodiert,  ohne  sich  dessen  bewust  zu  sein! 
man  beachte  nämlich  die  für  uns  in  der  Übersetzung  nicht  wol 
kenntlich  zu  machende  doppelsinnigkeit  von  oepa.  das  verbum 
bedeutet  einmal  wie  das  h'äufigere pjöta  (Sigurdarkv.  ii  22):  heulen 
(vom  wolfe),  dann  aber  auch  'flere,  lamentari',  wie  ahd.  wuofan 
(Graff  I  780),  ags,  vepan.  in  dieser  bedeutung  wird  das  wort  in 
dem  allen  schönen  Rünatal  von  dem  tiefsten  schmerze  des  sich 
selbst  opfernden  höchsten  gottes  gesagt  (Häv.  139).  nam  ek  npp 
rünar,  sagt  er  dort  von  sich,  oepandi  nam.  klingt  unsere  Strophe 
nicht  wider  wie  eine  parodie  dieses  liedes,  wenn  hier  das  oepa 
des  gottes  so  drastisch-komisch  motiviert  wird  ! 

V.  26   folgt  ganz  parallel   der  v.  2   die  lüge  von  Sifs  buhl- 


DAS  HARBARDSLJÖD  281 

Schaft  (s.  222).  auch  Thors  jedesmahge  antwort  ist  dieselbe 
(s.  273).  anspielend  auf  ärlignm  verkum  (v.  2, 1)  meint  Härbardr, 
hier  könne  Thörr  einmal  sein  kraftasentum  beweisen,  grofstaten 
vollführen  (ßrek  drygja  vgl.  Sn.  E.  i  256,  3,  2). 

V.  27.  das  schwanken  der  hss.  (mik  R ,  fjik  A)  scheint 
darauf  zu  deuten  dass  e'mf ache&  hyggk  das  ursprüngliche  ist,  das 
schon  das  metrum  erheischte  (s.  260).  dann  liegt  ein  beabsich- 
tigter doppelsinn  darin :  wahr  glaube  'ich'  oder  'du'  zu  sprechen : 
Härbardr  würde  dann  also  auch  die  zweite  lüge  verblümt  zugeben 
(vgl.  s.  227). 

V.  28.  hier  (z.  4)  wie  v.  29,  1  (s.  244)  sind  farar.  fara 
acc.  und  gen.  plur.  v.  for.  auf  Härbards  höhn ,  dass  Asathörr 
einem  fergeu  weichen  müsse,  erfolgt  ganz  parallel  v.  3  und  5  die 
letzte  bitte  um  überfahrt,  aber  mit  der  Vorbemerkung:  rdd munk 
räda,  als  ob  jetzt  etwas  ganz  neues  komme,  wider  nennt  er 
sich  emphatisch  'Magnis  vater',  obwol  das  schon  v.  5  nichts  ge- 
fruchtet hat.  wenn  er  sagt  liitt  fodnr  Magna,  so  heifst  das  nicht 
'hole  den  vater  Magnis',  wie  Liliencrou  (s.  188)  übersetzt,  auch 
nicht:  'sonst  triffst  du  Magnis  vater'  (Bergmann  s.  106),  sondern 
'finde,  triff  mich',  Thors  stil  gemäfs  (s.  275)  kurz  paratactisch 
gesagt  für  'damit  es  dir  vergönnt  ist  Thor  zu  treffen',  daher 
übersetzen  wir:  'du  findest  auch  Magnis  vater'  (s.  272).  ergetzlich 
ist  es  auch,  wenn  er  z.  4  sagt:  'lassen  wir  ab  von  derdrohung', 
während  doch  nur  er  selbst  gedroht  hat. 

V.  29.  über  den  sinn  vgl.  s.  226.  zu  dem  ausgeschiedenen 
hitta  (s.  262)  vgl.  den  ganz  analogen  einschub  (Bugge  v.  20,  7) : 
enn  ek  velta  (s.  251).  Fjorgynjar  burr  heifst  Thörr  Voluspä  R  53. 
durch  angäbe  des  weges  weigert  Härbardr  in  milderer  form 
die  fahrt. 

V.  30.  nachdem  Thors  letzter  rührender  appell  an  Härbards 
gefälligkeit  endgiltig  gescheitert  und  die  überfahrt  stricte  geweigert 
ist,  folgt  Thors  schlussfluch  und  schliefst  höchst  würksam  das 
ganze  ab  (vgl.  s.  228.  244.  256  —  258).  als  fortsetzung  muss 
man  sich  denken  dass  Thörr  am  fluss  entlang  geht  und  erst  in 
später  nacht  in  Asgard  eintrifft,  wo  ihn  sein  vater  Odinn  empfängt 
und  aufklärt:  vielleicht  wurde  auch  dies  noch  in  einer  der  ein- 
leitenden prosa  ähnlichen  prosabemerkung  kurz  hinzugefügt. 

Nachdem  wir  das  gedieht  nun  auch  bis  ins  einzelne  erläutert, 
nehmen  wir  in  der  hoffnung  von  ihm  abschied,  erwiesen  zu 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  19 


282  DAS  HÄRBARDSLJÖD 

haben,   dass  es  von  Müllenhoff  (DA  5,  296),   der   mit  lob   karg 
war,  mit  recht  'ein  wundersames  lied'  genannt  wurde. 
Berlin,  den  31  august  1886.  FELIX  INIEDNER. 


HILDEBURG  UND  ORTRUN. 

In  seiner  Kudrun  bemerkt  Müllenhoff  s.  99 :  'nur  bei  Unter- 
suchung der  sage  selbst  kann  die  frage  völliger  beantwortet 
werden,  in  welchem  Verhältnis  die  mitleidige  Ortrun  und  die 
mitdienende  Hildeburg  zu  einander  stehen  und  welcher  von  beiden 
gröfseres  alter  zukomme',  er  bringt  die  normannische  königs- 
tochter  und  die  gefährtin  der  Kudrun  in  engen  Zusammenhang, 
weil  in  der  Klage  1107  eine  Hildeburg  auftritt,  die  als  tochter 
eines  mächtigen  fiirsten  bezeichnet  wird  und  als  gebürtig  aus  der 
Normandie,  und  noch  genauer  Bit.  6451  ff  die  durch  Herbort  von 
Dänemark  geraubte  Hildeburg  eine  tochter  des  königs  Ludwig 
von  Ormanie  riche  und  Schwester  des  Hartmut  heifst.  aber  auch 
von  anderer  seite  her  erregt  das  Verhältnis  der  Kudrun  zu  Ortrun, 
wie  es  in  unserem  mhd.  epos  geschildert  ist,  bedenken. 

Beim  zweiten  versuche,  Kudrun  und  die  mit  ihr  geraubten 
frauen  aus  der  gewalt  der  Normannen  zu  befreien,  sollte  aller 
erwartung  nach  Herwig  als  Verlobter  oder  gemahl  der  Kudrun 
die  hauptrolle  spielen,  namentlich  mit  seinem  nebenbuhler  Hart- 
mut kämpfen  und  ihn  wenn  nicht  töten,  so  doch  wenigstens  per- 
sönlich besiegen  und  empfindlich  strafen,  statt  dessen  erlegt  er 
den  minder  schuldigen  Ludwig  und  überlässt  den  kämpf  mit  Hart- 
mut seinem  genossen  Wate,  der  den  entführer  aber  auch  nicht 
erschlägt,  sondern  nur  in  lebensgefahr  bringt,  denn  Hartmuts 
Schwester  Ortrun  bittet  die  Kudrun,  ihren  bruder  zu  retten,  und 
diese  willfährt  ihr,  bedient  sich  dazu  sogar  des  Herwig. 

Woher  diese  unerwartete  anordnung  der  kämpfer?  weshalb 
steht  nicht  Herwig  dem  Hartmut  gegenüber?  —  Scherer  in 
der  LG  s.  140  sieht  darin  eine  besondere  feinheit:  'aber  die 
beiden  nebenbuhler  treffen  nicht  feindlich  zusammen;  vielmehr 
wird  Herwig  Hartmuts  retter.  wie  hoch  hat  der  dichter  den 
erwählten  Gudruns  durch  diesen  einen  zug  gehoben ,  den  er  ganz 
schlicht,  ohne  viel  aufhebens  davon  zu  machen,  hinstellt  I  um  wie 
viel  höher,  als  wenn  er  ihn  den  gegner  wütend  suchen  und  be- 


I 


HILDEßURG  ÜIND  ORTRUN  283 

siegen  liefse  I'  imd  dennoch  wäre  es  nur  der  poetischen  gerechtig- 
keit  und  dem  natUrhchen  verlangen  jedes  horers  und  lesers  ent- 
sprechend, wenn  dieser  ausgang  einträte,  bleibt  er  aus,  so 
muss  die  überraschende  Verschiebung  der  kämplerpare  so  lange 
nicht  wie  kunst,  sondern  wie  eine  ausgeklügelte,  unwahre  kün- 
stele! des  dichters  erscheinen  als  er  sie  nicht  motiviert,  an 
solcher  begründung  und  erklärung  aber  fehlt  es  für  die  trennung 
von  Herwig  und  Hartmut  ganz,  während  die  motivierung  von 
Kudruns  eingreifen  nicht  genügt. 

Es  wäre  denkbar  dass  Kudruu  in  der  freude  über  die  sichere 
erlösung  ihrer  leiden  vergäfse  und  gutherzig  ihren  entführer  ret- 
tete, zumal  sie  nach  str.  620  ff  schon  in  der  heimat  nicht  un- 
empfindlich gegen  ihn  gewesen  sein  soll,  allein  diese  Strophen 
sind  interpoliert  und  ebenso  1471 — 77.  ihnen  zu  folge  hat  Ger- 
lind, als  der  kämpf  vor  Ludwigs  bürg  tobt,  einen  mann  auf- 
gestachelt, die  Kudrun  und  ihre  leidensgefährtinnen  zu  erschlagen, 
doch  verhindert  es  Hartmut  in  wunderlicher  weise  aus  der  ferne, 
gerade  um  Kudruns  Verpflichtung  gegen  ihn  —  und  nebenbei  die 
schuld  der  Gerlind  —  zu  erhöhen  ist  diese  episode  eingeschoben 
worden ,  wie  daraus  klar  ersichtlich  ist  dass  unmittelbar  darauf 
1 478  Ortrun  mit  ihrer  bitte,  den  Hartmut  zu  retten,  sich  naht,  sonst 
kann  man  zu  gunslen  Hartmuls  nur  anführen  dass  er  sich  mafs- 
voll  gegen  Kudrun  benommen  und  Gerlinds  quälereien  derselben 
nicht  angeordnet,  sondern  gemisbilligt  hat.  allein  ist  damit  sein 
durch  die  enlführung  hervorgerufenes  indirectes  verschulden  der 
langen  dienstbarkeit  und  der  frauenraub  selbst  gesühnt?  und 
was  hat  Ortrun  getan,  das  so  schwer  wöge,  dass  dadurch  die 
Versündigung  des  bruders  getilgt  und  Kudruns  verzeihen  be- 
greiflich werden  könnte?  sie  begründet  ihr  verlangen  nur  mit 
dem  hinweis  darauf,  dass  keiner  von  allen  in  Normandie  befind- 
lichen sie  beklagt  habe  und  dass  sie  ihre  einzige  freundin  ge- 
wesen sei,  welche  bei  jeder  mishandlung  um  sie  weinte  (1481). 
von  einem  tätigen  eingreifen  der  Ortrun  zu  gunsten  Kudruns  ist 
aber  nirgends  die  rede  und  ihr  tatenloses  mitleid  allein  konnte 
die  geplagte  königstochter  schwerlich  so  hoch  befriedigen  und 
verpflichten,  die  einzige,  welche  unter  eigener  aufopferung  ihr 
mitleid  bezeigte  und  gemeinsam  mit  Kudrun  duldete,  war  Hilde- 
burg, sie  erklärt  sich  1061  ff  bereit,  mit  Kudrun  am  strande  zu 
waschen ,  und  erfüllt  ihr  anerbieten. 

19* 


284  HILDEBURG  UiND  ORTRüN 

Wer  ist  nun  diese  Hiltleburg?  nach  den  iuterpolationen  die- 
selbe, welche  der  kleine  Hagen  in  der  höhle  mit  zwei  anderen 
Jungfrauen  fand,  als  der  greif  ihn  entführt  hatte,  sie  wird  119 
als  tochter  des  königs  von  Portugal  bezeichnet  und  heifst  1009 
von  Galitzen  latit,  wobei  hinzugefügt  wird 

die  hete  ir  ungelücke  von  Portegäle  gesant, 
sodass  Galizien  als  ein  teil  Portugals  betrachtet  ist.  mit  Hagen 
geht  sie  nach  Irland,  mit  Hilde  von  dort  nach  Hegelingen,  mit 
Rudrun  nach  der  Normandie  und  conserviert  sich  trotz  ihrem 
langen  leben  und  mancherlei  Schicksalen  so  gut,  dass  1640  Hart- 
mut aus  eigenem  antriebe  sie  sich  zur  gemahlin  wählt  und  ihr 
1642,  4  das  epitheton  schcene  zubilligt,  selbstverständlich  kann 
dies  aber  nicht  der  ursprüngliche  lebenslauf  der  glücklichen 
braut  sein,  vielmehr  ist  klar  dass  der  dichter  von  Hagens  ge- 
schichte  den  namen  nur  aus  der  eigentlichen  Kudrun  entnommen 
hat,  um  sein  werk  damit  zu  verknüpfen,  eine  Verbindung,  welche 
durch  den  einschub  von  1009  dann  noch  mehr  gefestigt  wurde, 
das  wahre  über  die  herkunft  der  Hildeburg  lehren  vielmehr  Klage 
und  Biterolf, 

In  ersterer  heifst  es  1103  ff: 

dar  Jiom  dnrch  leide  schonwe 

Goldriin  diu  frouwe, 

eines  kiinges  toliter  her. 

der  icas  geheizen  Liudiger 
1105  nnd  saz  ze  Francrkhe. 

dem  het  minnedidie 

Reiche  erzogen  sin  kint. 

mit  der  juncfrowen  sint 

hörnen  Hildebnrc  und  Herlint, 

zweier  riehen  fnrsten  kint. 

Hildeburc  diu  schänden  fri 

was  geborn  von  Normandi, 

Herlint  was  von  Kriechen. 
Müllenhoff  hat  bereits  in  seiner  Kudrun  s.  99  ff  die  Goldrun  für 
identisch  mit  Kudrun  erklärt  und  daran  auch  Zs.  12,  316  fest 
gehalten,  dagegen  abgewiesen,  aus  Herlind  einen  anklang  an  Ger- 
lind herauszuhören ,  noch  weniger  au  Hergard.  letzteres  wäre 
ganz  bestimmt  verfehlt,  denn  diese  treulose  untergebene  Kudruns, 
welche  sich  mit  Ludwigs  schenken  vermählt  hatte  (1093.  1526), 


HILDEBURG  UND  ORTRUiN  285 

ist  von  den  iaterpolatoreo  lediglich  als  gegenstück  zur  getreuen 
Hildeburg  erfunden  worden  und  jünger  als  die  Klage,  ob  die 
gleiclisetzung  der  Goldrun  mit  Kudrun  berechtigt  ist,  mag  nach 
den  darlegungen  Richard  Müllers  in  der  Zs.  31,  90  ff  zweifelhaft 
erscheinen,  indes  möchte  ich  darauf  hinweisen,  dass  in  dem  einen 
Zeugnis  (s.  91)  neben  Goldrun  ein  Ortwin  auftritt,  wobei  freilich 
etwaige  Verwandtschaft  dieser  vergabteu  leibeigenen  und  absicht- 
liche namenwahl  uuerweisbar  bleibt,  doch  gleichviel  —  der  beleg 
einer  Hildeburg  von  Normandie  wird  durch  die  auffassung  der 
Goldrun  wenig  berührt. 

Mehr  noch  über  Hildeburg  von  der  Normandie  gewährt  der 
Bit.  6451  ff.     Herbort  üz  TenelatU  sagt: 

nu  ist  im  doch  wol  gewizzen 

wie  ich  von  Ormanie  reit 

und  wie  min  eilen  da  erstreit 

des  kütiic  Ludewiges  kint. 

ja  fuorte  ich  die  maget  sint 
6465  üz  Ormanie  riche 

vil  gewalticliche, 

da  mich  hiete  bestdn 

Hartmuot  unde  sine  man 

und  Ludewic  der  vater  sinA 
6503  nennt  er  die  entführte  Hildeburgen  die  vil  riehen. 

Hier  stimmen  alle  Verhältnisse  zur  Kudrun ,  nur  dass  Lud- 
wigs tochter,  Hartmuts  Schwester  nicht  Ortrun,  sondern  Hildeburg 
heifst.  aber  auch  nach  der  Kudrun  1062  war  Hildeburgs  vater 
ein  gekröntes  haupt,  ein  könig  (si  ist  küneges  kint.  auch  truoc 
min  vater  kröne),  und  ich  zweifle  nicht  dass  Hildeburg,  der  mit 
Hartmut  allitterierende  name,  der  echte  und  ältere  für  Ludwigs 
tochter  ist.  denn  bei  dieser  annähme  lösen  sich  alle  bedenken. 
Wie  mehrfach  in  mythen  ein  seinen  verwandten  ungleich- 
artiges weibliches  wesen  von  diesen  sich  lossagt  und  auf  die 
Seite  der  ihrer  natur  entsprechenden  feinde  jener  tritt,  so  schlägt 
sich  Hildeburg  —  die  ich  aber  durch  diesen  vergleich  nicht  zu 
einer  mythischen  figur  stempeln  will  — ,  empört  über  die  grau- 
samkeit  ihrer  mutter  Gerhnd,  auf  Kudruns  seile,  Gerlind  aber, 

•  ThiJrekssaga  cap.  233  — 239  ed.  Unger  hat  nur  entfernte  ähnlichkeit 
mit  dieser  sage  und  erinnert  eher  an  die  Hildensage,  doch  vgl.  MüUenhoff 
Zs.  30,  234  f. 


286  HILDEBURG  UND  ORTRUN 

welche  aufs  äufserste  gegen  Kudrun  erbost  ist,  lässt  in  der  tat 
ihre  tochter  mit  der  verhassten  den  rauhen  dienst  der  Wäscherin 
verrichten,  dadurch  wird  die  Scheidung  zwischen  ihr  und  den 
eitern  eine  vollständige,  sodass  man  keinen  anstofs  daran  zu 
nehmen  braucht,  dass  die  Normannin  durch  die  vogelbotschaft 
und  die  kundschafter  mitwisserin  des  geheimnisses  von  der  heran- 
nahenden befreiung  veird.  nur  ihrem  bruder  fühlt  Hildeburg 
sich  noch  verbunden ,  da  er  stets  menschlich  mit  Kudrun  ver- 
fahren war,  nur  für  sein  leben  bittet  sie.  und  Kudrun  hat  alle 
veranlassung,  gegen  eine  so  opfermutige  freundin  sich  in  hohem 
mafse  dankbar  zu  erweisen  und  sogar  dem  beizuspringen,  welcher 
der  Urheber  ihrer  quälen  ist.  es  darf  zwischen  den  freundinnen 
nicht  dadurch  eine  schranke  aufgerichtet  werden,  dass  Kudruns 
Verlobter  Herwig  mit  Hildeburgs  geliebtem  bruder  Hartmut  kämpft 
und  etwa  gar  ihn  erschlägt.  Herwig  muss  sich  mit  der  räche 
an  Ludwig  begnügen  und  die  bösartige  Gerlind  darf  als  zweites 
Sühnopfer  durch  Wate  fallen ,  weil  eben  das  band  zwischen  tochter 
und  eitern  zerrissen  war. 

Dieser  harte  zug  im  character  der  tochter  gab  aber  auch 
veranlassung,  das  überlieferte  umzuwandeln,  einer  milderen  zeit 
schien  die  absage  der  Hildeburg  unnatürlich,  unglaublich  dass 
Gerlind  ihr  eigenes  kind  derartig  erniedrigen  und  peinigen  könne, 
deshalb  machte  man  aus  Hildeburg  eine  untergebene  der  Kudrun, 
wollte  aber  andererseits  Gerlinds  tochter  nicht  tilgen,  so  sehr 
sie  verblasste,  und  gab  ihr  einen  anderen  namen.  weshalb  Ortrun? 
weil  sie  die  freundin  der  Kudrun  ist  und  mit  Ortwin,  Kudruns 
bruder,  vermählt  wird,  denn  das  factum  dieser  Vermählung 
halte  ich  für  einen  echten  bestandteil  der  geschichte,  mag  auch 
die  ursprüngliche  darstellung  desselben  durch  Überarbeitung  zer- 
stört sein.  Kudrun  hatte  die  Verpflichtung,  der  freundin,  welche 
um  ihretwillen  verwaist  war,  wider  einen  halt  und  schütz  zu 
geben:  den  Ortwin  darf  Hildeburg- Ortrun  heiraten,  da  auf 
ihm  keine  blulschuld  gegen  ihre  familie  lastet,  zwar  hat  Ludwig 
Ortwins  vater  Hetel  erschlagen  und  Ortwin,  sollte  man  deshalb 
vermuten ,  wird  ihn  rächen ;  allein  Ludwig  fällt  durch  Herwig, 
weil  sonst  Ortwin  unmöglich  gemahl  der  Hildeburg-Ortrun  hätte 
werden  können. 

So  dürfte  alles  fest  und  planmäfsig  gefügt  sein  und  sich 
sowol   die  Verschiebung    der   vorauszusetzenden    kämpferpare    in 


HILDEBÜRG  UND  ORTRUN  287 

unserer  Kudnm  ohne  Vorwurf  für  den  dicluer  erklären  als  auch 
das  geringe  verdienst  Ortruns  um  Kudrun.  sie  mag  aus  dem 
richtigen  gefiihl  dieses  mangels  heraus  noch  olter  von  den  erwei- 
terern unnütz  beschworen  worden  sein ,  als  Müllenhoff  annahm. 
Berlin  (1883)  10.  1.  87.  MAX  ROEDIGER. 

MUSKATBLÜT. 

Die  nachfolgenden  auszüge  beweisen  dass  in  den  jähren  1453 
und  1458  —  also  auch  wol  zwischen  diesen  jähren  —  ein  Konrad 
Muskatplüt  im  dienste  des  erzbischofs  Dietrich  von  Mainz 
(1434 — 1459,  aus  dem  hause  der  Schenken  zu  Erbach)  stand, 
da  er  in  derselben  soldquittung  mit  den  pfeifern  und  posauneru 
des  erzbischofs  genannt  wird,  so  darf  mau  ihn  ebenfalls  zu  den 
rausikern  dieses  reichsfürsten  rechnen,  vielleicht  war  er  Sänger, 
da  die  bezeichnung  des  instruments  bei  ihm  fehlt,  man  hat  es 
wol  schwerhch  mit  dem  bekannten  meistersänger  selbst  zu  tun, 
der  um  diese  zeit  höchstens  noch  als  gnadensöldner  gedacht 
werden  könnte,  sondern  mit  einem  seiner  nachkommen,  der 
schluss  aber,  dass  der  meistersänger  selbst  gleichen  Standes  wie 
sein  hier  begegnender  nachkomme  gewesen  ist,  dürfte  nicht  ge- 
wagt erscheinen. 

Vielleicht  geben  erzbischöfliche  Urkunden  oder  rechnungen 
im  Würzburger  archive  noch  weitere  anhaltspuncte. 

Erzbischöflich  mainzisches  ingrossaturbuch  nr  62  im  könig- 
lichen kreisarchiv  zu  Würzburg,  enthaltend  Registrum  Quietan- 
ciarnrn  temporibns  Johannis  de  Nassau  etc.  fol.  161':  Conradus 
Muscatpluet  10  fl.  Anno  1453.  ib.  fol.  209:  Unruwe  Heintz 
und  Veitin,  pfyffer,  Contz  und  Anthoni,  basuner,  und  Chintz 
Muscatplut,  yglichem  seins  halben  jarsolds  uf  oistern  gefallen. 
Anno  1458. 

Dieser  halbjährige   sohl  betrug   nach   anderen  gleichzeitigen 
eintragen  für  einen  teil  der  darin   genannten  musiker  je    10  fl. 
Darmstadt  im  februar  1887. 

GUSTAV  FRHR  SCHENK  ZU  SCHWEINSBERG. 

SCHWAZER  PARZIVALFRAGMENT. 

Als  ich  in  den  letzten  weihnachtsferien  behufs  meiner  Studien 
über  fr.  Elias  von  Cortona   die  bibliothek  des  franziscanerklosters 


288  SCHWAZER  PARZIVALFRAGMENT 

zu  Schwaz  (Tirol)  einer  genaueren  durchforschung  unterzog,  ent- 
deckte ich  in  einer  incunabel  (Der  beschlossen  Gart  des  Rosen- 
krätz  Marie,  Nürnberg  Ulrich  Pinter  1505,  alte  sign.  M  nr.  1) 
als  Vorsetzblätter  fragmenle  derselben  Parcivalhs.,  von  der  pro  f. 
p.  Gerold  Bickel  in  dieser  zs.  (26,  157 /f.  28,  129 /fj  zwei  brück- 
st ücke  veröffentlicht  hat.  die  von  mir  aufgefundenen  sind  hälften 
ziceier  verschiedener  blätter  der  hs.,  welche  in  der  iceise  auseinander- 
geschnitten worden  waren,  dass  jedes  fragment  die  spalten  b  und  c 
des  betreffenden  blattes  enthält,  die  schrift  ist  gut  erhalten  und 
zeigt,  wie  bereits  p.  GBickel  bemerkte,  die  merkmale  der  ersten 
Jahrzehnte  des  xiv  jhs. 

Was  die  spräche  anbelangt,  so  hat  ebenfalls  p.  GBickel  schon 
Zs.  26, 157/  die  eigetitümlichkeiten  derselben  behandelt  und  auf  ihre 
bairisch-österreichische  färbung  hingewiesen,  ich  erwähne  deshalb 
hier  nur  dass  i  erhalten  bleibt  in  sit  637,  18  und  in  tougenlichen 

637,  28;  dass  ou  bewahrt  ist  bis  auf  taugenleichn  636,  13;  dass 
iu  (iv)  nur  in  clariv  636,  18,  div  636,  27.  637,  30  begegnet  und 
dass  die  vorsilbe  ge  in  gosoten  486,  11  sm  go  wird. 

Die  tätigkeit  eines  späteren  correctors  ist  auch  in  diesen  frag- 
menten  sehr  ersichtlich;  so  ändert  er  ae  durch  rasur  des  e  in  a, 
bei  einvaeltigeo  636,  7 ;  ferner  a  in  u,  in  begand  638,  1 ;  ee  in  ae, 
in  leege  485,  18;  e  in  o,  in  vremde  638,  28;  ei  durchgehends 
in  ai,  ausgenommen  bei  ein  (dagegen  aine  636,  20.  638,  17),  und 
dort,  ICO  ei  =  i  ist;  o  in  a,  durchgehends  bei  vrowen,  auch  wenn 
es  zusammengesetzt  ist,  zb.  iiincvrowen;  ferner  in  wo  485,  30, 
und  des  reimes  wegen  auch  fte«  schowen  637,  12;  ou  durchgehends 
in  au,  aufser  bei  taugenleichn  636,  13,  das,  wie  bereits  erwähnt, 
von  der  ersten  hand  stammt;  endlich  uo  in  ue,  namentlich  durch 
übergeschriebenes  e;  dagegen  lässt  er  die  ursprüngliche  form  in 
grub  485,21,  grub  485,24,  wuschen  486,3,  durchgehends  bei 
truc  (ausgenommen  tröc  486,  15),  gewuc  636,  9,  schuf  636,  22, 
mul^  636,  24  (dagegen  müler  636,  10).  —  mit  übergeschriebenem 
e  bezeichnet  er  auch  den  umlaut  bei  den  dunklen  vocalen,  wenn 
derselbe  durch  die  Schreibung  der  ersten  hand  nicht  ausgedrückt 
erschien;  doch  geschieht  das  nur  bei  hosten  487,  20  und  bei  suzzen 

638,  20.  in  den  übrigen  fällen  lässt  er  die  ursprüngliche  form 
bestehen,  e  ist  auch  dort  übergeschrieben,  wo  i  =  ie  ist;  ferner 
auch  in  sit  637,  18.  anlautendes  h  ändert  er  in  p,  alisgenommen: 
vmbekant  637,  20,  baniere  638,  7. 


SCHWAZER  PARZIVALFRAGMENT 


289 


1" 
485,14     ich  vvaene  dem  ors  dicke  gaz 
15 .  e   munsalvashe   baz   dane   hie 
dv  noch  ez  ze  vvirte  nie 
.  omt  der  evv^  gern^    vvol  pflege 

ob  er  hy  bereitez  leege 
.  i  gingen  ouz  vmb  ir  beiali 
20     parzilal  des  furtes  pflac 
.  er  wirt  grub  in  vvurzelein 

daz  must  ir  beste  speise  sein 
.  er  wirt  seiner  orden  niht  v^gaz 
swi  vil  er  grub  deheine  er  az 
25 .  er  würze  vor  der  none 
an  die  stouden  schone 
.  ine  ers  vnd  suchte  mere 

durch  di  gotes  ere 
.  anigen  tac  vngaz  er  ginc 
30     do  er  v^miste  wo  sein  speise 
hinc 
486,  l  Di  zwen  gesellen  nicht  v^droz 

si  gingen  da  der  brüne  vloz 
si  wuschen  würz  vnd  j  sout  [lout 
sein  munt  wart  seile  lachens 
5  .  twed  .  .  sein^  hende 
truc  an  einem  gebende 
truc  parzifal  eiwein  loup 

für  daz  ors  vf  ir  ram  schoup 
gingen  si  wider  zv  den  koln 
10     man  dorft  in  nicht  mer  speise 
holn 
dane  was  gosoten  noch  gebraten 
»  vnd  ir  kvchen  vmberraten 

^L        parzifal  mit  sinne 


durch  getrewe  minne 
di  er  gen  seinem  vvirte  truc       15 

in  douchte  er  het  baz  genuc 
däne  do  sein  pflac  gvrnamäz 

vnd  do  so  manic  vrowe  glänz 
ze   munsalvashe   für  in  ginc 

da  er  Wirtschaft  uor  dem  gral  20 
enpfinc 
der  wirt  mit  trewen  weise 

sprach  neve  di  speise 
sol  dir  nicht  v^schmahen 

dvne  fundest  in  allen  gaben 
deheinen  wirt  d^  dir  gvnde  baz  25 


gvter  Wirtschaft  ane  haz 
parzifal  sprach  herre 

gotes  gruz  mir  verre 
ob  mich  ie  baz  gezaeme 

svves  ich  von  wirte  naeme      30 
Swaz  da  was  speise  furgetr  ....  487,  l 

beliben     si    da    nach    vnge- 
twa  .  .  . 
daz  enschadet  in  au  den  oug.. 

als  mä  vischigen  banden  gibt 
ich  wil  für  mich  geheizeu  5 

man  moht  mit  mir  beizen 
waer  ich  für  vederspil  erkant 

ich  Schwünge  gerne  vö  der  han. 
bei  sulchen  kropfeleinen 

taet  ich  vliegen  scheinen         10 
wes  spot  ich  der  getrewen  diet 

mein  alt  vnfuge  mir  daz  riet 


486,1  Di]  initiale  D   ziwi  feil  zerstört.  11  dane]    ne   vo?n  cor- 

rector    durch    rasur   getilgt.  20  uor    auf  rasur   geschrieben. 

24  dvne]  ne  vom  corr.  getilgt.  487,  3  enschadet]  en  vom  corr.  getilgt. 

5  für]  u  auf  rasur  geschrieben.  8  nach  schwunge  eine  rasur  im 

umfange  von  drei  buchstaben  ;  es  dürfte  ^iv  gestanden  haben,  U  spot] 

das  i  au f  rasur  geschrieben ;  nach  demselben  sind  buchstabenreste  ersicht- 
lich: es   dürfte  spotte  geheifsen  haben. 


290 


SCHWAZER  PARZIVALFRAGMENT 


ir  habt  doch  wol  gehöret 
waz  in  reichheit  hat  zestoret 
15  warumbe  si  warn  vreuden... 
dicke  kalt  vnde  selten  warm 
si  dolten  herzen  rewe 

nicht  wand  durch  rechte  trewe 
an  alle  missewende 
20      von  der  hosten  hende 
enpfingens  vmb  ir  kvmb'  soll 

got  was  vnd  wart  in  beide  holt 
si  stunden  vf  vnd  gingen  dan 
parzifal  vnde  der  gute  man 
25  zdeni  orse  gen  dem  stalle 

mit    kranker   vreude    schalle 
d'    wirt    zdem   orse    spch    mir 
ist  leit 
dein  hvnger  baerev  arbeit 
durch  den  satel  der  vf  dir  ligt 
30      d^  amfortasses  wapen  pfligt 
488, 1  Do  si  daz  ors  begingen 

newe  klag  si  da  gevingen 

parzifal  zdem  wirte  sein   [mein 

sprach   herre  vnd  lib^  oheim 

5  getorst    ichz    euch   vor    schäm 

gesag  .  .  [kl  ...  . 

mein  vngelucke  ich  euch  solde 

daz    v'kiset    durch    ew^    selbes 

zucht 

636,4      gen  der  herzoginne  ir  haz 
5 .  vs  truc  si  mTne  vnde  haz 
ouch  het  er  sich  gesundet  baz 
.  en  der  einvaeltigen  magt 

di  im  ir  kvmber  hat  geklagt 
.and  er  ir  nicht  zvgewuc 
10      daz  in  vnd  si  ein  muler  truc 


.uch  was  beider  vater  lot 

der  meid   er   seine  helfe  bot 
.enkegen  si  imtaugenleichn  neic 

daz  er  si  trostes  nicht  v^sweic 
.V  was  ouch  zeit  daz  mä  dar  truc  15 

tischlachen  manigez  weiz  ge- 
nuc 
.nden  bot  vf  den  palas 

da  manic  clariv  vrowe  was 
.  az  het  ein  vnderscheit  erkant 

daz  di  ritter  eine  wandt  20 

.eten  sunder  dort  hin  dan 

daz  sedel  schuf  her  gawan 
.er  turkoite  zv  im  saz 

. .  schois  mit  gawans  mut^  az 
.it  der  claren  Seyven  25 

mit  der  kvnigine  Arniven 
.z  div  herzoginne  dar 

seine  swester  beide  wol  gevar 
.awau  zozim  sitzen  liez 

itwedrev  tet  als  er  si  hiez      30 
Mein  kvust  mir  des  halbes  gibt  637, 1 

ich  bin  sulchs  kuchenmeisters 
uiht 
daz  ich  di   speise   kvnne  sagen 

di  da  mit  zuht  wart  furgetragen 
.em  wirte  vnd  den  vrowen  gar    5 

dinten  meide  wolgevar 
anderhalp  de  ritten  an  ir  wand 

dinten  manic  sariant 
.in  vorhtleich  zucht  si  des  be- 
twanc 
daz  der  knappen  deheiner  d^anc  10 
.it  den  iuncvrowen 

man  must   si  sund^  schowen 
.i  trugen  speise  od^  wein 


636,  4  herzoginne]  das  letzte  e  auf  rasur  geschrieben.        6  gesundet] 
t  vom  correclor  in  x  abgeändert.  637, 1   Mein]  initiale  M  zur  hälfte 

weggeschnitten. 


! 


SCHVVAZER  PARZIVALFRAGMENT 


291 


15 


sus  musten  si  mit  zuhten  sein 
i  mohte  da  wol  Wirtschaft  ieiieo 


ez  was  in  selten  ie  geschehe  . 
den  vrowen  vnd  der  rittersch. . . 

sit  si  klinshors  kraft 
mit  seinen  listen  vber  want 
20       si  waren   einander  vmbekan. 
vnd  besloz  si  doch  ein  porte 

daz  si  zegegen  worte 
nie  komen  vrowen  noch  di  m . . 
de  schuf  mein  her  gawan 
25  daz  daz  volk  einander  sach 
dar  an  in  libes  vil  geschac. 

gawane  was  ouch  übe  gesch 

doch    must   er   tougenlicheu 
se., . 
an  di  claren  herzogin 
30       div  twanc  seins  herzen  sin 
638, 1  Nv  begand  ouch    seigen  der  .  . 
daz    sein     schein     vil     nach 
ge... 

vnd  daz  mä  durch  di  wölke 

des  mä  di  naht  zeboten  lach 


manige  Sterne  der  balde  ginc       5 

wand  er  der  naht  herberg  — 
naht  der  naht  baniere 

kom  si  selbe  schiere  8 

alumbe  vf  den  palas  11 

di  schiere  wol  gekerzet  was 
auf  alle  di  tische  sunder 

truc  mä  kerzen  dar  ein  wund . . 
datzv  di  aventeure  gibt  15 

di  herzoginne  waere  so  licht 
waer  d^  kerzen   eine  braht 

dane  waere  doch  ninder  bi  ir 
n... 
ir  blic  wol  selbe  kvnde  lagen 

suz  bort  ich  von  der  suzzen  20 
sagen 
man   enwelle  im  vnrehte  iehen 

so  habt  ir  selten  e  geschehen 
deheinen  wirt  so  vreuden  reich 

ez  was  den  vreuden  da  geleich 
alsus  mit  vreudebafter  ger  25 

di   ritter   dar  di  vrowen  her 
dicke  aneinander  blicten 

di  von  der  vremde  erschricten 
werdent  si  imm^  heimleich  baz. 


638, 17  f]  in  diesen  verszeilen  sind  mehrfache  rasuren  vorhanden,  so 
nach  waer  d-;  bei  dane  xourde  ne  getilgt;  bei  den  beide?i  ersten  ist  der 
ursprüngliche  text  nicht  mehr  ersichtlich. 

Innsbruck  im  jännerlSSl.         FR.  MAX STRAGAISZ  0. S.  FR. 

ZU  BONER. 

Auf  ein  leeres  hlatt  (137^)  und  zwar  zwischen  sernio  136  und 
137  einer  predigtenhs.,  die  die  Fuldaer  landeshibliothek  (Aa  110 
fol.,  \5  Jh.,  papier)  aufbewahrt,  hat  eine  hand,  der  die  geläufigen 
abbreviaturen  —  und  ^  unbekannt  gewesen  zu  sein  scheinen  (vgl. 
3.  11.  21.  24.  40),  die  32  fabel  aus  dem  Edelstein  des  Ulrich  Dotier 
in  mitteldeutscher  mundart  eingetragen,  ihr  entstammen  die  folgen- 
den lesarten ;  wo  dieselben  sich  mit  denen  anderer  hss.  berühren,  habe 
ich  die  von  Pfeiffer  gewählten  siglen  in  klammern  hinzugefügt. 


292  ZU  BONER 

2  daz]  er.  3  deme  getheme  (statt  getemer).  4  flihen  und 
wosten  nicht  vvor.  6  bereitten  sy  ir  beyne.  7.  8  fehlen.  9  do 
quamen  sy  (Eab).  10  und  erschreckten  manchin  frosch  hart. 
11  do.  ubir  wassz  nicht.  12  sie  vorchten  ir  krafft  wurde  in 
b.  13  fluczen.  14  nü  ist  mir  k.  15  andir  (ABC).  16  habin 
mich  dy  frasch.  18  küme]  nicht.  19  vnd  nicht  vertzagt.  20  flyhe 
so  m.  u.  jagt.  21  vns.  22  der]  daz.  23  an  flucht  solln  wir 
uns  nicht  übel  gehan.  24  uns  vorlarn  habin  esz.  25  si]  und. 
vast  fehlt,  dez  (DEb)  was.  26  alle  wesen.  25  nach  26.  27  vor 
torcht.  28  daz  er  (Ea)  im  daz  selber.  29  den  sal  man  in. 
30  sal  er.  31  j.  und  a.  (ab)  fr.  und  m.  32  esz  in  nicht. 
35.  6  fehlen  =  D.  37  der]  wer.  gehan.  38  der  m.  ungemach 
wol  widerstan.  39  äne]  in.  40  mag  liber  sey.  42  [sei]  leip 
(Da)  und  gut  (D).     43.  4  fehlen. 

PHILIPP  STRAUCH. 

OTFRIDS  VORREDE  AN  LIUTBERT. 

Lachmann  bemerkt  zu  Iw.  4866:  'swederm  einsilbig  scheint 
uns  hart,  weil  wir  nicht  genug  können,  was  schon  Otfrid  von 
dem  leser  fordert,  sytialyphae  lenani  et  conlisionem  lubrimm  prae- 
cavere.'  er  war  also  der  ansieht,  dass  Olfrid  diesen  ausdruck 
prägte,  um  dadurch  eine  eigentümlichkeit  der  deutschen  syna- 
loephe  zu  kennzeichnen,  nur  so  konnte  die  stelle  zur  erklärung 
von  erscheinungen  der  deutschen  metrik  herangezogen  werden, 
es  hält  aber  nicht  schwer,  nachzuweisen  dass  Otfrid  in  den  theo- 
retischen ausführungen  der  vorrede  an  Liutbert  nicht  nur  die  an- 
schauungsweise  der  lateinischen  grammatik  herübernahm,  sondern 
sich  auch  ausschliefslich  der  terminologie  und  phraseologie  der 
damaligen  schulgrammatiker  bediente. 

Im  folgenden  sollen  zu  jedem  terminus  und  fast  auch  zu 
jeder  Wendung,  die  Olfrid  in  jenem  teile  seiner  lateinischen  vor- 
rede gebraucht,  wo  er  von  synaloephe  und  reim  handelt,  beleg- 
steilen aus  Donat,  Priscian  und  anderen  doctores  grammaticae 
artis  gegeben  werden.  Lachmanns  Verwertung  der  genannten 
Otfridstelle  wird  dann  wol  ebenso  wenig  zu  halten  sein,  als 
Erdmanns  bemerkung  zu  Liutb.  69  (s.  328  seiner  ausgäbe). 

Dass  Otfrid  mit  Donat  und  Priscian  vertraut  war,  ist  an  sich 
wahrscheinlich,  doch  ist  es  auch  möglich  dass  seinen  aus- 
führungen eine  abgeleitete  quelle  zu  gründe  Hegt;  terminologie. 


OTFRIDS  VORREDE  AN  LlUTBERT  293 

definitionen  und  anschauungsweisen  erben  sich  fort  von  schul- 
grammatik  auf  schulgrammalik  und  finden  sich  meist  ganz  ähn- 
lich wider  in  den  excerpten,  wie  sie  Alcuin,  Hrabanus  Maurus  ua. 
speciell  für  den  Unterricht  zusammengestellt  haben,  das  Excerp- 
tum  artis  grammaticae  von  Hraban,  Olfrids  lehrer,  bricht  leider 
vor  den  schlusscapiteln  ab,  in  denen  von  metaplasmus  und  Schema 
gehandelt  zu  werden  pflegte,  ich  glaubte  neben  Donat  hier  und 
da  auch  andere  grammatiker  der  zeit  heranziehen  zu  dürfen, 
ohne  rücksicht  auf  ihre  abhängigkeit  von  diesem,  es  wird  da- 
durch die  grofse  Verbreitung  des  Wortlautes  der  grammatischen 
ausführungen  deutlich  werden,  mit  einem  und  dem  anderen  von 
Donats  commentatoren  mag  Otfrid  auch  vertraut  gewesen  sein, 
so  werden  wir  zb.  mit  einem  derselben  unmittelbare  bekanntschaft 
voraussetzen  dürfen  und  zwar  mit  dem  damals  viel  gelesenen 
Pompeius.  ihn  nennt  Hrabanus  Maurus,  De  arte  gramm.  Prise, 
üb.  n  ed.  Colvenerius  1,  4S'',  und  zu  Weifsenburg  wurde  zur 
zeit  Otfrids  oder  vielleicht  kurz  vor  ihm  eine  ausgezeichnete  hs, 
seines  Commentum  augeferligt,  die  sich  heute  in  Wolfenbüttel 
befindet  und  den  vermerk  trägt:  Codex  monasterü  sanctorum  petri 
et  pauli  in  vissenbnrg  (s.  Keil,  Gramm,  lat.  5,  83). 

Erdmann  z.  68 — 76:  Patitur  quoque  metaplasmi  fignram  ni- 
mium  (non  tarnen  assidue),  quam  doctores  grammaticae  artis  vocant 
sinalipham  (et  hoc  nisi  legentes  praevideant ,  rationis  dicta  defor- 
mius  sonant.,  literas  interdum  scriptione  servatUes,  interdnm  vero 
ebraicae  linguae  more  vitantes,  qnibus  ipsas  litteras  ratione  sina- 
liphae  in  lineis,  ut  qnidam  dicunt,  -penitns  amittere  et  transilire 
moris  habetur;  non  quo  series  scriptionis  hujus  metrica  sit  subti- 
litate  constricta,  sed  Schema  omoeoteleuton  assidue  quaerit.  — 

Metaplasmi  fignram]  metaplasmus  nannten  die  alten  lateini- 
schen grammatiker  nicht  das,  was  die  heulige  grammatik  darunter 
zu  verstehen  pflegt:  die  bildung  eines  casus  oder  tempus  von 
einem  stamme,  der  für  den  nominativ  oder  das  präsens  nicht 
belegt  ist  (dat.  sing,  dlxl  von  akxr'j  sc.  einem  ungebräuchlichen 
aA|j.  sondern  Donat  4,  395,  28  fT'  definiert  den  metaplasmus 
folgender  mafsen:  Metaplasmus  est  transformatio  qnaedam  recti 
solutique  sermonis  in  alteram  speciem  metri  ornatusve  causa,  er 
kennt  14  arten  des  metaplasmus,  darunter  auch  diaeresis,  episyn- 
aliphe  (synheresis  geben  einige  hss.),  synaliphe  und  ecthlipsis. 
ganz  ähnliches  gibt  Probus  4,  262,  19  und  die  gleiche  auffassung 
zeigt  Priscian  2,  290,  20.  —  ebenso  finden  wir  in  Alcuins  Gram- 
matica  (Migne,  Patroi.  lat.  101,  858)  in  dem  abschnitte  De  syl- 
laba  folgende  definilion :  Metaplasmus  est  metrica  licentia  vel  ne- 
cessitate  immutata  regula  locutionis.  als  metaplasmus  gilt  also 
jede  Umbildung  der  gewöhnlichen  grammatischen  form  eines  Wortes, 
metri  causa;  er  ist  der  nächste  verwandte  des  barbarismus:    ein 

'  ich  eitlere  nach  Keil,  Grammatici  latini,  wo  nicht  ausdrücklich  anderes 
vermerkt  ist. 


294  OTFRIDS  VORREDE  AN  LIÜTBERT 

metaplasmus  in  prosa  wird  zum  barbarismus.  diese  auffassung 
zeigt  schon  Quintilian,  Inst.  orat.  ed.  Halm  1,8,14;  ebenso  schreibt 
Donat  4,392,  5  ff  uam.  —  Otfrid  nennt  also  ganz  im  sinne  der 
lat.  grammatik  die  synaloephe  eine  figura  metaplasmi.  in  der 
Übersetzung  ist  hier  der  artikel  vorzusetzen:  sie  duldet  die  figur 
(oder  abart)  des  metaplasmus  häufig  (jedoch  nicht  regelmäfsig), 
welche  die  gelehrten  grammaliker  synaloephe  nennen. 

Vocant  sinalipham]  Donat  und  andere  grammatiker  unter- 
scheiden gewöhnlich :  episynaliphe  (auch  synaeresis  und  synek- 
phonesis  genannt),  synaliphe  und  ecthlipsis,  und  zwar  ist  der  unter- 
schied meist  der,  dass  episynaliphe  die  Verschmelzung  zweier 
vocale  in  6iuem  worte  zu  einem  neuen  vocale  bezeichnet,  so 
wenn  im  verse  Phaeton,  Nerei  zweisilbig  oder  aeripedeni  vier- 
silbig gelesen  wird;  synalipha  die  ausstofsung  des  auslautenden 
vocals  vor  vocalanlaut,  ecthlipsis  aber  die  elision  der  auf  m  aus- 
lautenden letzten  silbe  eines  wortes  bedeutet,  alle  drei  sind  arten, 
figuren  des  metaplasmus. 

Ratione  synaliphae  .  .  .  trausilire]  ein  technischer  ausdruck 
für  die  auslassung  der  vocale  in  der  synaloephe  der  lateinischen 
verse  s.  Beda,  De  arte  metrica,  Migue  90,  154  C:  .  .  .  at  cum 
diphtongus  a  vocali  alterius  vocabiili  excipitur ,  tum  hanc  per  sy- 
nalepham  transiliendam  esse  dicebant  und  165C:  unde  synalepha 
Graece  dicitur,  quasi  quodam  saltu  transmittens.  —  vgl.  auch  Con- 
senlius  5,  401,4:  synaliphe  est,  cum  syllaba  una  aut  ex  una  aut 
ex  duahus  vocalibus  sive  cum  m  littera  consistens  velut  super- 
flua  invenitur  in  versu  et  citra  damnum  vocis  transsilitur  und 
so  noch  oft. 

Schema  omoeoteleuton]  gerade  so  wie  der  metaplasmus  der 
poesie  dem  barbarismus  der  prosa  entspricht,  so  entspricht  das 
Schema  in  der  gebundenen  rede  dem  soloecismus  in  der  unge- 
bundenen, der  metaplasmus  verändert  die  geslalt  blofs  6ines 
Wortes,  das  Schema  betrifft  stets  die  Stellung  eines  oder  mehrerer 
Worte  zu  den  anderen,  vgl.  Donat  4,  393,  5 :  soloecismus  est  Vi- 
tium in  contextu  partium  orationis  contra  regulam  artis  gramma- 
ticae  factum:  inter  soloecismum  et  barbarismum  hoc  interest,  quod 
soloecismus  discrepantes  aut  inconsequentes  in  se  dictiones  habet, 
barbarismus  autem  in  singulis  verbis  fit  usw.  Pompeius,  Comm. 
in  Don,  5,  289,  1  f:  quid  si  (soloecismus)  in  poemate  fiat?  iam  non 
dicitur  soloecismus  sed  dicitur  schema.  —  Donat  4,  397,  8  nennt 
als  arten  des  schema  neben  dem  parhomoeon  (d.  i.  allitteration), 
homoeoptoton  ua.  auch  das  homoeoteleuton  und  gibt  folgende  de- 
finition  desselben:  homoeoteleuton  est,  cum  simili  modo  dictiones 
plurimae  finiuntur. 

Assidue  quaerit]  dies  ist  hier  dem  nimium  (non  tarnen  assi- 
due)  von  früher  entgegengesetzt,  der  endreim  wird  beständig, 
regelmäfsig  am  Schlüsse  eines  jeden  verses  von  der  series  scrip- 
noms  verlangt;  nicht  aber  tritt  regelmäfsig  dort,  wo  sich  2  vocale 


OTFRIDS  VORREDE  AN  LIUTBERT  295 

begegnen ,  der  metaplasmus  der  synaloephe  ein.  hiat  ist  ge- 
stattet. 

Erdmann  z.  76  —  85:  Aptam  enim  in  hac  lectione  et  priori 
decentem  et  consimilem  quaerunt  verba  in  fine  sonoritatem,  et  non 
tantum  per  haue  inter  duas  vocales,  sed  etiam  inter  alias  literas 
saepissime  patitur  conlisioneni  sinaliphae;  et  hoc  nisi  fiat,  extensio 
sepius  literarum  inepte  sonat  dicta  verborum.  Quod  in  commnni 
qnoque  nostra  locutione,  si  sollerter  intendimns,  nos  agere  nimium 
invenimus.  Quaerit  enim  linguae  hujus  ornatus  et  a  legentibus 
sinaliphae  lenem  (VP  lenam)  et  conlisionem  lubricam  praecavere 
et  a  dictantibus  omoeoteleuton  (id  est  consimilem  verborum  termi- 
nationem)  observare. 

Conlisionem  synaliphae  und  weiter  unten  synaliphae  lenem 
et  conlisionem  hibricam]  conlisio  und  zwar  lenis  et  lubrica  conlisio 
war  der  technische  ausdruck  oder  besser  die  latinisierung  des 
griechischen  wortes  ovvaXoKpi'],  so  bei  Donat  und  vielen  anderen 
grammatikern.  in  conlisionem  synaliphae  bestimmt  der  genetiv 
sinaliphae  den  ausdruck  conlisio  näher,  denn  es  gab  zwei  arten 
der  conlisio,  die  synaloephe  und  die  ecthiipsis;  das  zweite  mal 
aber,  in  synaliphae  lenem  et  conlisionem  lubricam,  ist  synaliphae 
ein  pleonastischer,  rein  exegetischer  genetiv,  denn  lenis  et  lubrica 
conlisio  und  synalipha  ist  ein  und  dasselbe,  ich  verweise  aut 
Donat  4,  396 :  Synaliphe  est  per  interceptionem  concurrentium 
vocalium  lubrica  quaedam  lenisque  conlisio,  ut  'atque  ea  diversa 
penitus  dum  parte  geruntuf.  haec  a  quibusdam  syncrisis  nomi- 
natur.  Ecthiipsis  est  consonantium  cum  vocalibus  asper e  concur- 
rentium quaedam  difficilis  ac  dura  conlisio,  ut  'multum  ille  et  terris 
iactatiis  et  alto.'  —  diese  stelle  wird  von  Pompeius  5,  298,  16  ff 
folgender  niafsen  commentiert:  dicitur  synaliphe  duarum  concur- 
rentium vocalium  lubrica  lenisque  conlisio ,  quotiens  duae  sunt  vo- 
cales et  excludunt  se  leniter  et  lubrice.  haec  synaliphe  est.  illa 
vero  non  de  vocalibiis  fit,  sed  de  consonantibus  .  ...  et  appellatur 
ecthiipsis  id  est  consonantium  aspere  cum,  vocalibus  concurrentium 
dura  difficilisque  conlisio.  ebenso  spricht  Julianus  Toletanus, 
Comm.  in  Don.  von  lubrica  quaedam  et  lenis  conlisio  (s.  Anecdota 
Helvet.  ed.  Hagen,  1870,  ?.  ccxxxv)  und  auch  bei  Priscian  3, 
421,  10  uö.  finden  wir  conlisio,  synalipha  und  episynalipha  zu- 
sammengestellt, endlich  führe  ich  noch  eine  stelle  aus  Diomedes 
an,  1,  442:  Synaliphe  est  conlisio,  quae  fit  cum  dtiarum  inter  se 
concurrentium  vocalium  altera  eliditur  .  .  .  ecthiipsis  est  conlisio 
quaedam  difficilis  ac  dura  consonantium  usw.  ich  habe  hier  die 
belegstellen  gehäuft,  um  zu  zeigen,  wie  gang  und  gäbe  diese  de- 
finition  damals  war.  —  die  conjectur  von  Scherz-Graff-Erdmann 
(lenem  für  lenam  VP)  ist  jetzt  wol  zur  gewisheit  erhoben  und 
Lachmanns  erklärung  (lena  =  lenocinium) ,  Über  ahd.  betouung 
und  verskunst,  Kl.  Schriften  1,  361  anm.,  ist  zu  verwerfen. 

Otfrid   nennt   die  conlisio   inter  alias  literas   nicht  ecthiipsis 


296  OTFRIDS  VORREDE  AN  LlüTBERT 

sondern  synalipha,  sie  muss  also  von  jener  grundverschieden  ge- 
wesen sein. 

Et  hoc  nisi  fiat,  extensio  literarum  itiepte  sonat  dicta  ver- 
borum,  ferner  quaerit  .  .  .  a  legentibns  .  .  .  conlisionem  .  . .  praeca- 
vere  und  schon  oben  z.  70  et  hoc  nisi  legentes  praevideant  .  .  , 
literas  interdum  scriptione  servantes,  iiiterdum  .  .  .  vitantes]  diese 
hinweise  auf  die  notwendigkeit,  bei  der  declamation  in  der 
Schrift  gesetzte  vocale  in  der  synaloephe  zu  verschweigen,  haben 
auch  ihre  analogie  bei  den  lateinischen  granimatikern ,  so  bei 
Victorinus  6,  211,8:  qtw  (sc.  durch  synaloephe)  fit,  ut  omnes  Uli 
versus,  qui  supra  dictum  numerum  syllabarum  videntur  excedere, 
detractis  synaliphis  ad  —  syllabas  redigantur  (vgl.  die  extensio 
literarum).  —  Consentius  5,  389,  30 :  post  hos  sunt  metaplasmi 
duo,  quos  partim  iam  poetae  faclos  in  scriptura  ipsi  relinquunt, 
partim  faciendos  nobis  tradunt,  synaliphe  et  ecthlipsis  und  ebenso 
400,  2.  402,30;  Marius  Plotius  sacerdos  6,  448,  25:  inter  syn- 
copen  ergo  et  synalifam  hoc  est ,  quod  syncope  ab  ipsis  ponitur 
poetis,  nantes  pro  natantes;  synalifa  autem  a  nobis  vel  pronun- 
tiantibus  vel  pedes  scandentibus  fit,  cum  a  poeta  plenum  verbum 
ponatur.  wir  sehen,  auch  diese  nebensächlichen  hemerkungen 
hat  Otfrid  nicht  aus  eigenem  geschöpft. 

Linguae  hujus  ornatus]  d.  i.  die  spräche  der  poesie  in  dieser 
mundart.  ornatus  wird  in  dieser  bedeutung  bei  allen  lateinischen 
grammatikern  gebraucht  s.  Donat  4,  395,  29,  und  schon  Quin- 
tilian,  Inst.  1,  8,  16  uö.  dem  steht  entgegen  communis  sermo, 
nostra  loquella  oder  communis  locutio,  wie  auch  Otfrid  sagt. 

Omoeoteleuton,  id  est  consimilem  verborum  terminationem] 
vgl.  Beda,  De  schem.  et  tropis,  Migne  90,  176  C:  homoeoteleuton, 
similis  terminatio. 

Wichtig  und  fruchtbar  bleiben  also  nur  drei  äufserungen 
Otfrids  über  das  wesen  der  deutschen  synaloephe.  sie  tritt  bei 
zusammenstofs  zweier  vocale  nicht  regelmäfsig  (assidue),  wie  der 
reim,  sondern  nur  häufig  (nimium)  ein.  sie  findet  sich  nicht 
nur  zwischen  vocalen ,  sondern  auch  zwischen  consonanten  und 
zwar  in  einer  von  der  lateinischen  elision  über  m  durchaus  ab- 
weichenden weise,  sie  ist  in  der  ausspräche  der  gewöhnlichen 
prosaischen  rede  begründet. 

KONRAD  ZWIERZINA. 


I 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  297 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS. 

Die  neuerdings  von  Graef  und  Herzfeld  vorgetragenen,  von 
einander  abweichenden  ansichten  über  den  wert  der  hslichen  Über- 
lieferung von  Ottes  Eradius  werden  jeden  nachprüfenden  von  der 
Unmöglichkeit  einer  sicheren  texlherstellung  überzeugt  haben,  in  so 
fern  man  hier  über  ein  eclectisches  verfahren  nicht  hinauskommt, 
während  Graef  die  hs.  A  überschätzte,  hat  Herzfeld  sich  bei  der 
rehabilitierung  des  wertes  von  B  verleiten  lassen,  A  zu  unter- 
schätzen, wenn  ich  mich  im  folgenden  anschicke,  das  hsliche 
material  zu  bereichern ,  so  beschränke  ich  mich  nebenbei  auf  einige 
bemerkimgen  über  das  gegenseitige  Verhältnis  der  einzelnen  zeugen, 
dass  Graef  dem  dialect  des  dichters  zu  wenig  in  seinem  texte  rech- 
nung  getragen  hat,  ist  bereits  von  anderer  seite  hervorgehoben 
loorden;  es  ist  nicht  meine  absieht,  hier  näher  auf  diesen  punct 
einzugehen,  meines  erachtens  kann  bei  dem  jetzigen  stand  der 
Überlieferung  die  heimatfrage  des  gedichtes  überhaupt  nicht  end- 
giltig  entschieden  werden,  sehr  beachtenswert  sind  ESchröders  er- 
wägungen  GGA  1884  s.  bQbff;  dass  die  fränkische  heimat  Ottes 
der  bairischen  gränze  nahe  lag,  dafür  darf  neben  Schröders  be- 
gründung  wol  auch  der  Ursprung  der  hss.  sowie  die  bekanntschaft 
unseres  gedichtes  resp.  des  Stoffes  gerade  in  bairisch-österreichi scher 
gegend  (bei  Wolfram  (?),  Kaiserchronik  B,  Enikel,  Heinrich  von 
München)  geltend  gemacht  werden. 

Wie  die  Wiener  hs.  2693  der  Kaiserchronik  B  nach  Julianus 
Ottes  Eradius  an  stelle  der  von  Eradius  handelnden  verse  11138 
ftfs  351  einschiebt,  so  bietet  die  Golhaer^  hs.  Heinrichs  von  München 
(Cod.  Chart.  A  nr  3  s.  543'' — 577^  ==  C)  gegenüber  anderen  hss,, 
die  den  Eradius  kurz  abfertigen,  gleichfalls  Ottes  gedieht  und  zwar 
wie  in  der  Wietier  hs.  A  mit  fortlassung  der  in  diesen  Zusammen- 
hang  nicht  hineinpassenden  einleitung  v.  l  — 140.     dass  die  auf- 

^  vgl.  Jacobs  und  Ukert  Beiträge  2,  243  ff  bes.  256  /'.  Vilmar  Die 
zwei  recensionen  —  der  ff'eltchronik  Rudolfs  von  Ems  s.hl  nr  36.  Mafs- 
mann  Kaiserchr.  3,  180  nr  36.  e*  ist  dieselbe  hs.,  die  die  briider  Grimm 
bei  mitteilung  der  die  heldensage  berührenden  stellen  zu  rate  zogen 
(Altd.  Wälder  %\].hff.  vgl.  WGrimm  HS  nr  84.  Martin  im  DHB  2,  xLvi  ff), 
mit  riicksicht  auf  Rudolf  von  Ems  und  die  Christherrechronik  haben  sie 
zuletzt  Regel  und  Doberentz  Zs.  f.ph.9,ibS.  12,263  benutzt;  mir  selbst 
wurde  der  cod.  in  liberalster  weise  zur  benutzung  nach  Tübingen  ge- 
sandt, wofür  ich  hier  öffentlich  meinen  dank  abstalte. 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  20 


298  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

nähme  des  Otteschen  gedicktes  in  C  nicht  auf  den  Schreiber'  der  hs., 
sondern  auf  Heinrich  von  München  selbst  zurückgeht,  beweist  der 
umstand,  dass  gegen  schluss  der  erzählung  s.  unten  la.  zu  5309. 
5392)  C  eine  anzahl  von  versen  zeigt,  die  unter  benutzung  Otte- 
scher  reime  inhaltlich  auf  der  Sächsischen  iveltchrönik  beruhen; 
letztere  ist  aber  bekanntlich  für  ganze  partien  von  Heinrich  von 
München  einfach  in  reime  umgesetzt  loorden.  auch  Ottes  gedieht 
gehört  mithin  zu  den  werken,  die  der  allenceltscompilator  seinem 
werke  einverleibt  hat  (s.  meinen  artikel  in  der  ABB  22,  725  und 
Singer  Zs.  30,  390).  der  kleine  passus  über  Eraclius ,  der  sich  in 
anderen^  hss.  dieser  weltchronik  findet,  erweist  sich  als  kürzung 
1  nähe)'  einzusehen  wären  noch  die  Wiener  hs.  276S  und  hs.  39/58 
der  Universitätsbibliothek  zu  Graz  (Diemer  Beitr,  1,31).  die  Wolfen- 
hüttler  manuscriiple  (Mafsmann  Kaiserchr,  3,  178.  179)  behandeln  nach 
freundlicher  initteilung  des  herrn  dr  GMilchsack  überhaupt  nicht  die 
geschichte  von  Focas  u?id  Eraclius,  ebenso  ivenig  komjnen  für  unseren 
passus  die  foliohss.  21.439  —  441  der  Berliner  königl.  bibliothek  (Mafs- 
man/i  aao.  3,  181)  in  betracht.  eijisicht  in  die  letzteren  verdanke  ich 
dr  Bolle,  der  auch  die  gute  hatte,  inir  die  folgenden  notizen  aus  dem 
Berliner  ?ns.  germ.  fol.  33  beizusteuern,  letzteres  ist  eine  copie  der  von 
der  Gottschedin  gefertigten  abschrift  der  Kremsmünsterer  hs.  (Mafsmann 
aao.  3,  ISO/):  s.  215  Ditz  ist  von  Mauritius  dem  67.  Chaiser.  58  verse.  s.  217 
von  zwain  Päbstn  (Pelagius  und  Gregorius).  30  verse.  *.  218  Ditz  ist  nun 
von  Focas  den  an  zwai  sibenzigesten  Chaiser.  Do  der  an  daz  Reich  chani, 
de  waz  von  Gotes  Purd  600  Jar  u.  14  Jar.  darauf  folgen  die  11  verse, 
die  auch  in  C  die  geschichte  einleiten,  und  im  anschluss  daran  S  zeiten, 
entsprechend  Ottes  Eraclius  141 — IVi,  jedoch  mit  den  abwandlungen,  die 
auch  in  C  sich  finden;  nur  in  den  beiden  zeilen  nach  146  liest  C^  —  so 
bezeichne  ich  die  Berliner  hs.  —  genau  wie  B.    hierauf: 

nach  den),  alz  ich  han  gelesen, 

ward  Focas  der  chaiser  erslagen  (Ottes  Eraclius  4430). 

alz  ich  daz  buch  hör  sagen  (4429), 

do  er  daz  reich,  daz  ist  war  (4427), 

het  gehabt  acht  jar  (4428), 

do  nam  er  den  tod  also. 

des  wurden  Römer  gar  vnfro, 

wan  er  waz  ein  pider  man, 

alz  ich  von  im  gelesen  (han). 
da  für  diesen  passus,  der  kenntnis  von  Ottes  werk  voraussetzt,  C  nichts 
entsprechendes  bietet,  so  muss  man  schon  eine  lücke  in  C  annehmen, 
nun  folgen  in  Übereinstimmung  mit  C  (s.  unten  nach  4416)  ].%  verse  über 
Ditz  ist  von  Sevinianus  vnd  von  Bonifacius  dem  76  Pabst,  tvorauf  Eraclius, 
der  als  69  kaiser  erscheint,  in  38  versen  behandelt  wird: 

Nu  habt  ir  wol  vernomen, 

wie  ez  darzu  was  chomen 


k 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  299 

des  Gothaer  textes,  verrät  aber  auch  in  dieser  gestalt  heziehung 
zu  Ottes  Eraclhis.  während  bereits  Mafsmann  in  seinem  Eraclins 
s.  311  f  hiervon  notiz  nahm,  sind  Graef  und  Herzfeld  auf  Heinrich 
von  München  nicht  weiter  eingegangen. 

Die  spräche  der  hs.  C  verdient  keine  weitere  behandlung,  sie 
zeigt  im  vocalismus  wie  im  consonantismus  die  durchgeführte  jung- 
bairische  Schreibart;  die  älteren  mhd.  lautzeichen  sind,  zwei  oder  drei 
fälle  ausgenommen, geschwunden,  loenn  5128 derreimWei : miet,  5282 
ez :  cnicis  begegnet,  so  ist  das  rohheit  des  Schreibers,  sonst  verdienen 
allenfalls  noch  anführung:  die  pronominalform  sey==si,  diepartici- 
pialformenatif -und  bd2. 1081.2397.4237.  czehrunden5255.  ied 
5384(56?  §45).  gefrait3283.  gewuchst 2500  fßG  §  184).  nehen- 
ter  3040.  C  schreibt  regelmäfsig  wer  wie  wa  wenn  welch  ewcb 
dester  für  swer  swie  swa  swenn  swelch  iu  deste.  rote  initialen 
zeigen  die  verse  191.  223.  293.  315.  329.  367.  427.  461.  489. 
nach  542.  609.  655.  675.  707.  733.  791.  827.  853.  895.  917. 
955.  995.  1041.  1069.  1117.  1141.  1183.  1287.  1327.  136». 
1399.  1493.  1529.  1575.  1605.  1737.  1797.  1859.  1907.  1985. 
2091.  2127.  2231.  2283.  2363.  2405.2453.2489.2561.2611. 
2645.  2677.  2697.  2753.  2809.  2839.  2865.  2895.  3001.  3091. 
3211.  3363.  3417.  3451.  3495.  3573.  3655.  3699.  3743.  3861. 
3881.  4097.  4126.  4149.  4197.  4263.4299.4337.4391.4529 
4551.  4587.  4611.  4651.  4695.  4739.4777.4847.4887.4941. 
4981.  5065.  5189.  5227.  5265.  5283. 

Ich  lasse  nun  die  collation  folgen,  an  die  sich  dann  einige 
weitere  bemei^kungen  anknüpfen  mögen. 

Wie  A  übergeht  auch  C  die  verse  1 — 140  als  dem  plane  des 
ganzen  nicht  entsprechend ;  an  ihrer  stelle  bietet  C  nach  der  roten 
Überschrift  (s.  543*^)  Dicz  ist  nu  von  focas  dem  siben  vnd  sech- 
czigsten  Chaiser.  do  der  an  daz  Reich  cham,  do  was  von  gotes 
gepürt  sechs  hundert  Jar.  Auch  hört  wie  Eraclius  wart  geporn 
vnd  waz  er  wunder  pey  dem  Chaiser  focas  tet  folgendes: 

'S(rot)v  habt  ir  E  wol  vernomen, 

wie  focas  an  daz  reich  was  chomen, 

den  got  het  auzerwelt 

vnd  in  die  cristenhait  gezelt. 

(vgl.  unten  nach  4416).  das  weitere  =  C  4425  —  4439  als  von  im  ge- 
schriben  stet,  s.  auch  Mafsmann  Eraclius  s.  377.  378,  hierauf  endlich  die 
an  letzterem  orte  s.  378  abgedruckten  zeilen,    vgl.  auch  la.  zu  5390  —  2, 

20* 


300  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

Ein  gut  Christen  was  er  aldo. 
do  der  Chaiser  Mauricio 
vmb  sein  leben  also  cham, 
nach  im  man  an  daz  reich  nam 
focas  den  trewen  (tewrn  C'J  herren. 
den  betten  si  vil  gerne, 
wann  er  in  vil  nücze  was. 
141  do  der  chaiser  focas.     142.  143]  was  gewaltig  der  cbron. 
144  vil  schon.     145  und  mit  (A).     146  starke]   hart  (B).     nach 

146  pey  den  selben  czeiteu  in  aller  werlt  weiten  (vgl.  B  =  C'J. 

147  des  wir  siiln]  damit  wir  (B).  148  sag  ew  (B).  149  do 
nü  warn  zergangen  daz  (B).  150  driu]  virczehen.  151  seit  daz 
des  got  gerucht  (B).  154  er  fehlt  (B).  ainer  maid.  155  den  verlorn 
czu  ==  5.  156  wand  er]  vnd  daz.  von  den  weiczn,  lies  von 
den  wizen,  vgl.  569 /a.  er\osl(B).  157  chainen  usw.,  stets  chain 
für  dehein.  161=5.  162  ==5,  vgl.  Herzfeld  s.  10.  163  daz  hab 
wir  wol  erfunden.  164  dö  was  fehlt  (B).  nach  164do  der  herr  focas 
zu  disen  ern  chomen  was  vnd  im  daz  reich  was  vndertan  (B),  vgl. 
Herzfeld  s.  15  f.  165  do  was  czu  R.  ein  vil  heiliger  m.  166  fehlt, 
um  misverständnisseji  vorzubeugen  hätte  bei  Graef  im  Variantenappa- 
rat stehen  sollen:  165  nach  166  (und  es  ouch  w.  g,  k.)  B.  169  daz 
müst  ir  haben  z.  (in  Graef s  Variantenapparat  ist  169  statt  163 
zu  lesen).  170  Myraides  (Miraidos  B).  171=5.  172  sicher- 
lich. 173  tügent  vnd  g.  vnd  der  wicz  (B).  174  von  des. 
minne]  hiczC^yl,  vgl.  Herzfeld  s.  10.  175  enczündet.  176^15. 
177  got  mynnt  vnd  vorcht  (B).  178  =5,  ursprünglich?  180  vnd 
dem.  181=5.  182  er]  vnd.  disem]  fleischleiche.  184  schönes. 
185  Kasinia.  186  die  was  falsches  ain.  187  die  nie  nichtes 
geliez.  189  =  B.  190  enphecht.  191  Es  was  Myriades  u. 
kasimia.  193  diu  wären  fehlt,  g.  paid  u.  194  6  fehlt.  195  ste- 
tichleich  (ta?teclichen  4j.  \91  =  B,  vgl  Herzfeld  s.  \\.  198 
=  5.  199  oder  etwe  1.  300  niht]  nie  f5;.  201  si  warn.  202 
gar  in  vil  grozzem  laid  (B).  203  kasimia  so  immer  im  folgenden  (A 
Cassiana ,  5  Cassinia  mit  Gautier,  vgl.  Graef  s.  12).  Myriades. 
205  daz  beswert  in  hart  irn  m.  (B).  206  sie  tätn  fehlt  (B). 
vil  m.  tuot]  gilt  lewte  timt.  207  den  got  des  gutes  (B).  für 
leit.  208  chinder  nicht  engeit.  209  so  er  aber  genug  vil. 
210  czu  elaem  (B).  211  doch  fehlt  (B).  nicht fßjenhan.  212 
=  B.     213  vnd  vernempt  waz  (B).     214  sy  paten  (ans  patten) 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  301 

got  vnd  paten  (B).  216  irm  tod  miist  (B).  217  must  bes. 
218  =  5.  219  daz]  vacz  (B).  221  si  schon  gevvert  (B). 
222  ir  ygleichs  (B).  225  irm.  226  irs.  229  =  B.  230  ge- 
want.  231  got  wil  es.  232  wirst.  233  schönsten.  234  als 
du  noch  vvol  (B).  235  =  B.  236  ewr  g.  habt  ir.  237  zu  spot 
scholtu  es  nicht  verstau  (B),  vgl.  Herzfeld  s.  11.  239  dinn]  den. 
den  leg.  240  =  B.  241  du  solt  den  estreich  ern.  242  vnd 
in  fl.  ehern.  243  vnd  darauf,  praiten  (A),  vgl.  300.  4941, 
Herzfeld  s.  11.  244  phell  darzu  beraiten.  247  daz  sol  (B)  ew 
nicht  bevillen.  248  ir  sult  des  chindes  (A)  g.  die  ungewöhnliche 
constriiction  eines  kindes  geziln  m  AC  dürfte  das  ursprüngliche 
sein.  249  [da]  von  dem  ich  auch  g.  h.  250  morgen]  sult.  zu 
der  chirchen  (B).  251  ir  sult  den  vil  armen  (B),  hierauf  den 
lüczei  lewten  erparmen  geben  alles  daz  gewant  (B).  252  ich 
hie  hab  (B).  256  an]  hincz.  257  daz  er  ewch  sein  gnad  mit 
tail  (B,  in  Graefs  Variantenapparat  ist  zu  lesen:  mit  nach  gnade 
B).  258  wol  vail.  259  die  des  geruchent  (B).  260  daz  si  es 
an  in  versuchent  (B).  261  den  weihen  sam  den  m.  (B), 
262  schied  von  dannen  (B).  263  do  er  die  rede  (B)  volsprach. 
264  vnd  für  wider  ;  B)  an  seinen  g.  264  vor  263  =  B  (bei 
Graef  lies  263  statt  268).  266  dem  pett  (B).  267]  es  was  ein 
wunder.  270  da  fehlt.  271  irm.  272  öwe]  ja.  274]  laz  ich 
die  rede  stan  (vgl.  B  und  Herzfeld  s.  11).  nach  274  meinen 
mann  als  ich  han  vernomen  |  daz  mag  mir  zu  vnstaten  chomen 
(B).  275  tu  es.  posheit  (AB,  Graef  s.  17  lösheit,  wogegen  Herz- 
feld s.  17  vielleicht  mit  recht  die  Überlieferung  in  schütz  nimmt, 
vgl.  übrigens  282).  276  getrewleichen  (B).  277  =  B.  278  doch] 
des.  er  es.  279  bescheiden]  gewizzen  (B,  vgl.  Herzfeld  s.  11). 
282  ichs  nicht,  lösheit]  falsch  (B.  bosheit^j.  283  vil]  so.  284  mir 
daran  icht  gewerr.  291  =  B.  292  es  sey  zu  schaden  oder  zu 
frümen  (B).  293  Darnach  diu  fraw.  294  des]  daz.  295  =  B. 
echte  la.?  297  iendert  fehlt.  299  =  5.  300  ütj  an  (B). 
302  einen  s.  303  den  het.  über]  auf.  304  nü  fehlt,  es  was. 
wol  fehlt.  305  allez  fehlt  (B).  306]  si  gie  czu  irm  b.  san  (BJ; 
vielleidit  ist  die  la.  vonB(C)  vorzuziehen,  vgl.  1560  la.  308  Mirayde 
daz  m.  309  als  ir  für  was  chomen  (B).  310  =  B.  311  swief] 
nam.  312  er]  vndfÄJ.  üf]  au.  313  =  5.  314  schiere]  legt.  315 
Do  er  sich  zu.  hei  fehlt  (A).  318  dö]  ein  chind  also,  hine  gie] 
da  vergie.      319  vnd  darnach  auf  gie  der  tag.      320  wil  es.     iu 


302  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

fehlt  (B).  321  sy  warn  czu  tun  vil  berait  (B).  322  an  alle 
slacht  lazhait  (B).  323  waz  in  da  (A).  324  =  B.  326  =  B. 
328  =  B.  329  Myraides  (Muraidos  Bj.  330  daz]  wann. 
331  daz  im  got  des  (B).  332  einn  erben.  333  =  B.  335 
nach  336.  336  hiez]  eilt  (A);  B  iciderholte  hiez  aus  ü.  335. 
338  vil  scbir  wart  daz.  342  daz  puch  sagt  (B).  343  würd  (B) 
chaiser  ze  Rom.  344  daz.  345  daz  die  gothait  (B)  daran  warb 
steht  nach  346  an  dem  die  menschait  also  starb.  347  seiner  czeit 
vHorn.  348  der  hiez.  Cosdras  so  immer  (auch  in  A  gelegentlich 
diese  namensform).  349  ze]  in.  350  =  B.  352  vil  fehlt. 
353  auch  er  arnt  er  es  g.  (B).  354  =  B.  nach  354  als  ir 
noch  wert  vernemen  |  so  wir  an  die  mer  chomen.  355  het  darczii. 
360  noch  heut  (B).  361  wunder]  vil.  362  des  wir  müzzen  ge- 
dagen.  363  her  fehlt,  an  van.  364  vnd  die  r.  366  nü]  aller. 
367  Do  es  also  ergie  f4  368).  368  daz  es  di  cristenhait 
(B  367,  vgl.  Trist.  \9QSf)  enphie.  367.8ß=368.7iC.  369  vnd 
do  ez  zu  einen.  370  vor  (B)  non  zu  eine.  367  ff  loerden  zu 
lesen  sein:  dö  dilz  alsus  ergienc,  daz  daz  kint  die  kristenheit 
enphienc,  zeinen  ziten  dö  ez  lac  —  unde  slief,  dö  viel  usw. 
372  gesigelter.  373  alda.  374  sach.  380  sazlez]  solt  es 
seczen.  381  daz  man  es  die  lern  liez.  383  recht  vncz  an  di 
stand  (B).  384  er  (B)  selben  [lesen].  385  wol]  paid  (B).  386  vnd 
daz  es  auch  sol  wesen.  387  gar  fehlt  (B).  verswigen  (B)  vnd 
wol  v.  388  dö]  daz.  390  si  habt  in  grozzer  h.  (B).  391  paid 
den  prief  vnd  daz  chind  (B).  392  daz]  es.  grözen]  guten. 
393  —  426  fehlen;  mit  v.  All  beginnt  in  C  s.  545".  nä]  nach. 
428  uil  selig.  429  irn  sun.  430  in  daz.  431  ==  B.  nach 
432  versigelt  vnd  bewalten  den  si  lang  het  behalten  (B).  436 
Dü  fehlt,  ein  in  fehlt.  437  chomen  vns.  439  =  B.  440  er 
sei  nie  gedacht.  441  mir]  sun  (B).  pist.  442  nü]  müter. 
irouwe]  vil.  443  wer.  got  fehlt.  444  sein  frewnt  dankches 
trewgt  (B).  445  vnd  es  t.  an  wicze  r.  446  nü]  daz.  447  er 
es  (B).  450  Eraclius  pait  nicht.  452  =  B.  455  =  B.  456  ge- 
lobt geert  musiu  ymmer  sein  (B).  457  des]  daz.  460  den  E. 
vberlas;  in  Graefs  text  lies  überlas.  461  An  dem  hrief  (B)  was 
g.  also.  462  was  (B).  463  im  fehlt,  gunnen  fehlt.  464  =  B. 
466  daz]  der.  6  fehlt  (B).  467  Eraclius  daz  selb  geschech 
:  gesech.  470  in  zestund  erchant  (B).  472  vil  genem  er  da 
von    wart  (B).      473  all   daz  reich  (B).      475  =  5.      477  =B. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  303 

479  will  (bei  Graef  lies  wille)  zu  tun.  480  und]  oder.  482  vnd 
waz  si  allni  irem  I.  483  gelrumt  het  (B)  vnd.  484  daz  er  es 
chant  vnd  west  (B).  485  als  schir  er  es  au  secli  (B).  486  =  B. 
487  doch  frewt  si  im  sein  (B).  488  wann  si.  489  Eraclius 
was  (B)  hart  fro.  490  von  dann.  492  leider]  schir  (B).  493  plo- 
den  vgl.  4181.     494  für]  siech.     498  =  ß. 

500  =  B.  501  noch  die.  504  nu]  vnd.  gröz  fehlt.  505  daz 
wir  den  tot  muzzen  schawen  (B).  506  ==  B.  507  der  vns  so 
(B)  czu  churczer.  509  wir]  vnd.  lützel]  selten  (B).  510  vmb 
ein  vnzergenchlich.  511  --=  B.  512  waü  (von  B)  dem  weih  man 
noch  mag.  514  es  chumpt  von  vnsinnen  (B).  nach  514  daz 
wir  so  tobleichen  werben  |  sehen  wir  die  lewt  sterben  |  tegeleich 
ein  michel  her  |  daz  hilft  nicht  gen  einer  per  |  daz  unser  vorcht 
vnd  unser  swer  |  gen  dem  tod  dester  grozzer  wer  (B).  515  ez] 
daz.  516  durch  (B)  der.  518  s6re]  hart.  520  o  wie  hart  es 
der  e.  522  aber  heben  an.  525  Myraides  d.  reich.  526  do 
mit  gute  glauben  selichleich.  527  vil  s.]  er  herleich  (B). 
528  darumb  begund  misshaben.  529  =  B.  530  er  was  ir 
lieb  (B)  als  ir  1.  531  hie  bi]  vil  (B).  532  varundes  (B). 
538  des  beten  genug  die  arm  irn  spot  (B).  539  di  es  czu  t. 
namen.  541  irn  willen  vnd  irn  müt  (B).  542  =  5.  nach 
542  drei  loeitere  verse  =  B  (542^  irn.  542^  ires),  543.  4]  zu 
einen  zeiteu  si  saz  (B).  548  ^rste]  an  dir  =  B.  551  vnd  ob. 
552  muter  sprach  (ist  sprich  bei  Graef  im  Variantenverzeichnis 
druck  fehler?)  er  (B)  enwelcher  w.  (A).  553  [daz]  helfest  du  im. 
554  sim  zu  wew.  555  =  B.  556  daz  fehlt.  558  er  sei.  559  ge- 
wer. 560  daz  waiz  waz  d.  g.  wer.  561  daz  ist  mein  not  aller 
m.  (B).  562  enweiz  fehlt.  563  wie  es  umb  sein  sei.  565=5. 
566  =  B.  568  gedenk  wie  wir  sey  erlosen  =  B.  569  den  hel- 
leweiczen  ==  5.  570  des  sull  wir  vns  Üe\zzeü(B),  urspri'mglich? 
573  eines  dinges  des  ich  dich  pet  (B).  574  er  sprach  wie. 
575  seih  vnd  wider  g.  (B).  576  wille]  pet.  577  wider  meinen 
willen  (B).  578  sol  ich]  ich  wil  dir  (B).  579  dir  fehlt  (B). 
rät]  not.  580  waz  erbes  dir  (B).  581  =  B.  584  vnd  sullens 
für  sein  sei.  585  mit  deinen  wiczen  die  du  (B).  586  ist  daz 
du  mich  daz  last  (B).  587  er]  si.  588  er  sprach  muter  daz 
lat  w.  (B).  589  vnd  vmb  m.  1.  590  ir  nicht  vaste  fl.  592  ewr 
red.  593  es  ist  mir  lieb  vnd  bin  sein  (B).  598  wo.  599  ich 
w.  sey  wol  zu  bewern.      600  daz]  es.     sin]  die.     601  die  es  =  5. 


304  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

sparten.  602  ekcher  vnd  Weingarten.  603  ==  B  vgl.  613. 
604  [und]  wes  =  B.  wolt.  605  kleine]  chain  =  B.  608  ir]  des. 
609  Do  nu.  612  vnd  des  (B).  613  si  het  es  allessampt  ver- 
geben (B),  vgl  603.  615  niust  b.  san  (B).  616  arm  (fehlt  A. 
armuot  jßy  sei.  617=5.  619 — ii  fehlen.  646  ir  armiit  si  luczel 
miii(B).  647irrhant.  649  =  5.  650  vnd  si  span.  651=5. 
653.  4  fehlen,  vor  655  rote  übe?schrift  Hie  hört  nü  wie  Era- 
ciius  verchauft  wart  von  seiner  müter.  659  tet  es  mit  vnrecht. 
660  er  wer  fraw  oder  chnecht.  661=5.  662  wie  luczel  (B) 
ich  sew  verrach.  nach  662  wan  waz  geschieht  daz  muz  wesen 
nu  vernemt  wie  wir  ez  han  gelesen  (B).  663  wenn  ein  man 
also  (B).  664  =  5.  665  =  5  (bei  Graef  im  Variantenapparat 
ist  ga  zu  streichen).  666  als  si  manige  an  schult  t.  (B).  667  recht'. 
668  nu  was  da  ze  Rom  s.  669  wem  d.  g.  gar  z.  670  er  ver- 
chauft ez.  671=5.  672  dester  so  i»! wer.  673  nacÄ  74  =  i. 
674  von]  durch.  678  die  selten  wol  geazzen.  680  si  swach. 
679.  80  stehen  nach  Mafsmanns  apparat  in  B  in  umgekehrter  folge, 
nach  684  daz  du  tegleich  (wie  schoti  Haupt  vermutete  statt  tugeut- 
leichen  B)  dulden  müst  vnd  daz  du  ez  von  meinen  schulden  lüsi  B). 
685.  6  fehlen.  687  dir  gern.  688  frouwe]  warumb  (B).  689  ich 
sol  fremden.  694  =  5.  696  nain  es  müter  waiz  got(5j.  697  ich 
chan  ew  geraten  wol  (B).  698  vil  frü.  701  ez]  daz  =  5. 
703  nicht  anders  dar,  vgl.  768.  4299.  704  wizt  daz  für  =  5. 
705  =  5.  710  auf.  712  ez  fehlt,  der  crouicka.  713  si 
daz  =  5.  714  =  5.  7 1 6  Hute  die]  durch  c  h  a  u  f  =  5.  nach 
716  do  die  des  chindes  wurden  gewar  do  cham  schir  genüg  dar 
(B).  717  vnd  fragten  (B).  719  ob  si  es  (B)  v.  sold.  720  vnd 
wie.  wold.  723  =  5.  724  si  sprachen  biet  ir  im  si  in  daz 
h.(B).  725  gestrikcht=  5.  ins]  euch.  726  =  5.  727  ir 
verchauft  in  dester  paz.  729  s6  fehlt.  vil  g.  730  =  5. 
731  für]  lud' (5  wider,  vgl.  1324 /a.j.  732  vngespotet.  734  her] 
gen  in  =  5.  736  =  5  wol  gevazzet  mit  gewande  vgl.  la. 
zu  1330.  1825.  740  als]  do.  743  =  5.  744  irn.  745  =  5. 
746  in  ir]  sein  =5.  747  =  5,  vgl.  753.  749  bi  im]  vor  in  =  5. 
751  so  zesamt  k.  753  ez  was  harte  s.  754  =  5.  755  genad. 
756  der  t.  nicht  lang  swaig  (B).  757  ditz]  daz.  h'rr  es  ist  m. 
758  selich  müzt  ir  immer  (B).  760=5.  nach  760  herre  ja. 
fraw  wie  (B,  vgl.  la.  zu  761)  daz  lat  mich  chürczlich  wizzen 
hie.     die  verse  760.  1    sind  zweifellos  in  der  la.  von  B  (vgl.  C) 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  305 

ursprünglich ,  vgl.  auch  Haupt  Zs.  3,  160.  762  ez]  daz  =  B. 
763  vüd  waiz  waz  es  betlewtet  (ßj;  vgl.  1119  la.  765  si  sprach 
den  hazze  got  der  ez  tuot.  766  tet  ez  ytzünt.  767  sprach  er 
nain  ich  h'rr  daz  ist  w.  768  ir  in  =  B.  när]  dar  vgl.  703  la. 
769  geret  (B).  771  =  B.  772  wann  ich  mich  so  v.  (B). 
773  =  B.  774  darumb.  775  =  B.  776  =  B.  777  hiute] 
herr.  779  ir  vindet  sicherleich.  780  so  ervart  alle  die  reich  [B). 
780  vor  779  =  B.  781  chainen  chnaben  so  recht  g.  782  o 
wie  1.  er.  784  den  mag  es  rewen  (B)  s.  785  daz  er  ==  B.  hat 
gechault.  786  =  B.  791  E.  als  (B)  lieb  dfi  mir.  792  nü 
fehlt  =  B.  verhil  mich  des  chainen  w.  794  ich  sag  ewchs. 
795  macht  mein  wicz  vnd  mein  sin  (B,  vgl.  27),  lies  daz  macheut 
witze  und  min  sin.  796  ze  g.  mäze  wise]  so  gar  reich(?).  zu 
795.  6  vgl.  Herz  fehl  s.  11  und  besonders  Schröder  aao.  s.  572. 
799  möcht.  801  =  B.  802  er  sprach  ich  ercheun  (B)  edels 
geslain.  803  in  der  w.]  nii  lebent  (B).  805  pist.  806  =  J5. 
807  fehlt,  dafür  nach  808  des  selben  du  mich  verriebt.  809  ja 
wie  ich  ew  dünk  ein  k.  (B).  810  die  r.  (B).  der]  aller. 
811  spehen.  812  mein,  spehen]  wol  veriehen.  813  pös  —  pest. 
814  zwar  (B)  es  ist  ein  pezzer  s.  816  ich  chan  daz  noch. 
817  ich  ew  =  5.  819  ez]  si.  820  und  fehlt  =  B.  irn.  den 
fehlt  =  B.  821  schaw  vnd  gesehen.  823  ires.  826  irn  w. 
828  seine.  829  =  B.  830  hiute  fehlt.  831  deiswär  fehlt  =  B. 
wol  so  (B);  zu  831  vgl.  Herzfeld  s.  11.  832  tet  ich  halt  nü  t. 
833  =  B,  ist  schon  von  Haupt  mit  recht  der  la.  von  A  vorgezogen 
worden.  834  sä]  zu  stet  =  B.  836  und  fehlt.  838  =  B. 
839  setzen  =  B.  840  wart  dö]  daz  was  =  B.  842  doch  si  es 
also  (B).  nach  844  da  gut  frawen  warn  vnd  die  werlt  verparn 
(B)  wann  si  heten  sich  des  bewegen.  845  sie]  vnd.  Graefs 
anm.  zu  845  erledigt  sich  durch  Schröders  bemerkung  aao.  s.  572; 
ein  anderer  vorschlug  im  Litter aturbl.  f.germ.  undrom.ph.  5,  132 
(Bech).  846  fehlt.  847  was  da  (daz  in  Graefs  apparat  ist  wol 
druckfehler)  vncz  an  den  t.  =  B.  848  für  war  ich  ew  daz  sag 
(B)  [mac].  849  starp.  850  daz  si  mit  dienste  daz  e.  (B). 
850  vor  849  =  ß.  851  und  fehlt.  855  =  5.  856  vnd  er  in 
bracht  für  den  sal  (B).  856  vor  855  =  B.  857  der]  die  (B). 
gesaget]  daz  (fehlt  B).  858  wie  Eraclius  verchauft.  860  =  B. 
863  =  B.  864  von  dem  wolt  er  besehen  (B).  865  von  im] 
alda  (fehlt  B).     867  =  B.     868  ir  fehlt.     869  nach  870.     869  do 


306  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS 

fehlt.  niinDichleich  =  B.  nach  870  Zu  dem  t.  sprach  er  sao 
==  B.  871  mich  d,  du  hast  missetan  ==  B,  dann  als  ich  mich 
Versionen  chan  =  B.  872  du  werd  (B).  doch  fehlt,  weiser. 
873.4  fehlen  =  B.  875  wann  daz  du  dich  versawmt  hast  (Bi, 
vgl.  Haupt  Zs.  3,  161.  877  =  B,  vgl.  991.  3285  la.  878  =  B. 
879  wenn  es  mein  herr  wil  geruchen  (B).  880  so  mac  er  es 
wo!  versuchen  (B),  vgl.  Haupt  Zs.  3,  161.  881  =  B.  882  wirt 
er  an  mir  valsches  innen  (B).  883  hau.  885  hahen.  887  er] 
vnd.  hin]  da  (B).  gan  =  ß.  889  =  ß,  vgl.  279  la.  890  mir 
entweich  der  will  vnd  der  mül  (B,  vgl.  Herzfeld  s.  11).  891  ich 
versuch  dich  in  churczer  zeit  (ßj.  892  öwe]  o.  enpeit.  894  waii 
so  hegud.  mein.  895  der  sant.  897  enböt  fehlt  (zu  B). 
898  durcli  fehlt,  nach  898  er  war  arm  oder  reich  daz  enpot  er 
in  geleicb.  900  er  hab  k.  oder  (B).  902  an  den  markt  vnd. 
Me  fehlt  =  B.  903  edeles.  904  paide  groz  vnd  ouch.  905  =  ß. 
906  er  w.  den  besten  auz  (B).  908  hab.  909  erchennt.  aller 
fehlt.  910  da.  915  vil  manic  (B).  916  des  het  der  k.  begert. 
917  Nu  vernemt  waz  ich  ew  =  B.  919  der  da.  gelaist.  922  er 
iach  er  (B).  925  =  ß.  926  der  hiez.  927  =  ß.  928  =ß. 
929  er]  vnd.  vast  an  (B)  ir  1.  930  =  ß.  931  geben  an  der 
St.  932  =  B.  933  =  B.  934  =  B.  937  an  den]  sa  ze. 
938  =  ß.  940  er  sprach  got  walt  vus's  gutes  hail  (B).  941—6 
fehlen  ==  ß  (94 1 .  947  gleicher  verseingang).  947  =  ß.  948  einen 
stain  der  —  lüg  =  B.  949  vnd  zu  seinem  friimen  =  ß.  950  do 
in  die  leut  s.  951  si  sagten  =  ß.  ander /e/??^  953  wolt  wesen. 
954  vnd  daz  gestain  (B)  auzlesen.  solde  fehlt.  955  Nu  hört 
wie  =  ß.  er  es.  956  als  er  fehlt  ==  ß.  er  do  gie  (B).  957  iife] 
vail.  958  hart  liecht'  schain  der  t.  =  ß.  960  den  market  fehlt. 
vnd  auch.  960i=1408.  961  er  gie  hin]  paide  her  fß  959). 
963  vnder  grozzen  vnd  vnder  chlain.  964  doch  sach  er  nindert 
chain  (B  963).  966  mit  dem  er  gewern  mocht.  967  sein  wicz 
vnd  sein  w.  968  ez  m.  969  daz  chain  wund'  gen  im  was  (B\ 
970  da  fehlt.  972  ==  ß.  974  topasen.  976  =  ß.  977  parillen. 
978  des  fehlt  =  B.  979  =  ß.  981  jachant  fehlt  =  B.  amati- 
sten  (A).  982  flucht  seinen  listen  (B).  983  =  ß.  984  si 
sprachen  daz  er  nicht  weis  wer  (B).  985  si  jähen  alle  gemain 
=  B.  986  =  B.  988  nü  mocht  im  werden  (B).  989  =  ß. 
990  =  ß.  992  irüksecz.  wol  fehlt  =  ß.  993  sin]  des.  994  daz 
er  in  durch  daz  ze  (B).     996  enphalch  g.  sein.     998  ==  ß. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLlüS  307 

1000  =  B.  1001  nach  1002.  1001  des  hört.  1002  mit 
schönn  züchten  =  B.  daz]  es.  1004  dem  fehlt.  1006  ze  seiuem 
glukkvndh.(^B;.  1008  =  5.  1009  =  B.  1010  =  ß.  1012  durch 
äes  =  B.  auch  dar.  1014  er]  vnd.  minnichleich.  1015  mich 
dunket]  frewnt  ist.  »i  fehlt.  1016  =  B.  1017  =  5.  1018  Ion 
herre  daz  ist.  1020  gelt  iu  =  B.  1021  oder  w,  ir  habt  in 
euch  u.  sus  (B).  1023  mir  in.  1026  ir  piet  (A).  1027  hei 
fehlt,  hiet  ich  sey  =  5.  1028  hietestü  in.  1029  sin  wol] 
darümb  nicht.  1030  irn.  1032  so  soltu.  herren  fehlt.  1037  noch 
fehlt=B.  1038  merkcht.  1043  daz]  sein.  1044  des  müzz  der 
tevffel  dein  phiegen  entspricht  der  Wortstellung  nach  der  la.  von 
B,  dem  reime  nach  der  von  A;  J5  =  1476  ABC.  1049  also. 
1050  wirst  darumb.  1051  trügnser]  checzer  (lecher  B  =  lecker 
wol  die  nr sprüngliche  lesart).  vnd  als  ein  =  B.  1052  wer  euch 
icht  1.  1057  ez]  daz.  1059  sol.  1060  iht  fehlt.  1063  sä  fehlt. 
1064  sie]  vnd.  in  sein  =  ß.  1065  vil  ungerne.  1066  hiezzen 
in  der  sinnen  laz.  1067  dö]  doch  (B).  1068  wann  er  d.  sich 
reich.  1070  an  dem  (B)  markt.  1071  die  ez  sahen  (B). 
1072  über  al]  geleich  =  5.  1074  =  5.  1075  vnd  wonten 
doch  des  nicht  (B).  1076  das  er  het  der  sinne  pflicht.  1077 
wann  gen  dem  palas  her.  1078  vngewer.  1079  mit  =  B. 
1081  sweigimd.  1082  =  B.  1084  lait  spr.  si  im  (B).  1091  daz 
ist.  1092  waz  saget]  fragt.  1095  hat.  1096  sult.  1100  daz 
an  dem  m.  iendert  vail  was  (B).  1101  daz]  es.  1102  man. 
1105  het  in  im  jener;  jener,  wie  Haupt  Zs.  3,  163  vermutete,  in 
den  text  zu  setzen,  liegt  kein  grund  vor,  s.  Graef  s.  21.  1107  do] 
doch.  1110  iriunt]  trawt  geselle  ('5;,  ü^?.  3408.  4200.  1112  er 
spr.]  herr.  bräht  fehlt.  1114  allez  daz  (AB).  1116  gewinnen 
(AB).  1118  spr.  do.  1119  nu  waiz  ich.  1120  horte.  1121  ge- 
singen.  1123  als  du  hie  (B).  1126  herr  ich  han.  alhie. 
1127  den]  vnd.  herre]  in.  der]  meiner.  1136  wil  sein  got  (B) 
verriichen.  1137  vor]  in  dem  =  B.  1138  ist.  1139  werleich 
=  B.  zu  1138/  vgl.  Bech,  Litteraturbl.  5,  132.  1140  traw  fSj. 
nach  1140  rote  Überschrift  Hie  bort  nü  wie  Eraclius  versucht 
wart  mit  dem  stain  vnd  mit  manigerlay.  1141  getan  =  B. 
1143  chain  frist  lenger  b.  (B).  1145  wesen.  1148  schiere]  do. 
1152  was  da.  1154  zu  end.  1159  =  5.  1160  namen  si  ==  B. 
sä  fehlt.  1161  sein,  lies  sine  vgl.  Schröder  aao.  572.  1164 
liezen  si  in  [da].     1166  =  5.     1168  zwo  gut  meil  =  B.     1171 


308  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

nach  1172.  1171  chainen.  1173  wolt  im  dann.  1174  molU 
so  lang  1.  1177  wazzer  so.  1179  lebeutig.  1182  was  si  s.  (B). 
1183  des]  ez.  1184  do  wolt  er.  1186  =  5.  1189  nach  1190. 
1189  od  ob]  wann,  gesaget  =  5.  1190  Eracli  was  gar  vnver- 
zaget.  1191  gen  eine  (B).  1192  zugen  her  auz.  1193  was 
der  1.  [worden].  1195  ab  pant.  1197  sin  —  guot]  ez  mag  erst 
werden  (B).  1198  =  5.  1301  ez.  1202=5.  1204  niuwan 
fehlt  (B).  1206  ir  mit  mir  müzt.  1207  ir]  ich.  han.  zu  ge- 
toufet  vgl.  Beck  aao.  132.  1208  ir]  ich  =  B  (vgl.  Mafsmamis 
apparat),  han  =  B.  1209  vnd  daz  es  ew  n.  g.  1210  (Schröder 
aao.  573.  Bech  aao.  132)  s.  unten  la.  zu  1287.  1211  darnach 
hiez.  1215  =  5.  1218  hartist.  1219  unz  es.  1222  ich.  ez] 
daz.  1224  =  AB.  1226  ein  fehlt.  1228  der  in  =  B.  1232 
Westen  doch  waz  si  rächen.  1233  haz.  1235  selten  suzzer  smac. 
1236  er  ist  s.  der  betwingen  m.  (B).  1237  mit  der  czungen 
seinen  m.  (B).  1240  sich  alles  des  wil  säten.  1241  waz  im 
vailes.  1242  schir  sein  habe.  1243  da]  dar.  1244  E.  dem. 
1245  wolt  es.  verdagen.  1246  begund  er  es  sagen.  1247  er 
sprach  man  zeihet  mich  (B,  vgl.  Bech  aao.  132).  1248  sei  =  B. 
1249  =  5.  1250  dirre]  dir  der.  ihte,  das  C  allein  bietet, 
wurde  schon  von  Haupt  aao.  164  vorgeschlagen.  1251  s.  t.  hau 
ich  erchant  (B).  1253  selb'.  1257  torst  ich  sein  (B)  genenden. 
1258  herr  türrt  ir  nicht.  1261  da.  1262  ich  entar;  bei  Graef 
lies  getar.  1263  tut  es  herr  ez.  1266  er  sich  hüb  =  5. 
1268  daz  er  gie  almitten.  1269  so  daz]  an.  1270  daz  har. 
1274  vnd  namen.  1276  dö]  dar  nach.  1277  von.  1279  der] 
die.  mit  recht  nimmt  Bech  aao.  132  anstofs  an  dem  unmotivierten 
conjunctiv  zilge;  er  bevorzugt  daher  die  la.  von  5  und  liest  die 
du  suge  (:  luge) ;  alleiii  dann  wäre  die  amme  neben  der  mutter 
überflüssig;  lies  wol  geschehe  der  ammen  und  der  muoter,  die 
dich  zugen  :  luge.  1280  der]  einer  =  5.  1282  waiz.  1283  an 
den  rossen  (B)  als  an  den  stain  paideu.  1284  vil  wol  wil.  des 
bescheiden.  1287  —  90  stehen  zweimal:  nach  1210  und  hier. 
1287  wold  aber.  1288  bat]  hiez.  1289  er  sprach  wir.  1290 
noch  fehlt,  in  Graef s  Variantenapparat  lies  den  stein  5.  1291 
iemen]  indert  (B  1292).  1292  einen  man  (B  1291)  under. 
1293  wolt  (welle  5  ist  bei  Graef  ausgefallen).  1294  hab.  1295 
oder  erslan  =  5.  1297  auch  solt  ir  herre  im  es  (B).  1298 
werleich.       1300  mir  sein.      1301   nie]    nindert.      1303  alles. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  309 

1304  al  der]  aller.  1306  daz  sei  seit  ir  sein  habt  begert 
(B).  1307  nach  1308.  1307  erlaubt  (B)  es  vns  b.  1311  vil] 
woI  =  ß.  1312  nü  herr  sprach.  1313  =  ß.  1314  er  er- 
zaigt.  1316  entwerichs.  1318  =  ß.  1319  gen.  1321  es 
was  =  B.  alles  vnmer.  1322  als  ob.  1323  an]  san.  1324  fuder 
=  A,  vgl.  la.  zu  731.  1327  Der  chaiser  rait  dannen  =  B. 
1330  =  5,  vgl  Herzfeld  s.  11  und  v.  736  la.  1333  die  fehlt. 
in  diu]  vber  all  daz.  1334  do[ch].  1335  warn  an.  1341  piiln. 
1342  in.  und  fehlt.  1343  Lamparten.  1344  pot  dar  als  ich. 
1346  daz  er  n.  lenger  solt  fr.  1349  er  es.  1350  gedecht  (B). 
1351  man  ims.  1354  daz  wer  in  seinem  m.  1356  =  B. 
1361  umbe  fehlt.  1364  daz  man  sein  wol  (B).  1365  vnd  fleiz- 
zichleich  (B).  1366  unde]  si.  all  den.  1367  daz  in  geboten 
was  (B).  1368  man  es  an  dem  prief.  1370  ir.  1371  =  B. 
1376  da  liezen  si.  ross.  1378  die  (AB)  ross.  1383  =  B. 
Lutring  :  Kerling,  lies  Lüteringen  :  Kerlingen  (Schröder  aao.  573). 
1385  ir]  der.  torst.  1386  ensamt  habe]  pey  ein  ander  het. 
1389  beide  fehlt  ==  B,  vgl.  zu  1549.  1390  do  es  (B).  1391  E. 
den.  1396  des  wolt  er  nicht  (B).  1397  daz  si  es  durch  nicht 
\.  (B).  1399  al  zehant  =  B.  1403  mein  trechtein  walt 
des  (B),  lies  min  trehtln  waldes  hiute,  vgl.  455.  1406  =  B. 
1409  dö]  doch  (B).  1410  =  5.  1413  auz  d'  mazzen  (B). 
1414  erst  errait  (B),  vgl.  Mhd.  wh.  2,  1,  736.  1418  an]  in. 
1421  in]  es.  1422  gilt  man  ist  daz.  1424  got  waiz  mich  des 
luczel  tawr  (B).  1425  ich.  1426]  nü  bedenk  dich  gar  eben] 
waz  ir  mir  gebt  dariimb  |  daz  gerewt  ew  nymm.  1427  sam]  als 
=  B.  1428  =  B.  1430  got  waiz  wol  fr.  ir  seit  nicht  (B). 
1431  ir  erchennet  =  5.  1432  tun  ich  alles  sein.  1433  er- 
chenn  es  also  doch.  1434  und  1595  lies  mit  Schröder  volzende. 
1437  ist  auch  daz  =  ß.  1438  =  5.  1440  sint  als  fßj  ein.  1443 
=  B.  1444  ez  ist  auch  gar  snel.  1445  czelt  ein  luczel  (AB); 
auch  ich  glaube  gegen  Schröder  aao.  s.  573  dass  lützel  zu  streichen 
ist.  1446  genemer  =  ß.  1448  ob]  daz.  1450  daz  ich  in  her  br. 
1451  entweich.  1452  wftrd  sein.  1454  erlost  =  A.  1457  oder 
swach  oder  =  A.  1465  wären  fehlt.  1467  man  e.  lobt. 
1468  der  tobt.  1469  lies  mit  Schröder  entwerte;  Mafsmanns 
und  Graefs  angaben  der  la.  divergieren.  1471  behielt  seinem  =  B. 
1472  ==  B.  1473  und  als  pös  ir  (B).  1477  dinen]  dir  (B)  den. 
1479  rukk.    nach  Mafsmann  liest  A  zehowen,  vgl.  Herzfeld  s.  13, 


310  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

tco  die  stglen  vertauscht  scheinen.  Graef  verzeichnet  nichts.  1480  ge- 
torst.  1481  vvirdest  heut  wol  gerauft  (B).  1482  välant]  voln. 
ursprüngliche  la.  wol  nü  dii  den  volen  hast  gekoulet.  ez  ist  des  vä- 
landes  rät  (vgl.  5347).  1484  hie  uail  st.  1488  heiz]  liest,  siz] 
sein  ist  (B).  1489  vud  liest  es  da  (B).  1490]  wie  lang  weit 
ir  daz  treiben.  1491.  2  fehlen.  1495  gelot  (gelöste  A).  nach 
1495  daz  taten  sie  hart  not  silber  vnd  golt  rot  =  A.  die  un- 
echtheit  der  beiden  verse  nach  1495  ist  zweifellos,  vgl.  Herzfeld 
s.  8.     1499  genuoc]  noch  die. 

1500  wider  ir  w.]  under  weilen  =  B.  irs.  1502  sin]  ez. 
1503  ist  in  ein.  1506  ir]  sein  (ein  A).  da  mite  fehlt.  1508 
rote]  Yioi(B).  1509  erwerbent]  er  versenkt.  1510  =  J5.  1511 
==  B.  1512  fröleich.  1513  =  5.  1514  der  chaiser  F.  1515 
=  B.  1516  =  ß.  1517  si  dar.  1521=5.  1525  an  allem. 
1526  er  wundert.  daz  =  B.  1528  ezn]  es.  schein]  chain. 
schein  ist  beizubehalten  gegen  Haupt  (Graef  s.  21)  mit  Herzfeld 
s.  17.  nach  1528  des  müsten  von  recht  iehen  die  es  schawü 
mftsten  vnd  sehen.  1534  vil  fehlt.  1535  secht  =  B.  1537 
chaufstü  den.  1538  pain.  1539  wol  fehlt.  1541  keiser  fehlt. 
recht  sagen.  1544  uns]  im.  mugen]  muzzen.  1545  =  B 
(Schröder  573).  1547  als  m.  gut  pf.  1548  vint.  swes]  des, 
1549  =  5,  vgl.  1389.1485.  1550  ist  =  5.  1551  erriten 
=  B,  vgl.  zu  1414.  1556  man.  zwei  hundert  =  B.  1557 
=  B.  1558  waiz.  in  truoc.  1559  ze  jungst  zu  einem  vil  arm 
man.  1561  ein]  die.  1563  vnd  pot  si  vmb  drithalb  (B).  1564 
=  B.  1565  ern]  vnd.  1566  in  sechzich  march  gewern  (B). 
1567.  8  fehlen.  1570  =  B.  1571  beten  des  chainen  zorn  (B). 
1572  also]  gut  so  (B).  1574  also.  1578  daz]  d'.  1580  ge- 
want.  1581  so  ist  ez  herr.  1584  sicherleichen.  1585  =  B. 
1586  und]  noch  ==  5.  1588  [al]zehant  (ij.  1593  =  5.  1594 
laufft  es  aber  in  gleich  nicht.  1595.6  fehlen.  1597  gelig  ich 
so.  1598  =  5.  1601  hie  /eM?.  1605  Sus  enpot.  1607  vnd 
dem]  von  den.  1609  den  (AB)  chamrern.  den  (AB).  1610  wol- 
den]  hulfeu.  1612  an.  1613  =  iS.  1614  sie  bat]  gepot. 
1617  =  5.  1623  gen  dem.  1625  zweifei  den  er.  1627  die 
im  volgten  auz  der  stat.  1628  die  leut  die  er  sein  nicht  eupat. 
1631  ein  lange  verr  (wech  ij.  1632  daz  =  5.  ze  \i\  =  A. 
1635seinn  f5J.  1638  =  5.  1639  ouch /'e/j/?  =  5.  da  pei  nahen. 
1640  an    einander   si   genüg  sahen.      1643  =  5.      1652  =  5. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  311 

1654  tet  er  dem  ross.  1656  ers  (B).  rürte.  1657  er]  es.  en- 
phant.  1658  es.  hüb  zeliant.  1659  danu.  es  =  B.  1661  do 
was  er  =  B.  1662  d!  des  wunder  namen  (B)  der  warn  vil. 
1665  dar]  do.  1671  all.  1672  [ez  wjere]  wolt.  1673  so  wer 
ez  snel.  1675  des]  daz.  1676  all.  1683  do  er  nicht  wolt. 
1684  im  seh.  1687  rote  Überschrift  hie  hört  nfl  wie  Eraclius 
versucht  wart  mit  den  t'rawen.  1689  froleich  ze  seinem  (B). 
1692  harte]  weit  daz,  vgl.  Herzfeld  s.  11.  1694  der  sp.  wart. 
1697  auch  spat.  1699  seinem.  1701  selb.  1702  getorsten 
si  nicht  lan  (B).  1703  wern  sein  fleizzig  a.  1704  =  B.  1705 
an  reichen.  1707  vnd  was  erst  zu.  1712  rehte  k.]  czu  den  ern 
czem.  1714saroch.  1716  der.  1719  an  genug  mannen  schein 
(B),  vgl.  Herzfeld  s.  12.  1721  wan  ich  an  zw.  pin  gewis. 
1728  ich  wil  ez  wizzen  ane  wan.  1731  chewsch  oder  vnrain. 
1732  friunt  fehlt  =  B.  k.  vnd  erwel.  1733  und]  czu.  1734 
ich  fehlt,  nemen]  tragen  'B  1735).  1735  auf  irm  haubt  die 
chron  =  B.  1736  des  wil  ich  dir  immer  Ion  ^B).  1738  =  B. 
1741  ==  B.  1746  lehn  sint  von  des.  1747.  8  fehlen,  dafür  ir 
weit  ew  lazzen  weihen  |  so  miizt  ir  ewch  ee  gleichen  |  mit  einer 
magt  czu  ewr  ee  [  so  sawment  si  sich  nicht  me  (in  B  fehlen 
1747—50).  1749  vnd  begint.  1750  pit.  1751  her  (ßj  czu  Rom. 
1752  leben  si  suln  sein  fr.  1753  engelt  sein.  1755  schonest. 
1757  hibeer]  piderb.  1758  enpiet.  1761  niftel  daz  ers  dar  zu 
disem  tag(eding?)  1762  auf  den  hof  her  pring.  1763  sult  des 
[£j  offenleich.  1764  spehen.  1766  welhew  under  in  ewg.(B). 
1769  suU.  1771  so]  wann.  1772  ez  sull  si  h.  (B).  1776  wann. 
1779 /?es  ze  stete  (Mafsmann  und  Schröder).  1180  ==B.  1782 
haben]  nemen.  1784  =  5.  1786  do]  daz.  1789  materi.  1792 
so]  do.  1798  bericht.  1800  weuilt.  1801  daz  warm  w.  wart 
zeriben.  1802  beschriben.  1803  irm.  1805  sä  fehlt.  1807 
diu]  den.  1809  dik.  1812  herren.  1813  raitt  wol  in  vant  ge- 
bessert. 1814  dem  h.  dem  er  wart.  1815  sagten.  1817  do 
erchanden  si  wol  irs.  1818  do  lobten  si  ez  vnd  daucht  si 
(A).  1819  ir  vil  bieten  sein  gern  enporn.  1820  den  fürsten 
was  ze  mazzen  z.  1821  niht  fehlt.  1823  die  frawen  b.  irn. 
1825  vazzen  (£1824  iind  la.  zu  736.  1330).  1834  wun- 
nichleich  =  £.  lies  wunnecliche.  1836  wol]  da  =  5.  1837 
zuo  fehlt.  1838  ir  fehlt.  1839  oder  wie  si  im  an  d'  sipp. 
1842  erweit  vnd  nem.      1843  so  ensolt  (B)  si.      1844  si  liezz 


L 


312  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

sein  ir.  1845  =  ß.  1847  da]  daz.  1848  haben.  1849  ge- 
lohent(B)  vnd  czelent.  1850  die  weil  si  czu.  1851  [in]  danne. 
1852  seigent.  1854  =  ß.  1859  das  zioeite  diu  fehlt  =  B. 
1866  =  ß.  1867  vil]  wol  (B).  1868  ich  wen  (AB  und  so  auch 
zu  lesen  mit  Bech  aao.  132).  ie  man]  niemand.  1869  pey  ein 
ander  so.  manic  fehlt.  1871  als]  daz.  1874  vnd  rait  do. 
1875  mit  grozzer  minn.  1876  des  fehlt,  inn.  1877sach  =  ß. 
1878  ==ß.  1880  allen.  1882  vmb  die.  1884  prachten.  1888 
vnd  daz  si  alle  morgen  frü.  1891  daz]  es.  1892  erweln.  1894 
vnd  die  dem.  1896  ouch]  doch.  1897  die  sinne  fehlt.  1899 
magt  vnd  weih.  1900  der  bechant  ir  hercz  vnd  leib.  1903  er 
niüst  es  ain  enden.  1905  s6]  do.  1907  vil]  wol.  1910  do 
rait  er.  seinen.  1919  auch  da  genüg.  1923  si  sein  [guot]. 
1925  muot]  leben.  1927  hiezen  in  daz.  1932  wart  m.  har 
(B)  gepunden.  1933  manige.  1934  geleist  wol  an  den.  1936 
kleine]  rain.  1937  =  B.  1939  allen  landen  (Bj.  1940  geslagen. 
1941  die  preisten  si  =  B.  irn.  1945  die  reichisteu.  1947  solten. 
1948  stain  vnd  von  gölten.  1952  prawn  grün  vnd  hermleiu  (B). 
1955  grüene /eÄ/f.  gel  vnd  r.  1956  =  J5.  1957mazee.]  müzz 
erchenn.  1958  des  ich  für  benenn.  1964  dö]  daz.  vol]  wol 
(AB).  1970  zu  samen  si  do  sazzen.  1972  Eraclius  der.  1973 
den.  1974  =  ß.  1975  iht]  chain  weis.  1976  und  balde]  daz 
er.  1983  mauig.  1988  =  ß.  1989  im]  auz  in.  1990  =  i. 
1991  [wol]  haben.  1992  irn.  1994  der  chewschait  wolt  si 
walten  (B).  1995  und  fehlt.  1996  geben.  1997  ir]  den  sinn 
vnd  den.  1998  an  die  hab  =  5.  an  fehlt.  1999  gar]  all  (B). 
2001  vnd  des  auch  [vil  ser]  v.  2002  immer  man]  ymand  (B). 
2003  boese  fehlt.  2006  swer]  der.  2007  chom;  hei  Graef  lies 
kumt.  2009  liez.  2014  wünnesam.  2015  wol /"eÄ/;  =  5.  vnd 
so  seh.  2016  geczem.  2017  grozz'.  2019  — 28  /"eÄ/m  =  ß. 
2029  Eraclius  si  also  lang  an.  2032  guot  fehlt.  2036  ist  wol 
mit  ir  g.  2039  irs.  der  war.  2040  also  het  si  ez  g. 
2041.  2  fehlen.  2043  was  fremde.  2046  sie]  sich  lieb.  2047 
=  B.  2048  =  B.  2053  =  B.  2055  des  wart  er  leider  nicht  g. 
2056  irm.  2061  daz  ich  nimmer  mer  solt  erwarm.  2062  seinem 
linden  arm.  2063  mer  fehlt.  2066  =  B.  2068  geniezzen 
mein'.  2069  in  elwenn  sprechen  sol.  2070  ich  liezz  sein 
nicht,  zu  2069.  70  vgl.  Schröder  aao.  565.  2071  ich  tail  im 
mit  (B)  daz  ist.     2072  vnd  mein  g.     2075  pat.     2076  bat  fehlt. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  313 

darnach  (dar  naher  B).  2077  viere]  mer.  2078  vil  seh.]  czu 
wer.  2080  edles  k.  wie  sagstii  nu  (B).  2081  dune  darft]  du 
endorft.  2082  mochstu.  2085  sprecht  niht]  sprach  si.  2086 
Eracli  der.  2087  erchanten  =  B.  2088  er  sprach  fehlt.  2089 
iuwer]  die.  2090  an  —  möre]  hinwider.  2091  sich  vmb. 
2092  E.  der  gie.  2097  also  gach.  2098  allen  warn  nicht. 
2099  wann  eine  die  im  wol  g.  2103  sach]  sprach.  2103 
kupfer.  2104  edler,  ein  fehlt.  2105  an  ein  =  5.  2106  =  ß. 
2108  auch  wen  nicht  han.  2109  ich  sein  vo.  verjehen  =  5. 
2111  =  iß  (Graef  s.  11  f).  2114  gewer  =  i  nach  Mafs- 
manns  apparat ,  während  Graef  nichts  anmerkt;  vgl.  1041.  1691. 
4339.  2116  si  beschawte  =  ß.  2117  ich.  2119  die  fehlt. 
2121  dem.  2123  in  fehlt.  2124  den  eschen  vnd  zerstört. 
2125  wol  fehlt  =  B.  waz  darunder.  2126  dem.  2128  er 
dacht,  2129  noch  nie.  2130  swenne]  ob.  2133  sol.  2134 
=  B.  2135  den]  disen  =  B.  2136  müezz.  2138  vil  ich. 
2139  nach  40.  2140  ich  müz  von  genügen  (B)  dulden.  2143 
czu  laid.  2145  ==  B.  2146  wann  ob  ich.  meiner.  2150  nem. 
2152  vnd  er.  in  allgerichl.  2153  7iach  54.  2153  ander  den 
=  A.  einen  gr.]  wart  ein.  2154  er]  vnd.  2155  wann  ev  si 
hiez.  2157  swach.  2160  =  B.  2164  wann  (B)  ich  hewt  vinde. 
2165  swöchisten  w.  es.  2166  vnd  daz.  2169  haim  ze  h. 
2171  mit]  pey.  vor  2177  rote  Überschrift  Hie  bort  nü  wie  Era- 
clius  ein  dirn  czu  einer  chaiserin  machte.  2177  =  B.  2178  dö| 
daz.  2180  sach  =  B.  des]  als.  2181  nach  82.  2181  vnd 
als.  2182  und]  als.  2184  da  fehlt.  2185  so  schönes.  21S6 
nie]  nicht.  2187  ir  I.  gehewr  was.  2188  an  alle  sewr  was. 
2189  als  fehlt,  ir  der  leib.  2190  weiser.  2194  daz  er  [allezj 
(B).  2195  igleiches  gar  ein  t.  2196  vnd  [ir].  2197  nie  fehlt. 
2198  unz  daz.  3300  schaub  (B)  gedekt.  2201  der  w.]  die 
wend.  der]  daz.  2203  =  B.  2204  =  B.  2205  daz]  des. 
2208  die  sach  er.  2210  die  was  (B).  2212  irm.  2213  Ion 
ew  got  waz  gepiet.  2214  wan]  daz.  ir  fehlt.  2215  nach  10. 
2215  wes  ist  =  B.  2216  rieht  mich  sein  1.  muter  (B).  2217 
frag  sein  nicht  wan.  2218  ew  herr  =  J5.  2221=5.  2222 
=  B.  2223  wat.  2224  ist.  2225  daz  hie.  2226  unz  fehlt. 
2228  uns  dirre]  sey  disr'.  2229  =  ß.  2235  funden  han.  2236 
czu  kurzen  [stunden]  han.  2237  si  sol  chomen.  2238  hail  daz 
sol.  2240  herr  ir  wirt  wol  lat  (B).  2242]  alsam  ist  sein  ge- 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  21 


314  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

pot  (B).  2243  fuDfczik  fr.  (fünfe  tusent  A).  2244  let  man 
hewl  seh.  2245]  einen  jungen  weisen  m.  2246  wann  er  wo). 
2247  ir  igleich  h.  vnd  irn.  2250  paid.  2255  =  B.  2256  so 
e.  ir  mich  =  B.  2257  da  fehlt.  2259  man  ez.  2260  chund. 
2262  er  genemen  m.  2266  und  mein  h.  damit  g.  (B).  2267 
der  fehlt,  ir]  im.  2268  daz]  ir.  2270  dö]  darnach.  2272  sahn 
an  ein.  2277  reichen  chaiser.  2282  =  B.  2286  nü  fehlt. 
2288  hahen.  2291  si  ist  der  e  nim'  aiu  (Graef  s.  \S  f).  2292 
pain.  2296  =  J5.  2298  pei  eine  weih.  3305  so]  wie.  ymmer. 
2307  selb.  2309  eür  huld.  2310  ez  chom  (B)  von  ewr  schuld. 
2311  gerne  — ir]  daz  ist.  2314  ze]  so.  2315  =  5.  2316  er 
ez.  2317  went  seinen.  2318  er  sprach  (A)  hei.  2320  von  ir 
fehlt.  2324  after  w.]  enweg.  2328  mit  seinen  lürsten  saz. 
2329  schonen  an  enphang.  2330  =  B.  2334  äugen.  2335  er 
biet  Schoners.  2336  des  auch  die  fürsten  müsten.  2337  da] 
im  pey.  2339  musten  si  (B)  do  pr.  2344  zouwen]  czwo  schawen. 
2345  die]  der.  2346  die]  si  =  B.  2349  ez]  ir.  2350  ez  ba- 
deten] eylten.  2353  chünd.  2355  nach  56  =  B.  2356  het  im  g. 
2357  offenleich  wolt  er  prewten.  2361  und  daz  si  in  1.  s.  bevolhen. 
2362]  daz  si  sein  zorn  icht  musten  dolen  (B).  2369  daz  sie  ze 
r.  sollen.  2370  gewan.  2371  von  gewant/ßj  vnd  waz  ir  was  b. 
2372  in  fehlt,  haut.  2373  ir]  der.  2374  =  B.  2375  gepot. 
2376  dem  h.  2378  in  vnd.  schoene  fehlt.  2380  der  cardinal. 
2382  =  B.  2383  sä  fehlt.  2384  darczu  ander  ir  (so  steht  auch 
wol  in  B)  gewant  (B).  2385  sein  zepter  und  sein  (B).  2388  wol 
dreizzik  (B).  2390  des  den]  sein  d'.  daucht.  2392  =  B.  2395 
wann  er  was  im  wol  geslacht  (B).  2396  =  B.  2397  maniger 
varunder.  2399  die  wurden  reich  zehant  (B).  3401  man  legt 
sumleichen  an  (B).  2402.  3]  daz  sein  vater  nie  nicht  so  gutz 
gewan.  2404  fehlt,  zu  2401—4  vgl.  Schröder  aao.  565.  2407 
im  entwaich  daz  v.  und  zergie  der  schal.  2409  ouch  fehlt. 
2410  junchfraw.  2411  legt  man.  2412  üt'  ir]  czu.  2413  daz. 
2414  des  die  junchfraw  nie  mer  b.  2415  diu  fr.]  daz  pet. 
auf  das  unverständliche  des  Graefschen  textes  hat  schon  Bech  aao. 
132  aufmerksam  gemacht.  Mafsmann  las  die  frowen.  2416  er 
macht  irs  also  frömd.  2417  wa  ez  hin  cham.  2418  noch  zam. 
2419  Vi\  manig.  2420  schirmt  sich  mit  yrm.  2421  unz]  so 
daz.  2428  geloben  noch  v.  (B).  2430  endete  swes]  tet  wol 
(B)  viäz.    '2434  dient,     zcu  aller  =  5.     2436  schönes.     2438 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  315 

die  gewan  (B)  von  lieb  (lob  A)  den.  2439  den]  die  e.  2440] 
daz  niemand  volloben  chan.  2441  nach  42.  2441  volsagen  von 
irr  t.  2442  die  [diu]  fravven  in  irr.  2445  ir]  sein.  2452  welches. 
2459  =  B.  2460  =  B.  2461  werleich.  2465  daz  fehlt.  2467 
h.  darczu  twank  (B).  2468  [er]  eines.  2470  rail  =  B.  2473 
dann  si  was.  2474  von  dem  reichen  chaiser.  2475]  muez  ich 
ew  sagen  (B)  m.  2480  phenden.  2487  der  maz  het  er  sich 
bewegen  (B).  2488  sus  —  leben]  also  phlegen.  vor  2489  rote 
Überschrift  Hie  bort  wie  der  chaiser  in  ein  hervart  wolt  varn 
vnd  wie  er  der  chaiserinn  hiez  hueten  des  er  sere  entgalt.  2489 
Nv  chomen.  2490  der  dacz  Ravenn  herre.  2493  gewaltichait. 
2496  als  si  von  gots  gnaden  ist  worden  seit  (B).  2497  man 
sagte  fehlt  =  B.  er]  vnd.  mit  seinem  =  B.  2499  Anchuch 
(Anschouwe  A). 

3500  die]  da.  gewuchst.  2501  vil  swer.  2503  Senatoren] 
eltisten.  2506  an]  in.  2508  den  edlen  f.  in  die  laut  sant. 
2510  er.  2516  der  h.]  er  des.  2517  s6]  do.  auf  geleit  =  5. 
2518  was.  2519  michel  fehlt.  2521  an  dem  h.  vnd  an  dem 
1.  (B).  2523  wolt.  2524  also.  2526]  daz  si  icht  verlür  ir  er. 
2528  =  ß.  2530  als  er  slaffen  fß;.  2531— 60  /"eWen.  2563 
=  B.  2568  es  mag  nü  nicht  anders.  2569  dann  als  mir  got 
gunnen  hat  (B).  2570  ich  biet  gern  (B).  2571  =  B.  2572 
an.  2573  so  müz.  binnen.  2574  chaiserinnen.  2579  daz]  die. 
2585  heizen]  lazzen.  2587  =  ß.  2589  ichs  bepbelen  (vgl.  AB; 
Graefs  verheln  ist  unnötige  conjectur,  lies  enpheln  oder  beveln, 
s.  auch  Bech  aao.  132).  2590  diebe]  den  man.  2591  daz]  es. 
2595  wo.  3603  noch  gesagen.  2603  der  herr  her  S.  (B). 
2604  weih.  2605  vnd  von  Sampson.  2606  genoz.  m  Graefs 
apparat  muss  es  statt  2605:2606,  statt  2606  —  10:2607  —  10 
heifsen.  2607  daz.  vil  bedacht.  2608  si  es.  habent.  2609 
nach  2610.  2609  des  pin  ich  in  grozzer  rew.  2612  also.  2613 
rehte  fehlt  =  B.  wurffelspil  (topelspil  A).  2614  ze  fehlt  =B. 
2616  riehen  fehlt.  2618  von]  in.  2620  =  B.  2622  eines 
rechten  manne.  2624  armer  fehlt.  2627  habt  ir.  2629  star- 
ken t.]  tieffen  turn  (B).  2631  =  B.  2632  daz]  vnd.  2633  aber 
fehlt,  einen  frümen  ritter  veht  ==  B.  2634  let.  2639  den] 
dem.  geben.  2640  =  B.  2641  ze  s6re]  zeher.  2643  vnd 
schundet  (A).  2646  ich.  2650  ich]  vnd.  2653  sagen.  2659 
mirs  also.     2660  müg  an  ang  (sie)  v.     2662  niht  w.]  missetan. 

21* 


316  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

2664  al  diu]  alle  (A).  2665  lazz  si  (B).  2666  =  B.  2667  sol] 
selben,  chain  schult.  2668  dich  sein.  2669  ez.  2670  ich. 
merken  =  B.  2671  so  recht  zam  (B).  2673  wart.  2674  wan] 
wern  nicht.  2675  maniger  würd  vil  s.  2676  der  von  dem  streit 
wol  reit  g.  (B).  2679  die  sich  fleizzent  [an]  r.  tet.  2680  sey 
des.  let.  2681  ie  fehlt.  2683  7iach  84.  2683  sanfte.  2685 
wes  d.  des  er.  2686  an  daz  er  tun  müz  mit  v.  2687  als]  es. 
2688  irm.  2689  sin]  ein.  2690  dem]  ewrm.  2692  daz]  es. 
nach  2692  so  ist  ein  ander  dem  daz  wirt  |  daz  im  die  chunst 
irrt  I  so  ist  aber  ein  ander  man  |  der  enmag  wie  wol  er  chan 
(in  B  fehlen  2683 — 96,  die  verse  in  C  könnten  ursprünglich  sein,  in 
A  ausgefallen  durch  das  homöoteleuton  kan).  2693  si  irrt.  2694 
daz  si  von  schäm,  er  fehlt.  2697  zergan  =  B.  3703  chain  es 
seines  m.  (B).  2703  =  B.  2704  oder  er  g.  2708  der  wer 
pezzer  gewesen  v.  2709  der  was  prait  vnd  hart  (B).  2710  ge- 
legt (B).  2712  widerret.  chain.  2715  enphalch  =  ß.  2721 
fehlt.  2722  nacht  leng,  g  nur  teiliveise  zu  lesen.  2723  gen 
Rauenn  |  (560")  auf  daz  velt  an  den  pl.  2724  er]  vnd.  2725 
paidenlhalben.  2726  pürger.  2728  wann  si  wollen  v.  2729 
der  wart  sein  gewar  in.  2730  da  fehlt,  haude]  slacht.  2731 
=  B.  2735  witib  vnd  manig.  2737  dar  nach]  furbaz.  2741  so] 
als.  2744  lob  erwarb.  2754  von  seinem  weih  wil  ich  s.  2759 
er.  2762  =  A  (vgl.  2955)  lies  got  durch  din  guote  beteuerungs- 
formel?  2765  lät]  hiez.  2770  man  mac  wenen  ich  (B).  2773 
wizz.  2774  mich  fehlt.  2115  mich  unz  her  also  b.  2778  alhie 
beslozzen  (B).  2781  geiehen  =  ß.  2788  ich  chan  wizzen  von 
welche  (B).  2789  müg  han  g.  2791  =  B.  2792  ez  im  g. 
2793  oder  im  hat]  auf  mich  vnd.  2794  mich  also  unert  (B). 
2795  mit  vor  mir.  2798  irm.  2799]  die  irn  leib  n.  envvert. 
3800  die  selb  seid  ist.  2802  vnd  gern.  2807  er  icht  tet. 
2808  ob  mich  sein  all  die  w.  jik  (B).  der  was  [vil]  fßj.  2810 
irr.  2811  irs.  2814  eines  grozzeu  spiles  (B)  alle.  2815  an  e. 
w.]  ainen  weis.  2817  ein  genndem.  2823  dorft.  2825  ge- 
decht.  2826  echt.  2827  man  ez.  iht  fehlt.  2828  im  fehlt. 
2831  =ß.  2833  =  ß.  2834  schirm.  2836]  gegen  herpfen 
rotten  singen  (B).  2838  schön  magd  vnd  schon  fr.  (B).  2839 
noch]  Nv.  2843  ir]  daz.  2844  und  so]  wenn.  2845  nach  2846. 
2845  daz  der  chaiser  was  leicht  oder  swar.  2848  si  die  poten. 
2849  =  ß.      2850  irs.      2851  I.  danne   pit.      2852  hin  wider. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  317 

2854  in  daz.  2855  die  frawen  (A)  [und]  (B).  lies  mit  Behaghel 
die  der  frouwen  pflägen.  2856  gehorten.  2857  irn.  2858 
daucht  si  ubil  (B)  oder.  2859  dawider.  2860  und]  noch. 
2862  ouch  fehlt.  2867  irr.  2868  zu  rossen  und  zu  fuzzen  der 
was.  2869  die  zehant  gen  ir  [6ä].  2871  chsem.  2872 — 5  fehlen 
(homöoteleuton).  2878  trawten  si  chain.  2880  chüner  (chun- 
dich  B  listec  A).  die  la.  von  C  ist  jedes  falls  die  der  Situation 
allein  entsprechende,  aber  mit  rücksicht  auf  AB  doch  wol  nur  con- 
jectur.  vgl.  zu  2981.  2881  der  gerüren  torste.  2883  unde  nä] 
hinden  nach  (in  Graefs  lesartenapparat  ist  2883  statt  2884  zu 
lesen).  2885  doch  des  u.]  daz  (B)  nicht  n.  2886  si.  2890  eins 
weibs.  2891  so  1.  so.  2892  also]  dar.  2894  da]  so.  2896 
fr.  die  cham.  2898  zertretens.  2899  do  gehabt  (B).  dem 
ring.  3900  dö]  du.  2906  sach.  2912  daz  selb  er  paz  tet  vnd 
chünd  ^5j.  2914  genüg.  2916  =  ß.  2917  geben.  2919  sew- 
berleichsten  =  B.  2921  ye  dorften.  2924  des  alles]  dauon. 
2926  beiwank.  2927  must  laislen.  2931  mit  dem  hirten. 
2932  die  g.  mit  den  wirten.  2933  sie]  so.  2936  mein  frewd 
die  wer  vil  g.  2937.  8  fehlen.  2939  sie]  sich.  2940  hat.  ir] 
dir.  2943  vnd  müsl  ich  reden  (B).  2945  ich.  2946  daz. 
2947  zubaut  von  h.  2948  herre]  der.  2949  so  g.  2951  =  B. 
2957  redleicbe  sinn.  2958  gar]  ser.  2962  des.  2963  ein  tail. 
2966  und  doch.  2967  chain  w.  des.  2968  ich.  2969  mir 
ein  =  B.  2974  mir]  ich.  2978  ich  wont  e.  2980  mich  well 
dann  got  von  himel.  2981  an  s.  und  an  (gute  conjectur ;  Herz- 
felds bedenken  über  die  la.  von  AB  s.  11  sind  hinfällig,  vgl.  2066/7). 
2982  wä  von]  wann  (B).  2984  vnd  versten  doch  wol  daz  (B).  2986 
vil  vnselige  (A).  2988  gestattest  daz  du  die  m.  2989  =  5. 
2992  tet  es.  2994  reiner  seliger.  2995  [doch]  recht  mein  sinn. 
3003  m6r]  auch.  3003  getan.  3006  würden  im  soliche 
mer  chünd  (B).  3008  chünd  er  nicht.  3010  wolt.  3015  val] 
gel.  3016  noch  fehlt.  3018  sin]  der.  3019  in  =  B.  3021 
gespringen  =  B.  3023  die  selben  Sprüngen  vnd  w.  b.  3027 
pidmen.  eschein.  3031  er  enwest  wie  er  solt  g.  (B).  3038 
=  B.  3039  den.  3040  dester  nehenter.  3042  ja  fehlt  =  B. 
herre]  reicher.  3045  ward  solichs  nie  mer  chunt.  3046  ir 
äugen  nas  vnd  der  m.  3049^5.  3050  [in]  (B)  der  warten. 
3051  vncz  an  den  t.  3052  wesen]  geschehen.  3054  liez.  slan 
=  B.      3056  aber]  zwar.      3058  lieb.      3059  dann.      3060  ey 


318  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

(owe  B)  wolt.  3061  hilft.  3064  vnd  wer  (AB  vgl  Graef  s.  19). 
3065  des  w.  mir  als.  3068  ich  sey.  3069  daz  leider  wol  wirt 
b.  3072  iezuo]  nu.  3074  aller  erst  so  müz  sich.  3081  nu. 
3084  wer  [et].  3085  misleiche.  lies  maezlichiu.  3088  nenie- 
lichen]  aber.  3089  si  des.  3093  irn.  3095  mittag,  ergan. 
3097  zu  der  h.  3099  betriege  dann  mein  (B).  3107  mit  allem 
irm.  3112  si  wundert  (B)  all  waz  daz  w.  3116  iu  w6]  daz 
ewch  wo.  3124  släfes]  gemaches.  3125  az.  3126  es  wer  ze 
s.  gar  ze  1.  3128  in  der  n.  3131  auch  an.  3136  nider 
fehlt.  3137  und]  er  =  B.  3138  strahte  sich]  warf  fß;.  3140 
wie]  vil.  erschein.  3142  =  5.  3144  w6  fehlt  =  B.  daz  ich. 
3147  sprach  sein  m.  =  ß.  w't.  3148  P.  sprach  waz.  3149. 
50  fehlen.  3152  wie  so  sun.  3155  verprinne  =  5.  3156  so 
fehlt.  3157  daz  fehlt,  getraw  zwar  nicht.  3160  daz  si  dir  den 
sm.  V.  3161  =B.  3162  rüch  müter  (B)  wie  ir.  3164  [da] 
wirt  daz  ist.  3168  gedecht  (B}  ettleicher.  3170  der]  daz. 
3172  sie  h.  [sie]  =  il.  3175  ich  hör  daz.  3176  chund. 
3177  =  5.  3180  gie  vnd  cham  [sä].  3183  irm.  3187  bat] 
hiez  =  5.  da.  3189  nü  müget  ir  spehen.  3193  er.  3194 
recht  im.  3195  nü  /"eW;  =  5.  mag.  3196  nu.  3197  =  5. 
3201  lieb  =  B.  3203  wa  hastü  den  sm.  3204  dem  h.  =  B. 
3205  wie  ist  daz.  3207  noch  ze  w.  3208  nu  laz.  3212  diu] 
si.  gewaltichleichen.  3214  lies  belouchte  (Schröder).  3216 
mit  dem  (B)  vinger.  3217  nach  18.  3217  si  auch  g.  3222 
als  ich  e  sait  vnd,  vgl.  Graef  s.  10  f.  3223  dünkt  des  s.  3224 
wä]  wie.  bi]  zu.  3229  d.  ich  des  nimmer  tu.  3230  heint 
noch  m.  frü.  3234  bedenke  =  B.  3236  waiz  wol  daz  dich 
(B).  3238  ez]  er.  3241  und]  der.  hiez.  3245  daz  im.  3249 
gen.  3250  und  fehlt,  luczel  w.  da  für.  3251  in  einer  chür- 
czen.  3254  berait.  3256  magt  daz  selb  =  B.  3258  =  B. 
3260  czuhant  czu.  3266  [diu]  hant  äugen  vnd.  3267  eruert. 
3268  menleich.  3269  deinen  chümer  s.  m.  zeln.  3270  vor 
andern  lewten.  3272  dem  fehlt.  3273  nindert  chain.  3276 
=  B.  3278  wollzt  du  mich  in  =  B.  3280  sein.  3281  chain 
dink  dann  d.  t.  3282  allez  an  =  B.  3283  gefrait.  3284  fehlt. 
3285  daz  ist  ein  grozzew  unweishait  (B).  3286  lait  wer.  3288 
fehlt.  3289  mirz]  sein.  3290  dein  s.  (B).  ich  dir.  3292  er  sprach 
des  (=  AB)  wolt.  3294  verlurstü  wizze  =  B.  3295  chainen 
zw.    han    ich.      3296  weiz   got]  errat  es  (B).      3297]  zwar  ich 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  319 

wil  sein  j.  3300  diu]  mit.  3301  daz]  des,  3302  sey  auz  der 
m.  3303  muter  du.  3304  muter  ich  entar.  3305  vmb  welich 
red  tustu  daz.  3307  so  ist  hie  ze.  3309  dem  lewfei  =  B. 
3310  min]  des.  3311  ich  =  i.  3312  vnd  wer  es  halt  die  k. 
3313  vnd  wollzlu  sey  gewinnen.  3314  daz  chünd  ich  wol  be- 
vinden.  3315  manigen  spehen  1.  3316  =  5.  3317  Parides 
rote  initiale.  3318  do  er  an  d.  b.  lac.  3320  sprechen.  3323 
band.  3324  gein]  czu.  3325  er]  vnd.  3326  er  sprach  wol 
==  A.  nach  3327  got  hab  si  in  seiner  hüt.  3328  sei  aber. 
nach  3328  die  man  vmb  sey  tut.  3329  vnd  die.  3330  mich 
si.  3331  =  B.  3332  vnd  ob  si  nu  pei  mir  wer  (B).  3333 
an  müst  sehen.  3334  nimmer]  nicht.  3335  eya  genediger  (B). 
3336  vnd  wer  ich  auch  da  (B).  3337  =  B.  3338  =  B.  3339 
daz]  es.  3340  gern  =  B.  3341.  2  fehlen  (Graef  s.  19).  3343 
raine  muter  ich  such  die.  3344  gut  mir.  3345  so  mag  ich. 
3348  und]  daz.  dir  vil  liebe  muter.  3349  vnd  auch.  3353 
daz  mag  mir  1.  n.  gewern.  3355  hilf,  mich]  mir.  3356  =  B. 
3357  =  5.  3358  so  ist  ez.  3359  rain  fij.  3360  lewg.  3361 
[sol]  geschech.  3362]  die  red  was  gar  spech.  3366]  durch  got 
vnderwint  dich  mein.  3367  vnd  pis.  3369  vil  süzzer.  min 
fehlt  =  B.  3370  vil  guten  willen.  3372  rehte]  edeleich. 
3373  dich  es  n.  rewen.  3374  dir.  3376  edeleich.  3382  des 
gestevvr  deinen  1.  3383—98  fehlen.  3400  mocht  =  B.  3402 
vil  suezzer  sun  P.  3403  mag  ich  daz  anders  icht.  3404  ge- 
legen. 3406  tu.  3407.  8]  daz  ist  mir  ein  chlaine  arbait  |  stand 
auf  vnd  bis  gemait.  3409  du  soll  nicht.  3411  gesprechn  u. 
traten]  gerürn.  3412  noch  ymraer  zergeu.  3413  =  B.  3414 
solde]  vnd  süll.  3415  czehen.  3416  ich  verlazz  dich  nimmer  daz 
ist  war  f^j.  3420  varwelös]  mager.  3421  o  we  mir  ==5.  armer 
fehlt.  3422  do  cham  die  frawe  inner  des  (vgl.  3871  la.  und  Graefs 
textl  3423  chemenat.  3424  erlangen.  3425  irm  (B).  3429  den 
chau.  3431  gesegent  =  A.  im]  er  =  B.  ersehen.  3435  den 
fehlt,  ich  fraw.  3436  trewn  fraw  daz  sei.  3437  wie  sich' 
(vgl.  4225  la.)  du  des  wesen  (A)  m.  lies  vil  sicher  du  des 
Wesen  mäht.  3438]  nü  geh  ew  got  g.  n.  hierauf  ir  sult  nicht 
sein  verczait  |  got  geh  ew  gelait.  3439  müz  ich.  paid.  3442 
muter  du.  mir]  vns.  3443  muoter  fehlt.  3444  nü  hab  chainen 
zw.  des.  3445  her  w.  vil]  sün  morgen.  3446  vil  liebe  (in 
Graefs  apparat  lies  er  sprach  liebiu  B).     3447  dir]  euch.     3449 


320  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

irn.  3450  nu  hört  wie  ir  do  geschach.  3453  die.  3456  do 
gevvan  si  die  s.  3457  si  ez.  3458  si  ez  an  gevie.  3459 
ze]  iü.  daz  fehlt.  ein]  ir.  3461  irm.  3463  irm.  nahen. 
3464  zu  dem  pawm  was  ir  gahen.  3465  fruo]  drat.  3467 
==  B.  3468  geezzen.  3469  wann  si  warn  wol  h.  hert. 
3470  ernert  =  ß.  3471  daz  fehlt.  3472  s.w.  mer  dann  halb 
gr.  3473  prach.  vollen.  3474  ze  fehlt.  3475  zemazzen  r. 
oder.  3476  mit  den  =  i.  hin  fehlt  =  B.  3478  porten  [da]. 
3479  die  spr.  =  ß.  3483  pringen.  3484  dir.  engen]  ab  dingen 
(B).  3485  liezen  si.  3487  sin  harte]  des  (B)  vil.  3488  vil 
nahen  (B).  3489  irm.  3490  hoffen  czu  got  alle  doch  (B). 
3494  ja  fehlt,  ich  rat  ir  =  B.  3495  sä  fehlt  =  B.  3497  irm. 
3498  si  sprach  (AB)  guten  m.  vnd  g.  t.     3499  haben. 

3500  versmahen.  3501  =  B.  3502  vnd  han  mir  des  (B) 
erdacht.  3504  =  B.  3506  do.  3507  nach  8.  3507  harte] 
gar  vil.  3512  sie  sprach  fehlt,  ich  hör  ew  fraw  (B).  3520 
dich  fehlt.  3521  doch]  auch  =  ß.  di  gancz  w.  3523  do  han. 
3524  =  B.  3526  ouch]  an  ewch.  3527  wünderleiches.  3528 
auch  in  so  grozzer  (A)  sw.  3530  ich  ez  nicht  g.  chan.  3531 
seinen.  3532  daz  geschieht  [wan].  3533  gestern.  3534  so 
fehlt.  3536  werd  dann  seiner  swer  h.  3539  hrere]  halt.  3542 
ir]  vnd  =  B.  3543  nie  in  die  w.  cham.  3544  ein  so  tugent- 
hafter  man.  3546  ouch  w.]  hübsch  vnd  weis  (B).  3547  =  5. 
3548  herczog.  3549  vil  luczel.  3551 — 3  fehlen.  3554  sawm. 
tiach  3554  ich  wil  wizzen  wer  er  ist.  3555  sie]  fraw.  3557 
entü.  dbbS  \i\  fehlt  =  B.  o\\e  =  B.  nü.  3560  disen.  mich] 
ich.  vberstreiten  =  5.  3565  irn.  3567  nicht  lenger  hie  (^==  ßj 
stan.  3569  und]  du.  3570  ouch]  darczu,  3572  nü  haiz  in  d. 
g.  gedenken.  3574  auf  stund  si  b.  (B).  3575  si  stund  auf. 
3578  =  ß.  3581  nacÄ  82.  3581=5.  3582=5.  3585  huet. 
posen  =  B.  3587  grün,  ist]  sei  =  B.  3588  ezzt  h.  wol  gesoten. 
3589  Cybb'iirkch  (B).  3590  vil  wol  gemischet  (B).  3592  volgt 
ir  mir  ir  wert.  3593  mein  h.  =  B.  3594  die  h.]  zu  Morphea  (B). 
sä  fehlt  =  B.  3595  =  5.  3596  =  5.  3598  =  5.  3599  dann 
got.  3600  noch  vor]  an  dirr.  3602  daz  ich  sei  salb  a.  3603  den] 
der.  3604  ez.  3605  anders]  morgen.  3606  daz  lazt.  3607 
listig  (wizzich  B).  3608  behalt  vnsr'  fr.  3609  sicherleichen. 
3610  =  5.  3611  cham  haim  z.  3615  von  dem  gedenken. 
3616  auf  an  dem.     schiere  fehlt.     3617  =  5.     3618  ew.     3619 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  321 

ir  —  habt.  3620  hab  ich  ewr.  3621  dich  fehlt,  erparmt  ewch. 
3623  habt  ir  sor  misseuarn.  3624  nü  laz  daz  got  von  himel 
bewarn.  3625  vnd  h.  mich  got.  3628  die  hat  mir  des  (=  B) 
zwar  V.  3629  sie]  sei  arm.  3630.  1  fehlen,  doch  steht  unmittel- 
bar nach  dem  letzten  wort  des  verses  3629  das  schlusswort  (arm) 
von  3631.  3632  ez  sey  dann  daz.  3634  des  zweifei  ich.  3635 
süu  nü  sw.  mein.  3636  die  wort  di  ich  von  dir  hab  g.  3637 
hat  dir.  3639  =  ß.  3641  immer]  nymmer.  3642  irm  fßj. 
3643  a  we.  3644  mir]  mein.  3645  in  den]  der.  3647  =  5. 
3650  han  es.  3653  do  vorcht  si.  würd  sein  =  B.  3654  sie] 
ich.  3655  Doch  wil  ich  dir  sagen.  3656  =  B.  3657  czu  hüten. 
3658  daz  alle  gern  dolen  (B).  3660  und]  si.  3662  den  siechtum. 
irm  (B).  3663  ich]  vnd.  ichs  [daz].  3664  ze]gen.  oder  [morgen] 
(A),  ursprünglich?  3665  daz  ist.  3666  waerej  ist.  3667  czü- 
hant.  3673  legt  es  an  (B).  3675  pait.  3677  =  B.  3680  die 
oder  du  v.  was  ges.  (B).  3682  harte  wol]  vil  schon.  3683  ane 
fehlt.  3685  ein  1.  baz]  daz.  36S6  sag  ew  paz.  3688  wart 
hewt  morgen.  3689  vnd  haiz.  3690  ewch  h.  auch,  verlazzen. 
3691  darumb.  3692  mag.  3694  grailT.  3695  gesweigleich. 
3700  acht  =  A  (bei  Graef  ist  im  apparat  nachzutragen  ahte  A). 
3706  soltu  des.  3707  du  habst.  3708  anders /"e/i/f.  3710  den 
suezz  vnd  den  rain.  3713  besprech  vnd  besech.  3714  welhem  list 
=  B.  3715  daz.  mir  allez.  3719  gesein.  3720  liebe  muter. 
3721  =  A.  3723  zwei]  paid.  3724  hiez  si  ir  g.  =  B.  3725 
der  dannoch  was  vil  gut  (B).  3728  verporgenleich  (lies  mit  Beck 
geswäsliche,  vgl.  3695).  3730  geworcht.  3733  einen  hechten 
rubein  (B).  3735  bringt.  3736  redt  =  A.  3737  sagt.  3738 
daz  er  getrew  vnd  stet  sey.  3740  durch  seinen  willen  iagen. 
3742  nü  fehlt  =  B.  3748  ez  biet  gewendet  nieman  den  tot  (B). 
3749  must  =  ß.  3750  liez  si  in  an.  3751  =  B.  3752  sein  h. 
3754  in  einer  chürczen.  dreizk  (dri  B).  3758  ich  wil  sei 
czu  g.  3761  diu]  der.  3762  die  benam  im  die  sw.  3764  heg. 
auch.  3765  ouch  wol]  paz.  3766  im.  3767  was.  3770  tag. 
3771  achten.  3772  waz  ich  ew  (B).  3773  des  gern.  3775 
santen.  irr.  3776  ir]  daz.  3780  =  5.  3782  sie  da  solten. 
3784  die]  si.  3785  schön  vnd.  3787  noch  lügleiche.  3788 
diu]si.  3789  in]  zu.  3790  scholt  =  5.  3791  dar.  3792  wann 
die  rechten  w.  (B).  3794  die  het.  an  dem.  3796  si.  3798 
ob]  an.     3799  =  B.     3800  vnd  tet  sein.     3803  daucht  es.    ein 


322  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

fehlt.  3804  es.  mazzeu.  3805  d'  lant  sit  (B).  3809  harte] 
vil.  3810  Scharlach,  pluot  =  5,  vgl  4962.  3811  diu  fehlt. 
hermlein.  3812  =  ß.  3814  froleich.  3816  trüg.  3817  sam] 
als.  3818  Dü]  ew.  3820  und  fehlt  =  B.  spechfßj  gelait. 
3821  pey  (lies  peyd)  auzzen.  3823  nach  24.  3823  der  lac. 
3825  iu  fehlt.  3827  vnd  auch.  3830  minoen  e  chund  g. 
3832  irm.  3833  rileude]  gedenken.  3834  vnsehge.  3835  vil 
arme.  3836  6]  ie.  3837  nü  fehlt.  3839  noch  fehlt  =  B. 
3841  hin.  3842  vnd  verlewstü.  3843  =  5.  3844  ich.  hab. 
3846  awe  wie  lorisch  ich  gedacht  han  (B).  3848  bedekt.  3849 
=  B.  3851  ode]  vnd.  3852  daz]  ez.  czü  grozzen  e.  =  ß. 
3853  auch  let  ich  (==  B)  gar  w.  3855  vs^eder  sol  =  B  (Graefs 
apparat  ist  darnach  zu  corrigieren).  3858  werlt  werstu  alle  mein. 
3860  =  iß.  3861  gedenkund==ß.  dSQ2  se\her  fehlt.  3863 
d6]  daz.  3865  verwag.  3866  =  ß.  3867  =  i.  3868  =  5. 
3872zuder.  3875  haws.  3880  nü  hört  =  5.  grözen]  spehen 
=  ß.  3881  sie]  Die  chaiserin.  3882  ir  ross  chert  si  dar  (B). 
3883  nach  84.  3883  ir  ross  w.  g.  vnd  auch  vil  sn.  3884 
=  B.  3885  der  stain  was  hoch  vnd  prait  (2709).  3886  als] 
do.  3887  ez.  erhaben.  3889  da  von  die.  3891  in]  nider. 
3894  si  h.  ez.  3895  =  i.  3896  daz  da.  3897  =  B.  3899 
harte]  vil.  3900  vil  fehlt  =  B.  ist  ab.  3901  abe  fehlt.  3902] 
daz  ist  mir  ein  u.  3904  =  5.  3911  =  5.  3912  =  5.  3913 
ich  müz  erwärm  oder  ez.  39 \b  nach  16.  3916  wi  si  solten  g. 
3918  mir  fehlt.  3923  der  tür.  3924  da  für.  3925  do.  3927 
lüte  fehlt  =  A.  omi  omi.  3928  in  dewtsch  owe  mir  owe. 
3931  swarten.  3932  diu]  ir.  3935  und]  si.  3937  dir.  3941 
hewt  en(n  unterpunctiert  ?)  morgeü  (B  3940).  3942  daz  mir 
geschehen  wer  daz  laid.  3943  nach  44  =  5.  3943  leg  =  5. 
3945  swür :  3946  für.  3947  selbe  fehlt  =  5.  herczen  laid. 
3948  a  we.  trait.  3950  herren  fehlt.  3952  her  in]  hin.  3954 
daz  holcz  ist  ew  nicht  t.  3955  werm.  3956  die  1.  3958  si 
es  vil  gern.  3960  die  reiche  fr.  3963  die  erden]  den  estreich 
hin  (B).  3965  nach  66.  3966  hier  inne]  hinn  =5.  3968  nach 
69.  3968]  vnd  pringt  mir  daz  her  da.  3977  harte]  vil.  3978 
gewallig'.  3979  wart  sa  zestund  g.  3984  ir]  allez.  3986  d6] 
er.  er]  auch.  3987  schir  er  sey  gesach  (B).  3988  naigt  ir  (B) 
sa  vnd.  3989  nach  90.  3989]  du  soll  mir  yramer  willekomen 
sein.      3990  müstü   ymmer  sein.      3991  [dich]   hab.      3992  daz 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  323 

mir  grozze  frewd  ist  g.  3993  daz  ichs  immer  (B).  3994  ist]  sei 
=  B.  3995  nach  96  =  B,  vgl  Herzfeld  s.  16.  3997  min] 
der  =  B. 

4000  gar  vil  [harte]  (B).  4001  bevie  si  in  mit  arm.  4002 
[vaste]  erwarm.  4003  sampt.  4004  schir  betten  si.  4009  vnd 
küssen.  4011  an  ein.  da  fehlt  =  B.  4012  ein  n.]  niemand. 
4015  tun.  4016  vil  wol  =  ß.  4017  was.  mazzen.  4020  sewln. 
4021  dikcbe  scbad  in  gaben.  4022  lagen  pey  ein  a.  so  nahen. 
4024  er  h.  czu  stund  (B)  verjehen.  4025  des  spiles  bieten  si 
gespilt.  4026  von  wirt.  4027  wol]  hoch.  4029  daucbten  si 
sich  selig  b.  4030  doch  tet.  4033  =  B.  4037  sine  güete] 
seinen  tot  =  ß.  4038  =  i.  4039  mag.  4040  =  ß.  4042 
=  5.  4044  sol]  müz  =  B.  daz  fehlt.  4046  =  ß.  4047  all 
die  weil  g.  (B,  vgl.  Schröder  573).  4048  ir  weiz.  4049  ver- 
nam  die  fraw  so.  4050  belip]  pis.  4052  trew.  4055  al  der] 
aller.  4056  enpbeln.  4057  guot]  leicht.  4058  ez  b.]  als  vil. 
4065  =  5.  4070  laz.  muoter /"eÄ/^  4071  niuter  sprach.  4072 
ez]  daz.  4073  dicz  gewant  sei  dein.  4074  und]  nu.  enpholhen. 
4078  laz.  4079  die  fehlt.  Stent  dauor  nachträglich  richtig  ge- 
stellt. 4080  =  ß.  4082  was  vil  gemait.  4086  stet  es  weit 
ir.  lies  wie  st6t  iur  dinc?  weit  ir  genesen?  vgl.  auch  Schröder 
573.  4091  balde]  wider.  4092  da.  4093  lenger  beliben  si 
nicht.  4094  sei  auf  den  turn  (B).  4095  si  nicht  gar  gern  (B). 
4097  also]  allez.  4098  =  ß.  4103  so]  da.  4103  gewunnen 
het  mit  =  A.  4104  inne  fehlt.  4111  nach  4112.  4111  selber. 
4113  =  5.  4114  den]  des.  4116  der  chaiser  =  5.  4117  h. 
ze  Rom.  AUS  fehlt.  4119  [ze  Röme]  da  er  vil  gern  bin  cham. 
4120  fehlt.  4122  lieber  was  dann.  4123  wolt  rün.  4124]  als 
er  von  recht  solt  tun.  4125  fehlt,  nach  4126  als  mir  die  cro- 
nik  veriach.  4130  und]  da  =  fi.  4131  als]  daz.  4132  diu] 
daz.  4133  die  tür.  4134  die  selten  als  ich  spur.  4135  wären] 
het(B).  4136  wer.  4137  die  iiez.  4146  =  ß.  A\A1.  S  fehleti. 
Ali9  im  fehlt.  4150  er]  Eraclius.  4154  er]  vnd.  edler.  4156 
vnd  vernemt.  4157  ich  ew  nicht  verdagen  (B).  4158  vnd  müz 
si  mit.  4161  sol  sein  huld  ban.  4164  =  5.  4165  welher. 
4166  keiser  fehlt.  4167  =  i.  4170  er  sprach  daz  =  A.  si 
vnselig.  4172  haben  n.  ser  missvarn  (A).  4175  ban  wol. 
4176  herr  ich  scbentt  nicht  der  frawen  art.  4111  =  A  ( Schröder 
564).     4178  in  =  A.    ernsthafft.     4179  daz  aller  schirist.    4180 


324  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

doch]  auch  =  ß.  4181  plod  vgl  493.  ir  fehlt,  zu  4183  vgl. 
Schröder  573.  4184  irn.  4186  Eraclius.  4188  hilft  auch. 
4190  ja  M?^  4191  =  ß.  4192  =  ß.  4197  was  do  =  ß.  4199 
=  i.  4203  ja  herre.  4205  mazzen.  4206  enpait.  4209 
=  B.  4210  vil  gezogenleich  si  in.  4211  seit  got  wilchüm. 
4212  er  sprach]  ja.  vil  wol.  4213  nach.  4214  =  i.  4216 
daz]  es.  4217  herre  fehlt  =  B.  wol  gevalle.  4218  sprachen. 
4219  vnseliges.  4220  saget  mir  fehlt.  4223  vnd  auch  daz  I. 
4224  es  wirt  ew  czwar.  4225  seit  ir  =  B.  4228  iuch  fehlt. 
4229  ewch  br.  4232  da  red  ich  sprach  si.  4233  tun  lat. 
4234  =  i.  4235  sult  ir  fehlt  =  .4.  ain.  4237  sneyduncz. 
4239  oder  prün.  hurd  glüt.  4240  ir  mir.  würde]  tut.  4243 
sin  hin  k.  4245  von  der.  4246  wan  nur.  4247.  8  fehlen. 
4252  mag  ich  =  B.  4253  hie  verlorn.  4256  den]  dem.  4257 
lebentig.  4259  wider  ew  nicht.  4261  er  sol.  habent.  4262 
elliu]  gar  =  B.  4264  vil  z.  (Bech  132  gezouweliche).  4266  bal- 
dichait.  4267]  der  ew  torst  m.  (B).  4268  mir  in  [her].  4269 
des]  daz.  4271  ain.  4272  ja  \r  ==  B.  4273  wer  =  .4.  4274 
nindert.  4275  da  üze]  aber.  4276  ew.  4277  sterbet]  tött. 
4278  got  fehlt.  4281  fraw  wizzt  d.  ist  misselan.  4282]  vnd  ist 
nicht  gvit  getan.  4284]  offenleich.  4285  trouwe  ö  fehlt.  4286 
er  haizt  spr.  4287  schoene]  suezz.  4289  nü  fehlt  =  B.  mich] 
Inhalt.  4290  pait.  4291  =  ß.  4297  si  ez.  4299  Er  sprach 
junger  =  B.  [her]  dar,  vgl  703.  4301  habt]  seit.  4302  =  B. 
4303  mir  sagen  nü  z.  4304  des  fehlt  =  B.  ist  ir  icht.  4305 
von  mir  sey  (B).  4308  miu]  ein.  4310  ew  wol  an  (B).  4315 
irem.  4316  irn.  4317  gar  fr.  4318  dar  nach  hiez.  4319 
grozz.  4335  nach  36.  4335  daz  g.]  des  alles  (B).  4336  waz. 
4337  in  si]  sein  (B,  vgl.  Schröder  574).  4342  chaiser  herr  [so] 
mich  dunket  =  B.  4343  man  fehlt,  sin]  ewr.  4344]  sullen 
wesen  ain  1.  4346  sew  paid.  4351  rieht.  4353  er  versünt 
sich  nicht.  4357  velsche.  4359  aber  fehlt,  lieber  h.  4360 
di  schult  =  ß.  müz  sein.  4361  minen  m.]  wie  ir  tut  =  5. 
4363  dis  gute  (B).  4364  =  B.  4367  =  B.  4368  chain  weis 
Romisch  (B).  4369  wan  der  grozzen.  4370  aller  werlt  si. 
4371  selben /cWf.  4372  got  nicht  engan.  4374  so  müz.  4375 
dannoch  behalt.  4376]  ez  ist  daz  aller  pest  daz  selb.  4377 
lazt.  tiach  4377  der  mir  dis  wicz  hat  gegeben  1  gan  er  mir  noch 
des  leibes  1  ich  schaff  ew  eines  weibes  1  an  der  ew  nimmer  misse- 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  325 

gat  I  die  weil  dise  werlt  stat  |  vnd  ob  ir  so  lang  sult  leben  (B, 
in  A  ausgefallen).  4378  un  fragt  ewr  ratgeben  (B).  4379]  wie 
in  die  red  gevalle.  4380  herren  sprachen.  4382  er]  der  chaiser 
=  5.  4386  im.  4391  iu  dar  ab]  dauon.  4393  si  do.  4394 
des  wart  die  cbaiserin  vil  fro.  4395  do  paz.  4396  saz  oder 
lac.  4397  dann  auf  all  der  (B)  czirhait.  4398  pet  [was].  4399 
wart  auch  w.  sicherleich.  4403  ez]  daz.  irn.  4403  si  in. 
beswert.  4404  bewert.  4408  auch  w.  sicherleich.  4411  min- 
nichleich.  4414  die]  der.  er]  si.  4415  in  einem  vngüten ,  vn 
scheint  getilgt  durch  einen  punct  über  dem  n.  4416  so  sol  er. 
4417 — 2A  fehlen,  dafür  t ext  Heinrichs  v München:  rote  Überschrift 
Dicz  ist  nü  von  Sauinianus  vnd  von  Bonitacius  dem  drey  vnd 
sechczigsten  pabst  ze  Rom ,  die  in  16  versen  behandelt  werden 
(s.  570");  hierauf  rote  Überschrift  Hie  bort  nu  von  Eraclio  dem 
acht  vnd  sechczigisten  chaiser  do  der  an  daz  Reich  cham  do  was 
von  gotes  gepurt  sechshundert  Jar  vnd  zway  vnd  zwainczik  jar. 
auch  nierkcht  wie  er  daz  heilig  chrewcz  gewan.  Nu  habt  ir  hie 
vernomen  wie  es  darczü  was  konien.  im  folgenden  verwertet  HvM. 
wider  verse  oder  reime  aus  Ottes  Eraclius.  4425]  daz  focas  die 
chron  erwarb.  4426]  vnd  wie  er  dar  nach  starb.  4427.  8  fehlen. 
4429  in  seinen  jungen  tagen.  4430  do  focas  wart  erslagen. 
4431  do  wart  E.  4432  wart  fehlt,  da.  4433.  4]  daz  macht 
allez  sein  weistum  |  wann  er  was  piderb  vnd  früm  |  des  er  vil 
wol  genoz  ]  an  daz  reich  man  in  chos  (vgl.  Maßmann  Eracl. 
s.  377).  4435]  wan  er  was  weise  genüg.  4437  aller  maist  (B). 
4438  macht.  4439  —  88  fehlen,  dafür  HvM.  als  ich  vor  gesagt 
han  1  Eraclius  wart  ein  gewaltig  man  |  davon  er  vil  streit  tet  |  als 
von  im  geschriben  stet  (vgl.  Mafsmann  aao.  s.  378)  |  vnd  als  ich 
ew  wil  sagen |nü  merkt  es  was  in  den  tagen] ein  chunig  in  persia 
dem  laut  I  der  was  Cosdras  genant.  4489  der  was  ein.  4490  J. 
het  er  b.  hierauf  den  Juden  tet  er  ez  czu  vnern  |  daz  si  sein 
abgot  nicht  wolten  ern.  4491  dauon  er  die  stat  czu  stört  (B). 
4492  woljdikche.  gebort.  7iach  4494  daz  heilig  chreucz  nam 
er  von  dan  |  daz  hie  vor  Helena  |  het  funden  vnd  lazzen  da. 
4495  daz  chrewcz  er  fürt  in  persia  laut.  4497  allenthalben  in 
d.  haidenschaft.     4498  chraft.     4499  harte]  vil. 

4500  vil  gew.  4501  ein  man  fehlt.  4502  einen,  im  fehlt 
=  B.  4505  ein  michel.  4506  ob  ich  ew  sait  b.  4508  ist 
doch  =  ß.     altez]  wares.      4509  ist  iedoch]  auch.     4512  harte] 


326  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

gar.  4515  daz  het.  4516  =  5.  4517  da]  als.  4523]  wem 
daz  gezem.  4525  er  sein  g.  4526]  daz  er  dana  br.  4527] 
sein  Opfer  dar  v.  g.  4528  heilig  chrewcz.  4530  vnder  weilen 
ein  michel  (B)  seh.  4532  da  fehlt.  4533  sumeliche]  frümic- 
leichen.  4537]  des  frewten  si  sich  ser.  4539  =  B.  4546 
=  B.  4547  daz  er  ein  almechtiger  got.  4548  vnd  gew. 
4549  und  fehlt  =  B.  haizzen.  4551  ze]  pei.  4553  also. 
4555  teten  si  vor  grozzer.  4556  in  do  gepot.  4558  so] 
da.  4559  dirr.  4561  tragen.  4562  er  der  christenhait  s. 
4563  vnd  der.  4564  vnd  der  im  gehelfen  mochte  (B).  4565 
hervarl]  czii  der  vertte.  nach  4566  wo  er  sei  hin  wolt  lailten  | 
sein  mann  sich  do  beraitten.  4567  Persiau.  4568  er  wolde 
sich  (B)  an  Cosdran.  4569  lies  gotes  (bei  Graef  drnckfehler). 
4570  seinen.  zubrechen.  4571  der]  er.  [der]nider.  4572 
gewunn  er  (B)  nicht  daz  heil  kr.  4573  nach  74  =  B.  4573 
do  er  do  h.  4574  so  solt  er  nicht  w.  4575  als  im  do  stünt. 
4576  do  sampt  der.  4577  gepet.  4578  ein  wolgetane  rot  =  5. 
4579  wol  fehlt.  4581  an]  in.  4582  wuchsten.  4583  het 
gemacht.  4586  vil  wol.  4591  harte]  vil.  4592  vachten  (=  B) 
einen  starken  st.  4593  nach  94.  4595  in  allen  czeiten  (A). 
4596  wo  si.  4597  der  schade]  ir  (B).  4598  doch  nicht.  4599 
daz  half  doch  n.  4601  daz  müst  alles  (B)  da  n.  4604]  wann 
ein  stollz  ein  er  tr.  (B).  4607  nach  8.  4607  als  ich  da  uor 
sprach.  4608  =  ß.  4611  E.  der.  4612  wol  fehlt.  halbs 
(B).  4613  e  sein  würd  inn  der  chunig  Cosdras.  4614  lürstig. 
4615  torste.  4617  weib  oder  man.  4618  den  1.  nemen  san. 
4619  wer.  4621  nü  waiz  ich  wie  ez  cham  (B).  4622  =  5. 
4623  vnd  als.  bechant.  4625  Cosdras  usw.  4626  =  B. 
4630  sein  leut  die  man.  4631  ez  t.  die  R.  4632  =  B.  4633 
den  seh.  und  [durch].  4637  chrefTtig.  4638  [norder]mer.  4640 
wem  ein  tail  zu  b.  4641  ir]  der  cristen.  4642  ez  fehlt.  4645 
und  gewaltiger  in.  4647  =  B.  4649  guot  fehlt.  4651  Er  g. 
dem  sün  fl.  4652  der  vil.  4653  man]  er.  4654  man]  er. 
4655  noch]  vnd.  4656  er  für  durch  all  (B).  4657  im  die 
macht.  4658  ==  B.  4659  vil  sanft  (B)  solt  er  tun  daz.  4663 
möcht.  über]  wider.  4664  unz  fehlt.  4665  für.  sin]  mein. 
4666  =  B.  4667  für  dann  zu.  4668  zu  Rom  vnd  czu.  4669 
solt  er  (B)  im  Iwingen.  4670  =  B.  4671  pull:  4672  er  sull. 
4673  so  must  (B).      4674  im    und   seine.      4677  solt   er  varn 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  327 

gen  dem  roten  (B).  4678  der  chunig  sant  sein  poten  (B). 
4679  der  gotes  veint  C.  (B).  4681  mannen  zu  mannen.  4682 
vnd  (B)  g.  mit  dem  pannen.  4683.  4  fehlen.  4685  er  czu 
vertt  sw.  4687  wo.  4690  =  B.  4691  =  B.  4692  ich  =  A 
(Beck  132).  4693  als  manigen  (B).  4694  miir]  nie  =  B. 
4695  nu]  Do.  ieclich]  der  =  B.  4697  sie  der]  im  die.  4698 
fehlt.  4699  fröleich.  4700  unde]  von.  nach  4700  t'urt  der 
helt  hin  dan.  4701  =  B.  4702  da  (lies  dö  7mt  Haupt  und 
Bech)]  sein  van.  4704  manig  rast  (B)  vnd  manig.  4705  iinz] 
ee.  4706  =  5.  4709  Rewzzen.  4710  es  vv.  snell  u.  gr. 
4711  sagt.  4712  haizzt.  4714  die  was  michel  vnd  prait. 
4716=  iß.  AI n  rehte  fehlt.  4718  die  s.]  sein  lewt.  4719 
herberge]  rat.  4726  liezen.  4727  unde  v.]  vnder  wegen.  4728 
[durch]  r.  4729  swartz  (B)  u.  rocig  (rotig?).  4732  ode]  vnd. 
4733  gern.  4734  niht]  nindert.  4736  begünd.  sein.  4738 
da]  seinem  hertzen.  4739  Eines  m.  4740  rueft.  4741  in  d. 
haidnischem.  4742  ygleicher.  4745  si  sampten  gar  seh.  4746 
wol  fehlt.  4747.  8  fehle7i.  4753.  4  fehlen.  41  bb  eines  mannes 
müt.  4756  nach  4758.  4756  also.  4757  er  sprach  (B)  nü 
dar.  4758  nü  g.  in  ewrn.  4759  ir  her  chempt.  4760  vnd 
durch  wen  ir  daz  chrewcz  nempt.  4761  daz  sult  ir  erczaigen 
(B)  h.  4762  es  ist  ein  verworchtes  lewt  (4767).  4763  über 
fehlt.  4764  vil  fehlt.  4765  ez  sei  dann  daz  si  vns  (B).  4766 
si  chomen  nicht  von  h.  4767  gar  ein  p6se  d.  4768  ir  helt. 
hin  nicht.  4771  hiute  fehlt.  4773  er  v.  in  daz  (B).  4774 
sicherleich.  4776  da  ist  vngleich  gevelle  (B).  4778  sie]  do. 
4781  =  B.  4783  an.  4785  dA  fehlt.  4787  vil  fehlt  =  B. 
nitliche]  ellenthalter.  4788  ine]  ich.  iu]  mer.  4789  an  ein. 
4791  vil  manig.  4792  also.  4794  geslagen.  4795  der  haiden 
wart  gar  vil.  4796  zabelspil.  4797  erslagen  daz  triben  si  vncz 
an  (B).  4799  an  den.  4800  do  die.  4802  zerstrewt.  4803 
mit  den.  4805  weizel]  pinden.  4807  si  da]  die  haiden.  4808 
daz  h.  g.  begünnen.  4813  wurden  (B)  alle  fr.  4814  daz  ez  in. 
4815  wider  /"e/i/?.  irn.  4816  sich  des.  4817  ze]  einen.  4818 
dem  h.  von  dem.  4819  Cosdra.  4824  under  den  =  AB.  den 
fehlt.  4825  vnd  ez.  4826  erslan  (B).  4827  er  es.  4828  da 
vil]  dannoch  mer.  4829  =  5.  4831  einen]  ain.  4832  liez  ("ßj 
es.  rain.  4834  würde]  mocht  werden.  4836  belibe  herr  (B) 
über  die  h.     4837  swür  dann  seinem.     4840  welcher  (lies  mit 


328  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

B  sweder)  da  den  leib.  4841  daz  man  in  leichter  möcht.  4842 
ein  gancz  h.  4843  ging.  4844  in  wizzen  lieze.  4846  also 
enpot  im  Eraclius  der  m.  4847  Do  der  =  B.  4851  und]  er. 
4854  sin  ere]  dise  rede.  4856  eine  fehlt.  4859  wie  wol. 
4860  so  veige.  4861  wie  es  (B)  halt  a.  erge.  4862  mich  ain 
=  A.  also  beste.  4863  fehlt.  4864  ich  mach  im  diese  rede 
also  lait.  4865  daz  im  nie  wart  so  lait.  4866  in  wirt  gerewen 
die  vart  |  daz  im  laid  wart.  4867  =  B.  4868  daz  er  des  zu 
(B).  4869  =  B.  4870  =  B.  4871  =  B.  4872  vnd  lazz  vos 
auf  g.  4875  vnd  haiz  die  her  czu  sam  chomen.  4876  vnd  nem 
die  er  vnd  den  friimeu,  4877  wir  nu.  4878  gisel]  insigel. 
4880  wir  [so].  4881  vnd  daz  dise  (B)  r.  4882  =  B.  4883] 
daz  muzz  stet  b.  4885  si  fehlt.  4886  =  B.  4887  nü  fehlt 
=  B.  4889  gestifft  von  in.  4890  ingesidel.  4892  hiezen  si. 
4893  beide]  ir  =  B.  ors  vnd  ir.  4898  er  ez.  4899]  er  für 
doch  vnrecht.  4900  er  gleicht  nicht  einem  zaghaften  kn.  4901 
fehlt.  4902  und]  er.  7iach  4902  ir  freud  hat  michel  chrafft. 
4903  slacht.  4904  in  (B)  dem  h.  4905  was.  4906  ir  chainer 
=  B.  des.  4907  =  B.  4908  er  wont  lob  vnd  er  e.  4909 
schal  wart  vil  gr.  4910  do  des  d.  h.  [dö]  (B).  4911  legt  er. 
4912  mynnichleich.  4913  hin  czu.  4915  nac/i  16  =  5.  4915 
ez  fehlt  =  B.  uam  wol  geczem.  4917  vnd  als.  4918  got]  im 
vil.  4920  gar  fehlt.  4921  er]  vnd  =  B.  4926  tag.  4928  wart 
se  stund  g.  (B;.  4929  [und]  als  schir  =  B.  4930  hete  e.]  her 
pat.  4931  sän]  schon,  4932  dar  nach  tercz  vnd  uon.  4934 
=  B.  nach  4934  dem  hiez  er  messe  singen  |  wer  sich  an  got 
let  dem  mag  wol  gelingen.  4935  dem  h.  auch  g.  4936  daz 
er  gotes  leichnam  nam  =  ß.  4938  dö]  darnach.  4939  harnasch. 
4940]  daz  im  nichtes  nicht  geprast.  4941  Auf  eine  tebich  nicht 
czu  prait  =  ß.  4942  wart  ein  chusselein  g.  (B].  4944  vil  fröleich. 
4945  daz.  4946  schuohte]  preist  =  B.  an]  vmb.  4947  =  B. 
4950  [weder]  zu  weit.  4951  do  schüt  er.  4952  gute  ring  (B). 
4955 — 8  fehlen.  4960  warn  darein  g.  4961  von  =  B.  der 
was]  vil.  4963  also.  4964  =  B.  4965  scharpf]  swarcz.  4967 
wes  im.  4972  [niht]  ze  mazzen.  4976  an  der  br.  dem.  4977 
macht,  heiligen  kr.  4978  alsus.  4982]  in  chunigleichem 
harnasch.  4986  es  was  frech  (?)  u.  st.  4987.  8  fehlen. 
4989  sein  rauit  warn.  4991  gleicht.  4997  begert.  4998  vmb 
sich  ein  sw.     4999  [diu]  was. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS  329 

5000  daz  gehulcz  vud  der  kn.  warn.  5001  von  purpur. 
kursil]  gurt  seit.  5003  ouch]  ez.  5005  sam.  5006  heim. 
5007  ein  ar  gegozzen  von  gold.  5008  recht  als  er  leben  schold. 
5009.  10  fehlen.  5011  dö]  also.  5012  gleich  er.  lies  gelich  er. 
5013  er  reit]  cham  er  geriten.  5014  E.  het  sein  chawm  erpiten. 
5016  chert.  5017  gerihtem.  5018  diser]  er.  5019  an  ein 
a.  an  s.  5021  7iach  22.  5021  [und]  vazzten  do  ir.  5023  si  r. 
vast  die  sporn.  5024  wann  in  was  ernst.  5025  wie]  vil.  5028 
einen  just  der.  5029  triben  dar]  riten  so.  5030  daz  ir.  5031 
nahent  in  hundert  stukke  prach.  5035  mit  fehlt,  gleicher. 
5036  just  ir  paide.  5038  zu  den.  5039  die  rukten  si.  5040 
an  in  =  A.  5044  gen.  5046  sie]  ez  zwen.  5047  czü  allen. 
5048  da.  5049.  50  fehle7i.  5052  ir  ietweder.  5053  waz  mag 
ich  uü  mer  gesagen.  5054  schier]  paid.  5055  si  paide  müde. 
5056  die  ors  varn.  5061  ors.  5064  si  die  herren.  getragen. 
5067  wille  schon  von  Mafsmann  conjiciert.  5068  der  t.  man 
Cosdras.  5070  erczaigten  aui  der  erd  z.  5071  und]  si.  ors. 
5072  erst  müst  es.  5075  si  b.  an  ein.  5076  böde]  gut.  5078 
schirmten  [in].  5080  si  do.  5081  igleicher.  5082  siege  vil 
an  czal.  5083  ein  ritterleich  türniru.  5084  vnd  wern  die 
champh  hirn.  5088  der  sich  gleich  an  ein.  5089.  90  fehlen. 
5092]  beiden  geleichen.  5093  der  —  diser.  5094  daz  fehlt. 
5095  zerhawten.  5096  wer  n.  gewesen  d.  eysnein  gewant. 
5097  paider.  5098  geendt.  5099  [der]  was  vil.  5103  uü  waiz 
ich  wie  daz.  5104  treiben  begünden.  5106  edler.  5108  du 
wellest  dann.  5110  nü  ergib  dich  [helt].  5111  machstu  fristen. 
5114  daz  enwell.  5116  czu  champf.  5117  seiner  gnaden. 
5118  dem]  wann.  5119  [einer]  churczer.  5120  uü]  so.  5121 
versawmpt  sich.  5122  do  tet  er  einen  swinden  strich.  5124 
im  gab  got  hilff  daz.  5125  Cosdra  ein.  5126  den  selben]  czu 
den.  5127]  scharffer  red  mit  dro  erliez.  5128  gab  er  im  miet. 
5129  vncz  daz  er  must.  5131  er  sprach  [noch]  hab.  nach  5136 
ja  wie  zegleich  tet  ich  daran  |  chem  mich  der  wille  an  |  daz  ich 
mich  ergeh  in  deinen  gewalt  |  ich  hau  so  manigen  bell  ervalt  | 
daz  mir  verr  lieber  wer  der  tot  |  e  ich  durch  cbainerlay  not  | 
mich  yemand  wolt  ergeben  |  ich  wolt  e  wagen  tausent  leben  | 
daz  die  stunden  an  meiner  chiir  |  ee  ich  mein  manhait  verlür. 
5137  ich  wer  halt  pöser  dann.  5138  vlür  ich  dich  sei  vnd  leib, 
hierauf  ich  sag  dir  offenber  |  nicht  für  ein  gelogens  mer  |  mein 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  22 


330  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

lebeQ  wer  mir  ymmer  unrain  |  mein  hercz  ist  harter  dann  ein 
stain,  5139]  mein  leut  bieten  mich  als  ein  andern  mist.  5140 
pait  do  chaiu.  b\A[  fehlt.  5142  ab  aldo.  5143  wurden.  5144 
dö]  so.  nach  5144  daz  si  verhaizzen  hellen  do.  5145  als. 
5148  von  dann  hub  sich  der  herr  san.  5149  vil  froleich  ze  P. 
in  daz  lant.  5150  fehlt.  5151  wann  er  nindert  widerwant 
nach  5152  als  vns  daz  püch  hat  genant.  5153  saz]  was.  5154 
do.  5156  daz  mer  torst  im  niemand  sagen.  5158  der.  5160 
woi  geczogenleich.  5161  hören]  heiigen,  er  ez.  5163  harte 
fehlt.  5164  du  vil,  5165  du  würd  des  nie  [so].  5167  torst 
an  g.  5169  tumbhait,  5170  vil  lait.  5171  dii  versuenst  dich 
dann.  5172  vnd  nach,  rate  und  fehlt.  5174  Cosdra.  5181 
der  k.]  Eraclius.  5182  sein  sw.  den  h.]  in.  5183  und]  er. 
ab.  5184  er  het  einen  jungen  chnabn.  5185]  der  was  sein 
aingeporn  chind  da.  5186  daz  lurt  er  in  Judea.  5187]  da  ez 
seint  sein  end  nam.  5188]  vnd  auch  von  dem  leben  cham. 
5189  gerach.  5190  trughimel.  5192  seine.  5194  [die]  sant 
er  gen  den.  5197  gen  Syriam.  5199  dö]  des.  5200  der  h.] 
Erachus.  5201  gen.  5203  [daz]  da  man.  5204  nacht  u.  tag. 
5205  wann  vor  ostern  an.  5206  =  A.  5210  =  i.  5212  dö] 
doch.  5218  seiner.  5219  michler.  5226  namen  des  m. 
5227  also]  allez.  5228  der  gotes  engel  spr.  5229  zu  obrist. 
5230  habe  dar]  laug  hie.  5232  daz  tor.  5233  [dö]  er  fürt. 
5237  so  sollst  daz  kr.  haben.  5238  mendleicher.  5239  sä 
fehlt.  5241  weder  hört  noch  sach.  5242  leider  nie.  5245 
do  erpaizzt.  sä  fehlt.  5246  ab  im.  5247  sein.  5248  vmb 
sein  grozze.  5250  jemerlich.  5252  envoln  sagen.  5257  wann 
daz  er  czu  got  gnadt  san.  5258  schuldig.  5261  daz  got  seinen 
czorn  lie.  5262  daz]  vnd  die  mawr.  5263  vnd  aber.  5264 
und  fehlt.  5266  hat.  5267  wund'.  5268  in  der  haut  tr. 
5271  wol]  schon.  5272  selige  hervart.  5273  vint.  an  der  kr. 
5274  daz  E.  5275  gevrlewgt  wol.  5276]  in  dem  sibenden  jar. 
5277  pracht  er  daz  chreücz  gen  Ihrlm  hin  wider.  5279  selb. 
5280  leit.  5281  nent  man  ez  [so].  5282  exaltatio  sancte  crucis. 
5284  vind  wir.  5285]  Eraclius  der  mer.  5288  liset  mau]  sagt 
vns  daz  püch.  5290  vor.  5291  dar.  5292  er]  vnd.  5295 
gaistleiche  wat.  5296  sein  missetat.  5297  er  lait  maniger 
slacht  not.  5298  vnd  wart  do.  5299  vnd]  mit.  5300  czelen, 
lies  Zellen.      5304  er  in.      5305  [und]   der  mit  d.  pösen  geist. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS 


331 


5307  da.  stall  5309 — 74  heifst  es  dann  bei  Heinrich  von  München, 
der  hier  den  lext  der  Sachs,  loeltchronik  (ed.  Weiland,  Deutsche 
Chroniken  u  139,  5ff)  mit  teilweiser  benutzung  von  Ottes  Eraclius 
in  reime  bringt: 


Bey  den  selben  czeiten  auch  was 
ein  chunig,  von  dem  ich  las. 
der  was  Tagprecht  genant, 
zu  Frankreich  saz  er  in  dem  lant, 
5  da  selb  er  herr  inne  was. 
der  het  belwungen,  als  ich  las, 
die    Sachsen    czu    seiner    hant 

(5327.  5338) 
vnd  auch  die  Payr  vncz  anUnger- 

lant  (5328.  5337). 
chunig  Tagprecht  was   ein  pös 

man, 
10  wann  er  Eraclium  pracht  daran, 
daz  er  den  rechten  glauben  verlie 

(5345) 
vnd  seinen  irrtum  anevie(5346), 
also  daz  er  ein  chetzer  wart, 
daz  selb   räch  got   in  churczer 

vart, 
15  als  ich  ew  noch  sagen  wil, 
so  wir  chomen  an  das  czil 
an  dem  chaiser  Eraclio. 
einen  sün  het  er  aide, 
(576*^)  pey  seiner  swestertochter 

er  den  gewan. 
20  der  selb  junge  man 
was  Erodianus  genant, 
noch  was  im  ein  sun  erchant: 
Constantinus  der  selb  hiez. 
sein  weih   im   den   selben  liez, 
25  wann  er  sein  rechter  sun  was. 


nach  dem,  als  ich  es  las,  ^ 
sach  Eraclius  der  werde  man 
an  dem  gestürn,  daz  müst  ergan 

(5351) 
ein  dink  an  im  vil  drat. 
er  sach  an  der  selben  stat,         30 
daz  in  ein  her  solt  bestan  (5352), 
daz  solt  sein  ane  wan 
besniten  nach  der  Juden  e(5353). 
waz  sol  ich  ew  sagen  me  (5354)? 
er  wont,  der  helt  mer  (5355),  35 
daz   es   das   gesiecht  der  Juden 

wer  (5356). 
dauon  er  an  der  stund 
vber  al  pieten  begünd, 
daz  man  alle  Juden  tauffund  was. 
auch  pat  er,  als  ich  las,  40 

chunig  Tagprecht,  daz  er 
durch  in  vnd  durch  sein  er 
auch  tauft  in  seinem  lant 
alle  Juden,    daz  tet  czu  hant 
Tagprecht  der  chunig  reich.       45 
Eraclius  was  frewdenreich. 
do  die  Juden  getauft  warn, 
er  wont  in  den  jarn, 
er  solt  vor  in  sein  genesen; 
die  Juden  sollen  es  nicht  weseu,  50 
die  in  solten  haben  bestanden, 
es  Cham  darnach  aus  den  landen 
ein  Volk  haizzet  Agarein. 
die  selben  suUen  besniten  sein 


1  vgl.  zum   folgenden   die  prosaauflösung  in  der  Wiener  hs.  2766 
(Mafsmann  Eracl.  s.  517).  9  statt  Dagobert  sollte  es  Sergius  heifsen, 

vgl.  Eracl.  5343.  53  vgl.  Eracl.  5358  und  Ekkehard,  der  hier  quelle 

für  die  Sachs,  weltchr.  ist,    Agareni  qui  et  Sarraceni  (MG  SS  6,153^36). 


332 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 


55  vnd  sind  auch  nach  der  Juden  ee. 

dem  chaiser  taten  si  uil  we 

an  dem  reich  mit  irr  chrafft, 

wann  es  was  vil  manhaft. 

si  gewunnen  Anliochia, 
60  Damascum  vnd  Egiptum  da 

vnd  twüngen  darnach  der  lant 
mer. 

des  vorcht   im  der  chaiser   ser 

vnd  für  do   in  der  haiden  lant 

vnd  prach  auf  zehant 
65  Caspias  porlas, 

da  mit  Allexander,  als  ich  ew  las, 

verslozz   manig   grimmige   diet. 

des  selben  Volkes  in  got  beriet 

anderthalbtausent  hundert  man. 
70  die  fürten  alle  harnasch  an, 

(576'^)  dazvvas  von  lautterm  gold. 

got  was  Eraclio  nicht  hold, 

dauon  daz  er  in  vnert 

vnd  von  im  hette  gechert 
75  mit  der  checzerey. 

5375  kraft]  räch (?).     5376  der  chaiser  E.  [dö].     5378  seiner 

grozzen.      5382  vor  rechtem   1.      5383  daz   was   an  d.  wazzer- 

sucht.     5384  vertruoc]  led.     zühte]  genücht.     5385  wider]  gen. 

5386  [diu]    was  also.      5387  im  got  vergab  sein,     nach  5388 

als  er  noch  tut  manigem  man  |  der   sich  von   sunden  wil  ehern 

lan  I  vnd   puez  darüber   nemen  wil.      5389.  90]  an  dem    selben 

czil  I  starb  Eraclius  in  den  tagen.     5391  Constenopel.     5392]  do 

er  daz  reich  het  gehabt  furwar  |  eben  an  ains  dreizzik  jar.   hierauf 

rote  Überschrift:    Dicz   ist   nü  von   zwain  pebsten  vnd  waz  auch 

die  weil  geschach  und  nun  wider,  wenigstens  von  z.  14  an,  nach 

der   Sachs,  weltchr.   (139,  28  ff),    in   die   Ottes  reime   einverleibt 

werden. ' 

Pey  Eraclio  dem  chaiser  was         Adeodatus  was  er  genant,    [vant, 

ein  pabst,  von  dem  ich  las.  von  im  ich  nicht  mer  geschriben 

•  in  C^  stehen  an  dieser  stelle  nur  lizeilen,  lediglich  die  päbste  Jde- 
odatus  und  Bonif actus  behandelnd.  anfang  Pey  Eraclius  dem  Chaiser 
waz.    schluss  als  ich  von  im  gelesen  lian. 


nü  merkcht  auch  hie  pey, 
wie  Eraclio  geschach. 
mit  dem  her  für  er  darnach 
auf  die  besniten  Agarein. 
do  der  streit  nü  solt  sein  80 

des  morgens  von  in  geschehen, 
in  der  nacht  begund  man  sehen, 
wann  got  wolt  sein  nicht  ver- 
tragen (5369), 
ein  michel  wunder,  lat  ew  sagen 

(5370j: 
des  nachtesdo  daz  her  lag  (5371),  85 
do  Cham  von   himel   der   gotes 

slag  (5372) 
vnd   slug   dem   chaiser  an   der 

stund  (5373) 
seines  volkes   die  warn    gesünt 
zway  und  funfczik  tawsent  man. 
die  andern  fluhen  do  von  dan.  90 
also  räch  got  sein  niissetat, 
die  Eraclius  begangen  hat. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 


333 


5  wann  daz  er  was  ein  heilig  man. 
drew  jar  er  leben  began. 
(577^)  nach   im  aber  ein  pabst 

wart, 
der  was  an  der  selben  vart 
der  fünf  und  sechczigst  anderzal. 

10  nicht  mer  lebt  er  vber  al 
wann  fünf  jar,  als  ich  ez  vant. 
Bonifacius  was  er  genant, 
als  ich  von  im  hört  sagen. 
auch  was  pey  den  tagen 

15  ein  man,  was  Machmet  genant, 
von  dem  ich  also  geschriben  vant, 
daz  er  was  ein  arm  man. 
dar  nach  man  in  do  uam 
zu  einem  chunig  in  Affrica. 

20  in  den  landen  predigt  er  da, 
daz  man  in  dem  paradeis 
triinck  vnd  ezz  irdische  speis 
vnd  auch  vncheuschait  wer. 
dauon  macht  der  ern  1er, 

25  daz  in  tümb  lewte  horten  gern. 


er  begund  si  poshait  lern, 
dauon  wonten  si,  daz 
er  wer  der  war  Messias 
vnd  hetten  in  für  einen  got. 
zwar  es  was  des  tewfels  spot.     30 
der    werlt    hat  er   vil   verchert 

(5313) 
vnd     den     vnglauben     gemert 

(5314),  [(5315). 

als    noch    maniger    laider    tut 
er  hat  daz  hercz  vnd  den  müt 

(5316) 
von  got  gar  geschaiden  (5317).  35 
sein  vater  was  ein  haiden(5318), 
ein  judinn  was  die  muter  sein 

(5319); 
daz    was    an     seinen    werchen 

schein  (5320) 
vnd  an  seinem  leben  (5321), 
daz  im  der  tewfel  het  gegeben.  40 
dauon  mftz  er  verdampt  sein 
immer  in  der  helle  pein. 


Hierauf  von  Eraclius  söhnen  Constantinus  und  Erodianus. 

I  C  teilt  gelegentlich  falsche  lesarlen  mit  AB:  zb.  1508.  1609. 
1964.2111.  2291.  2745. 

II  BC — A.  1.  in  einer  grofsen  reihe  von  fällen  gehen,  wie  ein 
blick  in  obige  collation  zeigt,  die  lesarten  von  BC  zusammen  und 
zwar   in  den  beiden  ersten  dritteln   noch  häufiger  als  im  letzten. 

2.  gegenüber  A  weisen  BC  in  den  ersten  1000  versen  plus- 
zeilen  auf  nach  146.  164.  251.  274.  432.  514.  542.  662.  684.  716. 
844.  870.  871.1  auch  die  plusverse  in  B  nach  620  (in  A  aus- 
*  Herzfeld  hält  s.  Ib  f  im  gegensatz  zu  Graef  s.\l  die  obigen  plus- 
zeilen  mit  ausnähme  der  riach  164.  716.  844,  die  auch  ihm  interpoliert 
scheinen,  für  ui-sprüng lieh,  somit  für  auslassungen  von  A  und  Behaghel 
pflichtet  ihm  im  Litteraturbl.  6,  184  im  wesentlichen  bei.  aber  mit  Sicher- 
heit lässt  sich  in  den  genannten  fällen  eine  entscheidung  nicht  treffen, 
zweifelhaft  sind  mir  allein  die  stellen  ?iach  514  und  542  (der  grund, 
aus  dem  Behaghel  nach  542  eine  interpolation  annimmt,  ist  nicht  stich- 
haltig, vgl.  427.  8) ;  die  sämmtlichen  anderen  enthalten  nichts  notwendiges, 
sondern  führen  bereits  ausgesprochene  gedanken  nur  weiter  aus  oder  er- 


334  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIUS 

gefallen,  Herzfeld  s.  9).  632.  638  (in  A  ausgefallen)  haben  gewis 
in  der  vorläge  von  C  gestanden,  das  hier  einen  gröfseren  passns 
(619 — 44)  überspringt,  während  nach  357  zwei  zusatzzeilen  allein 
auf  rechnung  von  B  kommen,  auffallender  weise  hört  mit  871 
die  gemeinsamkeit  von  BC  hinsichtlich  der  pluszeilen  auf;  nur 
nach  4377  bieten  BC  noch  einmal  sechs  verse,  deren  ausfall  in 
A  sich  aus  dem  homöoteleuton  leben  erklärt,  während  B  allein 
aufser  nach  357  noch  interpolationen  nach  1381.  1382.  150S. 
2975.  3061.  3205  [Graef  s.  10,  Herzfeld  s.  16).  3223—5  (Graef 
und  Herzfeld  ebenda).  3233.  3398.  3808  hat  (nach  3707  zeigt  B 
wol  echtes),  finden  sich  in  C,  abgesehen  von  den  gröfseren  ab- 
änderungen  4417 /f.  5309 /f,  die  durch  die  einfügung  des  Otte- 
schen textes  in  Heinrichs  von  München  Weltchronik  herbeigeführt 
sind,  solche  noch  354.  760.  898,  statt  1426,  nach  1528.  2692 
(vielleicht  echt).  3327.8.  3438.  4566.  4934.  5136.  5138. 

3.  in  BC  sind  die  verse  941 — 6  (941. 947  gleicher  verseingang). 
2019  —  28  (wegen  prüderie)  ausgefallen;  das  fehlen  von  873.  4 
erklärt  sich  durch  die  inlerpolation  nach  870.  871. 

4.  BC  stimmen  A  gegenüber  an  folgenden  stellen  in  der  vers- 
reihenfolge  überein:  263.  4.  779.  80.  849.  50.  855.  6.  2355.  6. 
3943.  4.  3995.  6.  4573.  4.  4915.  6.  von  einander  unabhängig 
haben  B  und  C  außerdem  noch  mehrfach  Umstellungen  vorgenom- 
men, die  hier  nicht  aufgezählt  zu  werden  brauchen,  vgl.  Graef 
s.  Uff.  Herz  fehl  s.  10. 

III  AC — B.  aber  auch  mit  A  zeigt  C  manig fache  berührung, 
die  freilich  aus  der  collation  nur  selten  sichtbar  wird,  da  diese 
den  Gr aef sehen  t ext ,  der  auf  A  beruht,  zur  grundlage  nimmt  und 
demnach  eine  Übereinstimmung  zwischen  A  und  C  nur  da  verzeichnet, 
wo  Graef  lesarten  von  A  in  den  Variantenapparat  verwiesen  hat. 
streben  grö/'sere  deutlichkeit  (870.  1).  auf  die  unursprünglichkeit  dieser 
■pluszeilen,  wenigstens  an  den  meisten  stellen,  möchte  ich  weniger  aus 
jedem  einzelnen  falle  schliefsen  als  vielmehr  daraus,  dass  A  sonst  BC 
gegenüber  sehr  selten  auslassungen  zeigt,  sicher  ausgefallen  sind  in  A 
nur  die  verse  289  f  549/:  2310.  2389  —  92  (homöoteleuton  s.  Graef 
s.  14).  2887  f  (Herzfeld  s.  9fJ,  sowie  die  sechs  Zeilen  Jiacli  4377,  vielleicht 
auch  die  zeilen  nach  3707,  die  sich  allein  in  B  finden  (auch  Behaghel 
hält  die  letztere?i  für  ui-sprünglich).  es  ist  tvol  denkbar  dass  ein  Schreiber 
gegen  ende  seiner  arbeit  flüchtiger  wird,  auslässt  oder  zusajnmendrängt, 
aber  in  unserem  falle  mit  Herzfeld  anzunehmen,  der  Schreiber  vo?i  A 
habe  gleich  am  anfang  liederlich  abgeschrieben,  gegen  ende  aber  sei  er 
sorgfältiger  geworden,  das  ist  wenig  glaublich. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  335 

AC  stehen  rinn  aber  durchaus  nicht  lediglich  hei  besseren  lesarten 
im  vergleich  zu  B  zusammen,  sodass  die  meinnng,  Übereinstimmung 
von  AC  weise  stets  auf  den  echten  text ,  nicht  ausnahmslos  zum 
grnndsatz  erhoben  werden  kann. 

1.  AC  bieten  eine  nnur sprüngliche  resp.  falsche  lesart  zb.  243 
(vgl  300).  1026.  2643.  3700.  3721.  4086.  4273.  bedeutsamer 
ist  dass  ungenauen  und  dialectischen  reimen  in  B  reine  in  AC 
gegenüberstehen,  ich  halte  Herzfelds  Zusammenstellungen  darüber 
(s.ll2}f,  vgl.  auch  24)  nicht  alle  in  gleichem  mafse  für  die  ur- 
sprünglichkeit von  B  beweisend  —  gelegentlich  (2179.  2714) 
wird  es  sich  um  reine  ßüchtigkeit  in  B  handeln;  vgl.  auch  2856. 
3535.6 — :  die  tatsache  bleibt  bestehen,  und  zb.  in  einem  falle 
wie  2753.  4  ist  die  ursprünglichkeit  von  B  die  einzig  natürliche 
annähme. 

2.  C  teilt  mit  A  eine  interpolation  nach  1495,  die  mit  recht 
als  solche  schon  von  Graef,  der  doch  sonst  für  A  eintritt,  erkannt 
und  in  die  lesarten  gesetzt  wurde,  dass  die  zahlreichen  verse,  die 
B  abgehen,  mit  verschwindenden  ausnahmen  sich  als  auslassungen 
erklären  und  nicht  etwa,  wie  Herzfeld  will,  interpolationen  von  A 
sind,  das  mm  noch  durch  C  gestützt  wird,  hat  bereits  Behaghel 
hervorgehoben,  die  wenigen  intetyolationen ,  die  A  allein  zeigt 
(nach  1266.  1563  =  1557.  2587  =  2578.  4476  =  4484),  finden 
in  irrtümlicher  widerholung  vorhergehender  verse  ihre  erklärung, 
s.  auch  Graef  s.  13. 

3.  AC  zeigen  B  gegenüber  gleiche  versreihenfolge  367.  8. 
673.  4. 

IV  dem  Verhältnis  von  C  einerseits  zu  B,  andererseits  zu  A 
reihe  ich  einige  bemerkungen  an  über  das,  was  C  allein  eigen  ist. 

1.  aufser  häufigen  zeilennmstellungen  hat  C  vielfach  lücken 
aufzuweisen,  die  gründe  hierfür  sind  zufälliges  oder  beabsichtigtes 
auslassen,  beabsichtigte  kürzung:  653.  4.  685.  6.  1491.  2.  1567.  8. 
1595.  6.  2041.  2.  2404.  2872  —  5  (homöoteleuton).  2937.  8. 
3149.  50.  3341.  2.  4118.  20.  4147.  8.  4247.  8.  4683.  4  (4682.  4 
beginnen  mit  und).  4747.  8.  4753.  4.  4955—8.  4987.  8.  5009.  10. 
5049.  50.  5089.  90.  ausfall  eines  oder  mehrerer  verse  und  er- 
satz  durch  einen  neuen:  807.  846.  2721.  3351—3.  4863.  4901. 
an  stelle  von  1747.  8  sind  vier  neue  zeilen  getreten,  allgemeine 
belrachtungen,  wie  sie  der  Eracliusdichter  gern  anstellt,  lässt  C  als 
für  den  fortschritt    der  handlung  unwesentlich   bei  seile,     hierher 


336  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS 

gehören  619 — 44  (über  armut  und  reichtum).  2531 — QO  (über 
die  huote).  3383  —  98  (man  kann  nicht  hoch  genug  streben  mit 
bezug  auf  fraiienwahl) ;  auch  der  ausfall  von  2019  —  28  tcäre 
hier  unterzubringen,  wenn  nicht  B  gleichfalls  dieser  passiis  ab- 
gienge,  was  doch  schwerlich  auf  zu  fall  beruht  (siehe  oben  unter 
II  3).  die  erziehungsgeschichle  des  Eraclius  wird  gekürzt:  393 — 426 
fehlen. 

2.  die  Zusätze  in  C  sind  schon  unter  ii  2  verzeichnet;  doch 
ist  hier  noch  jener  änderungen  zu  gedenken,  die  von  C  (dh.  Hein- 
rich von  München)  vorgenommen  sind  zum  zweck  der  einverleibung 
unseres  gedichtes  in  eine  umfangreiche  Weltchronik,  die  verse 
4417  —  24  sind  durch  IQ  zeilen  über  die  päbste  Sabinianus  und 
Bonifacius  ersetzt,  der  excurs  über  das  griechische  kaisertum  (4439  bis 
88)  ist  übergangen ,  an  seine  stelle  unter  teilweiser  benutzung  Otte- 
scÄer  reime  (4425 — 38)  ein -passus  getreten ,  der  zur  geschichte  von 
der  kreuzesgewinnung  überleitet  (4489  ff),  für  5309  —  74  und 
nach  5392  bietet  C  einen  versificierten  text  der  Sächsischen  welt- 
chronik,  auch  hier  loider  Ottesche  reime  verwertend. 

3.  abgesehen  von  der  Umwandlung  ganzer  zeilen  ändert  C 
die  reime,  um  mitteldeutsche  reime  oder  nicht  gemeindeutsche  worte 
auszumerzen,  oder  in  folge  vorgenommener  kürzungen,  sehr  oft 
aber  auch  rein  willkürlich:  208.  526.  560.  703  und  768  (vgl. 
1639.  40.  4021.  2.  4299).  805.  1283.  4.  1657.  8.  2077.  8.  2080. 
2187.8.  2488.  2526.  2609.  2721—3.  3283—8.  3313 /f.  3361. 
2.  3623.4.  4117  —  9.  4123.4.  4239.40.  4281.2.  4617.8. 
4931.  2.  4939.  40.  5007.  8.  5127.  8.  5281.  2. 

Die  obigen  Zusammenstellungen  ergeben  für  ABC  folgendes 
Verhältnis:  bereits  die  vorläge  von  ABC  (s.  unten  im  Stammbaum  x) 
war  fehlerhaft.  C  stellt  sich  näher  zu  B  als  zu  A  und  weist  mit 
B  auf  eine  gemeinsame  quelle  (y) ,  die  nicht  frei  von  interpola- 
tionen  war  (s.  oben  ii  2).  da  C  aber  auch  mit  A  berührungen 
hat  und  zwar  nicht  nur  im  echten  sondern  auch  im  unursprüng- 
lichen, so  ist  für  C  eine  vorläge  (z)  anzusetzen,  die  im  wesent- 
lichen den  text  von  B  enthielt,  daneben  aber  am  rande  lesarten 
nach  einer  A  nahe  stehenden  hs.  zeigte;  diese  lesarten  betrafen 
vor  allem  die  glättung  der  reime,  aber  auch  irriges,  sinnstörendes 
wurde  mit  angemerkt,  der  oberdeutsche  Schreiber  von  a  nahm  die 
am  rande  stehenden  lesarten  nach  gutdünken  in  den  text  auf  und 
dieser  mischtext  bot  für  Heinrich   von  München  (C)   die  vorläge. 


BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  DES  ERACLIÜS  337 

Original 


a 
Heinrich  von  München 


Ob  der  fragmentarische  schluss  von  B  dem  Schreiber  von  B  oder 
seiner  vorläge  —  «n  diesem  falle  wäre  zwischen  y  B  ein  ß  einzu- 
fügen —  zur  last  fällt,  mag  dahingestellt  bleiben.  —  die  kritik  ist 
übel  daran,  da  sie  selbst  dann,  wenn  AC  gemeinsam  B  gegenüber 
den  besseren  text  haben,  nie  sicher  ist,  ob  die  lesart  von  x  oder 
z  vorliegt,  immerhin  werden  wir  in  der  Übereinstimmung  von  AC 
in  der  mehrzahl  der  stellen  die  ursprüngliche  lesart  erkennen  dürfen, 
wo  BC  A  gegenüberstehen ,  ist  jedes  mal  betreffs  des  echten  zu  er- 
wägen, während  B,  was  Graef  verkannte,  altertümlicher  und  ur- 
sprünglicher ist  in  spräche  und  reim,  ist  A  in  so  fern  ein  sorg- 
fältigerer abschreiber,  als  er  wenig  auslässt  und  kürzt,  auch  nur 
sehr  selten  etwas  hinzusetzt;  seine  änderungen  bleiben  auf  das 
einzelne  beschränkt,  inhaltlich  ist  A  nicht  ausnahmslos  aber  über- 
wiegend der  treuere  gewuhrsmann ,  der  sprachlich  freilich  viel  öfter 
durch  B^C)  controliert  werden  muss,  als  Graef  das  getan  hat.  man 
kommt  eben  beim  Eracliustext ,  wie  ich  schon  im  eingang  betonte, 
nicht  über  einen  eclecticismus  hinaus.  C  an  sich  bietet  wenig  wert- 
volles, viel  törichtes,  wo  C  den  text  von  AB  bessert,  habe  ich  die 
lesart  durch  gesperrten  druck  hervorgehoben,  letzteres  ein  par  mal 
auch  da,  wo  es  sich  um  die  ursprünglichere  lesart  von  BC  A  gegen- 
über handelt ;  hierüber  erschöpfendes  zu  bieten,  lag  nicht  in  meiner 
absieht,  auch  aus  der  lesart  von  A  und  B(C)  ist  gelegentlich  durch 
combination  der  echte  text  herzustellen,  wie  schon  Behaghel  her- 
vorhob. 

Tübingen.  PHILIPP  STRAUCH. 


338  MIT  EINEM  ATTRIBUT 


MIT  EINEM  ATTRIBUT  ZUSAMMENGESETZTE 
PERSONENNAMEN. 

In  jeder  Stadt  Deutschlands,  ja  in  jedem  orte,  wo  sich  ein 
gemeinwesen  befindet,  gibt  es  personen,  deren  name  vom  volke 
durch  hinzufügung  eines  irgendwie  characterisierenden  oder  blofs 
bezeichnenden  attributs  näher  bestimmt,  individuahsiert  und  dif- 
ferenziert wird,  das  attribut,  welches  den  verschiedenartigsten 
erscheinungen  und  lebensverhältuissen  des  Individuums  entlehnt 
sein  kann,  steht  entweder  vor  oder  hinter  dem  namen,  und  zwar 
entweder  mit  demselben  zu  einer  äufsern  einheit  verbunden  oder 
in  eigener  wortform. 

Wie  es  heute  geschieht,  ist  es  auch  in  alter  zeit  gewesen; 
nur  dass  dem  mittelalter,  besonders  der  frühsten  periode  des- 
selben, die  form  der  Zusammensetzung  nicht  so  geläufig  war  als 
der  spätem  und  jetzigen  zeit,  wo  sie  gerade  weit  überwiegt, 
das  schlesische  grafengeschlecht  Schaffgotsch  zb.  stützt  sich  auf 
Gotsche  Schof  {\2  ih.)  dh.  Schafgoltfried ;  dem  heutigen  familien- 
namen  Mnndhenke  ist  der  ältere  einzelname  Friderkus  Mittem- 
mnnde  (Bacmeister  German.  kleinigk.  36^)  vergleichbar;  Witlmake 
oder  Wütmack  und  Langmaak  lauteten  in  niederd.  Urkunden  des 
15  jhs.  Witte  oder  Wytte  Make  (weifser  Markwart)  und  Langhe 
Marquart  (Mantels  programm,  Lübeck  1854,  s.  9  und  23). 

Vergleicht  man  die  einzelnen  hierher  gehörigen  namen  unter 
und  mit  einander,  so  stellen  sich  zwei  hauptclassen  heraus,  je 
nach  dem  das  erste  wort  der  Zusammensetzung  ein  adjectiv  ist 
oder  einen  andern,  in  der  regel  substantivischen  oder  verbalen, 
begriff  enthält. 

Während  namen  wie  Grofsmann,  Kleinmann,  Kurzmann, 
Langmann,  Schwarzmann,  in  so  fern  sie  dasselbe  bedeuten  wie 
Grofs,  Klein,  Kurz,  lang,  Schwarz,  allgemein  zu  verstehen  sind, 
findet  in  Grofsheinrich,  Kleinmichel,  Kurznickel,  Langpeter,  Schwarz- 
hans durch  das  adjectiv  eine  nähere  bestimmung  oder  individuali- 
sierung  derjenigen  personen  statt,  die  an  sich  und  ursprünglich 
blofs  Heinrich,  Michel,  Nickel,  Peter,  Hans  heifsen.  die  in  dem 
adjectiv,  welches  entweder  flectiert  oder  viel  häufiger  unflectiert 
auftritt,    enthaltenen   eigenschaften    sind  nicht   sehr  manigfaltig; 


ZUSAMMENGESETZTE  PERSONENNAMEN  339 

sie  beziehen  sich  gröslenteils  auf  unterschiede  des  alters  und  des 
aussehens  (Jungjohann,  Brminbehrend),  zuweilen  auf  die  läge  der 
Wohnung  {Niederhegemann ,  Oesterhans) ,  sowie  auf  geistige  Ver- 
hältnisse (Khigkist,  Quadejacob),  andere  beziehungen  scheinen 
fast  völlig  ausgeschlossen  zu  sein,  die  einfachen  nameu,  natür- 
lich mit  ausnähme  derjenigen  auf  -meier,  -midier,  -Schmidt, 
-Schulz  und  einzelner  ähnlichen  mehr,  die  gleichwol  ihrerseits 
dem  zweifei  anderweit  ausgesetzt  sind,  entsprechen  gewöhnlich 
unsern  sogenannten  vornameu  und  davon  abgeleiteten  formen; 
jedoch  ist  darauf  kein  gewicht  zu  legen ,  da  vornamen  auch  ge- 
schlechtsnamen  sein  können,  namen  auf  -meier,  -midier  usw. 
lassen  im  allgemeinen  eine  doppelte  auslegung  zu,  je  nach  dem 
diese  Wörter  den  gattungsbegriff  behaupten  oder  als  eigennamen 
gelten.  Ohlmeyer  zb.  kann  an  sich  einen  alten  meier  und  einen 
alten  namens  Meier  bedeuten,  Lütjemidler  einen  kleinen  niüUer 
und  einen  kleinen  mann  mit  namen  Midier;  ebenso  steht  es  mit 
Langschmidt,  Schwarzschulz,  Grofsschneider,  Dolhveber,  Kleinbecker. 
von  den  vielen  namen  dieser  art  dürfen  hier  nur  einzelne  auf- 
geführt werden,  bei  denen  man  die  geltung  als  eigennamen  an- 
zunehmen einigen  grund  haben  kann,  während  es  allerdings 
feststeht,  dass  die  mehrzahl  in  appellativem  sinne  zu  verstehen  ist. 
es  folgen  nun,  nach  der  alphabetischen  Ordnung  des  adjectivs 
und  des  einfachen  personennamens  gesondert,  eine  anzahl  heutiger 
familiennamen. 

Altfelix,  Althainz,  Althans  und  Althannfs,  Altjohann  und 
Aldejohann,  Altmeyer  und  Ohlmeyer,  AltmiUter  (?  vgl.  Milther  altd. 
Muather  und  Polt  Personennamen  155),  Altnikol,  Altpeter,  Olrahe, 
Altrichter,  Altschiitz,  Altenberend,  Altenbrandt,  Altenheinrich,  Alter- 
beck (Beck  oder  beck,  hecke,  bäcker?),  Altergott  (?  vgl.  Mehlgott, 
Seegott);  Armbauer  (?  s.  Bacmeister  15''). 

Böswillibald ;  Braunbehrend,  Brunhuber  und  Brunhöber,  Brun- 
otte  (vgl.   Ficks  Götliuger  progr.  1875  s.  3^),  Brnnschön. 

Dollhopf,  Dolleschall,  Dollschneider ,  Dollweber. 

Framhein  (Hamburg)  bedeutet  'frommer  Heinrich',  aber  From- 
berg,  Frommhagen  scheinen  nicht  die  personennamen  Berg,  Hagen 
zu  enthalten,  sondern  locales  Ursprungs  zu  sein ;  Fidjahn  (fauler 
Johann). 

Graumidier,  Graupeter,  Grauwirtz;  Gravecarstens  (niederd. 
grave  f.  grove,  von  grof,  grob),  Grobmeyer;  Grofsbernd,  Grate- 


340  MIT  EINEM  ATTRIBUT 

brun,  Grofsbudde,  Grofsgebauer,  Grofshans,  Grofsheinrich,  Grofs- 
henn  und  Grotehen,  Grotehenke,  Grofshenm'g,  Grofsherrig,  Grofs- 
johann,  Grotjohann,  Grofsjan,  Grotjan,  Grottan  nebst  Groterjahn 
und  Grotrian  (frz.  Grandjean] ,  Grofsklaus  und  Grotklags,  Grofs- 
kurt,  Grofspietsch  (kl.  Grandpierre);  Grünmäller;  Gutberiet  (ßevold), 
Guthans,  Gutheins,  Gaudian  (frz.  Bonjean) ,  Gutkaefs  (Cornelius), 
Guthnick,  Gutschmid,  Gutschneider,  Gutenjan  und  Guderian. 

Der  niederd.  name  Hilgenreiner ,  dessen  zweiter  teil  jedesfalls 
den  namen  Beiner  begreift,  legt  in  betreff  des  ersten  teiles  die 
Vermutung  nahe,  dass  in  demselben  das  adjectiv  'heilig'  (vgl. 
Hilgenberg,  Eilgendorf,  Hilgenfeld)  enthalten  sei  und  der  Reiner 
etwa  mit  den  sogenannten  'hilgen',  wie  in  einigen  gegenden  die 
widertäufer  heifsen  (Schambach  Wörterb.  82'),  in  Verbindung 
stehe;  es  kann  aber  auch  ein  ganz  anderes  wort  zu  gründe 
liegen,  nämlich  hilge  (anderswo  hille),  der  Speicher  über  den 
viehställen  an  der  hausdiele  (vgl.  DWB  5,  1331),  wonach  der  name 
zu  der  zweiten  hauptclasse  gehören  würde,  in  Hilligmeier  ist 
das  adjectiv  (niederd.  hillig,  hilg)  besser  erkennbar.  Hochscherf, 
Hochschon,  Hochuli  weisen  auf  einen  hoch  oder  oben  wohnenden 
Scherf,  Schon,  Ulrich  hin;  vielleicht  ist  HocMöhz  (Pott  617  denkt 
au  einen  tänzer)  ebenso  zu  beurteilen  (Banz  koseform  aus 
Dankwart). 

Jungandreas,  Jungandres  und  Jungendres,  Jungbär,  Jung- 
becker, Jungclaus,  Jungklaafs  und  Jimgclas  nebst  Jungglas  und 
Junglaus,  Junghahn,  Junghändel,  Junghans,  Junghäny,  Jungheim, 
Junghenn,  Jungjohann,  Jungkunz,  Jungkurt,  Jungmichel,  Jung- 
nickel, Jungschläger. 

Kleinbecker,  Kleinberg,  Kleinbrahm,  Kleinbrinck,  Kleinclans, 
Kleingünther,  Kleinhaas,  Kleinhager,  Kleinhans,  Kleinheinz,  Klein- 
held, Kleinhenn,  Kleinhenz ,  Kleinjung,  Kleinmeier,  Kleinmichel, 
Kleinnagel,  Kleinpaul,  Kleinpoppen,  Kleinritter,  Kleinvogel;  Klug- 
fr«sf  (Christian),  Klaukemeyer;  Krummpeter;  Kurzkurt,  Kurznickel, 
Kurzwernhart. 

Langbecker,  Langhans,  Langheim,  Langheinrich,  Langheinz, 
Langheld,  Langhennies,  Langlotz  (Ludwig),  langmaak,  Langmeyer, 
Langnickel,  Langpeter,  Langrehr  (Rehr  aus  Rehder) ,  Langreuter, 
Langthim  (altd.  Timmo  aus  Dietmar),  Langehennig,  Langeloth, 
Langematz,  Langenbartels ,  Langenhann,  Langenheinicke ,  Langen- 
heinz,  Langenhennigs ,  Langerhans  und  Langerhannfs ;  Lieberkühn, 


ZUSAMMENGESETZTE  PERSONENNAMEN  341 

Liebernichel ;  niederd.  Liitchebrnn  und  Lutjebrnne,  Lüttjohann  (frz. 
Petitjean),  oberd.  Lützelschwab. 

Magerhans,  Magerkurth;  Middelschulte ;  Minderjahn  (Johannes 
junior). 

Neubrand,  Neukranz,  Neukurth;  Niederbegemann,  Niederheit- 
mann, Niedermeyer  und  Neddermeyer,  Niederschulte. 

Oberconz,  Oberpichler,  Oberste-Kampmatm;  Oesterhans. 

Quadejacob  (niederd.  quad,  schlecht). 

Reichpietsch ;  Rodrian,  Rothfischer,  Rothjacob,  Rothschulz. 

Schmajohami  (vgl.dän.  smaa,  klein);  Schmaljohann,  Schmalian, 
Smalian;  Schönjahn,  Schönian  und  Schönigan  (vgl.  Kielgan  und 
Kilian,  Dönniges  aus  A7itonius),  Schönnagel,  Schöneberndt,  Schöne- 
yahn,  Schönewolf;  Schragmüller ;  Schwachmeier;  Schwarzhans, 
Schwarzhub  er ,  Schwarzott,  Schwarzreinhardt,  Schwarzschulz; 
Starckjohann ;  Storjohann  (nord.  stör,  grofs);  Strackerjan  (schlanker 
J.);  Sturhahn,  Sturhann  (ahd.  stur,  grofs);  Suerjohann  (Süder- 
johann ;  vgl.  Sauerland  =  SUderland). 

Wackernagel  (vgl.  Polt  140),  Wackerzapp  (Zapp,  Zapf,  Zapfe, 
zapfer,  in  Achen  bierwirt;  vgl.  Tapper  und  Wientapper) ;  Wester- 
millies  (zu  Aemilius;  vgl.  Borries,  Görries,  Nellies  aus  Liborius, 
Gregorius,  Cornelius);  Wittclaus,  Wittgreve,  Wittjohann,  Wittmark 
nebst  Wittmack  und  Wittmake  (oben  s.  338) ,  Wittmeyer,  Witt- 
struck (niederd.  Struck,  hochd.  Strauch;  vgl.  Wienstruck  und 
Weinstrauch). 

Verschiedene  namen,  die  man  gleichfalls  hierher  zu  rechnen 
geneigt  sein  kann,  scheinen  anders  beschaffen  zu  sein  oder  sind 
mehr  oder  weniger  zweifelhaft.  Krusemark  und  Schönermark  be- 
deuten nicht,  wie  vermutet  worden  ist  (vgl.  Germania  23,  20), 
einen  krausen  und  einen  schönen  Marcus  oder  Markioart,  son- 
dern gründen  sich  auf  gleichlautende  localnamen.  Schwarzlose 
hängt  doch  wol  zunächst  mit  dem  orte  Schwarzlosen  im  Magde- 
burgischen zusammen,  nicht  mit  dem  familiennamen  Lose,  wie 
Pott  79  angibt.  Wackerbarth,  anscheinend  wie  Wackernagel  und 
Wackerzapp  zu  verstehen  und  schon  um  1600  nachweisbar  (vgl. 
Nordalbing.  stud.  1,1019),  wird  aus  Wackebard  (von  wacken,  woher 
wackeln),  einem  im  Kieler  stadtbuche  verzeichneten  beinamen  des 
13  jhs.,  entstellt  sein,  durch  Korthauer  und  Kortheuer  werden 
schwerlich  kurze  personen  mit  namen  Hauer  und  Heuer  (vgl. 
Kurznickel  ua.)   bezeichnet;   die   namen   rühren   vermutlich   vom 


342  MIT  EINEM  ATTRIBUT 

fleischerhandwerk  her  und  köanen  mit  Fleischhauer  und  Fleisch- 
heuer  nebst  Fleischhacker,  Knochenhauer  und  Beinhauer  verglichen 
werden,  der  erste  teil  von  Reinheinz  (Vilmar  Namenb.  14)  ist 
wol  nicht  das  adjectiv  (purus),  welches  in  Zusammensetzungen 
dieser  art  überhaupt  nicht  vorzukommen  scheint,  sondern  ent- 
weder die  koseform  Rein  (Reino,  Ragino)  oder  ein  noch  anderes 
wort,  ebenso  wenig  dürften  Rojahn  und  Ropeter  als  'rauher  J., 
rauher  P.'  (Ficks  progr.  18)  zu  deuten  sein  (in  welcher  mundart 
gilt  ro  für  'raub,  mhd.  rüch"?  eher  liefse  sich  'roher'  und  selbst 
'roter'  denken);  die  formen  scheinen  vielmehr  den  altd.  stamm 
Rod  (Hrod)  zu  enthalten  und  denselben  ausfall  von  buchstaben 
zu  zeigen,  welcher  in  Robert,  Roger,  Roleff  (vgl.  Roschütz  bei  Steub 
Oberd.  fam.  115)  bekannt  ist.  dass  der  Basler  geschlechtsuame 
Merian  als  der  'mehrere  (grüfsere)  Johann'  (vgl.  Minderjahn)  zu 
erklären  sei,  hält  Becker  in  seinem  progr.  1864  s.  19  für  un- 
wahrscheinlich, ohne  indes  den  versuch  einer  andern  deutuug 
zu  unternehmen,  oh  Ruschepanl  i\eü  russischen  Paul  {vgl.  Preusch, 
Preuscheti)  oder  so  viel  wie  Paul  Rusche,  wenn  nicht  noch  etwas 
anderes  bedeute,  wird  schwer  zu  bestimmen  sein,  unter  Elend- 
schneider ist  kein  elender  Schneider  zu  verstehen,  sondern  einer, 
der  von  der  Elendschneid,  dh.  gränze  des  oft  fälschlich  elend  ge- 
nannten  elentiers,  stammt  oder  daselbst  wohnt  (vgl.  Steub  144); 
ebenso  mag  es  um  Wölfenschneider  stehn  (vgl.  Wessanschneid, 
mit  bezug  auf  den  icisent,  altd.  wisant).  Schickedanz  bedeutet 
nicht,  wie  der  verst.  Büchmann  in  einem  gedruckten  vortrage 
behauptet  hat,  'der  schiefe  Daniel'  (vgl.  Schickfufs  und  Schiekopp, 
von  mhd.  schiech,  schief),  zwar  auch  nicht  'schiefer  Danz',  was  sich 
eher  vertrüge,  ist  vielmehr  ein  auch  in  den  formen  Schicketanz, 
Schicktanz,  Schickendans  vorkommender,  mit  Lobedanz  und  Mache- 
danz  zu  vergleichender  imperativname:  schicke  dh.  ordne  den 
tanz  (von  FReuter  appellativisch  im  sinne  von  tanzordner  ge- 
braucht), mit  rücksicht  darauf,  dass  der  sonderbare  name  Lill- 
popp  (auch  Lillbopp,  bei  Steub  215)  kürzlich  als  'kleiner  Poppo' 
erklärt  worden  ist,  mag  es  hinreichen  zu  bemerken  dass  in 
keiner  deutschen  mundart,  wol  aber  im  schwed.  und  dän.  dem 
mhd.  lützel,  engl,  little,  eine  form  lille  entspricht,  und  ferner 
dass  im  alts.  die  lilie  Ulli  hiefs. 

Einen  gröfsern  umfang  als  die  adjectivischen  namen  nehmen 
diejenigen  ein,  welche  mit  einem  worte  von  anderer  form  und  be- 


ZUSAMMENGESETZTE  PERSONENNAMEN  343 

deutung  zusammeDgesetzt  sind,  für  diese  namen  gilt  in  noch 
höherem  grade,  was  in  betreff  der  fertigkeit  des  volksmundes, 
den  namen,  zumal  den  allgemein  gebräuchlichen  namen  einer 
person  mit  einem  diese  person  kennzeichnenden  attribut  zu  ver- 
binden und  auf  solche  weise  näher  zu  bestimmen  und  von  andern 
zu  unterscheiden,  gleich  anfangs  gesagt  worden  ist.  schon  in 
der  alten  zeit  wurden  dergleichen  beinamen  gegeben;  aus  dem 
15  jh.  führt  Bacmeister  unter  andern  Frowenhaas,  Leckerhennslin, 
Samstags-Peter  an.  interessant  und  vielfach  lehrreich  sind  eine 
menge  Spitznamen,  unter  denen  vor  70  —  80  jähren  mitglieder 
der  gefürchteten  V^ogelsberger  und  Wetterauer  räuberbanden  bei 
ihresgleichen  und  im  übrigen  volke  bekannt  waren  (vgl.  Pott 31 
anm.,  nach  vGrolmanns  Actenmäfsiger  geschichte).  da  hiefsen 
ein  Justus  Diez  und  ein  Christoph  Schmidt  vom  lumpensammeln 
Lumpen-Jost  und  Lumpen-Stoffel,  ein  Johannes  Oberländer,  weil 
er  mit  hölzerneu  löffeln  handelte,  Löffel-Hatines,  ein  Georg  Hörn 
vom  wurzelgraben  Wurzel-Georg,  ein  Johannes  ßorgener,  welcher 
mahnen  (art  körbe)  verfertigte  und  feil  bot,  Mahnen- Hannes;  da 
gab  es  einen  Sing- Michel,  einen  Kalk-Hannes ,  einen  Porcellan- 
Hannes,  von  ihrer  beschäftigung;  Nicolaus  Boss  wurde,  weil  er 
in  Schlitz  geboren  war,  Schlitz -Klöschen  und  sodann  verdreht 
Schnitz-Klöschen  genannt;  der  Himds-Hannes  trug  seinen  namen 
nicht  vom  hunde,  sondern  von  seinem  geburtsorle  Hundshausen; 
ein  Peter,  welcher  von  Zigeunerinnen,  die  das  volk  heidinnen 
nannte,  erzogen  war,  hiefs  Heiden- Peter ,  daher  auch  seine  ge- 
liebte das  Heiden -Kathrinchen;  Andreas  Frank,  der  halbbruder 
eines  der  gefährlichsten  räuber,  des  Hann  Adam  (Johann  Adam 
Frank),  hatte  nach  seiner  multer,  der  sogenannten  Z%e«- C/are, 
den  Spitznamen  Cläre-Andres,  diesen  räubernamen  ähnliche  bei- 
namen führen  in  neuerer  zeit  Berliner  Verbrecher,  zb.  Böttcher- 
karl von  seinem  handwerk,  Pallisadenkarl  von  der  Pallisaden- 
strafse.  nach  der  Bonner  zeitung  wird  eine  Endenicher  näherin 
Margareta  B.  vom  volke  Schießbuden- Griet  genannt;  in  Bonn 
selbst  heifst  der  tapetenfabrikant  und  -händler  Meyer  insgemein 
Tapeten- Meyer ;  Josephine,  die  haushälterin  eines  predigers  an 
der  hiesigen  Minoritenkirclie,  gilt  im  kreise  ihrer  nähern  be- 
kannten als  Minoriten-Fina.  vor  einigen  20  jähren  gab  es  in 
Mülheim  a.  d.  Ruhr  einen  Butter- Jan,  einen  Kohlen -Hermann 
und  einen  Mehl-Hannes,  eine  Mangel-Lena  (mangeln,  wasche  mit 


344  MIT  EINEM  ATTRIBUT 

der  walze  oder  rolle  glätten),  ein  Bügel  -  Mieksken  (Mieke  oder 
Marie  die  büglerin),  ein  Näh-Drütschen  (Traudchen  die  näherin), 
eine  Butter -Mina  und  eine  Sajett-Mina  {kz.saiette,  art  Strick- 
wolle), auch  die  deutsche  litteratur  kennt  dergleichen ,  zb.  den 
Patriotetikaspar  in  Immerniauns  Münchhausen,  den  Krappenzacher 
in  Auerbachs  Barfüfsle.  zur  Unterscheidung  von  andern  des- 
selben namens  werden  insbesondere  personen,  welche  die  überaus 
geläufigen  namen  Müller,  Meier,  Schulz  und  ähnliche  tragen, 
durch  ein  vorgesetztes  altribut  näher  bezeichnet,  ein  professor 
Müller  in  Halle,  der  ein  berühmtes  buch  über  die  sünde  ge- 
ihrieben  hat,  hiefs  Sünden- Müller ,  zwar  wol  weniger  unterm 
gemeinen  volke,  welches  davon  nichts  wissen  kann,  als  unter 
studierenden ;  ein  anderer  (Leipziger)  prof.  Müller  galt  insgemein 
als  Zopf-Müller,  ältere  Berliner  erinnern  sich  des  Linden- Müller, 
der  im  jähre  1848  seine  vortrage  in  der  hauptstrafse  'unter  den 
linden'  hielt,  ein  bekannter  physiologe  in  Berlin  hiefs  mit  be- 
ziehung  auf  seine  hauptschrift  Blut- Schulze;  ein  dortiger  maler^ 
von  dem  ein  beliebtes  jagdstück  herrührt,  Jagd- Schulz;  ein  ori- 
gineller kritiker,  der  beim  sprechen  fortwährend  zu  spucken 
pflegte.  Spuck  -  Schulz ;  der  Verfasser  einer  abhandluug  über  die 
heilkraft  des  wassers  Wasser  -  Schulze,  ein .  antiquar  Meyer  in 
Hamburg,  welcher  eine  dortige  feier  des  befreiungskrieges  geleitet 
hatte,  wurde  kenntlich  durch  die  bezeichuuug  Feier-Meyer,  unter 
Tiei-Wolff  \sl  der  bildhauer  Wolff  in  Berlin,  dessen  kunst  sich 
vorzugsweise  auf  nachbildung  von  tieren  bezog,  zu  verstehen; 
von  selbst  erklärt  sich  Zeitungs-  Wolf,  allgemeiner  bekannt  ist 
die  Unterscheidung  zweier  preufsischen  Staatsbeamten,  des  finanz- 
ministers  Bitter,  der  über  den  coniponisten  Bach  geschrieben 
hat,  und  seines  bruders,  des  Präsidenten  der  seehandlung;  der 
eine  heifst  Bach-Bitter,  der  andere  See-Bitter,  in  den  briefen  von 
Goethes  mutier  an  die  herzogin  Amalie  kommt  ein  Höllen-Bregel 
vor,  welcher  besser  als  Höllen -Breughel,  noch  genauer  Höllen- 
Biueghel  zu  bezeichnen  war;  gemeint  ist  der  holländische  maier 
fieler  Bnieghel,  der  es  liebte  groteske  teufeleien  darzustellen;  ein 
jüngerer  bruder  desselben  wurde  Satnt - Brneghel  genannt,  der 
von  den  Dänen  nach  ihrem  ersten  kriege  mit  den  Deutschen  in 
Schleswig  eingesetzte  hauptprediger  Martens,  welcher  als  Schweine- 
züchter gröfsern  ruf  hatte  und  verdiente  denn  als  kanzelredner 
und  Seelsorger,   hiefs   unterm  volke   nach  dem  dortigen  dialecte 


ZUSAMMENGESETZTE  PERSONENNAMEN  345 

Swim- Mortem,  in  Schleswig -Holstein  machte  vor  jähren  der 
sogenannte  Kartoffel- Gillich  viel  von  sich  reden;  das  war  ein 
mann  namens  Giilich,  der  eine  neue  methode  kartoffelu  zu  bauen 
aus  Amerika,  wohin  er  früh  gewandert  war,  in  sein  heimatland 
mitbrachte,  aus  Hannover  (s.  Mertens  progr.  1875  s.  61)  werden 
als  volkstümliche  benenuungen  angeführt:  Bleicher  -  Haase  und 
Dreck-Haase,  Thee-Werner  und  Treppen-Werner,  Bade-Schrader, 
Gummi-Cohen  ua. 

Diese  reihe  aus  dem  leben  gegriffener  beinamen,  deren  Ur- 
sprung nachgewiesen  werden  kann,  gibt  nun  einen  wichtigen  an- 
hält für  das  Verständnis  derjenigen  geschlechtsnamen  derselben 
art,  denen  es  im  allgemeinen  an  einem  zuverlässigen  historisciien 
hintergrunde  mangelt,  zwar  steht  hier,  wie  in  der  deutung  sehr 
vieler  Jüngern  namen,  die  aus  beinamen  erwachsen  sind,  über- 
haupt, der  Vermutung,  der  combinalion,  dem  Scharfsinn  ein  grofser 
Spielraum  offen,  der  objectiven  forschuug  darf  und  muss  es  in- 
dessen genügen,  die  richtigkeit  der  allgemeinen  beziehung  walten 
zu  lassen,  woraus  die  verschiedenen  möglichkeiten  der  besondern 
Verhältnisse  sich  von  selbst  ergeben,  aus  der  unzahl  der  namen 
auf  -meier,  -müller  und  ähnlicher  können  auch  hier  nur  wenige 
herausgehoben  werden. 

Den  allgemeinen  begriff  einer  person  behaupten  auf  diesem 
besondern  gebiete  vviderum  diejenigen  geschlechtsnamen ,  welche 
auf  -mann  ausgehen,  während  zb.  Blattermann,  Brillmann,  Fanst- 
mann,  Kriickmann,  Nasemann,  Schlenkermayin  eine  unbestimmte 
person  characterisieren,  werden  durch  Beinhans,  Bierkort,  Brod- 
merkel, Schreibvogel,  Stiefelmeyer  bestimmte  Individuen,  deren 
eigentliche  namen  Hans,  Kort,  Merkel,  Vogel,  Meyer  zu  den 
gewöhnlichsten  gehören,  näher  bezeichnet  und  von  andern,  die 
denselben  einfachen  namen  tragen,  unterschieden. 

Die  beziehung  zwischen  dem  ursprünglichen  namen  und  dem 
ihm  beigefügten  worte  ist  zwar  in  den  meisten  fällen,  zb.  in  den 
zuletzt  genannten  geschlechtsnamen,  deutlich  und  unverkennbar; 
einige  namen  jedoch  geben  hinsichtlich  des  grundes  der  beziehung 
und  der  daraus  folgenden  bezeichnung  mehrfachen  Vermutungen 
räum,  unter  denen  oft  nur  schwer  gewählt  werden  kann,  welcherlei 
beziehung  zb.  findet  in  Baumotte  oder  Hausotte  zwischen  dem 
Otto  und  einem  bäum  oder  haus  statt?  steht  dem  einen  etwa 
ein  bäum  vor  dem  hause,  oder  ist  er  besitzer  einer  baumschule, 
Z.  F.  D.  A.    XXXI.    N.  F.  XIX.  23 


346  MIT  EINEM  ATTRIBUT 

der  andere  vielleicht  hausmakler?  in  Linsenbarth  und  Linsen- 
meyer liegt  das  bestimmende  wort  auf  der  band,  nicht  so  die 
beziehung:  Barth  und  Meyer  können  vorzugsweise  linsen  bauen 
und  damit  handeln ,  sie  können  aber  auch  ausgesuchte  liebhaber 
von  linsen  sein,  und  noch  andere  möglichkeiten  lassen  sich  denken. 
Poggenhans,  Poggenklas  gestatten  eine  doppelte  beziehung,  ent- 
weder auf  den  niederd.  ausdruck  für  frosch,  pogge,  oder  auf  den 
daher  entlehnten  geschlechtsnamen  Pogge.  Beckadolf  kann  be- 
deuten 1)  Adolf  Beck,  2)  bäcker  Adolf.  Federhen  und  Fenerherm 
geben  zu  raten,  welche  passende  beziehung  auf  'feder'  und  'teuer' 
anzunehmen  sei.  der  erste  teil  von  Engeljohann  ist  als  geschlechts- 
name  bekannt,  der  Johann  braucht  aber  nicht  selber  Engel  zu 
heifsen,  vielleicht  ist  er  der  dieuer  oder  überhaupt  ein  angehöriger 
eines  Engel;  allein  aufserdem  muss  auch  die  beziehung  auf  ein 
haus,  welches  den  namen  auf  dem  Schilde  führt,  insbesondere 
einen  gaslhof  oder  eine  apotheke,  berechtigt  erscheinen,  noch 
anderer  ferner  liegenden  erklärungen  zu  geschweigen.  ich  teile 
folgende  namen   mit: 

Ackerkurt;  Aneshensel  (der  Hensel  des  ahni,  dh.  des  grofs- 
valers:  Heintze  Familiennamen  153^);  Angelkort;  Ankenhrand 
(oberd.  anke,  butter);  Appelhans. 

Backenköhler;  Bauerhenne  und  Bnrhenne;  Baumotte;  Bau- 
schäfer; Beinhans;  Bienengräber  (vgl.  Pott  296),  Bienmeier ,  Bie- 
miiller  (mhd.  bie,  bleue);  Bierfischer,  Bierhenke,  Bierkort,  Bier- 
schröder (oder  bierschrüter,  bierlader  ?) ;  Bonmvitt {W'ill  aus  Bonn?); 
Borgmärten  (nicht  von  borgen  sondern  von  niederd.  6or5'  =  bürg); 
Bowenschulte ;  B